KONTAKT

Geschäftstelle:

Ärztlicher
Kreisverband
Erlangen

Körperschaft des
öffentlichen Rechts

Bauhofstr. 6
91052 Erlangen

Telefon:
Fax:
Email:

09131/24909
09131/21015
kontakt@aekv-erlangen.de


Geschäftszeiten:

Montag:
Mittwoch:

16.00 - 18.00 Uhr
14.00 - 18.00 Uhr


>>Newsletter abonnieren

Pressemeldungen

25.05.2020 Forschungsstarker Innovationsstandort für KI und Medizin
Pressemeldung der FAU

Wissenschaftsminister Bernd Sibler zu Besuch am KI-Gesundheitsknoten Erlangen

Künstliche Intelligenz (KI) und Medizintechnik – zwei Zukunftsthemen, die untrennbar mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) verbunden sind: Seit mehr als 40 Jahren wird hier zu KI geforscht, im Bereich Medizintechnik genießt sie ebenfalls internationales Renommee. Kein Wunder also, dass an der FAU im Rahmen der Hightech Agenda Bayern (HTA) der KI-Gesundheitsknoten angesiedelt wurde. Was für Impulse heute und in Zukunft von dem KI-Gesundheitsknoten zu erwarten sind, davon hat sich der Bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler bei einem Besuch am 25. Mai selbst ein Bild gemacht.

„Die Etablierung des KI-Gesundheitsknotens Erlangen durch die HTA schafft für die FAU einzigartige Voraussetzungen, um hier einen führenden Forschungsstandort für KI in der Medizin und Gesundheit auszubauen“, sagt FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger. „Die FAU nutzt diese Chance, um Bayern als forschungsstarken Innovationsstandort für KI in Medizin und Gesundheit national und international sichtbar zu positionieren.“

„Die FAU Erlangen-Nürnberg ist traditionell stark sowohl in der Medizintechnik als auch in der KI. Die logische Folge ist, beide Bereiche miteinander zu verknüpfen. Bereits vor der HTA arbeiteten mehr als 60 Lehrstühle und Professuren an für die KI wichtigen Themenfeldern. Ich freue mich, dass wir im Rahmen der HTA zwölf neue KI-Professuren an der FAU einrichten und somit in Erlangen einen starken KI-Gesundheitsknoten knüpfen. Damit setzen wir gerade in Zeiten von Corona ein wichtiges Zeichen: Technologieförderung ist kein Selbstzweck, sondern muss dem Wohl der Menschen dienen“, erläutert der Bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler.

Bereits heute ist die FAU, und die Metropolregion Nürnberg insgesamt, ein Leuchtturm im Bereich Medizintechnik: So ist der an der FAU angesiedelte KI-Gesundheitsknoten Erlangen eingebettet in das Cluster „Medical Valley“, eine international anerkannte und leistungsfähige Netzwerkstruktur zwischen dem Universitätsklinikum Erlangen, der Medizinischen, der Technischen und der Naturwissenschaftlichen Fakultät der FAU sowie der Medizintechnik- und Gesundheitsindustrie in der Metropolregion mit über 500 Unternehmen. Durch die Hightech Agenda Bayern (HTA) wird der Standpunkt weiter gestärkt und ausgebaut: Insgesamt werden zwölf neue KI-Professuren an der FAU angesiedelt – acht davon am neu geschaffenen Department Artificial Intelligence in Biomedical Engineering (AIBE), das den Kern des KI-Gesundheitsknoten bildet. Erst vor wenigen Tagen erhielt die FAU vier weitere neue Professuren aus der HTA: eine im Bereich der sensornahen Informatik und Sprachverarbeitung, eine im Bereich der Nano- und Materialwissenschaften und gleich zwei im Bereich KI in der Medizin.

d.hip: Gemeinsam Digitalisierung in Medizin und Gesundheitswesen voranbringen

Wissenschaftsminister Bernd Sibler war nun nach Erlangen gekommen, um sich selbst ein Bild über die Aktivitäten am KI-Knotenpunkt zu machen. Der „Rundgang“ fand dabei – wie kann es in Corona-Zeiten anders sein – zum Großteil virtuell statt. Wissenschaftsminister Bernd Sibler, FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger und Tobias Zobel, Directing Manager des d.hip, trafen sich jedoch an einem besonderen Ort: in den Räumen der „Digital Health Innovation Platform“ – kurz d.hip: eine Gründung der FAU gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Erlangen, Siemens Healthineers und dem Medical Valley. Ihr Ziel ist es, die Digitalisierung der Medizin und des Gesundheitswesens aktiv voranzubringen und dabei als Plattform für die transdisziplinäre Entwicklung neuer Produkte und Lösungen zu dienen. So wurde beispielsweise am Uni-Klinikum Erlangen ein Datenintegrationszentrum geschaffen, um medizinische Daten der regionalen Projekte und Gesundheitsdienstleister einer nachhaltig strukturierten KI-Analyse zuzuführen. Über das d.hip werden zudem Junior-Professuren für den Bereich Digital Health und Medizinische Datenanalyse finanziert.

Weitere Akteure aus dem KI-Gesundheitsknoten wurden virtuell zugeschaltet: Dr. Bernd Montag, CEO von Siemens Healthineers, erklärte, wie Spitzenforschung im Schulterschluss mit Technologieunternehmen zum Erfolg führt.

Prof. Dr. Andreas Maier, Inhaber des Lehrstuhls für Informatik 15 (Machine Intelligence) an der FAU, stellte sein durch einen ERC Synergy Grant gefördertes Projekt „4D+nanoSCOPE“ zur Entwicklung eines neuen bildgebenden Verfahren vor. Es soll erstmals Röntgenmikroskopie am lebenden Menschen ermöglichen. Das interdisziplinäre Projekt, das er zusammen mit dem Uni-Klinikum Erlangen und dem Helmholtz-Zentrum in Berlin durchführt, soll das Wissen über Osteoporose revolutionieren und schnellere Therapieerfolge ermöglichen. (Ausführliche Pressemeldung: https://www.fau.de/2018/10/news/wissenschaft/eu-foerderung-zur-entwicklung-eines-neuartigen-roentgenmikroskops/)

Das digitale Angebot in der medizinischen Versorgung für Schwangere verbessern – das ist das Ziel des Projekts „SMART Start“ von Prof. Dr. Björn Eskofier, Lehrstuhl für Informatik 14 (Maschinelles Lernen und Datenanalytik) an der FAU. Zusammen mit dem Uni-Klinikum sollen hier die Grundlagen für einen Ausbau des digitalen Angebots in diesem Bereich erforscht werden. So ließe sich der Aufwand für routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen reduzieren, denn für Schwangere könnten so etliche Besuche in der Arztpraxis entfallen. (Ausführliche Pressemeldung: https://www.fau.de/2020/02/news/wissenschaft/smart-durch-die-schwangerschaft/)

Weitere Informationen:

Pressestelle der FAU

Tel.: 09131/85-70229

presse@fau.de  

25.05.2020 Kinder und Jugendliche in der Covid-19-Pandemie nicht isolieren
Pressestelle Bayerische Landesärztekammer

„Schulen und Kitas sollen wieder geöffnet werden“, das fordert Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK). Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder- und Jugendliche stellten im Gegensatz zu Senioren- und Pflegeheimen keine Hochrisikoumgebung dar. Auch Kinder und Jugendliche mit bestimmten Grunderkrankungen können – nach individueller ärztlicher Abwägung – wieder Schulen und Kitas besuchen. Der Schutz von Lehrern, Erziehern, Betreuern und Eltern und die allgemeinen Hygieneregeln stünden dem nicht entgegen. Einem Abstandsgebot könne man umso mehr Rechnung tragen, wenn man die Klassenstärken reduziere.

Zwar stelle das Virus für junge Menschen meist keine akute gesundheitliche Bedrohung dar, doch die psychischen Auswirkungen des „Lockdowns“ könnten in manchen Fällen umso tiefgreifender sein. Gerade kleine Kinder seien eine wichtige Zielgruppe, die im öffentlichen Diskurs nur wenig Gehör finde. „Ganz alltägliche – jedoch aktuell sehr präsente – Probleme wie Langeweile, Einsamkeit und Stress stellen für die Kinder einen Ausnahmezustand dar. Sie leiden besonders unter der Krise. Dabei sind gerade sie durch die Einschränkungen und Veränderungen oftmals besonders belastet“, so der BLÄK-Präsident. „Es fehlen auf der einen Seite soziale Kontakte, auf der anderen Seite Unterstützung“, warnt Quitterer. Familien seien vielfach überfordert und überlastet. Dazu komme eine Schule, die Onlinepräsenz verlange und Kinder mit Arbeitsblättern überhäufe. Das seien alles Faktoren, die die Stressbelastung der Kinder und Jugendlichen sowie deren Familien erhöhten.

Pressestelle

07.05.2020 Pandemie und Ökologie
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Im aktuellen Leitartikel des Bayerischen Ärzteblatts thematisiert Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), neben den Fragen, ob die Fußballbundesliga – mit Covid-19-Tests – wieder anlaufen und es Lockerungen der Besuchsregeln für die Bewohner von Pflegeheimen geben soll, vor allem das Thema Klimaschutz. Was nicht geschehen dürfe: Ökologie und Pandemie gegeneinander auszuspielen. Quitterer: „Der Corona-Shutdown hat uns fest im Griff. Sicherheitsmaßnahmen gegen die Verbreitung des Virus schränken das gewohnte Leben massiv ein – und das weltweit. Für die Wirtschaft ist das ein Desaster. Der wirtschaftlichen Misere könnte eine ökologische folgen, falls international vereinbarte Umwelt- und Klimaschutzziele bei der ökonomischen Aufholjagd nach der Pandemie hintangestellt werden.

 Es würde sich lohnen, sich einmal Gedanken darüber zu machen, wie wir unsere wirtschaftlichen Aktivitäten nachhaltig umgestalten könnten, um unsere vielfältig unser Lebensumfeld zerstörende Produktion zurückzufahren und zugleich Arbeitsplätze in sozial und gesellschaftlich sinnvolleren Tätigkeiten langfristig zu sichern.

 Die Gesellschaft werde nach COVID-19 eine andere sein. „Es erscheint mir unmöglich, einfach die Reset-Taste zu drücken und in den früheren Zustand des Jahres 2019 zurückzukehren. Unsere Gesellschaft benötigt vielmehr eine innovative Zukunftsperspektive, bei der multiple Zielkonflikte zu bewältigen sein werden. Wohin muss sich unsere Gesellschaft entwickeln, um künftig krisenfester zu sein?“, fragt der BLÄK-Präsident weiter.

Dafür sollten notwendige Konjunkturhilfen und Investitionspakete auch ökologische Ziele wie die Klimaneutralität fördern.

 Mehr zu „Pandemie und Ökologie“ lesen Sie im Leitartikel der Maiausgabe 2020 des Bayerischen Ärzteblatts unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

07.05.2020 Wie ein FAU-Forschungsteam an einem Covid-Impfstoff forscht
Pressemeldung der FAU

Hoffnung auf baldige Normalität?

Wie ein FAU-Forschungsteam an einem Covid-Impfstoff forscht

Nichts Geringeres als die Entwicklung einer passiven Impfung gegen Covid-19 hat sich ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), des Universitätsklinikums Erlangen (UKER) und ihre Partner vorgenommen. Im Interview mit FAU-Präsident Prof Dr. Joachim Hornegger erklärt Professor Dr. Hans-Martin Jäck, Leiter der Abteilung für Molekulare Immunologie, das ambitionierten Projekt – und auch, warum das Erlanger Team in seiner wissenschaftlichen Arbeit so weit fortgeschritten ist.

Schon 1890 wurde das Prinzip der passiven Impfung erfunden und innerhalb von nur zwei Jahren in die Klinik übertragen – zum Schutz gegen Tetanus. Ziel der Erlanger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heute ist es, unter anderem medizinisches Personal, Betreuer in Alten- und Pflegeheimen sowie Hochrisikopatienten zu schützen und schwer an einer Covid-19-Infektion erkrankte Patientinnen und Patienten zu therapieren.

 Ausführliche Informationen zum Projekt gibt es hier:

https://www.fau.de/2020/04/news/wissenschaft/fau-forscher-sind-einer-impfung-gegen-covid-19-auf-der-spur/

 Eine Übersicht aller Videotalks ist zu finden unter: https://www.fau.de/corona/videos/  

 Selbstverständlich steht es Ihnen frei, den Beitrag journalistisch zu verwerten. Schauen Sie doch einfach mal auch auf unserer Rubrik „Nachgefragt“ vorbei – dort finden Sie Meinungsbeiträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zu aktuellen Themen aus Gesellschaft, Politik und Wissenschaft: http://blogs.fau.de/news/category/fau-aktuell/nachgefragt/ 

      Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/ 

 

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Kommunikation und Presse

Schlossplatz 4

91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229

Fax: +49 9131 85-70220

 presse@fau.de 

http://www.fau.de/  

 

05.05.2020 Vergabe medizinischer Ressourcen im Falle eines Kapazitätenmangels
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Entscheidungen an Indikation, Patientenwillen und Erfolgsaussicht ausrichten

Berlin, 05.05.2020 – „Das Gesundheitssystem in Deutschland ist zum jetzigen Zeitpunkt weit von einer Überlastung durch die Corona-Pandemie entfernt. Dennoch müssen wir personell und strukturell auf eine mögliche zweite Welle vorbereitet sein. Dazu gehört auch, Ärztinnen und Ärzten wichtige rechtliche und ethische Orientierungshilfen zu geben, wenn sie im Fall knapper Behandlungs-kapazitäten schwierige Entscheidungen über die Vergabe medizinischer Ressourcen treffen müssen.“ Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt anlässlich der Vorstellung einer Orientierungshilfe für Ärztinnen und Ärzte zur Allokation medizinischer Leistungen im Falle eines
Kapazitätenmangels.

Nach Überzeugung der Bundesärztekammer (BÄK) handeln Ärztinnen und Ärzte rechtmäßig, wenn sie in einer Situation existentieller Knappheit unter sorgfältiger Berücksichtigung der ärztlichen Berufsordnung und des aktuellen Standes der medizinischen Erkenntnisse einzelfallbezogene Entscheidungen über die Vergabe intensivmedizinischer Ressourcen treffen müssen.

Für den Fall notwendiger Priorisierungsentscheidungen sollten diese so getroffen werden, dass die Erfolgsaussichten mit Blick auf das Überleben und die Gesamtprognose möglichst groß sind und
die meisten Menschenleben gerettet werden könnten. Grundsatz müsse immer sein, dass kein Menschenleben mehr wert sei als ein anderes. „Es verbieten sich Benachteiligungen aufgrund von
zum Beispiel Alter, Geschlecht, Nationalität, Behinderung oder sozialem Status“, so die BÄK. Auch chronische Erkrankungen wie Demenz dürften nicht zu einem pauschalen Ausschluss von
erforderlicher Behandlung führen. Vielmehr müssten die medizinische Indikation, der Patientenwille und die klinischen Erfolgsaussichten zentrale Kriterien für die Entscheidung angesichts knapper Ressourcen sein. Diese würden auch für die Entscheidung über die Fortführung einer Intensiv- oder
Beatmungstherapie gelten.

Die Bundesärztekammer betont in ihrer Orientierungshilfe, dass Patientenverfügungen im Vorfeld einer Erkrankung oder in einer frühen Erkrankungsphase auch und gerade im Zusammenhang
mit der SARS-CoV-2-Pandemie von großer Bedeutung seien. Die BÄK betont außerdem, dass es innerhalb und außerhalb der Bedingungen von Knappheit und Pandemie keine ärztliche
Verpflichtung zur aktiven Lebenserhaltung unter allen Umständen gebe. Ärztinnen und Ärzte würden keine Maßnahmen ergreifen, die unter den individuellen Umständen nicht oder nicht mehr
indiziert sind, heißt es in dem Papier. „Indizierte Maßnahmen werden unterlassen oder begrenzt und eine begonnene medizinische Behandlung wird beendet, wenn dies dem tatsächlichen oder mutmaßlichen Patientenwillen entspricht und dazu dient, einem ohne Behandlung zum Tode führenden Krankheitsprozess seinen Lauf zu lassen. Alle Patientinnen und Patienten können sich auch unter den Bedingungen von Knappheit und Pandemie weiter darauf verlassen, dass das
Handeln ihres Arztes niemals darauf ausgerichtet ist, gezielt den Tod des Patienten herbeizuführen“, so die BÄK.

Im Anhang zu ihrer Orientierungshilfe listet die Bundesärztekammer zudem grundlegende Leitfragen auf, die Kliniken und Ärzte bei einem existentiellen Mangel medizinischer Ressourcen beantworten sollten, um im Ernstfall verantwortungsbewusste Entscheidungen treffen zu können.

Das Papier kann im Internet abgerufen werden: Orientierungshilfe der Bundesärztekammer zur Allokation medizinischer Ressourcen am Beispiel der SARS-CoV-2-Pandemie im Falle eines Kapazitätsmangels

Pressestelle derdeutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin

Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de

04.05.2020 Riesling für das Immunsystem? Wie Alkohol in Maßen fehlerhafte Immunreaktionen günstig beeinflusst
uni | mediendienst | forschung Nr. 27/2020

Übermäßiger Alkoholkonsum ist schlecht für die Gesundheit. Moderate Mengen von Alkohol können sich aber unter Umständen günstig auf die Gesundheit auswirken. In einer gerade in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Arbeit* zeigt ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), dass Alkohol das Immunsystem in einer sehr spezifischen Art und Weise moduliert und dabei die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen hemmt.


Über die berauschende Wirkung von Alkohol wird viel berichtet. Ein Studienteam um Prof. Dr. Mario Zaiss vom Lehrstuhl für Innere Medizin III der FAU ist einer weniger bekannten Eigenschaft von Alkohol nachgegangen – seiner Wirkung auf das Immunsystem. In der medizinischen Fachliteratur gibt es zahlreiche Hinweise, dass Alkohol ein gestörtes Immunsystem günstig beeinflussen kann: Bereits 1995 wurde berichtet, dass bei Patientinnen und Patienten mit einer transplantierten Leber, die einen moderaten Alkoholkonsum aufweisen, das Risiko einer Abstoßungsreaktion deutlich geringer ist als bei abstinenten Personen. Darüber hinaus haben mehrere große epidemiologische Studien gezeigt, dass regelmäßiger Alkoholkonsum das Risiko für die Entwicklung von Gelenkrheuma, also rheumatoide Arthritis, als auch von Multipler Sklerose senkt. Beide Erkrankungen sind Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem das körpereigene Gewebe angreift und zerstört. Ein wichtiger Faktor in diesem Prozess sind spezielle Immunzellen, die follikulären T-Helferzellen, die in den Lymphknoten und im entzündlichen Gewebe sitzen und Autoimmunreaktionen auslösen.

Wie Alkohol auf das Immunsystem wirkt

In der Arbeit konnte das Team nun erstmals zeigen, wie Alkohol überschießende Immunreaktionen hemmt, die zu Autoimmunerkrankungen wie Gelenkrheuma und Multiple Sklerose führen. Alkohol wird im Körper zum Wirkstoff Acetat abgebaut, welcher die Funktion follikulärer T-Helferzellen und somit Autoimmunkrankheiten hemmt. Dabei reagieren follikuläre T-Helferzellen offensichtlich sehr empfindlich auf Acetat, welches den Stoffwechsel dieser Zellen nachhaltig verändert und die Produktion des Immunbotenstoffes Interleukin-21 unterdrückt. Alkohol in moderaten Mengen wirkt damit nicht generell immunsuppressiv, sondern vielmehr sehr spezifisch auf eine Sorte von Immunzellen, die als Schaltstelle für das erworbene Immunsystem gilt. Prof. Zaiss gibt jedoch zu bedenken: „Die negativen Effekte übermäßigen Alkoholkonsums sollten auch im Lichte dieser Daten nichtsdestotrotz immer bedacht werden, auch wenn moderater Alkoholgenuss positive gesundheitliche Effekte zeigen und gerade bei Autoimmunerkrankungen einen therapeutischen Immuntoleranzeffekt erzeugen kann.“ Dieser Effekt dürfte insbesondere für die klinische Beobachtung verantwortlich sein, dass bei jenen Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis, die regelmäßig Alkohol konsumieren, deutlich seltener Erkrankungsschübe auftreten.

Die Arbeit entstand im Rahmen der Forschergruppe PANDORA sowie des Sonderforschungsbereich SFB1181 „Schaltstellen zur Auflösung von Entzündung“ an der FAU, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt werden. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind Teil des Deutschen Zentrums Immuntherapie (DZI) am Universitätsklinikum Erlangen der FAU.

Link zum Sonderforschungsbereich 1181: www.sfb1181.forschung.fau.de

Link zur Forschergruppe PANDORA: www.pandora.for2886.forschung.fau.de

Link zum Deutschen Zentrum Immuntherapie: www.dzi.uk-erlangen.de

* https://doi.org/10.1038/s41467-020-15855-z

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Georg Schett      georg.schett@uk-erlangen.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Kommunikation und Presse

Schlossplatz 4

91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229

Fax: +49 9131 85-70220

presse@fau.de    

http://www.fau.de/   

https://www.youtube.com/unifau  

https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg   

https://twitter.com/unifau   

https://instagram.com/uni_fau

04.05.2020 Hightech Agenda Bayern: FAU richtet KI-Department ein
uni | mediendienst | aktuell Nr. 45/2020

Neue Forschungseinheit „Artificial Intelligence in Biomedical Engineering“ stärkt KI-Gesundheitsknoten Erlangen

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gründet zum 1. Mai 2020 an ihrer Technischen Fakultät unter dem Namen Artificial Intelligence in Biomedical Engineering (AIBE) ein eigenes Department für Forschung und Lehre zu Künstlicher Intelligenz (KI) im Umfeld Gesundheit. Damit nutzt die Universität die Professuren, die sie im Rahmen der Hightech Agenda Bayern für die Verstärkung des KI-Gesundheitsknotens Erlangen erhalten hat, für ein ganz entscheidendes Stück Hochschulinnovation: Sie verzichtet auf die klassische Lehrstuhlstruktur. Damit schafft die FAU beste Voraussetzungen für internen Austausch und Kooperationen. Besonders wichtig ist eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Naturwissenschaftlichen und der Medizinischen Fakultät. Die Professuren arbeiten entlang der drei definierten Forschungsbereiche „Prozesse am Menschen“, „Daten, Sensoren und Geräte“ sowie „Medizinrobotik“.

Das neue Department soll auch personell maximale Schlagkraft entwickeln können: Zusätzlich zu den acht Professuren aus der Hightech-Agenda verstärkt die FAU das Department um vier Juniorprofessuren, die thematisch offen ausgeschrieben werden, sowie um vier weitere Juniorprofessuren zum Thema Digital Health.

Thematisch nimmt die FAU mit ihrem neuen Department die großen Herausforderungen im Umfeld digitaler Gesundheitsversorgung ins Visier.

Im Forschungsbereich „Prozesse am Menschen“ forschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an medizinischen Prozessen, etwa in der Präzisionsmedizin oder in der digitalen medizinischen Versorgung im häuslichen Umfeld. Weitere Themen sind die Neurosensorik, personalisierte Therapie sowie digitale Diagnose und Therapie.

Der Forschungsbereich „Daten, Sensoren und Geräte“ widmet sich Themen der Mensch-Technik-Interaktion, so zum Beispiel bei der autonomen und intelligenten Datenakquisition oder bei der Integration, Darstellung und Visualisierung von Daten. Ebenfalls im Fokus stehen Methoden für die Bioinformatik und intelligente Materialien und Sensorik.

Im Forschungsbereich „Medizinrobotik“ schließlich steht neben der medizinischen Robotik – beispielhaft symbolisiert durch Pflege- oder Chirurgieroboter – die intelligente Prothetik im Mittelpunkt. Letzterer Bereich wird bei den Wearable Robotics sichtbar.

AIBE bildet so die Basis für die nachhaltige und sichtbare Etablierung des KI-Gesundheitsknotens Erlangen, wie in der Hightech Agenda Bayern vorgesehen.

Auch die Gesamtorganisation des neuen Departments passt zu dem innovativen Struktur-Piloten. Eine Geschäftsstelle unterstützt das neue Department in der Administration. Im Bereich der Technik arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer gemeinsamen Technik-/Werkstatteinheit zusammen. Weiterhin werden Planstellen, Flächen und Räume nicht mehr, wie bisher in vielen Bereichen der FAU und anderen deutschen Universitäten üblich, Lehrstühlen zugewiesen, sondern sind direkt dem Department zugeordnet und werden von dort aus bestmöglich und höchst effizient eingesetzt.

Dank der KI-Professuren aus der Hightech Agenda Bayern haben wir die einmalige Chance, eine innovative Struktur zu schaffen, die wir uns an der FAU seit Längerem wünschen, die sich aber aus naheliegenden Gründen in einem bestehenden System nicht umsetzen lässt“, sagt FAU-Präsident Joachim Hornegger. „Wir sehen unser neues Department Artificial Intelligence in Biomedical Engineering – kurz AIBE – auch als Pilotversuch für eine zukunftsorientierte, moderne universitäre Organisation. Ich bin mir sicher, unsere KI-Forschung wird durch die Gründung dieses Departments neuen Zuschnitts einen weiteren immensen Schub bekommen.“ Damit profitiere die FAU, so Hornegger, gleich in zweifacher Hinsicht von der Hightech Agenda Bayern – forscherisch und organisatorisch.

Auch für künftige Studierendengenerationen ist die Gründung von AIBE eine gute Nachricht: Das neue Department wird einen neuen konsekutiven Bachelor-/Master-Studiengang Artificial Intelligence (AI) einrichten. Damit schafft die FAU gezielt neue Hightech-Studienplätze für Bayern und KI-Nachwuchs für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.

Dazu Prof. Dr. Andreas Fröba, Dekan der Technischen Fakultät der FAU: „Die FAU mit ihrer starken Technischen Fakultät ist gerade in den Technikwissenschaften schon jetzt bei Studierenden sehr gefragt. Mit einem Studiengang Artificial Intelligence, der sehr gezielt die unterschiedlichen Perspektiven rund um das große Zukunftsthema KI aufgreift, bietet die FAU hier eine weitere tolle Chance für junge Menschen, genau die Kompetenzen zu erwerben, die unsere Gesellschaft nach vorne bringen und nach denen der Arbeitsmarkt verlangt.“

Weitere Informationen:   Pressestelle der FAU

Tel.: 09131/85-70229     presse@fau.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/          

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Kommunikation und Presse

Schlossplatz 4

91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229

Fax: +49 9131 85-70220

         

http://www.fau.de/          

https://www.youtube.com/unifau          

https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg          

https://twitter.com/unifau          

https://instagram.com/uni_fau/     

 

 

22.04.2020 FAU-Forscher sind einer Impfung gegen Covid-19 auf der Spur
uni | mediendienst | forschung Nr. 24/2020

Nichts Geringeres als die Entwicklung einer passiven Impfung gegen Covid 19 hat sich ein Forscherteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Universitätsklinikums Erlangen (UKER) und ihre Partner vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig sowie vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen vorgenommen. Ziel des ambitionierten Projektes ist es, monoklonale Antikörper zu entwickeln, mit denen zum Beispiel medizinisches Personal, Betreuer in Alten- und Pflegeheimen sowie Hochrisikopatienten geschützt werden können. Außerdem könnten sich solche Antikörper eignen, schwer an einer Covid-19-Infektion erkrankte Patienten zu therapieren. Im Rahmen des Förderaufrufs zur Erforschung von Covid 19 wird das interdisziplinäre Projekt vom Bundesforschungsministerium ab Mai mit 500.000 Euro unterstützt.

Bei einer passiven Impfung, wie sie die FAU-Forscher anstreben, werden den Patienten Antikörper injiziert, die sich bei einer möglichen Infektion gegen einen ganz speziellen Krankheitserreger richten. Die Immunität gegen die Krankheit bleibt allerdings nur eine begrenzte Zeit erhalten, da der Körper die Antikörper nach und nach wieder abbaut. Eine aktive Immunisierung bedeutet hingegen, dass den Patienten ein abgeschwächter Erreger oder dessen Bestandteile geimpft werden. Der Körper lernt so, die passenden Antikörper selbst zu bilden und behält diese Fähigkeit bestenfalls ein Leben lang.

„Natürlich ist ein aktiver Impfstoff die bessere Alternative“, erklärt Prof. Dr. Thomas Winkler vom Nikolaus-Fiebiger-Zentrum für Molekulare Medizin der FAU. „Doch bis dieser zur Verfügung steht, ist ein passiver Schutz eine sehr gute Option für bestimmte Risikogruppen. Wir rechnen bei dieser passiven Impfung mit einem Schutz von etwa zwei bis drei Monaten.“

Wichtige Vorarbeiten bereits abgeschlossen
Mehr als 25 Antikörper, die sich für einen Impfstoff eignen könnten, haben die FAU-Wissenschaftler bisher identifiziert. Die Dringlichkeit ihres Projektes fest im Blick, sind sie bei ihrer Suche zwei Wege parallel gegangen. 

Das Team um Prof. Dr. Thomas Winkler hat die ersten deutschen Covid-19-Patienten, die bereits Ende Januar erkrankten, um Blutproben gebeten und diese analysiert. In den Blutproben von fünf Genesenen haben die Biologinnen und Biologen rund 2.000 verschiedene Antikörpergene identifiziert. Von 20 bisher getesteten Antikörpern sind etwa ein Drittel gegen das Corona-Virus gerichtet. Prof. Dr. Hans-Martin Jäck, Leiter der Abteilung für Molekulare Immunologie, und sein Team haben Antikörper aus genveränderten Mäusen gewonnen. Die Mäuse, die von Prof. Jäck in Zusammenarbeit mit der Biotech-Firma Trianni in Erlangen entwickelt wurden, wurden dazu mit Bestandteilen des Corona-Virus geimpft und bildeten aufgrund ihrer genetischen Veränderung menschliche Antikörper aus. Auch hier wurden bereits 20 Antikörper identifiziert, die gegen das Corona-Virus gerichtet sind.


Die besten dieser Antikörper werden nun von den Virologen der FAU um den Leiter des Virologischen Instituts, Prof. Dr. Klaus Überla, auf ihre Fähigkeit, die Virusinfektion im einem Zellkultursystem zu verhindern, getestet. Dabei sucht das FAU-Team nach einer ganz bestimmten Fähigkeit: Die Antikörper müssen sich an das so genannte Spike-Protein des Covid-19-Virus binden und dieses so möglichst komplett deaktivieren.

Das Spike-Protein ist die schärfste Waffe und gleichzeitig die Schwachstelle des Corona-Virus: Das Virus braucht das Protein, damit es eine Zelle befallen kann. Allerdings können Antikörper das Virus anhand des markanten Spike-Proteins erkennen, sich daran binden und es das Eindringen des Virus in die Zelle verhindern.

Im nächsten Schritt übernehmen die Partner am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen, wo getestet wird, ob die Ergebnisse, die aus Zellkulturen gewonnen werden, sich auch im Tierversuch bestätigen lassen. Die beteiligten Wissenschaftler betonen, dass mit ersten klinischen Studien an menschlichen Patienten frühestens in sechs Monaten zu rechnen sei, betonen die Wissenschaftler. „All dies sind unerlässliche Schritte auf dem Weg, schon bald Patienten mit der möglichen passiven Impfung behandeln zu können, der sicher, verträglich und vor allem wirksam ist“, sagt Professor Winkler. „Entscheidend ist allerdings auch, dass wir zeitnah Biotech- oder Pharmafirmen mit Erfahrung in der Herstellung und Zulassung von Antikörper-Therapeutika einbinden. Mit etwas Glück könnte dann in neun Monaten ein passiver Impfstoff bereitstehen.“

Weitere Informationen:
Pressestelle der FAU
Tel.: 09131/85-70229
presse@fau.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/  

 
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4

91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
 
presse@fau.de  
http://www.fau.de/  
 
https://www.youtube.com/unifau  
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg  
https://twitter.com/unifau  
https://instagram.com/uni_fau

   

 

Link

22.04.2020 Entzündungshemmende Medikamente schützen vor COVID-19
uni | mediendienst | forschung Nr. 25/2020

Patientinnen und Patienten mit Immunkrankheiten, die sogenannte Zytokin-Hemmer einnehmen, zeigen keine Anzeichen einer Coronavirus-Infektion

 COVID-19 führt zu einer ähnlichen überschießenden Immunreaktion in der Lunge wie Rheuma, Schuppenflechte oder Darmentzündungen in den jeweiligen betroffenen Organen. Ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat nun in einer Studie gezeigt, dass Medikamente, die gegen die Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden, sogenannte Zytokin-Hemmer, COVID-19-Infektionen hemmen, bevor die Viren sich im Körper ausbreiten können.

COVID-19 löst eine überschießende Immunreaktion aus, die zu einer Entzündung der Lungenbläschen führt, was wiederum den Gasaustausch in der Lunge empfindlich stört. Diese Entzündungsreaktion wird durch Botenstoffe (Zytokine) ausgelöst, die von den Lungen- und Immunzellen produziert werden. Mehrere dieser Botenstoffe, wie Tumornekrosefaktor alpha (TNFα), Interleukin-6 und Interleukin-1, spielen auch bei Erkrankungen wie Rheuma, Darmentzündung sowie Schuppenflechte eine wesentliche Rolle und werden bereits heute mit speziellen Therapeutika, sogenannten Zytokin-Hemmern, behandelt.

Prof. Dr. Georg Schett, Lehrstuhl für Innere Medizin III, Prof. Dr. Michael Sticherling, Lehrstuhl für Haut- und Geschlechtskrankheiten, und Prof. Dr. Markus Neurath, Lehrstuhl für Innere Medizin I und Sprecher des Deutschen Zentrums Immuntherapie (DZI) am Universitätsklinikum Erlangen der FAU, haben in den vergangenen drei Wochen 1000 Probandinnen und Probanden auf Antikörper gegen COVID-19 untersucht. Unter den Testpersonen waren Patientinnen und Patienten mit Immunerkrankungen, die Zytokin-Hemmer einnehmen, sowie Kontrollpersonen aus dem medizinischen Bereich. Das Ergebnis: Während ca. 4 Prozent der medizinisch-tätigen und 2 Prozent der nicht-medizinisch-tätigen Kontrollpersonen Antikörper gegen Coronavirus nachwiesen, hatte niemand der an Rheuma, Darmentzündung oder Schuppenflechte leidenden Patientinnen und Patienten Antikörper gegen das Coronavirus im Blut. „Es scheint, dass die Zytokin-Hemmer die Infektion mit SARS-COV-2-Viren von Anfang an einschränken, so dass keine Antikörper gebildet werden“, sagt Prof. Schett.

Personen mit Rheuma, Darmentzündung oder Schuppenflechte sind somit nicht als Risikogruppe für COVID-19 zu betrachten, sondern dürften aufgrund ihrer Therapie vor der Krankheit geschützt sein. Derzeit sind Zytokin-Hemmer, die bei Immunkrankheiten eingesetzt werden, in Erprobung zur Behandlung von Patientinnen und Patienten mit COVID-19. Die Ähnlichkeiten der molekularen Mechanismen von COVID-19 und chronischen Entzündungen hat das Forschungsteam bereits im Fachjournal Nature Review Immunology beschrieben: https://doi.org/10.1038/s41577-020-0312-7

Weitere Informationen: Prof. Dr. Georg Schett     Lehrstuhl für Innere Medizin III

Tel.: 09131/85-39109

georg.schett@fau.de 

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/ 

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Kommunikation und Presse

Schlossplatz 4        91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229

Fax: +49 9131 85-70220

presse@fau.de 

http://www.fau.de/ 

https://www.youtube.com/unifau

https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg 

https://twitter.com/unifau 

https://instagram.com/uni_fau

21.04.2020 Psychische Belastungen in der Coronavirus-Krise Erlanger Psychosomatik startet Online-Befragung für medizinisches Personal
uni | mediendienst | aktuell Nr. 42/2020

Viele Menschen fühlen sich in Zeiten von Corona ängstlich, unsicher, gestresst und angespannt. Ärzte und Pflegekräfte stehen in der Coronavirus-Krise vor besonders großen Herausforderungen. Prof. Dr. (TR) Yesim Erim, Leiterin der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen, und ihr Team untersuchen deshalb nun, welchen Belastungen das medizinische Personal deutscher Kliniken sowie Arzt- und Therapiepraxen während der COVID-19-Pandemie ausgesetzt ist und welche individuellen Ressourcen und Arbeitsplatzbedingungen dazu beitragen, die Krise gut zu bewältigen. Der Online-Fragebogen zur Studie „VOICE: Belastungen und psychische Ressourcen des medizinischen Personals während der COVID-19-Pandemie“ ist ab sofort bis 11. Mai 2020 abrufbar unter: https://ww2.unipark.de/uc/VOICE_Uniklinikum_Erlangen/

Studien während des SARS-CoV-2-Ausbruchs in China zeigten bereits: Das dortige Personal war körperlich und psychisch sehr angespannt. Dabei trugen zum Beispiel die Art der Tätigkeit und der permanente Kontakt mit Infizierten zu Angst, Depressionen und Schlafstörungen bei den Beschäftigten bei. Doch am belastendsten für das chinesische medizinische Personal war nicht die Angst, sich selbst anzustecken, sondern vielmehr der Mangel an Schutzkleidung und fehlende Ruhephasen. Zudem empfanden es die Beschäftigten als große Herausforderung, nicht ausreichend auf die Sorgen der Patienten reagieren zu können.

„Aus unserer Studie erhoffen wir uns jetzt Erkenntnisse darüber, welche Ressourcen in solchen Ausnahmezuständen schützend wirken“, erklärt Prof. Erim. „In zukünftigen Krisen könnten wir dann Hilfsangebote, die ressourcenstärkend sind, schon vorbeugend einleiten und die Mitarbeiter gezielt psychologisch unterstützen.“ Dazu untersuchen Yesim Erim und ihre Kolleginnen u. a. Arbeitsbedingungen, konkrete Tätigkeiten am Arbeitsplatz, potenzielle Auslöser für Stress, soziale Unterstützung sowie Symptome von Angst und Depression.

 

Die Beantwortung der VOICE-Fragen dauert etwa zehn Minuten. Teilnehmen können niedergelassene und angestellte Ärzte, Pflegekräfte, Psychologen, Seelsorger, medizinisch-technisches Personal und andere in der direkten Patientenversorgung tätige Mitarbeiter. Die Teilnehmer müssen mindestens 18 Jahre alt sein und gute Deutschkenntnisse besitzen.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. (TR) Yesim Erim      Tel.: 09131/85-35928

yesim.erim@uk-erlangen.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/          

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Kommunikation und Presse

Schlossplatz 4    91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229     Fax: +49 9131 85-70220      presse@fau.de         

http://www.fau.de/         

https://www.youtube.com/unifau         

https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg         

https://twitter.com/unifau         

https://instagram.com/uni_fau/   

 

21.04.2020 Weltweite Studie: Wie beeinflusst Covid19 den Geruchs- und Geschmackssinn?
uni | mediendienst | forschung Nr. 23/2020

FAU-Geruchsforscherinnen beteiligt an internationalem Konsortium

Sie schmecken nichts mehr und sie riechen nichts mehr: In den vergangenen Wochen mehren sich die Hinweise, dass das Coronavirus bei Erkrankten zeitweise den Geruchs- und den Geschmacksinn ausschaltet. Das Global Consortium for Chemosensory Research (GCCR), ein Konsortium von mehr als 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt, hat jetzt eine breit angelegte Online-Studie gestartet, die erfassen soll, wie Covid-19-Patientinnen und -Patienten den Verlust von Geruch und Geschmack, aber auch eine Veränderung des sensitiven Empfindens im Mund während der Erkrankung, erleben. Von Seiten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) arbeiten Prof. Dr. Jessica Freiherr, Professorin für Neurowissenschaften der sensorischen Wahrnehmung, und Prof. Dr. Andrea Büttner, Inhaberin des Lehrstuhls für Aroma- und Geruchsforschung, an der Untersuchung mit.


„Es gibt inzwischen einige Veröffentlichungen zum mutmaßlichen Covid-19-Symptom des Geruchs- und Geschmacksverlusts. Demnach leiden wohl rund 80 Prozent der Patientinnen und Patienten daran“, sagt Jessica Freiherr. Eine groß angelegte Studie dazu stehe bislang allerdings aus. Dabei wären valide Zahlen auf globalem Niveau wichtig, um zu bewirken, dass der Verlust von Geruchs- und Geschmacksinn offiziell in die Liste der Symptome bei Covid-19-Erkrankungen aufgenommen wird. Das würde medizinischen Einrichtungen eine Grundlage geben, auch Patientinnen und Patienten auf Covid-19 zu testen, bei denen dieses Symptom im Vordergrund steht, die Erkrankung ansonsten aber eher symptomlos verläuft.

Von der Studie, an der neben den Geruchsforscherinnen auch Vertreterinnen und Vertreter aus Disziplinen wie Neurowissenschaften, Psychologie oder Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, beteiligt sind, verspricht sich Freiherr einen tiefen Einblick in ein bislang unterschätztes Symptom: „Da Geruchsverlust auch bei einer herkömmlichen Erkältung – etwa dem klassischen Schnupfen mit verstopfter Nase – auftreten kann, ist es für die Forschung wichtig, die Zusammenhänge genauer zu verstehen, vor allem auch, wie intensiv das Symptom wahrgenommen wird und wie lange und häufig es auftritt.“

Für repräsentative Ergebnisse werden noch viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Deutschland gesucht, die in den vergangenen Wochen entweder eine Covid-19-Infektion oder eine herkömmliche Erkältung (Kontrollgruppe) durchgemacht haben und bereit sind, anonym eine ca. zehn Minuten dauernde Online-Befragung zu absolvieren.

Interessenten finden die Befragung hier: http://bit.ly/2yFCwLJ

Ein Log-in oder Account sind dafür nicht nötig. 

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Jessica Freiherr

Professur für Neurowissenschaften der sensorischen Wahrnehmung der FAU

jessica.freiherr@fau.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/   

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Kommunikation und Presse Schlossplatz 4   91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229    Fax: +49 9131 85-70220   presse@fau.de    

http://www.fau.de/    

https://www.youtube.com/unifau   

https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg    

https://twitter.com/unifau    

https://instagram.com/uni_fau/ 

20.04.2020 Aus für telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) äußert Unverständnis über die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), die telefonische Krankschreibung bei Patienten mit leichten Atemwegsbeschwerden nicht zu verlängern. „Das Ende der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung per Telefon gefährdet medizinisches Personal und Patienten“, ist Dr. Gerald Quitterer, Präsident der BLÄK, überzeugt.So müssten ab dem heutigen Montag, den 20. April 2020, die Patientinnen und Patienten mit einer leichten Erkrankung der oberen Atemwege wieder in die Arztpraxis gehen, um eine Krankschreibung zu erhalten. Das hat der G-BA entgegen dem einhelligen Votum von Kliniken und Vertragsärzten beschlossen. Quitterer kritisiert diese Entscheidung: „Das ist unverantwortlich.“

Man könne zunächst nicht unterscheiden, ob diese Patienten lediglich an einem harmlosen Infekt oder an COVID-19 erkrankt seien. Die Dunkelziffer der Erkrankten sei nicht bekannt.

„Die bayerischen Vertragsärzte benötigen weiterhin die Möglichkeit der telefonischen Feststellung der Arbeitsunfähigkeit bei leichten Atemwegserkrankungen. So verringern wir das Risiko der Virusweitergabe an andere Patienten und Mitarbeiter aller Bereiche im Krankenhaus und Praxen“, betont Quitterer.


Pressestelle

Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax: 089 4147-202
E-Mail: presse@blaek.de
www.blaek.de

 

20.04.2020 Exit-Szenarien im Simulationsmodell
uni | mediendienst | forschung Nr. 22/2020

 

Exit-Szenarien im Simulationsmodell

Informatiker der FAU berechnen Dynamik der Corona-Pandemie

Der Exit aus dem Corona-Lockdown bestimmt die aktuelle politische und öffentliche Debatte. Über die Wirkung von Lockerungsmaßnahmen wird viel spekuliert, verlässliche Prognosen hingegen gibt es kaum. Ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) um Prof. Dr. Reinhard German hat jetzt eine detaillierte Modellierung der COVID-19-Pandemie vorgenommen und mögliche Strategien zur kontrollierten Rücknahme von Einschränkungen abgeleitet. Ihre Erkenntnisse hat die Gruppe in einem Preprint veröffentlicht.*

Ohne drastische Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie ist eine Überlastung des deutschen Gesundheitssystems zu befürchten und das Leben vieler Menschen in Gefahr. Sicher ist auch, dass ein über Monate andauernder Lockdown gewaltigen ökonomischen und sozialen Schaden anrichten würde. Politik und Wissenschaft sind deshalb gemeinsam auf der Suche nach Strategien, die aktuellen Einschränkungen kontrolliert zurückzufahren und zugleich die Gesundheit der Menschen – vor allem von Risikogruppen – zu schützen. Über die Wirkung von Lockerungsmaßnahmen wird viel spekuliert, verlässliche Prognosen auf der Basis valider Zahlen und Modelle hingegen gibt es kaum.

 

Modelle simulieren Pandemie

Ein Forschungsteam am Lehrstuhl Informatik 7 (Rechnernetze und Kommunikationssysteme) der FAU unter Leitung von Prof. Dr. Reinhard German hat jetzt in kürzester Zeit zwei Simulationsmodelle entwickelt, mit denen der Verlauf der COVID-19-Pandemie nachgebildet und Auswirkungen einer kontrollierten Rücknahme der gegenwärtigen einschränkenden Maßnahmen abgeschätzt werden können. „Das erste Modell basiert auf systemdynamischen Berechnungen und nutzt im Wesentlichen Kenngrößen wie Basisreproduktionszahl, Inkubationszeit oder Schweregrad des Krankheitsverlaufs, die auch vom Robert-Koch-Institut verwendet werden“, erklärt German. „Das zweite Modell ist eine sogenannte agentenbasierte Simulation. Hier betrachten wir einzelne Individuen und können genauere Aussagen über deren Verhalten treffen.“ Im Agentenmodell wird beispielsweise simuliert, an welchen Orten sich bestimmte Personengruppen treffen und infizieren können, etwa in der Familie, bei Freizeitaktivitäten, im Arbeitsumfeld oder beim Krankenhausaufenthalt.

 

Kontaktreduzierungen bis 2023 ohne Impfstoff

Mit ihren Berechnungen konnte das FAU-Team zunächst die Prognose des Robert-Koch-Instituts für den Verlauf der Pandemie unter den gleichen Annahmen bestätigen. Würde unter diesen Annahmen eine baldige vollständige Aufhebung des Lockdowns ohne weitere kontaktreduzierende Maßnahmen erfolgen, würde auch dies das deutsche Gesundheitssystem voraussichtlich nicht verkraften. „Bei diesem Szenario wäre der Peak nur zeitlich verschoben. Wir müssten uns in der Spitze auf bis zu 400.000 Intensivpatienten einstellen und mit vielen unkontrollierten Todesfällen rechnen“, sagt German. „Hygieneauflagen, etwa das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, würden diese Kurve etwas flacher verlaufen lassen, aber die Situation wäre immer noch bedrohlich.“ Die Informatiker kommen unter den Modellannahmen zum Schluss, dass über einen relativ langen Zeitraum – bis zum März 2023 – wiederholte kurzfristige Kontaktreduzierungen erforderlich sein könnten, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden. German: „Diese adaptive Strategie würde einen Kompromiss zwischen der Rückkehr zum normalen Leben und der Abwendung von Gefahren für das Gesundheitssystem darstellen, bis eine Herdenimmunität erreicht ist. Wenn davor ein Impfstoff zur Verfügung steht, kann diese Zeit verkürzt werden.“

 Antikörpertests und Apps helfen

Die Modelle der FAU sind die bislang einzigen, die auch den Einfluss von Antikörpertests berücksichtigen. Für Menschen, die nach einer Infektion Antikörper besitzen und daher vermutlich eine Immunität ausgebildet haben, können Einschränkungen zur Kontaktreduktion aufgehoben werden – das ist besonders relevant für vulnerable Personen und solche, die in systemrelevanten Bereichen arbeiten. „Bereits 50.000 Antikörpertests pro Tag in Deutschland würden insgesamt 4,4 Millionen Menschen identifizieren, die die Infektion ohne Symptome durchgemacht haben – zusätzlich zu denjenigen, für die dies durch die überstandene Erkrankung bekannt ist. Diese Personen können von den Kontaktreduktionen ausgenommen werden“, erklärt Reinhard German. „Durch eine Verdoppelung der Testkapazität könnte diese Zahl auf mehr als 5,4 Millionen erhöht werden. Alle Angaben stehen selbstverständlich unter dem Vorbehalt der bisher noch eingeschränkt bekannten epidemiologischen Daten und den Modellannahmen.“ In den gegenwärtig stark diskutierten Apps zum digitalen Tracing sieht das Team einen möglichen Ansatz, um einen früheren Kontakt mit einer inzwischen erkrankten Person anzuzeigen. „Entsprechende Apps können helfen, Infektionswege nachzuvollziehen, die Dynamik der Pandemie besser zu verstehen und damit auch den effizienten Einsatz von Antikörpertests zu verbessern“, sagt German.

 * https://doi.org/10.1101/2020.04.14.20063750

„Modeling Exit Strategies from COVID-19 Lockdown with a Focus on Antibody Tests“

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Reinhard German

Lehrstuhl für Informatik 7 (Rechnernetze und Kommunikationssysteme) der FAU

reinhard.german@fau.de 

 Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/   

 Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Kommunikation und Presse

Schlossplatz 4

91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229

Fax: +49 9131 85-70220

 

16.04.2020 Do-it-yourself-Schutz
Pressemeldung der FAU

 

Wie ein selbstgebauter Mund-Nasen-Schutz wirksam verbessert werden kann

Vor der Corona-Pandemie nur in Asien getragen, sind sie mittlerweile auch verstärkt bei uns im alltäglichen Straßenbild zu sehen – Masken über Mund und Nase. Medizinische Gesichts- und Atemschutzmasken sind mittlerweile rar und nicht mehr so leicht zu bekommen. Sie sollten deshalb dem medizinischen Fachpersonal überlassen werden. Deshalb gehen nun viele Menschen dazu über, sich Behelfsmasken selbst zu nähen, um sich und andere zu schützen. Doch ist die Wirksamkeit dieser Do-It-Youself-Masken eher gering und sie vermitteln ein falsches Sicherheitsgefühl, wie Prof. Dr. Dirk Schubert, Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Polymerwerkstoffe) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), betont. Wie der Selbstbau verbessert werden kann, erklärt er im Interview.

Herr Prof. Schubert, Sie kritisieren die vielen unterschiedlichen Anleitungen zum Bau von Behelfsmasken im Internet. Wieso?

Mir scheint es, als wüssten viele nicht, wie ein Mund-Nasen-Schutz funktioniert. Es sind Äußerungen wie, dass mit dem richtigen Filtermaterial das Atmen zu schwer falle, die mich zweifeln lassen, dass das Prinzip und die Wirkungsweise eines Mund-Nasen-Schutzes auch wirklich verstanden wurde. Es gibt verschiedene Arten von Masken: Für den Einsatz in Krankenhäusern und im Umgang mit infizierten Personen, sind Masken mit der Schutzstufe FFP-2 oder FFP-3 notwendig. Deren Filterwirkung ist groß genug, um vor Ansteckung mit dem Virus zu schützen. Einfache OP-Masken hingegen reichen nicht. Sie sollen Patientinnen und Patienten vor dem Speichel des medizinischen Personals schützen. Sie verhindern bis zu einem gewissen Grad, das andere angesteckt werden.

Ich bin selbst jemand, der nicht nur an der Uni gerne Dinge entwickelt und baut. Deshalb finde ich es erst einmal gut, wenn die Leute aktiv werden und selbst Masken nähen. Aber ich bin auch Wissenschaftler, der sich mit Faserwerkstoffen beschäftigt und war jahrelang in der industriellen Entwicklung von medizinischen Hygiene-Produkten bei führenden nationalen und internationalen Unternehmen tätig. Deshalb muss ich ganz deutlich sagen: Diese Selbstbaumasken funktionieren schlecht bis kaum. Sie vermitteln ein falsches Gefühl von Sicherheit. Aber auch eine schlecht funktionierende Maske ist besser als keine Maske.

Was ist das technische Problem an den selbstgebauten Masken?
Das liegt an in erster Linie am verwendeten Material. SARS-CoV-2 wird vornehmlich durch Tröpfcheninfektion weiterverbreitet. Je größer der Durchmesser der Materialfasern in einer Schutzmaske sind, desto schlechter schützt sie. Denn der Durchmesser bestimmt die Porengröße, und je größer diese ist, desto leichter können Tröpfchen nach außen gelangen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass je feiner die Fasern des verwendeten Materials sind, desto besser. Außerdem ist wichtig, wie hydrophob – also wasserabweisend – das verwendete Material ist. Je wasserabweisender also die Fasern sind, desto weniger Wassertröpfchen gelangen beispielsweise beim Sprechen oder Husten hindurch. Baumwolle ist deshalb weniger geeignet. Problematisch sind auch DIY-Masken, die mit Taschen gebaut sind, in die das Filtermaterial eingelegt wird. Wenn diese nicht präzise genug bis zum Rand gearbeitet sind und nur Mund und Nase bedecken, atmet der Träger quasi am Filter vorbei.

Was kann man besser machen beim Bau von Do-it-yourself-Masken?
Zuerst muss einem klar sein, dass es brauchbaren Schutz nicht zum Nulltarif gibt, also dass Masken mit guter Filterwirkung das Atmen erschweren. Abhängig davon, welche Materialien zu Hause verfügbar sind, lassen sich die passenden für hinreichend funktionierende Not-Masken auswählen. Beispielsweise haben Mikrofasertücher zwar feinere Fasern als konventionelle Kleidungstextilien, sind aber hydrophil. Sie sollten aber dennoch eher verwendet werden, als klassische Textilien. Besser eignen sich sogenannte Meltblown-Materialien: Sie sind wasserabstoßend und haben einen sehr kleinen Faserdurchmesser. Diese finden sich auch in handelsüblichen Windeln oder Staubsauerbeuteln als Sperrschicht. Im Fall des Staubsaugerbeutels tragen die Fasern häufig sogar noch eine elektrische Ladung (electret), da sie als Partikelfilter wie auch eine FFP Maske gedacht sind. Das erhöht die Filterleistung deutlich, ohne den Atemwiderstand zu vergrößern. Manche Staubsaugerbeutelhersteller schreiben sogar ganz deutlich „3 layer electret Microfilter bag“.  

Wichtig ist natürlich, dass die Masken dicht am Gesicht anliegen und die wirksame Filterfläche möglichst groß ist, um den Atemwiderstand so gering wie möglich zu halten. Gerade hier ist das Internet voll von Fehlkonstruktionen mit viel zu geringen wirksamen Filterflächen; auch bei Firmen aus dem Spritzgusssektor, die ihre Produktionen auf Masken umstellen wollen. Ein grober Zahlenwert für die „Umsteller“: Bei FFP2-tauglichem Filtermaterial sollten die Filterflächen größer als 150 cm2 sein.

 An seinem Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Polymerwerkstoffe) produzieren Prof. Dr. Dirk Schubert und sein Team Atemschutzmasken und unterstützen so das Universitätsklinikum Erlangen: https://www.fau.de/2020/04/news/alternative-atemmasken

Auf dem Youtube-Kanal des hrstuhls für Werkstoffwissenschaften (Polymerwerkstoffe) finden sich weitere Hinweise zum Umgang mit Do-it-yourself-Masken: https://www.youtube.com/watch?v=9yv6ypFnlr0

 Die Umsetzung beziehungsweise Realisierung von Hinweisen unterliegt immer der Eigenverantwortung des Anwenders.
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Dirk W. Schubert
Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Polymerwerkstoffe)
Tel.: 09131/85-27752

dirk.schubert@fau.de

 Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

 Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220

presse@fau.de

15.04.2020 FAU-Transfusionsmediziner über Covid-19-Immunplasma: „Versuchen unser Menschenmögliches“


„Versuchen unser Menschenmögliches“

FAU-Transfusionsmediziner Prof. Holger Hackstein über den Einsatz des Covid-19-Immunplasmas

„Der große Vorteil des Covid-19-Immunplasmas ist, dass wir es sofort für die Patiententherapie einsetzen können“, erklärt Prof. Dr. Holger Hackstein, der an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) den Lehrstuhl für Transfusionsmedizin und Cell-Engineering innehat und Leiter der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung am Universitätsklinikum Erlangen ist. Nachdem der Mediziner in der vergangenen Woche die Erlaubnis seitens der Behörden erhalten hat, aus dem Blut genesener Covid-19-Patientinnen und -Patienten Immunplasma herzustellen, stehen nun die ersten Behandlungen in Erlangen an.

„Das Wirkprinzip dieses Plasmas ist eigentlich ein ganz einfaches. Es beruht darauf, dass eine Person, die diese Covid-19-Erkrankung durchläuft, ganz spezifische Abwehrstoffe gegen diese Erkrankung produziert, sogenannte Antikörper. Das sind Eiweißmoleküle, die an die Oberfläche des Virus anbinden und es in seiner Vermehrung direkt hemmen oder indirekt andere Zellen des Immunsystems dabei unterstützen, das Virus zu zerstören“, erläutert der Wissenschaftler. Patientinnen und Patienten mit schweren Krankheitsverläufen bekämen durch diese Bluttransfusion den Schutz des Immunsystems passiv übertragen und seien dann besser geschützt gegen diese lebensbedrohliche Viruserkrankung.

Aus China und anderen Ländern kämen schon erste wissenschaftliche Ergebnisse und die seien außerordentlich positiv, betont Hackstein. „Es ist gerade in PNAS, einer sehr hochrangigen internationalen Zeitschrift, eine erste Pilotstudie publiziert worden, die sehr positive Ergebnisse gezeigt hat. Ich wäre sehr froh, wenn wir das hier auch replizieren können.“ Kontrollierte klinische Studien zur Wirksamkeit von Covid-19-Immunplasma gibt es noch nicht, sie werden jedoch aktuell von verschiedenen Seiten initiiert. Daneben arbeiten Forscherinnen und Forscher weltweit daran, die Antikörper im Labor zu vermehren. „Aber diese Entwicklungen sind von der klinischen Anwendung noch relativ weit entfernt“, sagt Hackstein.

Im Moment gebe es natürlich einen großen Mangel an dem Immunplasma. „Wir tun hier das Menschenmögliche.“ Mittlerweile gebe es weitere transfusionsmedizinische Institute in Bayern, die jetzt ebenfalls diesen Weg gehen. Es bleibe deshalb zu hoffen, dass sich die Angebotssituation demnächst verbessere. „Aber letztendlich weiß keiner wirklich genau, wie sich die nächsten Wochen entwickeln werden“, sagt Hackstein.

Wie sich die Arbeit des Transfusionsmediziners seit der Corona-Pandemie verändert hat, wie spezielle Regelungen des Arzneimittelrechts die aktuelle Arbeit erleichtern und wie er die Vorbereitungen des Uni-Klinikums Erlangen einschätzt, darüber spricht Prof. Dr. Holger Hackstein aktuell in einem YouTube-Talk mit Gastgeber Prof. Dr. Joachim Hornegger, Präsident der FAU: https://www.youtube.com/watch?v=2hKYPI7hnYQ

Eine Übersicht aller Videotalks ist zu finden unter: www.fau.de/corona/videos/ 

Selbstverständlich steht es Ihnen frei, den Beitrag journalistisch zu verwerten. Schauen Sie doch einfach mal auch auf unserer Rubrik „Nachgefragt“ vorbei – dort finden Sie Meinungsbeiträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zu aktuellen Themen aus Gesellschaft, Politik und Wissenschaft: http://blogs.fau.de/news/category/fau-aktuell/nachgefragt/ 

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/ 

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220 

10.04.2020 FAU-Wirtschaftswissenschaftlerin: „Gesundheitsschutz und wirtschaftliche Aktivitäten verbinden“
Pressemeldung FAU

FAU-Wirtschaftswissenschaftlerin: „Gesundheitsschutz und wirtschaftliche Aktivitäten verbinden“

Die Wirtschaftsweise Prof. Dr. Veronika Grimm fordert schrittweise Lockerung des Shutdowns

 „Diese Pandemie wird uns über lange Monate begleiten. Mittelfristig ist es wichtig, Gesundheitsschutz und wirtschaftliche Aktivitäten zu verbinden. Und das ist ein nicht ganz einfaches Unterfangen“, sagt Prof. Dr. Veronika Grimm vom Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftstheorie, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Man müsse Wege finden, die Ausbreitung der Pandemie zu beschränken, obwohl man bestimmte Aktivitäten wieder zulasse, so die Wissenschaftlerin.

„Ich glaube man kann Gesundheitsschutz und wirtschaftliche Aktivitäten verbinden“, sagt Grimm, die erst kürzlich in den Rat der Wirtschaftsweisen berufen wurde. Eine viel diskutierte Möglichkeit sei zum Beispiel die Nutzung von künstlicher Intelligenz bei der Pandemiebekämpfung. Die Nutzung von Tracking-Apps zur Identifikation von möglichen Kontakten seien hier genauso ein Baustein wie eine verstärkte Digitalisierung und Vernetzung im Gesundheitswesen.

 Bevor das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben wieder anlaufen kann, sei es aber wichtig, dass genug Schutzkleidung und ausreichend Testkapazitäten vorhanden sind, um eine größere Kontrolle über das Infektionsgeschehen bei mehr sozialer Interaktion zu haben. „Die Frage ist hier: Was ist der Anreiz für ein Unternehmen, dass es prinzipiell in die Produktion von Masken und Schutzkleidung einsteigt?“ Hier müsse man über Preisanreize und staatliche Abnahmegarantien nachdenken. „Wenn ein Unternehmen jetzt seine Produktion umstellt, dann kann es das nur tun, wenn es auch eine wirtschaftliche Perspektive dafür gibt“, erklärt Grimm. Gleichzeitig müsse gewährleistet werden, dass Schutzausrüstung bei den Einrichtungen ankommt, die sie am dringendsten benötigen.

 Die Öffnung soll dabei schrittweise erfolgen. Besonders wichtig für Wirtschaft und Gesellschaft sind für Grimm Bildungseinrichtungen. Die Ökonomin gibt zu bedenken, dass man differenzieren muss, welche Aktivitäten digital fortgeführt werden können, und welche Institutionen auf Grund großer Wichtigkeit auch wieder physisch die Türen öffnen dürfen: „Da ist die Bildung eigentlich an vorderster Front.“

 Aber auch nach der Öffnung wird der Shutdown seine Spuren hinterlassen und die Gesellschaft nachhaltig verändern. Die Wirtschaftswissenschaftlerin prognostiziert, dass die aktuell erlebte neue Lebenswirklichkeit Gewöhnungseffekte haben wird. Grimm ist überzeugt, dass „wir in ganz, ganz vielen Bereichen nicht mehr so agieren werden, wie wir bisher agiert haben.“ Viele Tätigkeiten würden digitaler und dadurch womöglich Ressourcen frei werden, Dinge noch besser und zielgerichteter zu tun.

 Nach welchen Kriterien die Beschränkungen gelockert werden sollten, wie man die Engpässe bei Schutzkleidung und Testkapazitäten in den Griff bekommen kann und ob man wirtschaftlichen Wohlstand gegen Gesundheit abwägen kann, darüber spricht Prof. Dr. Veronika Grimm aktuell in einem YouTube-Talk mit Gastgeber Prof. Dr. Joachim Hornegger, Präsident der FAU: https://youtu.be/W-h2PFAGWEI

 Eine Übersicht aller Videotalks ist zu finden unter: www.fau.de/corona/videos/ 

 Selbstverständlich steht es Ihnen frei, den Beitrag journalistisch zu verwerten. Schauen Sie doch einfach mal auch auf unserer Rubrik „Nachgefragt“ vorbei – dort finden Sie Meinungsbeiträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zu aktuellen Themen aus Gesellschaft, Politik und Wissenschaft: http://blogs.fau.de/news/category/fau-aktuell/nachgefragt/ 

 Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/ 

 Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Kommunikation und Presse

Schlossplatz 4

91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229

Fax: +49 9131 85-70220

 

09.04.2020 Unterwegs im Auftrag des Osterhasen- Erlanger Kinderpalliativteam betreut trotz Corona-Beschränkungen schwer kranke Kinder in Mittel- und Oberfranken

„Unser Motto heißt: ‚Wir fahren weiter‘“, betont Kunstpädagogin Michelle Dotzauer vom Kinderpalliativteam des Universitätsklinikums Erlangen. Trotz der Kontakteinschränkungen wegen des Coronavirusʼ sind die speziell geschulten Ärztinnen, Pflegekräfte, Sozialpädagoginnen, Seelsorgerinnen und Psychologen weiterhin im gesamten mittel- und oberfränkischen Raum unterwegs, um schwerst- und sterbenskranke Kinder zu betreuen. Zurzeit stapeln sich in den vier Autos des Kinderpalliativteams der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle) des Uni-Klinikums Erlangen zahlreiche selbst gebastelte Osternester als Überraschung für die jungen Patienten und ihre Geschwister.

Insgesamt 40 schwer kranke Kinder und ihre Familien besuchen Michelle Dotzauer und ihr Team derzeit – so viele wie noch nie, seit das Erlanger Kinderpalliativteam vor zehn Jahren seine Arbeit aufgenommen hat. „Manche Patienten besuchen wir zwei- oder sogar dreimal pro Woche“, erklärt Dr. Chara Gravou-Apostolatou, Leiterin des Kinderpalliativteams. „Gerade jetzt haben die Familien neben den medizinischen Themen auch einen erhöhten psychosozialen Bedarf durch die Isolation und alle damit verbundenen Belastungen, wie zum Beispiel Ausfälle beim häuslichen Pflegedienst in den Familien.“ Weil die Geschwisterkinder aufgrund der vorgegebenen Kontaktbeschränkungen zurzeit nicht so eng wie sonst betreut werden können, schickt ihnen das Kinderpalliativteam regelmäßig handgefertigte Briefe, Bastelmaterial und kreative Anregungen. Als Osterüberraschung bekommen alle Kinder und Geschwister derzeit insgesamt 60 selbst gebastelte bunte Osternester sowie viele kleine Geschenke und Schokoladenhasen persönlich überbracht.

Engagement seit 2009

Das Kinderpalliativteam wurde 2009 gegründet und unterstützt Familien mit sterbenskranken Kindern in doppelter Hinsicht: zum einen medizinisch – etwa, wenn ein kleiner Patient Schmerzen hat, nicht gut einschlafen kann oder unter Atemnot leidet. Zudem sind die Mitarbeiter des Teams Ansprechpartner für alle sozialrechtlichen, organisatorischen und finanziellen Fragen. Spenden für besondere Aktionen des Kinderpalliativteams sind möglich über den Freundeskreis der Kinder- und Jugendklinik, Verwendungszweck: Kinderpalliativteam, HypoVereinsbank Erlangen, IBAN: DE14 7632 0072 0003 1740 00, BIC: HYVEDEMM417

Weitere Informationen:

Dr. Chara Gravou-Apostolatou

Tel.: 09131 85-35982

kinderpalliativteam@uk-erlangen.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/    

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Kommunikation und Presse

Schlossplatz 4

91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229

Fax: +49 9131 85-70220

presse@fau.de    

http://www.fau.de/    

08.04.2020 BLÄK fordert Bonus für Medizinische Fachangestellte
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Der Bonus von 500 Euro für das medizinische Pflegepersonal in diesen schwierigen Zeiten der SARS-CoV-2 Pandemie ist eine hervorragende Geste der Anerkennung und des Dankes für deren Tätigkeit unter erschwerten Bedingungen und erhöhtem Risiko in unseren Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeheimen“, sagt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK): „Das wollen wir auch für unsere Medizinischen Fachangestellten (MFA).“

Diese stünden dem Patientenaufkommen bei Beschwerden als erste Anlaufstelle gegenüber, ohne zu wissen, ob es sich möglicherweise um infizierte Menschen handle. Damit seien auch die MFA einem Infektionsrisiko ausgesetzt, das insbesondere bei engem Kontakt zu Patienten, beispielsweise bei Blutentnahmen, Verbandswechseln oder auch beim Anlegen eines EKGs, deutlich erhöht ist.

„Die MFA verrichten in den Praxen gerade jetzt eine besonders verantwortungsvolle und herausfordernde Tätigkeit und dürfen nicht unberücksichtigt bleiben, auch sie sollten eine Bonuszahlung erhalten“, so der Präsident abschließend. Auch in dieser Berufsgruppe sei ein massiver Nachwuchsmangel feststellbar.

Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax: 089 4147-202
E-Mail: presse@blaek.de

06.04.2020 Therapie für Coronapatienten: Uni-Klinikum Erlangen darf SARS-CoV-2-Immunplasma herstellen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 36/2020

Die Transfusionsmedizinische und Hämostaseologische Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen hat jetzt als eine der ersten Einrichtungen in Deutschland die behördliche Gestattung zur Herstellung von therapeutischen Plasma zur Behandlung von schwer erkrankten COVID-19-Patienten erhalten. „Wir sind sehr froh und dankbar für die zügige Bearbeitung unserer Antragsunterlagen durch die Regierung von Oberfranken“, sagt Prof. Dr. Holger Hackstein, Leiter der Transfusionsmedizin des Uni-Klinikums Erlangen.

„Wir waren bereits seit vielen Wochen in intensivem Kontakt mit der Regierung von Oberfranken. Dieser Einsatz hat sich gelohnt“, ergänzt Prof. Hackstein. Die Transfusionsmedizin des Uni-Klinikums Erlangen darf nun COVID-19-Immunplasma für schwer kranke Patienten herstellen und anwenden. „Aufgrund der äußerst positiven Resonanz auf unseren Spendenaufruf an ehemalige Corona-Patienten kann die Apherese-Plasma-Produktion ab sofort starten“, berichtet Prof. Hackstein.

Am vergangenen Donnerstag hatte Prof. Hackstein ehemalige Corona-Patienten in Franken zu einer Blutplasmaspende aufgerufen. Innerhalb weniger Stunden hatten sich über 200 Personen gemeldet, die an COVID-19 erkrankt waren und Blutplasma spenden wollten. „Das waren viel mehr, als wir zum jetzigen Zeitpunkt in unser Programm aufnehmen konnten“, freut sich Prof. Hackstein. „Aktuell suchen wir auch keine weiteren Spender mehr.“ Die ehemaligen COVID-19-Patienten werden nun einzeln evaluiert. „Wichtig war, dass sie einen positiven Coronavirustest zu Beginn und möglichst zwei negative Tests am Ende der Erkrankung nachweisen konnten. Die Blutplasmaspende dauert ungefähr 45 Minuten und ist für die Spender nicht belastender als eine normale Blutspende“, erläutert Prof. Hackstein. Ihr Körper hat nach einer COVID-19-Infektion spezifische Antikörper gegen das Virus gebildet, die nun mit einer Apheresemaschine aus dem Blut gewonnen werden.

Tödliche COVID-19-Infektionen könnten verhindert werden

„Aktuelle wissenschaftliche Daten weisen darauf hin, dass durch COVID-19-Immunplasma eine deutliche Abschwächung der lebensbedrohlichen Verläufe möglich ist“, so Prof. Hackstein. Aktuell liegen 19 COVID-19-Patienten im Uni-Klinikum Erlangen, darunter 11 auf einer Intensivstation. „Wenn unsere Initiative erfolgreich ist – die in gleicher Art und Weise auch in Kürze in einigen anderen Universitätskliniken startet –, könnte dieses Verfahren die Therapie erheblich verbessern.“

Weitere Informationen:

Michael Rabenstein     Tel.: 09131 85-46777     presse@uk-erlangen.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/  

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Kommunikation und Presse

Schlossplatz 4

91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229

Fax: +49 9131 85-70220

presse@fau.de  

03.04.2020 Expertengruppe: „Die Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie tragfähig gestalten“
uni | mediendienst | aktuell Nr. 35/2020


Expertengruppe: „Die Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie tragfähig gestalten“

Prof. Dr. Abele-Brehm (Sozialpsychologie) und Prof. Dr. Grimm (Wirtschaftswissenschaften), beide FAU, veröffentlichen mit einer interdisziplinären Gruppe renommierter Wissenschaftler Empfehlungen für einen Stufenplan für die Zeit nach dem Shutdown

Die geltenden Beschränkungen in Gesellschaft und Wirtschaft allmählich zu lockern und dabei die medizinische Versorgung der gesamten Bevölkerung zu sichern – dafür plädiert jetzt eine interdisziplinäre Gruppe renommierter Wissenschaftler. In ihrem Positionspapier zeigen die Forscher um ifo-Präsident Clemens Fuest und Martin Lohse, Präsident der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, Wege zu diesem Ziel auf.

 

Die Strategie sieht vor, derzeitige Einschränkungen differenziert und unter kontinuierlicher Abwägung der Risiken nach und nach zu lockern. Priorität haben dabei Beschränkungen, die hohe wirtschaftliche Kosten verursachen oder zu starken sozialen und gesundheitlichen Belastungen führen. Regionen mit niedrigen Infektionsraten und freien Kapazitäten im Gesundheitssystem könnten, so der Vorschlag der 14 Experten aus deutschen Universitäten und Forschungsinstituten, beim allmählichen Neubeginn vorangehen. Beginnen sollten zudem Sektoren mit niedriger Ansteckungsgefahr wie zum Beispiel hochautomatisierte Fabriken sowie Bereiche mit weniger gefährdeten Personen, etwa in Schulen.

 „Die aktuellen Beschränkungen sind notwendig und gut, um die unkontrollierte Ausbreitung der Pandemie zu verhindern. Die Pandemie wird uns aber noch lange Zeit beschäftigen. Die Maßnahmen müssen daher mittelfristig so angepasst werden, dass sie sich auch über die erforderlichen Zeiträume durchhalten lassen“, sagt Veronika Grimm, Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftstheorie der FAU. „Die Zeit des Shutdowns sollte genutzt werden, um zielgerichtet Anpassungen der Maßnahmen zu konzipieren und vorzubereiten – denn mittelfristig müssen Gesundheitsschutz und Wiederaufnahme gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Aktivitäten nicht im Widerspruch stehen.“

 „Wir dürfen die Menschen, die zuhause vielfältigen Belastungen ausgesetzt sind (Gesundheitssorgen, Geldsorgen, Zusammenleben auf engem Raum, etc.), nicht überfordern, denn sonst sind psychische Folgeschäden (Aggression, Gewalt, Depressionen), aber auch die Zunahme sozialer Ungleichheit unausweichlich. Wir brauchen in diesem Zusammenhang ausreichend Beratungs- und psychotherapeutische Angebote“, sagt die Sozialpsychologin Abele-Brehm. „Die Menschen brauchen Perspektiven für den schrittweisen Ausstieg von den derzeitigen Beschränkungen.“

 Wichtig seien jetzt großflächige Tests, um zuverlässigere Erkenntnisse über die Ausbreitung des Erregers zu erhalten, schreiben die Wissenschaftler aus den Bereichen Innere Medizin, Infektionsforschung, Pharmakologie, Epidemiologie, Ökonomie, Verfassungsrecht, Psychologie und Ethik. Auch die Sicherung der Produktion von Schutzkleidung, Schutzmasken, Medikamenten und künftiger Impfstoffe zähle zu den vordringlichen Maßnahmen. Weiterhin empfehlen die Wissenschaftler, neue Kapazitäten zur Bewältigung der sozialen und psychischen Folgeschäden der aktuellen Maßnahmen zu schaffen.

 Die Stellungnahme zum Download: https://www.ifo.de/publikationen/2020/monographie-autorenschaft/die-bekaempfung-der-coronavirus-pandemie-tragfaehig

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Veronika Grimm
Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftstheorie
veronika.grimm@fau.de

 Prof. Dr. Andrea Abele-Brehm
Senior Fellow of Psychology, FAU
andrea.abele-brehm@fau.de

 Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/ 

 Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Kommunikation und Presse

Schlossplatz 4

91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229

Fax: +49 9131 85-70220

presse@fau.de 

http://www.fau.de/ 

 

01.04.2020 Alzheimer durch Arthritis?
Pressemeldung der FAU

FAU-Forschungsteam entdeckt Zusammenhang zwischen peripheren Entzündungen und Erkrankungen des Gehirns
Ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat erstmals einen konkreten Zusammenhang zwischen chronischen peripheren Entzündungen und neurodegenerativen Erkrankungen nachgewiesen. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Cell Reports veröffentlicht.*
Chronische Entzündungen im menschlichen Körper wie die rheumatoide Arthritis sind schwer behandelbar und eine hohe Belastung für die Patienten. Häufig zeigen sich nicht nur körperliche Beschwerden wie schmerzende und deformierte Gelenke, sondern auch Begleiterkrankungen des Gehirns wie Depression oder Alzheimer-Demenz.

Forschungsteams der Abteilung für Molekulare Neurologie (Prof. Dr. Jürgen Winkler) sowie der Medizinischen Klinik III des Universitätsklinikums Erlangen (UKE) haben zusammen mit der University of California und der Universität Freiburg nun erstmals einen direkten Zusammenhang nachgewiesen: Sie fanden heraus, dass bei rheumatoider Arthritis sogenannte Mikroglia – Gewebsmakrophagen des Immunsystems – in bestimmten Bereichen des Gehirns aktiviert werden. Die Vermutung der Forschenden: Mikroglia werden durch die anhaltende Stimulation infolge peripherer Entzündungen so verändert, dass sie zum Sterben von Nervenzellen und zur Hirndegeneration beitragen.

* https://doi.org/10.1016/j.celrep.2020.02.109 

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Jürgen Winkler, Tel.: 09131/85-39323, juergen.winkler@uk-erlangen.de 

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de

https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

01.04.2020 Marathon-Die SARS-CoV-2-Pandemie ist kein Sprint

„Die SARS-CoV-2-Pandemie ist kein Sprint. Wir alle werden uns auf einen Marathon einstellen müssen und darauf haben wir unterschiedlich gut trainiert. Und wir müssen mit den Schuhen laufen, die wir haben. Das verlangt enormen Einsatz von uns Ärztinnen und Ärzten und führt manche an die Grenze der Belastbarkeit“, beginnt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) den Leitartikel der Aprilausgabe des Bayerischen Ärzteblatts.

In der aktuellen Situation verlangsamten nicht Ärzte die Geschwindigkeit der Ausbreitung der Erkrankung, sondern die Disziplin der Menschen. „Die Botschaft heißt: Wir sind für Sie da. Bleiben Sie für uns zuhause (#WirBleibenZuhause, #StayAtHome)“, appelliert Quitterer.

Mehr denn je zeige sich in der Krise, dass die Gesundheit der Menschen ein „konditionales Gut“ sei. Es spreche vieles dafür. Konditionale Güter seien Güter, die wir als zentrale Voraussetzung für die Realisierung von Lebensplänen ansähen. Die Verwirklichung von Gesundheit werde als eine Grundbedingung für die Chancengleichheit in unserer Gesellschaft angesehen. Konsequent zu Ende gedacht hieße dies, dass wir auf dem Gesundheitssektor keine wesentlichen Einschränkungen hinnehmen sollten. Das Ergebnis müsse lauten: „Krisensichere Gesundheitsversorgung ist teurer, als wir aktuell bereit sind hierfür zu zahlen. Somit wirft diese SARS-CoV-2-Pandemie auch die Frage nach dem Wert und den damit verbundenen Vorhaltekosten auf“, schreibt Bayerns Ärzte-Chef.

Mit gemeinsamer Anstrengung müsse die ärztliche Versorgung der an COVID-19-Erkrankten, aber auch aller anderen Behandlungsbedürftigen so gut und professionell wie möglich sichergestellt werden. „Hierfür benötigen wir aktuell neue Formen der Betreuung und Aufgabenteilungen. Wir brauchen die erforderlichen technischen und medikamentösen Ressourcen, wie Beatmungsgeräte, Schutzausrüstung oder Narkosemittel. Und wir benötigen in der ‚Nach-SARS-CoV-2-Pandemie-Zeit‘ eine aufrichtige Diskussion, wie viel uns jederzeit abrufbare ärztliche Leistung wert ist und was die Gesundheitsversorgung Bewältigung der nächsten Herausforderung erfordert.“

Mehr zu „Marathon“ lesen Sie im Leitartikel der Aprilausgabe 2020 des Bayerischen Ärzteblatts unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

Pressestelle Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax: 089 4147-202
E-Mail: presse@blaek.de

31.03.2020 Schutzausrüstung für Ärzte und medizinisches Personal dringend erforderlich
Pressemeldung der Bayerischen Landeärztekammer

„Wir mahnen die erforderliche Schutzausrüstung für Ärztinnen und Ärzte und für das medizinische Pflegepersonal an. In ausreichender Stückzahl!“, meldet sich Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), zu Wort.

Der Mangel an persönlicher Schutzausrüstung werde immer dringlicher – ganz besonders in der haus- und fachärztlichen Versorgung, der stationären Langzeitpflege, im Rettungsdienst und auch bei ambulanten Pflegediensten. Diese Bereiche seien versorgungsrelevant. Die Beschäftigten im Gesundheitswesen sowie deren Patientinnen und Patienten hätten ein Recht, wirksam und verlässlich vor Infektionen geschützt zu werden, so der Präsident.

Erst dann könne darüber nachgedacht werden, eine generelle Maskenpflicht einzuführen. Das alleinige Tragen von Masken ersetze keinesfalls die allgemeinen Hygieneregeln wie Abstand halten, Händedesinfektion, Husten- und Niesetikette sowie das Einhalten der Kontaktbeschränkungen, so der Präsident.

PressestelleBayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax: 089 4147-202
E-Mail: presse@blaek.de

27.03.2020 Freiwillige Ärzte und Medizinstudenten helfen in der SARS-CoV-2- Krise – Erfassung von Angebot und Bedarf
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Zur besseren Bewältigung der SARS-CoV-2-Pandemie kann es notwendig
werden, in den nächsten Wochen schnellstmöglich die Kapazitäten der
ärztlichen Versorgung von SARS-CoV-2-Verdachtsfällen und Patienten zu
erhöhen beziehungsweise die bereits tätige Ärzteschaft zu entlasten.

Daher erheben das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und
Pflege (StMGP) sowie die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) sowohl
das Angebot als auch den Bedarf an freiwilligen Ärzten und Medizinstuden-
ten, die in der SARS-CoV-2-Pandemie unterstützend tätig werden möch-
ten.

So werden alle nicht bereits in medizinische Versorgungsstrukturen einge-
bundenen Ärztinnen und Ärzte sowie Medizinstudentinnen und Medizinstu-
denten um Unterstützung zur Deckung der erheblichen zusätzlichen Perso-
nalbedarfe gebeten. Des Weiteren werden alle Arztpraxen, Medizinischen
Versorgungszentren, Gesundheitsämter, Betreiber von Bürgertelefonen
etc. gebeten, ihren Bedarf an zusätzlicher ärztlicher Mitarbeit bei uns zu
melden.

„Um Angebot und Bedarf an zusätzlicher ärztlicher Mitarbeit zueinander zu
bringen, hat die BLÄK eine Website erstellt, auf der sich die angesproche-
nen Zielgruppen eintragen können“, sagte BLÄK-Präsident Dr. Gerald Quit-
terer.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml betonte: „Unsere Ärztinnen
und Ärzte verdienen für ihren engagierten Einsatz gegen die Corona-Pan-
demie große Anerkennung! Derzeit lässt sich nicht voraussagen, wie sich
die Infektionslage in Bayern entwickelt. Deshalb bitten wir alle Mediziner,
die nicht ohnehin schon im Dienst sind, um ihre Unterstützung. Auch Stu-
dierende sind dabei willkommen!“
Zu finden ist die Website unter folgender Internetadresse:
https://freiwillige.blaek.de 

Unter dem Reiter „Angebot für stationäre Versorgungsstrukturen“ haben
Ärzte und Medizinstudenten dort die Möglichkeit, sich zu registrieren, wenn

sie Kliniken und Krankenhäuser bei der stationären medizinischen Versor-
gung unterstützen wollen.

Für den Fall des Einsatzes möchten wir bereits jetzt darauf hinweisen,
dass aktuelle Arbeitsverträge bestehen bleiben und die Betreffenden zu
diesem Zweck unter Lohnersatz beziehungsweise Lohnfortzahlung freige-
stellt werden. Der Einsatz wird ausschließlich während der SARS-CoV-2-
Pandemie andauern.
Unter dem Reiter „Bedarf im ambulanten Sektor und im Öffentlichen Ge-
sundheitsdienst“ können hingegen alle Institutionen des Gesundheitssys-
tems, außer Krankenhäusern und Kliniken, Ihren Bedarf an ärztlicher Mitar-
beit eintragen.

„Es verdient große Anerkennung, dass freiwillige Ärztinnen und Ärzte so-
wie Medizinstudentinnen und Medizinstudenten in der SARS-CoV-2-Krise
helfen. Allen Akteuren im Gesundheitswesen – egal ob hauptamtlich oder
freiwillig tätig – möchte ich für ihre Mitwirkung ganz besonderes danken“,
so Quitterer abschließend.

Pressestelle Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax: 089 4147-202
E-Mail: presse@blaek.de


27.03.2020 „Unsere Vorbereitungen sind weitestgehend abgeschlossen“
uni | mediendienst | aktuell Nr. 30/2020

Vor zwei Wochen fanden in dem Gebäudeteil der Anästhesiologischen Klinik noch die Sprech- und Therapiestunden der Schmerzambulanz des Universitätsklinikums Erlangen statt. Jetzt sind dort zwölf vollständige Intensivtherapiebetten aufgebaut, Studierende der Humanmedizin werden von erfahrenen Intensivpflegekräften geschult und bereiten sich auf die ersten COVID-19-Patienten vor. Der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann informierte sich am 26.03.20  vor Ort beim Ärztlichen Direktor Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro über den Stand der Vorbereitung auf einen möglichen Anstieg von COVID19-Patienten.

Staatsminister Herrmann dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Uni-Klinikums Erlangen und einer Studierendengruppe persönlich für ihr Engagement: „Während sich einige in der Krise davonschleichen, sind Sie hier und helfen.“ Auch wenn derzeit noch viele Betten im Uni-Klinikum Erlangen und in anderen Kliniken der Region frei seien, wisse man in anderen Regionen Bayerns nicht, wie lange die Krankenhäuser die Situation dort verkraften können. Joachim Herrmann: „Es kann sein, dass wir dann Patienten z.B. aus dem Großraum München verlegen müssen.  Daher ist es gut, jetzt vorzusorgen und besser bleiben eventuell einige Betten frei, als wenn wir eine Situation wie in Italien haben, und Menschen sterben, weil es kein freies Bett gibt.“ Er dankte den Uni-Klinika in Erlangen, Regensburg und Würzburg auch für ihre spontane Bereitschaft, je zwei Patienten aus Italien aufzunehmen. „Das ist ein gutes Zeichen für die europäische Verbundenheit“, so der Innenminister.

Der Direktor der Anästhesiologischen Klinik, Prof. Dr. Dr. h. c. Jürgen Schüttler, erläuterte dem Innenminister die Intensivkapazitäten am Uni-Klinikum Erlangen. Im Normalbetrieb stehen 100 Intensivbetten zur Verfügung. Angesichts von  COVID-19 wurden bis heute 40 weitere Intensivplätze geschaffen. „In der Endstufe könnten wir maximal rund 200 COVID-19-Patienten in verschiedenen Intensiveinheiten versorgen und beatmen“, sagte Prof. Schüttler. Dafür würden aber noch 30 neue Beatmungsgeräte gebraucht, die zwar bestellt, aber noch nicht geliefert worden seien. „Dann haben wir das absolute Maximum, was wir in Erlangen innerhalb der nächsten drei Wochen schaffen können.“

Der Ärztliche Direktor Prof. Iro sagte: „Unsere Vorbereitungen sind jetzt weitestgehend abgeschlossen. Wir haben unsere Intensivkapazitäten bald verdoppelt und Personal so umstrukturiert, dass wir die neuen Intensivbereiche betreiben können. Allerdings haben wir das große Glück, dass uns neben vielen externen Freiwilligen rund 200 Studierende der Humanmedizin und über 400 Wissenschaftler aus der Medizinischen Fakultät dabei tatkräftig unterstützen.  Diese große Welle der Hilfsbereitschaft ist beeindruckend. Sie zeigt unseren Pflegenden und Ärzten, dass sie für die anstehenden Aufgaben auf eine breite Unterstützung haben. Unsere Pflegekräfte, Ärzte, Verwaltungsmitarbeiter und Hilfskräfte machen derzeit an der Krisenfront einen super Job!“ Sehr wichtig sei nun in den nächsten Tagen und Wochen, dass die angekündigten Nachlieferungen an Schutzmaterial rechtzeitig ankommen. „Aktuell strecken wir ganz bewusst unsere Ressourcen, ohne den Schutz von Patienten oder Mitarbeitern zu gefährden“, so Prof. Iro. „Wenn wir allerdings nicht bald den versprochenen Nachschub an Schutzmasken und Schutzmänteln bekommen, werden wir ein Problem haben.  Ich appelliere an alle politisch Verantwortlichen, uns in unserem Bemühen um ausreichende Materiallieferungen zu unterstützen.“  Derzeit würden vier COVID-19-Patienten am Uni-Klinikum behandelt, davon einer intensivmedizinisch. An Staatsminister Herrmann gerichtet sagte Prof. Iro: „Ich glaube, dass die Politik alles getan hat, um uns vorzubereiten. Ob das jetzt alles so funktioniert, werden wir sehen und das weiß letztlich niemand. Aber eine Situation wie in Italien oder Frankreich will schließlich keiner.“

Weitere Informationen:
Pressestelle des Universitätsklinikums Erlangen
Tel.: 09131/85-36102
presse@uk-erlangen.de
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de/
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

26.03.2020 Algorithmus hilft beim Helfen - BÄK unterstützt Studierendeninitiative
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 26.03.2020 – Die Corona-Epidemie stellt unser Gesundheitssystem auf eine extreme Belastungsprobe. In dieser Krise wird jede helfende Hand dringend benötigt.
Bundesärztekammer und Landesärztekammern haben sich bereits mit der Bitte um freiwillige Mitarbeit in Gesundheitseinrichtungen an die Medizinstudierenden gewandt – mit überwältigender
Resonanz.

„Diese enorme Hilfsbereitschaft unterstreicht einmal mehr: Auf unsere Ärztinnen und Ärzte ist Verlass. Und die vielen Freiwilligen aus der nachwachsenden Ärztegeneration zeigen, dass das auch in Zukunft so sein wird“, sagt Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK). Jetzt gehe es darum, die Freiwilligen möglichst schnell dorthin zu vermitteln, wo sie am besten helfen
können.

Daher unterstützt die BÄK auch das von der Initiative Medis-vs-COVID19 und der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd) ins Leben gerufene Projekt
„match4healthcare“.

„Mit dieser berufs- und einrichtungsübergreifenden Plattform schaffen wir eine effiziente und direkte Vernetzung von Helfenden und Hilfesuchenden. Wir hoffen hiermit einen großen Beitrag zur
Unterstützung des Gesundheitswesens leisten zu können und insbesondere auch Einrichtungen ohne direkten Bezug zu Universitätskliniken wie städtische oder periphere Krankenhäuser,
Pflegeheime, Pflegedienste oder Arztpraxen zu helfen”, erklärt Aurica Ritter, Präsidentin der bvmd.


Die Webseite match4healthcare.de ist eine Vermittlungsplattform für Gesundheitseinrichtungen, Medizinstudierende sowie weitere Studierende und Auszubildende im Gesundheitsbereich. Die
Einrichtungen können mit wenigen Klicks passende Helfende finden und direkt kontaktieren. Unter match4healthcare.de können sich ab heute (26.03.2020) um 18:00 Uhr Helfende und
Institutionen registrieren und in den Austausch treten. Weitere Informationen finden Sie unter @match4health_ auf Twitter.

Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de


20.03.2020 BÄK und ZEKO für Stärkung der ambulanten Ethikberatung
Pressemeldung der Bundesärztekammer und Zentraler Ethikkommision

Berlin, 20.03.2020 – Die komplexe Versorgung von schwerkranken Menschen erfolgt zunehmend im außerklinischen Bereich. Dies geht für die Beteiligten mit ethischen Herausforderungen und
einem entsprechenden Unterstützungsbedarf einher. An dieser Stelle setzt Ethikberatung an, die das Ziel verfolgt, die ethische Kompetenz der beteiligten Personen zu fördern und sie in
schwierigen ethischen Entscheidungssituationen zu unterstützen.

Während im klinischen Bereich die unterschiedlichen Formen ethischer Entscheidungsunterstützung (z. B. Fallberatung, Fortbildungsangebote, ethische Leitlinien) mittlerweile breit etabliert sind, handelt es sich bei der Mehrzahl der Ethikberatungsangebote im außerklinischen Bereich um relativ
junge und zum Teil sehr unterschiedliche Initiativen.

Vor diesem Hintergrund hat sich die Zentrale Ethikkommission bei der Bundesärztekammer (ZEKO) in Ergänzung zu ihrer Stellungnahme zur Ethikberatung in der klinischen Medizin aus dem Jahr 2006 mit der Ethikberatung im außerklinischen Bereich befasst.

Insgesamt begrüßt die ZEKO die zunehmende Etablierung von Ethikberatungsangeboten im außerklinischen Bereich, da die Angebote hier wie auch im klinischen Bereich zu ethisch besser
begründeten Entscheidungen führen können und ein Qualitätsmerkmal der medizinischen Versorgung darstellen. Ausgehend von einer Bestandsaufnahme beschreibt die ZEKO in ihrer Stellungnahme die Herausforderungen bei der Implementierung, Organisation und Durchführung außerklinischer Ethikberatung und zeigt für typische Problemkonstellationen mögliche Lösungsansätze auf.

Der ZEKO ist es darüber hinaus ein wichtiges Anliegen, zur Vermeidung von Fehlentwicklungen und zur Weiterentwicklung der bestehenden Angebote beizutragen.

Abgestimmt mit der Veröffentlichung der ZEKO-Stellungnahme wollen die Landesärztekammern die sogenannte Ambulante Ethikberatung in Deutschland stärken und weiterentwickeln. Um die Arbeit verschiedener Einrichtungen für ambulante Ethikberatung und ihre Bedeutung sichtbar zu machen, wird eine vom Vorstand der Bundesärztekammer eingerichtete Arbeitsgruppe zeitnah konkrete Fallbeispiele, die von Experten aus ethischer, juristischer und medizinischer Sicht kommentiert
wurden, als Serie im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichen.

Ziel dieser Initiativen von BÄK und ZEKO ist es, eine Orientierungshilfe bei komplexen ethischen Fragestellungen in der ambulanten Versorgung zu geben und auf entsprechende Unterstützungs-möglichkeiten hinzuweisen.

Die Stellungnahme „Außerklinische Ethikberatung“ der ZEKO wurde am 20.03.2020 im Deutschen Ärzteblatt bekannt gemacht und auf der Internetseite der ZEKO veröffentlicht.
Link zur Stellungnahme:

https://www.zentrale-ethikkommission.de/ausserklinische-ethikberatung2019



19.03.2020 Datenbank voller Vitalfunktionen
uni | mediendienst | forschung Nr. 16/2020

FAU-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler erstellen Sammlung von Aufnahmen von Vitalfunktionen, um weitere Forschung zu ermöglichen
Für eine Studie zur Überwachung von Herztönen per Radar haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) Vitalfunktionen von Probandinnen und Probanden aufgenommen. Die Daten lassen jedoch nicht nur Rückschlüsse auf Herztöne, sondern auch auf weitere Parameter wie Puls und Atmung zu. Um weitere Forschung zu ermöglichen, haben die Wissenschaftler die Daten daher jetzt in einer Datenbank veröffentlicht.

Das FAU-Team hat ein Verfahren entwickelt, mit dem Herztöne per Radar zuverlässig detektiert und diagnostiziert werden können. Mobile Radargeräte könnten künftig herkömmliche Stethoskope ersetzen, außerdem ist eine permanente berührungslose Überwachung der Vitalfunktionen mit stationärem Radar möglich. Für diese Studie hatten die Nachwuchsforscherinnen und -forscher die Vitaldaten von Probandinnen und Probanden in verschiedenen Aktivierungszuständen gemessen, also in Ruhe, nach dem Sport, usw. „Wir haben uns für unsere Studie auf die Herztöne konzentriert. Aber in den Daten steckt noch viel mehr Potenzial“, erklärt Kilin Shi, Doktorand am Lehrstuhl für Technische Elektronik. Zum Beispiel könnte anhand der Daten der Zusammenhang zwischen Herztönen, dem Pulssignal und der Atmung genauer untersucht und dadurch neue Zusammenhänge entdeckt werden. Deshalb haben die FAU-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Testaufnahmen in einer Datenbank gesammelt und der Forschungsgemeinde frei zur Verfügung gestellt.

Die Datenbank haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem Paper beschrieben, dass im Nature Scientific Data erschienen ist: https://www.nature.com/articles/s41597-020-0390-1
Eine detaillierte Pressemeldung zur berührungslosen Überwachung der Vitalfunktionen mit stationärem Radar finden Sie hier: https://www.fau.de/2018/08/news/wissenschaft/radar-statt-stethoskop/

Weitere Informationen:
Kilin Shi
Tel.: 09131/85-67733
kilin.shi@fau.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220

presse@fau.de
http://www.fau.de/
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

17.03.2020 123. Deutscher Ärztetag in Mainz abgesagt
Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Berlin - Statement des Präsidenten der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt: „Die Ärzteschaft begrüßt den Beschluss von Bund und Ländern, öffentliche Veranstaltungen vor dem Hintergrund der
Corona-Epidemie in Deutschland bis auf Weiteres abzusagen.

Jeder Einzelne kann dazu beitragen, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, indem man den Kontakt zu anderen reduziert und
damit Infektionsmöglichkeiten minimiert. Ärztinnen und Ärzte sowie deren berufsständische Organisationen sind in besonderem Maße gefordert, in diesem Sinne Verantwortung zu übernehmen.
Aus diesem Grund hat der Vorstand der Bundesärztekammer beschlossen, den 123. Deutsche Ärztetag, der vom 19.05.2020 bis 22.05.2020 in Mainz tagen sollte, abzusagen. Ich danke den
Mitarbeitern der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz und insbesondere den Kollegen Dr. Günther Matheis und Dr. Jürgen Hoffart für das große Engagement in der Vorbereitung des geplanten Ärztetages. Und ich möchte diese Entscheidung auch mit einem ausdrücklichen Dank an die Ärztinnen und Ärzte und alle im Gesundheitswesen Tätigen für ihren bemerkenswerten Einsatz bei
der Bewältigung dieser Krise verbinden.“  

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de

10.03.2020 Loch in der Herzscheidewand – und dann?
uni | mediendienst | forschung Nr. 13/2020

Erlanger Studie erforscht Herzoperationen bei Kleinkindern und ihre Folgen – 58.000 Euro von der Deutschen Stiftung für Herzforschung

Die Deutsche Stiftung für Herzforschung fördert mit rund 58.000 Euro die Fortsetzung einer bereits 2015 gestarteten Studie am Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU): Untersucht werden aktuell Heranwachsende, die im Kleinkindalter wegen eines Ventrikelseptumdefekts (VSD) am Herzen operiert wurden. Dieses Loch in der Scheidewand zwischen den beiden Herzkammern ist der häufigste angeborene Herzfehler. Im Rahmen ihrer Studie wollen die Erlanger Ärzte und Psychologen klären, inwieweit sich ein Kind, das in der frühen Kindheit aufgrund eines VSD operiert wurde, psychisch anders entwickelt als Gleichaltrige ohne einen solchen Eingriff. Zudem werden Risiko- und Schutzfaktoren für eine gesunde Entwicklung untersucht. Die Studie ist ein Kooperationsprojekt der Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit (Leiter: Prof. Dr. Gunther H. Moll) und der Kinderherzchirurgischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Robert Cesnjevar) des Uni-Klinikums Erlangen.

Die Kinder, die alle vor ihrem dritten Geburtstag in der Kinderherzchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen erfolgreich operiert wurden, kamen das erste Mal im Grundschulalter zur Datenerhebung in die Kinderpsychiatrie des Uni-Klinikums Erlangen. Heute sind sie zwischen 11 und 13 Jahre alt.

Förderlich: Erziehung und mütterliches Wohlbefinden, frühe OP und ästhetische Narbe

Die Ergebnisse der ersten Erhebungswelle 2015 zeigten, dass die betroffenen Kinder im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe kognitiv und motorisch altersgerecht entwickelt waren. Auch ihr Wohlbefinden glich dem Gleichaltriger. Die sprachlichen Fertigkeiten der jungen Patienten waren ebenfalls unbeeinträchtigt – unter der Voraussetzung, dass sich die Mutter bei der Erziehung ihres Kindes sehr engagierte. Die Förderung des mütterlichen Erziehungsverhaltens scheint demnach besonders aussichtsreich für eine gesunde Entwicklung der operierten Kinder zu sein. Neurologische Auffälligkeiten können offenbar durch mütterliches Erziehungsverhalten kompensiert werden. Besondere Erlebens- und Verhaltensauffälligkeiten zeigten sich bei den operierten Kindern nur, wenn die Mütter selbst verstärkt Ängste entwickelten. Eine weniger ängstliche Mutter fungiert demnach als „Schutzfaktor“ für die Entwicklung ihres Kindes. Durch Speichelproben konnten auch neurobiologische Stressmarker einbezogen werden: Es wurde deutlich, dass das Stresssystem der betroffenen Kinder unverändert arbeitete, wohingegen deren Mütter oft höhere Stresshormonwerte aufwiesen als Vergleichsmütter herzgesunder Kinder.

Auch Merkmale der Operation und des Klinikaufenthalts wurden mit den Entwicklungsdaten in Zusammenhang gebracht. Es stellte sich heraus, dass die Kinder mit einer längeren OP-Narbe vermehrt Ängste hatten. Je länger die Kinder nach der Operation im Krankenhaus blieben, desto niedriger fielen ihr IQ und ihre Psychomotorik-Werte aus. Je jünger die Kinder bei ihrer Herz-OP waren, desto besser war schließlich ihr Wohlbefinden im Grundschulalter. Eine frühe Operation und eine „schöne“ Narbe können demnach eine altersgerechte Entwicklung unterstützen.

Zweiter Durchlauf mit operierten und gesunden Kindern

Die bisherigen Befunde sind vielversprechend – vor allem auf der Suche nach relevanten Risiko- bzw. Schutzfaktoren für die kindliche Entwicklung. Studien, die Kinder mit angeborenen Herzfehlern über einen längeren Zeitraum begleiten, sind rar; an einer homogenen Gruppe von Kindern mit angeborenem, isoliertem VSD fehlten sie bislang ganz. „Deshalb freuen wir uns umso mehr, unsere Längsschnittstudie nun mit Unterstützung der Deutschen Stiftung für Herzforschung weiterführen zu können“, sagt Studienleiterin PD Dr. Dr. Anna Eichler von der Kinderpsychiatrie des Uni-Klinikums Erlangen.

Die bereits 2015 in Erlangen untersuchten 39 operierten Kinder sowie die gesunden Kontrollkinder von damals werden nun erneut für eine zweite Datenerhebung ins Uni-Klinikum Erlangen eingeladen.  „Wir möchten jetzt tiefer gehend erfassen, wie stabil oder eben veränderlich die gefundenen Beeinträchtigungen sind und welche Rolle Risiko- und Schutzfaktoren für die psychische Entwicklung spielen“, erklärt Anna Eichler. Dabei beziehen Dr. Dr. Eichler und ihr Team u. a. weitere Werte des Stresshormons Cortisol mit ein, das in den Haaren von Kind und Mutter nachweisbar ist. Zudem betrachten die Forscher die Narbe der Herz-OP noch genauer in ihrer Länge, Breite und Ästhetik. „Schließlich wollen wir Kinderherzchirurgen und -kardiologen Hinweise an die Hand geben, die die kindliche Entwicklung fördern“, sagt Anna Eichler.

Weitere Informationen:

PD Dr. Dr. Anna Eichler   Tel.: 09131/85-39123   anna.eichler@uk-erlangen.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg                Kommunikation und Presse     Schlossplatz 4

91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229

Fax: +49 9131 85-70220

presse@fau.de

http://www.fau.de/

03.03.2020 Versorgung von Menschen mit Demenz: zu späte Diagnose und hohe Pflegebelastung
uni| mediendienst | forschung Nr. 12/2020

FAU-Forschungsteam veröffentlicht Studien zur Situation von Demenzerkrankten und ihren Angehörigen

In Deutschland leben zurzeit rund 1,7 Millionen Menschen mit Demenz, bis zum Jahr 2050 wird die Zahl nach Schätzungen auf 2,7 Millionen ansteigen. Doch die Versorgung der Betroffenen im Alltag weist gravierende Mängel auf, wie aktuelle Forschungserkenntnisse der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Universitätsklinikums Erlangen zeigen. Die Studien beleuchten etwa die oftmals zu späte Diagnosestellung, die hohe Belastung der pflegenden Angehörigen und die mangelhafte Versorgung kurz vor dem Tod.

Erstmals liegen damit bevölkerungsbasierte Daten zur Demenz-Versorgung im Alltag vor. Die Untersuchungen basieren auf dem Bayerischen Demenz Survey (BayDem), der 2015 bis 2017 in Dachau, Erlangen und Kronach durchgeführt und vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gefördert wurde. Dafür haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rund 700 Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen mehrfach befragt. Ihre Ergebnisse haben sie in fünf Studien veröffentlicht:

Zu spät erkannt

Demenzerkrankungen werden häufig erst spät erkannt, wie eine Untersuchung der FAU zeigt. So dauerte es bei der Hälfte der Befragten nach dem Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnosestellung fast anderthalb Jahre. Eine rechtzeitige Demenz-Diagnose ist für Menschen mit Demenz – und ihre Angehörigen – jedoch essenziell, um noch selbstbestimmt über anstehende Fragen zu entscheiden und Maßnahmen einzuleiten, die sich günstig auf den Krankheitsverlauf
auswirken können.

Kurzfassung der Studie:
https://digidem-bayern.de/demenz-wird-oft-erst-spaet-diagnostiziert/

Vollständige Studie:
https://eref.thieme.de/ejournals/1439-4421_2020_01#/10.1055-a-1031-9559

Pflege: Frauen stärker belastet als Männer, Kinder stärker als Partnerinnen und Partner

Rund zwei Drittel der Menschen mit Demenz werden zuhause von Angehörigen versorgt. Durch die Belastung werden diese jedoch häufig selbst krank und so zum „zweiten unsichtbaren Patienten“. Eine aktuelle Studie der FAU zeigt, welche Faktoren die Pflegebelastung beeinflussen. Ein Ergebnis: Frauen fühlen sich stärker belastet als Männer, Kinder stärker als Ehepartnerinnen und -partner. Am schwierigsten für die Angehörigen ist, wenn sich das Verhalten der Betroffenen verändert und die Alltagsfähigkeiten sich verschlechtern.

Kurzfassung der Studie:
https://digidem-bayern.de/einflussfaktoren-pflegebelastung/
Vollständige Studie:
https://eref.thieme.de/ejournals/1439-4421_2020_01#/10.1055-a-1071-7886


Angehörige nehmen nur selten Unterstützungsleistungen in Anspruch

Es gibt zahlreiche Entlastungsangebote für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz. Doch sie werden nur selten in Anspruch genommen, wie eine Studie der FAU zeigt. Durch die Pflege ihrer Familienmitglieder fühlten sich rund 37 Prozent der befragten Angehörigen schwer belastet. Trotzdem nahmen zu Studienbeginn nur etwa 36 Prozent der Menschen aus dem ländlichen Raum einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch, bei der städtischen Bevölkerung waren es rund 27 Prozent. Angebote wie Ergotherapie, Tagespflege oder hauswirtschaftliche Hilfen wurden noch deutlich seltener genutzt.

Kurzfassung der Studie:
https://digidem-bayern.de/pflegende-angehoerige-unterstuetzungsangebote/
Vollständige Studie:
https://eref.thieme.de/ejournals/1439-4421_2020_01#/10.1055-a-1071-7851

Menschen mit Demenz werden vor ihrem Tod vom System allein gelassen

Wie werden Menschen mit Demenz in ihrer letzten Lebensphase versorgt? Woran sterben sie – und wo? Eine aktuelle Untersuchung der FAU hat gravierende Defizite aufgedeckt: Es gibt keine angemessene Palliativversorgung für Betroffene. Kein einziger der Probandinnen und Probanden war auf einer Palliativstation verstorben oder spezialisiert palliativ versorgt worden. Da das Konzept der Palliativversorgung für Krebspatientinnen und -patienten entwickelt wurde, fehlen evidenzbasierte Leitlinien für den Demenz-Bereich.

Kurzfassung der Studie:
https://digidem-bayern.de/menschen-mit-demenz-letzte-lebensphase/
Vollständige Studie:
https://eref.thieme.de/ejournals/1439-4421_2020_01#/10.1055-a-1033-7159

Demenz im Pflegeheim: Dämpfende Arzneimittel erhöhen Sturzgefahr

Wenn eine Demenzerkrankung weit fortgeschritten ist, lässt sich der Übergang in ein Pflegeheim häufig nicht mehr vermeiden. Aufgrund ihrer Symptome und begleitender Erkrankungen erhalten Menschen mit Demenz dort oft eine Vielzahl von Medikamenten.

Weitere Informationen:

Kathrin Seebahn
digiDEM Bayern
Tel.: 0172/23 77 36
kathrin.seebahn@fau.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de

https://www.youtube.com/unifau 
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau 
https://instagram.com/uni_fau/

28.02.2020 Gemeinsame Medienmitteilung von Staalichem Gesundheitsamt Erlangen, Universitätsklinikum Erlangen

Erlangen. Seit Donnerstagabend (27.02.2020) wird am Universitätsklinikum Erlangen ein erster Patient von SARS-CoV-2 stationär behandelt. Es handelt sich um einen Arzt aus der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen, der am vergangenen Wochenende bei einem Ärzte-Workshop in München Kontakt mit einem italienischen Arzt hatte, der nach seiner Rückkehr nach Italien positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde.


Dem betroffenen Oberarzt, der sofort nach der positiven Coronavirus-Testung in einem Isolierzimmer der Hautklinik stationär aufgenommen wurde, geht es nach eigenen Worten „soweit gut“: „Ich war perplex, als ich am Mittwochabend den Anruf aus dem Gesundheitsamt bekam, dass ich mich wohlmöglich von einem italienischen Kollegen bei einer Konferenz in München mit dem Coronavirus angesteckt haben könnte.“ Aktuell berichtet der Patient: „Der Hals kratzt ein wenig, die Nase läuft, es ist wie bei einer leichten Erkältung.“ Fieber hat der Patient nicht. Sein Zustand ist stabil.

Wie der Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes, Dr. Frank Neumann, berichtet, hat die Behörde bislang 47 Personen ermittelt, die ab Montag, 24.02.2020, Kontakt zu dem Betroffenen in der Hautklinik hatten. Die Liste der Kontaktpersonen wird ständig aktualisiert. Darunter sind 27 Mitarbeiter, die engeren Kontakt zum erkrankten Oberarzt hatten. Diese engeren Kontaktpersonen wurden heute schnellstmöglich häuslich isoliert und auf das Virus getestet. Die Maßnahmen erfolgten in laufender enger Zusammenarbeit zwischen dem Gesundheitsamt Erlangen-Höchstadt, dem Landratsamt Erlangen-Höchstadt, der Stadt Erlangen und dem Universitätsklinikum Erlangen.

„Ich danke dem Staatlichen Gesundheitsamt und dem Universitätsklinikum, wie umsichtig und schnell sie in dem Fall vorgehen. Stadt und Gesundheitsamt stehen in ständigem und engen Kontakt,“ sagt Oberbürgermeister Florian Janik. „Wir werden die Entwicklung beobachten und die Lage gemeinsam in enger Abstimmung von Tag zu Tag neu beurteilen“, schließt sich Landrat Alexander Tritthart an.

Hautklinik in weiten Bereichen vorerst geschlossen – Notfallversorgung sichergestellt

Die Krankenversorgung in der Hautklinik des Uni-Klinikums Erlangen, in der der erkrankte Oberarzt in dieser Woche von Montag bis Mittwoch tätig war, wurde heruntergefahren und es wurde eine Isolierstation eröffnet, auf der mögliche weitere SARS-CoV-2-Patienten behandelt werden können. „Alle Patienten der Hautklinik, bei denen eine stationäre Weiterbehandlung erforderlich ist, versorgen wir auf einer zweiten dermatologischen Station weiterhin in vollem Umfang, insbesondere unsere onkologischen Patienten“, sagt Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Erlangen. „Ambulante Behandlungen sowie stationäre Neuaufnahmen sind derzeit in der Hautklinik nur eingeschränkt möglich. Die Versorgung von dermatologischen Notfällen oder die ambulante Weiterversorgung von schwer kranken Patienten der Hautklinik ist aber jederzeit sichergestellt. Patienten der Hautklinik, die in den kommenden zwei Wochen einen Termin vereinbart hatten, werden gebeten, sich an der Aufnahme der Hautklinik zu melden.“ Die Hautklinik hat eine Hotline für betroffene Patienten eingerichtet, die unter 09131 85-40409 erreichbar ist. Die Hotline der Hautklinik ist von Montag bis Freitag von 9.00 bis 17.00 Uhr erreichbar.

„Die Krankenversorgung am Universitätsklinikum Erlangen ist in allen Bereichen weiterhin ohne Gefahr für Patienten und Mitarbeiter sichergestellt“, sagte der Ärztliche Direktor. „Wir haben aktuell eine Situation, wie wir sie nahezu jährlich in ähnlicher Form in der Grippesaison erleben. Wir sind darauf vorbereitet und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen mit der aktuellen Situation hochprofessionell um.“

Alle Personen, die selbst von einer Infektionserkrankung (z. B. Schnupfen, grippaler Infekt oder Durchfall) betroffen sind, werden gebeten, momentan von Besuchen Angehöriger im Universitätsklinikum Erlangen abzusehen.

Weitere Informationen für Patienten

Besucher und Patienten, die seit vergangenem Montag, 24.02.2020, in der Hautklinik waren und grippeähnliche Symptome verspüren, werden gebeten, sich zunächst telefonisch bei ihrem Hausarzt oder dem kassenärztlichen Bereitschaftsdienst zur diagnostischen Abklärung zu melden.

Empfehlungen für die Bürgerinnen und Bürger

Um das Erkrankungsrisiko so weit wie möglich abzusenken, wird den Bürgerinnen und Bürger empfohlen, die angesichts der ebenfalls andauernden Influenzawelle bewährten Hygienestandards einzuhalten: regelmäßiges, gut 30-sekündiges Händewaschen mit Seife und sorgfältiges Abspülen, auf Händeschütteln verzichten und beim Husten oder Niesen Einmaltaschentücher oder die Armbeuge benutzen sowie Abstand von anderen Personen zu halten.

Wer Symptome wie Fieber, Husten oder Atemnot hat, sollte sich telefonisch an seinen Hausarzt beziehungsweise einen niedergelassenen Arzt oder eine niedergelassene Ärztin wenden und dort sagen, woher er kommt und mit welchen Symptomen.

Schulen, Kindertagesstätten, Veranstaltungen
Nach derzeitigem Stand öffnen Schulen und Kindertagesstätten nach den Faschingsferien wie gewohnt. Die Einrichtungen sind informiert und sensibilisiert. Kranke Kinder dürfen generell nicht in die Einrichtungen geschickt werden.

Aus Sicht des Gesundheitsamtes gibt es derzeit keinen Anlass, geplante Veranstaltungen in der Stadt und Landkreis einzuschränken.

Informationstelefon
Am Samstag und am Sonntag ist ein Bürgertelefon beim Staatlichen Gesundheitsamt unter der Telefonnummer 09131 803 2655 von 10 bis 16 Uhr eingerichtet.

Für allgemeine Fragen zum Coronavirus verweisen wir auf die Coronavirus-Hotline in Bayern unter der Telefonnummer 09131 6808-5101. Weitere Informationen unter www.coronavirus.bayern.de.

Weitere Informationen:
Stephanie Mack
Landratsamt Erlangen-Höchstadt
Telefon 09131 / 803 - 1111
E-Mail: stephanie.mack@erlangen-hoechstadt.de 
www.erlangen-hoechstadt.de

 
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220

presse@fau.de
http://www.fau.de
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

25.02.2020 Neues Bildgebungsverfahren für die Brustkrebsdiagnostik
uni | mediendienst | aktuell Nr. 23/2020


Deutschlandpremiere: Hochmodernes Gerät mit exzellenter Bildqualität schafft angenehme Untersuchungssituation für Patientinnen
Brustkrebs gilt mit rund 69.000 Neuerkrankungen jährlich als die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Eine optimale Bildgebung bei der Diagnostik dieser Karzinome unterstützt die möglichst frühzeitige und zielgerichtete Therapie. Als bundesweit erste Einrichtung setzt das Radiologische Institut (Direktor: Prof. Dr. Michael Uder) des Universitätsklinikums Erlangen nun einen Spiral-Brust-Computertomografen in der Patientenversorgung ein. Ein technologischer Meilenstein, mit dem das Universitäts-Brustzentrum Franken (Sprecher: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) des Uni-Klinikums Erlangen seine erstklassige interdisziplinäre Versorgung von Brustkrebspatientinnen weiter verbessert.

Als neues Verfahren zur Bildgebung der weiblichen Brust ermöglicht der Spiral-Brust-Computertomograf (CT) eine hochauflösende, dreidimensionale Bildqualität und diese mit der gleichen niedrigen Strahlendosis, die auch bei der herkömmlichen Mammografie angewendet wird. „Für die Patientinnen ist das neue Verfahren spürbar angenehmer, weil für die Untersuchung mit dem Brust-CT keine Kompression der Brust erfolgen muss“, erklärt Prof. Dr. Rüdiger Schulz-Wendtland, Oberarzt des Radiologischen Instituts des Uni-Klinikums Erlangen. Beim neuen Spiral-Brust-CT liegt die untersuchte Brust entspannt in der dafür vorgesehenen Öffnung des Geräts und wird spiralförmig innerhalb von wenigen Sekunden vollständig gescannt. Die Spezialisten des Uni-Klinikums Erlangen verwenden die exzellente Bildgebung des neuen Brust-CTs zur Klärung eines bereits bestehenden Anfangsverdachts auf Brustkrebs und zur OP-Vorbereitung.

Einladung für Medienvertreter: Einweihungsfeier am 04.03.2020


Vertreter der Medien sind herzlich zur Teilnahme an der offiziellen Einweihung des Spiral-Brust-CTs am Mittwoch, 4. März 2020, um 19.00 Uhr eingeladen.

Programm:

19.00 Uhr Eröffnung

19.15 Uhr Physikalische Grundlagen des Mamma-CTs

19.30 Uhr Erste Bildbeispiele der Brust-CT

19.45 Uhr Die Rolle der Mamma-CT in der komplementären Mammadiagnostik

20.00 Uhr Diskussion, anschl. Besichtigung des Brust-CTs bei Imbiss und Getränken

Die Veranstaltung findet im kleinen Hörsaal der Frauenklinik in der Krankenhausstraße 12 in Erlangen statt. Es besteht jederzeit die Möglichkeit zu Foto- und Filmaufnahmen von dem Gerät. Gern steht Prof. Schulz-Wendtland für erläuternde Interviews zur Verfügung. Um Anmeldung per E-Mail an sibylle.pfeiffer@uk-erlangen.de wird gebeten.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Rüdiger Schulz-Wendtland

Tel.: 09131 85-33460

ruediger.schulz-wendtland@uk-erlangen.de

Bildmaterial: https://www.fau.de/files/2020/02/nuview_Model_AB-CT.jpg

Eine neue hochtechnologische Perspektive hilft Brustkrebspatientinnen: Das Uni-Klinikum Erlangen setzt den neuen Spiral-Brust--CT „nu:view“ als erstes Krankenhaus in Deutschland ein. (Bild: AB-CT – Advanced Breast-CT GmbH)



Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/ 

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Kommunikation und Presse

Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de 
http://www.fau.de 
https://www.youtube.com/unifau 
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg 
https://twitter.com/unifau 
https://instagram.com/uni_fau/

18.02.2020 Trojanisches Pferd für Tumorzellen-FAU-Wissenschaftler verfolgt völlig neuen Ansatz zu Metastasen
uni| mediendienst | forschung Nr. 09/2020

Können Fresszellen wie ein trojanisches Pferd Tumorzellen in sich tragen und damit Metastasen bei Krebskranken verursachen? Mit dieser ungewöhnlichen Frage ist PD Dr. Heiko Bruns vom Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in das Förderprogramm „Experiment! – Auf der Suche nach gewagten Forschungsideen“ aufgenommen worden. Bis Ende 2021 fördert ihn die VolkswagenStiftung mit 120.000 Euro. Das Projekt startet im Frühjahr.

Die Forschung ist von großer Bedeutung, weil Metastasen als die größte Gefahr bei Krebserkrankungen gelten. Wie sich Metastasen bilden, ist aber nicht gut genug geklärt, berichtet Dr. Bruns. Heiko Bruns, der die Arbeitsgruppe „Immunmodulation des Tumormikromilieus“ an der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie des Uni-Klinikums Erlangen leitet, geht nun von einer völlig neuen Hypothese aus: Einzelne Tumorzellen werden zwar von Fresszellen, so genannten Makrophagen, aufgenommen, aber nicht zwingend getötet. Stattdessen nutzten sie die Makrophagen als „Trojanische Pferde“. Dadurch könnten sie quasi unerkannt durch den Körper wandern und andere Standorte mit den Zellen besiedeln. „Dann könnten sie eine der Ursachen für Metastasen sein“, sagt der Forscher. Sollte sich dieser Ansatz bewahrheiten, könnten die Krebsforscherinnen und -forscher mit Therapien gegen bestimmte Makrophagen oder ihre Mechanismen vorgehen: „Dann ließen sich Metastasen gezielter und schneller verhindern“, hofft der Wissenschaftler.

Link zur ausführlichen Pressemitteilung:
https://www.fau.de/2020/02/news/wissenschaft/trojanisches-pferd-fuer-tumorzellen/

Weitere Informationen:
PD Dr. Heiko Bruns, Lehrstuhl für Hämatologie/Internistische Onkologie, Tel.: 09131/85-43163, heiko.bruns@uk-erlangen.de


Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220

 

presse@fau.de
http://www.fau.de

 

https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

 

12.02.2020 Sechs Meter Sicht: Dünndarmspiegelung mit Spiralenteroskop

Eines von deutschlandweit drei Instrumenten in Erlangen im Einsatz – bessere Dünndarmdiagnostik und kürzere Untersuchungsdauer
Antje U. aus Schwarzenbruck war am Ende: Anderthalb Jahre lang hatte sie immer wieder Darmblutungen. Bei ihren Toilettengängen verlor sie so viel Blut, dass ihr Eisenwert abstürzte und sie sich nur noch schlapp fühlte. Dazu kam die Angst: Der Vater der 54-Jährigen hatte Darmkrebs – war sie selbst auch betroffen? Nach strapaziösen Monaten ließ sich Antje U. von Prof. Dr. Timo Rath in der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen untersuchen – mit einem neuen Endoskop, das es in ganz Deutschland nur dreimal gibt.

„Im Mai 2018 ging das los“, berichtet Antje U. „Ich hatte gerade Spätdienst und als ich auf die Toilette ging, kam nur Blut“, so die Krankenschwester. Sie ließ sich gleich vor Ort in „ihrer“ Klinik durchchecken. In den kommenden Wochen folgten etliche Darm- und Magenspiegelungen – doch weder die noch eine Magnetresonanztomografie konnten Darmdivertikel bestätigen. Diese Ausstülpungen der Darmwand hatten die Ärzte zunächst als Ursache für die Blutungen vermutet. Fünf Monate lang war Antje U. krankgeschrieben. Im Januar 2020 verlor die 54-Jährige schließlich so viel Blut, dass sie in die Notaufnahme des Klinikums Nürnberg gebracht werden musste. „Der Hämoglobinwert, also der rote Blutfarbstoff, liegt normalerweise bei 12. Bei mir war er bis auf 6,1 gesunken“, schildert die Krankenschwester die dramatische Situation. Antje U. bekam gleich zwei Blutkonserven.

Spirale statt Ballons
Mittels einer Kapselendoskopie kamen die Ärzte in Nürnberg der Ursache näher: Antje U. schluckte eine kleine Videokapsel. Die passierte den Verdauungstrakt und sammelte dabei Bilder von mehreren Blutungen im Dünndarm. „Aber die Kapsel kann leider nicht anhalten, wenn sie eine auffällige Stelle sieht, und eine Therapie ist mit ihr auch nicht möglich. Da müssen wir danach mit dem Endoskop hin“, erklärt Oberarzt Prof. Rath von der Medizin 1 des Uni-Klinikums Erlangen. Den Dünndarm untersuchten Gastroenterologen bisher mithilfe der Doppelballon-Enteroskopie: Dabei werden zwei kleine Ballons nacheinander aufgeblasen und wieder entleert, sodass sich der Untersuchungsschlauch langsam in den Darm hineinschiebt. Doch die Methode ist sehr aufwendig und zeitintensiv, weshalb Ärzte den Dünndarm oft nicht mit einem Mal untersuchen können oder tieferliegende Abschnitte gar nicht erreichen. Timo Rath verwendete deshalb bei seiner Patientin Antje U. ein Spiralenteroskop: Mit diesem neuen speziellen Endoskop kann er den gesamten drei bis sechs Meter langen Dünndarm einsehen. „Bei 15 Prozent der Patienten lässt sich dieser Darmabschnitt damit innerhalb einer Stunde komplett untersuchen“, sagt Timo Rath. Seit Kurzem ist in Erlangen eines von bundesweit nur drei solcher Geräte im Einsatz.

Motorisiert und behutsam
Über den Arbeitskanal des Spiralenteroskops können die Ärzte zum Beispiel Biopsien entnehmen oder Darmpolypen entfernen. Bei Antje U. war allerdings eine Krampfader im Dünndarm geplatzt. Die 54-Jährige wurde als eine der Ersten am Uni-Klinikum Erlangen mit dem neuen Instrument untersucht. „Wir haben bei ihr insgesamt vier Stellen im Dünndarm verödet und damit die Blutungen gestoppt“, erklärt Prof. Rath. Je nachdem, an welcher Stelle das Problem liegt und welcher Zugangsweg kürzer ist, kann die Spiegelung über den Darm oder auch über den Mund erfolgen. Das Spiralenteroskop arbeitet motorgesteuert: Behutsam fädelt eine flexible Spirale den Dünndarm Stück für Stück auf das Arbeitsinstrument auf. „Das Enteroskop lässt sich per Fußschalter aktivieren und sehr gut im Darm nach vorn und zurück manövrieren. Bei zu viel Widerstand stoppt der Motor automatisch“, beruhigt Prof. Rath. Als eines von europaweit 13 Zentren nimmt das Uni-Klinikum Erlangen jetzt an einer Registerstudie teil, die umfassende Daten zur Diagnostik und Therapie mit dem Spiralenteroskop erhebt.

Als Krankenschwester war Antje U. natürlich nach ihrer Behandlung sehr neugierig, welchem Gerät sie die erfolgreiche Therapie verdankt. „Ich hätte es mir viel länger vorgestellt“, sagt sie, als sie sich das Spiralenteroskop zusammen mit Timo Rath ansieht. Seit Februar 2020 kann Antje U. nun wieder arbeiten, die Blutungen sind passé. „Der Eingriff in Erlangen war die letzte Hoffnung, ohne eine große OP geheilt zu werden. Wir Krankenschwestern sind hart im Nehmen, aber ich bin überglücklich, dass das jetzt ein Ende hat.“

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Timo Rath
Tel.: 09131 85-35208
timo.rath@uk-erlangen.de  
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/  

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

05.02.2020 Rundumversorgung für Nierentransplantierte
uni | mediendienst | aktuell Nr. 15/2020

1.000 Patienten beteiligen sich an innovativem Projekt – positive Zwischenbilanz des Nachsorgeprogramms „NTx360°“
Für Menschen, deren Nieren dauerhaft versagen, ist eine Nierentransplantation die beste Therapieform. Kann nach oft langer Wartezeit endlich ein Spenderorgan übertragen werden, ist für die Betroffenen ein wichtiger Schritt getan. Doch damit die Transplantation langfristig erfolgreich ist, muss eine umfassende Nachsorge erfolgen. Hier setzt das Innovationsprojekt „NTx360°“ an. Es hat zum Ziel, das transplantierte Organ möglichst lange zu erhalten, die Lebensqualität zu steigern und die medizinische Versorgung zu optimieren. Dadurch sollen Krankenhausaufenthalte vermieden und die Nachsorge wirtschaftlicher werden. 2017 begann das Nachsorgeprogramm an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) als sogenannte neue Versorgungsform. Nach drei Jahren blicken die Projektleiter des Universitätsklinikums Erlangen und der MHH auf eine positive Entwicklung und freuen sich über die große Zustimmung bei den Patienten. Mittlerweile beteiligen sich mehr als 1.000 Patienten – Kinder und Erwachsene – an dem wissenschaftlich begleiteten Projekt.

Digitalisierte Rundumbetreuung für Nieren-Transplantierte

Etwa acht Prozent der Nierentransplantierten verlieren das neue Organ in den ersten drei Jahren nach der Verpflanzung wieder. In den Folgejahren nimmt das Transplantatversagen weiter stetig zu. „Schon geringe Abweichungen in der Medikamenteneinnahme erhöhen das Risiko für eine Abstoßung deutlich“, erklärt Prof. Dr. Lars Pape von der MHH-Klinik für Pädiatrische Nieren-, Leber- und Stoffwechselerkrankungen. „Ein weiteres Risiko für die Gesundheit stellen Folgeerkrankungen dar, die bei Transplantierten häufig auftreten, dazu gehören Herz- und Kreislauferkrankungen“, ergänzt Prof. Dr. Mario Schiffer, Direktor der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie des Universitätsklinikums Erlangen. Prof. Pape und Prof. Schiffer starteten das Innovationsfondsprojekt „NTx360°“ gemeinsam in Hannover in Kooperation mit dem Nephrologischen Zentrum Hann. Münden. Nach seinem Wechsel an das Uni-Klinikum Erlangen etablierte Prof. Schiffer das Projekt auch dort. Mit „NTx360°“ bauten die Nephrologen ein neuartiges Versorgungsnetzwerk auf, das den Patienten eine digitalisierte Rundumbetreuung mit individuell angepasster Therapie anbietet.

Transplantationszentrum und niedergelassene Ärzte arbeiten eng zusammen


Da die optimale Versorgung Transplantierter sehr komplex ist, arbeiten bei dem Projekt alle Beteiligten eng zusammen: Neben den Transplantationszentren sind das beispielsweise die niedergelassenen Nephrologen in Niedersachsen, die die Patienten wohnortnah betreuen, sowie das MHH-Institut für Sportmedizin und die Sportkardiologie der Medizinischen Klinik 2 – Kardiologie und Angiologie (Direktor: Prof. Dr. Stephan Achenbach) des Uni-Klinikums Erlangen, die für alle Teilnehmenden eine persönliche Trainingstherapie für eine bessere körperliche Fitness entwickeln. Mit dabei sind auch die MHH-Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie sowie die Psychosomatische und Psychotherapeutische Abteilung (Leiterin: Prof. Dr. (TR) Yesim Erim) des Uni-Klinikums Erlangen, die die Patienten nach der Transplantation mitbegleiten und bei Bedarf eine psychosoziale Unterstützung anbieten. Weitere wichtige Beteiligte sind die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) und die niedersächsischen Krankenkassen, allen voran die AOK Niedersachsen, bei der allein rund 250 teilnehmende Patienten versichert sind. Außer den AOKen verschiedener Regionen sind unter anderem die TK, die DAK, die Barmer EK und die meisten BKKen mit im Boot.

Kernstück ist ein Telemedizin-Netzwerk


Kernstück des Programms ist ein telemedizinisches Netzwerk mit gemeinsamer elektronischer Patientenakte, auf die alle beteiligten Ärzte in den Transplantationszentren sowie in den Praxen vor Ort Zugriff haben. Auch die Patienten selbst haben Einblick in ihre Daten. „Die Telemedizin führt zu einer besseren Kommunikation und Koordination der Versorgung. Die Patienten müssen dadurch nicht mehr so häufig in die Transplantationszentren fahren“, sagt Prof. Pape. Prof. Schiffer sieht einen weiteren Vorteil in den Televisiten. „Risiken für die Gesundheit der Patienten können früher erkannt und entsprechende therapeutische Gegenmaßnahmen ergriffen werden.“ Trotz der Komplexität des Projekts haben die Transplantierten immer feste Ansprechpartnerinnen: Die sogenannten Fall-Managerinnen koordinieren die gesamte Nachsorge, vereinbaren Termine bei Ärzten und Therapeuten, beantworten Fragen zu Rezepten und zur Medikamenteneinnahme und haben stets ein offenes Ohr für die Belange der Betroffenen.

1.000 Teilnehmer in Projekt eingeschlossen

Die beiden Projektleiter freuen sich darüber, dass „NTx360°“ bei den Nierentransplantierten so gut ankommt. Rund 90 Prozent der angesprochenen Patienten haben sich zum Mitmachen entschlossen. Die meisten der mehr als 1.000 Teilnehmenden wurden in der MHH transplantiert. Zu ihnen gehört auch Ralf A. aus Bielefeld. Der 64-Jährige bekam 2015 ein neues Organ. Nach zwei Jahren Dialyse erhielt er durch eine Lebendspende von seiner Ehefrau eine Niere. „Mir gefällt das Projekt, weil es den ganzen Menschen einbezieht und mehrere Fachrichtungen in die Nachsorge eingebunden sind“, erklärt Ralf A. Ihm haben beispielsweise die Empfehlungen der Experten des Instituts für Sportmedizin sehr geholfen.

„Um mich fit zu halten, mache ich mein individuelles Kardiotraining an Geräten“, berichtet er. Das Angebot der MHH-Sportmediziner wird insgesamt gut wahrgenommen. Bisher gab es rund 900 Assessments und mehr als 1.300 persönliche Trainingssprechstunden. Die psychosomatische Betreuung ist ebenfalls gefragt: Die MHH-Klinik verzeichnet bisher rund 2.170 Assessments und Re-Assessments sowie 360 Termine zur psychosozialen Unterstützung. „Die Angebote der Psychosomatik werden auch von Familien mit nierentransplantierten Kindern genutzt. Davon profitieren alle Familienmitglieder“, erklärt Prof. Pape.

Innovationsfonds fördert NTx360° mit sechs Millionen Euro

Das fach- und sektorenübergreifende Projekt „NTx360°“ wird für den Zeitraum 2017 bis 2021 mit rund sechs Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert. Es ist das erste Versorgungsprogramm, in dem Kinder und Erwachsene gemeinsam betreut werden. Das gesamte Projekt wird vom IGES-Institut aus Berlin unabhängig evaluiert und nach Abschluss des Projekts ausgewertet. „Alle Anteile, die nachweislich die Gesundheit der Patienten verbessern, sollen bundesweit in die Regelversorgung übernommen werden“, sagt Prof. Schiffer.

Die MHH ist das größte Transplantationszentrum Deutschlands. Dort werden jährlich bis zu 170 Spendernieren verpflanzt. Im Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg am Universitätsklinikum Erlangen werden jedes Jahr rund 70 Nieren transplantiert.

Mehr Informationen über das Projekt „NTx360°“: http://www.ntx360grad.de

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Mario Schiffer
Tel.: 09131 85-39002
med4@uk-erlangen.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/ 
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de 
http://www.fau.de 
https://www.youtube.com/unifau 
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg 
https://twitter.com/unifau 

04.02.2020 Bessere Tracer für die Bildgebung Humboldt-Stipendiat Dr. Sandip Shinde forscht zu PET-Bildgebung
uni| mediendienst | forschung Nr. 07/2020

Der Humboldt-Stipendiat Dr. Sandip Shinde forscht an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) an der Entwicklung effizienter, kostengünstiger und schneller radioaktiver Markierungsprozesse mit Fluor-18, um die Synthese von Radiopharmaka für die PET zu erleichtern. Die PET (Positronen-Emissions-Tomographie) ist ein bildgebendes Verfahren, das zur Diagnose von verschiedenen Krankheiten, unter anderem Krebs, eingesetzt wird. Dabei werden den Erkrankten mit Fluor-18 leicht radioaktiv markierte Moleküle, sogenannte Tracer, verabreicht. Basierend auf deren Verteilung im Körper werden Schnittbilder des Körperinneren errechnet. Die PET-Technik eignet sich besonders für den Nachweis von Krebs im Anfangsstadium.
 
Dr. Sandip Shinde hat an der indischen Swami Ramand Teerth Marathwanda Universität seinen Master in Organischer Chemie gemacht. Im Anschluss promovierte er an der Inha Universität in Korea. Nach verschiedenen Stationen in Indien, Korea und Japan ist er seit 2013 Assistant Professor am CSIR-National Chemical Laboratory in Indien.
 
Mit dem Humboldt-Forschungsstipendium für erfahrene Wissenschaftler fördert die Alexander-von-Humboldt-Stiftung überdurchschnittlich qualifizierte Forschende aus dem Ausland, die ihre Promotion vor nicht mehr als 12 Jahren abgeschlossen haben.
 
Ein Interview mit Dr. Sandip Shinde ist online unter https://www.fau.de/2020/01/news/wissenschaft/dr-sandip-shinde/
 
Weitere Informationen:
Pressestelle der FAU, Tel.: 09131/85-70229, presse@fau.de
 
 
Digitalisierung in der Schwangerenvorsorge
Gesundheitsministerium fördert FAU-Projekt SMART Start
 
Weg von fehleranfälligen analogen Methoden hin zu einer optimierten digitalen Lösung: Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Universitätsklinikums Erlangen (UKER) erarbeiten in dem Projekt SMART Start Grundlagen für einen Ausbau des digitalen Angebots in der medizinischen Versorgung für Schwangere. Das Bundesministerium für Gesundheit fördert das Projekt in den kommenden zweieinhalb Jahren mit 3,2 Millionen Euro.
 
Ziel ist es herauszufinden, wie sensorische Untersuchungen – beispielsweise die Messung von Herzraten und Kontraktionen, Urintests oder Ultraschall – zukünftig mit Hilfe von intelligenten Geräten einfach zu Hause durchgeführt werden können. Auf diese Weise ließe sich der Aufwand für routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen reduzieren, denn für Schwangere könnten so etliche Besuche in der Arztpraxis entfallen. Gleichzeitig erhält fachkundiges Medizinpersonal per App-Schnittstelle immer aktuelle Informationen über alle Messwerte und kann bei Auffälligkeiten schneller Maßnahmen ergreifen.
 
Realisiert wird das Projekt am Lehrstuhl für Maschinelles Lernen und Datenanalytik von Prof. Dr. Bjoern Eskofier in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Matthias W. Beckmann und Prof. Dr. Peter A. Fasching von der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen und den Lehrstühlen für Ethik, Psychologie, Gesundheitsmanagement sowie verschiedenen externen Partnern.
 
Eine ausführlichere Meldung finden Sie unter: https://www.fau.de/2020/02/news/wissenschaft/smart-durch-die-schwangerschaft/
 
Zur Webseite des Lehrstuhls Informatik 14 für Maschinelles Lernen und Datenanalytik: http://www.mad.tf.fau.de
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Bjoern Eskofier, bjoern.eskofier@fau.de
 
 
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/
 
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
 
presse@fau.de
http://www.fau.de
 
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/
 


04.02.2020 Digitalisierung in der Schwangerenvorsorge Gesundheitsministerium fördert FAU-Projekt SMART Start
uni| mediendienst | forschung Nr. 07/2020

Weg von fehleranfälligen analogen Methoden hin zu einer optimierten digitalen Lösung: Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Universitätsklinikums Erlangen (UKER) erarbeiten in dem Projekt SMART Start Grundlagen für einen Ausbau des digitalen Angebots in der medizinischen Versorgung für Schwangere. Das Bundesministerium für Gesundheit fördert das Projekt in den kommenden zweieinhalb Jahren mit 3,2 Millionen Euro.
 
Ziel ist es herauszufinden, wie sensorische Untersuchungen – beispielsweise die Messung von Herzraten und Kontraktionen, Urintests oder Ultraschall – zukünftig mit Hilfe von intelligenten Geräten einfach zu Hause durchgeführt werden können. Auf diese Weise ließe sich der Aufwand für routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen reduzieren, denn für Schwangere könnten so etliche Besuche in der Arztpraxis entfallen. Gleichzeitig erhält fachkundiges Medizinpersonal per App-Schnittstelle immer aktuelle Informationen über alle Messwerte und kann bei Auffälligkeiten schneller Maßnahmen ergreifen.
 
Realisiert wird das Projekt am Lehrstuhl für Maschinelles Lernen und Datenanalytik von Prof. Dr. Bjoern Eskofier in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Matthias W. Beckmann und Prof. Dr. Peter A. Fasching von der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen und den Lehrstühlen für Ethik, Psychologie, Gesundheitsmanagement sowie verschiedenen externen Partnern.
 
Eine ausführlichere Meldung finden Sie unter: https://www.fau.de/2020/02/news/wissenschaft/smart-durch-die-schwangerschaft/
 
Zur Webseite des Lehrstuhls Informatik 14 für Maschinelles Lernen und Datenanalytik: http://www.mad.tf.fau.de
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Bjoern Eskofier, bjoern.eskofier@fau.de
 
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/
 
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
 
presse@fau.de
http://www.fau.de
 
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

04.02.2020 BLÄK unterstützt Anliegen der Uni-Klinikärzte
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Ärztinnen und Ärzte, die in den tarifgebundenen Universitätskliniken der Länder beschäftigt und in der Ärztegewerkschaft Marburger Bund organisiert sind, befinden sich am 4. Februar 2020 in einem ganztägigen Warnstreik.

In Bayern betrifft das die fünf Universitätskliniken in Erlangen, München (LMU, TU, inkl. Herzzentrum), Regensburg und Würzburg. Am neu umgewandelten Uniklinikum Augsburg fallen die meisten Mediziner noch unter den Tarif der Kommunen (VKA) und nicht der Länder (TdL), sodass die Streikaktivitäten hier eher gering ausfallen dürften.

Den Klinikleitungen aller Standorte hat der Marburger Bund Bayern eine Notdienstvereinbarung angeboten. Die darin zugesicherte Wochenendbesetzung stellt die Versorgung für Notfallpatienten sicher. Bei elektiven Eingriffen und diagnostischen Terminen könnte es zu Verzögerungen kommen.

Die BLÄK erklärt sich solidarisch mit ihren streikenden Kolleginnen und Kollegen und unterstützt deren Forderungen. Kammerpräsident Dr. Gerald Quitterer: „Wir unterstützen die Forderungen nach neuen Bedingungen für die Verlängerung der täglichen Arbeitszeit durch Bereitschaftsdienst“. Vizepräsident Dr. Andreas Botzlar präzisiert: „Zu der angestrebten Reform gehören auch eine generelle Begrenzung der Bereitschaftsdienste und der Dienstwochenenden, eine verlässliche Dienstplangestaltung und eine manipulationsfreie Arbeitszeiterfassung ohne pauschale und nachträgliche Kappungen der geleisteten Arbeitszeit“.

Weitere Forderungen sind sechs Prozent mehr Gehalt bezogen auf ein Jahr und eine Neuregelung des Zusatzurlaubes für Nachtarbeit. 


„Für die Patienten in den betroffenen Kliniken bedeutet der Streik, dass die Versorgung aller Notfälle und dringlichen Eingriffe wie sonst auch am Wochenende oder an Feiertagen gesichert ist. Verzögerungen gibt es bei planbaren Operationen“, so der Präsident.

Pressestelle

Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax: 089 4147-202
E-Mail: presse@blaek.de
 

31.01.2020 FAU verleiht Professorin Magdalena Götz den Jakob-Herz-Preis 2020
uni | mediendienst | aktuell Nr. 12/2020

Medizinische Fakultät ehrt herausragende Wissenschaftlerin

Für ihre bedeutenden Leistungen auf dem Gebiet der Neuroentwicklungsbiologie verleiht die Medizinische Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) der Neurobiologin Magdalena Götz den Jakob-Herz-Preis. Die Preisträgerin ist Lehrstuhlinhaberin für Physiologische Genomik am Biomedizinischen Zentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München und leitet als Direktorin das Institut für Stammzellforschung am Helmholtz Zentrum München. Mit dem Forschungspreis werden wissenschaftliche Erfolge aus der theoretischen und klinischen Medizin gewürdigt. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert und erinnert an den Erlanger Professor, Arzt und Forscher Jakob Herz.

Die Festveranstaltung im Hörsaalzentrum Medizin

Die Festveranstaltung am Freitag, 7. Februar, beginnt um 15.15 Uhr und findet im Hörsaalzentrum der Medizinischen Fakultät der FAU, Ulmenweg 18, in Erlangen statt. Interessierte, Medienvertreter und -vertreterinnen sind herzlich willkommen. Es wird um Anmeldung gebeten bei Maria Hofmann, maria.hofmann@fau.de.

Die Preisträgerin

Mit ihrer Forschung zu Gliazellen leitete Götz den größten Paradigmenwechsel der modernen Neuroentwicklungsbiologie ein: Lange Zeit wurden Gliazellen nur als Zellen angesehen, die Nervenzellen während der Entwicklung unterstützen, wenn diese wandern und sich positionieren. Die Neurobiologin fand jedoch Ende der 90er-Jahre heraus, dass Gliazellen in der Gehirnentwicklung Stammzellfunktion übernehmen. Der Nachweis der Stammzellfunktion löste die jahrzehntelange Frage nach dem zellulären Ursprung von Nervenzellen und veränderte die funktionelle Einordnung von Gliazellen dramatisch.

In der Folge hat Magdalena Götz weiter dazu beigetragen, dass die Forschung besser versteht, wie Stammzellen sich in Nervenzellen umwandeln und wie dieser Vorgang kontrolliert werden kann. Auf der Basis der Erkenntnisse entwickelt ihre Arbeitsgruppe neue Ansätze, Zellen zielgerichtet in Nervenzellen zu differenzieren, und schafft damit Grundlagen für Therapieansätze für Erkrankungen des zentralen Nervensystems.

Götz ist eine weltweit anerkannte Expertin für die humane Großhirnrinde. Die Expansion der Großhirnrinde, also die Bildung von oberflächenvergrößernden Falten, ist die anatomische Grundlage für die außergewöhnlichen menschlichen Denkleistungen.

Der Jakob-Herz-Preis und sein Namensgeber

Jakob Herz (1816-1871) war zu seiner Zeit einer der führenden Lehrkräfte der pathologischen Anatomie und Chirurgie und gilt als Begründer der chirurgischen Anatomie. Im Jahr 1867 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Erlangen ernannt, 1869 zum ersten ordentlichen Universitätsprofessor jüdischen Glaubens im Königreich Bayern. Er starb 1871 im Einsatz für seine Patientinnen und Patienten im Deutsch-Französischen Krieg. Der Jakob-Herz-Preis wird seit 2009 in einem Zwei-Jahres-Turnus von der Forschungsstiftung Medizin und der Medizinischen Fakultät verliehen, wurde aber 2015 um ein Jahr verschoben, um an den 200. Geburtstag von Jakob Herz zu erinnern.

Weitere Informationen:
Maria Hofmann, Tel: 09131/85-29339, maria.hofmann@fau.de
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/


Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany

 

Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220

 

presse@fau.de
http://www.fau.de
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

 

30.01.2020 Gesund am Arbeitsplatz- Gesundheitsmanagerin im Interview
Pressemeldung der FAU

BGM – diese drei Buchstaben stehen für Betriebliches Gesundheitsmanagement. Dahinter verbirgt sich alles, was mit der Gesundheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu tun hat. Denn nur gesunde Beschäftigte sind zufrieden und leistungsfähig. Ein Interview mit Nora Rosenhäger vom Projekt zum Gesundheitsmanagement an der FAU. Gesundheitsmanagement: Was genau ist Ihr Job?
Gemeinsam mit meiner Kollegin Stefanie Cyron arbeite ich an diversen Beiträgen zur Gesunderhaltung von Beschäftigten an der FAU. Auf zwei Arten gehen wir an das Thema heran: zum einen praktisch, zum anderen strukturell.

Auf praktischer Ebene entwickeln wir gesundheitsfördernde Mitmach-Angebote,wie beispielsweise Gesundheitskurse zur Bewegungsförderung oder Stärkung der Psyche (GET.ON), und setzten sie entweder zielgruppenspezifisch oder  offen für alle Beschäftigte um. Oft führt ein erfolgreiches Pilotprojekt zu einer Ausweitung der Maßnahme. Um sicherzustellen, dass die Angebote den Bedürfnissen und Wünschen der Beschäftigten entsprechen, führen wir Befragungen durch und tauschen uns regelmäßig in Arbeitskreisen und Gremien mit weiteren gesundheitsrelevanten Akteuren der FAU aus.

Auf struktureller Ebene kümmern wir uns darum, Gesundheitsthemen zu platzieren und an der FAU ein Umfeld zu schaffen, dass der Gesundheit der Beschäftigten zuträglich ist. Dazu arbeiten als FAU-Team-BGM eng mit der Universitätsverwaltung, der Personalentwicklung und weiteren Institutionen wie dem Betriebsärztlichen Dienst, dem Sachgebiet Arbeitssicherheit oder dem Betrieblichen Wiedereingliederungsmanagement zusammen. Konkret bedeutet dies, dass sich übergreifende Arbeitsgruppen mit der Verbesserung ergonomischer oder psychosozialer Bedingungen am Arbeitsplatz befassen oder sich das Thema Gesundheit als Führungsthema etabliert.
Warum Gesundheitsmanagement?

Einerseits sind Arbeitgeber natürlich daran interessiert, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen gesund bleiben. Nur so kann eine Organisation erfolgreich sein. Andererseits bleiben Beschäftigte einem Unternehmen nur dauerhaft erhalten, wenn sie sich an ihrem Arbeitsplatz wohl fühlen.Sie haben dieses Jahr erneut das Label des Netzwerks der Bewegten Unternehmen erhalten …

Wir denken es liegt vor allem daran, dass wir das Thema Gesundheit an der FAU konsequent vorantreiben. Wir konnten viele Angebote weiterführen, ausbauen und andere neu etablieren:

Auf den Webseiten für Beschäftigte der FAU finden Interessierte nun alle Themen und Angebote der Rubrik „Gesundheit und Sicherheit“ gebündelt an einer Stelle. Darüber hinaus informieren wir mit unserem Newsletter „miteinander gesund“ interessierte Beschäftigte alle drei Monate über gesundheitsrelevante Themen und Angebote.

Gesundheitskurse wie Hatha-Yoga, Qi Gong, Rückenschule und Funktionelles Ganzkörpertraining bieten wir dreimal jährlich kostenfrei für Beschäftigte der FAU an. Das Pilotprojekt zum Pausenexpress, die aktive Bewegungspause am Arbeitsplatz, haben wir aufgrund der gestiegenen Nachfragen ausgebaut und bieten ihn jetzt an neun Standorten der FAU an.

Auch das Interesse am Thema Ergonomie am Arbeitsplatz ist gestiegen. Wir bieten jetzt den ErgoCoach@Work an, der eine Vor-Ort-Beratung mit individuellen Empfehlungen zum ergonomischen Bewegungsverhalten in Kleingruppen ermöglicht.

Mit unseren Online-Trainings „Fit im Stress“, „Regeneration für besseren Schlaf“, „Stimmung“ und „Clever weniger trinken“ bieten wir innovative Kurskonzepte an. So ermöglichen wir Beschäftigten, psychosoziale Themen im geschützten Rahmen und im eigenen Arbeitsrhythmus anzugehen.
Was ist für die Zukunft geplant?

Wir wollen auch in Zukunft daran arbeiten, bereits etablierte Angebote fortzuführen oder auszubauen. Darüber hinaus möchten wir Angebote zunehmend an die individuellen Bedürfnisse  besonders belasteter Mitarbeiter/-innen aus den wissenschaftlichen und wissenschaftsunterstützenden Arbeitsfeldern anpassen. Diese gilt es in einem ersten Schritt zu identifizieren, um sie dann als Experten ihres Gebiets in den Prozess mit einzubeziehen. Die Berücksichtigung psychischer Belastungen wird dabei eine besondere Rolle spielen. Gerne laden wir alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu ein, uns per E-Mail oder über das Kontaktformular auf unserer Homepage Anregungen zu geben.   E-Mail: presse@fau.de         Webseite: http://presse.fau.de

23.01.2020 Für eine europäische Strategie gegen Arzneimittel-Lieferengpässe
Gemeinsame Pressemitteilung der Bundesärztekammer und der KBV

 Berlin / Brüssel, 23.01.2020 – Wie könnte eine europäische Strategie gegen
Arzneimittel-Lieferengpässe aussehen? Diese Frage diskutierten Bundesärztekammer
(BÄK) und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) am 23. Januar 2020 in Brüssel
mit Vertretern von Europäischer Kommission, Europäischem Parlament und
Ärzteschaft sowie Generikaherstellern und Krankenkassen.

Liefer- und Versorgungsengpässe von Arzneimitteln sind in Deutschland und in vielen
anderen EU-Staaten zu einem zunehmenden Problem für Patienten, Ärzte und
Apotheker geworden.
Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Sie beinhalten unter anderem die Verlagerung der
Produktion von Rohstoffen und Arzneimitteln ins außereuropäische Ausland, eine
Marktkonzentration auf wenige Hersteller, Qualitätsprobleme und unzureichende
Transparenz hinsichtlich bestehender oder drohender Engpässe.

Verschiedene EU-Mitgliedstaaten haben Maßnahmen eingeführt oder erwägen diese.
Hierzu zählen etwa eine verpflichtende Meldung von Lieferengpässen, erweiterte
Lagerhaltungspflichten oder Exportverbote. Einseitige nationale Maßnahmen drohen
jedoch die Versorgungslage in anderen europäischen Mitgliedstaaten zu
verschlechtern, ohne die Verfügbarkeit insgesamt zu verbessern.

BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt spricht sich dafür aus, die Produktion von
Arzneimitteln und Wirkstoffen nach Europa zurückzuholen. „Dies würde die
Lieferwege verkürzen und die Überwachung der Arzneimittelherstellung erleichtern“,
erklärt er. Außerdem könne so sichergestellt werden, dass europäische Standards,
etwa bei Umweltschutz, Produktionssicherheit und Arbeitsbedingungen, eingehalten
werden.
Auch der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
(AkdÄ), Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig, fordert pragmatische Lösungen. Gegenseitige
Schuldzuweisungen seien wenig hilfreich: „Die Lieferengpässe eröffnen der EU die
Chance, ihre Handlungsfähigkeit zu demonstrieren und gleichzeitig einen echten
Mehrwert für die Mitgliedsstaaten zu schaffen.“

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, sowie der stellvertretende
Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister schlagen vor, die
Wirkstoffproduktion auf möglichst viele Hersteller zu verteilen. „Außerdem sollte
für die Hersteller eine Meldeverpflichtung im Falle von Engpässen bestehen. Eine
Task Force auf EU-Ebene könnte Vorschläge erarbeiten, wie eine solche
Verpflichtung aussehen soll“, führt Dr. Hofmeister aus.

Koordiniertes Handeln auf EU-Ebene ist notwendig, betonen die Ärztevertreter.
Eine europäische Strategie sollte Vorschläge sowohl zur Vermeidung von
Engpässen als auch zum Umgang mit solchen beinhalten. Hier ist die Europäische
Kommission angesprochen, kurzfristig wirksame und realisierbare Maßnahmen
vorzuschlagen.

Verpflichtungen für Hersteller konkretisieren

Die geltende EU-Richtlinie 2001/83/EG zur Schaffung eines Gemeinschaftskodexes
für Humanarzneimittel enthält Meldepflichten für Hersteller bei Lieferengpässen
sowie bei beabsichtigter Einstellung der Produktion. Diese Pflichten müssen jedoch
konsequent umgesetzt und gegebenenfalls konkretisiert werden.

Europäisches Meldesystem für Engpässe

Basierend auf einer europäischen Liste versorgungsrelevanter Arzneimittel sollte im
Falle bestehender oder absehbarer Engpässe eine Meldung an die zuständigen
nationalen Stellen und die Europäische Arzneimittel-Agentur verpflichtend sein.
Hierfür sollte ein einheitliches elektronisches Format geschaffen werden. Meldungen
sollten an alle nationalen Stellen weitergeleitet werden, damit diese die geeigneten
Maßnahmen ergreifen können.

Diese Meldungen müssen sinnvoll aufbereitet auch für Ärzte, Krankenhäuser und
Apotheker zugänglich sein, damit diese sich rechtzeitig über drohende Engpässe
informieren und darauf einstellen können.

Ihre Ansprechpartner:
Samir Rabbata (BÄK), Tel.: 030 / 400456-700
Dr. Roland Stahl (KBV), Tel.: 030 / 4005-2201

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft:
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de

22.01.2020 Magen in Schwung Ein Magenschrittmacher bringt das Verdauungsorgan wieder in Bewegung
uni| mediendienst | aktuell Nr. 06/2020

Erlanger Chirurgen haben bundesweit die meiste Erfahrung

Die Muskeln in Magen und Darm müssen sich koordiniert bewegen, damit die Nahrung richtig verdaut werden kann. Diese Bewegung der Verdauungsorgane – die Motilität – sorgt dafür, dass sich der Speisebrei mit den Verdauungssäften vermischt und „portionsweise“ Stück für Stück weiter durch den Verdauungstrakt rutscht. Doch Erkrankungen wie Diabetes oder Nervenschädigungen beeinträchtigen diese Beweglichkeit und lähmen den Magen manchmal sogar ganz. Ein kleiner Magenschrittmacher bringt jetzt wieder Schwung in die Verdauung. Die Operateurinnen und Operateure der Chirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Robert Grützmann) des Universitätsklinikums Erlangen versorgen Patientinnen und Patienten aus ganz Deutschland mit dieser innovativen Therapie.

Die Muskeln im Verdauungstrakt können nicht willentlich bewegt werden. Ihre Kontraktionen steuert ein eigenes Nervengeflecht – das enterische Nervensystem, das unabhängig vom zentralen Nervensystem arbeitet. „Ein Diabetes mellitus beispielweise kann diese Nerven dauerhaft schädigen, den Magen lähmen und seine Entleerung stören“, erklärt Oberarzt Dr. Christian Krautz von der Chirurgie des Uni-Klinikums Erlangen. „Eine andere Ursache für eine Magenlähmung ist ein geschädigter Nervus vagus. Dieser Nerv ist sozusagen das ‚Hauptstromkabel‘ des Magens. Ist er defekt, zum Beispiel infolge einer Operation, kontrahieren die Magenmuskeln nicht mehr“, beschreibt der Experte. Das Resultat: Die Nahrung verharrt stundenlang im Magen, es folgen Völlegefühl, Schmerzen, Übelkeit, Durchfälle und Erbrechen.

Mehr als 20 Prozent aller OPs in Erlangen
Die Magenlähmung ist zunächst mit Diäten therapierbar sowie mit Medikamenten, die die Magenentleerung fördern. Zudem können Chirurginnen und Chirurgen den Magenausgang erweitern und so den Abtransport der Nahrung erleichtern. Helfen alle diese Maßnahmen nicht, gibt es dennoch Hoffnung für Patientinnen und Patienten: Ihnen kann ein Magenschrittmacher eingesetzt werden.

Ärztinnen und Ärzte implantieren das fünf mal sechs Zentimeter kleine Gerät meist im Unterbauch unter die Haut und verbinden seine zwei Elektroden mit den Muskeln der Magenwand. Leichte elektrische Impulse – ausgehend vom Neurostimulator im Unterbauch – regen dann den Magen wieder zur Bewegung an. „Über ein Programmiergerät außerhalb des Körpers passen wir die Intensität der elektrischen Impulse für jede Patientin und jeden Patienten genau an“, sagt Christian Krautz. „Die Therapie ist reversibel – das heißt: Wir können die Impulse reduzieren, den Schrittmacher bei Nebenwirkungen abschalten oder sogar wieder entfernen.“

Deutschlandweit wird jährlich rund 40 Patientinnen und Patienten ein Magenschrittmacher implantiert – im Jahr 2018 waren es allein am Uni-Klinikum Erlangen 13 Geräte.

Ein Koch mit Übelkeit und Völlegefühl
Eines davon erhielt Armin Bott aus Bad Kissingen. Jahrzehntelang hatte der Patient mit Sodbrennen zu kämpfen, nahm über 15 Jahre lang Magensäureblocker ein. Seine Speiseröhre war dauerentzündet und voller Polypen. Grund für Armin Botts Beschwerden war ein Zwerchfellbruch, bei dem ein Teil des Magens durch eine Öffnung in der Muskel-Sehnen-Platte hindurch in den Brustraum gerutscht war. „Weil der Magen so weit oben ‚hing‘, kam ‚unten‘ im Bauch kein Sättigungsgefühl an. Also hatte ich permanent Hunger“, erklärt der heute 54-Jährige. Daraufhin wurde Armin Bott zweimal operiert und die Ärzte verschlossen das geöffnete Zwerchfell mit einem Kunststoffnetz. Kurzzeitig schien sich alles zu bessern, doch dann erhielt der Patient schlechte Nachrichten: Sein Vagus-Nerv war funktionsunfähig geworden – der Magen bewegte sich nicht mehr. Armin Bott musste häufig erbrechen, er litt unter starkem Völlegefühl und Übelkeit. „Ich bin Koch von Beruf. Das geht kaum, wenn man sich permanent übergibt und man eigentlich gar kein Essen mehr probieren will. Da bekommt man schon Existenzängste“, berichtet er.

Im Rahmen einer minimalinvasiven 60-minütigen Operation setzten die Erlanger Chirurgen dem Patienten schließlich im Mai 2018 einen Magenschrittmacher ein. „Seitdem sind Sodbrennen und Erbrechen wesentlich weniger geworden und die Entzündungen sind zurückgegangen“, sagt Armin Bott zufrieden. Auch satt werde er wieder – und das schon nach einem halben bis einem ganzen Brötchen. Seinen Beruf übt Armin Bott noch immer aus. Er ernährt sich heute bewusster und ausgewogener. „Chips und O-Saft nimmt mir meine Verdauung übel, aber mit solchen kleinen Einschränkungen kann ich leben – die sind kein Vergleich zu den Strapazen vorher“, sagt er. Alle sechs Monate kommt Armin Bott in die chirurgische Sprechstunde nach Erlangen, um die Intensität seines Magenschrittmachers anpassen zu lassen – Stück für Stück wird die Stärke der Stromimpulse erhöht, bis das ideale Level erreicht ist. „Das Gerät spüre ich nicht. Ich bin froh, dass wir diesen Schritt gemacht haben“, freut sich der Patient.

Weitere Informationen:
Dr. Christian Krautz
Tel.: 09131/85-33296
christian.krautz@uk-erlangen.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220

presse@fau.de
http://www.fau.de
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

22.01.2020 Multiresistente Erreger bekämpfen
uni| mediendienst | forschung Nr. 4/2020

FAU Teil eines neuen Forschungsnetzwerk

Grundlegend neue Ansätze gegen multiresistente Keime zu entwickeln, ist das Ziel des neuen Bayerischen Forschungsnetzwerks „Neue Strategien gegen multiresistente Krankheitserreger mittels digitaler Vernetzung – bayresq.net“. Eine Wissenschaftlerin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) forscht ebenfalls in einem interdisziplinären Teilprojekt des Netzwerks, das der Freistaat Bayern für fünf Jahre mit insgesamt fast 10 Millionen Euro fördert.
 
Immunsystem besser verstehen
Im Kampf gegen multiresistente Bakterien untersucht Prof. Dr. Diana Dudziak, Professur für Biologie Dendritischer Zellen an der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen (UKE) und Koordinatorin des Projekts, gemeinsam mit Mikrobiologen der Universität Regensburg das Immunsystem unserer Haut. Dort finden sich normalerweise Bakterien, die für deren Funktion wichtig sind. Diese sogenannten kommensalen Bakterien können aber unter bestimmten Umständen Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln. Ohne irgendwelche Auswirkungen zu zeigen, existieren diese Bakterien jedoch jahrelang auf der Hautoberfläche. Geraten sie zum Beispiel durch Wunden oder durch den Einsatz von Beatmungsröhren bei einer OP im Körper an eine andere Stelle, kann dies zu lebensbedrohlichen Infektionen führen.
 
„Wir möchten verstehen, warum unser Immunsystem kommensale Bakterien wie den Staphylococcus epidermis toleriert und keine Abwehrmechanismen in Gang setzt“, erklärt Prof. Dudziak. Dafür untersuchen die Forscherinnen und Forscher die sogenannten Kontrollpunkte, mit denen das Immunsystem Bakterien identifiziert. „Ziel des Projektes ist es, diese Immuntoleranz gezielt zu durchbrechen, um schützende Immunantworten gegen multirestente Keime zu ermöglichen“, erklärt Prof. Dudziak.
 
Ein neues Forschungsnetzwerk
„Das neue Forschungsnetzwerk bayresq.net soll dazu beitragen, eine wesentliche Lücke in der Erforschung und langfristigen Bekämpfung dieser Krankheitserreger zu schließen“, sagt der bayerische Wissenschaftsminister Bernd Siebler. In den sechs interdisziplinären Projekten nutzen die teilnehmenden Universitäten das Potenzial digitaler Methoden zum Beispiel, um neue Formen von Antibiotika selektiv gegen bestimmte Erreger zu richten. Mit Hilfe von Hochdurchsatzverfahren und maschinellem Lernen soll diese Anpassung automatisiert werden. Big Data zu nutzen, macht wiederum auch neue Ansätze möglich, wie etwa Vorhersagen über die Antibiotikaresistenz und Virulenz von Bakterien anhand einer Analyse des Genoms. Dies kann eine zielgerichtete Therapie ermöglichen. Hierfür wird jedes der sechs Projekte mit jeweils 1,3 Millionen Euro unterstützt, die der Freistaat Bayern zur Verfügung stellt.
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Diana Dudziak,
Tel.: 09131/85-39346
diana.dudziak@uk-erlangen.de
 
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/
 
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
 
presse@fau.de
http://www.fau.de/
 
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/
 

16.01.2020 „The same procedure as every year“
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Wir wünschen uns Glück und Gesundheit für das neue Jahr. Bloßes Wünschen reicht aber nicht, zumindest was die Gesundheit betrifft. Mehr Bewegung, auf die Ernährung achten, auf Genussgifte verzichten, Stress vermeiden, passieren nicht von selbst und auch nicht auf Rezept“, schreibt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), in der Januar/Februar-Ausgabe 2020 des Bayerischen Ärzteblattes. Dazu brauche es in vielen Fällen eine Verhaltensänderung. Und um Verhalten zu ändern müssten wir die Verhältnisse ändern.

Übergewicht und Bewegungsmangel seien nach wie vor mit die größten Risikofaktoren nicht nur für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes mellitus, sondern auch für den Verlauf anderer chronischer Krankheiten wie einer Demenz oder einer Depression. Hier sei jede Strategie gefragt, die eine Verhaltensänderung bewirken könne. Ob dies allein mit der Präventionsempfehlung anlässlich einer Gesundheitsuntersuchung gelingen könne, habe sich bisher noch nicht gezeigt.

„Wir werden also um eine Bewertung gesundheitsriskanter Lebensmittel nicht umhinkommen, so wie wir Plastikmüll nicht vermeiden werden, wenn wir lediglich Strohhalme und Plastiktüten verbieten“, so der Präsident. Der BLÄK-Chef weiter: „Und wir dürfen nicht glauben, dass es später einmal ein Medikament schon wieder richten wird. Auch das ist Prävention: der Schutz vor einer Übermedikation in Umsetzung von Leitlinien, die der Multimorbidität nicht angepasst sind.“

Prävention müsse neu gedacht werden, insbesondere, wenn es darum gehe, vulnerable Gruppen wie Kinder, Senioren oder Menschen mit Behinderung vor Gefahren für die Gesundheit zu bewahren. Sie müsse neu gedacht werden, wenn es um Umweltbelastungen und den Klimawandel gehe. „Dort wo Prävention durch Verhaltensänderung nicht möglich ist, müssen die Verhältnisse geändert werden. Das können wir Ärzte nur zusammen mit der Politik. Das wird unsere Aufgabe auch für 2020 sein“, so Quitterer abschließend.

Mehr zu „The same procedure as every year“ lesen Sie im Leitartikel der Januar/Februar-Ausgabe 2020 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

Pressestelle

Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax:        089 4147-202
E-Mail: presse@blaek.de
www.blaek.de

06.12.2019 Verstopfung in Abwehrzellen löst Entzündung aus Erstmals Zusammenhang zwischen Filtern von Gewebsflüssigkeit und chronischen Entzündungen aufgedeckt
uni| mediendienst | forschung Nr. 82/2019

So wie Wale während ihres Fressvorgangs Unmengen an Wasser aufnehmen und dann ihre Nahrung herausfiltern, nehmen auch Fresszellen des Immunsystems große Mengen an Gewebsflüssigkeit auf, um diese anschließend in zellinneren Bläschen, den Vakuolen, zu filtern. Im Rahmen dieser Filtration muss es der Zelle gelingen, gewaltige Mengen an Wasser wieder abzugeben, den Inhalt der Vakuolen zu konzentrieren, zu verdauen und zu inspizieren, um so das Gewebe und ablaufende Vorgänge zu kontrollieren. Ein Forschungsteam um Dr. Stefan Uderhardt am Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) konnte in Kooperation mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in den USA, Kanada und Großbritannien aufschlüsseln, welche biochemischen Vorgänge die Wasserbewegungen während der Filtration regulieren und so das Immunsystem im Gleichgewicht halten. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen einen direkten Zusammenhang zwischen grundlegenden, zellbiologischen Vorgängen und der Entstehung von Entzündung. Ihre Erkenntnisse wurden nun in der Zeitschrift Science veröffentlicht*.

Um unseren Körper effektiv schützen zu können, müssen Abwehrzellen, wie die Makrophagen, in dauernden Austausch mit ihrer Umgebung stehen. Durch die kontinuierliche Aufnahme großer Mengen an Gewebsflüssigkeit und dem anschließenden Filtern dieser Flüssigkeit in zellinneren Bläschen, den Vakuolen, sind diese Zellen in der Lage, ihre Umgebung genauestens zu sondieren und bei Bedrohung schnell zu reagieren. Doch welche molekularen Mechanismen es den Abwehrzellen ermöglichen ihren Flüssigkeitshaushalt während dieses Aufnahmevorgangs zu regulieren und damit die Filtrationsfunktion überhaupt möglich machen war bisher nicht bekannt.

Durch einen kombinierten Ansatz aus modernster Mikroskopietechnik und neuartiger intravitaler Bildgebung gelang es dem internationalen Forschungsteam, die beteiligten molekularen Vorgänge in isolierten Zellkulturen sowie in lebendem Gewebe zu beschreiben. „Wir konnten spezifische kanal-aktivierende Enzyme und Elektrolytkanäle in Immunzellen identifizieren, welche an Schlüsselpunkten dieses zelleigenen Verdauungsapparates die Auflösung der Vakuolen initiierten und für die Überwachungsfunktion der Gewebsmakrophagen verantwortlich sind,“ sagt Dr. Stefan Uderhardt, Arbeitsgruppenleiter in der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie (Direktor: Prof. Dr. Georg Schett). Wenn diese Enzyme fehlen oder medikamentös blockiert werden, kann die Gewebsflüssigkeit nicht aus den Vakuolen entweichen, so dass die Zelle „verstopft“ und ihre Abwehrfunktion gestört ist.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen zeigen erstmalig einen direkten Zusammenhang zwischen grundlegenden zellbiologischen Vorgängen wie der Aufnahme und Verarbeitung von Gewebsflüssigkeit und chronischen Entzündungen. Es scheint, dass bei Krankheitszuständen wie Fettstoffwechselstörungen, Autoimmunerkrankungen und chronischen Entzündungen diese molekularen Mechanismen gestört sein können, so dass es zu einem erhöhten Risiko für die Entstehung entzündlicher Erkrankungen kommt.

In Zukunft werden die Forscherinnen und Forscher untersuchen, inwieweit Störungen dieser „Filteraktivität“ tatsächlich an der Entstehung chronisch-entzündlicher, insbesondere rheumatologischer Erkrankungen, beteiligt sind. Langfristiges Ziel dabei ist, potenzielle Ansätze für innovative und zielgerichtete Therapiemöglichkeiten zur Prävention und Therapie von Entzündungen zu entwickeln.

* https://science.sciencemag.org/content/early/2019/12/04/science.aaw9544

Weitere Informationen:
Dr. Stefan Uderhardt
Tel.: 09131/85-36990
stefan.uderhardt@uk-erlangen.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de

http://www.fau.de
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

 

17.12.2019 Ein molekularer Schalter für Magenerkrankungen
uni| mediendienst | forschung Nr. 84/2019

Mechanismus entschlüsselt, der zur Entstehung von Magenkrankheiten durch Heliobacter pylori führt

Infektionskrankheiten ausgelöst durch Bakterien und andere Mikroben sind weltweit die häufigsten Todesursachen beim Menschen. Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung trägt das Bakterium Helicobacter pylori (H. pylori) im Magen, welches als wichtigster Risikofaktor für Geschwüre, MALT-Lymphom und Adenokarzinom im Magen gilt. Eine erfolgreiche antimikrobielle Therapie dieser Infektion wird zunehmend erschwert durch die rasante Vermehrung von Erregern, die gegen Arzneimittel wie Antibiotika resistent sind. Ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat jetzt einen neuen Mechanismus aufgeklärt, der ursächlich die Infektion von H. pylori kontrolliert und die Entstehung von Magenerkrankungen einleitet. Diese Befunde könnten zur Entwicklung von neuen Heilverfahren beisteuern. Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift Nature Communications publiziert (https://www.nature.com/articles/s41467-019-13506-6)

 

Eine detaillierte Pressemeldung finden Sie unter:   https://www.fau.de/2019/12/news/wissenschaft/ein-molekularer-schalter-fuer-magenerkrankungen
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de

http://www.fau.de
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

18.11.2019 Adipositas: mit 30 Minuten Sport pro Woche zu weniger Gewicht und mehr Gesundheit
uni | mediendienst | forschung Nr. 76/2019

Aktuelle Studie des Hector-Centers am Uni-Klinikum Erlangen belegt Erfolg einer optimierten Sport-/Ernährungstherapie

Adipöse können mit neuem, extrem zeiteffizienten Sportkonzept mit nur 30 Minuten Aufwand pro Woche eine deutliche Gewichtsabnahme und signifikante Verbesserungen von kardiometabolischen Risikofaktoren erzielen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Hector-Centers für Ernährung, Bewegung und Sport am Universitätsklinikum Erlangen, die heute (18.11.2019) im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt wurde. Das Sport- und Bewegungsprogramm ist eine wesentliche Therapiesäule des Adipositaszentrums am Uni-Klinikum Erlangen, in dem ein interdisziplinäres Team aus Expertinnen und Experten der Chirurgie, Psychosomatik, Psychologie, Ernährungs- und Sportwissenschaften sowie Pflege eng zusammenarbeitet, um adipösen Patientinnen und Patienten zu helfen.

Die Prävalenz von Übergewicht und der schweren Form Adipositas (Body-Mass-Index > 30 kg/m2) nimmt seit Jahrzehnten weltweit stetig zu. In Deutschland gelten aktuellen Erhebungen zufolge bereits 50 % der Bevölkerung als übergewichtig und jeder Vierte als adipös. Dies ist ein besorgniserregender Trend, denn Adipositas ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern nachweislich auch mit einem deutlich erhöhten Risiko für Folgeerkrankungen, wie Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs verbunden.

Im Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport an der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Uni-Klinikums Erlangen beschäftigt sich ein interdisziplinäres Expertenteam unter der Leitung der Ernährungsmedizinerin Prof. Dr. Yurdagül Zopf unter anderem damit, innovative Therapiekonzepte für Adipöse zu entwickeln. „Neben einer optimierten Ernährung zählt dabei vor allem eine Steigerung der körperlichen Aktivität zu den Eckpfeilern unserer Behandlung“, so Prof. Zopf, die auch Sprecherin des Adipositaszentrums am Uni-Klinikum Erlangen ist. Die allgemeine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation – regelmäßig mindestens 150 Minuten pro Woche körperlich aktiv zu sein – wird jedoch vom Großteil der Bevölkerung nicht erreicht und stellt insbesondere für Adipöse eine hohe Einstiegshürde dar.

Vor diesem Hintergrund entwickelte Dr. Dejan Reljic (Leiter des Arbeitsbereichs Sportwissenschaft und Leistungsphysiologie am Hector-Center) ein extrem zeiteffizientes Sportkonzept, das lediglich 15 Minuten Aufwand pro Einheit erfordert. Dabei wechseln sich sehr kurze, intensivere Belastungsintervalle mit Erholungsphasen ab, was den Stoffwechsel wesentlich stärker anregt als ein längeres moderates Ausdauertraining. „Im Grunde ist das Konzept eines hochintensiven Intervalltrainings (HIIT) bereits seit Jahren aus dem Leistungssport bekannt, jedoch wurde es entsprechend angepasst, um für Adipöse und Untrainierte umsetzbar zu sein“, erläutert Dr. Reljic. Das Training wird im Hector-Center auf Fahrradergometern durchgeführt, da dies gelenkschonend und gut steuerbar ist, kann aber problemlos auch in anderer Form (z. B. zügiges Walking, Schwimmen) absolviert werden. „Wichtig dabei ist nur, dass in den Belastungsintervallen die jeweiligen Ziel-Pulsbereiche erreicht werden, die vor dem Trainingsbeginn individuell ermittelt werden müssen“, so der Sportwissenschaftler.

Studie zeigte: in 12 Wochen bis zu 20 kg Gewichtsverlust und Reduktion von Risikofaktoren

Die Wirksamkeit dieses innovativen Sportkonzepts wurde nun in einer großen randomisiert-kontrollierten Studie am Hector-Center untersucht, in die 140 Adipöse (durchschnittlicher BMI: 38 kg/m2) mit mindestens zwei zusätzlichen Risikofaktoren (z. B. Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte) eingeschlossen wurden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden per Zufallsprinzip entweder einer Kontrollgruppe zugeordnet, die eine auf den Leitlinien basierende Ernährungsberatung zur Gewichtsreduktion erhielt oder einer Trainingsgruppe, die zusätzlich zur Ernährungsberatung zweimal wöchentlich das 15-minütige Intervalltraining über einen Zeitraum von zwölf Wochen durchführte.

Es zeigte sich, dass beide Gruppen nach zwölf Wochen ihr Gewicht im Mittel deutlich verringern konnten, jedoch war der Gewichtsverlust in der Trainingsgruppe signifikant stärker ausgeprägt, mit individuellen Abnahmen von bis zu 20 kg. Ein entscheidender Unterschied zwischen beiden Gruppen war, dass nur die Trainingsgruppe ihre Herz-Kreislauf-Leistungsfähigkeit (gemessen anhand der maximalen Sauerstoffaufnahme in einer Spiroergometrie) und ihr kardiometabolisches Risikoprofil signifikant verbessern konnte, was für die Langzeitprognose wesentlich entscheidender ist als die reine Gewichtsabnahme. So senkten sich z. B. bei 75 % der Trainierenden, die zu Beginn der Studie einen erhöhten Blutdruck aufwiesen, die Werte auf einen Normbereich. Besonders bemerkenswert war der Befund, dass sich mit dem Training auch eine Abnahme der Entzündungswerte um durchschnittlich fast 40 % erzielen lassen konnte, was vergleichbar mit den Effekten einer pharmakologischen Therapie ist. Die Verbesserung der objektiven klinischen Parameter spiegelte sich zudem in einem besseren Befinden (z. B. deutlich weniger Kurzatmigkeit), höherer Lebensqualität und gesteigerter subjektiver Arbeitsfähigkeit am Ende der zwölfwöchigen Trainingsphase wider.

Dr. Reljic fasst das Studienergebnis zusammen: „Die Studie untermauert also zum einen die wichtige Bedeutung und die positiven Effekte von körperlicher Aktivität in Kombination mit angepasster Ernährung für eine erfolgreiche Adipositastherapie, die weit über die reine Gewichtsreduktion durch alleinige Kalorienrestriktion hinausgehen, und zeigt dabei gleichzeitig, dass gesundheitsprotektive Veränderungen bereits mit nur 30 Minuten Training pro Woche erzielt werden können.“

Weitere Informationen für Patientinnen und Patienten:
Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport
Tel.: 09131/85-45218
med1-hector-center@uk-erlangen.de
www.medizin1.uk-erlangen.de/hector-center

Adipositaszentrum
Doris Wansch
Tel.: 09131/85-35879
adipositaszentrum@uk-erlangen.de
www.adipositaszentrum.uk-erlangen.de

Weitere Informationen für Medienvertreterinnen und -vertreter:
Johannes Eissing
Tel.: 09131/85-36102
presse@uk-erlangen.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de

https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

08.11.2019 Marketing versus Profession
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer


Patientinnen und Patienten wird von ihren Krankenkassen die Übernahme von Leistungen in Aussicht gestellt, die primär nicht auf Rezept verordnet werden können. Diese sogenannten Satzungsleistungen nach § 11 Abs. 6 des Sozialgesetzbuches V (SGB V) hätten erhebliche Auswirkungen auf den Wettbewerb innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung und zur privaten Krankenversicherung hin, nachzulesen im Forschungsgutachten für das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) von prognos. „Beispielhaft ist hier die Osteopathie zu nennen, für die im Moment wieder vermehrt Patientinnen und Patienten in den Praxen vorstellig werden“, schreibt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) im Leitartikel der November-Ausgabe des Bayerischen Ärzteblattes. „So wird versucht, uns Ärztinnen und Ärzte von Krankenkassen für deren Marketingzwecke zu instrumentalisieren“, schreibt der BLÄK-Präsident. Satzungsleistungen zählten nicht zum tatsächlichen Versorgungsbedarf der Patientinnen und Patienten. Dieser sei – im Unterschied zu Satzungsleistungen – im SGB V mit WANZ (wirtschaftlich, ausreichend und zweckmäßig, darf das Maß des Notwendigen nicht überschreiten) definiert. Quitterer weiter: „Wir Ärztinnen und Ärzte dürfen in unserer verantwortungsvollen Tätigkeit keinen ökonomischen Zwängen unterworfen sein. Mit unserer Profession ist es nicht vereinbar, Begehrlichkeiten nach Leistungen nachzukommen, für die es keine echte Indikation gibt, sei es seitens der Patienten oder der Krankenkassen.“

Ärztliche Profession bedeute auch Unabhängigkeit von der Pharmaindustrie. Das zunehmende Angebot gesponserter Fortbildungsveranstaltungen zeige, dass hier eine Beeinflussung von Ärztinnen und Ärzten nicht ausgeschlossen werden könne. Allein die Zahl von 77.000 von der BLÄK im vergangenen Jahr anerkannten Fortbildungsveranstaltungen zeige auf, wie wichtig es sei, aus dieser Menge sinnvoll auszuwählen. „Ich muss mein Bewusstsein dafür schärfen, wo Beeinflussung und Manipulation Raum greifen können. Auch im Sinne meiner eigenen Ressource Zeit und Gesundheit“, so Bayerns Ärzte-Chef abschließend.

Mehr zu „Marketing versus Profession“ lesen Sie in der November-Ausgabe 2019 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax:        089 4147-202
E-Mail:   presse@blaek.de
www.blaek.de

06.11.2019 Wenn KI bei der medizinischen Diagnose hilft
uni | mediendienst | forschung Nr. 72/2019

FAU-Forschungsteam untersucht ethische und rechtliche Herausforderungen beim Einsatz von künstlicher Intelligenz in der klinischen Entscheidungsfindung

Künstliche Intelligenz (KI) hält nach und nach auch in Kliniken Einzug. Gesteigerte Rechenleistung, intensivierte Generierung von Daten sowie Fortschritte im Bereich des Machine Learning versprechen neue Möglichkeiten in der medizinischen Forschung und Versorgung. Zugleich rücken eine ganze Reihe ethischer und rechtlicher Fragen in den Mittelpunkt. Wie verändert KI die Rollen von Ärzt/-innen und Patient/-innen, wenn KI bei Diagnoseverfahren eingesetzt wird? Und wer ist in medizinischen Kontexten für die Folgen KI-gestützter Prozesse verantwortlich? Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein nun vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Forschungsvorhaben unter Leitung von Ethiker Prof. Dr. Peter Dabrock von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).

Anwendungen sogenannter künstlicher Intelligenz (KI) haben bereits begonnen, verschiedenste Lebensbereiche zu durchdringen. Besonders große Hoffnungen werden in der klinischen Versorgung geweckt. Hier versprechen computergestützte, automatisierte und selbstlernende Systeme, Entscheidungen über den Gesundheitszustand verlässlich und kostengünstig zu optimieren.

Auch wenn vieles davon noch Zukunftsmusik ist, sind erste Anwendungen bereits in der Praxis angekommen. Insbesondere bildgebende Diagnoseverfahren haben frühzeitig das Interesse großer Technologiekonzerne geweckt. Google hat 2016 beispielsweise eine Deep-Learning-Anwendung vorgestellt, die zur Erkennung von Erkrankungen der Netzhaut konzipiert wurde. Microsoft ist auf dem Gebiet der automatisierten Analyse radiologischen Bildmaterials aktiv und versucht, die zeitaufwendige und potenziell fehleranfällige Lokalisierung von Tumoren mit KI zu vereinfachen. IBM setzt KI ein, um die Wahl von Krebstherapien zu optimieren.

„Anwendungen wie diese veranschaulichen die Potenziale, die KI im Klinikalltag birgt. Zugleich weisen sie auf Herausforderungen hin, denen wir uns fortwährend stellen müssen, um diese Potenziale zu realisieren“, erklärt Prof. Dr. Peter Dabrock, Leiter des Verbundprojektes und Inhaber des Lehrstuhls für Systematische Theologie II (Ethik) an der FAU. So werden beispielsweise Deep-Learning-Anwendungen oft als Black Boxes umschrieben: Einerseits können sie Muster in umfangreichem Datenmaterial besser erkennen als Menschen, andererseits bleiben sie aufgrund ihrer Komplexität für Anwender und selbst Softwareingenieurinnen zu einem gewissen Grad undurchdringlich – ein nicht zu unterschätzender Punkt, wenn es um das Vertrauen von Ärzt/-innen und Patient/-innen geht.

„Im Bereich klinischer KI stellen sich mindestens zwei Kernfragen: Wie können automatisierte, selbstlernende und zum Teil undurchdringliche Systeme so designt und in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, dass sich sowohl die Qualität der Versorgung verbessert als auch die Souveränität von Anwender/-innen und Betroffenen gewährleistet bleibt? Und vor allem: Wer ist moralisch und rechtlich verantwortlich, wenn KI zu Fehlern in der Versorgung eines Patienten führt? Auch auf internationaler Ebene befinden sich solche Debatten noch im Frühstadium“, sagt Prof. Dabrock.

Ziel: Empfehlungen zum Einsatz von KI in der Medizin

Gemeinsam mit Jurist/-innen um Prof. Dr. Susanne Beck von der Leibniz Universität Hannover, technischen Expert/-innen um Prof. Dr. Sebastian Möller vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und Mediziner/-innen um Prof. Dr. Klemens Budde von der Charité Berlin, die selbst KI-gestützte Systeme in der Nierenheilkunde einsetzen, wird eine normative, rechtliche und technische Analyse klinischer KI-getriebener Entscheidungsunterstützung unternommen. Eines der Ziele ist, Empfehlungen zum Einsatz und der rechtlichen Steuerung solcher Systeme zu erarbeiten. Das Projekt trägt den Titel „vALID: Artificial-Intelligence-Driven Decision-Making in the Clinic. Ethical, Legal and Societal Challenges” und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt 750.000 Euro über drei Jahre gefördert.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Peter Dabrock
Tel.: 09131/85-22724
peter.dabrock@fau.de 
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/ 
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de 

http://www.fau.de  
https://www.youtube.com/unifau 
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg 
https://twitter.com/unifau 
https://instagram.com/uni_fau/ 

04.11.2019 Probanden für Studie zum Reizdarmsyndrom gesucht
uni| mediendienst | aktuell Nr. 149/2019

Untersuchungen zu glutenfreier Ernährung bei Reizdarmpatienten und gesunder Kontrollgruppe

Für eine Studie sucht das Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport an der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Wissenschaftler wollen dabei den Einfluss einer sechswöchigen glutenfreien Ernährung auf Patienten mit Reizdarmsyndrom bestimmen. Auch nicht betroffene Interessierte, die wissen möchten, wie sich glutenfreie Ernährung auf ihren Körper auswirkt, können sich für die gesunde Kontrollgruppe der Untersuchung melden.

Im Rahmen der Studie erfassen Fragebögen die klinischen Symptome des Reizdarms. Außerdem wird Blut aus der Armvene entnommen, um die Stimulation der Blutzellen zu untersuchen. Voraussetzung für die Teilnehmer mit Reizdarmsyndrom ist, dass diese sich bisher nicht glutenfrei ernährt haben und nicht unter Zöliakie oder einer Weizenallergie leiden. Außerdem sollten keine Leber- oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa vorliegen.

Gesunde Kontrollgruppe

Die Kontrollgruppe besteht aus Teilnehmern ohne Reizdarmsyndrom, die auch keine anderen gastrointestinalen Beschwerden oder Erkrankungen haben. Die Freiwilligen sollten außerdem nicht regelmäßig Medikamente einnehmen müssen und sich nicht bereits glutenfrei ernähren. Alle Interessierten können sich per E-Mail anmelden: Senden Sie eine Nachricht mit dem Stichwort „Reizdarm“ an paulina.gundel@uk-erlangen.de.

Weitere Informationen:
Paulina Gundel, Tel.: 09131/85-35000, paulina.gundel@uk-erlangen.de
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220

presse@fau.de
http://www.fau.de

https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

01.11.2019 - 70. Generalversammlung des Weltärztebundes
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft

Berlin, 01.11.2019 – „Ärzte sind dem Leben verpflichtet. Es ist wichtig, dass der Weltärztebund das noch einmal zum Ausdruck gebracht hat.“ So kommentiert Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der
Bundesärztekammer (BÄK), die auf der 70. Generalversammlung des Weltärztebundes (WMA) verabschiedete Deklaration, in der der WMA seine Ablehnung des ärztlich assistierten Suizids und
der Euthanasie bekräftigt. Ärzte dürften nicht dazu gezwungen werden, Patienten bei der Selbsttötung zu unterstützen oder Euthanasie durchzuführen.

In einer Dringlichkeitsresolution rief der WMA die Ärztinnen und Ärzte weltweit dazu auf, ihre Rolle im Gesundheitsschutz wahrzunehmen und ein schnelleres Vorgehen der Regierungen gegen den Klimawandel einzufordern. Um dessen lebensbedrohliche Auswirkungen möglichst gering zu halten,
müsse bis zum Jahr 2030 das Ziel der Klimaneutralität erreicht sein. Auch der Gesundheitssektor selbst sei angehalten, seinen ökologischen Fußabdruck zu minimieren und die Nachhaltigkeit
der Gesundheitsversorgung sicherzustellen.

Kritik übte der Weltärztebund, der vom 23. bis 26. Oktober in Tiflis tagte, an den bisher angewandten Methoden zur Altersfeststellung bei unbegleiteten Flüchtlingen. Aufgrund der fehlenden Evidenz
sollten diese Verfahren nur in Ausnahmesituationen eingesetzt werden. Höchste Priorität müsse dabei die Gesundheit, Sicherheit und Würde der jungen Geflüchteten haben.


Die WMA-Delegierten verabschiedeten darüber hinaus zahlreiche weitere Dokumente, darunter die Deklaration zur Genetik in der Medizin. Darin fordern sie eine umfassende Aufklärung des
Patienten im Vorfeld von genetischen Tests sowie höchste Schutzstandards bei der Sammlung, Speicherung und Verwendung genetischer Daten. Eine weitere Stellungnahme beschäftigte sich mit den Herausforderungen und Chancen der Künstlichen Intelligenz (KI) in der Gesundheitsversorgung. Der Weltärztebund spricht sich hier für eine noch intensivere Auseinandersetzung der Ärzteschaft mit der Thematik aus. Auch müsse der ärztliche Sachverstand stärker in die Entwicklung von
KI-Systemen einbezogen werden.

Neuer Präsident des WMA ist Dr. Miguel Roberto Jorge. In seiner Antrittsrede kündigte der Brasilianer an, den Fokus seiner einjährigen Amtszeit auf die Sorge für den Patienten zu legen.
Neben fachlicher Exzellenz zeichne einen kompetenten Mediziner
auch die Nähe zum Patienten, Empathie und Mitgefühl aus. Der
emotionale Aspekt der ärztlichen Tätigkeit käme im
Medizinstudium aber häufig zu kurz.

Weitere Informationen über die WMA-Deklaration zu ärztlich
assistiertem Suizid und Euthanasie finden Sie hier

 



29.10.2019 Reinhardt: „Gewalt gegen Ärzte hart bestrafen und gesellschaftlich ächten“
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 29.10.2019 – Zu der Ankündigung von  Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, das Strafrecht bei Gewalt gegen Ärzte und Rettungskräfte zu verschärfen, erklärt Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt:

„Härtere Strafen für Prügler und Pöbler in Gesundheitseinrichtungen können abschreckend wirken und sind deshalb gut und richtig. Wir verstehen die angekündigte Strafrechtsverschärfung aber auch als eine Solidaritätsadresse der Politik an all jene, die oftmals sogar ihre eigene Gesundheit aufs
Spiel setzen, um anderen Menschen in Notsituationen zu helfen. Die Initiative des Bundes-gesundheitsministers kann ein starkes Signal dafür sein, Gewalt gegen Retter und Helfer gesellschaftlich zu ächten.

Wir nehmen deutlich wahr, dass die Aggressivität gegen Ärzte und andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen seit Jahren zunimmt. Auf den Straßen werden Notärzte und Rettungssanitäter
angegriffen. In den Notfallambulanzen passiert es immer wieder, dass Patienten wegen langer Wartezeiten aggressiv werden. Einige Krankenhäuser beschäftigen bereits Sicherheitsdienste, um ihr
Personal zu schützen. Aus diesen Gründen setzt sich die Bundesärztekammer seit langem für entsprechende gesetzliche Regelungen ein. Auch der Deutsche Ärztetag hatte in diesem Jahr gefordert, den strafrechtlichen Schutz für Hilfeleistende bei Unglücksfällen, gemeiner Gefahr oder Not zu erweitern. Nach den bisherigen Äußerungen des Ministers geht die angekündigte Gesetzes-initiative in diese Richtung.


Aber auch außerhalb der Notfallversorgung sind Ärztinnen und Ärzte von Gewalt betroffen. Nach einer Studie des Deutschen Ärzteblattes sind 91 Prozent der Hausärzte bei der Arbeit Opfer von aggressivem Verhalten geworden. Eine weitere Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass jeder vierte Arzt schon einmal körperlich angegriffen oder physisch bedroht worden ist. Fast 40
Prozent der Ärzte berichten zudem über verbale Gewalt in den letzten zwölf Monaten. Die jeweiligen Angebote der Ärztekammern zur Gewaltprävention erstrecken sich von Meldeangeboten bis hin zu konkreten Beratungsleistungen, Deeskalationskursen, Sicherheitstrainings und Kommunikations-kursen.

Es ist gut, dass unsere Bemühungen nun von Seiten des Gesetzgebers flankiert werden sollen. Darüber hinaus brauchen wir Aufklärungskampagnen, die verdeutlichen, dass die Sicherheit
von Ärzten und anderen Angehörigen von Gesundheitsberufen unverzichtbare Voraussetzung der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung ist. Jeder Einzelne ist gefordert, jeglicher Form von
verbaler oder körperlicher Gewalt in Praxen, Rettungsambulanzen oder im öffentlichen Raum entgegenzutreten, soweit es die eigene Sicherheit zulässt.“

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de

24.10.2019 Online-Programm „Make It“ unterstützt Krebskranke
uni | mediendienst | aktuell Nr. 142/2019

Psychoonkologische Studie der Erlanger Psychosomatik gestartet – Verein zur Förderung des Tumorzentrums Erlangen-Nürnberg spendete 9.600 Euro
Neben körperlichen Beschwerden ist es vor allem die Psyche, die Krebspatientinnen und -patienten zu schaffen macht: Die Sorge um das eigene Leben, aber auch um die Zukunft von Familie und Freunden kann Betroffene in eine tiefe Krise stürzen. Eine psychoonkologische Betreuung ist deshalb für jeden Patienten mit Krebs essenziell. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung (Leiterin: Prof. Dr. [TR] Yesim Erim) des Universitätsklinikums Erlangen untersuchen jetzt in einer neuen psychoonkologischen Studie, inwiefern das Online-Training „Make It“ Betroffene bei der Krankheitsbewältigung unterstützt. Die Erlanger Wissenschaftler arbeiten dafür mit Kollegen der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des LVR-Klinikums Essen und mit Forschern der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Uni-Klinikums Tübingen zusammen. Der Verein zur Förderung des Tumorzentrums Erlangen-Nürnberg hat die Studie jetzt mit 9.600 Euro gefördert.

„Wir wissen, dass sich viele Krebspatienten mehr Unterstützung im Umgang mit ihrer Krankheit wünschen“, sagte Prof. Dr. (TR) Yesim Erim, Leiterin der Psychosomatik des Uni-Klinikums Erlangen. „Bei uns im Haus gibt es dafür einen Psychoonkologischen Dienst, der alle Betroffenen vor Ort betreut, wenn sie das wünschen. Im persönlichen Gespräch können Erkrankte ihre Sorgen ansprechen und gemeinsam mit unseren Psychoonkologinnen Kraftquellen finden und Lösungen entwickeln. Es kann sehr befreiend sein, mit jemandem über alles zu reden, den die Krankheit persönlich nicht betrifft. Das Gefühl, sich selbst etwas Gutes zu tun, gibt vielen Betroffenen wieder neue Kraft“, erklärte Prof. Erim. Doch nicht alle Patienten haben Zugriff auf einen Psychoonkologischen Dienst. „Vor allem auf dem Land ist es für Betroffene oft sehr schwierig, in Kontakt mit Psychologen oder Krebsberatungsstellen zu kommen“, so Yesim Erim. Eine Lösung bietet jetzt das Online-Training „Make It“ (mindfulness and skill based distress reduction training in oncology = Stressreduktionsprogramm, das auf Achtsamkeit und Bewältigung basiert), das Psychoonkologen und Onkologen gemeinsam entwickelt haben.

Achtsamkeit und Bewältigung

„Make It“ umfasst acht Sitzungen. Sie bieten detaillierte Informationen zu den Themenbereichen Gefühle, Kraftquellen, Stressmanagement, Selbstzuwendung und Achtsamkeit. Die Sitzungen bringen den Patienten Bewältigungsstrategien nahe – sogenannte Skills. Außerdem enthält jede Einheit eine konkrete Achtsamkeitsübung. Die Sitzungen dauern je 20 bis 30 Minuten; alle zwei Wochen wird eine neue Einheit freigeschaltet. Patientinnen und Patienten können sich unter https://makeit.medizin.uni-tuebingen.de/ über das Online-Programm informieren und sich per E-Mail an caterina.schug@uk-erlangen.de jetzt schon dafür anmelden. Das Training kann dann am Tablet, Smartphone oder am PC kostenlos durchgeführt werden.

„Mithilfe von Videos, Audiodateien und Übungen erlernen die Patienten Fertigkeiten und Strategien, die ihnen helfen, besser mit ihrer Krebserkrankung umzugehen“, erklärte Prof. Erim. „Nach dem Training bitten wir alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, uns mitzuteilen, wie zufrieden sie mit dem Programm waren und wie hilfreich sie es fanden. Die Antworten vergleichen wir dann mit dem Empfinden vor dem Start des Programms. So wird unsere Studie zeigen, ob und wie stark Betroffene tatsächlich von dem Online-Training profitiert haben.“ Anhand der Studienergebnisse will das Team um Prof. Erim „Make It“ optimieren und es deutschlandweit so vielen Krebspatienten wie möglich zur Verfügung stellen.

Förderung in Höhe von 9.600 Euro

Um das Online-Programm wissenschaftlich evaluieren zu können, erhielt das Team um Prof. Erim jetzt eine Spende in Höhe von 9.600 Euro vom Verein zur Förderung des Tumorzentrums Erlangen-Nürnberg. Den Spendenscheck übergaben Christa Matschl (MdL a. D., Erste Vorsitzende des Vereins), Dr. Elke Beyer-Finkler (stellvertretende Vorsitzende des Vereins), Karin Jäger (Mitglied im Vorstand des Vereins) sowie Thomas Pickel (Schatzmeister des Vereins). „Ziel unserer Spende ist es, vor allem Krebspatientinnen und
-patienten hier in der Region zu unterstützen – und das möglichst konkret und unmittelbar. Das ‚Make-It-‘Training erfüllt diesen Anspruch. Und natürlich freuen wir uns umso mehr, wenn das Online-Programm auch Betroffene außerhalb Frankens erreicht“, erklärte Christa Matschl bei der Spendenübergabe.

„Wir freuen uns, wenn möglichst viele Krebspatienten bei unserer Studie mitmachen und ‚Make It‘ ausprobieren“, betonte Prof. Erim. Teilnehmen kann jeder Krebskranke ab 18 Jahren, der gute Deutschkenntnisse besitzt.

Die Website von „Make It“: https://makeit.medizin.uni-tuebingen.de/

Weitere Informationen:
Caterina Schug
Tel.: 09131/85-45929
caterina.schug@uk-erlangen.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220

presse@fau.de
http://www.fau.de

https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

21.10.2019 Internationale Wanderausstellung: AccessAbility – BarriereFreiheit
uni | mediendienst | aktuell Nr. 140/2019

Ab 28. Oktober, Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg, Schuhstraße 1A, Erlangen

Wie sieht das Leben von Menschen mit Behinderung aus? Antworten darauf gibt die Ausstellung „AccessAbility – BarriereFreiheit“, die am Montag, 28. Oktober, um 18 Uhr, in der Universitätsbibliothek der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) eröffnet wird. Den Eröffnungsvortrag „Same same but different“ hält die schwedische Autorin Sara Shamloo, die auch in der Ausstellung porträtiert wird, in englischer Sprache. Die Diversity Scouts der FAU veranstalten bei der Eröffnung zusätzlich ein Rahmenprogramm. Der Eintritt ist kostenlos.

Im Fokus der Fotoausstellung stehen Demokratie, Human Rights und Haltung. Die Ausstellung basiert auf 14 persönlichen Erzählungen von Menschen mit Behinderungen in Schweden und deren alltäglichem Leben, Hoffnungen, Sorgen, Freude, Liebe, Familie, Arbeit und Freizeit. Begleitend zu der Ausstellung bietet die Juniorprofessur für Kinder- und Jugendliteratur und die Professur für Komparatistik/Skandinavistik an der FAU für Studierende zwei Kurse an. In den Seminaren wird anhand von moderner nordischer und internationaler Kinder- und Jugendliteratur untersucht, in welcher Form Heterogenität und Differenz aufgegriffen und dargestellt werden. Bis zum 25. November ist die Ausstellung in der Universitätsbibliothek zu sehen. Danach wird sie an den drei nachstehenden Orten zu Gast sein:
Freitag, 13. Dezember, bis Freitag, 31. Januar:
Access gGmbH, Access Loft, Michael-Vogel-Straße 1C, Erlangen

Ausstellungseröffnung am Freitag, 13. Dezember, um 18 Uhr, mit dem Vortrag „Inklusion im Arbeitsleben“ von Karl-Heinz Miederer

Dienstag, 3. März, bis Freitag, 3. April:
Lebenshilfe Erlangen, Georg-Zahn-Schule und Tagesstätte Schenkstraße 113, Erlangen

Montag, 20. April, bis Mittwoch, 30. April:
Rathausfoyer, Stadt Erlangen, Rathausplatz 1, Erlangen


An allen Ausstellungsorten kann die internationale Wanderausstellung während der Öffnungszeiten besichtigt werden. Sämtliche Veranstaltungsorte sind barrierefrei. Der Eintritt ist jeweils frei.

Die Ausstellung, die bereits in mehreren Ländern gezeigt wurde, wurde vom Schwedischen Institut, Stockholm, konzipiert und wird auch von diesem gefördert. Die Veranstaltung wird von der Juniorprofessur für Kinder- und Jugendliteratur sowie der Professur für Komparatistik/Skandinavistik der FAU in Zusammenarbeit mit der Access gGmbH Erlangen, dem Büro für Gender und Diversity, dem E-Werk Kino, der Lebenshilfe Erlangen, der Schwedischen Botschaft Berlin, dem Schwedischen Institut und der Stadt Erlangen organisiert.

Weitere Informationen:

Karina Brehm, Tel.: 09131/85-22916, karina.brehm@fau.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220

presse@fau.de
http://www.fau.de

https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

18.10.2019 Vortrag: Wie Freude, Begierde und Schrecken im Gehirn entstehen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 138/2019

25. Oktober, 12.15 Uhr, Hörsaal Studienzentrum, Stinzingstraße 12, Erlangen

Werden die Gefühle Mögen und Wollen von den gleichen Gehirnmechanismen hervorgerufen? Mit dieser Frage beschäftigt sich Prof. Dr. Kent Berridge, University of Michigan, USA, in seinem öffentlichen, englischsprachigen Vortrag am Freitag, 25. Oktober, um 12.15 Uhr. Die Veranstaltung wird vom Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie (Motivation, Emotion und Lernen) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) organisiert.

Die Belohnungssysteme Mögen und Wollen gehen in der Regel Hand in Hand, sind jedoch trennbare Gehirnmechanismen. Die Unterscheidung der beiden Systeme ist deshalb wichtig, weil dadurch Stimmungsstörungen bei verschiedenen Erkrankungen, darunter Sucht, Depression und Schizophrenie, besser verstanden werden.

Das Gefühl des Mögens wird durch ein überraschend schwaches und kleines Netzwerk von hedonischen Hotspots in limbischen Gehirnstrukturen erzeugt, während das Wollen ein viel robusteres, größeres Gehirnnetzwerk mit Dopaminsystemen hat. Zudem hat Wollen-System überraschenderweise viele Gemeinsamkeiten mit den Gehirnstrukturen, die Angst auslösen.

Prof. Dr. Kent Berridge ist einer der weltweit führenden Theoretiker und Forscher auf den Gebieten der Drogenabhängigkeit und der Motivation, beides aus neurowissenschaftlicher Sicht.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Oliver Schultheiss, Tel.: 09131/85-20880, oliver.schultheiss@fau.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de

https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

18.10.2019 Tagung der Bundesärztekammer-Ärzteschaft fordert Ordnungsrahmen für Digitalisierung im Gesundheitswesen
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 18.10.2019 – „Die Digitalisierung im Gesundheitswesen hat das Potenzial, sowohl die Prozesse als auch grundsätzliche Prinzipien der gesundheitlichen Versorgung zu verändern. Diese Veränderungen werden aber nur dann zu Verbesserungen führen, wenn Ärzte und Patienten Vertrauen in die neuen Strukturen und Abläufe entwickeln können.“ Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt zur Eröffnung der Tagung „BÄK im Dialog, die Vertrauensfrage in der digitalen Medizin“ in Berlin.
Reinhardt forderte eine Gesamtstrategie für den Ausbau der Digitalisierung sowie einen Ordnungsrahmen, der politische, rechtliche und ethische Aspekte umfasst. Im Beisein von Bundes-gesundheitsminister Jens Spahn sagte Reinhardt: „Es ist Aufgabe der Politik, einen solchen Rahmen zu setzen. Unser Anliegen ist es, die Politik mit unserem besonderen Blick auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten dabei zu unterstützen.“
Inhaltliche Grundlage der Bundesärztekammer-Tagung waren Thesen zur Digitalisierung, die die BÄK in den vergangenen Monaten in Werkstattgesprächen diskutiert hat. BÄKVorstandsmitglied
Dr. Peter Bobbert formulierte daraus abgeleitete Kernfragen: „Wo hört die Unterstützung für den Arzt
durch Künstliche Intelligenz (KI) auf und wo fängt Substitution an? Müssen wir ethische Leitgedanken für die digitalisierte Medizin formulieren? Sollten wir digitale Anwendungen erst dann
in unser Behandlungsangebot übernehmen, wenn ihr Nutzen bewiesen ist?“ Bobbert plädierte dafür, sich intensiv mit diesen und weiteren Fragen zur Digitalisierung zu befassen. „Am Ende müssen Kernanforderungen für eine Digitalisierung stehen, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Patienten ausrichten“, sagte er.
Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, der gemeinsam mit Peter Bobbert dem Ausschuss „Digitalisierung der Gesundheitsversorgung“ der Bundesärztekammer vorsitzt, sprach sich in der abschließenden Podiumsdiskussion für einen offenen Umgang mit den neuen digitalen Möglichkeiten aus: „Digitale Angebote werden Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen. Oft brauchen wir für unsere Arbeit alle fünf Sinne. Das kann keine Maschine leisten.“ Richtig angewendet könnten digitale Anwendungen aber sinnvolle Hilfsmittel sein, die die Patientenversorgung weiter verbessern.
Auf deutliche Kritik von Ärztinnen und Ärzten stieß auf der Tagung das Vorhaben der Bundesregierung, dass Krankenkassen ihren Versicherten künftig digitale Versorgungsangebote machen können, ohne die behandelnden Ärzte einzubeziehen. Bodendieck erklärte, dass auch digitale Anwendungen in ein therapeutisches Gesamtkonzept integriert werden müssten. „Es braucht immer einen Verantwortlichen, der Risiken im Behandlungsverlauf erkennen kann. Und das kann nur der Arzt sein.“

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de

15.10.2019 Gegen die Kommerzialisierung der medizinischen Versorgung
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) spricht sich gegen die Kommerzialisierung der medizinischen Versorgung im ambulanten und stationären Bereich aus“, sagt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der BLÄK.

Der 78. Bayerische Ärztetag hatte am 13. Oktober 2019 nach eingehender Diskussion beschlossen, den Ärzte-Appell „Rettet die Medizin!“ in der Ausgabe des Nachrichtenmagazins stern vom 9. September 2019 zu unterstützen und zu unterzeichnen. Der Appell richtet sich „Gegen das Diktat der Ökonomie in unseren Krankenhäusern“. Die Forderungen im Detail:

1. Das Fallpauschalensystem müsse ersetzt oder zumindest grundlegend reformiert werden.

2. Die ökonomisch gesteuerte gefährliche Übertherapie sowie Unterversorgung von Patienten müssten gestoppt werden. Dabei bekenne man sich zur Notwendigkeit wirtschaftlichen Handelns.

3. Der Staat müsse Krankenhäuser dort planen und gut ausstatten, wo sie wirklich nötig seien. Das erfordere einen Masterplan und den Mut, mancherorts zwei oder drei Kliniken zu größeren, leistungsfähigeren und personell besser ausgestatteten Zentren zusammenzuführen.

Kritisiert wurde in der Aussprache am 78. Bayerischen Ärztetag jedoch das „wording“ des „stern-Appells“, der an einigen Stellen einfach zu provokant formuliert sei. Insbesondere die Sätze: „Aber auch manche Ärztinnen und Ärzte selbst ordnen sich zu bereitwillig ökonomischen und hierarchischen Zwängen unter. Wir rufen diese auf, sich nicht länger erpressen oder korrumpieren zu lassen“, ließen Fehlinterpretationen zu. Ein weiterer Kritikpunkt sei, dass der ambulante Sektor in diesem „stern-Appell“ gar nicht vorkomme.

Pressestelle
Bayerische Landesärztekammer

Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax: 089 4147-202
E-Mail: presse@blaek.de

15.10.2019 „Die Erlanger Dermatologie bleibt breit aufgestellt“ - Prof. Dr. Carola Berking ist seit 1.10.2019 Direktorin der Hautklinik
uni | mediendienst | aktuell Nr. 135/2019

Die Zahl der Patientinnen und Patienten mit Hautkrebs steigt. Menschen rechtzeitig zu schützen und im Ernstfall optimal zu behandeln, das hat sich die neue Direktorin der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen, Prof. Dr. Carola Berking, vorgenommen. Neben dem Fokus auf onkologischer Dermatologie möchte die gebürtige Rheinland-Pfälzerin die Erlanger Hautklinik weiterhin als Einrichtung führen, die das gesamte dermatologische und allergologische Spektrum abdeckt. Prof. Berking folgt auf Prof. Dr. med. univ. Gerold Schuler, der die Klinik 24 Jahre lang leitete und nun in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Carola Berking studierte Humanmedizin an der Universität des Saarlandes und an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), wo sie auch promovierte. Nach einem dreijährigen wissenschaftlichen Forschungsaufenthalt in Philadelphia, USA, erwarb sie 2004 den Facharzttitel für Haut- und Geschlechtskrankheiten und habilitierte zum schwarzen Hautkrebs, dem malignen Melanom. Im Jahr 2008 wurde Carola Berking auf eine W2-Stiftungsprofessur mit Schwerpunkt Dermato-Onkologie an der LMU berufen. Bis zu ihrem Wechsel nach Erlangen leitete sie als Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie des Klinikums der Universität München – der größten Hautklinik Europas – die Onkologische Abteilung.

Fokus: Hautkrebs und seine Vorstufen

Die dermatologische Onkologie beschäftigt Carola Berking seit über 20 Jahren laborwissenschaftlich und klinisch. Als Prüfärztin leitete sie zuletzt am Klinikum der Universität München über 50 klinische Studien für Patientinnen und Patienten mit malignen Melanomen und anderen bösartigen Hauttumoren. Daneben widmet sich Prof. Berking heute vor allem auch dem hellen Hautkrebs und seinen Vorstufen, den sogenannten aktinischen Keratosen. Zuletzt koordinierte die 48-Jährige federführend die kürzlich neu erschienene S3-Leitlinie „Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut“ – eine Empfehlung auf höchstem wissenschaftlichen Niveau. Bisher gab es lediglich niedriger klassifizierte Leitlinien und noch gar keine, die das Vorgehen bei Vorstufen des weißen Hautkrebses und bei manifesten Tumoren kombiniert. Prof. Berking möchte aber auch die Prävention stärken. Laut der Expertin gibt es vor allem Verbesserungspotenzial bei der Verhältnisprävention, das heißt: bei der Gestaltung von öffentlichen Plätzen, Freizeitanlagen und Arbeitsumgebungen. „Fragen sind: Hat das Babybecken im Freibad ein Sonnendach? Und gibt es auf dem öffentlichen Sportplatz überhaupt genug Schatten?“, nennt Prof. Berking zwei Beispiele.

Ein Mindestmaß an Sonne

UV-Schutz ist der wichtigste Faktor, um Hautkrebs vorzubeugen – doch ein Mindestmaß an Sonnenlicht braucht jeder Mensch. Im Rahmen des UV-Schutz-Bündnisses, das vom Bundesamt für Strahlenschutz koordiniert wird, wirkte Carola Berking deshalb an einer Empfehlung zu Vitamin D mit. „Sonnenlicht regt die körpereigene Vitamin-D-Bildung an. Die einhellige wissenschaftliche Empfehlung ist deshalb: Gesicht, Hände und Arme sollten zwei- bis dreimal pro Woche unbedeckt und ohne UV-Schutz der Sonne ausgesetzt werden – aber nur so lange, wie sich die Haut nicht rötet. Beim Hauttyp 2 heißt das zum Beispiel: circa zwölf Minuten Sonne wöchentlich. So werden die Vitamin-D-Speicher gerade jetzt vor der dunklen Jahreszeit noch einmal aufgefüllt und Mangelerscheinungen vermieden.“

Diagnostik ohne Skalpell
In der Hautkrebsdiagnostik setzt Prof. Berking auf die konfokale Laserscanmikroskopie und die optische Kohärenztomografie – nicht-invasive Verfahren, die ohne Gewebeentnahmen auskommen. „Das erspart uns Zeit und den Patientinnen und Patienten Schmerzen“, sagt sie. Haben sich tatsächlich Vorstufen von hellem Hautkrebs gebildet, werden diese vorrangig narbenlos mit Cremes oder mit der photodynamischen Therapie (PDT) behandelt – ein weiterer Schwerpunkt von Prof. Berking. Bei der PDT wird ebenfalls zuerst eine Creme aufgetragen und die betroffene Stelle anschließend mit Rotlicht bestrahlt; auch Tageslicht kann eingesetzt werden. Erst, wenn Tumoren tiefergehend sind, werden diese operativ entfernt.

Laut Carola Berking entwickeln sich hautärztliche Behandlungen immer weiter von der topischen zur systemischen Therapie – also von der örtlich aufgetragenen Salbe hin zur Tablette oder Spritze. „Zur Behandlung von schwarzem Hautkrebs können wir heute Checkpoint-Inhibitoren nutzen – Medikamente, die die körpereigene Tumorabwehr aktivieren. Psoriasis, Neurodermitis und Urtikaria behandeln wir mit modernen Antikörpertherapien. Doch diese Immuntherapien haben noch keine guten Biomarker, die das Ansprechen auf eine bestimmte Therapie vorhersagen, und viele unerwünschte Nebenwirkungen. Dies gilt es weiter zu dokumentieren, zu erforschen und zu verstehen“, sagt die Dermatologin.

Hautklinik bleibt breit aufgestellt

„Hautkrebsforschung  und -therapie sind wichtige Erlanger Standbeine, die ich fortführen und mit meiner Expertise verknüpfen möchte“, sagt Carola Berking. „Aber: Die Hautklinik des Uni-Klinikums Erlangen war immer breit aufgestellt und soll es auch unter meiner Leitung bleiben.“ Wissenschaftlich wie klinisch deckt die Hautklinik deshalb neben der Dermato-Onkologie auch die Bereiche Psoriasis, Neurodermitis, Ekzeme, Infektionen und viele andere entzündliche und autoimmunologische Hauterkrankungen ab. Urtikaria sowie die Allergologie, die Andrologie und die Versorgung chronischer Wunden stellen weitere Schwerpunkte dar. „In allen Bereichen laufen in Erlangen sehr gute Studien, in die wir fortlaufend Patientinnen und Patienten aufnehmen. Weil die Bevölkerung immer älter wird, werden uns vor allem Unterschenkelgeschwüre und andere chronische Wunden, Hauttrockenheit, medikamentenassoziierte Hauterkrankungen, aber eben auch Hautkrebsfälle in Zukunft noch stärker beschäftigen“, erwartet Prof. Berking.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Carola Berking
Tel.: 09131/85-33661
direktion.de@uk-erlangen.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau

11.10.2019 Ungewissheit als Herausforderung -„Umgang mit Unsicherheit in der Medizin“ – 18. Ethiktag des Klinischen Ethikkomitees am Samstag, 26.10.2019
uni | mediendienst | aktuell Nr. 131/2019 v

Das Gefühl von Sicherheit ist ein menschliches Grundbedürfnis – vor allem, wenn es um die eigene Gesundheit geht. Doch auch die moderne Medizin kann nicht immer oder sofort auf alle Fragen Antworten liefern. Wie Behandelnde und auch Patientinnen und Patienten den „Umgang mit Unsicherheit in der Medizin“ konstruktiv gestalten können, thematisiert der 18. Ethiktag des Klinischen Ethikkomitees des Universitätsklinikums Erlangen und der Professur für Ethik in der Medizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Bei der interdisziplinären Fortbildungsveranstaltung treffen sich am Samstag, 26. Oktober 2019, ab 10.00 Uhr Ärzte und Ärztinnen, Pflegende, Mitglieder von Ethikkomitees und Beratungsdiensten sowie weitere Interessierte in den Hörsälen Medizin, Ulmenweg 18, in Erlangen. Eine Anmeldung zur Teilnahme am 18. Ethiktag ist noch bis zum Freitag, 18. Oktober 2019, möglich.

Wird der Patient oder die Patientin auf die Chemotherapie positiv ansprechen? Wie verhalte ich mich als Arzt oder Ärztin richtig, wenn keine eindeutige Prognose vorliegt? Was ist zu tun, wenn eine medizinische Ungewissheit Konflikte zwischen Patienten und Behandelnden auslöst? Diese und viele weitere Fragen für den Umgang mit Unsicherheit in der Medizin thematisiert der 18. Ethiktag.

Unsicherheit annehmen

Wenn es auf Fragen keine eindeutigen Antworten gibt, obwohl die eigene Gesundheit bedroht ist, können existenzielle Ängste entstehen. Der interdisziplinäre 18. Ethiktag will Wege aufzeigen, wie Ärzteschaft, Pflegende und seelsorgerische Begleitung Unsicherheiten besser wahrnehmen und auch akzeptieren können. Dazu gestalten hochrangige Vortragende aus der Medizin und anderen Wissenschaften Präsentationen und Workshops mit weiterführenden Informationen und Handlungsimpulsen. Bei einer einstündigen Podiumsdiskussion diskutieren die Beteiligten den Umgang mit Unsicherheit in der Medizin nicht nur untereinander, sondern auch mit dem Plenum. Die Veranstaltung endet „letzten Fragen“ zum Schwerpunktthema „Unsicherheit im Krankheitserleben am Lebensende – zum Umgang mit existenziellen Fragen in der Medizin“.

Einladung zur Teilnahme und Berichterstattung


Medienvertreterinnen und -vertreter sind herzlich zur Veranstaltung und Berichterstattung eingeladen. Prof. Dr. med. Andreas Frewer steht als Leiter der Geschäftsstelle des Klinischen Ethikkomitees für Interviews zur Verfügung. Um Anmeldung per E-Mail wird gebeten.

Klinisches Ethikkomitee


Das Klinische Ethikkomitee (KEK) ist eine Einrichtung des Uni-Klinikums Erlangen. Es versteht sich als Diskussionsforum für ethische Fragestellungen, die sich aus der Patientenversorgung im klinischen Alltag ergeben. Das KEK hilft dabei, Behandlungsentscheidungen in schwierigen klinischen Situationen zu reflektieren und angemessen zu begründen.

Informationen zur Veranstaltung und zum Programm im Internet:
https://www.ethikkomitee.med.fau.de/
Weitere Informationen:
Prof. Dr. med. Andreas Frewer
Tel. 09131/85-26431
andreas.frewer@fau.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

09.10.2019 Blutung im Kleinhirn: OP senkt Sterblichkeit
uni | mediendienst | forschung Nr. 66/2019

Weltweit größte Metaanalyse von Patientinnen- und Patientendaten aus Deutschland und den USA veröffentlicht
In Deutschland erleiden jährlich ca. 35.000 Menschen eine akute Hirnblutung. Für Blutungen im Großhirn und deren operative Versorgung gibt es bereits aussagekräftige Studien. Im Gegensatz dazu stützen sich die internationalen Leitlinien zur Behandlung von Kleinhirnblutungen auf wesentlich weniger untersuchte Fälle. Kleinhirnblutungen machen nur circa zehn Prozent aller Fälle aus. Eine Kollaboration von Expertinnen und Experten aus Deutschland und den USA hat jetzt erstmals untersucht, wie sich eine operative Blutungsentfernung auf die Sterblichkeit und auf die funktionelle Langzeitprognose auswirkt. An der Analyse beteiligten sich insgesamt 64 Zentren unter Federführung der Neurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan Schwab) des Universitätsklinikums Erlangen. Die Studienergebnisse wurden jetzt im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht.

„Basierend auf unseren Daten und der Metaanalyse können wir Folgendes ableiten: Eine Kleinhirnblutung, deren Volumen kleiner ist als 12 Kubikzentimeter, sollte nicht operativ entfernt werden. Denn: Hierdurch wäre eher eine funktionelle Verschlechterung zu erwarten, das heißt eine körperlich-motorische Beeinträchtigung der Patientin oder des Patienten. Außerdem würde sich bei diesen Betroffenen die Überlebenswahrscheinlichkeit durch eine OP nicht grundsätzlich verbessern“, sagt der Studienleiter und leitende Oberarzt Prof. Dr. Hagen Huttner von der Neurologie des Uni-Klinikums Erlangen. „Im Gegensatz dazu senkt eine Operation bei Blutungen, die größer sind als 15 Kubikzentimeter, die Sterblichkeitsrate signifikant – im Vergleich zum konservativen Vorgehen, wie etwa dem künstlichen Koma oder einer nicht-operativen Therapie zur Senkung des Hirndrucks“, so Prof. Huttner. Einschränkend ergänzt er: „Mit einer besseren funktionellen Langzeitprognose geht eine OP allerdings nicht einher. Und für den Bereich zwischen 12 und 15 Kubikzentimetern waren die Ergebnisse nicht signifikant.“

Das übliche Vorgehen bei der operativen Entfernung einer größeren Kleinhirnblutung basierte bislang auf kleineren Studien. Diese gingen davon aus, dass den betroffenen Patientinnen und Patienten eine weitere klinische Verschlechterung droht, weil die hintere Schädelgrube räumlich begrenzt ist und der Hirnstamm durch die Blutung verdrängt werden könnte. Da in einem solchen Fall der Tod der oder des Betroffenen unmittelbar bevorstünde, befürworteten Ärztinnen und Ärzte eine Operation. Denn sie gingen zusätzlich zu einer erhöhten Überlebenswahrscheinlichkeit auch von einer besseren klinischen Prognose aus.

Höchste Aussagekraft für mittelschwere Befunde

Weil es bislang keine randomisierten Studiendaten oder größeren Beobachtungsstudien dazu gab, hat das Team um Prof. Huttner und PD Dr. Joji Kuramatsu, Oberarzt der Neurologie, die nun veröffentlichte systematische Metaanalyse durchgeführt. Im Rahmen dieser weltweit größten Untersuchung von Daten von 578 Patientinnen und Patienten mit Kleinhirnblutungen wurden Gruppen von operativ und konservativ behandelten Patientinnen und Patienten miteinander verglichen. „Die Ergebnisse unserer Auswertung sind insbesondere für mittelschwer Betroffene sehr aussagekräftig“, sagt der Erstautor der Studie, PD Kuramatsu. „Für Betroffene mit sehr kleinen oder sehr großen Blutungen sind die Befunde statistisch nicht so eindeutig.“ Joji Kuramatsu weiter: „Die Funktionalität des Gehirns 90 Tage nach Eintritt der Blutung ist bei denjenigen, die eine OP erhalten haben, mit dem Zustand derer vergleichbar, die konservativ behandelt wurden. Allerdings variierten die Ergebnisse deutlich, je nachdem, wie groß die Blutung anfänglich war.“

Bessere Kommunikation mit Angehörigen

„Die funktionelle Prognose wird insgesamt durch eine Operation nicht sicher verbessert. Allerdings senkt eine OP die Sterblichkeit. Diese Erkenntnis ist sehr hilfreich für den klinischen Alltag und für unsere Kommunikation mit Angehörigen“, fasst Studienleiter Prof. Huttner zusammen. „Unsere Untersuchung hat jetzt einen über Jahrzehnte hinweg bestehenden Therapieansatz der neurologisch-neurochirurgischen Intensivmedizin erstmals fundiert analysiert“, sagt Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan Schwab, Direktor der Neurologie des Uni-Klinikums Erlangen und Past-Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. PD Kuramatsu ergänzt: „Unsere Studienergebnisse liefern erstmals konkrete Effektgrößen, die für die Planung künftiger Forschungsarbeiten herangezogen werden können. Denn ohne diese prospektiven randomisierten Studien fehlt – auch trotz unserer Analyse – weiterhin die abschließende Gewissheit darüber, welche Patientinnen und Patienten von einer Operation profitieren.“

Link zur Studie: https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2752468

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Hagen Huttner
Tel.: 09131/85-33001
hagen.huttner@uk-erlangen.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de

https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

08.10.2019 Forschung zur Knochenregeneration wird ausgebaut
uni | mediendienst | forschung Nr. 65/2019

FAU-Forschende bringen Wissen in internationales Kompetenzzentrum für Biomaterialien ein

Die internationale Forschung im Bereich Biomaterialien und Knochenregeneration bekommt ein neues herausragendes Projekt: In Lettland entsteht das Baltic Biomaterials Centre of Excellence (BBCE). Es wird mit 15 Millionen Euro aus dem europäischen Forschungsrahmenprogramm HORIZON 2020 gefördert. Der Lehrstuhl für Biomaterialien der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist am wissenschaftlichen Aufbau des Kompetenzzentrums beteiligt.

Prof. Dr. Aldo R. Boccaccini, Lehrstuhl für Biomaterialien an der FAU, wird im BBCE die Forschungs- und wissenschaftlichen Ausbildungsaktivitäten auf dem Gebiet der bioaktiven Materialien für die Knochengewebezüchtung leiten und mit international anerkannten Forschungsteams aus Lettland und der Schweiz zusammenarbeiten.

Ziel des BBCE ist die Erforschung und Entwicklung patientenspezifischer, personalisierter Therapien für knochenbedingte Erkrankungen – von der Entwicklung geeigneter Biomaterialien für die Knochenregeneration über präklinische Untersuchungen bis hin zu klinischen Studien. Für die gemeinsamen Forschungstätigkeiten, den Austausch von technischem und wissenschaftlichem Personal und den Ausbau der Infrastruktur stehen weitere 15 Millionen Euro zur Verfügung. Sie stammen von der Regierung von Lettland, dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und lettischen Projektpartnern, die das Exzellenzzentrum fördern.

Link zum BBCE:
http://bbcentre.eu

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Aldo R. Boccaccini, Tel.: 09131/85-28601, aldo.boccaccini@ww.uni-erlangen.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220

presse@fau.de
http://www.fau.de

https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

01.10.2019 Wenn Blutgefäße zu durchlässig sind
uni | mediendienst | forschung Nr. 63/2019

Blutgefäße bieten neue Ansatzpunkte für die Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen
In Deutschland leiden etwa 400.000 Menschen an chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Am Universitätsklinikum Erlangen gelang jetzt erstmals der Nachweis, dass Fehlsteuerungen in Blutgefäßen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung solcher Krankheiten spielen. Durch die Behebung dieser Fehlsteuerung konnte in experimentellen Modellsystemen der Krankheitsverlauf deutlich verbessert werden. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Erlanger Forscherinnen und Forscher jetzt im Journal of Clinical Investigation*.

Erkrankungen des Menschen basieren häufig auf fehlgesteuerten Zellen. Bei Untersuchungen zu den Mechanismen chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen standen bisher die Epithelzellen, die die Barriere vom Darm zum umgebenden Gewebe aufbauen, und die Entzündungszellen im Vordergrund. Obwohl bekannt ist, dass Entzündungszellen nur über die Blutgefäße in die entsprechenden Gewebe gelangen können, wurde die Rolle von Blutgefäßen bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen bisher nur am Rande erforscht. Eine vertiefende Untersuchung zur Rolle von Blutgefäßen hat jetzt eine Forschergruppe der Molekularen und Experimentellen Chirurgie (Leiter: Prof. Dr. Michael Stürzl) an der Chirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Robert Grützmann) in Zusammenarbeit mit Gruppen der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Uni-Klinikums Erlangen und des Optical Imaging Centre Erlangen (OICE) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg durchgeführt.

Stark durchlässige Blutgefäße


Das interdisziplinäre Kooperationsprojekt, das im Wesentlichen Victoria Langer im Rahmen ihrer Doktorarbeit experimentell umsetzte, ergab, dass die Blutgefäße bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen besonders durchlässig (permeabel) sind. Als Ursache identifizierten die Forscherinnen und Forscher in molekularen Analysen eine fehlgesteuerte Zell-Zell-Interaktion bei den Endothelzellen. Endothelzellen bilden die Hülle von Blutgefäßen und sind für deren Dichtigkeit verantwortlich. Die Fehlsteuerung wird durch ein spezifisches Zytokin verursacht, das als Interferon-g bezeichnet wird und das im chronisch entzündeten Darmgewebe in erhöhten Konzentrationen vorliegt. Die erhöhte Permeabilität der Blutgefäße konnte an verschiedenen experimentellen Modellen und auch bei Patientinnen und Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen nachgewiesen werden.

Die große Bedeutung der Blutgefäßpermeabilität zeigte sich, als mit genetischen Verfahren am experimentellen Tiermodell die Fähigkeit von Endothelzellen, auf Interferon-g zu reagieren, gehemmt wurde und dies den Krankheitsverlauf deutlich abschwächte. Von besonderer klinischer Bedeutung ist, dass auch das Medikament Imatinib (Glivec®) die Gefäßdurchlässigkeit hemmte, was den Krankheitsverlauf ebenfalls deutlich unterdrückte. Imatinib (Glivec®) wird bisher vorwiegend in der Krebstherapie eingesetzt.

Die Studie der Erlanger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler belegt erstmals die große Bedeutung des Blutgefäßsystems bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und eröffnet neue Ansätze für die Therapie. Prof. Stürzl nahm chronisch-entzündliche Darmerkrankungen erst vor wenigen Jahren in sein Forschungsspektrum auf. Er hebt besonders die hervorragenden Kompetenzen rund um Entzündungsprozesse und optische bildgebende Verfahren hervor, die das Uni-Klinikum Erlangen und die FAU Erlangen-Nürnberg bieten und die ihm einen raschen und erfolgreichen Quereinstieg ermöglichten. Nun hat Michael Stürzl die neu erkannten Krankheitsmechanismen und neue Behandlungsmöglichkeiten im Blick. Er sagt: „Wir hoffen natürlich sehr, dass unsere Ergebnisse langfristig den Patientinnen und Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen nützen. Dies wird nicht zuletzt dadurch unterstützt, dass das Medikament, das im Tiermodell erfolgreich war, auch schon für klinische Anwendungen zugelassen ist.“
*https://doi.org/10.1172/JCI124884

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Michael Stürzl
Tel.: 09131 85-39522
michael.stuerzl@uk-erlangen.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

27.09.2019 Gebündelte Kompetenz für Nesselsuchtpatientinnen und -patienten
uni | mediendienst | aktuell Nr. 127/2019

Uni-Klinikum Erlangen qualifiziert sich für das weltweite Netzwerkprogramm UCARE

Wer sich schon einmal über den quälenden Juckreiz eines einzigen Mückenstichs geärgert hat, kann nachempfinden, wie sehr Menschen mit Nesselsucht (Urtikaria) leiden müssen: Sie spüren das brennende Kribbeln oft mehrmals täglich am ganzen Körper, und das bei chronischer Urtikaria sogar viele Monate und Jahre lang. Das Allergiezentrum (Sprecherin: Dr. Nicola Wagner) des Universitätsklinikums Erlangen erhielt jetzt die Zertifizierung als Urtikariazentrum des weltweiten Netzwerks GA²LEN (Global Allergy und Asthma European Network). Von der Teilnahme des Uni-Klinikums Erlangen am Programm GA²LEN UCARE profitieren auch die Erlanger Nesselsuchtpatientinnen und -patienten: Sie erhalten Zugang zu aktuellen Studien über diese schwer zu behandelnde Krankheit und zu den neuesten Forschungsergebnissen.

Die Haut ist stark gerötet, oft übersät von Quaddeln oder sogar Angioödemen – also Schwellungen der tieferen Hautschichten. Am schlimmsten aber ist der schier unerträgliche Juckreiz. Urtikaria ist eine der häufigsten Hauterkrankungen. Ungefähr jeder vierte Mensch erleidet sie einmal im Laufe seines Lebens. „Die akute Urtikaria verläuft meist unproblematisch und ist nach wenigen Tagen überstanden“, erklärt Dr. Nicola Wagner, Leiterin der Allergieambulanz der Hautklinik (Direktorin ab 1.10.2019: Prof. Dr. Carola Berking) des Uni-Klinikums Erlangen. Weitaus schwerer zu ertragen ist laut der Allergieexpertin die chronische Urtikaria, die sich über Monate oder sogar Jahre hinziehen kann und zudem auch teils schwieriger zu behandeln ist. „Eine chronische Urtikaria kann viele verschiedene Ursachen haben – zum Beispiel einen unbemerkten Infekt, begleitende bisher unerkannte Erkrankungen oder eine Reaktion des Körpers gegenüber körpereigenen Zellen. Deshalb ist ihre Behandlung manchmal etwas herausfordernder“, erläutert Dr. Wagner.

Verbesserte Ursachenforschung

Deshalb ist neben der medikamentösen Behandlung der Symptome die Ursachenforschung zu dieser belastenden Hauterkrankung so wichtig. „Als zertifiziertes Zentrum des UCARE-Programms erhalten wir Zugang zu den medizinischen Spitzenleistungen in der Urtikariatherapie, können uns an aktuellen Studien beteiligen und von den neuesten Forschungsergebnissen profitieren“, so Dr. Wagner. Für das Zertifikat und die Aufnahme in das GA²LEN-UCARE-Programm ließ das Uni-Klinikum Erlangen seine medizinischen Leistungen in der Diagnostik und Behandlung von Urtikariabetroffenen in 32 Kategorien überprüfen. Im Netzwerkprogramm UCARE lassen die beteiligten Allergiezentren ihre gebündelte Kompetenz in die Behandlung der Urtikaria einfließen, erforschen die Ursachen der Erkrankung vertieft und fördern in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für dieses auch psychisch sehr belastende Leiden.

Probesitzen im Nessel-Sessel zur Langen Nacht der Wissenschaften am 19.10.2019


Seit 2014 gilt der 1. Oktober jährlich als Welt-Urtikaria-Tag, um weltweit über die quälende und verbreitete Hautkrankheit zu informieren und den Austausch zwischen Dermatologinnen und Dermatologen und Betroffenen weiter zu verbessern. Für die diesjährige Lange Nacht der Wissenschaften am Samstag, 19. Oktober 2019, initiierte Dr. Wagner außerdem eine interessante Aktion, bei der sich die Besucherinnen und Besucher im wahrsten Sinne des Wortes „in die Nesseln setzen“ können: „Wir stellen einen sogenannten ,Urtikaria-Nessel-Sessel‘ auf, in dem jeder den belastenden Juckreiz der Urtikariapatientinnen und -patienten einmal selbst am ganzen Körper spüren kann“, kündigt die Allergologin an.

Weitere Informationen:
Dr. Nicola Wagner
Tel.: 09131/85-33836
nicola.wagner@uk-erlangen.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220

presse@fau.de
http://www.fau.de
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

27.09.2019 BÄK-Vizepräsidentin Lundershausen fordert konsequentes Vorgehen gegen Lieferengpässe und Qualitätsmängel
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 27.09.2019 – „Lieferschwierigkeiten bei Arzneimitteln
bedrohen zunehmend die Patientenversorgung. Die Politik muss
konsequent gegen solche Engpässe vorgehen.“ Das fordert Dr.
Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer
(BÄK) vor dem Hintergrund der intensiven Beratungen zu der
Problematik auf dem jüngsten Treffen der Deutschen Akademie
der Gebietsärzte, einem Zusammenschluss ärztlicher
Fachgesellschaften und Berufsverbände. Dabei gehe es neben
dem Schutz der Patientinnen und Patienten auch um die
Stringenz gesundheitspolitischer Entscheidungen. „Es wäre doch
eine Schildbürgerei sondergleichen, wenn Deutschland die
Impfpflicht einführt, während gleichzeitig die dafür notwendigen
Impfstoffe fehlen“, so Frau Dr. Lundershausen.
Abhilfe könnte eine nationale Arzneimittel-Reserve für
versorgungsrelevante Medikamente schaffen. Diesen Vorschlag
der Ärzteschaft hatten jüngst die Gesundheitspolitiker der
Unionsfraktion in einem Positionspapier aufgegriffen. „Welche
Medikamente in welchem Umfang vorgehalten werden müssen,
sollten Ärzteschaft und Politik gemeinsam mit Kostenträgern und
Pharmaunternehmen festlegen“, schlägt Frau Dr. Lundershausen
vor.

Aktuell listet das Bundesinstitut für Arzneimittel und
Medizinprodukte Lieferengpässe bei 239 Humanarzneimitteln auf.
Eine wesentliche Ursache für diese hohe Zahl sieht Frau Dr.
Lundershausen in der Verlagerung der Produktion in
außereuropäische Länder, verbunden mit der Konzentration auf
wenige Standorte. „Wenn die Produktion an einer Stelle stockt
oder die Qualität nicht stimmt, ist die ganze Versorgung in Frage
gestellt.“

Nach den jüngsten Arzneimittelskandalen habe der Gesetzgeber
mit der Stärkung der Koordinierungsfunktion der
Bundesoberbehörden bei gefälschten und qualitätsgeminderten
Arzneimitteln sowie der erweiterten Rückrufkompetenz die
Sicherheit in der Arzneimittelversorgung bereits verbessert.
Allerdings sei es notwendig, weitere Überwachungslücken zu
schließen. „Für eine zuverlässige und qualitativ hochwertige
Arzneimittelversorgung müssen wir wissen, welche Medikamente
wo und unter welchen Bedingungen produziert werden“, sagt die
BÄK-Vizepräsidentin. Denkbar sei beispielsweise ein
internationales Arzneimittel-Register.

Mit Sorge beobachtet sie auch die Ausbreitung resistenter Keime.
„Gerade die Industrieländer stehen hier in der Pflicht. Sie müssen
mehr in die Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika,
alternativer Therapien und besserer Testverfahren investieren.“
Frau Dr. Lundershausen verwies in diesem Zusammenhang auf
die aktive Rolle der Ärzteschaft im Kampf gegen resistente Keime.
In der ärztlichen Aus-, Fort- und Weiterbildung werden
umfangreiche Kenntnisse über Antibiotika-Resistenzen und einer
rationalen Antibiotika-Therapie vermittelt. Strategien zum
rationalen Einsatz von Antiinfektiva bilden einen Schwerpunkt der
strukturierten curricularen Fortbildung „Antibiotic Stewardship“
der Bundesärztekammer. Darüber hinaus ist das Thema
Antibiotika-Einsatz fester Bestandteil vieler weiterer
Fortbildungsangebote der Landesärztekammern.

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de


26.09.2019 Ausgezeichnete Pflege
uni | mediendienst | aktuell Nr. 126/2019

Intensivpflegeteam des Uni-Klinikums Erlangen erhält den Bayerischen Gesundheits- und Pflegepreis 2019 für ein innovatives Projekt, das künstlich beatmeten Menschen hilft

Mit der Stimme eines geliebten Menschen im Ohr finden künstliche beatmete Patientinnen und Patienten leichter zu einer selbstständigen Atmung zurück. Für die Idee und Umsetzung dieses innovativen Projekts erhielt ein dreiköpfiges Intensivpflegeteam des Universitätsklinikums Erlangen den Bayerischen Gesundheits- und Pflegepreis 2019 und damit eine der höchsten Auszeichnungen des Freistaats Bayern. Den Fachkrankenpflegerinnen Lisa Dietmar und Jana Ruppel und dem Fachkrankenpfleger Tobias Heckelsmüller von der Neuro-Intensivstation der Neurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Stefan Schwab) und der Neurochirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Michael Buchfelder) gelang es mit ihrem Projekt „Voice Weaning – Vertraute Stimmen“, die Zeit der Beatmungsentwöhnung um ein Drittel zu verkürzen.

Die Idee, Komapatientinnen und -patienten beim allmählichen Entwöhnen von der Beatmungsmaschine, dem sogenannten Weaning, von den Stimmen ihrer Angehörigen begleiten zu lassen, kam Lisa Dietmar, Tobias Heckelsmüller und Jana Ruppel während eines gemeinsames Nachtdienstes. Daraus entstand mit Unterstützung von Prof. Schwab, Direktor der Neurologie des Uni-Klinikums Erlangen, die fünfmonatige Pilotstudie „Voice Weaning – Vertraute Stimmen“. Über Kopfhörer wurden den Patientinnen und Patienten die von ihren Angehörigen auf Band gesprochenen ermutigenden Sätze sanft zu Gehör gebracht. Die Ergebnisse des Pilotprojekts belegen eindrucksvoll die positive Wirkung der vertrauten Stimmen der Angehörigen für das Weaning bei Intensivpatientinnen und -patienten: „Wir konnten dadurch die durchschnittliche Weaningzeit von 126 Stunden auf 76 Stunden reduzieren“, berichtet Tobias Heckelsmüller.

Projekt hilft auch den Angehörigen
Auch für die Angehörigen wirkte sich die Teilnahme an dem Projekt positiv aus. „Sie erhielten dadurch das gute Gefühl, ihre Liebsten in dieser Situation völliger Hilflosigkeit aktiv unterstützen zu können“, erzählt Lisa Dietmar. Im Februar 2019 startete Prof. Schwab in der Neurologie des Uni-Klinikums Erlangen auf Basis der Ergebnisse des dreiköpfigen Intensivpflegeteams eine umfangreiche Forschungsstudie über die positive Wirkung von Angehörigenstimmen während des Weanings. „Unser Ziel ist es, das Voice Weaning als Standardverfahren im Weaningprozess zu etablieren“, berichtet Tobias Heckelsmüller.

Mehrfach ausgezeichnetes Pflegeprojekt

Das innovative Projekt erhielt bereits einige Preise, unter anderem den Pflegepreis der Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin e. V., den Preis der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin für die beste Facharbeit und den Erlanger Medizinpreis. Mit dem Bayerischen Gesundheits- und Pflegepreis 2019 würdigte nun auch der Freistaat Bayern das Projekt „Voice Weaning – Vertraute Stimmen“ mit einer seiner höchsten Auszeichnungen. Damit konnte sich die Idee der drei Intensivpflegekräfte neben den beiden anderen Preisträgern aus Regensburg und München gegen insgesamt 170 nominierte Projekte aus allen Landesteilen Bayerns durchsetzen.

„Alle Nominierungen spiegeln die große Vielfalt wider, die für Verbesserungen in Gesundheit und Pflege möglich ist“, betonte Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml, die die Auszeichnung bei einem Festakt in München an Lisa Dietmar, Tobias Heckelsmüller und Jana Ruppel übergab. „Wir brauchen auch künftig kreative Ideen und Konzepte, um gesundheitliche und pflegerische Angebote zum Wohle aller gut zu organisieren“, regte die Staatsministerin an.

Der Film zum Projekt

Ein Film über das Projekt „Voice Weaning – Vertraute Stimmen“ kann hier abgerufen werden: https://youtu.be/h32SDWzgwgg. Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege 2019

Weitere Informationen:
Tanja Hofmann
Tel.: 09131/85-34135
tanja.hofmann@uk-erlangen.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

26.09.2019 Ausbildungsreform für Psychologische Psychotherapeuten - Nachbesserungen dringend erforderlich
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft

Berlin, 26.09.2019 – Nach der Reform ist vor der Reform. Dieser Grundsatz muss auch und gerade für das Ausbildungsreformgesetz für Psychologische Psychotherapeuten gelten, das heute im
Deutschen Bundestag zur Abstimmung steht. „Zwar wurden bei den parlamentarischen Beratungen wichtige Kritikpunkte der Ärzteschaft aufgegriffen. Das ändert aber nichts daran, dass dieses
Gesetz nicht die Voraussetzungen schafft, die unzureichende Vergütungssituation von Absolventen in der postgradualen Qualifikation sicher zu beseitigen. Damit wird ein wichtiges Ziel der Reform verfehlt “, sagte Dr. Heidrun Gitter, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer und Vorstands-beauftragte für die ärztliche Psychotherapie. Der Gesetzgeber habe sich nicht auf eine Lösung der eigentlichen Probleme in der bisherigen Ausbildung psychologischer Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten konzentriert. Stattdessen führe das Gesetz zu weitreichenden und für die Versorgungssicherheit der betroffenen Patienten problematischen Änderungen. Kritik an dem Gesetz üben neben der Ärzteschaft auch andere Berufsgruppen. So ruft der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen heute unter dem Motto „#WirktNichtRichtig“ zu einer Kundgebung gegen die anstehende Bundestagsentscheidung auf (http://psychthgausbrefg.de). „Wir teilen diesen Befund und bieten dem Gesetzgeber gerne unsere Unterstützung bei den dringend erforderlichen Nacharbeiten an diesem Gesetz an“, erklärte Gitter.

Aus Sicht der Bundesärztekammer ist nach wie vor unklar, für welche berufliche Tätigkeit die Bachelor- und Masterabschlüsse jeweils qualifizieren und welche Bezeichnung die Absolventen
dieser Studiengänge tragen sollen. Die BÄK warnt zudem davor, dass vor der Erteilung der Approbation kein Praktisches Jahr oder zumindest ein Praxissemester durchlaufen werden soll. Dies ist weder im Interesse der Versorgungsqualität noch des Patientenschutzes. Diese fehlende Praxisphase und die unverändert fehlende einheitliche schriftliche Abschlussprüfung
am Ende des Studiums gefährden den Wert der angestrebten Approbation. Weiterhin kritisch sieht die Bundesärztekammer die Verkürzung der bisherigen Berufsbezeichnungen „Psychologischer
Psychotherapeut“ und „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut“ auf „Psychotherapeut“. Die BÄK weist darauf hin, dass der Begriff „Psychotherapeut“ nicht nur Psychologische
Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten umfasst, sondern auch Ärztinnen und Ärzte mit einer entsprechenden Weiterbildung. Diese Fachärztinnen und Fachärzte stellen die ganzheitliche psychotherapeutische Versorgung in wesentlichem Umfang sicher. Im Einklang mit den psychologischen Berufsverbänden und Wissenschaftlern ist der
Bundesärztekammer völlig unverständlich, warum Öffentlichkeit und Patienten nicht den wissenschaftlichen Hintergrund der Qualifikation, nämlich die Psychologie, erkennen können sollen. Im Gegenteil sollte sich der Gesetzgeber klar zu einer breiten wissenschaftlichen Grundausbildung in der Psychologie im Bachelorstudium als Fundament der neuen Ausbildung bekennen.

„Wesentlich ist für uns auch der Fortbestand des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie (WBP) als ein bewährtes, von den psychotherapeutisch tätigen Berufsgruppen paritätisch besetztes wissenschaftliches Gremium“, sagte Gitter.
Denn der WBP ermögliche eine bundeseinheitliche, evidenz-basierte Anerkennungspraxis. Es erschließe sich nicht, auf welcher Basis die wissenschaftliche Anerkennung eines
psychotherapeutischen Verfahrens von „der zuständigen Behörde“ festgestellt werden soll, wie es das Gesetz vorsieht. „Gerade psychisch Kranke müssen darauf vertrauen können, dass ihre
Behandlung auf wissenschaftlich begründeten Verfahren beruht“, betonte Gitter.

Die in letzter Minute von der Regierungskoalition vorgelegten Änderungsanträge zum eigenen Gesetzesvorschlag verändern neben der Ausbildungsreform zusätzlich auch entscheidende
Vorgaben zur Patientenversorgung zu Lasten chronisch Kranker. „Diese Änderungsanträge machen deutlich, dass das vorgelegte Gesetz nicht zu Ende gedacht ist. Die Abgeordneten sollten den
Mut haben, das Gesetz zur Überarbeitung zurückzugeben“, so Gitter.

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de

25.09.2019 Personalbemessung in der Psychiatrie und Psychosomatik - BÄK: G-BA-Entscheidung gefährdet die psychiatrische und psychosomatische Krankenhausversorgung
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft

Die geplante Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Personalbemessung in der Psychiatrie und Psychosomatik verschlechtert die Situation für Patienten und Mitarbeiter massiv. Die Bundesärztekammer fordert das Bundesgesundheitsministerium auf, die Richtlinie zu beanstanden. Notwendig ist eine Personalausstattung, die eine ganzheitliche Patienten-
behandlung ermöglicht.


Berlin, 25.09.2019 – Am vergangenen Donnerstag hat der
Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) über eine neue Richtlinie
zur Personalbemessung in der Psychiatrie und Psychosomatik
entschieden, die zu Beginn des kommenden Jahres in Kraft treten
und die knapp 30 Jahre alte Psychiatrie-Personalverordnung
(Psych-PV) ablösen soll. Es ist hinlänglich bekannt, dass
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kliniken für Psychiatrie,
Psychosomatische Medizin und Kinder- und Jugendpsychiatrie seit
Jahren am Limit arbeiten. Die Hoffnung von Beschäftigten und
Patienten, dass die neue Richtlinie hier zu einer Verbesserung
führen könnte, hat sich aber mit dem aktuellen Beschluss des G-
BA zerschlagen. Das Bundesgesundheitsministerium steht in der
Verantwortung, die Richtlinie in der jetzigen Form zu stoppen und
das gesamte Verfahren neu auszurichten. Zudem muss es
geeignete Sofortmaßnahmen ergreifen, um die übergangsweisen
Personalvorgaben an die ethisch und medizinisch gebotenen
Standards anzupassen.

Dem gesetzlichen Auftrag zur Weiterentwicklung der Versorgung
und Vergütung für psychiatrische und psychosomatische
Leistungen (Psych-VVG) zufolge sollte der G-BA qualitätsbezogene
Personalmindestvorgaben festlegen, welche geeignet sind, zu
einer leitliniengerechten Behandlung beizutragen. Die
Bundesärztekammer war an diesem Verfahren per Gesetz lediglich
beratend beteiligt. Ihr Ziel war eine patientenorientierte
Personalbemessungsgrundlage, die sowohl medizinisch-
wissenschaftliche Aspekte, wie auch den sparsamen Umgang mit
begrenzten Ressourcen beinhalten sollte. Dieses Ziel hat der G-BA
trotz frühzeitiger Intervention der Bundesärztekammer klar
verfehlt. Weder wird die neue Richtlinie der rasanten
Weiterentwicklung der diagnostischen und therapeutischen
Möglichkeiten in der Psychiatrie, Psychosomatischen Medizin und
Kinder- und Jugendpsychiatrie gerecht, noch trägt sie den heute
üblichen Menschenrechtsstandards in der psychiatrischen
Versorgung ausreichend Rechnung. So sollen
Personaluntergrenzen eingeführt werden, die sich an
jahrzehntealten Standards orientieren und bei deren
Unterschreitung in Zukunft unter bestimmten Umständen ein
Vergütungsausschluss erfolgen kann. Eine geringfügige
Verbesserung für psychotherapeutische Leistungen kann dem
dringend erforderlichen Nachbesserungsbedarf im Bereich von
Pflege und Einzelbetreuung nicht abhelfen. Hier soll nur für Kinder
und Jugendliche eine leichte Verbesserung erfolgen – der ebenso
große Bedarf bei anderen Patientengruppen wurde
beiseitegelassen. Dabei werden die vom G-BA anvisierten
Nachweisverfahren zu einem deutlich erhöhten
Dokumentationsaufwand der Kliniken führen.

Vor allem aber verhindert die Richtlinie neue
sektorenübergreifende Versorgungsmodelle, die mit Blick auf die
noch anstehende flächendeckende Umsetzung der
stationsäquivalenten Behandlung für Patienten dringend
erforderlich wären. All dies bedeutet: Ärztinnen und Ärzte,
Psychologen, Pflegepersonal und Spezialtherapeuten in der
stationären psychiatrischen, kinder- und jugendpsychiatrischen
und psychosomatischen Versorgung werden nicht mehr, sondern
weniger Zeit für ihre Patienten haben. Das ist das Gegenteil einer
modernen patientenorientierten Versorgung.

Deshalb fordern Bundesärztekammer sowie viele medizinisch-
wissenschaftliche Fachgesellschaften und Verbände eine
komplette Neuausrichtung der Richtlinie. Die Personalausstattung
muss so ausgestaltet sein, dass sie eine ganzheitliche
Patientenversorgung ermöglicht. Konkrete Konzepte für eine
adäquate Orientierung der Personalbemessung am Bedarf der
Patienten liegen auf dem Tisch – werden aber durch den G-BA
nicht umgesetzt. Die Bundesärztekammer appelliert zudem an
den Gesetzgeber, dem G-BA klare Vorgaben für die
Richtlinienarbeit zu machen. Sie müssen sicherstellen, dass sich
die Personalbemessung und die Finanzierung unmittelbar auf die
gültigen fachlichen Standards beziehen. Es ist festzuschreiben,
dass die Richtlinie in der ersten Stufe nur eine Übergangslösung
sein kann und mit einem verbindlichen Zeitplan an einem
modernen und sich am Patientenbedarf orientierendem
Personalbemessungsinstrument gearbeitet wird. Nur auf diese
Weise können eine patienten- und störungsbezogene
Psychotherapie durch alle Berufsgruppen, die Autonomie der
Patientinnen und Patienten, deren Partizipation an der
Entscheidungsfindung und die Reduktion vermeidbarer
Zwangsmaßnahmen gewährleistet werden.

Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin

Ansprechpartner:
Alexander Dückers

Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de

25.09.2019 Lebenswichtige Ventile Herzklappenerkrankungen mit neuer Therapie kathetergestützt und schonend behandeln
uni | mediendienst | aktuell Nr. 124/2019

Nicht nur ein Infarkt oder verengte Herzkranzgefäße gefährden das menschliche Herz, auch Funktionsstörungen der Herzklappen können sich lebensbedrohlich auswirken. Um sie zu beheben, werden mittlerweile an der Aorten- und der Mitralklappe häufig minimalinvasive Kathetereingriffe angewendet, die vor allem älteren Patienten die belastende Operation am offenen Herzen ersparen. PD Dr. Martin Arnold, Oberarzt der Medizinischen Klinik 2 – Kardiologie und Angiologie (Direktor: Prof. Dr. Stephan Achenbach) des Universitätsklinikums Erlangen, behandelt nun auch Erkrankungen der sensiblen Trikuspidalklappe in der rechten Herzkammer erfolgreich mit einer neuen interventionellen Kathetertherapie.
Sie bestehen aus hauchdünnen Häutchen und leisten unverzichtbare Dienste für den Herzmuskel: Die vier Herzklappen des menschlichen Körpers regulieren den lebenswichtigen Blutfluss durch das Herz. Als entscheidendes Ventil im rechten Vorhof verhindert die Trikuspidalklappe den gefährlichen Rückstau des Bluts in die Venen. Kann sie sich aufgrund einer Funktionsstörung nicht mehr komplett schließen, spricht man von einer Klappenschwäche oder -insuffizienz. „Weil sich die Trikuspidalklappe in ihrer Form und ihrem Aufbau aus drei Flügeln aus sehr zartem und verletzlichem Gewebe von den beiden Herzklappen der linken Herzhälfte unterscheidet, ist sie nicht oder nur ungenügend mit den bereits etablierten minimalinvasiven Kathetermethoden behandelbar“, erläutert Dr. Arnold. „Für ihr Gegenstück, die linksseitige Mitralklappe, die nur zwei Flügel besitzt, gibt es hingegen etablierte Therapien. Bei ihr können wir die beiden Flügel beispielsweise mit einem Clip, den wir über einen Katheter bis zum Herzen führen, wieder zusammenfügen und so die Funktion wiederherstellen. Bei der Entstehung einer Insuffizienz der Trikuspidalklappe spielt die zunehmende Erweiterung des Rings der Trikuspidalklappe eine besonders wichtige Rolle. Dieses Problem wird durch die bisherigen Katheterverfahren nicht ausreichend gelöst.“

Neue minimalinvasive Therapie


Um auch die empfindliche Trikuspidalklappe mit einer interventionellen Therapie behandeln zu können, verwendet der Kardiologe eine neu entwickelte Kathetermethode: „Bei dieser wird ein Band implantiert, mit dessen Hilfe der Ring der Klappe verkleinert wird, so dass sich die Klappenflügel wieder dicht schließen können. Ein neues Verfahren, das wir bereits mehrfach erfolgreich angewendet haben“, berichtet der Kardiologe, der am Uni-Klinikum Erlangen im modernsten Herzkatheterlabor Europas arbeitet. Minimalinvasive Kathetereingriffe ersparen Patienten die chirurgische Öffnung des Brustkorbs und das Anschließen an eine Herz-Lungen-Maschine.

Lebensbedrohliche Erkrankung

„Häufig ist die Trikuspidalklappeninsuffizienz die Folge von Veränderungen der linken Herzhälfte, beispielsweise einer Schwäche der linken Kammern oder einer Erkrankung einer anderen Herzklappe. Aus Untersuchungen hat man gelernt, dass eine alleinige Behandlung der Erkrankung der linken Herzhälfte nicht ausreicht. Liegt weiterhin eine schwere Trikuspidalklappeninsuffizienz vor, ist das Überleben der Betroffenen eingeschränkt“, erläutert Dr. Arnold. Oft bleibt die Erkrankung unbemerkt, weil frühe Symptome wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit nicht mit dem Herzklappenfehler in Verbindung gebracht werden. Treten dann Symptome wie Schwellung der Beine und Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum auf, kann das Herz bereits stark geschädigt sein. Sind die Patienten dann aufgrund der fortgeschrittenen Herzschwäche oder Begleiterkrankungen nicht mehr operabel, können sie ein lebensbedrohliches Herzversagen entwickeln. „Mit dieser neuen interventionellen Therapie können wir jetzt auch Patienten mit einer Trikuspidalklappeninsuffizienz helfen, für die eine OP am offenen Herzen mit einem zu hohen Risiko verbunden wäre“, betont der Herzklappenspezialist.

Weltherztag am 29. September


Mit Blick auf den Weltherztag am Sonntag, 29. September 2019 weist Klinikdirektor Prof. Achenbach darauf hin, dass eine Herzklappenerkrankung relativ einfach zu diagnostizieren ist. „Bereits durch eine gründliche körperliche Untersuchung und das sorgfältige Abhören des Herzens mittels Stethoskop lässt sich eine Funktionsstörung der Herzklappen feststellen“, betont der Herzspezialist. „Verdachtsfälle können wir anschließend durch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, eine Echokardiografie, eindeutig abklären.“

Interview mit PD Dr. Martin Arnold

Im Vorfeld des Weltherztags steht PD Dr. Martin Arnold Medienvertretern gerne für vertiefende Fragen oder Interviews zur Verfügung.

Weitere Informationen:
PD Dr. Martin Arnold
Tel.: 09131/85-35301
martin.arnold@uk-erlangen.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220

presse@fau.de
http://www.fau.de

https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

24.09.2019 Treibstoff für die Vermehrung - Mechanismus entdeckt, wie Herpesviren an zelluläre Bausteine gelangen
uni | mediendienst | forschung Nr. 62/2019

Rund 60 bis 90 Prozent aller Erwachsenen tragen das humane Zytomegalievirus, auch humanes Herpesvirus 5 genannt, in sich. Für Schwangere, Neugeborene und Menschen, bei denen das Immunsystem durch Medikamente unterdrückt wird, kann eine Infektion ernsten Komplikationen führen. Forschungsteams der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Universitätsklinikums Tübingen haben nun herausgefunden, wie es dem Virus gelingt, sein Genom in menschlichen Zellen zu vermehren – und warum es dabei auch nicht vom Immunsystem aufgehalten wird. Ihre Ergebnisse haben sie gleich in zwei Studien im renommierten Magazin Nature Microbiology veröffentlicht*.

Viren wie das humane Zytomegalievirus (CMV) können sich im Körper nur vermehren, wenn sie über einen laufenden Nachschub von DNA-Bausteinen, den Nukleotiden, verfügen. In der Zelle sorgt ein Enzym mit dem Namen SAMHD1 dafür, dass dort zwar ausreichend, aber nicht zu viele Nukleotiden zur Verfügung stehen. Auf diese Weise schützt sich die Zelle vor Infektionserregern und das Erbgut kann fehlerfrei repliziert und repariert werden – was wiederum auch verhindert, dass Tumoren entstehen. Kommt es nun zu einer CMV-Infektion, blockieren die eindringenden Viren das Enzym. Die Folge: In der Zelle werden laufend Nukleotide produziert – und das Virus kann sich ungehindert weitervermehren. Die Ergebnisse bilden nicht nur für neuartige Therapien gegen CMV-Infektionen eine wichtige Grundlage. Die Forscherinnen und Forscher hoffen auch, im Kampf gegen Tumorerkrankungen sowie weitere akute virale Infektionen einen Schritt weiter gekommen zu sein: Aus früheren Studien ist bekannt, dass auch andere Viren sowie vermutlich Tumorzellen das Enzym SAMHD1 blockieren müssen, um sich effektiv vermehren zu können.

Link zur ausführlichen Pressemeldung:

https://www.fau.de/2019/09/news/wissenschaft/treibstoff-fuer-die-vermehrung/

Arbeitsgruppe von Prof. Gramberg am Universitätsklinikum Erlangen:

http://www.virologie.uk-erlangen.de/en/research/research-groups/research-group-of-t-gramberg/

* Links zu den Originalpublikationen:

https://www.nature.com/articles/s41564-019-0529-z

https://www.nature.com/articles/s41564-019-0557-8

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Thomas Gramberg, FAU, Tel.: 09131/85-36481, thomas.gramberg@fau.de
Prof. Dr. Michael Schindler, Uni-Klinikum Tübingen, Tel.: 07071/29-87459, michael.schindler@med.uni-tuebingen.de 

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de

https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

23.09.2019 Spitzenmedizin braucht Spitzenpflege
uni | mediendienst | aktuell Nr. 122/2019

Kampagnenstart der neuen Employer Brand des Pflege- und Funktionsdienstes am Universitätsklinikum Erlangen

Der Fachkräftemangel im Pflege- und Funktionsdienst ist landesweit bekannt und rückt aufgrund des demografischen Wandels immer weiter in das öffentliche Interesse. Mit einer Arbeitgeber-Kampagne für den Pflegebereich will das Universitätsklinikum Erlangen nun seine Position im Wettbewerb um die qualifiziertesten Fachkräfte stärken und mit einer geschärften Arbeitgeber-Marke in die Öffentlichkeit gehen.

Aktiv gegen den Fachkräftemangel


Das Universitätsklinikum Erlangen bietet seit der Gründung im Jahr 1815 Medizin auf höchstem Niveau. Diese Spitzenmedizin kann nur durch Spitzenpflege garantiert werden. Mit rund 3.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist der Pflege- und Funktionsdienst die größte Berufsgruppe am Universitätsklinikum Erlangen. Jeder Einzelne leistet seinen Beitrag zum hohen Qualitätsanspruch des Uni-Klinikums Erlangen, bringt sein Wissen sowie seine Fähigkeiten ein und entwickelt somit die Medizin mit und weiter. Um diesen Anspruch weiterhin gewährleisten zu können und die Patienten auch in Zukunft bestmöglich zu versorgen, werden weiterhin qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pflege- und Funktionsdienst des Uni-Klinikums Erlangen benötigt.

Aus diesem Grund wurde in Zusammenarbeit mit Sery* Brand Evolutions ein Markenprozess initiiert, bei dem eine strategische Positionierung des Uni-Klinikums als Arbeitgeber definiert wurde. Eingebunden waren Mitarbeiter aus unterschiedlichsten Ebenen, Funktionen und Bereichen der Pflege. Auf Basis dessen wurde eine authentische Arbeitgebermarke, mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Pflege- und Funktionsdienstes als Botschafter, entwickelt. Diese Marke wird im Rahmen einer Kampagne ab dem 1. Oktober 2019 im Großraum Erlangen, Nürnberg, Fürth und Bamberg sichtbar sein.

Zur Kommunikation der Kampagne gibt es Großflächenplakate an zentralen Orten, Poster in den Bahnhöfen der Region rund um Erlangen und Busbeklebungen. Ein wesentlicher Schwerpunkt wird auf Online-Medien gelegt, um die Zielgruppe noch exakter ansprechen zu können.

Kampagne für eine starke Arbeitgebermarke


„Wir pflegen Spitzenmedizin“ ist die Kernaussage, unter der die Kampagne steht. Sie ist prägnant, kommuniziert die wesentlichen Inhalte der Marke und bleibt in den Köpfen rasch als Synonym für eine starke Arbeitgebermarke des Uni-Klinikums Erlangen verankert.
Das „Wir“ steht für den Teamgeist, das gemeinsame Schaffen, Menschlichkeit und Emotionen, was in der Pflege von großer Bedeutung ist.
Das „Pflegen“ kann zweideutig verstanden werden – zum einen im Sinne der Tätigkeit des „Pflegens“ der Patienten, zum anderen als selbstbewusstes Selbstverständnis/hoher eigener Anspruch des Pflege- und Funktionsdienstes.

Die „Spitzenmedizin“ betont die Vorreiterrolle des Uni-Klinikums Erlangen und stellt die Pflege auf höchstem Niveau in den Fokus. Spitzenmedizin braucht Spitzenpflege – daher gibt es bei der Suche nach einem fordernden und abwechslungsreichen Job nur eine Wahl: das Uni-Klinikum Erlangen.

Aus den Kernerkenntnissen und der Marke wurden zudem drei Aussagen der Kampagne abgeleitet und entwickelt: „Wir pflegen miteinander“, „Wir pflegen Wissen“ und „Wir pflegen Karrieren“.

Mit über 70 Darstellern aus den eigenen Pflegeteams wurden die Kampagnensujets sowie drei Spots produziert.

Know-how-Transfer durch Akademie

Mit über 700 Azubis bzw. Berufsfachschülerinnen und -fachschülern zählt das Uni-Klinikum Erlangen zu den größten Arbeitgebern in Mittelfranken und ist dafür auch über seine Grenzen hinaus bekannt. Von Gesundheits- und Krankenpflegern (GUK) und Gesundheits- und Kinderkrankenpflegern bis hin zu Operationstechnischen Assistenten (OTA) und Anästhesietechnischen Assistenten (ATA) bietet das große fachliche Spektrum viele verschiedene Ausbildungswege, in welchen die Lernenden hervorragend auf das Berufsleben vorbereitet werden.

Neben der Ausbildung bietet die Akademie für Gesundheits- und Pflegeberufe ein anspruchsvolles Bildungsangebot auf höchstem Niveau, welches über die bayerischen Landesgrenzen hinaus für sein Fort- und Weiterbildungsprogramm bekannt ist.

Top-Arbeitgeber in Deutschland

Als Pflegefachkraft am Uni-Klinikum Erlangen ist man Teil eines breit aufgestellten und bestens vernetzten Teams, das täglich Spitzenleistungen vollbringt. Nicht umsonst zählt das Uni-Klinikum Erlangen zu den deutschen Vorreitern in der Spitzenmedizin! Die Zusammenarbeit der mehr als 7.700 Mitarbeiter ermöglicht es, die Patientinnen und Patienten optimal zu betreuen und zu versorgen, denn die Spitzenmedizin ist die Summe vieler Teile!

Über das Universitätsklinikum Erlangen


Das Universitätsklinikum Erlangen wurde 1815 gegründet und zählt seit über 200 Jahren zu den deutschen Vorreitern in Bezug auf die Spitzenmedizin. Mit mehr als 7.700 Mitarbeitern, 25 Klinken, 18 selbstständigen Abteilungen sowie 7 Instituten und 1.394 Betten ist es ein Haus der Maximalversorgung, in dem täglich die neuesten medizinischen Methoden und Erkenntnisse zum Einsatz kommen. Dies sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Mitarbeiter und die hochmodern ausgestatten Arbeitsplätze ermöglichen eine optimale Betreuung und Versorgung der Patienten.

Fact Sheet Universitätsklinikum Erlangen
Gegründet: 1815
Firmensitz: Erlangen (Bayern)
Beschäftigte:
über 7.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Davon rund 3.200 Mitarbeiter im Pflege- und Funktionsdienst und über 1.200 Ärzte
Klinikum:
1.394 Betten
Einer der besten Ausbildungsbetriebe
25 Kliniken
18 selbständige Abteilungen
7 Institute
7 Berufsfachschulen
Über 700 Auszubildende

Unsere Vision: Die interprofessionelle und interdisziplinäre Zusammenarbeit am Universitätsklinikum Erlangen ermöglicht eine optimale Betreuung und Versorgung der Patienten. Jeder Einzelne kann seinen Beitrag zur Spitzenmedizin leisten, sein Wissen und seine Fähigkeiten einbringen und diese mit- und weiterentwickeln.

Landingpage mit allen drei Spots: www.wir-pflegen-spitze.de
Bildmaterial zum Download:

https://www.fau.de/files/2019/09/19_PD_Start_Kampagne_01_presse.jpg
https://www.fau.de/files/2019/09/19_PD_Start_Kampagne_05_presse.jpg

 

Weitere Informationen:
Reiner Schrüfer
Pflegedirektor Universitätsklinikum Erlangen
pflegedirektion@uk-erlangen.de
Tel.: 09131/85-36761

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/
 
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de

https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

20.09.2019 Welt-Alzheimertag - Reinhardt: Menschen mit Demenz am alltäglichen Leben teilhaben lassen
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft

Berlin, 20.09.2019 – „Es ist wichtig, Menschen mit Demenz offen und unvoreingenommen gegenüberzutreten und sie am alltäglichen Leben teilhaben zu lassen. Damit kann jeder Einzelne
einen Beitrag dazu leisten, dass an Demenz Erkrankte und pflegende Angehörige nicht in die Isolation getrieben werden.“
Das sagte Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), anlässlich des Welt-Alzheimertages am 21. September. Der Tag steht in diesem Jahr unter dem Motto „Demenz. Einander
offen begegnen“.
Reinhardt wies darauf hin, dass die Zahl der alten und hochbetagten Menschen in Deutschland seit Jahren steigt. Daher sei es dringend notwendig, ambulante und teilstationäre
Pflegeangebote sowie betreute Wohngruppen auszubauen und stationäre Einrichtungen mit ausreichend Personal auszustatten.
„Die Betroffenen haben in unserer Wohlstandsgesellschaft einen Anspruch auf die bestmögliche Betreuung und ein möglichst lange selbstbestimmt geführtes Leben“, so Reinhardt.

Ein wichtiger Baustein ist dabei die kompetente Begleitung durch Ärztinnen und Ärzte. So können Verfahren zur Gedächtnisförderung, körperliche Aktivitäten oder Musik die Leistungsfähigkeit stimulieren und das Fortschreiten der Demenzerkrankung etwas verlangsamen. Die Bundesärztekammer hat eine Vielzahl entsprechender Fortbildungsmaßnahmen für Ärztinnen und Ärzte entwickelt, die von den Landesärztekammern anerkannt sind und flächendeckend angeboten werden.
Zudem hat das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin im Auftrag der Bundesärztekammer zwei kompakte und allgemein verständliche Informationsblätter zum Thema Demenz
veröffentlicht. Die Kurzinformation „Demenz – mehr als nur vergesslich“ gibt einen Überblick über die Krankheit: Sie informiert über die verschiedenen Erscheinungsformen und erläutert die
Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten. Das Informationsblatt richtet sich an Menschen, die mehr über Demenz wissen möchten oder befürchten, betroffen zu sein. In
der zweiten Kurzinformation „Demenz – eine Herausforderung für Angehörige“ stehen die Angehörigen im Mittelpunkt. Sie finden darin Hinweise, wie sie einem demenzkranken Menschen helfen
können und was sie vor allem für sich selbst tun können.

Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben in Deutschland rund 1,7 Millionen Menschen mit Demenz. Die meisten von ihnen sind an Alzheimer erkrankt. Bis zum Jahr 2050
wird ein Anstieg auf rund drei Millionen Betroffene erwartet.

Patienteninformation im Internet:
https://www.bundesaerztekammer.de/patienteninfo-demenz

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Ansprechpartner:
Alexander Dückers

Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de

20.09.2019 Gründung einer Selbsthilfegruppe für JUNGE ERWACHSENE MIT KREBS
Bayerische Krebsgesellschaft Nürnberg

Wir wollen in Nürnberg mit einem regionalen Treffpunkt der „Deutschen Stiftung für junge Erwachse mit Krebs“ für junge Betroffene und ihre Angehörigen im Alter von 18-40 Jahren sowie junggebliebene ältere Menschen eine Plattform zur Vernetzung einrichten.
Wir möchten gezielt...
...die gegenseitige Unterstützung im Umgang mit der Krankheit fördern,
...Hilfe bei bürokratischen Fragen zu z.B. Anträgen, Kassenleistungen, etc. anbieten,
…einen Platz für den gegenseitigen Erfahrungsaustausch schaffen sowie
...die Möglichkeit bieten, altersspezifische Probleme im Alltag mit Krebs mit Betroffenen und    Angehörigen zu besprechen.

Das 1. Treffen findet am 2. Oktober 2019 um 17 Uhr
in den Räumen der Bayerischen Krebsgesellschaft, Marientorgraben 13, 90402 Nürnberg, statt.
{5 Min. von der U-Bahnhaltestelle Hauptbahnhof entfernt od. Straßenbahn Linie 8, Haltestelle Marientor, direkt vor der Tür}
Die weiteren Treffen finden jeden 1. Mittwoch im Monat um 17 Uhr statt.
Komm(t) einfach vorbei! Eine Anmeldung ist nicht erforderlich!
Weitere Infos zur Gruppe:
0911 / 495 33 (Bayerische Krebsgesellschaft Nürnberg) oder
0911 / 234 94 49 (Kiss Nürnberg-Fürth-Erlangen – Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen)

19.09.2019 Reinhardt: „Klimaschutz ist immer auch Gesundheitsschutz“
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft

Berlin, 19.09.2019 – „Gesundheit und Wohlergehen der Menschen hängen ganz wesentlich vom Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen ab. Klimaschutz ist deshalb immer auch Gesundheitsschutz. Es ist unsere ärztliche Pflicht, auf diese Zusammenhänge aufmerksam zu machen und uns für die
Einhaltung der Pariser Klimaschutzziele einzusetzen.“ Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt vor dem weltweiten Klima-Aktionstag am 20. September 2019 in Berlin.

Reinhardt kündigte an, dass sich der nächste Deutsche Ärztetag im Mai 2020 intensiv mit den gesundheitlichen Auswirkungen der Erderwärmung auf die Gesundheit befassen wird. „Wir wollen
gemeinsam mit ausgewiesenen Experten sowohl die direkten Folgen des Klimawandels auf den menschlichen Körper, als auch die indirekten Folgen für die globale Gesundheit diskutieren.
Unser Ziel ist es, dass auch gesundheitliche Aspekte in die Klimapolitik der Bundesregierung mit einfließen.“

Mit den direkten Folgen von Hitzeereignissen beschäftigten sich Wissenschaftler Anfang August in einem Schwerpunktheft des Deutschen Ärzteblattes (Web-Links siehe unten). Dazu zählen eine mögliche Zunahme von Herzinfarkten und Hitzeschlägen sowie ein temperaturbedingter Anstieg der Zahl von Wundinfektionen. Hinzu kommen indirekte gesundheitliche Auswirkungen und Risiken als Folge der Klimaänderungen: Hierzu gehören die Beeinträchtigung der Qualität und Quantität von
Trinkwasser und Lebensmitteln, eine längere Leidenszeit für Menschen mit Pollenallergien sowie das vermehrte Auftreten von tierischen Krankheitsüberträgern, wie Zecken oder Stechmücken.

Weitere spürbare Folgen des Klimawandels sind Extremwetterereignisse, Stürme, Überschwemmungen, Hitzewellen, Dürren und Waldbrände. Es ist davon auszugehen, dass sich diese auch auf bereits vorhandene Gesundheitsrisiken wie Armut, Hunger und Unterernährung auswirken.

Reinhardt: „Das Ausmaß klimabedingter Gesundheitsfolgen kann die Leistungsfähigkeit der Gesundheitssysteme weltweit auf Dauer an ihre Belastungsgrenzen bringen. Damit wird der Klimawandel auch zu einer zentralen Gesundheitsfrage des 21. Jahrhunderts.“

Weiterführende Informationen:

t Deutsches Ärzteblatt: „Zukünftige Häufigkeit
temperaturbedingter Herzinfarkte in der Region Augsburg“
http://daebl.de/GT29
t Deutsches Ärzteblatt: „Assoziation von Klimafaktoren mit
Wundinfektionsraten“
http://daebl.de/KC27
t Deutsches Ärzteblatt: „Gesundheitsgefahren und
Interventionen bei anstrengungsbedingter Überhitzung“
http://daebl.de/AH92

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
Ansprechpartner:
Alexander Dückers

Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de

17.09.19 Feinfühliger Riese: weltweit erster Magnet-Roboter im SEON
uni | mediendienst | aktuell Nr. 117/2019

Magnet-Roboter macht Nanomedizin so präzise wie noch nie – Sektion für Experimentelle Onkologie und Nanomedizin feiert zehnjähriges Bestehen

Ein Roboter-Riese in der Welt der Nanomedizin: Der steht nun in der Sektion für Experimentelle Onkologie und Nanomedizin (SEON) der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro) des Universitätsklinikums Erlangen. Zwei Tonnen wiegt der Roboter – trotzdem sind seine Bewegungen feinfühliger als die der menschlichen Hand. Er arbeitet halbautomatisch: „Programmieren und steuern müssen ihn speziell geschulte Mitarbeiter, das passiert nie ganz autonom“, erklärt SEON-Leiter Prof. Dr. Christoph Alexiou. Der Roboter soll die SEON-Experten künftig beim Magnetischen Drug Targeting unterstützen: Dabei werden Nanopartikel aus Eisenoxid mit Medikamenten beladen und dann mit magnetischer Unterstützung gezielt in erkranktes Gewebe geführt – zum Beispiel in einen Tumor oder in entzündete und verkalkte Gefäße. Das macht Therapien effektiver und nebenwirkungsärmer.

In diesem Jahr feiern Prof. Alexiou und das SEON-Team das zehnjährige Jubiläum ihrer Einrichtung. Jüngster Meilenstein ist der neue Magnet-Roboter. „So wie die Robotik die Industrie revolutioniert hat, so erleben wir das jetzt auch in der Medizin“, erklärt Christoph Alexiou. „Wir haben das einzige Gerät dieser Art weltweit. Es wird die Nanomedizin auf ein neues Level heben. Wenn wir die entsprechenden Gelder dafür bekommen, können wir mit dem Magnet-Roboter schon in wenigen Jahren Patienten behandeln.“

Ein Roboter, der „weiß“, was er tut

Der Roboter soll die Ärzte im Kampf gegen Tumoren, Arteriosklerose, aber auch gegen Herz-Kreislauf- und Infektionskrankheiten unterstützen. „Wir haben die großen Volkskrankheiten im Blick“, bringt es Prof. Alexiou auf den Punkt. Bald soll dieses Szenario Realität sein: Der Patient liegt entspannt auf der Behandlungsliege. Über einen Katheter in der Leiste – ähnlich wie bei einer Herzkatheteruntersuchung – injizieren ihm die Ärzte ein Kontrastmittel und stellen auf einem Röntgenbild Gefäße, Gewebe und Organe dar. Auch solide Tumoren – zum Beispiel im Kopf-Hals-Bereich oder in der weiblichen Brust – sowie Gefäßverkalkungen (Plugs) werden in dieser sogenannten Angiografie sichtbar, inklusive ihrer genauen Lage und Größe. Ebenfalls über einen Katheter injizieren die Ärzte dem Patienten dann magnetische Nanopartikel aus Eisenoxid. Diese führen ein Medikament im „Huckepack“ mit sich. Sind die Partikel samt Wirkstoff im Körper angekommen, gleitet die Magnetspitze des Roboters sanft an der Haut des Patienten entlang und führt die Eisenoxidteilchen mithilfe eines Magnetfeldes genau an die Stelle, an der das Medikament – zum Beispiel ein Chemotherapeutikum – wirken soll. Im Tumor und in den befallenen Lymphknoten angelangt, reichert sich das Arzneimittel in den Krebszellen an und zerstört schließlich ihre DNA. „Das alles geschieht unheimlich präzise und unter permanenter Bildkontrolle“, erklärt Dr. Stefan Lyer, Biologe und stellvertretender SEON-Leiter. „Der Roboter ‚fühlt‘ sozusagen das Magnetfeld, ‚sieht‘ dank der Bildgebung den Tumor vor sich, und wird von uns so programmiert, dass er exakt die richtige Körperstelle trifft, mit exakt der richtigen Magnetfeldstärke“, so Dr. Lyer weiter. „Solche präzisen und koordinierten Bewegungen könnte die menschliche Hand nicht ausführen – und vor allem nicht reproduzieren. Der Roboter kann jedes Bewegungsmuster exakt wiederholen.“ Mensch und Maschine arbeiten hier Hand in Hand, denn zu jeder Zeit bedient ein geschulter Experte die kleine Steuerkonsole, die dem Roboter seine Kommandos gibt.

Eine Dekade SEON
Die Sektion für Experimentelle Onkologie und Nanomedizin an der HNO-Klinik des Uni-Klinikums Erlangen leistet seit zehn Jahren innovative Forschungs- und Pionierarbeit im Bereich Nanotoxikologie und Nanomedizin. SEON beschäftigt heute 18 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die weitgehend mithilfe von Drittmitteln finanziert werden – darunter Ärzte, Biologen, Chemiker, Pharmazeuten und Nanotechnologen. Elf Millionen Euro an Drittmitteln hat Prof. Alexiou bis heute für SEON eingeworben. Er ist Leiter der Sektion, Oberarzt der Erlanger HNO-Klinik und Inhaber der Else Kröner-Fresenius-Stiftungsprofessur am Uni-Klinikum Erlangen – der ersten Nanomedizin-Professur Deutschlands. Christoph Alexious Vision: (Krebs-)Medikamente sollen nur noch genau dort im Organismus wirken, wo sie gebraucht werden. Damit wären etwa Chemotherapien deutlich effektiver und ihre Nebenwirkungen viel geringer als heute. Denn bislang breiten sich Wirkstoffe gegen Krebs im ganzen Körper aus und erreichen das Tumorgewebe nur teilweise. Die Nanopartikel für das Magnetische Drug Targeting – also die zielgerichtete, magnetgesteuerte Medikamentengabe – werden in Hochreinheitslabors der Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen eigens für SEON hergestellt. Es handelt sich um Teilchen in Nanometergröße – so klein wie der millionste Teil eines Millimeters. Prof. Alexiou und sein Team haben die gut verträglichen, medizinisch wirksamen Eisenoxidpartikel bereits in vitro und in vivo getestet und vielversprechende Erfolge verzeichnet. „In der Nanomedizin haben wir unser größtes Ziel aber weiterhin klar vor Augen: die Translation – die Überführung in die Klinik, zum Patienten. Mit dem neuen Roboter kommen wir dem ein großes Stück näher“, sagt Christoph Alexiou. Und auch ein Nanomedizin- und Nanotoxikologiezentrum Bayern (NZB) gehört zu den Zukunftsvisionen des Oberarztes. Er erklärt: „Das soll ein Ort werden, an dem wir die Infrastruktur dafür schaffen, Patienten nanomedizinisch zu behandeln.“ SEON wurde bisher unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen seines Spitzenclusters „Exzellenzzentrum für Medizintechnik“ gefördert sowie vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz und der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Festsymposium und Jubiläumsband
Erzielte Erfolge feiern und den Blick in die Zukunft richten – dazu lädt das SEON-Team am Mittwoch, 18. September 2019, ab 13.00 Uhr im Rahmen eines Festsymposiums mit mehr als 250 deutschen und internationalen Gästen und namhaften Referenten ein (Rudolf-Wöhrl-Hörsaal, Östliche Stadtmauerstraße 11, Erlangen). Weitere Highlights, Hintergrundinformationen, Interviews und vieles mehr aus zehn Jahren SEON bietet auch die jetzt erschienene, über 100 Seiten umfassende Jubiläumsfestschrift.

Weitere Informationen:
Pressestelle des Uni-Klinikums Erlangen
Tel.: 09131 85-36102
presse@uk-erlangen.de
Prof. Dr. Christoph Alexiou
Tel.: 09131 85-34769
christoph.alexiou@uk-erlangen.de
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220

presse@fau.de
http://www.fau.de

https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

13.09.2019 Welttag der Patientensicherheit - BÄK-Präsident Reinhardt: „Patientensicherheit muss oberste Priorität haben“
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft

„Das Wohl des Patienten steht an erster Stelle – dieser Grundsatz ärztlichen Handelns ist so alt wie die Medizin selbst. Für uns Ärzte ist er Ansporn und Verpflichtung zugleich, uns für eine positive Sicherheitskultur in Kliniken und Praxen einzusetzen. Gleiches erwarten wir von Politik und Kostenträgern. Qualität und Sicherheit müssen die Treiber im Gesundheitswesen sein – nicht Wettbewerb und Kostendruck. Patientensicherheit ist nicht verhandelbar.“ Das betonte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt vor dem ersten Welttag für Patientensicherheit
am 17. September in Berlin.
„Zeit für das Gespräch mit den Patienten, für den interdisziplinären und interprofessionellen Austausch sowie für die Reflexion des eigenen Handelns tragen entscheidend dazu bei, Fehler zu vermeiden. Diese Zeit fehlt jedoch häufig. Stattdessen arbeiten Ärzte und andere Gesundheitsberufe am Limit, um die Folgen des Wettbewerbsdrucks und der Arbeitsverdichtung für die
Patienten zu mildern“, sagte der BÄK-Präsident. Notwendig sei ein klares Bekenntnis von Politik und Kostenträgern zu Patientensicherheit – mit genauso klar erkennbaren Konsequenzen für die Versorgung. Eine kontinuierliche Nachwuchsförderung gehöre ebenso dazu, wie die Finanzierung
von Versorgungsstrukturen, die sich am tatsächlichen Behandlungsbedarf ausrichten.

Reinhardt verwies auf zahlreiche Maßnahmen und Initiativen der Ärzteschaft zur Steigerung der Patientensicherheit. Dazu zählen unter anderem Qualitätszirkel, Peer-Reviews, aber auch Konsile, Tumorkonferenzen oder Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen.
Auf institutioneller Ebene unterstützt unter anderem das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin, eine gemeinsame Einrichtung von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher
Bundesvereinigung, die Qualitätssicherung der ärztlichen Berufsausübung. Wichtige Erkenntnisse für die Fehlerprävention werden auch aus den Daten der Gutachterkommissionen und  Schlichtungs-stellen der Ärztekammern gewonnen, die bundesweit erfasst und für Fortbildungen und Qualitätssicherungsmaßnahmen ausgewertet werden.

Reinhardt: „Die Förderung von Qualität und Patientensicherheit ist nicht nur integraler Bestandteil ärztlicher Berufsausübung. Sie ist eine Gemeinschaftsaufgabe, der sich neben den Gesundheits-  berufen auch Kliniken, Kostenträger und die Politik stellen müssen. Patientensicherheit ist eine Verpflichtung für uns alle.“

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de

12.09.2019 Reinhardt bietet künftiger EU-Kommission enge Zusammenarbeit an
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft

Berlin, 12.09.2019 – Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt hat die Entscheidung der künftigen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßt, dass es auch in Zukunft ein eigenes Gesundheitsressort auf europäischer Ebene geben wird. Dies zeige, dass die neue Kommission dem Thema Gesundheit die angemessene hohe Bedeutung beimisst.
„Wir freuen uns auf eine gute und enge Zusammenarbeit mit der neuen EU-Kommission“, sagte Reinhardt anlässlich der Nominierung der zypriotischen Politikerin Stella Kyriakides als
neue EU-Gesundheitskommissarin. Die Ärzteschaft sei immer offen für den Dialog, solange es dabei um die Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung in Europa geht. Ansatzpunkte sieht
Reinhardt unter anderem beim gemeinsamen Kampf gegen Antibiotikaresistenzen, der Vermeidung von Lieferengpässen für Arzneimittel und der Förderung von Forschung und Innovation.


Gleichzeitig stellt der BÄK-Präsident aber klar: „Wir erwarten, dass
die Kommission den Vertrag von Lissabon einhält. Und der
formuliert sehr eindeutig: Die Organisation der
Gesundheitssysteme ist Sache der Mitgliedsstaaten.“ Die immer
neuen Anläufe, die Gesundheitsversorgung im Sinne der
Wirtschaft europaweit zu vereinheitlichen oder
Behandlungsstandards zu nivellieren, seien damit nicht zu
vereinbaren. „Solchen Übergriffen werden wir uns auch in Zukunft
entschieden entgegenstellen“, so Reinhardt.

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de

11.09.2019 FAU-Forscher für Deutschen Zukunftspreis nominiert
uni | mediendienst | aktuell Nr. 112/2019

Neuroradiologe Prof. Dr. Arnd Dörfler entwickelt Ultra-Hochfeld-Magnetresonanztomographen von Siemens Healthineers mit

Prof. Dr. Arnd Dörfler, Leiter der Neuroradiologie am Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist für den Deutschen Zukunftspreis 2019 nominiert worden. Im für die Auszeichnung vorgeschlagenen Dreierteam mit Siemens-Healthineers-Mitarbeiterin Dr. Christina Triantafyllou und dem Heidelberger MR-Physiker Prof. Dr. Mark E. Ladd repräsentiert Dörfler die klinische Forschung. Bereits die Nominierung würdigt die bahnbrechenden Forschungs- und Entwicklungsleistungen der Wissenschaftlerin und der beiden Wissenschaftler: Sie erzielten mit der Entwicklung des ersten für die klinische Nutzung zugelassenen Ultra-Hochfeld-MRT einen weltweiten Durchbruch für die Präzisionsmedizin. Damit kann künftig selbst Patientinnen und Patienten mit winzigen krankhaften Strukturveränderungen im Gehirn – bis dahin in der Bildgebung kaum sichtbar – wirkungsvoll geholfen werden. Die Jury trifft ihre Entscheidung am 27. November, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verleiht den Deutschen Zukunftspreis 2019 am selben Abend noch in Berlin.

Multiple Sklerose (MS) und Epilepsie gehören zu den häufigsten neurologischen Krankheiten. Allein in Deutschland leiden mehr als 200.000 junge Erwachsene an MS, von Epilepsie sind sogar rund eine halbe Million Menschen betroffen. Gerade bei MS-Betroffenen sind frühzeitige Diagnose und schneller Therapiebeginn von großer Bedeutung, um eine spätere Behinderung zu verzögern oder ganz zu verhindern. Aber auch bei Epilepsie ist es bei ausgewählten Patientinnen und Patienten für eine gezielte Behandlung essenziell, Epilepsieherde präzise zu identifizieren, um chirurgische Eingriffe genauer zu planen. Doch im Frühstadium solcher Erkrankungen sind die Veränderungen im Gehirn häufig noch nicht so ausgeprägt, dass sie mit den klinisch etablierten MRT-Systemen bei geringeren Feldstärken diagnostiziert werden könnten. Bis zur Diagnose und zum Therapiebeginn vergeht daher oft wertvolle Zeit.

Mit dem Ultra-Hochfeld-MRT des Magnetom Terra von Siemens Healthineers gelingt es nun, durch einen deutlich höheren Kontrast und Detailgrad in der Bildgebung selbst winzige Veränderungen im Submillimeterbereich darzustellen. Darüber hinaus kann das Gerät durch innovative metabolische und funktionelle Bildgebungstechnologien sogar krankhafte Veränderungen auf Stoffwechselebene sichtbar machen, die in der strukturellen Bildgebung gar nicht zu sehen sind.

Der Grund: Für Magnetom Terra wurde eigens ein neuartiger aktiv abgeschirmter Magnet entwickelt, der mit einer Feldstärke von 7 Tesla operiert – etwa dem 140.000-fachen des Erdmagnetfeldes. Trotzdem ist das Gerät bei höherer Leistungsfähigkeit nur halb so schwer wie die Magnete der bisherigen Forschungssysteme und kann so leichter transportiert und einfacher in die bestehende Infrastruktur von Kliniken integriert werden.

Für die Entwicklung einer solchen Hochleistungsmaschine ist es unerlässlich, neben Ingenieurinnen und Ingenieuren sowie MR-Physikerinnen und -Physikern von Anfang an die Medizin und die klinische Forschung mit einzubeziehen. Das interdisziplinäre Team am Universitätsklinikum Erlangen um den Neuroradiologen Arnd Dörfler und den Radiologen Prof. Dr. Michael Uder, Direktor des Radiologischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen, war daher bereits in der Entwicklungsphase eine der treibenden Kräfte für diesen gelungenen Technologietransfer. „Der klinische Aspekt ist einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren“, erklärt Prof. Dörfler. „Seit dem Beginn der Forschungspartnerschaft mit Siemens Healthineers im Jahr 2015 steht das Gerät direkt bei uns im Klinikum. So konnte es schon in der Entwicklungsphase am Menschen genutzt werden und liefert für unsere Patienten einen erheblichen klinischen Mehrwert. Dank des erfolgreichen Einsatzes an einer so hohen Zahl von Probanden und Patienten konnte Siemens Healthineers auf Basis der Erlanger Daten bereits im August 2017 die klinische Zulassung für Neurobildgebung und muskuloskelletales Imaging erlangen – weltweit ein Novum.“ Und Prof. Uder ergänzt: „Wir arbeiten im Moment daran, unsere Erkenntnisse auf andere Anwendungsgebiete zu übertragen. Ziel ist auch hier, zusammen mit den Ingenieurinnen und Ingenieuren von Siemens Healthineers eine klinische Zulassung für weitere Organsysteme zu ermöglichen. Dabei liegt unser Fokus nicht nur auf der Darstellung der Morphologie sondern insbesondere auch auf der Untersuchung funktioneller Aspekte.“

Aus Dörflers Sicht steht gerade dieser translationale Ansatz – also die unmittelbare Kombination von Entwicklung, Forschung und dem Einsatz am Patienten – für den Erfolg: „Für uns ist die 7-Tesla-MRT auch aus wissenschaftlicher Perspektive ganz entscheidend. Man kann mit so einem Ultra-Hochfeld-MRT nicht einfach loslegen wie wenn man etwa in einen Neuwagen einsteigt und losfährt. Ähnlich wie in der Formel 1 verlangt so ein Gerät permanente Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Insofern stehe ich im Team der Nominierten nur stellvertretend für die Leistung, die viele Forscher und Mediziner an der FAU und am Universitätsklinikum Erlangen gemeinsam erbracht haben – angefangen bei meinem radiologischen Kollegen Michael Uder und vielen klinischen Kooperationspartnern bis hin zu unserer leistungsstarken MR-Physik, repräsentiert durch die FAU-Professoren Armin Nagel, Frederik Laun und Moritz Zaiss. Auch wäre diese Erfolgsgeschichte ohne die stetige Unterstützung der Direktion des Universitätsklinikums, des Dekans der Medizinischen Fakultät und des FAU-Präsidenten nicht möglich.“

Über die Nominierung eines FAU-Forschers für den Deutschen Zukunftspreis 2019 freut sich ganz besonders auch FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger: „Ich bin unglaublich stolz darauf, dass nach der Nominierung unseres Forscherteams um Peter Wasserscheid, Wolfgang Arlt und Daniel Teichmann im vergangenen Jahr nun 2019 ein weiterer Wissenschaftler unserer FAU für den Deutschen Zukunftspreis vorgeschlagen ist. Dieser Erfolg zeigt einmal mehr, dass die FAU die Auszeichnung als innovationsstärkste Universität in Deutschland zu Recht trägt. Denn der Zukunftspreis würdigt ja vor allem die Übersetzung von Forschungsleistung in die Anwendung – und damit den Beitrag, den die Universität zum gesellschaftlichen Fortschritt und vor allem zum Wohl der Menschen in diesem Land – und darüber hinaus – leistet.“

Die Partnerschaft zwischen Siemens Healthineers, FAU und Universitätsklinikum Erlangen zur Grundlagen- und Methodenforschung auf dem Gebiet der Ultrahochfeld-MRT soll in den kommenden Jahren intensiv fortgeführt werden. Dank der Dual-Mode-Funktionalität kann der Nutzer oder die Nutzerin am Gerät unmittelbar zwischen klinischer Nutzung und Forschungsanwendung wechseln. Damit bietet das System die ideale Plattform für eine translationale Forschung – neueste Forschungsergebnisse können somit auch künftig zeitnah den Patientinnen und Patienten zugutekommen.

Der Deutsche Zukunftspreis wurde 1997 vom damaligen Bundespräsidenten Prof. Dr. Roman Herzog ins Leben gerufen und gilt seither als Symbol für die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit und Innovationskraft Deutschlands. Zu den wichtigsten Auswahlkriterien der Jury gehören, neben der Forschungsleistung, auch die Patent- und Marktfähigkeit der Entwicklung.

Bildmaterial steht zum Download bereit unter:

https://www.fau.de/2019/09/header/fau-forscher-fuer-deutschen-zukunftspreis-nominiert/

Informationen zum Deutschen Zukunftspreis finden Sie unter:
https://www.deutscher-zukunftspreis.de/de

Weitere Informationen:

FAU-Pressestelle
Tel.: 09131/85-70 229
presse@fau.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter
http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220

presse@fau.de
http://www.fau.de
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

11.09.2019 Suizid bei Jugendlichen verhindern
uni | mediendienst | forschung Nr. 60/2019

Die weltweit zweithäufigste Todesursache bei Jugendlichen zwischen 15 und 29 Jahren ist die Selbsttötung. Jährlich nehmen sich in Deutschland rund 500 junge Menschen das Leben, was neun Prozent aller Todesfälle entspricht. Und auf jeden Suizid kommen noch einmal zwischen zehn und 20 Suizidversuche. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben jetzt das Online-Suizidpräventionsprogramm [U25] des Caritasverbands evaluiert und legen Zwischenergebnisse vor. Demnach hat sich aufgrund der besonderen Form der Beratung durch junge Menschen, die selbst maximal 25 Jahre alt sind, die allgemeine Situation bei 47 Prozent der Jugendlichen in Lebenskrisen verbessert; die Suizidgefährdung wurde signifikant reduziert.

 
Noch bis Herbst 2020 wird das FAU-Projekt, das seit 2017 läuft, vom Bundesgesundheitsministerium gefördert. Projektpartner ist der Deutsche Caritasverband. Als nächstes plant das Forschungsteam die repräsentative Befragung aller [U25]-Beraterinnen und -Berater in Deutschland.
 
Link zur ausführlichen Pressemeldung:
 
Link zum Beratungsangebot:
 
Link zur Projektseite:
 
Weitere Informationen:
Dr. Anja Hildebrand, Tel.: 09131/85-64016, anja.hildebrand@fau.de
Dr. Maren Weiss, Tel.: 09131/85-64015, maren.weiss@fau.de
 
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/
 
 
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
 
 
 

10.09.2019 Das Ziel vor Augen: den Gipfel des Kilimandscharo und den Krebs bezwingen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 111/2019

Erlanger Kinderonkologe will leukämiekranken Kindern und Jugendlichen mit einer besonderen Aktion helfen und bittet um Unterstützung

Im Oktober 2019 besteigt der 18-jährige Yunus den Kilimandscharo in Tansania. An seiner Seite: Mutter Cornelia, Schwester Ayla und sein Arzt Prof. Dr. Markus Metzler, Leiter der Kinderonkologie der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle) des Universitätsklinikums Erlangen. Dass Yunus den Weg auf den 5.895 Meter hohen Gipfel überhaupt antreten kann, verdankt er seinem Mut, wirksamen Medikamenten und den Erlanger Kinderonkologen. Yunus litt schon mit 12 Jahren an der chronischen myeloischen Leukämie (CML) – einer Form des Blutkrebses. Heute geht es dem Teenager wieder gut. „Damit auch andere Kinder und Jugendliche diese Chance auf Heilung bekommen, sammeln wir ab sofort Spenden für die Erforschung der CML, für die Vernetzung von Ärzten und Wissen und für eine bessere Therapie“, erklärt Prof. Metzler. Die Besteigung des Kilimandscharo vom 26. Oktober bis zum 3. November 2019 soll für die Spendenaktion werben und zeigen, wie leistungsstark Yunus und andere ehemalige CML-Patienten heute sind. Mit Prof. Metzler nehmen an der Tour 25 internationale CML-Forscher und -Ärzte sowie Patienten teil, die sich austauschen und eng vernetzen wollen.

„Wenn du den Gipfel erklimmen kannst, dann kannst du auch CML heilen!“ – mit dieser Überzeugung im Gepäck treten Markus Metzler, Yunus und seine Familie im Oktober die Tour zum höchsten Gipfel Afrikas an. Auf seinem Weg wird das Team fünf Klimazonen durchqueren und innerhalb von sieben Tagen über 4.000 Höhenmeter überwinden. „Wir machen damit auf unsere Herzensangelegenheit aufmerksam: darauf, dass wir CML heute weltweit mit guter Diagnostik und modernen Medikamenten erfolgreich bekämpfen können, wenn wir über uns hinauswachsen und unsere Komfortzone verlassen“, sagt Prof. Metzler. Seit Wochen bereitet sich der Kinderonkologe auf die Bergbesteigung vor, macht Höhentouren, geht regelmäßig joggen und fährt viel Rad. Yunus trainierte in den vergangenen Tagen unter anderem bei der Albstadt-Challenge auf der Schwäbischen Alb: Er, seine Mutter und seine Schwester liefen dort je 60 Kilometer und 1.500 Höhenmeter –  14 Stunden am Stück. „Yunus ist heute wieder mehr als fit“, sagt seine Mutter Dr. Cornelia Borowczak.

Die Spendenaktion „Klettern für Heilung“ („Climb for a Cure“) wird von der internationalen Stiftung Chronic Myeloid Leukemia Foundation (iCMLf) organisiert, die 2019 ihr zehnjähriges Bestehen feiert. Die Spendengelder, die Prof. Metzler darüber hinaus einwirbt, verwaltet die Forschungsstiftung Medizin am Uni-Klinikum Erlangen. Jeder gespendete Euro fließt ganz konkret in die Erforschung der Diagnostik und der Therapie von CML bei Kindern und Jugendlichen, in die CML-Behandlung am Uni-Klinikum Erlangen, in neue genetische Tests, altersgerechtes Informationsmaterial und in die psychologische Begleitung betroffener Familien. Neue Forschungsergebnisse werden der internationalen Stiftung und ihrem weltweiten Ärzte- und Forschernetzwerk zur Verfügung gestellt.

Eine Krankheit – verschiedene Gesichter

Die CML ist bei Kindern und Jugendlichen sehr selten. Sie macht nur zwei Prozent aller Leukämien bei Kindern unter 15 Jahren aus, und nur neun Prozent aller Leukämien bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren. Bislang müssen sich Ärzte auf die Therapieempfehlungen für Erwachsene stützen. „Es hat sich aber gezeigt, dass sich CML bei Kindern anders äußert“, erklärt Markus Metzler. „Wir sehen bei jungen Patienten Unterschiede beim Krankheitsbeginn und im Verlauf. Die Krankheit ist häufig viel aggressiver als bei Erwachsenen und Kinder reagieren ganz anders auf die Behandlung.“

Neue Medikamente und neue Herausforderungen

Lange galt eine Stammzelltransplantation als einzige heilende Therapie bei CML. Dabei erhält der Leukämiepatient eine Infusion mit gesunden Blutstammzellen aus dem Knochenmark oder aus dem Blut eines passenden Spenders. Diese Stammzellen wandern in das Knochenmark des Patienten und bilden dort neue gesunde Blutzellen. „Aber eine Stammzelltransplantation ist riskant und belastend. Es besteht die Gefahr, dass die fremden Zellen abgestoßen werden oder dass sie sich gegen den Empfänger richten“, weiß Prof. Metzler.

Neue Medikamente – sogenannte Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) – haben die Therapiestandards revolutioniert: TKI sind heute für erwachsene CML-Patienten die erste Wahl, und auch bei Kindern und Jugendlichen sprechen diese Medikamente gut an. Mit TKI können Patienten die Remission erreichen, also den Rückzug der Krankheit – die funktionelle Heilung. Das heißt: Im Blut sind dann vorerst keine Leukämiezellen mehr nachweisbar. „Eine Stammzelltransplantation sollte die letzte Option bleiben“, rät Markus Metzler. „Für junge Menschen bedeutet das aber auch: eine jahrzehntelange Medikamenteneinnahme. Deshalb müssen wir noch besser verstehen, wem wir trotzdem eine Transplantation anbieten sollten und bei welchen Patienten wir die medikamentöse Therapie unter bestimmten Voraussetzungen nach mehreren Jahren sicher beenden können.“

Onkologen behandeln die CML heute mit verschiedenen TKI. Bei Kindern stehen sie dabei vor neuen Herausforderungen. Prof. Metzler gibt einige Beispiele: „Junge Patienten zeigen andere Nebenwirkungen als Erwachsene. Manche Medikamente beeinträchtigen zum Beispiel den Knochenstoffwechsel und das Wachstum, sodass wir häufig die übliche Behandlung wechseln und für den Einzelfall anpassen müssen. Es spielen auch Faktoren wie die Therapietreue eine Rolle – also: Wie zuverlässig nimmt zum Beispiel ein Teenager seine Medikamente ein? Oder: Wie reagiert der Körper eines jungen Menschen, wenn wir das Medikament irgendwann wieder absetzen? Die Datenlage im pädiatrischen Bereich ist noch sehr spärlich und wir haben hier noch viel Forschungsarbeit zu leisten“, so der Kinderonkologe.

Lea (12) – kleine Tablette statt Knochenmarktransplantation

Prof. Metzler übernahm 2018 die Leitung der Studiengruppe für Kinder und Jugendliche mit CML aus ganz Deutschland. Mehr als 100 junge CML-Patienten werden von Erlangen aus mitbetreut und beraten. Auch Lea bekam 2016 die Diagnose Leukämie und ihre Ärzte rieten ihr zu einer Knochenmarktransplantation. Die damals Neunjährige und ihre Eltern hatten Angst vor dem großen Eingriff und wendeten sich an die Kinderonkologie des Uni-Klinikums Erlangen.

„Es war der 22. September 2016, als Prof. Metzler unserer Tochter Knochenmark entnahm und untersuchte – der Welt-CML-Tag“, erinnert sich Leas Vater, Darko Jankovic. Der „22.9.“ weist jährlich auf den genetischen Auslöser für die CML hin: die veränderten Chromosomen 22 und 9, die dazu führen, dass sich die weißen Blutzellen bösartig verändern und unkontrolliert vermehren. Nach und nach verdrängen diese Leukämiezellen dann die gesunden Blutzellen und es entsteht ein Mangel an Blutplättchen und funktionsfähigen weißen Blutzellen. „Wenige Stunden nach der Entnahme sagte uns Prof. Metzler, er sei sich zu 99,6 Prozent sicher, dass Lea CML hat – und keine Knochenmarktransplantation braucht.“ Im darauffolgenden Sommer hatten die Erlanger Kinderonkologen mit Medikamenten bereits die Remission der Krankheit erreicht – trotz eines extremen Ausgangsbefunds. Täglich nimmt die Zwölfjährige heute eine kleine Tablette ein. „Die vergisst sie nie“, versichert ihr Vater. „Und damit geht es ihr so gut, dass man nicht denken würde, dass sie jemals krank war.“ Prof. Metzler erklärt: „Die meisten Patienten mit CML sprechen zunächst gut auf die Behandlung an. Die unerwünschten Wirkungen der Therapie sind aber oft ein Problem – besonders bei jungen Patienten, die noch wachsen. Jetzt kümmern wir uns darum, dass wir für Lea mittelfristig eine optimale Kontrolle ihrer Erkrankung erreichen. Unser langfristiges Ziel ist es, dass sie ihr Medikament irgendwann ganz absetzen kann und gesund bleibt.“

Weitere Forschung und Hilfe nur mit Spenden möglich

Wer junge Patienten des Uni-Klinikums Erlangen, wie Lea und Yunus, ganz direkt unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende für die Aktion „Klettern für Heilung“ an die Forschungsstiftung Medizin am Uni-Klinikum Erlangen tun.

Spendenkonto:
Forschungsstiftung Medizin
Bank: Stadt- und Kreissparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach
Verwendungszweck: Klettern für Heilung
IBAN: DE69 7635 0000 0000 0620 00
BIC: BYLADEM1ERH

Website der Aktion „Klettern für Heilung“: www.kletternfürheilung.de

Weitere Informationen:
Pressestelle des Uni-Klinikums Erlangen
Tel.: 09131 85-36102
presse@uk-erlangen.de

Prof. Dr. Markus Metzler
Tel.: 09131 85-33731
markus.metzler@uk-erlangen.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de

http://www.fau.de
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau

10.09.2019 em Geheimnis der Gallensteine auf der Spur - Mechanismen der Gallensteinbildung entschlüsselt
uni | mediendienst | forschung Nr. 59/2019

Gallensteine kommen häufig vor und können Koliken sowie Entzündungen im Bauchraum hervorrufen. Wie die Steine im Körper entstehen, war allerdings bisher unbekannt. Das Geheimnis der Gallensteine wurde nun von einem Forschungsteam der Medizinischen Kliniken 1 und 3 am Universitätsklinikum der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gelüftet. Die Erkenntnisse wurden in der Fachzeitschrift Immunity veröffentlicht*.

Das Team um Dr. Louis Munoz, Sebastian Böltz und Prof. Dr. Martin Herrmann von der Medizinischen Klinik 3, die im Sonderforschungsbereich 1181 sowie im Deutschen Zentrum für Immuntherapie (DZI) zusammenarbeiten und dabei von einem Team um Dr. Moritz Leppkes und Prof. Dr. Markus F. Neurath, Medizinische Klinik 1 der FAU, unterstützt wurden, hat herausgefunden, dass alle Gallensteine von Spuren einer speziellen Form der weißen Blutkörperchen – den neutrophilen Granulozyten – übersäht sind. Diese Zellen gelten als erste Abwehrfront des Körpers, sie schlagen nicht nur auf Bakterien und anderen Keime an, sondern erkennen auch Kristalle als Gefahr. Beim Versuch diese aufzunehmen, sterben sie und stülpen ihre Erbsubstanz wie ein Netz über die Kristalle. Diese Netze – englisch NETs für Neutrophil Extracellular Traps – winden sich um die Kristalle, verklumpen diese und lassen so Steine entstehen, die manchmal erstaunliche Ausmaße annehmen können.

* DOI: https://doi.org/10.1016/j.immuni.2019.07.002
Link zur ausführlichen Pressemitteilung:
https://www.fau.de/2019/09/news/wissenschaft/dem-geheimnis-der-gallensteine-auf-der-spur/


Weitere Informationen:
Dr. Luis Munoz, Tel.: 09131/85-36990, luis.munoz@uk-erlangen.de

06.09.2019 Bundesärztekammer aktualisiert Informationsliste zu Schwangerschaftsabbrüchen
Pressestelle der Dt. Ärzteschaft

Berlin, 06.09.2019 – Die Bundesärztekammer hat die von ihr im gesetzlichen Auftrag geführte Informationsliste zu Schwangerschaftsabbrüchen nach § 13 Abs. 3 Schwangerschaftskonfliktge-
setz aktualisiert. Die Liste mit Ärzten, Krankenhäusern und Einrichtungen, die Schwangerschafts-abbrüche unter den Voraussetzungen des § 218a Absatz 1 bis 3 Strafgesetzbuch durchführen,
befindet sich seit dem Start des Registrierungsverfahrens am 29. Juli 2019 im Aufbau. Sie wird in einem work-in-progress-Verfahren kontinuierlich erweitert. Mit der Liste ermöglicht der Gesetzgeber, dass Ärzte, Krankenhäuser und Einrichtungen über Leistungen zum Schwangerschaftsabbruch informieren können, ohne Gefahr zu laufen, gegen strafrechtliche Vorgaben zu verstoßen.

Gut fünf Wochen nach dem Start des Registrierungsverfahrens hat sich die Zahl der Ärzte und Einrichtungen auf der Liste weit mehr als verdoppelt und liegt aktuell bei 215 Einträgen aus allen Bundesländern. Darunter befinden sich neben ambulanten Einrichtungen auch Kliniken, die entsprechende Eingriffe vornehmen. Zahlreiche weitere Anträge auf Eintrag in die Liste durchlaufen
derzeit das Verifizierungsverfahren und werden in der nächsten Aktualisierungsrunde ergänzt.

Um den Aufbau der Liste weiter zu beschleunigen, informiert die Bundesärztekammer kontinuierlich über die Liste und das Anmeldeprozedere. Abgerufen werden kann die Liste auf der Internetsei-
te der Bundesärztekammer (siehe Links und Kontaktmail unten). Dort findet sich auch eine Suchfunktion nach Postleitzahlen und Orten. Die Liste wird außerdem von der Bundeszentrale für ge-
sundheitliche Aufklärung (BZgA) veröffentlicht.

Die Aufnahme in die Liste ist freiwillig und kann von Ärzten und Einrichtungen, die Schwangerschafts-abbrüche unter den Voraussetzungen des § 218a Absatz 1 bis 3 Strafgesetzbuch durchführen,
auf der Internetseite der Bundesärztekammer beantragt werden. Die Registrierung nimmt etwa drei Minuten in Anspruch. Ein mehrstufiger Verifizierungsprozess gewährleistet die Sicherheit
und Korrektheit der Angaben.

Hintergrund: Mit dem am 29. März 2019 in Kraft getretenen Gesetz zur Verbesserung der Information über einen Schwangerschaftsabbruch wurde das Schwangerschaftskonfliktgesetz in § 13
ergänzt. So soll die Bundesärztekammer (BÄK) eine Liste der Ärztinnen und Ärzte sowie der Krankenhäuser und Einrichtungen führen, die ihr mitgeteilt haben, dass sie Schwangerschaftsabbrü-
che unter den Voraussetzungen des § 218a Absatz 1 bis 3 des Strafgesetzbuches durchführen. Diese Liste kann auch Angaben über die jeweils angewendeten Methoden zur Durchführung eines
Schwangerschaftsabbruchs enthalten, soweit der BÄK diese mitgeteilt werden.

Informationen zur Liste nach § 13 Abs. 3 Schwangerschaftskonflikt-
gesetz:
https://www.baek.de/aerzte/versorgung/schwangerschaftsabbruch/
Liste mit Suchfunktion nach Postleitzahlen und Orten:
https://liste.bundesaerztekammer.de/suche
Registrierung für die Liste:
https://liste.baek.de

Allgemeine Fragen zu der Liste können über die Mailadresse
liste@baek.de an die Bundesärztekammer gerichtet werden.

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de

05.09.2019 Die Zunge stimulieren Kleines Implantat verhindert Atemaussetzer im Schlaf – Erlanger HNO-Ärzte bieten Komplettversorgung an
ni | mediendienst | aktuell Nr. 108/2019

Schnarchen beeinträchtigt den Schlaf – hauptsächlich den der anderen. Setzt der Atem aber dabei länger aus, wird es auch für den Schnarcher selbst gefährlich: Obstruktive Schlafapnoe (OSA) nennt sich das Phänomen, wenn während des Schlafens die Atmung kurz stillsteht, weil die Muskulatur der oberen Atemwege erschlafft. Atemmasken oder Unterkieferschienen können helfen. Werden die aber nicht vertragen oder bringen sie keinen Erfolg, kommt seit Kurzem auch ein Zungenschrittmacher infrage: ein kleines Gerät, das den Zungenmuskel stimuliert und so die Atemluft wieder fließen lässt. Die Operateure der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro) des Universitätsklinikums Erlangen implantieren diese Zungenschrittmacher und bieten Patienten eine Komplettversorgung aus einer Hand: von der Diagnose über die OP bis hin zur Nachsorge.

„Die OSA ist die häufigste nächtliche Atmungsstörung“, erklärt der geschäftsführende Oberarzt PD Dr. Maximilian Traxdorf von der Erlanger HNO-Klinik. Am häufigsten betroffen sind Männer, Ältere, Übergewichtige und Menschen, die rauchen, Alkohol oder Beruhigungsmittel konsumieren. Bei der OSA setzt die Atmung zehn Sekunden bis eine Minute lang aus, das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt und der Betroffene wacht immer wieder kurz auf. „Manchmal kann es schon helfen, die Schlafposition zu ändern, sein Gewicht zu reduzieren und vor dem Schlafen keinen Alkohol zu trinken. Bei leichten bis mittelgradigen Fällen können zum Beispiel Unterkieferprotrusionsschienen zum Einsatz kommen – sie verlagern den Unterkiefer nach vorn und halten so den Atemweg offen. Der Goldstandard in der Therapie der OSA sind aber spezielle Atemmasken“, sagt Maximilian Traxdorf. Diese CPAP-Masken (continous positive airway pressure) erzeugen einen kontinuierlichen leichten Überdruck und halten so die Atemwege frei. „Sie werden aber nicht von jedem Patienten vertragen, eignen sich nicht für jede Anatomie und bringen auch nicht immer den gewünschten Erfolg“, schränkt PD Dr. Traxdorf ein.

Ein Zungenschrittmacher als kleiner Helfer

Bei einer mittelgradigen bis schweren OSA mit 15 bis 65 Atemaussetzern pro Stunde kommt dann auch eine Atemwegsstimulation infrage: Nur drei kleine Schnitte an Hals und Brustkorb sind nötig, um einen Impulsgenerator (Schrittmacher) in einer kleinen Hauttasche unterhalb des Schlüsselbeins zu implantieren. Das Prinzip ist mit dem eines Herzschrittmachers vergleichbar. Zum Zungenschrittmacher gehören ein Atemsensor und eine Stimulationselektrode. Der Sensor misst kontinuierlich den Atemrhythmus der Lunge und gibt ein entsprechendes Signal an den Impulsgenerator weiter. Dieser aktiviert die Stimulationselektrode am Zungennerv. Die Elektrode stimuliert schließlich den Zungenmuskel und verhindert, dass die Zunge und das umliegende Gewebe während des Schlafens in den oberen Atemweg zurückfallen und diesen blockieren. Dank dieses Systems bleibt der Atemweg frei und die Luft kann die ganze Nacht ungehindert ein- und ausströmen.

Den Schrittmacher schaltet der Patient vor dem Schlafengehen mit einer kleinen Fernbedienung ein – und nach dem Aufstehen wieder aus. Die Batterie hält acht bis elf Jahre lang, dann muss sie im Rahmen einer kleinen OP ausgetauscht werden. „Der Zungenschrittmacher reduziert Atemaussetzer oder verhindert sie sogar. Das führt zu weniger Schnarchen, weniger nächtlichen Wachphasen und weniger Müdigkeit am nächsten Tag, und auch andere Begleiterscheinungen der OSA werden minimiert – etwa Bluthochdruck, Kopfschmerzen oder depressive Verstimmtheit“, erklärt Maximilian Traxdorf. „In unserem Schlaflabor beraten wir jeden Patienten zu möglichen Therapien und dazu, ob ein Zungenschrittmacher aus schlafmedizinischer Sicht eventuell auch für ihn infrage käme.“

Weitere Informationen:
PD Dr. Maximilian Traxdorf
Tel.: 09131 85-36882
maximilian.traxdorf@uk-erlangen.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de

http://www.fau.de
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

04.09.2019 Reform der Notfallversorgung – Schnellere Hilfe im Notfall?
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Die Notaufnahmen in den Krankenhäusern sind häufig überlaufen. Doch das aktuelle Diskussionspapier des Bundesgesundheitsministers dazu schaffe faktisch eine dritte Versorgungsebene, deren Inanspruchnahme durch die Bevölkerung in unbegrenzter Weise angeboten werde, prognostiziert Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), im Leitartikel der Septemberausgabe des Bayerischen Ärzteblatts: „Der Entwurf zeigt meines Erachtens deutlich, wo sich das Denkmodell des Sachverständigenrates, dem der Vorschlag folgt, und die (künftige) Realität nicht zur Deckung bringen lassen werden: Im Verhalten des Patienten.“

Die Schaffung einer neuen Versorgungsebene werde das Problem nicht lösen. Der system- und problemadäquate Ansatz sei und bleibe die Kooperation der beiden Sektoren in sektorenverbindenden Einrichtungen, wie schon in Bayern und Baden-Württemberg erfolgt, wo an geeigneten Kliniken sogenannte Bereitschaftspraxen etabliert wurden, welche zu einer Entlastung der Notaufnahmen führten. „Der Notfallpatient, der nicht der stationären Krankenhausaufnahme bedarf, ist ein ambulanter Patient, der sachgerecht in der Praxis des niedergelassenen Arztes bzw. der von seiner Kassenärztlichen Vereinigung für die sprechstundenfreien Zeiten eingerichteten Bereitschaftspraxis zu versorgen ist“, so Quitterer.

„Die hohe Bedeutung eines, qualifizierten, standardisierten und softwaregestützten Ersteinschätzungsverfahrens‘ für die sachgerechte Einschätzung eines Notfallpatienten sehe auch ich“, führt Bayerns Kammer-Chef aus. Das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Vereinigung (ZI) habe dafür eine Standardisierte medizinische Ersteinschätzung Deutschland (SmED) entwickelt, die in einem breiten Konsens der beteiligten Experten im medizinischen Beirat künftig zur Anwendung im Notfalldienst kommen könne. Im SmED-Beirat sei hohe Kompetenz und Praxiskenntnis vorhanden und „die Politik ist eingeladen, sich von der Qualität der dort schon geleisteten Arbeit zu überzeugen, bevor der hier deutlich sachferne Gemeinsame Bundesausschuss als der ohnehin schon überlastete ‚Alleskönner‘ einen neuen Auftrag bekommt“, so Quitterer wörtlich.

Mehr zu „Reform der Notfallversorgung – Schnellere Hilfe im Notfall?“ lesen Sie in der Septemberausgabe 2019 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax: 089 4147-202
E-Mail: presse@blaek.de
www.blaek.de

Neuen Text eingeben

30.08.2019 Magnetenzephalografie macht Epilepsieoperationen erfolgreicher Studie zeigt: MEG optimiert OP-Planung und -Ergebnis
uni | mediendienst | forschung Nr. 58/2019

Eine neue Studie des Epilepsiezentrums (Sprecher: Prof. Dr. Hajo Hamer) der Neurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan Schwab) und der Neurochirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Michael Buchfelder) des Universitätsklinikums Erlangen beweist: Dank der Magnetenzephalografie (MEG) erzielen Epilepsiechirurgen bei Operationen deutlich bessere Ergebnisse für ihre Patienten. Die Studie unter Federführung von PD Dr. Stefan Rampp wurde jetzt im Fachmagazin „Brain – A Journal of Neurology“ veröffentlicht. Sie ist die weltweit größte Forschungsarbeit zu dem Thema, mit dem bisher längsten Untersuchungszeitraum.
 
Für ihre retrospektive Studie haben die Erlanger Forscher 1.000 Patienten aus einem Zeitraum von 28 Jahren untersucht. Sie alle hatten in den Jahren zwischen 1990 und 2018 am Epilepsiezentrum des Uni-Klinikums Erlangen eine MEG-Diagnostik erhalten; 405 Patienten unterzogen sich anschließend einer epilepsiechirurgischen Operation. Die langfristigen Effekte der MEG-Diagnostik wurden bei den Probanden mitunter bis zu 20 Jahre lang nachverfolgt.
 
Epilepsieherde identifizieren
Fokale Epilepsieanfälle gehen von umschriebenen Bereichen des Gehirns aus. Mit der richtigen Diagnostik können Anfallsherde in vielen Fällen von gesundem Gewebe abgegrenzt werden. Bei 30 Prozent der Betroffenen mit fokaler Epilepsie helfen Medikamente allerdings nicht oder nur unzureichend. Das Ziel von Epilepsiechirurgen ist es deshalb, bei diesen Patienten die Anfallsherde im Gehirn operativ zu entfernen. So kann den Betroffenen oft ein beschwerdefreies Leben ermöglicht werden. Um Epilepsieherde zu lokalisieren, nutzen Ärzte neben Verfahren wie der EEG (Elektroenzephalografie) auch die Magnetenzephalografie (MEG): Die aktiven Nervenzellen des Gehirns erzeugen magnetische Signale. Diese lassen sich in Kurven darstellen – bei Epilepsiepatienten sind diese charakteristisch. Mithilfe der MEG-Kurven lassen sich so diejenigen Areale im Gehirn ausfindig machen, von denen epileptische Anfälle ausgehen oder die an den Anfällen beteiligt sind (Lokalisation). Damit ist die MEG, auch Biomagnetismus genannt, ein wichtiges Instrument in der OP-Planung. Das Epilepsiezentrum des Uni-Klinikums Erlangen verfügt über ein eigenes MEG-Gerät. Der Patient liegt oder sitzt bequem darin, es arbeitet schonend, nicht-invasiv und ohne jede Strahlenbelastung.
 
Um das gefundene Epilepsieareal in einem 3-D-Bild des Gehirns zu verorten, kombinieren die Ärzte des Erlanger Epilepsiezentrums die MEG mit den Schichtbildern der Magnetresonanztomografie (MRT). So erhalten sie eine dreidimensionale „Landkarte“ des Gehirns mit genau markierter Epilepsieregion.
 
Signifikant bessere OP-Ergebnisse
Die Auswertung der Langzeitdaten im Rahmen der aktuellen Studie erbrachte nun drei wichtige Nachweise. Stefan Rampp erklärt: „Die MEG-Diagnostik erlaubt es uns erstens, sehr früh und sehr exakt die Patienten ausfindig zu machen, die von einer Epilepsie-OP profitieren werden. Zweitens unterstützt uns die MEG signifikant dabei, die betroffenen Hirnregionen genau zu identifizieren. Und drittens trägt das Verfahren damit zur kurz- und auch langfristigen Anfallsfreiheit nach der OP bei.“
 
Laut den Untersuchungsergebnissen liefert die MEG insbesondere dann sehr gute Resultate, wenn die Epilepsieherde außerhalb des Temporallappens des Gehirns liegen (extratemporal) und wenn keine epileptogenen Läsionen – also krankhaften Veränderungen im Gehirn –  festzustellen sind. Bei der Lokalisation des Anfallsherdes kann die MEG andere präoperative Diagnostikverfahren wie die EEG sinnvoll ergänzen und Hinweise auf Anfallsareale liefern, die die anderen Untersuchungsmethoden nicht anzeigen.
 
„In unserem Epilepsiezentrum können wir Patienten nach vorheriger MEG-Diagnostik die neueste und für sie beste Therapie anbieten“, fasst PD Rampp zusammen. „Und als Uni-Klinikum können wir Forschungserkenntnisse wie die aktuellen direkt in die Klinik überführen.“
 
Vollversion der Studie: https://academic.oup.com/brain/advance-article/doi/10.1093/brain/awz231/5543071?searchresult=1
 
Weitere Informationen:
PD Dr. Stefan Rampp
Tel.: 09131/85-33001
stefan.rampp@uk-erlangen.de
 
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/
 
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
 
presse@fau.de
http://www.fau.de
 
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

29.08.2019 Wenn Licht schmerzt - Humboldt-Preisträger Prof. Dr. Alexandru Babes forscht an der FAU zur pathologischen Lichtempfindlichkeit
uni | mediendienst | aktuell Nr. 103/2019

2006 kam er das erste Mal mit einem Humboldt-Forschungsstipendium an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), seither kommt Prof. Dr. Alexandru Babes fast jährlich wieder her, um sich mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auszutauschen. Im Sommer 2019 ist er wieder an der FAU – jetzt mit einem Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung.

Babes forscht zurzeit als Gastwissenschaftler am Institut für Physiologie und Pathophysiologie mit dem Schwerpunkt Sinnesphysiologie. Er

interessiert sich dafür, wie spezielle Nervenendigungen in der Haut und anderen Organen schmerzhafte Reize oder Veränderungen der Umgebungstemperatur erkennen. An der FAU ist er Teil einer Forschungsgruppe, die unter anderem pathologische Lichtempfindlichkeit untersucht. Bei bestimmten genetischen Krankheiten klagen betroffene Menschen über Schmerzen und Juckreiz, wenn ihre Haut Sonnenlicht oder sogar künstlichem Licht ausgesetzt ist. Dies deutet darauf hin, dass ihre schmerzempfindlichen Neuronen durch Licht im UV-Bereich und sogar im sichtbaren Bereich erregt werden. Mit Hilfe von Prof. Dr. Peter Reeh, Senior Fellow of Physiology, arbeitet Babes daran, einige der Mechanismen und Signalwege aufzudecken, die an dieser abnormalen Überempfindlichkeit beteiligt sind.

Über den Preisträger


Dr. Alexandru Babes studierte an der Universität Bukarest Physik im Bachelor und Neurobiologie im Master. In den folgenden Jahren lehrte er dort als Dozent und ab 2002, nach Abschluss seiner Doktorarbeit, als PostDoc. Seit 2008 ist er Professor für Neurobiologie in der Abteilung für Tier-Physiologie und Biophysik an der Universität Bukarest. Die Alexander von Humboldt-Stiftung hat verschiedene Projekte von Babes gefördert. Im Jahr 2019 hat die Stiftung ihn zum wissenschaftlichen Botschafter der Stiftung in Rumänien ernannt.

Über den Preis

Die Humboldt-Stiftung verleiht jährlich etwa 20 Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreise, die mit je 45.000 Euro dotiert sind. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland können international anerkannte Forscherinnen und Forscher aus dem Ausland nominieren, die vor nicht mehr als 18 Jahren promoviert haben. Die Gewinner kommen nach Deutschland und arbeiten gemeinsam mit Fachkolleginnen und –kollegen an einem Projekt.

Ein ausführliches Interview mit Prof. Babes finden Sie auf der FAU-Webeite: https://www.fau.de/2019/08/news/wissenschaft/prof-alexandru-babes/

Interviews mit weiteren FAU-Humboldtianern gibt es unter diesem Link: https://www.fau.de/alumni/forscher-alumni/forscher-alumni-interviews/

Weitere Informationen:
Pressestelle der FAU
Tel.: 09131/85-70229
presse@fau.de  
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220

presse@fau.de
http://www.fau.de
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/ 

23.08.2019 Resistente Malaria bekämpfen – Bindung macht Stark FAU-Wissenschaftler erforschen die Wirkung von Medikamentenhybriden
uni | mediendienst | forschung Nr. 57/2019

Resistente Malaria bekämpfen – Bindung macht Stark
FAU-Wissenschaftler erforschen die Wirkung von Medikamentenhybriden
 
Resistente Malaria-Erreger verbreiten sich zunehmend – Abhilfe könnte eine Behandlung mit Hybridverbindungen aus vorhandenen Medikamenten schaffen. Das haben Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) herausgefunden. Ihre Ergebnisse haben sie in „Angewandte Chemie International Edition“ veröffentlicht*.
 
Aufgrund zunehmender Verbreitung von Resistenzen von Malariaerregern gegen einzeln verabreichten Medikamente, wie beispielsweise Chloroquin, empfiehlt  die Weltgesundheitsorganisation (WHO) üblicherweise, Malaria mit einer Kombination aus Artemisinin, das aus der Pflanze Einjähriger Beifuß gewonnen wird, und einem weiteren Malaria-Medikament zu behandeln.
 
Prof. Dr. Svetlana B. Tsogoeva, Professorin für Organische Chemie an der FAU, hat in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen und der China Academy of Chinese Medical Sciences nun festgestellt, dass Hybride aus zwei bereits existierenden Malaria-Medikamenten, welche chemisch gebunden sind, multiresistente Malaria-Parasiten wirksamer und effizienter abtöten als die einzelnen Medikamente oder deren Gabe in Kombination. Die beiden Wirkstoffe, die in einem Hybridmolekül zusammengefügt sind, dringen somit zeitgleich in den Erreger ein. Auf diese Weise können sie sich gleichzeitig an unterschiedliche Zielproteine binden – die Krankheit wird auf zwei Arten zugleich und damit effektiver bekämpft.
 
*DOI: http://dx.doi.org/10.1002/anie.201907224
 
Mehr Informationen zu den Forschungsprojekten von Prof. Tsogoeva:
https://www.chemistry.nat.fau.eu/tsogoeva-group/research/
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Svetlana B. Tsogoeva, Tel.: 09131/85-65573, svetlana.tsogoeva@fau.de
 Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/
 
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
 
presse@fau.de
http://www.fau.de
 
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

23.08.2019 Fehler in der Hülle - Zusammenhänge in Zellen aufgedeckt, die Nervenbahnen isolieren
uni | mediendienst | forschung Nr. 57/2019

Schwann-Zellen bilden eine Schutzhülle um Nervenfasern und sorgen für eine schnelle Weiterleitung von Nervenimpulsen. Fehlen sie oder sind sie defekt, kann es zu schweren Nervenerkrankungen kommen. Forscherinnen und Forschern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist es gelungen, einen komplexen Zusammenhang innerhalb der Schwann-Zellen aufzuzeigen, der eine wichtige Rolle für die korrekte Zellreifung spielt. Ihre Ergebnisse haben sie in Nature Communications veröffentlicht*.
 
Nach mehr als 25 Jahren Forschung an diesem Zelltyp sind zwar mittlerweile die meisten Eiweiße und Eiweißkomplexe bekannt, die bei der Entwicklung und Ausreifung von Schwann-Zellen eine Rolle spielen. Jedoch beeinflussen sich die Eiweiße wiederum gegenseitig. Bei der Frage der Zusammenhänge in diesem regulatorischen Netzwerk steht die Forschung noch am Anfang. Der FAU-Forschungsgruppe um Dr. Franziska Fröb und Prof. Dr. Michael Wegner, Lehrstuhl für Biochemie und Pathobiochemie, ist es nun zum ersten Mal gelungen, einen solch komplexen Zusammenhang aufzuklären. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass DNA-Strukturänderungen durch Eiweiße sehr wichtig sind und auch nützlich sein könnten, um in Zukunft Therapien für Erkrankungen des peripheren Nervensystems zu entwickeln“, erklärt Prof. Wegner.
 
* DOI: http://dx.doi.org/10.1038/s41467-019-10287-w
 
Link zur ausführlichen Pressemitteilung:
https://www.fau.de/2019/08/news/wissenschaft/fehler-in-der-huelle/
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Michael Wegner, Tel.: 09131/85-24620, michael.wegner@fau.de
 
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/
 
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
 
presse@fau.de
http://www.fau.de
 
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

22.08.2019 EU fördert Pankreaskrebsforschung in Erlangen
uni | mediendienst | forschung Nr. 56/2019

Forschungsverbund sucht nach neuen Wegen, Bauchspeicheldrüsenkrebs zu behandeln – EU-Förderung in Höhe von vier Millionen Euro
 
Das vom Universitätsklinikum Erlangen aus koordinierte EU-geförderte Projekt PRECODE (PancREatic Cancer OrganoiDs rEsearch) konzentriert sich darauf, neue Modellsysteme beim Pankreaskarzinom in der Klinik zu etablieren. Ein Verbund von 15 Einrichtungen aus sieben europäischen Nationen will erforschen, wie moderne 3-D-Gewebemodelle zur Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs genutzt werden können. Das Projekt erhält vier Millionen Euro an EU-Fördergeldern.
 
Die operative Entfernung des Karzinoms ist zurzeit die einzige Behandlung mit Heilungsaussicht beim Bauchspeicheldrüsenkrebs. „Zusätzlich ist allerdings auch eine Therapie mit krebsabtötenden Medikamenten oder mit Bestrahlungen wünschenswert“, sagt Prof. Dr. Robert Grützmann, Direktor der Chirurgischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen. „Wir wissen aber noch nicht, welches Medikament bei welchem Patienten am besten wirkt. In dem neuen europäischen Forschungsprojekt wollen wir herausfinden, ob sich die Organoidkultur – also kleine Mikroorgane, die im Labor gezüchtet werden – für eine solche Vorhersage eignet.“
Die Organoidkultur ist ein neues Verfahren. Erste Untersuchungen zeigen, dass die Informationen aus diesem Modell sehr gut für solche Vorhersagen verwendet werden können. „Wir Erlanger Forscher und Ärzte hoffen, dass diese Methode in Zukunft auch Patienten am Uni-Klinikum Erlangen angeboten werden kann“, erklärt Projektkoordinator Prof. Dr. Christian Pilarsky. „Das internationale Graduiertenkolleg soll uns aber zunächst weitere Einblicke in dieses Konzept liefern.“
 
Internetseite des Projekts PRECODE: http://www.precode-project.eu
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Christian Pilarsky
Tel.: 09131 85-39522
christian.pilarsky@uk-erlangen.de
 
 
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/
 
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
 
presse@fau.de
http://www.fau.de
 
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/
 

12.08.2019 Der Herzmuskel auf der Streckbank - Förderung für FAU-Wissenschaftler in der Herzforschung
uni | mediendienst | forschung Nr. 55/2019

Bei Herzkrankheiten, wie Herzinsuffizienz, sinkt die Pumpkraft des Herzmuskels. Dadurch kommt es zu einem erhöhten Restfülldruck im Muskel, der die Zellwände belastet. Die Wissenschaftler Prof. Dr. Oliver Friedrich, Lehrstuhl für Medizinische Biotechnologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), und Prof. Dr. Boris Martinac, Victor Chang Cardiac Research Institute, Sydney, untersuchen nun in einem gemeinsamen Projekt, wie Zellen auf diese Dehnung reagieren, insbesondere wie mechanische Stimuli von Ionenkanälen als Signale für pathologischen Umbau der Herzwand in die Zellen transportiert wird. Das internationale Projekt wird für die nächsten drei Jahre über den CVD (Cardiovascular Disease) Senior Grant mit rund 230.000 Euro gefördert.
 
Die Wissenschaftler erwarten, dass sie mit ihren Ergebnissen Herzkrankheiten besser kontrollieren können. Für die Forschung nutzen sie eine Technologie, die von der Forschungsgruppe an der FAU entwickelt wurde. Die Opto-Biomechatronik-Entwicklung bietet die Möglichkeit, Zellen und Gewebe isotrop zu dehnen und gleichzeitig zu visualisieren. Die System-Technik soll nun weiterentwickelt werden, um den Durchsatz um ein Mehrfaches zu steigern und das Dehnen vieler Test-Kammern mit Zellen zu ermöglichen.
 
Prof. Dr. Oliver Friedrich ist ebenfalls Ehrenmitglied am Victor Chang Cardiac Research Institute, das seit Jahren in intensivem Austausch mit der Forschungsgruppe an der FAU steht.
 
Weitere Information
Prof. Dr. Dr. Oliver Friedrich
Tel.: 09131 /8523174
oliver.friedrich@fau.de
 
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/
 
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
 
presse@fau.de
http://www.fau.de
 
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/
 

12.08.2019 Entzündungen in 3D Erstmals Entzündungsprozesse in Gelenken mit molekularer Bildgebung räumlich dargestellt
uni | mediendienst | forschung Nr. 54/2019

Die genauen Ursachen für chronisch-entzündliche Gelenkserkrankung wie die rheumatoide Arthritis sind noch nicht vollständig verstanden. Ein Team des Universitätsklinikums Erlangen und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) um Prof. Gerhard Krönke hat nun einen neuen Ansatz gewählt, um die zugrundeliegenden Mechanismen besser zu verstehen. Mit Hilfe einer eigens entwickelten Technik ist es Stephan Culemann und Dr. Anika Grüneboom aus der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie – erstmals gelungen, entzündete Gelenke transparent und somit für Licht durchsichtig zu machen, um sie mittels dreidimensionaler molekularer Bildgebung zu untersuchen. Die hierdurch gewonnenen Einblicke in die komplexe Funktionsweise unseres Immunsystem wurden im Magazin „Nature“ veröffentlicht*.
 
So zeigte sich unter anderem, dass gesunde Gelenke durch eine sich ständig selbsterneuernde Membran aus speziellen Immunzellen (Makrophagen) ummantelt werden. Während diese Barriere aus Makrophagen unsere Gelenke im Regelfall vor möglichen Attacken des eigenen Immunsystems schützt, versagt bei rheumatoider Arthritis dieser Schutzmechanismus. Hierdurch wandern plötzlich fehlerhaft aktivierte Immunzellen ein, welche letztlich die Gelenksentzündung und -zerstörung verursachen. Während Makrophagen bisher im Verdacht standen zur Gelenksentzündung beizutragen, zeigen die aktuellen Analysen, dass sie eigentlich einen wichtigen anti-entzündlichen Schutzmantel um das Gelenk bilden und Entzündungsreaktionen eindämmen können.
 
*https://www.nature.com/articles/s41586-019-1471-1
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Gerhard Krönke, Tel.: 09131/85-34742, gerhard.kroenke@uk-erlangen.de
 
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/
 
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
 
presse@fau.de
http://www.fau.de
 
https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/
 
 
 
 

07.08.2019 Antikörper aus dem Reagenzglas
uni | mediendienst | aktuell Nr. 97/2019

Humboldt-Forschungspreisträger Prof. Dr. Maxim Berezovski erforscht an der FAU synthetische Antikörper zur Behandlung von Immunkrankheiten

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) begrüßt einen weiteren Humboldtianer in ihren Reihen: Der Biochemiker Prof. Dr. Maxim Berezovski von der University of Ottawa erhält den Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis von der Alexander von Humboldt-Stiftung – und setzt damit seine Forschung zu sogenannten „synthetischen Antikörpern“ an der FAU fort. Das Ziel ist, die Therapie von Autoimmunkrankheiten zu verbessern.

Sie werden oft als „synthetische Antikörper“ bezeichnet: Aptamere, synthetisch hergestellte, kurze einzelsträngige DNA- bzw. RNA-Stränge. Sie binden an Proteine – beispielsweise bakterielle Gifte – oder Viruspartikel ähnlich gut wie Antikörper des Immunsystems. Sie werden daher auch schon als Medikament eingesetzt, unter anderem bei der Makuladegeneration des Auges, die zu Erblindung führen kann. Weltweit führend auf dem Gebiet der Aptamere ist Prof. Dr. Maxim Berezovski. So gelang es ihm unter anderem, Aptamere künstlich so zu verändern, dass diese Zellen, Viren und Proteine spezifisch erkennen.

Synthetische Antikörper regulieren Immunsystem

An der FAU wird Berezovski zusammen mit Prof. Dr. Alexander Steinkasserer von der Immunmodulatorischen Abteilung forschen. Steinkasserer und seine Mitarbeiter untersuchen unter anderem die Eigenschaften eines Moleküls mit dem kryptischen Namen „lösliches CD83“. Dieses Molekül könnte eingesetzt werden, um Autoimmunkrankheiten zu behandeln und die Transplantatabstoßung  zu verhindern. Die FAU-Arbeitsgruppe konnte bereits mit einer biotechnologisch hergestellten Version des sCD83 Moleküls im Tiermodell für die humane Multiple Sklerose Lähmungen hemmen, und in in-vivo Modellen die Abstoßung von Herz-, Haut- und Hornhauttransplantaten verhindern. Ausgelöst wird diese Wirkung, indem sogenannte regulatorische T-Zellen (Tregs) im Körper erzeugt beziehungsweise vermehrt werden. Tregs regulieren das Immunsystem und verhindern dadurch, dass dieses sich gegen den eigenen Körper richtet.

Bisher gibt es jedoch noch keine synthetischen Antikörper, also Aptamere, um Tregs zu modifizieren. Das Ziel von Prof. Steinkasserer und Prof. Berezovski ist es daher, spezifische neutralisierende DNA-Aptamere für CD83 zu entwickeln, die die Generierung von Treg-Zellen anregen, um so Autoimmunkrankheiten zu verhindern und die Abstoßung von Transplantationen zu vermeiden.

Der Forschungspreisträger: Fokus auf biomolekulare Wechselwirkungen

Dr. Maxim Berezovski ist Full Professor an der Fakultät für Chemie der University of Ottawa, wo er das Labor für Bioanalytische und Molekulare Interaktion, die Cellular Imaging and Cytometry Core Facility und die John L. Holmes Mass Spectrometry Facility leitet. Prof. Berezovski erhielt seinen Master in Biochemie im Jahr 1994 von der staatlichen Universität Novosibirsk in Russland. Anschließend arbeitete er sechs Jahre als Geschäftsführer in einem pharmazeutischen Unternehmen in Russland, bevor er an der kanadischen York University in bioanalytischer Chemie promovierte.

Seine Forschung zielt darauf ab, molekulare Prozesse von Krebs und Immunerkrankungen zu verstehen. In seinen Projekten untersucht er grundlegende biomolekulare Wechselwirkungen und überführt dieses Wissen in die Entwicklung neuer Biosensoren und bioanalytischer Methoden.

Der Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis

Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung verleiht jährlich etwa 20 Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreise an international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, von denen erwartet wird, dass sie auch zukünftig ihr Fachgebiet durch herausragende Forschungsleistungen nachhaltig prägen werden. Der Preis ist mit 45.000 Euro dotiert. Die Preisträger können selbst gewählte Forschungsvorhaben in Deutschland in Kooperation mit Fachkollegen für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr durchführen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Alexander Steinkasserer
Tel.: 09131/85-36725
alexander.steinkasserer@uk-erlangen.de
Bildmaterial zum Download gibt es unter:
https://www.fau.de/files/2019/08/20190802_Steinkasserer-Berezovski-Hornegger_Macharowsky5718_web.jpg   

Bildunterschrift: Der Biochemiker Prof. Dr. Maxim Berezovski (Mitte) von der University of Ottawa erhält den Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis von der Alexander von Humboldt-Stiftung. Seine Forschung setzt er nun an der FAU gemeinsam mit Prof. Dr. Alexander Steinkasserer (links), Lehrstuhl für Haut- und Geschlechtskrankheiten und Leitung Immunmodulatorische Abteilung, fort. FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger hat den neuen Humboldtianer begrüßt. (Bild: FAU/Luisa Macharowsky)

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/ 

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de 
http://www.fau.de 
https://www.youtube.com/unifau  
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg 
https://twitter.com/unifau  
https://instagram.com/uni_fau/ 

05.08.2019 Hand in Hand für Früh- und Neugeborene - Kooperation der Erlanger Kinderchirurgie mit Klinik für Kinder und Jugendliche in Hof
uni | mediendienst | aktuell Nr. 96/2019

Voller Vorfreude sehnen werdende Eltern die Geburt ihres Kindes herbei. Macht sich das Kleine allerdings deutlich zu früh auf den Weg oder stellt sich im Kreißsaal heraus, dass es krank ist und sofort operiert werden muss, überwiegt die Angst die Glücksgefühle. Die Tochter oder den Sohn in einer derartigen Ausnahmesituation in guten Händen zu wissen, ist für die Mütter und Väter eine große Hilfe. Die bestmögliche Versorgung Früh- und Neugeborener in Hof (Saale) und Umgebung wird ab sofort durch eine enge Kooperation zwischen der Kinderchirurgischen Abteilung (kommissarischer Leiter: Prof. Dr. Robert Grützmann) des Universitätsklinikums Erlangen und der Klinik für Kinder und Jugendliche (Chefarzt: Dr. Rolf Ponader) des Sana Klinikums Hof sichergestellt. Der jüngst mit Hof unterzeichnete Vertrag beinhaltet unter anderem einen 24-Stunden-Konsiliardienst in Erlangen für Früh- und Neugeborene aus Oberfranken sowie die Zusage, dass ein Erlanger Team im Notfall nach Hof fährt, um vor Ort zu operieren.

„Wir freuen uns sehr, die Hofer Klinik für Kinder und Jugendliche in unserem kinderchirurgischen Verbund begrüßen zu können“, sagte der leitende Erlanger Kinderchirurg Dr. Manuel Besendörfer bei der Vertragsunterzeichnung. Das Sana Klinikum Hof ist als Perinatalzentrum Level 2 vom Gemeinsamen Bundesausschuss gelistet. Gemäß den Richtlinien gewährleistet das Haus rund um die Uhr spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin, die Versorgung durch Hebammen sowie die Behandlung unter Leitung eines Facharztes für Kinder- und Jugendmedizin mit den Schwerpunkten Neonatologie und Kinderkardiologie sowie der Zusatzbezeichnung pädiatrische Intensivmedizin. Damit ist das Sana Klinikum Hof berechtigt, Schwangere mit der Risikokonstellation einer erwarteten Frühgeburt (Geburtsgewicht ab 1.250 g, Geburt ab der 29. Schwangerschaftswoche) aufzunehmen und die betroffenen Kinder in einem neonatologischen Intensivbereich zu versorgen. „Neben den räumlichen und aufwendigen gerätetechnischen Vorgaben erfüllen auch alle in diesem Bereich eingesetzten Mitarbeiter die erforderlichen Spezialqualifikationen“, erläuterte Dr. Ponader. „Die meisten unserer Pflegefachkräfte sind langjährig auf der Kinderintensivstation beschäftigt oder haben die Fachweiterbildung ‚Pädiatrische Intensivpflege‘ absolviert. Außerdem stehen Ärzte aus der Kinderkardiologie, der Radiologie, der Neuropädiatrie, der Augenheilkunde, der Humangenetik und der Psychologie/Psychiatrie für Konsile zur Verfügung.“

Erlanger Spezialisten umfassend vernetzt


Die Kinderchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen zeichnet sich durch eine umfassende Vernetzung im hiesigen Krankenhaus der Maximalversorgung aus, aber auch weit darüber hinaus. Die Spezialisten bringen ihre jahrelange und hochspezifische Erfahrung unter anderem im interdisziplinären Kinderoperativen Zentrum (Sprecher: Prof. Dr. Robert Cesnjevar) des Uni-Klinikums Erlangen ein und arbeiten im kinderchirurgischen Verbund mit über 30 Einrichtungen in ganz Nordbayern zusammen.
Weitere Informationen:
Dr. Manuel Besendörfer
Tel.: 09131/85-32923
kinderchirurgie@uk-erlangen.de
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220

presse@fau.de
http://www.fau.de

https://www.youtube.com/unifau
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://instagram.com/uni_fau/

24.07.2019 Es kommt Bewegung in die Kommune Modelkommunen zur kommunalen Bewegungsförderung im Projekt KOMBINE ausgewählt
uni | mediendienst | forschung Nr. 51/2019

Das GKV-Bündnis für Gesundheit und das Department für Sportwissenschaft und Sport (DSS) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben mit KOMBINE ein Projekt zur Umsetzung der Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung entwickelt. Der Projektname KOMBINE steht für Kommunale Bewegungsförderung zur Implementierung der Nationalen Empfehlungen. Für die Erprobung des Projekts wurden gemeinsam sechs Modellkommunen ausgewählt.

Zu den bundesweit sechs ausgewählten Modellkommunen gehören die drei Landkreise Bad Kissingen, Kreis Segeberg und Schmalkalden-Meiningen sowie die Städte Marburg, Solingen und Stuttgart. Ziel des Projektes KOMBINE ist der Aufbau von nachhaltigen Strukturen für Bewegungsförderung in der Kommune, die wissenschaftlich fundiert, bedarfsorientiert und praxisnah sind.

Ausführliche Informationen zum Projekt KOMBINE:
https://www.gkv-buendnis.de/buendnisaktivitaeten/bundesweite-aktivitaeten/kombine/ 

Weitere Informationen:
Pressestelle GKV-Spitzenverband, Ann Marini, Tel.: 030 206 288-4201, presse@gkv-spitzenverband.de 
Pressestelle FAU, Dr. Susanne Langer, Tel.: 09131/85-70229, presse@fau.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de   

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/ 

24.07.2019 Bessere Lebensqualität bei schwerer Demenz
uni | mediendienst | aktuell Nr. 91/2019

Verbesserung der stationären Versorgung – Pflegeeinrichtungen für neues Forschungsprojekt gesucht
Menschen mit schwerer Demenz sind eine fast „vergessene“ Personengruppe – es gibt kaum Angebote zur Verbesserung ihrer Lebensqualität. Das Forschungsprojekt MAKS-s soll dies ändern. Prof. Dr. Elmar Gräßel, der seit zwei Jahrzehnten nicht-medikamentöse Therapieverfahren bei Demenz erfolgreich erforscht, koordiniert das neue Projekt. Gemeinsam mit seinem Team will der Leiter des Zentrums für Medizinische Versorgungsforschung der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Johannes Kornhuber) des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) für alle Menschen mit Demenz ein passendes Angebot etablieren. Seit dem Projektstart Anfang Juli erarbeiten die Wissenschaftler entsprechende Materialien und treffen Vorbereitungen für den Beginn der Praxisphase. Dafür werden aktuell noch 24 stationäre Pflegeeinrichtungen in Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg gesucht, die ab Oktober 2019 an MAKS-s teilnehmen möchten. Das Projekt wird vom GKV-Spitzenverband mit rund 400.000 Euro gefördert.

Hauptziele von MAKS-s sind die Verbesserung der Lebensqualität sowie die Verringerung von psychischen und Verhaltenssymptomen bei Menschen mit schwerer Demenz. Erreicht werden soll dies durch die nicht-medikamentöse MAKS-s-Intervention. Diese besteht aus den vier Komponenten „motorisch“, „alltagspraktisch“, „kognitiv“ und „sozial“. Sie sprechen die zentralen menschlichen Grundbedürfnisse nach Bewegung („M“), sinnvoller Beschäftigung („A“), sensorischer Anregung („K“) und sozialer Interaktion („S“) an. Anhand eines strukturierten Handbuchs führen zwei geschulte Personen die MAKS-s-Therapie an drei Tagen pro Woche jeweils eine Stunde lang mit einer Kleingruppe von sechs Menschen mit schwerer Demenz („s“) durch.

Prof. Gräßel erforscht seit Jahren erfolgreich die Wirksamkeit der psychosozialen MAKS®-Therapie bei Menschen mit Demenz und kognitiven Beeinträchtigungen in Pflegeheimen und in der Tagespflege. Zu seinem erfahrenen Team gehören u. a. die Psychologin und Gerontologin Kristina Diehl sowie der Psychologe André Kratzer. „Wir benötigen in Pflegeheimen eine fördernde Betreuung von Menschen mit schwerer Demenz“, betont Elmar Gräßel. „So können wir ihre Teilhabe und ihr Wohlbefinden verbessern und gleichzeitig die Arbeitszufriedenheit der betreuenden Pflege- und Betreuungskräfte steigern.“ Die Forschungsergebnisse zeigen: MAKS® ermöglicht eine Stabilisierung der kognitiven und der alltagspraktischen Fähigkeiten, eine Verbesserung sozialer Verhaltensweisen sowie eine Verminderung neuropsychiatrischer Symptome wie Aggressionen, Unruhezustände etc.

Über das neue Projekt sollen nun auch Menschen mit schwerer Demenz von der MAKS®-Therapie profitieren. Zusätzlich untersucht das innovative Projekt die Frage, ob sich durch den Einsatz von MAKS-s auch das Belastungserleben von Pflege- und Betreuungskräften reduzieren lässt. Denn dieses wird entscheidend durch die Begleitsymptomatik von Menschen mit Demenz mitbestimmt.

Weitere Informationen:
Kristina Diehl
Tel.: 09131/85-44112
kristina.diehl@uk-erlangen.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

22.07.2019 Notfallversorgung: Behandlung optimieren, Wartezeiten reduzieren
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 22.07.2019 – Zum Diskussionsentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit zur Reform der Notfallversorgung erklärt Bundesärztekammerpräsident Dr. Klaus Reinhardt:

„Mit dem Diskussionsentwurf werden endlich konkrete Schritte zu der längst überfälligen Reform der Notfallversorgung aufgezeigt. Wir haben auf Deutschen Ärztetagen wiederholt die Einführung
eines integrierten Konzeptes für die strukturierte Inanspruchnahme der Notfallstrukturen gefordert. Dass jetzt ambulante Strukturen der Notfallversorgung in sogenannten Integrierten Notfallzentren (INZ) mit geeigneten Krankenhausstandorten in gemeinsamer Trägerschaft zusammenarbeiten sollen, unterstützt den dringend notwendigen Ausbau der Kooperation aller Beteiligten. Insbesondere die geplante, strukturierte Zuordnung des Patienten zu der jeweilig erforderlichen Behandlungsebene bietet eine Chance, die patientenindividuelle Behandlung zu optimieren, Notfallambulanzen zu entlasten und Wartezeiten zu reduzieren.“

Hierbei gelte es allerdings, ausreichend Spielraum zur Integration gewachsener Strukturen wie den bereits bundesweit etablierten 771 Notfall- und Portalpraxen und weiterer regionaler
Besonderheiten zu gewährleisten.

„Die neuen Vorschläge, so auch die geplante Einrichtung von Gemeinsamen Notfall-Leitstellen oder die Reorganisation des Rettungsdienstes, bieten grundsätzlich eine gute Grundlage für den weiteren Dialog“. Da die Neuausrichtung der Notfallversorgung in Zukunft beispielgebend für weitere,
sektorenübergreifende Versorgungsansätze sein werde, gelte es aus Sicht der Bundesärztekammer jetzt einen intensiven Austausch der Beteiligten zu den Details zu gewährleisten. „Hier gilt Qualität vor Schnelligkeit“. Dies betreffe z.B. das geplante neue Zusammenspiel zwischen Kliniken, Kassenärztlichen Vereinigungen, den Bundesländern sowie den Ärztekammern, aber auch Fragen zur notwendigen Personalverfügbarkeit, der Qualifikation sowie verlässlicher Regelungen einer
extrabudgetären, additiven Finanzierung.

„Wir sehen hier gute Chancen, gemeinsam zu einer tragfähigen Lösung zu kommen“, so Präsident Reinhardt.

Bundesärztekammer
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin

Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de

18.07.2019 Weiße Blutkörperchen geben Auskunft über Therapieerfolg
FAU-Forscher arbeiten an Test für aggressiven Blasentumor-Typ

Wie lange überlebt ein Patient mit in die Muskeln eingedrungenen Blasenkrebs? Welche Therapie wirkt am besten? Fundierte Antwort auf diese Fragen könnte in Zukunft ein Test auf hohe oder niedrige Mengen weißer Blutkörperchen im Tumorgewebe solcher Tumoren geben. Das hat ein interdisziplinäres Forscherteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) herausgefunden und in der Fachzeitschrift „Cancer Immunology Research“ veröffentlicht*.

Muskel-invasive Blasenkarzinome (MIBC) machen etwa zwei Drittel der invasiven urothelialen Blasenkarzinome (UBC) aus und weisen eine hohe Morbidität und Mortalität auf. Männer sind mehr als dreimal so häufig von UBC betroffen wie Frauen.

Die FAU-Forscher haben nun herausgefunden, dass der Therapieerfolg und das Überleben dieser Patienten durch die Bestimmung der weißen Blutkörperchen, die als stromale tumorinfiltrierenden Lymphozyten (sTIL) bezeichnet werden, vorhergesagt werden können. Diese Lymphozyten werden dabei als einfacher morphologischer Parameter und als Biomarker eingesetzt: Ihre Menge und räumliche Verteilung innerhalb des Tumor-Immun-Milieus erlauben Prognosen über die Stadien der Tumorentzündung und Tumorsubtypen und helfen bei der Personalisierung der Patiententherapie. In weiteren Studien wollen sie ihre Ergebnisse nun überprüfen und die Methode weiterentwickeln.

Ein interdisziplinäres Forscherteam der FAU am Pathologischen Institut unter Leitung von Prof. Dr. Arndt Hartmann und Dr. Markus Eckstein analysierte in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Bernd Wullich von der urologischen Klinik und Prof. Dr. Reiner Strick von der Frauenklinik des Uni-Klinikums Erlangen für die Studie die Daten von 542 Patienten mit dem aggressivsten Typ von Blasentumor, der in die Muskelschicht eindringt.

*http://cancerimmunolres.aacrjournals.org/content/7/6/923

Weitere Informationen:
Dr. Markus Eckstein, Tel.: 09131/85-22525, markus.eckstein@uk.erlangen.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de   

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/  

18.07.2019 Neues Forschungsprojekt über seltene Nieren-Erkrankung
uni | mediendienst | forschung Nr. 50/2019

Ein neues Forschungsprojekt an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) über die seltene Nieren-Erkrankung fokal segmentale Glomerulosklerose (FSGS) wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 400.000 Euro über eine Laufzeit von drei Jahren gefördert.

FSGS ist eine seltene Erkrankung, die schätzungsweise 2.000 Menschen in Deutschland betrifft. Sie wird durch einen im Blut zirkulierenden Faktor, der bislang noch nicht identifiziert worden ist, und/oder genetische Mutationen ausgelöst. Die Erkrankung führt häufig zu einem irreversiblen Verlust der Nierenfunktion und lebenslangen Bedarf an Dialyse. Der Forschungsverbund „STOP-FSGS“ forscht seit etwas mehr als drei Jahren zu Ursachen, Diagnostik und Therapieansätzen der primären FSGS und will zentrale Fragestellungen bezüglich der Krankheitsentstehung, Diagnose und neuen Therapien beantworten. Das nun geförderte Forschungsprojekt am Universitätsklinikum Erlangen der FAU setzt auf ein innovatives Zebrafisch-Modell. Damit wollen die Wissenschaftler unter anderem krankheitsauslösende Faktoren auf ihren Wirkmechanismus untersuchen. Eine schnelle klinische Anwendung der Ergebnisse ist das Ziel.

Am Forschungsverbund „STOP-FSGS“ sind neben Prof. Dr. Mario Schiffer, Lehrstuhl für Innere Medizin IV und Klinikdirekt der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hyertensiologie, Forscher der RWTH Aachen, der Universitätsmedizin Greifswald und der Universität Freiburg beteiligt: https://www.research4rare.de/forschungsverbuende/stop-fsgs/.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Mario Schiffer, Tel.: 09131/85-39002, mario.schiffer@uk-erlangen.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de   

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/  

18.07.2019 Tumorzellen aus ihrem Versteck locken - FAU-Wissenschaftler erforschen das Ausschleusen von Antigenen aus Krebszellen
uni | mediendienst | forschung Nr. 50/2019

Das Ausschleusen von Antigenen aus Krebszellen folgt einer strengen Regulation. Das haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) nachgewiesen. Ein besseres Verständnis dieses Mechanismus könnte dabei helfen, neue Strategien zur Verbesserung der Tumorerkennung zu entwickeln, wie sie in einem Artikel im „Journal of Clinical Investigation“ schreiben*.

Tumore weisen eine Vielzahl von Strategien auf, sich der direkten Erkennung durch das eigene Immunsystem zu entziehen. Typischerweise werden spezielle Proteinkomplexe nicht mehr an die Zelloberfläche gebracht, so dass das Immunsystem die Tumorzellen nicht direkt erkennen kann.

Eine Ausnahme dabei bildet die indirekte Erkennung von Tumorzellen. Das schnelle Wachstum sowie Bestrahlungs- oder Chemotherapie von Tumoren führen dazu, dass Tumorantigene durch unkontrollierten Zelltod freigesetzt und durch spezielle Immunzellen – die sogenannten antigenpräsentierenden Zellen – aufgenommen werden können. Diese spezialisierten Immunzellen sind dann wiederum in der Lage, die freigesetzten Eiweiße aus den Tumorzellen dem körpereigenen Immunsystem gegenüber zu präsentieren, wodurch eine Immunantwort wieder eingeleitet werden kann. Bislang ist jedoch kaum untersucht worden, ob die Freisetzung solcher Antigene einer strengen Regulation unterliegt oder ausschließlich unkontrolliert durch Zelltod erfolgt.

Dr. Sascha Kretschmann vom Lehrstuhl für Hämatologie/Internistische Onkologie konnte nun erstmals zeigen, dass ein bestimmtes Hilfsprotein in der Zelle ein selektives Ausschleusen aus der Tumorzelle fördert. Entscheidend dabei ist eine bestimmte Aminosäureabfolge, die im Antigen selbst kodiert sein muss.

* doi: 10.1172/JCI123105
https://www.jci.org/articles/view/123105

Weitere Informationen:
Dr. Sascha Kretschmann, Tel.: 09131/85-43169, sascha.kretschmann@uk-erlangen.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de   

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/  

17.07.2019 Wie entsteht Mangelernährung im Alter? Ernährungswissenschaftlerin Prof. Volkert über Risikogruppen und Ursachen
Pressemeldung der FAU

Immer mehr alte Menschen leiden an Mangelernährung. Welche Faktoren an der Entstehung beteiligt sind und wie sie sich gegenseitig beeinflussen, untersucht Prof. Dr. Dorothee Volkert mit ihrem Team vom Institut für Biomedizin des Alterns (IBA) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Zusammen mit 33 Wissenschaftlern aus elf Ländern hat sie ein Modell entwickelt, in dem mögliche Ursachen erstmals strukturiert und gewichtet dargestellt werden. Das Modell wurde vor Kurzen im wissenschaftlichen Fachmagazin „Gerontology & Geriatric Medicine“ veröffentlicht*.

Frau Professor Volkert, was ist Mangelernährung und wie wirkt sie sich aus?

Grundsätzlich spricht man von Mangelernährung oder Malnutrition, wenn dem Körper Energie und Nährstoffe fehlen, die er für einen reibungslosen Stoffwechsel braucht. Die Folgen einer Mangelernährung sind vielfältig und hängen vom Ausmaß und von den fehlenden Nährstoffen ab. Bei einer generellen Mangelernährung, bei der anhaltend sämtliche Nährstoffe fehlen, reichen die Folgen von Gewichtsverlust über eine Schwächung des Immunsystems bis hin zu funktionellen Beeinträchtigungen der Muskulatur und aller Organe. Der Körper greift auf alle Reserven zurück.

Kann Mangelernährung jeden treffen und wie entsteht sie?


Mangelernährung kann grundsätzlich in jedem Alter auftreten, und ist insbesondere im Krankheitsfall anzutreffen, bei älteren Menschen – per Definition ab 65 Jahren – ist das Risiko für Mangelernährung durch diverse Altersversänderungen deutlich höher. Wer zum Beispiel Probleme beim Gehen oder mit dem Treppensteigen hat, kauft seltener ein und findet auch das Kochen anstrengender. Wer alleine lebt, lässt öfter mal eine Mahlzeit ausfallen. Und wer an einer Depression oder einer anderen schweren Erkrankung leidet, hat oft kaum noch Appetit.

Die Ursachen von Mangelernährung im Alter sind vielfältig, die Fachliteratur führt mehr als 120 Faktoren aus verschiedenen Lebensbereichen auf. Welche dieser sogenannten Determinanten die wichtigsten sind und wie sich die unterschiedlichen Faktoren gegenseitig beeinflussen, ist jedoch nicht geklärt. Derzeit gibt es in der wissenschaftlichen Community kein einheitliches Verständnis über die Bedeutung einzelner Faktoren und deren Zusammenspiel. Und: Die wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden sind so unterschiedlich, dass sich die Studienergebnisse kaum vergleichen lassen und kein theoretisches Rahmenmodell zur Entstehung von Mangelernährung im Alter existiert.

Wie ist Ihr Determinanten-Modell für die Entstehung von Mangelernährung im Alter aufgebaut?

Unser neu entwickeltes Modell „Determinations of Malnutrition in Aged Persons“ – kurz DoMAP – veranschaulicht mögliche Determinanten und ihre Beziehung zu Mangelernährung und will zu einem gemeinsamen Verständnis der Vielzahl von Faktoren und unterschiedlichen Entstehungsmechanismen beitragen. Es besteht aus drei ineinander liegenden Dreiecksebenen. Die Mangelernährung steht im Zentrum und ist umgeben von den drei zentralen Entstehungsmechanismen der ersten Ebene: geringe Zufuhr, erhöhter Bedarf und reduzierte Bioverfügbarkeit. Die angrenzende zweite Ebene beinhaltet Faktoren, die direkt einen dieser Mechanismen verursachen – zum Beispiel Appetitlosigkeit als Ursache für geringe Zufuhr oder Durchfall als Ursache für reduzierte Bioverfügbarkeit. Die dritte Ebene beinhaltet Faktoren, die eher indirekt wirken und den Faktoren in Ebene zwei zu Grunde liegen – zum Beispiel eine Depression als Ursache für Appetitlosigkeit oder ein Schlaganfall als Ursache für Kau- und Schluckbeschwerden, die wiederum eine geringe Zufuhr bewirken.

Wie haben Sie das Modell entwickelt?


Im Rahmen der europäischen Wissensplattform „Mangelernährung im Alter“ (MaNuEL)” haben wir in einem mehrstufigen Konsensprozess insgesamt 33 Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen eingebunden. Zunächst haben wir den aktuellen Wissensstand zusammengetragen und diskutiert und darauf basierend einen ersten Entwurf des DoMAP-Modells erarbeitet. Beim Abschlusstreffen aller MaNuEL-Partner wurde dieser Entwurf zur Diskussion gestellt und anschließend in mehreren schriftlichen Runden kommentiert und entsprechend angepasst.

Welche Auswirkungen hat das DoMAP-Modell in der Praxis?


Das DoMAP-Modell soll zu einem gemeinsamen Verständnis der Vielzahl von Faktoren beitragen, die zu einer Mangelernährung führen können. Im klinischen Alltag kann es als direkte Handreichung für Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegepersonal dienen, um rechtzeitig Personen mit erhöhtem Risiko für Mangelernährung zu identifizieren und ihnen zu helfen. Darüber hinaus hat das Determinantenmodell großes Potenzial für zukünftige Forschung. Damit die Studien in Zukunft vergleichbare Ergebnisse liefern, arbeiten wir im nächsten Schritt gerade an einem Vorschlag zur standardisierten, einheitlichen Erfassung sowohl von Mangelernährung als auch der Determinanten, die wir in unser Modell aufgenommen haben.

* doi: 10.1177/2333721419858438
https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/2333721419858438

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Dorothee Volkert
Tel.: 0911/5302-96168
dorothee.volkert@fau.de

https://www.fau.de/2019/07/news/nachgefragt/wie-entsteht-mangelernaehrung-im-alter/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
www.fau.de
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter www.fau.de/tag/presse-6/.

16.07.2019 Pilotprojekt der Palliativmedizin
uni | mediendienst | aktuell Nr. 90/2019

Erster Erlanger Basiskurs für die Zusatzweiterbildung Palliativmedizin ausgebucht
Wie spreche ich mit einem unheilbar Kranken und seinen Angehörigen? Wie kann ich die Lebensqualität eines Sterbenden verbessern, ihm beispielsweise seine Schmerzen nehmen? Wie schütze ich mich selbst vor Überlastung durch die tägliche Konfrontation mit dem Tod? Diese und viele weitere Aspekte werden im Rahmen des Basiskurses Palliativmedizin erörtert, der vom 22. bis 26. Juli 2019 erstmals am Universitätsklinikum Erlangen angeboten wird. Bereits kurz nach Bekanntmachung des Termins waren alle 20 Plätze belegt. „Wir freuen uns sehr über das große Interesse und das damit verbundene Vertrauen“, sagt Prof. Dr. Christoph Ostgathe, Leiter der Palliativmedizinischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen. Veranstaltet wird der Kurs unter dem Dach des Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) des Uni-Klinikums Erlangen.

„Der Basiskurs richtet sich an Ärzte aller Fachrichtungen, die onkologische Patienten behandeln und mehr über die palliativmedizinischen Möglichkeiten lernen wollen“, erläutert Dr. Tobias Steigleder, Koordinator Aus-, Fort- und Weiterbildung der Palliativmedizin. „Wir freuen uns, dass wir erfahrene Kollegen aus unterschiedlichen Berufsgruppen als Referenten gewinnen konnten.“ Neben theoretischen Grundlagen soll Know-how vor allem praxisnah vermittelt werden. Der 40-stündige Kurs ist auf die Zusatzweiterbildung Palliativmedizin anrechenbar, für die insgesamt 160 Stunden absolviert werden müssen. Fachärzte qualifizieren sich damit – unabhängig von ihrer Disziplin – für die Behandlung und die Begleitung von Patienten mit einer unheilbaren, weit fortgeschrittenen und fortschreitenden Erkrankung. Ziel ist es, unter Einbeziehung des sozialen Umfelds die bestmögliche Lebensqualität für den Sterbenden zu erreichen und sicherzustellen. „Wir folgen mit diesem Kurs klar den Richtlinien, die die Stiftung Deutsche Krebshilfe für die Palliativmedizin eines onkologischen Spitzenzentrums vorgibt. Dies kann die Versorgung in der Breite von schwer kranken und sterbenden Tumorpatienten am Uni-Klinikum Erlangen noch weiter verbessern“, freut sich der Direktor des CCC Erlangen-EMN, Prof. Dr. Matthias W. Beckmann.

Einladung zur Berichterstattung

Vertreter der Medien sind zum Auftakt des Kurses am Montag, 22. Juli 2019, um 8.30 Uhr, in den Seminarraum der Palliativmedizin, Krankenhausstraße 12, in Erlangen herzlich eingeladen. Zur Begrüßung spricht Prof. Beckmann, Direktor des CCC Erlangen-EMN. Anschließend führt Prof. Ostgathe mit seinem Vortrag „Grundlagen der Palliativmedizin“ in das Thema ein. Sowohl Prof. Beckmann als auch Prof. Ostgathe stehen gegen 10.00 Uhr für kurze Interviews zur Verfügung. Um Anmeldung per E-Mail an palliativmedizin@uk-erlangen.de wird gebeten.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Christoph Ostgathe, Tel.: 09131 85-34064, christoph.ostgathe@uk-erlangen.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

15.07.2019 Im Herzen der Pädiatrie - Prof. Dr. Joachim Wölfle ist neuer Direktor der Erlanger Kinderklinik
uni | mediendienst | aktuell Nr. 89/2019

„Ein guter Kinderarzt ist für mich jemand, der sein Spezialgebiet perfekt bedient, aber nie vergisst, auch über den Tellerrand zu schauen. Jemand, der sich kümmert und sich auch nach einer Überweisung über seine Patienten informiert.“ Diesen Anspruch hat Prof. Dr. Joachim Wölfle – er ist neuer Direktor der Kinder- und Jugendklinik des Universitätsklinikums Erlangen.
Mit seinen Schwerpunkten pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie ergänzt er die bisherigen Stärken der Erlanger Kinderklinik, will vor allem im Bereich der Wachstumsforschung neue Impulse setzen und die Versorgung von Patienten mit seltenen Erkrankungen ausbauen. Prof. Wölfle hat das Direktorenamt von Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfang Rascher, der der Kinderklinik 21 Jahre lang vorstand, zum 1. Juli 2019 übernommen.

Selbst die größten Babysöckchen werden irgendwann einmal zu klein, aus der ersten Latzhose schießt ein Kleinkind meist schneller heraus, als die Eltern schauen können, mit den Jahren müssen immer neue Autositze und größere Fahrräder gekauft werden. Kinder wachsen – das ist ganz normal und gehört zu einer gesunden Entwicklung dazu. Was aber, wenn das Wachstum sich verzögert, wenn es zu früh beginnt oder endet? „Die Forschung zu Wachstumsstörungen liegt im Herzen der Pädiatrie“, antwortet Prof. Wölfle auf die Frage, warum er sich gerade für dieses Gebiet interessiert. „Die Ursachen können überall begründet sein – in den Hormonen zum Beispiel, in den Genen oder der Ernährung –, das finde ich spannend.“ Der neue Klinikdirektor setzt seinen Forschungsschwerpunkt in der sogenannten Perinatalen Programmierung. „Wir gehen davon aus, dass die Stoffwechselgesundheit eines Menschen nicht nur von seinen Genen geprägt ist, sondern auch von den Einflüssen im Mutterleib sowie postnatal in den ersten Lebenstagen.“ So will Prof. Wölfle etwa den Einfluss der Ernährung und der Geburtsfaktoren enträtseln, mit Fragen wie: Hat die Unterversorgung eines Kindes während der Schwangerschaft einen Einfluss auf sein späteres Wachstum, auf den Pubertätseintritt, die kognitive Entwicklung und vielleicht sogar auf sein Appetitempfinden?

Diabetes und Adipositas gut versorgt

Vor seinem Wechsel nach Erlangen war Joachim Wölfle im Zentrum für Kinderheilkunde des Universitätsklinikums Bonn tätig – als stellvertretender Klinikdirektor und später als kommissarischer Leiter. Hier spezialisierte sich der gebürtige Offenburger auf die Endokrinologie und setzte einen Schwerpunkt in der Diabetologie. „Diabetes ist eine Erkrankung, die leider weiter expandiert“, sagt Prof. Wölfle. „Und zwar nicht nur der Typ 2, der meist durch Umweltfaktoren entsteht, sondern besonders der von einem überreagierenden Immunsystem verursachte Typ-1-Diabetes. Zum einen wollen wir genauer herausfinden, warum das so ist. Zum anderen müssen wir in der Zwischenzeit noch bessere Behandlungsstrukturen schaffen für die, die bereits erkrankt sind.“ Viel passiere aktuell zum Beispiel in der Medizintechnik, allen voran um das sogenannte Closed-Loop-System – eine implantierte Insulinpumpe, die den Wirkstoff nicht nur automatisch ins Blut abgibt, sondern über einen Messsensor sogar eigenständig ermittelt, welche Dosierung gerade benötigt wird. Die Zulassung dieses Systems wird in Deutschland für den Herbst 2019 erwartet.

Im Zuge der Diabetesforschung befasst sich Prof. Wölfle auch mit kindlicher Adipositas, also krankhaftem Übergewicht. „Ein trauriger Trend, dem wir durch Prävention und Behandlung engagiert entgegentreten müssen“, betont er. In Bonn leitete der 54-Jährige ein ambulantes Therapieprogramm für junge Adipositaspatienten, bestehend aus Sport-, Ernährungs- und Verhaltenstherapie. Auch für die Erlanger Region möchte Prof. Wölfle ein solches Projekt etablieren. „Obwohl nicht alle Kinder und Jugendlichen es schaffen, langfristig gegen ihr Übergewicht vorzugehen, verzeichnen wir im Programm trotzdem positive Effekte, die nicht auf der Waage zu sehen sind. Viele Patienten gehen zum Beispiel psychisch gestärkt aus dem Projekt heraus.“

Seltene Erkrankungen – Behandlung unter einem Dach


Bei aller Spezialisierung den Blick über den Tellerrand nicht zu vergessen – das ist Prof. Wölfle vor allem bei der Versorgung seltener Erkrankungen wichtig. Beim Ulrich-Turner-Syndrom zum Beispiel. Hiervon betroffen sind Mädchen, die mit nur einem X-Chromosom auf die Welt kommen. Sie haben oft kardiovaskuläre Fehlbildungen, leiden an Hörstörungen und später an einer eingeschränkten Fruchtbarkeit. „Als Kinder und Jugendliche sind sie in der Regel gut und engmaschig versorgt“, sagt der neue Kinderklinikdirektor. „Als Erwachsene aber haben Ulrich-Turner-Patientinnen oft große Schwierigkeiten, kompetente Ansprechpartner für ihre Beschwerden zu finden. Ich möchte daher in Erlangen ein interdisziplinäres Versorgungszentrum aufbauen, in dem die Patientinnen in jedem Lebensalter und von erfahrenen Spezialisten unter einem Dach betreut werden.“

Engagement in der Fachgesellschaft

Prof. Wölfle studierte Medizin in Freiburg im Breisgau, arbeitete anschließend in Basel und zuletzt in Bonn. Als „perfekte Zeit“ beschreibt er auch seine drei Forschungsjahre an der US-amerikanischen Oregon Health and Science University in Portland. Seit vielen Jahren ist Joachim Wölfle in der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie aktiv und steht der Fachgesellschaft seit drei Jahren als Präsident vor. In dieser Position engagiert er sich für das kollegiale Netzwerk seines Spezialgebiets sowie für die Forschungs- und Nachwuchsförderung. Der 54-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Joachim Wölfle, Tel.: 09131/85-33111, joachim.woelfle@uk-erlangen.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

15.07.2019 Krankenhäuser: Keine undifferenzierte Schließungspolitik - flächendeckende Versorgung sicherstellen
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 15.07.2019 – Zu der aktuell veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung mit der Forderung nach Schließung von 800 Krankenhäusern erklärt Bundesärztekammerpräsident Dr. Klaus
Reinhardt:

„Die von der Bundesregierung eingesetzte „Kommission gleichwertige Lebensverhältnisse“ hat gerade erst die Bedeutung der Daseinsvorsorge und Sicherung einer gut erreichbaren,
wohnortnahen Gesundheitsinfrastruktur herausgestellt und das Bundesgesundheitsministerium die Förderung von 120 kleineren Kliniken bundesweit beschlossen. Da ist es schon mehr als
befremdlich, wenn die Bertelsmann-Stiftung jetzt pauschal die Schließung von 800 Krankenhäusern fordert.“

Der Präsident der Bundesärztekammer stellt allerdings auch klar:
„In Ballungsgebieten mit erhöhter Krankenhausdichte kann es durchaus sinnvoll sein, dass Ärzte und Pflegepersonal in größeren Strukturen Patienten behandeln. Dadurch könnten Abläufe vereinfacht und die zunehmende Arbeitsverdichtung gemildert werden.“

Reinhardt warnte aber vor einer undifferenzierten Schließungspolitik: „Gerade im ländlichen Raum müssen wir die flächendeckende Versorgung der Patienten sicherstellen. Deshalb müssen wir mehr als bisher die sektorübergreifende Versorgung gemeinsam mit den niedergelassenen Ärzten ausbauen. Wir müssen auch sogenannte Mitversorgeraspekte berücksichtigen. In Hamburger Krankenhäusern werden ja auch Patienten aus dem weiteren Umland behandelt. Das alles zeigt, dass man diese Fragen nicht vom grünen Tisch aus entscheiden kann. Diese Fragen müssen vor Ort und von den Landes- und Kommunalpolitikern gemeinsam mit den Ärzten diskutiert werden.“ Und schließlich dienten Kliniken und Praxen nicht nur der regulären medizinischen Versorgung, so Reinhardt, sondern müssten auch aufgestellt sein für die medizinische Versorgung in Krisenfällen wie Epidemien und Großschadensereignissen.

„Wer auch immer mit welchen Ideen den Krankenhaussektor verändern will, muss dem grundgesetz-lichen Auftrag der Daseinsvorsorge, der Gleichheit der Lebensverhältnisse und dem Feuerwehrwehr-Prinzip der Krankenhäuser im Katastrophenfall gerecht werden. Vor allem aber müssen wir Optionen diskutieren, wie wir der zunehmenden Behandlungsbedürftigkeit in unserer Gesellschaft bei gleichzeitigem Fachkräftemangel begegnen wollen. Auch wenn wir die Zahl der Krankenhäuser reduzieren, reduzieren wir dadurch ja nicht die Zahl der Behandlungsfälle“, mahnt Reinhardt.
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de

11.07.2019 Gesundheit ist ein hohes Gut – gerade für uns Ärzte
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Ich werde auf meine eigene Gesundheit, mein Wohlergehen und meine Fähigkeiten achten, um eine Behandlung auf höchstem Niveau leisten zu können“, heißt es in der Deklaration von Genf. Mit diesen Sätzen beginnt der Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer, Dr. Wolfgang Rechl, seinen Leitartikel in der Juli/August-Ausgabe des Bayerischen Ärzteblattes und mahnt: „Was wir Ärztinnen und Ärzte in der Deklaration von Genf festschreiben, droht uns nach und nach abhanden zu gehen: denn, wir arbeiten heute zunehmend am Limit.“ Gründe seien unter anderem die Personalnot, Arbeitsverdichtung und ein höherer Wettbewerbsdruck. Dies könne zu körperlicher aber auch zu einer emotionalen Überbelastung von Ärzten führen.

Dies sei mit ein Grund, weshalb das Thema auf dem vergangenen Deutschen Ärztetag in Münster als Schwerpunkt diskutiert worden sei. Dort sei deutlich geworden, dass wesentliche Voraussetzungen für gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern und Arztpraxen die gesetzlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen sind. „Für gesunde Arbeitsbedingungen müssen die Leistungen des Gesundheitswesens ausreichend finanziert sein“, betonte Rechl. So habe der Deutsche Ärztetag an die Arbeitgeber appelliert, ihrer Verpflichtung für die Schaffung gesundheitsgerechter Arbeitsbedingungen deutlich stärker als bisher nachzukommen. Das Ärzteparlament fasste eine ganze Reihe von Beschlüssen, um das Thema Arztgesundheit in die Öffentlichkeit zu tragen. Neben der Berücksichtigung von gesundheitsgerechten Arbeitsbedingungen, der Einhaltung von Arbeitsschutzregeln und der Stärkung des betrieblichen Gesundheitsmanagements, müssten sich die zuständigen Behörden verpflichtet fühlen, die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes im ärztlichen Dienst der Klinik regelmäßig zu überprüfen. „Wir müssen unsere Kolleginnen und Kollegen auch in Sachen Bürokratie entlasten. Das heißt, dass Personalschlüssel so gestaltet werden müssen, dass jederzeit eine patienten- und aufgabengerechte Versorgung möglich ist“, appellierte der BLÄK-Vize.

Mehr zu „Gesundheit ist ein hohes Gut“ lesen Sie in der Juli/August-Ausgabe 2019 des Bayerischen Ärzteblattes unter http://www.bayerisches-aerzteblatt.de.

Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax:        089 4147-202
E-Mail:   presse@blaek.de
www.blaek.de

10.07.2019 Forschung und Lehre auf Spitzenniveau - Aufsichtsrat freut sich über Erhöhung der staatlichen Zuschüsse und stellt die Weichen für die Zukunft
uni | mediendienst | aktuell Nr. 85/2019

Universitätsklinika sind sowohl der Patientenversorgung als auch der Forschung und der Lehre verpflichtet. Dieses spannende Aufgabenfeld stellt die Mitarbeiter aber auch vor große Herausforderungen. „Wir übernehmen überdurchschnittlich viele Notfälle, führen oft besonders aufwendige und teure Therapien durch und behandeln auch Menschen mit seltenen Erkrankungen“, erläutert Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Erlangen. „Häufig entstehen Kosten, die unsere Erlöse weit übersteigen. Deshalb bedarf es für uns besonderer Anstrengungen, das Jahr mit einer schwarzen Null abzuschließen. Dies ist uns mit vereinten Kräften auch 2018 wieder gelungen – im Unterschied zu zahlreichen anderen Uni-Klinika in Deutschland, die aufgrund des gestiegenen Kostendrucks in die roten Zahlen gerutscht sind. Darauf können wir stolz sein.“ Der ausgeglichene Jahresabschluss war eines der Themen der vergangenen Aufsichtsratssitzung. Gleichzeitig stellte das Gremium die Weichen für die Zukunft. Der Aufsichtsratsvorsitzende Bernd Sibler schickte dafür gute Nachrichten aus München: Der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst setzte eine Erhöhung der staatlichen Zuschüsse für Forschung und Lehre durch. In diesem Jahr fließen über 83 Mio. Euro ans Uni-Klinikum Erlangen – eine Erhöhung um 2,16 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr.

Der Zuschuss der öffentlichen Hand kann für laufende Zwecke in Lehre und Forschung sowie für sonstige Trägeraufgaben verwendet werden. Mit seiner Zusage nimmt der bayerische Wissenschaftsminister Druck aus den Kesseln der bayerischen Uni-Klinika. Diese mussten beispielsweise die nach den Tarifverhandlungen gestiegenen Personalkosten in den vergangenen Monaten durch Kürzungen an anderen Stellen kompensieren.

„Die zusätzlichen Mittel des Freistaats unterstützen uns dabei, wettbewerbsfähig zu bleiben und weiterhin Forschung und Lehre auf Spitzenniveau zu betreiben“, betont Prof. Dr. Dr. h. c. Jürgen Schüttler, Dekan der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. „So ist es uns zum Beispiel möglich, renommierte Wissenschaftler in Erlangen zu halten und ihnen ideale Arbeitsbedingungen auf Stand der aktuellen Technik zu bieten.“ Außerdem fließt das Geld in die Lehre. „Das Uni-Klinikum Erlangen deckt alle medizinischen Fachbereiche ab“, führt Prof. Iro aus. „So können wir Ärzte und Fachärzte umfassend sowie interdisziplinär ausbilden. Davon profitieren dann auch die Patienten unmittelbar.“

Weitere Themen der Aufsichtsratssitzung waren die bauliche Entwicklung, die Bestellung eines Wirtschaftsprüfers und Berichte aus den unterschiedlichen Organisationseinheiten des Uni-Klinikums Erlangen.

Weitere Informationen:
Johannes Eissing
Tel.: 09131/85-36102
presse@uk-erlangen.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

08.07.2019 KIONET Bayern – gemeinsam für krebskranke Kinder
uni | mediendienst | aktuell Nr. 84/2019

Sechs kinderonkologische Zentren in Bayern schließen sich zu „KIONET Bayern“ zusammen
Gemeinsam für krebskranke Kinder und Jugendliche in Bayern – dieses Motto treibt die Gründer des KIONET Bayern an. Die sechs, auf die Behandlung junger Krebspatienten spezialisierten Zentren der bayerischen Universitätskliniken Augsburg, Erlangen, Regensburg und Würzburg sowie der Technischen Universität und der Ludwig-Maximilians-Universität München, haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Dieses steht unter der Schirmherrschaft von Bernd Sibler, Staatsminister für Wissenschaft und Kunst. Das Ziel ist die verstärkte Durchführung klinischer Studien, damit Kinder und Jugendliche in Bayern verbesserten Zugriff auf neuartige Medikamente haben. Netzwerk-Sprecher ist Prof. Dr. Markus Metzler, Leiter der Kinderonkologie der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle) des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Die Kick-off-Veranstaltung findet heute (8. Juli 2019) im Bayerischen Landtag in München statt.

Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Krebserkrankungen ist eine medizinische Erfolgsgeschichte: Dank moderner Therapien werden heute rund 80 Prozent der Betroffenen geheilt. Das bedeutet allerdings auch, dass für jeden fünften Patienten die aktuellen Behandlungsmethoden nicht ausreichend sind. Für diese jungen Patienten sind innovative Ansätze dringend erforderlich. Damit neu entwickelte Medikamente und Methoden bei Kindern angewandt werden dürfen, müssen Sicherheit und Wirkung zuvor in kontrollierten Studien getestet werden. Solche Studien sind aufwändig und besonders in Deutschland streng reglementiert. Daher sind viele neu entwickelte Behandlungen bisher nur in wenigen Zentren oder im Ausland für eine kleine Zahl von Patienten zugänglich.
Um die wichtigen Studien noch effektiver umzusetzen und eine größere Zahl von Patienten einzuschließen, ist der Zusammenschluss der sechs bayerischen Zentren ein wesentlicher Meilenstein. Das Einzugsgebiet des kinderonkologischen Studiennetzwerks deckt ganz Bayern ab, sodass krebskranke Kinder und Jugendliche auf höchstem Niveau und noch dazu heimatnah versorgt werden können.

Ärzte und Pflegekräfte vernetzen sich

Schon jetzt profitieren alle Beteiligen von dem Zusammenschluss: Durch den Verbund steht nun den Betroffenen und ihren Familien in Bayern die gebündelte Fachkenntnis aller sechs kinderonkologischen Zentren zur Verfügung. Die Angleichung von Arbeitsprozessen und Standards in den verschiedenen Standorten hilft den Patienten und Familien, die an ein anderes Zentrum überwiesen werden, überall vertraute Abläufe vorzufinden.

Nicht nur die Ärzte des KIONET-Netzwerks arbeiten enger zusammen als zuvor – auch die Pflegekräfte nutzen die Möglichkeit des überregionalen Verbunds: In Arbeitsgruppen erarbeiten die Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger aller sechs kinderonkologischen Zentren einheitliche Pflegestandards und tauschen sich aus. Das hat jetzt schon so viel bewegt, dass ein Pflegeausbildungsmodul für die pädiatrische Onkologie geplant ist.

Kick-off im Bayerischen Landtag

KIONET Bayern wird von der Bayerischen Landesregierung gefördert und unterstützt. Am Montag, 8. Juli 2019, startet der Verbund mit einem offiziellen Kick-off in München. Schirmherrin der Veranstaltung ist die ehemalige Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Teilnehmer sind Vertreter aus der Politik, den Universitätskliniken, den pharmazeutischen Unternehmen und Vertreter der Eltern aus ganz Bayern.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Markus Metzler
Tel.: 09131/85-33731
markus.metzler@uk-erlangen.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

05.07.2019 Gesetz zur Sicherheit in der Arzneimittelversorgung – Licht und Schatten
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Der Bundesrat hat das Anfang Juni vom Bundestag beschlossene Gesetz zur Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) passieren lassen. Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) sieht beim GSAV beides: Licht und Schatten. „Das GSAV zielt auf mehr Sicherheit in der Versorgung der Patienten und wird daher von der BLÄK begrüßt, denn es setzt im Bereich der Arzneimittelversorgung an Schwachstellen an, die sich bei Vorfällen in der Vergangenheit gezeigt haben.“ Das GSAV stärke die Position der Aufsichtsbehörden und unterstreiche die koordinierende Rolle und die Kompetenzen (Rückrufkompetenz) der Bundesbehörden.

Darüber hinaus bringe das GSAV im Bereich der Patientenversorgung weitere Verbesserungen, wie die Herstellung von Arzneimitteln zur persönlichen Anwendung, die nur noch für Ärzte erlaubnisfrei ist oder das Verbot des Einsatzes von Frischzellen.
Die Verordnung von Arzneimitteln in elektronischer Form nennt Bayerns Ärztechef die „konsequente Folge der Neuformulierung der Fernbehandlung in der Berufsordnung“.

Doch Bayerns Ärztepräsident übt auch Kritik am neuen Gesetz: Die Modifikation der Bestimmungen über den Import für Arzneimittel ließe nicht erkennen, wie die Sicherheit der importierten Arzneimittel besser sichergestellt werden könne. „Hohe europäische Standards nützen nur, wenn ausländische Arzneimittel daran konsequent gemessen werden“, sagt Quitterer. Zudem seien keine nachhaltigen Ansätze für die Bewältigung von Versorgungsengpässen erkennbar. Zwar gebe es eine Ergänzung der Kriterien für den Abschluss von Rabattverträgen, aber keine systematische Lösung bei Produktions- und Lieferschwierigkeiten. „Die Schaffung eines wirksamen Frühwarnsystems, das alle Leistungsbereiche umfasst, ist notwendig“, so Quitterer. Ebenso die Vorhaltung einer ausreichenden Reserve für wichtige Medikamente.

„Lieferengpässe bei der Versorgung mit Medikamenten sind inakzeptabel. Sie sind auch eine Folge der Wirtschaftlichkeitsbestrebungen der Kostenträger. Eine wirtschaftliche Leistungserbringung ist wichtig, damit die Beitragszahler nicht übermäßig belastet werden. Dies darf aber am Ende nicht dazu führen, dass die Versorgungssicherheit und damit Gesundheit und Leben der Patienten in Gefahr geraten.“ Es gelte einen angemessenen Ausgleich zwischen diesen beiden Positionen herzustellen und insbesondere die Beschaffungsverträge der Gesetzlichen Krankenkassen so auszugestalten, dass beispielsweise die Versorgung nicht auf nur einen Anbieter beschränkt werde und stets ausreichend Reserven von Produzenten aus der EU zur Verfügung stünden.

Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax:        089 4147-202
E-Mail:   presse@blaek.de
www.blaek.de

01.07.2019 Werbeverbot für Tabak – jetzt!
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Der Streit um ein Werbeverbot für Tabak ist ein besonders beschämendes Politikbeispiel“, meldet sich Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), in der aktuellen Debatte um ein Tabakwerbeverbot in Deutschland zu Wort. Quitterer unterstreicht damit die Forderung der Ärzteschaft – auch von Deutschen und Bayerischen Ärztetagen wiederholt ausgesprochen – nach einem vollständigen Verbot der Tabakwerbung. Dies müsse auch elektronische Zigaretten mit einschließen.
Umfragen nach sprechen sich 69 Prozent der Befragten für ein vollständiges Verbot der Tabakwerbung aus. „Die Bundesregierung sollte diesem Wunsch der Bevölkerung endlich nachkommen. In Anbetracht von 120.000 Tabak-Toten jährlich ist ein solches Verbot längst überfällig“, betont Quitterer.

Kein anderes EU-Land reguliere Tabakwerbung bislang so lax wie die Bundesrepublik. Nur in Deutschland dürfen Zigarettenkonzerne ihre gesundheitsgefährdenden Produkte noch auf Plakaten und Litfaßsäulen anpreisen. Ärztliche Prävention werde damit konterkariert.

Pressestelle
Bayerische Landesärztekammer
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax:        089 4147-202
E-Mail:   presse@blaek.de
www.blaek.de

01.07.2019 Spitzenausbildung für Kinderurologen - Erlanger Kinderurologie wurde als Europäisches Ausbildungszentrum zertifiziert
uni | mediendienst | aktuell Nr. 80/2019

Entscheiden sich Mediziner nach ihrem Studium für eine Fachrichtung, können sie zum Beispiel zwischen der Pädiatrie und der Urologie wählen. Wenn sie nun aber beide Disziplinen spannend finden? Dann gibt es nach der erfolgreich abgelegten Facharztausbildung zum Urologen noch die Möglichkeit einer Weiterbildung zum Europäischen Facharzt für Kinderurologie. Das zweijährige Fellowship-Programm dürfen nur Ausbildungszentren anbieten, die durch die ESPU (European Society for Paediatric Urology) zertifiziert sind, da in diesen Zentren die hohen erforderlichen Qualitätsstandards und Fallzahlen gegeben sind, um die Ärzte umfassend zu schulen. Nur 29 dieser Zentren gibt es in ganz Europa, sechs davon in Deutschland – eines davon ist nun auch die Sektion Kinderurologie der Urologischen und Kinderurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Bernd Wullich) des Universitätsklinikums Erlangen. Im Rahmen einer Gutachterbegehung punkteten Sektionsleiterin Dr. Karin Hirsch-Koch und ihr Team vor allem mit einem sehr großen Erfahrungsschatz und einer überdurchschnittlich gut aufgestellten interdisziplinären Zusammenarbeit. Das Zertifikat wurde vor Kurzem im Rahmen des 30. ESPU-Kongresses in Lyon verliehen.

„Die gestellten Anforderungen an ein zertifiziertes Ausbildungszentrum sind hoch und wir freuen uns sehr, dass wir das geschafft haben“, sagt Dr. Hirsch-Koch stolz. Das Team der Kinderurologie des Uni-Klinikums Erlangen hat die Gutachter überzeugt und konnte alle strengen ESPU-Anforderungen erfüllen. „Beurteilt werden vor allem das operative Spektrum, das die gesamte Bandbreite der Kinderurologie abdecken muss, sowie die Fallzahlen“, erläutert Dr. Hirsch-Koch. „Ebenfalls wichtig sind die strukturelle Ausstattung der Klinik, das Nachsorgeangebot und ganz besonders die ausgezeichnete interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Kollegen der Kindernephrologie, der Kinderanästhesie, der Kinderintensivstation, der Neonatologie, der Kinderchirurgie, der Nuklearmedizin, der Kinderradiologie und nicht zu vergessen der Sonografieabteilung der Kinderklinik.“ In interdisziplinären Konferenzen werden komplexe, fachübergreifende Fälle besprochen und ein gemeinsames Behandlungskonzept festgelegt. 

In der zur Kinderurologie gehörigen Blasenschule werden Kinder mit Blasenentleerungsstörungen und Einnässproblematiken betreut. Dies erfolgt unter Aufsicht der Kinderurologen und der beiden eigens hierfür ausgebildeten Urotherapeutinnen.

Austauschprogramm für Ärzte


Das zweijährige Fellowship, das zum Erwerb des Europäischen Facharztes für Kinderurologie erforderlich ist, wird durch einen Ausbildungsplan genau organisiert. In einem Logbuch halten die Ärzte sowohl ihre Behandlungen und operativen Eingriffe, klinische Aus- und Weiterbildungen als auch ihre Teilnahme an interdisziplinären Konferenzen und Kongressen fest. Durch den Anschluss an die ESPU haben die Fellows außerdem die Möglichkeit, an europäischen Austauschprogrammen teilzunehmen und Partnerkliniken zu besuchen. Sind alle Anforderungen erfüllt, darf die Prüfung abgelegt werden. „Mit der Zertifizierung können wir zeigen, dass unsere Einrichtung hohe Qualitätsstandards auf europäischem Niveau erfüllt“, freut sich Dr. Hirsch-Koch.

Weitere Informationen:
Dr. Karin Hirsch
Tel.: 09131/85-33683
karin.hirsch@uk-erlangen.de


Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de

http://www.fau.de  
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/ 

28.06.2019 Entwicklung neuer Therapien gegen Schwarzen Hautkrebs
uni | mediendienst | forschung Nr. 46/2019

Stiftung Deutsche Krebshilfe fördert Studie des Erlanger Hautklinik mit 581.775 Euro

Immuntherapien gelten als Meilensteine im Kampf gegen den metastasierten Schwarzen Hautkrebs, das sogenannte Melanom. Die Therapien sind jedoch nicht bei allen Patienten wirksam. Prof. Dr. Lucie Heinzerling, Oberärztin der Hautklinik (Direktor: Prof. Dr. med. univ. Gerold Schuler) des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), will für diese Patienten im Rahmen einer Studie neue Behandlungsmethoden entwickeln. Die Leiterin des Bereichs Dermatoonkologie der Erlanger Hautklinik untersucht in Kooperation mit Kollegen der Universitätskliniken Regensburg und Würzburg, ob in solchen Fällen eine Kombination aus Immun- und Chemotherapie positiv wirken kann. Von der Stiftung Deutsche Krebshilfe erhält sie dafür Fördergelder in Höhe von 581.775 Euro.

Mehr als 20.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland am Schwarzen Hautkrebs. Wird dieser aggressive Krebs nicht rechtzeitig erkannt und therapiert, kommt es zu Metastasen in verschiedenen Organen. Die Einführung der Immuntherapie mittels der sogenannten Immuncheckpoint-Blockade (ICB) zeigt nicht nur beim metastasierten Melanom, sondern auch bei anderen Tumoren wegweisende Erfolge. Die Checkpoint-Inhibitoren verstärken die Immunabwehr der Zellen und unterstützen damit die gezielten Abwehrmechanismen des Körpers gegen die Krebszellen. „Es gibt jedoch eine große Zahl von Patienten, die auf die Behandlung mit Checkpoint-Inhibitoren nicht ansprechen. Für diese wollen wir neue Therapiemethoden entwickeln“, erläutert Prof. Heinzerling, die seit mehr als zwanzig Jahren Immuntherapien untersucht, insbesondere bei Melanom- und Lymphompatienten.

Das Konzept der aktuellen Studie, die in Zusammenarbeit mit PD Dr. Sebastian Haferkamp (Uni-Klinikum Regensburg) und Prof. Dr. Bastian Schilling (Uni-Klinikum Würzburg) sowie Prof. Dr. Anja Boßerhoff (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) entwickelt wurde, beruht auf der klinischen Beobachtung, dass sich Chemo- und Immuntherapie bei einer ICB-Resistenz in ihrer Wirkung ergänzen können. „Dies wollen wir mit unserer Studie testen, indem Patienten mit metastasiertem Melanom bei Resistenz gegen Checkpoint-Inhibitoren zuerst eine sichere und gut verträgliche Monochemotherapie erhalten und anschließend eine kombinierte ICB“, erläutert Prof. Heinzerling. Die Finanzierung des Projekts mit einer Fördersumme von insgesamt 581.775 Euro durch die Stiftung Deutsche Krebshilfe ermöglicht dessen Umsetzung an allen drei Standorten Erlangen, Regensburg und Würzburg. „Die Ergebnisse des neuen Therapieansatzes sollen nicht nur den Melanompatienten helfen, die auf die Immuntherapie resistent reagieren“, betont die Erlanger Wissenschaftlerin. „Mit dem Melanom als Modelltumor erwarten wir von der Studie auch wichtige Erkenntnisse zu den Mechanismen der Resistenz, die sich dann auf andere Tumorentitäten übertragen lassen.“

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Lucie Heinzerling
Tel.: 09131/85-35000
lucie.heinzerling@uk-erlangen.de


Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de   
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/  

24.06.2019 Förderung der Organspende ist Gemeinschaftsaufgabe
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft

Berlin, 24.06.2019 – „Der gemeinschaftliche Initiativplan Organspende des Bundesgesundheits-ministeriums und vieler weiterer Organisationen aus dem Gesundheitswesen kann wesentlich dazu beitragen, die Zahl der Spenderorgane zu erhöhen. Damit gibt er den mehr als 10.000 Menschen auf der Warteliste mehr Hoffnung auf Leben.“ Das sagte Dr. Günther Matheis, Mitglied der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer (BÄK) und Vertreter der BÄK
bei der morgigen Vorstellung des Initiativplans in Berlin.

Der gemeinschaftliche Initiativplan Organspende, an dem sich auch die Bundesärztekammer beteiligt, knüpft unmittelbar an das 2. TPG-Änderungsgesetz an. Er soll insbesondere die Entnahme-
krankenhäuser und die Transplantationsbeauftragten weiter stärken. Die Transplantations-beauftragten sollen stärker vernetzt und ihre Tätigkeit weiter professionalisiert werden. Für die
Krankenhäuser mit wenig Erfahrung in der Organspende werden konkrete Unterstützungsleistungen beschrieben. Darüber hinaus werden Maßnahmen empfohlen, die gesamtgesellschaftlich ein
stärkeres Bewusstsein für die Organspende schaffen können.

„Die Förderung der Organspende in Deutschland ist eine Gemeinschaftsaufgabe, der sich Politik, Selbstverwaltung und die Gesellschaft insgesamt mit ganzer Kraft verschreiben müssen“,
sagte Matheis. Er betonte, dass die Förderung der Organspende und der Transplantationsmedizin für die Bundesärztekammer und für die Landesärztekammern ein besonderes Anliegen sind. „Wir engagieren uns hier seit Jahrzenten auf unterschiedlichsten Ebenen. Unter anderem trägt die Richtlinienarbeit der Bundesärztekammer wesentlich zu Rechtssicherheit und transparenten Strukturen in der Transplantationsmedizin bei.“

Bundesärztekammer (BÄK)
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de

17.06.2019 Keine falsche Scham - Welt-Kontinenz-Woche soll auf tabuisierte Leiden aufmerksam und Betroffenen Mut machen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 73/2019

Kein Wort kommt über ihre Lippen, sie leiden lieber jahrelang still vor sich hin als die peinlichen Probleme laut auszusprechen: Bei vielen Menschen mit Inkontinenz überwiegt die Scham. Sie vertrauen sich nicht einmal Ärzten an und so wachsen sich die Symptome immer weiter aus. Dabei muss aus ein paar Tropfen in der Unterhose keine Inkontinenz entstehen – wenn rechtzeitig die richtigen Schritte eingeleitet werden. Betroffene früh zu erreichen, ihnen Hilfe anzubieten und Mut zu machen: Das ist eines der Ziele der Welt-Kontinenz-Woche (17. – 23.06.2019), an der sich auch das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum des Universitätsklinikums Erlangen beteiligt. Den hiesigen Experten ist es ein großes Anliegen, nicht nur über die Behandlung bereits bestehender Probleme zu informieren, sondern auch Vorbeugungsmaßnahmen und konservative Therapiemöglichkeiten bei beginnender Harn- und/oder Stuhlinkontinenz vorzustellen.

„Inkontinenz ist das Hauptsymptom, aber die ersten Anzeichen für eine Beckenbodenschwäche sind vielfältig“, weiß PD Dr. Birgit Bittorf, Ärztin der Chirurgischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen. „Am offensichtlichsten ist der unkontrollierte Verlust von Urin und/oder Stuhl, aber auch immer wiederkehrende Verstopfungen sind ein Hinweis auf eine entsprechende Erkrankung.“ Viele Betroffene warten viel zu lange, bis sie sich Hilfe holen. „Gerade Frauen sind den Umgang mit Binden gewohnt“, weiß Dr. Mathias Winkler, Oberarzt der Frauenklinik des Uni-Klinikums Erlangen. „Sie arrangieren sich teils über viele Jahre mit dem Tröpfeln.“ Dabei sollten Patienten am besten sofort kommen und erste Symptome gleich abklären lassen. „Warten Sie nicht, bis der Leidensdruck ins Unermessliche gestiegen ist und die Inkontinenz Ihre Lebensqualität einschränkt“, rät Dr. Verena Lieb, Oberärztin der Urologischen und Kinderurologischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen. „Prophylaxe ist das A und O. Mit einer ganzen Reihe von konservativen Maßnahmen können wir außerdem viel erreichen. Operationen sind häufig erst der letzte Schritt.“

Inkontinenz einfach vorbeugen
Funktionsstörungen von Blase und Darm treten bei beiden Geschlechtern und auch in jeder Altersgruppe auf. „Natürlich ist die Zahl der Betroffenen unter den Senioren am größten“, bestätigt PD Bittorf, „aber ein gesunder Lebensstil trägt viel dazu bei, dass Inkontinenz erst spät zum Thema wird.“ Die Prophylaxe ist keine Zauberei: ein normales Körpergewicht, nicht rauchen, ballaststoffreiche Ernährung zugunsten einer geregelten Darmtätigkeit, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, nicht schwer heben und körperliche Betätigung. „Wir sprechen bewusst nicht von Sport“, betont Dr. Lieb. „Es reicht, wenn Sie die Treppe statt den Aufzug nehmen und zwei-/dreimal in der Woche einen 30-minütigen Spaziergang machen. Sie müssen keine Höchstleistungen erbringen.“ Generell sollten Extreme vermieden werden: „Trinken Sie genug und vor allem gleichmäßig über den Tag verteilt“, erläutert Dr. Winkler. „Sie setzen sich und ihren Körper selbst unter Druck, wenn Sie abends noch zwei Liter Wasser hinunterstürzen.“ Eine volle Blase sollte außerdem in jedem Fall geleert werden: „Viele Menschen sitzen das dringende Bedürfnis aus, weil sie zum Beispiel gerade Stress auf der Arbeit haben“, weiß PD Bittorf. „Tun Sie das nicht! Gehen Sie aufs Klo, wenn Sie müssen.“ Die Anzahl der täglichen Toilettengänge ist übrigens kein Indiz für Inkontinenz. Beim kleinen Geschäft ist diese Zahl beispielsweise von der Trinkmenge abhängig, dabei sind ungefähr vier bis sechs Mal am Tag die Regel, doch beim Stuhlgang variiert die Häufigkeit von Mensch zu Mensch: Der eine leert seinen Darm nur zweimal in der Woche, der andere dreimal am Tag.

Konservative Behandlungsmöglichkeiten ausschöpfen

Mit Patienten, die sich selbst im Kontinenzzentrum des Uni-Klinikums Erlangen vorstellen oder von einem niedergelassenen Arzt überwiesen werden, führen die Spezialisten zunächst ein ausführliches Erstgespräch. Dabei fragen sie u. a. ab, ob es sich um einmalige Ereignisse handelt oder um seit Jahren bestehende Probleme. „Wir bitten viele der Betroffenen, eine Zeit lang Tagebuch zu führen, um einen Überblick zu bekommen“, erläutert PD Bittorf. Auch vor der anschließenden Diagnostik muss sich niemand fürchten: Bei Frauen gleicht sie der normalen gynäkologischen Untersuchung. Je nach Situation führen die Ärzte Funktions- und Druckmessungen durch, spiegeln Harnblase oder Darm. Fälle, die sich tatsächlich als Funktionsstörungen der beiden Organe manifestieren, werden in der interdisziplinären Kontinenz- und Beckenbodenkonferenz gemeinsam besprochen, sodass für jeden Patienten ein individueller Behandlungsplan erstellt werden kann. „Erst schöpfen wir die konservativen Möglichkeiten aus“, sagt Dr. Winkler und nennt Beispiele: „Wir empfehlen Physiotherapie zur Aktivierung des Beckenbodens oder Biofeedbacktraining, und zur Stuhlregulation setzen wir Quellmittel wie Flohsamen ein.“ Viele Leiden lassen sich damit gut in den Griff bekommen.

Vertrauen aufbauen – Lebensqualität zurückgeben

Wenn die konservativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, beraten die Erlanger Experten ihre Patienten hinsichtlich einer Operation. „Bei manchen Frauen senken sich – zum Beispiel infolge von Schwangerschaften, Veranlagung oder schwerer körperlicher Arbeit – die inneren Organe“, erläutert Dr. Winkler. „Im Rahmen eines kleinen Eingriffs rekonstruieren wir das Beckenbindegewebe und können die Probleme so in der Regel beheben.“ Bei Männern tritt Inkontinenz oft nach Prostatakarzinom-OPs auf. „Ist die konservative Therapie durch Beckenbodentraining, mit dem idealerweise bereits vor der Operation begonnen wird, ausgeschöpft, kann die Einlage eines Männerbandes erwogen werden“, sagt Dr. Lieb. Leider lässt sich Inkontinenz nicht in jedem Fall erfolgreich therapieren. Erklärtes Ziel der Spezialisten ist es allerdings, die Betroffenen zu unterstützen und in jedem Fall die Lebensqualität zu steigern. „Manche ziehen sich komplett zurück, trauen sich nicht mehr, Urlaubsreisen zu unternehmen und treten aus dem Sportverein aus“, weiß PD Bittorf. „Das muss nicht sein! Auch mit Entleerungsstörungen lässt sich ein normales Leben mit sozialen Kontakten führen.“ Dank Einfühlungsvermögen und Fachwissen gelingt es den Spezialisten, ein Vertrauensverhältnis zu ihren Patienten aufzubauen. „Wir begleiten die Betroffenen so lange wie Bedarf besteht – manchmal über viele Monate und Jahre“, betont Dr. Winkler. „Wenn das Eis einmal gebrochen ist und die Patienten Vertrauen gefasst haben, kommen sie bei den nächsten Anzeichen wieder zu uns – und warten nicht zu lange.“

Kontinenzzentrum des Uni-Klinikums Erlangen


Das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum des Universitätsklinikums Erlangen wurde im Juli 2015 erstmals erfolgreich zertifiziert. Unter seinem Dach behandeln Experten der Chirurgischen Klinik, der Frauenklinik und der Urologischen und Kinderurologischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen gemeinsam Patienten und erarbeiten individuelle Therapieempfehlungen. Ziel ist die Bündelung von Fachwissen rund um das Krankheitsbild Harn- und Stuhlinkontinenz sowie verschiedene andere mit dem Beckenboden zusammenhängende Erkrankungen. Sprecher des interdisziplinären Zentrums sind Prof. Dr. Matthias W. Beckmann (Frauenklinik), Prof. Dr. Klaus Matzel (Koloproktologie/Chirurgie) und Prof. Dr. Bernd Wullich (Urologie).

Weitere Informationen:
Geschäftsstelle des Kontinenzzentrums
Tel.: 09131 85-42660
kontinenzzentrum@uk-erlangen.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de 
http://www.fau.de  
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/  

17.06.2019 Die eigene Stimme gezielt steuern - FAU-Forscherin entwickelt Training für mehr Gespür im Kehlkopf
uni | mediendienst | forschung Nr. 44/2019

Nehmen wir an, ein Sänger trüge Ohrstöpsel oder Kopfhörer und könnte seine eigene Stimme nicht hören. Würde er trotzdem wissen, ob er hoch oder tief, laut oder leise singt? Ob er den richtigen Ton trifft? Das würde er, sagt Dr. Anke Ziethe aus der Hals-Nasen-Ohren-Klinik im Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Allerdings sei diese Fähigkeit bei Menschen unterschiedlich gut ausgeprägt. Die Wissenschaftlerin hat auf Basis ihrer logopädischen Forschung ein Trainingsprogramm entwickelt, das nach den ersten erfolgversprechenden Tests jetzt in einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojekt an Probanden erprobt werden soll.

„Was uns in die Lage versetzt, den Ton, den wir mit unserer Stimme erzeugen, gleichsam zu ‚spüren’, nennt sich kinästhetische Wahrnehmung“, erklärt die Logopädin. Es ist also eine Art Bewegungsempfindung – in diesem Fall des Kehlkopfs und der Stimmbänder. Diese kinästhetische Wahrnehmung unterscheiden Experten von der auditiven Wahrnehmung, also dem Eindruck, der entsteht, wenn wir den Ton aus unserer eigenen Kehle tatsächlich hören. Je besser unsere kinästhetische Wahrnehmung ist, desto besser funktioniert auch die kinästhetische Steuerung – also unser Einfluss auf den produzierten Ton, selbst wenn wir ihn nicht hören. Die gute Nachricht: Diese Fähigkeit lässt sich trainieren.

Dabei führt die Wissenschaftlerin zunächst eine umfassende Diagnostik durch, bei der eine Grundaufnahme der Stimme gemacht und analysiert wird, wie die Stimme klingt, wie gut die Person sie beherrscht und wie gut die auditive und kinästhetische Steuerung gelingt. Im Anschluss trainieren die Probanden und Probandinnen nach Ziethes Anleitung über fünf Wochen hinweg zweimal pro Woche. Dabei wird der Ton, den den die Person produziert, quasi „auditiv maskiert“ – zum Beispiel mit einem Störgeräusch oder indem das Gehör durch Kopfhörer komplett ausgeschaltet wird.

Am Ende der Trainingsphase misst sie erneut – und evaluiert den Erfolg des Trainings. Außerdem wird noch einmal nach drei Monaten gemessen, um zu überprüfen, ob die erlernten Fähigkeiten auch nach längerer Zeit stabil bleiben. Ihr Ziel: Menschen mit Stimmproblemen zu helfen, aber auch solchen, die ihre Stimme professionell einsetzen, ein Instrument an die Hand zu geben, um ihre eigene Tonproduktion besser erspüren und steuern zu können.

Die Trainingseinheit soll zunächst an 20 bis 30 Probandinnen und Probanden getestet werden, die möglichst noch nicht über eine professionell gebildete Stimme verfügen sollten.

Interessenten können sich bei der Wissenschaftlerin direkt melden und über das Trainingsprogramm informieren.

Bildmaterial gibt es unter: https://www.fau.de/files/2019/06/Ziehte_Anke_Joerg-Ziethe7757.jpg

Bildunterschrift: Dr. Anke Ziethe von der Phoniatrischen und Pädaudiologischen Abteilung in der Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Uni-Klinikums Erlangen der FAU. (Bild: Jörg Ziethe)

Weitere Informationen:
Dr. Anke Ziethe
Tel.: 09131/85-33810
anke.ziethe@uk-erlangen.de 


Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

07.06.2019 Nebenwirkungen besser verstehen – Lebensqualität verbessern
uni | mediendienst | aktuell Nr. 71/2019

Online-Register von Erlanger Wissenschaftlerin erhält Anschubfinanzierung in Höhe von 100.000 Euro
„Die Immunonkologie hat die Krebsbehandlung revolutioniert“, sagt Prof. Dr. Lucie Heinzerling, Oberärztin der Hautklinik (Direktor: Prof. Dr. med. univ. Gerold Schuler) des Universitätsklinikums Erlangen. „Doch über einige Nebenwirkungen der neuen Tumortherapien ist noch zu wenig bekannt – das wollen wir mit einem speziellen Online-Register ändern.“ Dank einer großzügigen Förderung können Prof. Heinzerling, die den Bereich Dermatoonkologie der Erlanger Hautklinik leitet, und ihr Team dieses Vorhaben schneller in die Tat umsetzen: Die Anschubfinanzierung in Höhe von 100.000 Euro wird von der Bristol-Myers Squibb-Stiftung Immunonkologie übernommen. „So ein Register hilft, Krankheitsverläufe besser zu verstehen“, begründet Dr. Michael May, Mitglied des Stiftungsvorstands, die Förderzusage. „Und dadurch verbessert sich für die Patienten dank der Immuntherapie nicht nur die Behandlung der Krebserkrankung, sondern auch die Lebensqualität.“

Seit über zehn Jahren untersucht Prof. Heinzerling zusammen mit Kollegen in Erlangen, Europa und den USA seltene und komplexe Nebenwirkungen der neuartigen Immuntherapien, die bislang insbesondere beim Melanom, dem sogenannten Schwarzen Hautkrebs, durchgeführt wurden. Da Immuntherapien zunehmend auch bei anderen Tumorerkrankungen und in früheren Stadien zum Einsatz kommen, wird das gute Management von Nebenwirkungen immer relevanter. Das Register, das die Erlanger Wissenschaftlerin und ihr Team bisher aufgebaut haben, soll nun in Kooperation mit dem Paul-Ehrlich-Institut als Online-Plattform Ärzten, die onkologische Patienten betreuen, zugänglich gemacht werden. Ziel dieser umfassenden Vernetzung ist es, die Erfahrungen der Spezialisten aus unterschiedlichen Fachdisziplinen zum Wohl der Patienten zu bündeln. So besteht insbesondere für neurologische Nebenwirkungen eine enge Kooperation mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin (Dr. Samuel Knauß). „Die großzügige Förderung unterstützt uns genau in der sensiblen Pilotphase und gewährleistet die Datenauswertung für ein ganzes Jahr“, freut sich Prof. Heinzerling.

Bristol-Myers Squibb-Stiftung Immunonkologie

Ziel der Bristol-Myers Squibb-Stiftung Immunonkologie ist es, die Lebenserwartung und die Lebensqualität von Menschen mit einer Krebsdiagnose zu verbessern. Zu diesem Zweck fördert die unabhängige und gemeinnützige Stiftung gezielt wissenschaftliche Arbeiten und auch Studien, die Daten zum besseren Verständnis von onkologischen Krankheitsverläufen erheben und die Lebensqualität bei onkologischen Erkrankungen erforschen.

Website der Bristol-Myers Squibb-Stiftung Immunonkologie: www.stiftung-io.org
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Lucie Heinzerling
Tel.: 0913/ 85-35000
lucie.heinzerling@uk-erlangen.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
www.fau.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/ 

07.06.2019 Die Zukunft der kommunalen Krankenhäuser kann beginnen
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Nach drei Monaten zähen Ringens waren die nun abgeschlossenen Tarifverhandlungen im März zunächst daran gescheitert, dass die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) nicht einmal bereit war, dem Marburger Bund die tatsächliche Geltung des von und mit ihm abzuschließenden Tarifvertrages zuzusichern“, schreibt Dr. Andreas Botzlar, 1. Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) im Leitartikel der Juniausgabe des Bayerischen Ärzteblattes.
Die zurückliegenden Wochen haben sehr deutlich gezeigt, wie wichtig insbesondere jüngeren angestellten Ärztinnen und Ärzten Arbeitsbedingungen seien, die sie nicht krank machen oder sozial deprivieren, die ihnen ein geordnetes gesellschaftliches Leben erlauben und unter denen die Bedürfnisse der Patienten im Mittelpunkt ihres ärztlichen Handels stehen.

„Bis zuletzt war es am schwierigsten, die VKA davon zu überzeugen, dass auch Ärztinnen und Ärzte regelmäßig freie Wochenenden brauchen“, schreibt Botzlar. Diese Hürde konnte genommen werden: Ärztinnen und Ärzte haben zukünftig an zwei Wochenenden im Monat frei. Schwer verständlich bleibe, warum von Arbeitgebern oft der bürokratische Aufwand tariflicher Regelungen beklagt wird, die VKA aber darauf besteht, dass aus Gründen der anders nicht zu gewährleistenden Patientensicherheit nicht gewährte freie Wochenenden eines Kalenderhalbjahres des Antrags der Anspruchsberechtigten bedürfen, um im Folgehalbjahr gewährt zu werden. „Ein Automatismus wäre bürokratisch deutlich weniger aufwendig. Oder sollte es am Ende darum gehen, dass möglichst viele Ärztinnen und Ärzte – aus welchem Grund auch immer – ihren Anspruch verfallen lassen?“, fragt der BLÄK-Vize.

Begrenzt wird auch die Anzahl der Bereitschaftsdienste: mehr als durchschnittlich vier im Monat werden nur noch zulässig sein. Zudem wird bei mehr als durchschnittlich vier Diensten ein Zuschlag von jeweils zehn Prozent auf die Vergütung fällig.

Als weiterer echter Fortschritt werde sich der Grundsatz erweisen, wonach die Anwesenheit im Krankenhaus als Arbeitszeit anzusehen sei. „Was auf den ersten Blick wie eine Selbstverständlich-keit wirkt, ist bisher nicht der Fall“, so Botzlar abschließend.

Mehr zu „Die Zukunft der kommunalen Krankenhäuser kann beginnen“ lesen Sie in der Juniausgabe 2019 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

Pressestelle
Bayerische Landesärztekammer
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: +49 89 4147-268   Fax: + 49 89 4147-202
E-Mail: s.keller@blaek.de
Internet: www.blaek.de oder www.bayerisches-aerzteblatt.de

Folgen Sie uns auch auf Twitter unter @BLAEK_P oder besuchen Sie uns auf Facebook.

04.06.2019 Leisen Killern auf der Spur -35 Millionen Euro für exzellenten Forschungsverbund zur Entwicklung neuer Immuntherapeutika für Emerging Viral Diseases
uni | mediendienst | forschung Nr. 42/2019

uni | mediendienst | forschung Nr. 42/2019 vom 4. Juni 2019

 

Leisen Killern auf der Spur

35 Millionen Euro für exzellenten Forschungsverbund zur Entwicklung neuer Immuntherapeutika für Emerging Viral Diseases

Emerging Viral Diseases – hinter diesem Begriff verbergen sich Erreger wie das Ebolavirus. Zwar können sich Menschen mithilfe von Impfungen gegen diese Krankheiten schützen, ist die Erkrankung jedoch ausgebrochen, besteht dringender Bedarf an therapeutischen Behandlungsmöglichkeiten. Das neue globale Forscherkonsortium, das vom National Institute for Allergy and Infectious Diseases, USA, im Rahmen des Centres for Excellence in Translational Research Programms mit 35 Millionen Dollar gefördert wird, will genau diese weiter erforschen. Neben Partnern wie der Harvard-Universität, dem Massachusetts-Institut für Technologie (MIT), beide USA, und industriellen Projektpartnern ist die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) an dem internationalen Forschungsverbund beteiligt.

Eine Infektion mit Viren wie dem Ebola-, Lassa- oder Hantavirus kann hämorrhagische Fiebererkrankungen hervorrufen, die zu schweren Organschädigungen führen und im Fall von Ebola häufig tödlich verlaufen. In den vergangenen Jahren gab es gehäuft größere Ausbrüche von Ebola in Afrika, die sich nur schwer kontrollieren ließen. In Bayern wiederum treten immer wieder Infektionen mit dem Hantavirus auf, welches durch Mäusekot auf den Menschen übertragen wird.

Obwohl mit Hochdruck an neuen Impfungen gearbeitet wird, erschweren die Verhältnisse zum Beispiel in afrikanischen Ländern eine erfolgreiche flächendeckende Impfung. Zudem helfen Impfungen vor allem vorbeugend, nicht aber wenn die Erkrankung bereits ausgebrochen ist. Daher besteht weiterhin ein sehr großer Bedarf an therapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung bereits erkrankter Menschen.

„Ziel des Konsortiums ist es, herauszufinden, wie das Immunsystem betroffener Individuen es geschafft hat, die Erkrankung zu besiegen“, sagt Prof. Dr. Falk Nimmerjahn, Leiter des Lehrstuhls für Genetik der FAU und Mitglied des internationalen Konsortiums.

In Zusammenarbeit mit der Harvard-Universität fokussieren sich die FAU-Wissenschaftler besonders auf die Analyse der Antikörperantwort. Antikörper sind Eiweißstoffe, die das Immunsystem passgenau für Erreger herstellen kann und die im Prinzip in der Lage sein sollten, solche Erkrankungen zu besiegen. Warum dies allerdings bei manchen Krankheiten nur sehr selten gelingt, ist unklar.

Aus Vorarbeiten von Prof. Dr. Erica Ollmann Saphire vom La Jolla Institut für Immunologie, USA, die das neue Konsortium leitet, ist bekannt, dass bestimmte Antikörpervarianten mit einem Schutz vor den tödlichen Erkrankungen korrelieren. Hierbei ist nicht nur wichtig, wie gut die Antikörper sich an das Virus binden, sondern vor allem wie gut sie in der Lage sind, Immunzellen zu aktivieren. „Jede Virusinfektion hinterlässt sozusagen einen molekularen Fußabdruck in Form einer spezifischen Antikörperantwort. Wenn es uns gelingt, den Code, der in diesem Abdruck vorhanden ist zu entschlüsseln und damit die Antikörpervarianten zu isolieren, die in der Lage sind, das Virus unschädlich zu machen, können wir diese Antikörper gezielt herstellen und betroffenen Patienten auch nach Ausbruch der Erkrankung verabreichen“, erläutert Prof. Nimmerjahn weiter. Das wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg, Ausbrüche schneller zu kontrollieren, und den vielen Betroffenen eine wirksame Therapie anzubieten bis effektive und flächendeckende Impfungen zur Verfügung stehen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Falk Nimmerjahn
falk.nimmerjahn@fau.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
www.fau.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter www.fau.de/tag/presse-6/

03.06.2019 Zellkommunikation entschlüsseln FAU-Forscher erhält Förderpreis für Forschungsarbeit zu Schlüsselfaktoren chronisch entzündlicher Darmerkrankungen
uni | mediendienst | forschung Nr. 41/2019

Die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung verleiht dem angehenden Gastroenterologen Dr. Sebastian Zundler vom Lehrstuhl für Innere Medizin I der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg (FAU) den Ernst Jung-Karriere-Förderpreis für medizinische Forschung 2019. Den Preis erhält er für sein Forschungsprojekt zur Bedeutung von intestinalen gewebsansässigen Gedächtnis-T-Zellen, kurz TRM-Zellen, bei der Entstehung und Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Mit dem Preisgeld von insgesamt 210.000 Euro unterstützt die Stiftung über einen Zeitraum von drei Jahren Zundlers Projekt, das diesen Zelltypus mit dem Ziel zukünftiger therapeutischer Ansätze weiter erforscht.
 
Kommunizierende Zellen und Entzündungen
Mehr als 400.000 Menschen in Deutschland leiden unter den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Die Erkrankungen verlaufen in Schüben, in welchen das Immunsystem im Darm fehlerhaft aktiviert und so das Darmgewebe zerstört wird. Trotz Fortschritten in der medikamentösen Behandlung kann die chronische Entzündung nach wie vor bei einer Vielzahl von Patienten nicht ausreichend kontrolliert werden. Zudem ist weitgehend unklar, wie die Entzündungsschübe ausgelöst werden.
 
Sebastian Zundler und sein Forscherteam gehen davon aus, dass intestinale TRM-Zellen bei der Entstehung dieser Darmerkrankungen sowie unter Umständen auch bei anderen chronisch entzündlichen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis eine Rolle spielen. „Vorarbeiten hatten bereits ergeben, dass TRM-Zellen eine Schlüsselrolle bei der Auslösung von Schüben zukommt und sie die Einwanderung und Entwicklung anderer Immunzellen in einem frühen Stadium der Entzündung kontrollieren“, erläutert Zundler. „Uns gelang es dann zu zeigen, dass TRM-Zellen über unterschiedliche Botenstoffe mit anderen Immunzellen kommunizieren und diese steuern.“ Dieses Kommunikationsnetzwerk will Zundler entschlüsseln und verstehen, um es für Therapieansätze nutzbar zu machen.
 
Homepage der Medizinischen Klinik 1: https://www.medizin1.uk-erlangen.de/
 
Informationen:
Dr. Sebastian Zundler
Tel.: 09131/85-35000
sebastian.zundler@uk-erlangen.de
 
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
 
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
E-Mail: presse@fau.de
 
https://fau.de
https://facebook.com/Uni.Erlangen.Nuernberg
https://twitter.com/unifau
https://www.youtube.com/channel/UCC1MMvvHuJHvxKGiUCRyFvA
 
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

27.05.2019 Neues Forschungsprojekt zur heutigen Arbeitswelt - FAU-Forscher untersuchen Ursachen und Konsequenzen der Arbeitsverdichtung
uni | mediendienst | forschung Nr. 40/2019

Mehr Arbeit in der gleichen Zeit schaffen: Die Digitalisierung macht es möglich. Doch das beschleunigte Aufkommen von Informationen und Aufgaben kann auch negative Effekte für Beschäftigte nach sich ziehen. In einem Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Psychologie, insbesondere Wirtschafts- und Sozialpsychologie sowie am Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) untersuchen Wissenschaftler die Anforderungen der heutigen Arbeitswelt und zeigen auf, wie Arbeitnehmer mit Belastungen umgehen können. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung fördert das Projekt mit rund 450.000 Euro.

Im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung und Vernetzung erfährt die Arbeitswelt einen tiefgreifenden Wandel. Der Zugang zu Informationen wird erleichtert, die Zusammenarbeit flexibler. Smartphones und Laptops ermöglichen, dass Beschäftigte von überall und zu jeder Zeit erreichbar sind und ihre Arbeitsaufgaben wahrnehmen können. Dadurch verschwimmen zum einen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit, zum anderen verändert sich die Arbeitsumgebung, was sich auf die Gesundheit der Beschäftigten auswirken kann.
Was früher analog und nacheinander bearbeitet wurde, läuft jetzt vermehrt parallel über Software-Plattformen. Diese neuartigen Arbeitsprozesse führen zu einer vereinfachten und schnelleren Leistungserbringung in höherer Qualität und setzen Wachstumspotenziale frei. Das bedeutet, dass mehr Arbeit in der gleichen Zeit geleistet werden kann, aber auch, dass Kompetenzen der Beschäftigten verfallen und sie neue erlernen müssen. Auch das kann die physische und psychische Gesundheit der Arbeitnehmer gefährden. Daher sind geeignete Verfahren notwendig, um Gesundheitsgefahren durch diese Facetten von Arbeitsverdichtung zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.

Im Forschungsprojekt ArbeitsVerdichtung Erlangen-NUErnberg (AVENUE) untersuchen FAU-Wissenschaftler um Prof. Dr. Klaus Moser und Prof. Dr. med. Hans Drexler die Ursachen und Konsequenzen dieser Arbeitsverdichtung und stellen Analyse-Instrumente und Präventionsmaßnahmen auf einer webbasierten Plattform zusammen. Diese unterstützt betriebliche Experten wie Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Mitarbeiter des Betrieblichen Gesundheitsmanagements und Betriebsärzte sowie Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträger darin, neue Formen der Arbeitsverdichtung zu spezifizieren, ihre Ursachen zu identifizieren und bedarfsorientierte Ansatzpunkte für einen belastungsgünstigen Umgang aufzuzeigen.

Mehr Informationen zum Projekt: www.arbeitsverdichtung.de

Weitere Informationen:
PD Dr. Roman Soucek
Tel.: 0911/5302-245
roman.soucek@fau.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

27.05.2019 Wir sind Vielfalt-190.000 Gesichter der Unimedizin: Deutsche Uni-Klinika setzen Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Offenheit
ni | mediendienst | aktuell Nr. 65/2019

„Im Moment ist eine sehr spannende Zeit“, findet Prof. Dr. Raja Atreya. „Denn aktuell laufen weltweit viele Studien zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und wir haben somit viele neue Erkenntnisse in Aussicht.“ Forschungsergebnisse, die nicht nur dem Oberarzt der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen, sondern vor allem auch seinen Patienten Hoffnung machen. Trotz verschiedener Behandlungsschemata kommt es immer wieder vor, dass Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) nicht auf die etablierten Therapien ansprechen. Eine bedauerliche Tatsache, die Prof. Atreya verändern möchte – möglichst schnell. Deswegen hat sich der Leiter des Schwerpunkts CED für die Tätigkeit an einem Universitätsklinikum entschieden. „Hier kann ich gleichzeitig forschen und Patienten behandeln“, erläutert er. „Am Wichtigsten: Ich kann die Ergebnisse meiner Forschung direkt in die Klinik übertragen, wo sie den Patienten zugutekommen.“ Das Wechselspiel zwischen Forschung, Studien und klinischer Tätigkeit stellt für ihn die ideale Kombination dar. Und es ist ihm ein Anliegen, junge Ärzte für die Vielfalt ihres Berufes, also sowohl für die Forschung als auch für die Klinik, zu begeistern. Damit ist er ein Gesicht der aktuellen Kampagne „Wir sind Vielfalt“ des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands e. V. (VUD).

Pünktlich zum Deutschen Diversity-Tag, der am Dienstag, 28. Mai 2019, gefeiert wird, startet die diesjährige VUD-Kampagne „Wir sind Vielfalt“. Aus jedem der 34 deutschen Uni-Klinika wird eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter vorgestellt. Sie stehen exemplarisch für die rund 190.000 Menschen, die sich Tag für Tag in den deutschen Uni-Klinika zum Wohl der Patienten engagieren. Die Vielfalt zeigt sich in jeglicher Hinsicht: Von den offensichtlichen Berufsgruppen über Alter, ethnische Herkunft und Nationalität sowie Geschlecht und geschlechtliche Identität bis hin zu Behinderung, Religion und Weltanschauung sowie sexuelle Orientierung und Identität.

Das perfekte Team stellte die Weichen

Dass Prof. Atreya heute die Heisenberg-Professur für translationale Immunforschung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen innehat und ein international gefragter CED-Experte ist, ist eher ein Zufall. Während seines Medizinstudiums in Mainz hatte er als Fachrichtung eigentlich die Urologie im Blick. Der Aushang einer medizinischen Doktorandenstelle führte ihn jedoch zu Prof. Dr. Markus F. Neurath in die Gastroenterologie. „Schon früh hatte ich den Wunsch, Forschung und gute Patientenversorgung zu verbinden“, erinnert sich der heute 43-Jährige. „Die Stelle in der Anzeige fand ich interessant und wollte mal Erfahrungen im Labor sammeln. Damals wusste ich nicht, dass diese Entscheidung wichtige Weichen für meine Karriere stellen würde!“ Denn das Team aus Ärzten, Biologen und medizinisch-technischen Assistenten, in das Raja Atreya schnell und herzlich aufgenommen wird, erweist sich als perfekt. Hier lernt der junge Mediziner nicht nur seine künftige Ehefrau und gute Freunde kennen, sondern wird auch für die Innere Medizin und die Erforschung und Behandlung von CED begeistert. Seine Dissertation zum Thema Morbus Crohn schließt er 2004 mit der höchsten Bewertung „summa cum laude“ ab, und elf Jahre später wird ihm der Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Preis, einer der weltweit renommiertesten Preise für wegweisende Forschung in der Medizinwissenschaft, verliehen.

Wichtiger Partner des Patienten
Heute leitet Prof. Atreya den Bereich CED in der Medizinischen Klinik 1 des Uni-Klinikums Erlangen und stellt selbst Teams zusammen. Dabei achtet er neben der fachlichen Qualifikation auch auf die Empathie der Kollegen. „Unsere Patienten begleiten wir jahrelang, in guten wie in schlechten Zeiten. Wir sind wichtige Partner auf einem Lebensweg, der von der chronischen Krankheit nicht überschattet werden darf“, erklärt er. „Hinzu kommt, dass wir viele Betroffene in einer Lebensphase kennenlernen, die in vielerlei Hinsicht schwierig ist. Die Diagnosen werden häufig in der Pubertät gestellt, und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind oftmals eine sehr belastende Erkrankung für den betroffenen Patienten mit entsprechenden Auswirkungen im privaten und beruflichen Bereich.“ Hier seien Einfühlungsvermögen, eine emotionale Nähe zum Patienten, die Auswahl der bestmöglichen Therapie und ein  gemeinsames Therapieziel gefragt. Dies versucht Raja Atreyas Team aus Ärzten, Pflegekräften und Studienassistenten im Bereich CED zu gewährleisten. Nur das gute Zusammenspiel dieses Teams ermöglicht den Behandlungserfolg. „Das erfordert Zeit“, sagt Raja Atreya. „Zeit, die in der Hochleistungsmedizin häufig nicht vorgesehen ist, die wir aber versuchen, uns bewusst zu nehmen.“

Seine eigene Arbeitszeit teilt der Professor bestmöglich auf die verschiedenen Teilbereiche seiner Tätigkeit auf – anders geht es nicht. Neben der Patientenversorgung und Durchführung von klinischen Studien kümmert er sich auch um die experimentelle Arbeit im Labor. „Dieses wissenschaftliche Arbeiten wird mir durch die hervorragenden Mitarbeiter meiner Arbeitsgruppe ermöglicht“, betont Raja Atreya. „Im Klinikalltag mit all seinen Anforderungen ist es nicht immer einfach, sich ausreichend Zeit für die Forschung zu nehmen. Man muss hier bereit sein, zusätzliche Zeit zu investieren.“ Die wertvolle Mischung aus Kollegen, die sich entweder ausschließlich auf die klinische Versorgung der Patienten konzentrieren  oder dies mit klinischen Studien oder experimenteller Laborarbeit verbinden, macht für ihn das erfolgreiche Wirken an einem Universitätsklinikum aus.

Wie wichtig Forschung und die weltweite Vernetzung von Forschern sind, erlebt der gebürtige Darmstädter, dessen Eltern in den 1960er-Jahren als Fachkräfte aus Indien angeworben wurden, jeden Tag in der Klinik. „In Deutschland leiden mindestens 400.000 Menschen an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung und das Auftreten von CED nimmt weltweit deutlich zu“, weiß Raja Atreya. „Der Leidensdruck ist teils enorm. Die Lebensqualität kann bei komplizierten Verläufen der Erkrankung deutlich eingeschränkt sein.“ Diesen Patienten zu helfen, ist sein Ansporn. „Im Moment wissen wir immer noch nicht, welche verschiedene Faktoren zu der Entzündung im Darm führen. Aber genau das müssen wir immunologisch verstehen, damit wir neue und gezieltere Therapien für den einzelnen Patienten entwickeln können.“ Dank dem guten Vertrauensverhältnis, das Prof. Atreya und sein Team mit ihren Patienten aufbauen, helfen ihnen diese auch bei wissenschaftlichen Studien. „Wir freuen uns über die große Bereitschaft, mitzumachen“, sagt Prof. Atreya. „Dazu trägt sicher auch der gute Ruf des Uni-Klinikums Erlangen bei und die Vorreiterrolle, die die Medizinische Klinik 1 auf diesem Gebiet schon seit Jahren einnimmt.“


VUD-Kampagne „Vielfalt“

Die 34 deutschen Universitätskliniken und ihre über 190.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen für gesellschaftliche Vielfalt und Toleranz. Das Zusammenspiel unterschiedlicher Menschen, Kulturen und Nationen in medizinischer Versorgung, Forschung und Lehre trägt maßgeblich dazu bei, Patientinnen und Patienten bestmöglich zu versorgen und neue Behandlungsmethoden zu entwickeln.
Mit einer deutschlandweiten Aktion setzen die deutschen Universitätsklinika ein sichtbares Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Offenheit. Dazu werden am Deutschen Diversity-Tag am Dienstag, 28. Mai 2019, u. a. haushohe Banner mit Porträts von realen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an den Gebäuden der Uni-Kliniken gehisst. Sie symbolisieren die Vielfalt der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Geschichten der Menschen auf dem Banner werden ab diesem Tag auf unterschiedlichen Kanälen verbreitet. Es geht um ihre beruflichen Herausforderungen an einem Uni-Klinikum, die Zusammenarbeit in Teams, aber auch um Persönliches wie Herkunft und Lebenskonzepte. Weitere Informationen: www.uniklinika.de

Weitere Informationen:
Johannes Eissing
Tel.: 09131/85-36102
presse@uk-erlangen.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
www.fau.de
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter www.fau.de/tag/presse-6/

24.05.2019 Fresszellen schützen vor Wurminfektionen
Pressemeldung der FAU

FAU-Wissenschaftler veröffentlichen Ergebnisse in Science Immunology

Zellen des Immunsystems, allgemein als „Fresszellen“ bekannt, schützen uns einerseits vor Infektionen durch verschiedene Mikroorganismen und tragen andererseits dazu bei, dass Gewebeschäden wieder repariert werden. Letzteres ist besonders in Organen mit Kontakt zur Umwelt sehr wichtig, wie Haut, Lunge und Darm. In diesem Zusammenhang spielen sogenannte „alternativ aktivierte“ Makrophagen (AAM), eine Untergruppe der Fresszellen, eine Schlüsselrolle. Der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. David Vöhringer, Infektionsbiologische Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), ist es nun gelungen, AAM erstmals mithilfe eines fluoreszierenden Proteins im Gewebe sichtbar zu machen. Dadurch ist es möglich zu untersuchen, wo diese Zellen in verschiedenen Organen angesiedelt sind. Sie konnten zudem zeigen, dass AAM eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Wurmparasiten und Reparatur von Gewebeschäden in der Lunge spielen – welche molekularen Mechanismen diesen Prozessen zugrunde liegen, ist Gegenstand weiterer Forschungsarbeiten.

Originalpublikation:
Krljanac et al. Sci Immunol. (2019) epub 24.5.2019. doi: 10.1126/sciimmunol.aau3814

Bildmaterial zum Downoad:
https://www.fau.de/files/2019/05/20150227_Vöhringer_David_Malter0821_web.jpg

Bildunterschrift: Prof. Dr. David Vöhringer, Infektionsbiologische Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). (Bild: FAU/Erich Malter)

Weitere Informationen:
Prof. Dr. David Vöhringer
Tel.: 09131/85-32735
david.voehringer@uk-erlangen.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de 
www.fau.de 

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter www.fau.de/tag/presse-6/

24.03.2019 Aktiv gegen Herzschwäche- Einladung zum Patientenkongress am 28. Mai 2019
uni | mediendienst | aktuell Nr. 64/2019

Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der Herzinsuffizienz: Zu dieser Informationsveranstaltung lädt das Universitäts-Herzzentrum Erlangen des Universitätsklinikums Erlangen im Rahmen des Europäischen Tags der Herzschwäche (Heart Failure Awareness Day) auch in diesem Jahr ein. Experten der Medizinischen Klinik 2 – Kardiologie und Angiologie (Direktor: Prof. Dr. Stephan Achenbach) und der Herzchirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Michael Weyand) referieren am Dienstag, 28. Mai 2019, ab 18.30 Uhr in den Hörsälen Medizin, Ulmenweg 18, rund um das Thema Herzschwäche. Der Eintritt ist frei. Die Themen des Patientenkongresses sind Ursachen, Diagnostik und Therapie der Herzinsuffizienz sowie Informationen zu Herztransplantation und Kunstherz. Ende der Veranstaltung ist gegen 20.30 Uhr.

Herzschwäche – eine unbekannte Erkrankung


Bei einer Herzschwäche pumpt das Herz nicht mehr richtig und kann deshalb Körper und Organe nur unzureichend mit Blut sowie Sauerstoff versorgen. Typische Symptome sind Luftnot, Erschöpfung, Wassereinlagerungen und Rhythmusstörungen. Obwohl die Herzinsuffizienz die häufigste Ursache für eine Krankenhauseinweisung in Deutschland ist, ist die Krankheit nur wenig im öffentlichen Bewusstsein. Um die Bevölkerung besser darüber zu informieren, Symptome, Ursachen sowie Behandlungsmöglichkeiten bekannt zu machen und wo möglich der Erkrankung vorzubeugen, wurde der Europäische Tag der Herzschwäche ins Leben gerufen, welcher dieses Jahr zum neunten Mal in rund 30 europäischen Ländern stattfindet. Deutschlandweit werden in Zusammenarbeit mit vielen Kliniken und der Deutschen Herzstiftung e. V. unter Koordination des Kompetenznetzes Herzinsuffizienz und des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz zahlreiche Veranstaltungen angeboten. Weitere Informationen zum Programm des Universitäts-Herzzentrums Erlangen: www.medizin2.uk-erlangen.de

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Stephan Achenbach
Tel.: 09131/85-35301
med2-info@uk-erlangen.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de   
www.fau.de  

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter www.fau.de/tag/presse-6/

23.05.2019 Zielgerichtet den Tumor bekämpfen-Humboldt-Stipendiat Prof. Dr. Halmuthur M. Sampath Kumar erforscht am Department Chemie und Pharmazie der FAU neuartige Krebsmedikamente
uni | mediendienst | aktuell Nr. 63/2019

uni | mediendienst | aktuell Nr. 63/2019 vom 23. Mai 2019



Zielgerichtet den Tumor bekämpfen

Humboldt-Stipendiat Prof. Dr. Halmuthur M. Sampath Kumar erforscht am Department Chemie und Pharmazie der FAU neuartige Krebsmedikamente


Jährlich kommen mehrere renommierte Wissenschaftler sowie vielversprechende Nachwuchswissenschaftler an die FAU, um hier zusammen mit ihren jeweiligen Gastgebern an neuen Forschungsprojekten zu arbeiten. Gefördert wird dieser Austausch von der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, in Form eines Stipendiums. Für die kommenden drei Monate wird Prof. Dr. Halmuthur M. Sampath Kumar an neuen, schonenderen Krebsmedikamente forschen.


Jährlich erkranken fast 500.000 Menschen in Deutschland an Krebs, weltweit nimmt die Häufigkeit von Krebserkrankungen in der jüngeren Vergangenheit sogar immer mehr zu – möglicherweise aufgrund einer veränderten Lebensweise in Entwicklungsländern sowie einem vermehrten Vorkommen von krebserzeugenden Substanzen in der Umwelt durch Pestizide und Chemikalien. Auch wenn sich die Behandlungsmöglichkeiten von Krebserkrankungen in den vergangenen Jahrzehnten extrem verbessert haben, verlangt die Therapie den Patienten und ihren Körpern viel ab: Die chemotherapeutischen Wirkstoffe sind hochgiftig, greifen nicht nur die Krebszellen, sondern auch den eigenen Organismus an.

Zusammen mit seiner Gastgeberin Prof. Dr. Svetlana B. Tsogoeva, Professur für Organische Chemie an der FAU, wird Prof. Dr. Halmuthur M. Sampath Kumar in den nächsten drei Monaten nach alternativen Therapeutika suchen – Arzneimittel, die gezielt die Krebszellen angreifen, anstatt auch die gesunden Zellen. Die Beiden wollen dafür verschiedene, ausgewählte Krebsmedikamente an sogenannte Tumor-Homing-Peptide koppeln. Ähnliche Peptide werden bereits in anderen Medikamenten als Werkzeug genutzt, um Arzneimittel zielgerichtet an die Stelle im Körper zu bringen, wo sie wirken sollen. Ihr Konzept basiert auf der Annahme, dass Tumor-Homing-Peptide dazu neigen, sich im Tumor anzusammeln, das neuartige Medikament aus Wirkstoff und Peptid daher direkt zum Tumor geleitet wird, wo der Wirkstoff freigesetzt wird – und damit seine giftige Wirkung nur gegen den Tumor wirkt.

Über den Humboldt-Stipendiaten

Halmuthur M. Sampath Kumar erhielt seinen Master in Organischer Chemie an der Universität Gulbarga, bevor er am Indian Institute of Chemical Technology (CSIR-IICT) in Hyderabad im Bereich der biomimetischen Chemie promovierte. Im Jahr 2000 wechselte er als Alexander von Humboldt-Stipendiat zum Max-Planck-Institut für Molekulare Physiologie nach Dortmund, wo er im Bereich der Kernlokalisation und Gentherapie forschte. Zwei Jahre später kehrte er nach Indien zurück, um seine Forschungsarbeit zu agrochemischen und pharmazeutischen Technologieentwicklungen fortzusetzen. Viele der von Kumar entwickelten Technologien wurden in Indien und anderen Ländern vermarktet. 2004 wechselte er ans CSIR-Regional Research Laboratory, wo er eine neue Abteilung für biologische Chemie aufbaute. Zurzeit ist er Projektkoordinator des Impfimmunologie-Programms am CSIR-IICT.
Bildmaterial zum Download:
https://www.fau.de/files/2019/05/Kumar_Halmuthur-M.-Sampath_Tsogoeva3800_presse.jpg

Bildunterschrift: Humboldt-Stipendiat Prof. Dr. Halmuthur M. Sampath Kumar erforscht am Department Chemie und Pharmazie der FAU neuartige Krebsmedikamente. (Bild: FAU/Svetlana B. Tsogoeva)

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Svetlana B. Tsogoeva
Tel.: 09131-85-65573
svetlana.tsogoeva@fau.de 

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de  
www.fau.de 
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter www.fau.de/tag/presse-6/

Neuen Text eingeben

20.05.2019 Der Psychotherapeut in der Hosentasche
Pressemeldung der FAU Erlangen

Die Zahl der Menschen mit psychischen Leiden scheint immer mehr anzusteigen, ihre Chance schnell einen Therapeuten zu finden, ist jedoch gering. Prof. Dr. Matthias Berking vom Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie der FAU, entwickelt an seinem Lehrstuhl Apps fürs Smartphone, die den Therapeuten zumindest für einige Zeit ersetzen oder dessen Arbeit ergänzen können. Auf der Tagung „Von Klangschale bis Cybercoach – Die Vielgestalt moderner Psychotherapie“, die Prof. Berking vom 29. Mai bis 1. Juni 2019 in Erlangen organisiert, wird unter anderem diese Therapieform näher betrachtet.
Wie kann man sich Psychotherapie übers Smartphone vorstellen?

Wir sehen in Smartphones eine große Chance, Patienten möglichst unkompliziert und niederschwellig psychotherapeutische Unterstützung zu bieten. Schließlich trägt heute fast jeder einen dieser kleinen Supercomputer mit sich herum und schaut unzählige Male am Tag aufs Display.

Sensoren, die in den Geräten verbaut sind, können mit den richtigen Apps zum Beispiel über Veränderungen der Gesichtsfarbe den Puls messen und dadurch das aktuelle Stresslevel bestimmen. Auf dieser Basis kann die App dann Vorschläge machen, wie der Stress wieder abgebaut werden kann. Im sogenannten „Backend“ kann ein Therapeut oder E-Coach dann verfolgen, welche Techniken der Patient angewandt hat und welchen Erfolg er dabei hatte. Bei Bedarf kann er den Patienten dann über Chat-Nachrichten, Audio- oder Video-Kommunikation beim Lernen und Einsetzen neuer Bewältigungsstrategien unterstützen. So ist der Therapeut im Alltag immer dabei.

Ein weiterer Bereich sind gamifizierte Apps zum Beispiel für Alkoholiker auf dem Weg zur Abstinenz. Für diese haben wir ein Spiel entwickelt, in dem sie Alkoholflaschen angeekelt, traurig oder ärgerlich anschauen sollen, dann verschwinden diese im Hintergrund – man schiebt sie also weg. Ein Wasserglas sollen die Patienten hingegen freundlich anlächeln und so zu sich heranziehen. So werden die Patienten mit positiven Emotionen auf gesundheitsförderliches Verhalten konditioniert. Studien belegen, dass diese Technik höchst erfolgversprechend – und mit ausgetauschten Inhalten – auch für andere psychische Störungen einsetzbar ist.
Auf der von Ihnen organisierten Tagung spannen Sie den Bogen jedoch viel weiter – nämlich „Von der Klangschale zum Cybercoach“. Worum wird es neben den digitalen Anwendungen noch gehen?

In der Psychotherapie steht uns ein breites Spektrum an Methoden zur Verfügung – eben jene Techniken, die mit künstlicher Intelligenz und Sensorik arbeiten, aber auch Techniken, die schon seit Jahren eingesetzt werden, um mit psychischen Problemen umzugehen. Die Klangschale steht für die achtsamkeitsbasierten Verfahren, die früher als unwissenschaftlich und sogar esoterisch belächelt wurden. Mittlerweile wurde die Effektivität achtsamkeitsbasierter Verfahren jedoch in vielen Studien nachgewiesen. Ich halte es für extrem wichtig, dass wir zum Wohle der Patienten vorurteilsfrei die Techniken nutzen, deren Effektivität wissenschaftlich belegt ist. Welche Vorgehensweisen wie effektiv sind und welche Wirkfaktoren für den therapeutischen Effekt verantwortlich sind, wird auf dem Kongress in über 300 wissenschaftlichen Beiträgen thematisiert. Neben den wissenschaftlichen Diskussionen wird die Tagung aber auch einen politischen Schwerpunkt haben: Das Psychotherapeutengesetz soll geändert werden. Mit der Reform wird der psychotherapeutische Nachwuchs künftig nicht länger in prekären Praktikumsverhältnissen nach dem Studium ausgebildet, sondern als Psychotherapeut mit angemessenem Gehalt für die eigenverantwortliche Tätigkeit in der ambulanten und stationären Versorgung weitergebildet sowie der Sonderweg der bisherigen Psychotherapeutenausbildung beendet. Wie bei den anderen akademischen Heilberufen wird die bewährte Struktur eines universitären Approbationsstudiums mit anschließender Weiterbildung geschaffen. Die Reform stellt außerdem sicher, dass Patienten, die einer psychotherapeutischen Behandlung bedürfen, eine qualifizierte, patientenorientierte Versorgung auf dem aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse erhalten. Meine Kolleginnen und Kollegen wollen in einer öffentlichen Podiumsdiskussion am 31. Mai von 15.00 bis 16.30 Uhr in der Heinrich-Lades-Halle in Erlangen mit renommierten Experten und Vertretern der politischen Parteien diskutieren, wie ein solcher Studiengang aussehen muss, damit sich die Rahmenbedingungen für die psychotherapeutische Versorgung weiter verbessern.
Sie selbst geben einen Workshop mit dem Titel „Training emotionaler Kompetenzen“. Wozu brauchen wir das?

Wie Leute reagieren, wenn sie unerwünschte Gefühle haben, hat für psychische Gesundheit eine große Bedeutung, insbesondere, wenn wir alles dafür tun, um unangenehmen Gefühlen wie beispielsweise Stress, Angst, Ärger, Traurigkeit oder depressiver Stimmung auf jeden Fall aus dem Weg zu gehen. In diesem Fall kann es dazu kommen, dass wir zu Strategien greifen, die zwar kurzfristig helfen, ein unerwünschtes Gefühl zu vermeiden, die uns aber langfristig in Teufelsküche bringen können. Ein gutes Beispiel dafür ist der Konsum von Alkohol. Dieser ist kurzfristig bei manchen Personen ein extrem effektives Mittel gegen unangenehme Gefühle wie zum Beispieil Angst, aber am nächsten Abend muss ich schon mehr trinken, wenn ich wieder denselben Effekt erzielen will, und am nächsten Abend noch mehr. Und so rutsche ich dann Schritt für Schritt in die Alkoholabhängigkeit.

Eine andere Strategie ist es, sich auf solche Affekte einzulassen: sie aushalten, nicht vermeiden, einen Weg finden, sich zu arrangieren, oder sie vielleicht sogar positiv nutzen, denn jede Emotion hat eine Funktion. So macht Angst wach, präsent, etwa bei einem Vortrag. Traurigkeit soll helfen, sich von etwas zu verabschieden, was man verloren hat. Wenn ich es nicht schaffe zu trauern, hafte ich ewig an Personen oder Dingen und sehe immer wieder, dass sie nicht da sind – und werde wieder traurig oder sogar depressiv.

Es geht also darum, negative Gefühle anders wahrzunehmen, von „ah, das ist unangenehm, das muss weg“, zu „ah, was ist das und wobei will mir das helfen?“. So eine Wandlung lässt mich viel ruhiger auf negative Emotionen reagieren, und verhindert, dass ich zu langfristig schädlichen Strategien greife. Außerdem schafft es Angstfreiheit, weil ich vor bestimmten Situationen, die mir negative Gefühle bereiten, keine Angst mehr haben muss. Ich kann schließlich mit diesen Gefühlen umgehen. Dadurch bin ich angst- und letztlich auch handlungsfreier. Ich lasse mich dann von kurzfristig unangenehmen Gefühlen nicht mehr davon abhalten, mir persönlich wichtige Ziele zu verfolgen.
Wer nimmt an so einem Training emotionaler Kompetenzen teil?

Das sind zum einen Therapeuten, die sich weitere Strategien aneignen wollen, mit denen Sie ihren Patienten möglichst gut helfen können. Aber auch andere Berufsgruppen wie zum Beispiel Lehrer, die zum einen selbst gut in der Lage sein müssen, mit belastenden Gefühlen umzugehen, zum anderen diese Kompetenz aber auch ihren Schülern vermitteln wollen. Weitere Berufsgruppen, die sich für das Thema interessieren sind Coaches, Ärzte, Polizisten, Seelsorger, Manager und Pflegekräfte. Oft kommen aber auch Personen, die einfach an ihrem persönlichen Wachstum arbeiten wollen und begriffen haben, dass ein konstruktiver Umgang mit Gefühlen für ein glückliches und erfülltes Leben von zentraler Bedeutung ist.

Weitere Informationen zur Tagung der Fachgruppe für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie an der FAU und zur öffentlichen Podiumsdiskussion zum Psychotherapeutengesetz gibt es auf deren Webseite.
Weitere Informationen:

Prof. Dr. Matthias Berking
Tel.: 09131/85-67575
matthias.berking@fau.de


20.05.2019 Dr. Gerald Quitterer im – Gesundheitsgespräch
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer


Dr. Gerald Quitterer im – Gesundheitsgespräch
Was für Ärzte brauchen die Patienten?
am Mittwoch, 22.05.2019
von 10:05 bis 11:00 Uhr
auf BAYERN 2

Wer wird Präsident der Bundesärztekammer?
Der bayerische Kammerchef Dr. Gerald Quitterer stellt sich zur Wahl - und, im Gespräch mit Dr. Marianne Koch, auch den Fragen der Anrufer. Was will er z. B. für ältere Patienten tun? Antworten des Bayerischen Ärztepräsidenten Dr. Gerald Quitterer mit Dr. Marianne Koch.
Moderation: Ulrike Ostner
Telefon: 0800 - 246 246 9 gebührenfrei

E-Mail: gesundheitsgespraech@bayern2.de
Internet: www.bayern2.de/gesundheitsgespraech
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar
Im Gesundheitsgespräch, Hörertelefon 0800/246 246 9, geschaltet immer mittwochs ab 9 Uhr und während der Sendung auf Bayern 2, ab 10.05 Uhr.

Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle

Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax:       089 4147-202
E-Mail: presse@blaek.de
www.blaek.de

16.05.2019 Erstklassige Ausbildung der Kollegen von morgen - Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen von Pharmazeuten im Praktikum als bundesweit „Beste Ausbildungsapotheke“ ausgezeichnet
uni | mediendienst | aktuell Nr. 57/2019

Ein strukturierter Ausbildungsplan, gelebte Feedbackkultur, vielfältige sowie verantwortungsvolle Aufgaben, die Möglichkeit, individuellen Interessen nachzugehen und Kollegen, die immer ein offenes Ohr für Fragen sowie hilfreiche Ratschläge haben: Dies sind nur einige der Punkte, mit denen die Apotheke des Universitätsklinikums Erlangen überzeugte. Bereits zum zweiten Mal wurde sie nun vom Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland e. V. als „Beste Ausbildungsapotheke – Krankenhaus“ ausgezeichnet. Für Chefapotheker Prof. Dr. Frank Dörje Grund zu großer Freude, aber auch Ansporn: „Die Ausbildung der Pharmazeuten im Praktikum liegt uns besonders am Herzen – schließlich sind das unsere Kollegen von morgen. Zum Wohl der Patienten möchten wir ihnen das bestmögliche Rüstzeug mit auf den Weg geben, den angehenden Apothekern aber auch die Vielfalt unseres Berufs und die Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen.“

Eine dieser künftigen Kolleginnen ist Stephanie Lichter, die ihr praktisches Halbjahr in der Uni-Klinikumsapotheke gerade abgeschlossen hat und ein überaus positives Fazit zieht. „Besonders gefallen hat mir der direkte Patientenbezug. In den sechs Monaten haben wir einen umfassenden Überblick über alle Bereiche erhalten und dazu gehörte auch die Teilnahme an interprofessionellen Visiten auf Station mit direktem Patientenkontakt“, berichtet die 26-Jährige. „Das hat mich darin bestärkt, dass ich später am besten in einer Krankenhausapotheke arbeiten möchte.“ Ein weiterer Lieblingsbereich von Stephanie Lichter war der sogenannte „Seamless Care“-Servicebereich, also die sektorenübergreifende Betreuung von Patienten an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. „Wenn ein Patient ins Krankenhaus kommt, werden zuerst auf Station alle Medikamente erfasst, die diese Person aktuell benötigt. Wir Pharmazeuten im Praktikum überprüfen diese Medikationsliste aus klinisch-pharmazeutischer Sicht unter anderem hinsichtlich möglicher Neben- und Wechselwirkungen und mit Blick auf die anstehende Therapie und den stationären Aufenthalt, aber auch hinsichtlich der Zeit nach der Entlassung“, erläutert Stephanie Lichter. „Da zunehmend ältere Patienten behandelt werden, die oft eine Vielzahl an Präparaten einnehmen, müssen wir solche Fälle in einer Medikationsanalyse bei der Aufnahme in die stationäre Behandlung intensiv prüfen. Das ist spannend und man lernt in kurzer Zeit unglaublich viel.“ Die Pharmazeuten im Praktikum besprechen ihre Arzneimittelempfehlung anschließend mit dem zuständigen Stationsapotheker. „Wir kontrollieren zwar die Arbeit der Nachwuchskräfte und haben gegebenenfalls den ein oder anderen Verbesserungsvorschlag“, sagt Dr. Tobias Borst, stellvertretender Leiter der Uni-Klinikumsapotheke und selbst Fachapotheker für klinische Pharmazie, „aber die jungen Kollegen müssen zunächst die Verantwortung übernehmen und die Arzneimittelempfehlung selbstständig erstellen.“
Vom ständigen pharmazeutisch-fachlichen Austausch profitieren in der Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen beide Seiten. „Nach Durchlaufen jedes Ausbildungsbereichs gibt es ein Abschlussgespräch, in dem sowohl das verantwortliche Mitglied unseres Teams als auch der Pharmazeut im Praktikum Rückmeldung geben“, erläutert Dr. Borst. „Außerdem beinhaltet der Ausbildungsplan auch mehrere Treffen mit unserem Chefapotheker, dem diese 180-Grad-Feedback-Gespräche mit dem Berufsnachwuchs sehr am Herzen liegen. Nur durch ein regelmäßiges Hinterfragen und den systematischen Austausch von Anregungen können wir uns verbessern.“

Bewusste Entscheidung für die Ausbildung in der Krankenhausapotheke


Im Rahmen ihres Studiums müssen die angehenden Apotheker zwei Praxishalbjahre absolvieren: einmal sechs Monate in einer öffentlichen Apotheke und noch einmal sechs Monate in einer pharmazeutischen Ausbildungsstätte ihrer Wahl. „Wir können zum Beispiel ins Ausland gehen oder auch in die pharmazeutische Industrie“, sagt Stephanie Lichter, die sich jedoch bewusst für eine Krankenhausapotheke und gezielt für die Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen entschieden hat. „Hier war ich schon während meines studentischen Wahlpflichtpraktikums im sechsten Semester tätig. Die drei Wochen waren spannend, aber zu kurz: Ich wollte den Bereich noch näher kennenlernen.“ Darüber, dass dies geklappt hat, freut sich die junge Frau besonders, da sie weiß: Die Plätze sind heiß begehrt. „Pro Halbjahr vergeben wir höchstens sechs Praktikumsstellen“, erläutert Dr. Borst. „Deshalb müssen Interessenten fix sein, manche bewerben sich eineinhalb Jahre vorher.“

Am Uni-Klinikum Erlangen sind die Pharmazeuten im Praktikum fest eingeplant. „Die jungen Kollegen sind keine Arbeitskräfte ‚on top‘, sondern Teammitglieder, mit denen wir rechnen“, hebt Tobias Borst die Bedeutung der Pharmazeuten im Praktikum für den Betrieb der Apotheke hervor, die insgesamt rund 80 Mitarbeiter zählt. „Die Zeit für Anleitung und Fragen ist selbstverständlich einkalkuliert.“ Obwohl es sich bei den Nachwuchskräften um fast vollständig ausgebildete Apotheker handelt – lediglich eine Prüfung trennt sie von der Berufsbezeichnung –, übernehmen sie in der Uni-Klinikumsapotheke durchaus Tätigkeiten aller Berufsgruppen einer Apotheke. „Wir packen beispielsweise auch mal Medikamentenkisten für die Stationen und arbeiten in der Arzneimittelherstellung und -prüfung mit“, berichtet Stephanie Lichter. „Es ist immens wichtig, dass wir das alles auch selbst machen, um die Abläufe wirklich zu verstehen.“

Die Auszeichnung „Beste Ausbildungsapotheke“

Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland e. V. setzt sich für eine gute und vergleichbare Ausbildung im Praktischen Jahr ein. Um dies zu überprüfen und zu gewährleisten, verschickt er seit 2003 an die Pharmazeuten im Praktikum Fragebögen und bittet sie um Feedback zu ihren Ausbildungsapotheken. Der Beauftragte für Jungpharmazeuten und der Evaluationskoordinator werten die Rückmeldungen aus und erstellen auf dieser Basis jährlich eine Liste mit „empfehlenswerten Ausbildungsapotheken“. Außerdem werden in den Kategorien „Öffentliche Apotheke“ und „Krankenhausapotheke“ die jeweils drei besten nationalen Ausbildungseinrichtungen gekürt und im Rahmen der wissenschaftlichen Jahrestagung des Bundesverbands Deutscher Krankenhausapotheker e. V. für den Bereich Krankenhaus geehrt. Die Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen wurde am Freitag, 10. Mai 2019, in Berlin bereits zum zweiten Mal als „Beste Ausbildungsapotheke – Krankenhaus“ ausgezeichnet.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Frank Dörje
Tel.: 09131/85-33591
frank.doerje@uk-erlangen.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen,
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
www.fau.de
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter www.fau.de/tag/presse-6/

15.05.2019 Hoffnung auf ein Leben ohne Tabletten Informationsveranstaltung am 17. Mai 2019
uni | mediendienst | aktuell Nr. 56/2019

Alternative Therapien gegen Bluthochdruck – Informationsangebote zum Welt-Hypertonie-Tag am Freitag, 17. Mai 2019, am Uni-Klinikum Erlangen
Bluthochdruck (Hypertonie) gilt als ‚stumme Krankheit‘, die wegen ihrer unspezifischen Symptome wie Schwindel, Übelkeit, Schlaflosigkeit und Ohrensausen häufig nicht erkannt wird. Oft stellt man erst bei der Diagnose Herzinfarkt, Schlaganfall oder Diabetes auch den schon lange bestehenden Bluthochdruck fest. Die Medizinische Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie (Direktor: Prof. Dr. Mario Schiffer) des Universitätsklinikums Erlangen lädt anlässlich des Welt-Hypertonie-Tags zu einer Informationsveranstaltung ein. Am Freitag, 17. Mai 2019, von 13.00 bis 16.00 Uhr, können Interessierte ihren Blutdruck messen lassen und Informationsgespräche mit Ärzten im Foyer des Internistischen Zentrums, Ulmenweg 18, führen. Auch über die neue Behandlungsmethode der Renalen Denervation, also der Verödung der Nierennerven, als therapeutische Alternative bzw. Ergänzung zur Medikamenteneinnahme gegen Hypertonie wird dabei informiert.

Blutdruck messen, Tablette einnehmen – erst nach dieser morgendlichen Routine genießt Reinhard Drebinger seinen Frühstückskaffee. Das Hantieren mit der Manschette des Blutdruckmessgeräts ist für den agilen Senior seit drei Jahrzehnten fester Teil des Tagesbeginns. Schon 1988 wurde bei dem damals 44-Jährigen ein deutlich erhöhter Blutdruck festgestellt. Die offizielle Grenze für Hypertonie liegt bei 140/90 mmHg – und seine Werte lagen deutlich darüber. Symptome verspürte Reinhard Drebinger zwar keine, er wusste aber, dass es in seiner Familie eine erbliche Vorbelastung zu erhöhten Blutdruck- und Cholesterinwerten gibt. Nachdem er zur Blutdrucksenkung bereits die allgemeinen Änderungen seines Lebensstils mit mehr Bewegung und einer massiven Ernährungsumstellung ausgeschöpft hatte, muss der kaufmännische Angestellte bis heute regelmäßig seine Medikamente gegen Bluthochdruck einnehmen. An jedem Morgen –- seit mehr als dreißig Jahren.

Studienprogramm erprobt alternative Therapie
Jetzt könnte sich daran etwas ändern: Die Teilnahme an dem umfassenden Studienprogramm zur Therapie der Hypertonie am Uni-Klinikum Erlangen ermöglichte dem 75-Jährigen vor sechs Monaten eine so genannte Renale Denervation. Prof. Dr. Roland Schmieder, Leiter der Klinischen Forschungsstation (CRC) für Hypertonie und Gefäßmedizin der Medizin 4 des Uni-Klinikums, erläutert dieses neue Therapieverfahren gegen Bluthochdruck: „Bei dem minimalinvasiven Eingriff wird das Nervengeflecht um die Nierenarterie mit Kathetern punktuell verödet. Das verhindert die Ausschüttung von schädlichen Hormonen, die den Blutdruck erhöhen.“

Der Eingriff war für Reinhard Debringer keine große Sache: Nach der üblichen Beobachtungszeit konnte er das Uni-Klinikum am nächsten Tag verlassen. Spürbare körperliche Veränderungen nimmt er seither nicht wahr. Positiv verändert haben sich jedoch seine Blutdruckwerte – und zwar um zehn Zähler nach unten bei beiden Messwerten. „Das spricht dafür, dass die Gefäße des Patienten gut reagieren“, freut sich Roland Schmieder bei der halbjährlichen Kontrolluntersuchung. „Ein positiver Therapieeffekt kann frühestens drei Monate nach dem Eingriff festgestellt werden“, betont der Hypertonieexperte. „Bei den leichteren Fällen ist eine Senkung der Messwerte um 10 mm Hg möglich. Das klingt nach nicht viel, entspricht aber einer verringerten Medikamenteneinnahme von einer bis anderthalb Wirksubstanzen, sprich: er braucht pro Tag ein bis zwei Tabletten weniger einzunehmen.“

Patienten profitieren von interdisziplinärer Betreuung


Bei schweren Fällen bewirkt die Renale Denervation sogar eine Senkung von bis zu 20 mmHg, weiß Prof. Schmieder, der die interdisziplinäre Ausrichtung des Schwerpunkts am Uni-Klinikum Erlangen betont. „Die gesamte Therapie der Hypertonie erfolgt durch ein Ärzteteam aus Nephrologen, Kardiologen, Neurologen und Radiologen. Wir können in Erlangen weiterhin für unsere Patienten Therapiemöglichkeiten im Rahmen eines umfassenden Studienprogramms anbieten, die im süddeutschen Raum einmalig sind.“ Die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Disziplinen ist deshalb so wichtig, weil Bluthochdruck zu Erkrankungen der Herzkranzgefäße führen, eine Herzmuskelverdickung oder eine Herzinsuffizienz hervorrufen kann, aber auch Wegbereiter für Schlaganfall und Demenz ist. Nach mehr als 100 Eingriffen der Renalen Denervation am Uni-Klinikum Erlangen, die von der Radiologie vorgenommen werden, ist der erfahrene Hypertonieforscher von der Wirksamkeit dieser Therapie mehr als überzeugt. „Wir untersuchen jetzt vor allem die Frage: Welche Patienten profitieren davon am meisten?“

Teilnahme noch bis Sommer 2020 möglich


Sicher noch bis zum Sommer 2020 läuft am Uni-Klinikum das Studienprogramm, bei dem die Experten des Radiologischen Instituts (Direktor: Prof. Dr. Michael Uder) und der Medizin 4 des Uni-Klinikums Erlangen die Patienten interdisziplinär betreuen. In dieser Zeit besteht auch noch die Möglichkeit, Bluthochdruckpatienten in das Studienprogramm einzuschließen. „Jeder Hypertoniepatient kann sich dafür bei uns melden“, betont Prof. Schmieder. „Wenn neue positive Studienergebnisse zum Jahresende 2020 vorliegen, kann mit der behördlichen Erlaubnis für diese alternative Behandlungsform gerechnet werden“, blickt der Experte in die nahe Zukunft. „Bis dahin bleibt dieses Verfahren Studienteilnehmern vorbehalten.“

Auch Reinhard Drebinger hofft, dank der positiven Auswirkungen des Eingriffs bald völlig auf seine Blutdrucktabletten verzichten zu können. „Jetzt habe ich neue Hoffnung auf ein Leben ohne Medikamente“, lächelt der 75-Jährige.

Bildmaterial zum Download:

https://www.fau.de/files/2019/05/19_M4_Welt-Hypertonie-Tag_01_print.jpg 

Bildunterschrift: Prof. Schmieder (links) im Gespräch mit Reinhard Drebinger über dessen aktuelle Blutdruckwerte. Der 75-jährige Studienteilnehmer unterzog sich am Uni-Klinikum Erlangen erfolgreich der neuen Behandlungsmethode der Renalen Denervation. (Bild: Barbara Mestel/Uni-Klinikum Erlangen)

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Roland Schmieder
Tel.: 09131 85-42951
info@crc-erlangen.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
www.fau.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter www.fau.de/tag/presse-6/

10.05.2019 Bundesärztekammer informiert über ausschließliche Fernbehandlung
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 10.05.2019 – „Nicht einmal ein Jahr nachdem der Deutsche Ärztetag im Jahr 2018 den Weg für die ausschließliche Fernbehandlung geebnet hat, ist die Umsetzung in den Ländern auf einem guten Weg. Mittlerweile haben fast alle Ärztekammern entsprechende berufsrechtliche Neuregelungen eingeleitet. Nun kommt es darauf an, Ärztinnen und Ärzte umfassend über die neuen Möglichkeiten zu informieren.“ Darauf verwies Dr. Josef Mischo, Vorsitzender des Berufsordnungsausschusses der Bundesärztekammer, anlässlich der Veröffentlichung von
Hinweisen und Erläuterungen der Bundesärztekammer zur ausschließlichen Fernbehandlung sowie eines Fragen-Antwortenkataloges. Die Informationsmaterialien wurden unter Leitung Mischos von der Arbeitsgruppe „Fernbehandlung“ der Bundesärztekammer erarbeitet und vom Vorstand verabschiedet.

Mischo stellte klar, dass alle beruflichen Rechte und Pflichten von Ärztinnen und Ärzten auch im Rahmen einer ausschließlichen Fernbehandlung gelten. Ärzte müssten stets prüfen, ob der
jeweilige Fall für eine ausschließliche Fernbehandlung in Frage kommt oder nicht. „Sind die von dem Patienten beschriebenen Beschwerden für eine Beratung oder Behandlung ausschließlich
über Kommunikationsmedien geeignet? Ist der Patient in der Lage, über eine technische Plattform zu kommunizieren? Diese und viele weitere Fragen müssen mit einem klaren ‚Ja‘ beantwortet
werden, bevor die Fernbehandlung beginnen kann.“ Darüber hinaus sind rechtliche Aspekte, technische Anforderungen und Fragen der Qualitätssicherung zu beachten. Die Bundesärztekammer hat diese und viele weitere Punkte gut verständlich in ihren Hinweisen und Erläuterungen ausgearbeitet.
Dort findet sich auch eine Checkliste mit vielen weiteren praktischen Informationen.

Mischo ist überzeugt, dass sich die Behandlung aus der Ferne zum Beispiel über Video-Sprechstunden als eine von vielen Formen ärztlicher Patientenversorgung in Deutschland etablieren
wird. Die Arbeitsgruppe wird sich deshalb in einem nächsten Schritt mit Fragen der Einbindung der ausschließlichen Fernbehandlung in die Versorgungsstrukturen befassen.

Die „Hinweise und Erläuterungen zu § 7 Abs. 4 MBO-Ä – Behandlung im persönlichen Kontakt und Fernbehandlung“ sowie der Fragen- und Antwortkatalog können im Internet unter
www.baek.de/fernbehandlung abgerufen werden.

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de



10.05.2019 Wenn Fresszellen keine Luft bekommen - Wie Infektionserreger bei Sauerstoffmangel im Gewebe kontrolliert werden
uni | mediendienst | forschung Nr. 35/2019

Infiziertes Gewebe weist eine niedrige Sauerstoffkonzentration auf. Übliche Abwehrmechanismen des Körpers funktionieren dann nur noch eingeschränkt, weil sie auf Sauerstoff angewiesen sind. Wie gelingt es dem Immunsystem dennoch, die Bakterien unter diesen Bedingungen zu kontrollieren? Die Arbeitsgruppen von PD Dr. Anja Lührmann am Institut für Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene (Direktor: Prof. Dr. Christian Bogdan) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und von Prof. Dr. Jonathan Jantsch am Institut für Klinische Mikrobiologie und Hygiene (Direktor: Prof. Dr. Dr. André Gessner) des Universitätsklinikums Regensburg sind nun in Zusammenarbeit mit weiteren Gruppen aus Erlangen, Regensburg und Jena dieser Frage nachgegangen. Die Forscher entdeckten, dass unter Sauerstoffmangel im Zitronensäurezyklus weniger Stoffwechselzwischenprodukte (Metabolite) produziert werden und sich Bakterien dadurch weniger in Makrophagen vermehren.

Makrophagen gehören zu den Fresszellen und spielen als Zellen des angeborenen Immunsystems eine zentrale Rolle bei der Abwehr von Infektionen mit intrazellulären wachsenden Bakterien, wie z. B. den Erreger der Tuberkulose, der Legionellose oder des Q-Fiebers. Das Forschungsteam beobachtete, dass durch Sauerstoffmangel (Hypoxie) ausgelöste Signalwege den mitochondrialen Metabolismus der Makrophagen verändern. Dadurch sind verschiedene Metaboliten des Zitronensäurezyklus, insbesondere das Zitrat, nur noch eingeschränkt verfügbar. Dies wiederum verhindert die Bakterienvermehrung, da Zitrat ein essentieller Wachstumsfaktor für bestimmte Bakterien ist. „Unsere Resultate beschreiben einen bislang unbekannten, sauerstoffunabhängigen Weg der Erregerkontrolle“, erklärt Prof. Jantsch von der Universität Regensburg. FAU-Wissenschaftlerin PD Dr. Lührmann fügt hinzu: „Die pharmakologische Beeinflussung dieser Signalwege eröffnet neue Möglichkeiten der Bekämpfung von Infektionskrankheiten.“

Die Ergebnisse, die in von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekten erzielt wurden, sind vor Kurzem in der renommierten Fachzeitschrift Cell Reports veröffentlicht worden: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30917307 


Weitere Informationen:
PD Dr. Anja Lührmann
Tel.: 09131/85-22577
anja.luehrmann@uk-erlangen.de

Prof. Dr. Jonathan Jantsch
Tel. 0941/944-16406
jonathan.jantsch@ukr.de
Bildmaterial zum Download:

https://www.fau.de/files/2019/05/Anja-Lührmann_Hasso-Schüler.jpg

Bildunterschrift: PD Dr. Anja Lührmann, Lehrstuhl für Mikrobiologie und Infektionsimmunologie an der FAU. (Bild: FAU/Hasso Schüler)

https://www.fau.de/files/2019/05/Jantsch-Jonathan_UKR_UllaLohse.jpg  

Prof. Dr. Jonathan Jantsch, Professor für Bakteriologie und Infektionsabwehr am Institut für Klinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums Regensburg. (Bild: UKR, Ulla Lohse)


Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
mailto:presse@fau.de        
http://www.fau.de        

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie unter http://www.fau.de/tag/presse-6/             

08.05.2019 Schlaganfall – schnelle Hilfe durch Telemedizin
uni | mediendienst | aktuell Nr. 48/2019

Informationen zur Akutversorgung zum Tag gegen den Schlaganfall am 10. Mai 2019
Halbseitige Lähmungserscheinungen, plötzliche Gefühlsstörungen in einer Körperhälfte, Sprach- und Sehstörungen sowie Gleichgewichtsstörungen und Übelkeit: Etwa alle drei Minuten erleidet ein Mensch in Deutschland einen Schlaganfall und gerät in eine potenziell lebensbedrohliche Situation. „Time is brain“ lautet dann die Devise, denn pro Minute gehen bei einem Verschluss eines größeren Hirngefäßes etwa 1,9 Millionen Nervenzellen, 14 Milliarden Synapsen und 12 Kilometer Nervenfasern zugrunde. Das Schlaganfallnetzwerk mit Telemedizin in Nordbayern STENO der Neurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan Schwab) des Universitätsklinikums Erlangen bietet schnelle fachärztliche Versorgung mithilfe moderner Technologien.

Der Schlaganfall ist in Deutschland die dritthäufigste Todesursache und die Hauptursache anhaltender Behinderungen im Erwachsenenalter. Rund 270.000 Menschen, davon 50.000 in Bayern, erleiden ihn jedes Jahr, und nur einer von vier Patienten wird wieder völlig gesund. Durch eine frühzeitige Therapie in den ersten Stunden nach Symptombeginn können dauerhafte Behinderungen gemindert oder gar völlig vermieden werden. Doch sogar im Flächenstaat Bayern sind die Wege zu einer spezialisierten medizinischen Versorgung mitunter schlicht zu weit. Gerade bei Schlaganfällen, bei denen jede Minute zählt, dauern die Fahrten zur nächstgelegenen Schlaganfallstation, einer sogenannten Stroke Unit, viel zu lang.

Mit Telemedizin gegen Zeitverzögerungen

Um die optimale Versorgung von Schlaganfallpatienten auch außerhalb der Ballungsräume sicherzustellen, wurde 2007 das Schlaganfallnetzwerk mit Telemedizin in Nordbayern STENO gegründet. Unter der Koordination der Neurologischen Klinik des Uniklinikums Erlangen arbeiten darin die drei Schlaganfallzentren in Erlangen, Bayreuth und Nürnberg zusammen mit 18 Kliniken der Regel- und Schwerpunktversorgung aus Mittel- und Oberfranken sowie mit Kliniken in Teilen der Oberpfalz und Südthüringens. Dabei untersuchen in der Versorgung von Schlaganfällen erfahrene Ärzte in spezialisierten Zentren die betroffenen Patienten per Videokonsultation in den regionalen Kliniken. „So kann neurologisches Know-how ohne Zeitverzögerungen jederzeit dort verfügbar gemacht werden, wo es gerade benötigt wird“, betont Netzwerkkoordinator PD Dr. Lorenz Breuer. Dank Telemedizin kann das STENO-Netzwerk in Nordbayern rund 12.500 Patienten pro Jahr rechtzeitig und kompetent versorgen. Alle teilnehmenden Kliniken und umfassende Informationen zur Versorgungsregion des STENO gibt es unter http://www.steno-netz.de/.

Schlaganfall – Symptome und Risiken


Unter einem Schlaganfall wird eine Durchblutungsstörung des Gehirns mit dadurch bedingten plötzlichen Ausfällen bestimmter Funktionen des Gehirns verstanden. Ursachen sind ein Gefäßverschluss oder eine Blutung im Gehirn. Typisch ist das plötzliche Auftreten der Symptome, die unterschiedlich ausfallen können, abhängig davon, welches Gehirnareal betroffen ist. Liegt ein Schlaganfall vor, zählt jede Minute: Der Rettungsdienst muss sofort alarmiert werden. Selbst wenn die Symptome wieder zurückgehen, sollten die Betroffenen umgehend in einem Krankenhaus untersucht werden.

Galt der Schlaganfall vor Jahren noch als schwerwiegender Schicksalsschlag, gibt es inzwischen gute Behandlungsmöglichkeiten. Dennoch oder gerade deswegen wird er als gefährliche Erkrankung vielfach unterschätzt, und Menschen, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben, müssen sich besonders vorsehen. Als besondere Risikofaktoren gelten zum Beispiel  zu hoher Blutdruck und die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern – beides lässt sich heute aber gut behandeln. Durch eine gesunde Lebensführung mit ausreichender körperlicher Betätigung, einer ausgewogenen Ernährung, Nichtrauchen und dem Verzicht auf übermäßigen Alkoholkonsum lässt sich das Schlaganfallrisiko deutlich senken.

Weitere Informationen:
PD Dr. Lorenz Breuer
Tel.: 09131 85-34306
lorenz.breuer@uk-erlangen.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

08.05.2019 Bereit für Münster
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

"Seit Jahren sind wir Ärzte der Gegenpol zu den Begehrlichkeiten, die die Politik weckt. Wir greifen als Korrektiv ein und folgen damit unserem im Sozialgesetzbuch (SGB) V als ausreichend, wirtschaftlich und zweckmäßig definierten Behandlungsauftrag, der das Maß des Notwendigen nicht überschreiten darf“, beginnt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), seinen Leitartikel der Maiausgabe 2019 des Bayerischen Ärzteblattes. Diese Bürde trügen nicht nur die Delegierten zum Deutschen Ärztetag in Münster, sondern auch jeder Arzt vor Ort.

„Unser Wissen und unsere Erfahrung müssen einfließen, wenn Gesetze formuliert werden, die das Gesundheitswesen regulieren wollen. Vor allem, wenn dabei das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient in seinen Grundfesten betroffen ist“, so Quitterer weiter. Der geschützte Raum der Arzt-Patienten-Beziehung sei unantastbar. Für Politik und kommerzielle Interessen. Wenn es darum gehe, ob ärztliches Handeln erlaubt sei, reiche die Berufsordnung dafür aus. „Wer beispielsweise kompetent über Schwangerschaftsabbrüche informiert, darf nicht der Gefahr ausgesetzt sein, hierfür bestraft zu werden“, ist Quitterer überzeugt. Die Selbstbestimmung am Lebensende und der Wunsch des Menschen, sterben zu dürfen, wenn er schwer und unheilbar erkrankt sei und nicht mehr therapierbare Schmerzen zu einem unerträglichen Leiden führten, müsse gewahrt sein. „Die Entscheidung darüber, ob wir hier als Ärzte helfen dürfen, soll nicht an einem Gesetz scheitern, das unsere besondere Fürsorgepflicht in der Betreuung unserer Patienten in dieser existenziellen Situation reglementiert und einschränkt“, schreibt Bayerns Ärztechef.

Ein weiteres Beispiel der Einflussnahme auf ärztliches Handeln sei die Idee nach Einführung einer Impfpflicht. „Pflicht führt zu Ablehnung und dem Ruf nach Ausnahmen. Wer soll diese bescheinigen“, fragt Quitterer? Sinnvoller seien Aufnahmebeschränkungen von Kindertagesstätten für Ungeimpfte und ein vernünftiges Bonusprogramm der Krankenkassen für einen kompletten Impfstatus.
Quitterer abschließend: „Auf dem 122. Deutschen Ärztetag in Münster geht es um uns und unsere Gesundheit. Sie ist nicht minder wichtig, als das Wohl unserer Patienten.“

Mehr zu „Bereit für Münster“ lesen Sie in der Maiausgabe 2019 des Bayerischen Ärzteblattes.

Pressestelle

Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax:       089 4147-202
E-Mail: presse@blaek.de
www.blaek.de

07.05.2019 Vortragsreihe: Jenseits des Tellerrands – Vorträge zur Geschichte und Ethik der Medizin
uni | mediendienst | aktuell Nr. 45/2019

Ab 8. Mai, um 12.15 Uhr, im HS 1.011 (Alter Senatssaal), Kollegienhaus, Universitätsstr. 15, Erlangen
Die medizinhistorische Vorlesungsreihe „Jenseits des Tellerrandes“ des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) widmet sich im Mai mit vier öffentlichen Vorlesungen wieder spannenden Themen.
Dabei wird dem Verlauf und den Folgen der Spanischen Grippe nachgegangen, einer weltweiten Seuche vor 100 Jahren, die trotz 50 Millionen Toter kaum in Erinnerung geblieben ist.
An einem Beispiel aus dem 17. Jh. sollen zeitgenössische Umgangsweisen mit Intersexualität aufgezeigt und in die Geschichte der medizinischen Geschlechtsabgrenzung bis heute eingeordnet werden. Denn gesellschaftlich wandelbare Vorstellungen bestimmen, wie die Medizin Menschen wahrnimmt, die unklare Geschlechtsmerkmale aufweisen.
Im Dritten Reich wehrten sich mehrere Erlanger Ärzte gegen Vereinnahmungen durch die Nazis. So der in Erlangen habilitierte, spätere Göttinger Ordinarius für Psychiatrie Gottfried Ewald, der sich weigerte am Euthanasieprogramm teilzunehmen, oder das externe Fakultätsmitglied an der Universitätsfrauenklinik, Werner Lüttge, der sich dem Ansinnen verwehrte, Abtreibungen aus rassistischen Motiven vorzunehmen. Wie sah deren Widerstand aus?
 
Die Vorträge finden ab 8. Mai jeweils mittwochs im Alten Senatssaal, HS 1.011, des Kollegienhauses, in der Universitätsstraße 15, Erlangen, statt. Beginn ist jeweils 12.15 Uhr. Der Eintritt ist frei.
 
Programm:
08. Mai: „Die Welt ist an den Massentod gewöhnt …“ - Die Spanische Grippe 1918
                Prof. Dr. Karl-Heinz Leven
 
15. Mai: Casper und/oder Martha? - Ein Hermaphrodit beim Arzt, 1671
                Dr. Nadine Metzger
 
22. Mai: Furchtlos und ohne Kompromiss? Ärztlicher Protest gegen die NS-Euthanasie
                Dr. Susanne Ude-Koeller
 
29. Mai: Widerstand war möglich: Der Erlanger Professor Werner Lüttge und die       
                Zwangsabtreibungen im Nationalsozialismus
                Dr. Wolfgang Frobenius
 
Informationen:
Prof. Dr. Karl-Heinz Leven, Tel.: 09131/85- 22094, karl-heinz.leven@fau.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kommunikation und Presse
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
 
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de
 
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-

29.04.2019 Eine App für die Zeit nach dem Entzug - Appbasiertes FAU-Projekt wird mit 2,4 Millionen Euro gefördert
uni | mediendienst | forschung Nr. 32/2019

Alkoholabhängigkeit ist eine der häufigsten psychischen Störungen weltweit. Sie hat sowohl für Patientinnen und Patienten als auch ihre Angehörigen gravierende Folgen. Ein häufiges Kennzeichen der Krankheit ist ihr chronischer Verlauf – gerade in den Monaten nach einem Entzug liegt das Risiko für einen Rückfall besonders hoch. Psychologinnen und Psychologen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) wollen Betroffene nach einem Klinikaufenthalt mit einer Kombination aus App und Telefoncoaching helfen, passende Angebote und Maßnahmen zu finden, um dauerhaft abstinent zu bleiben. Das Projekt SmartAssistEntz wird vom Gemeinsamen Bundesausschuss, dem höchsten Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen, mit rund 2,4 Millionen Euro gefördert.

Obwohl das deutsche Gesundheitssystem viele Angebote für Betroffene bereithält, nimmt nur ein vergleichsweise geringer Anteil sie nach Abschluss eines stationären Alkolholentzugs in Anspruch. Somit erhalten Patientinnen und Patienten in einer Phase, die sich durch ein hohes Rückfallrisiko auszeichnet, keine angemessene Unterstützung. „Genau an diesem Punkt wollen wir ansetzen, um das passende Anschlussangebot für jeden einzelnen zu finden“, erklärt Prof. Dr. Matthias Berking, Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie der FAU. Die Versorgungsforschung geht davon aus, dass bislang der überwiegende Teil der Betroffenen nach erfolgtem Entzug keine weiterführenden Versorgungsangebote in Anspruch nimmt.

Das Konzept der FAU-Forschungsteams besteht aus einer Handy-App, die durch Telefonate mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten ergänzt wird. Die App bietet ein spezielles Training, das die Betroffenen dabei unterstützt, dauerhaft auf Alkohol zu verzichten. In diesen Einheiten lernen sie die eigene Motivation zu stärken, Suchtverlangen zu erkennen und mit Risikosituationen umzugehen und die eigenen Ressourcen zu aktivieren. Darüber hinaus identifiziert die App mittels Telediagnostik Angebote für die Zeit nach einem stationären Entzug. Gemeinsam mit einem Psychotherapeuten, dem sogenannten eCoach, erarbeiten die Patienten dann in Telefongesprächen einen individuellen Plan mit Maßnahmen, die am besten zum jeweiligen Lebensumfeld passen. Das können sowohl Selbsthilfegruppen als auch klinische Ambulanzanbindung oder Paar- und Familiengespräche sein.

Der onlinebasierte Ansatz soll helfen, dass Anschlussmaßnahmen nach einem Alkoholentzug häufiger und dauerhafter genutzt und Rückfälle reduziert werden. Damit könnte die App zu geringeren direkten und indirekten Krankheitskosten führen.

Die Wissenschaftler um Prof. Berking arbeiten für das Projekt modellhaft mit Kliniken und Beratungsstellen im Raum Franken und München zusammen – eine Übertragung auf andere Regionen oder in die Regelversorgung ist möglich. Gleichzeitig untersuchen sie die Effekte ihres Konzepts. Dafür vergleichen sie insbesondere das Rückfallrisiko innerhalb von sechs Monaten nach Abschluss des Entzugs mit den in der Regelversorgung erzielten Effekten. Dafür werden die Forscher Patienten sowie behandelnde Ärzte, Psychotherapeuten sowie Psychologen befragen und zudem Daten von Krankenkassen und der Rentenversicherung heranziehen.

Am Montag, 6. Mai, findet an der FAU die