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Aktuelle Pressemeldungen

30. Juli 2021 COVID-19-Kombinationsimpfung überprüft
uni | mediendienst | forschung Nr. 72/2021

Immunantwort stärker als nach zweimaliger Impfung mit AstraZeneca-Vakzin
 
30.07.2021. Erlangen – Köln – München. Aus Sicherheitsgründen empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), dass unter 60-Jährige, die initial eine COVID-19-Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca erhalten haben, bei ihrem zweiten Termin einen mRNA-Impfstoff verabreicht bekommen. Bisher lagen allerdings kaum Daten vor, wie gut der menschliche Organismus auf eine solche Kombinationsimpfung mit der Bildung von Antikörpern reagiert. Deshalb haben Forscherinnen und Forscher der Technischen Universität München (TUM), des Helmholtz Zentrums München, des Universitätsklinikums Erlangen und des Universitätsklinikums Köln diese Immunreaktion nun im Rahmen einer retrospektiven Studie wissenschaftlich überprüft. Untersucht wurde das Blut von rund 500 Probandinnen und Probanden, die neun Wochen nach ihrer ersten COVID-19-Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca eine zweite Impfung mit dem mRNA-Vakzin von BioNTech/Pfizer erhalten hatten. Fazit: Die neutralisierende Antikörperantwort war bei diesen Probandinnen und Probanden sehr viel stärker ausgeprägt als bei Menschen, die zweimal das Vakzin von AstraZeneca bekamen. Die Immunreaktion auf die Kombinationsimpfung zeigte sich als mindestens genauso gut wie die Antikörperantwort nach zwei Impfungen mit dem mRNA-Vakzin von BioNTech/Pfizer. Die Studienergebnisse wurden nun in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „The Lancet Infectious Diseases“ veröffentlicht.
 
Auf Basis der erhobenen Daten kommen die drei Studienleiter – Prof. Dr. Ulrike Protzer (TUM und Helmholtz Zentrum München), Prof. Dr. Klaus Überla (Uni-Klinikum Erlangen) und Prof. Dr. Oliver Cornely (Universitätsklinikum Köln) – zu dem Schluss, dass die Kombinationsimpfung eine valide Option darstellt. Sie ist sogar effizienter als die zweimalige Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff und könnte beispielsweise bei individuellen Unverträglichkeiten oder bei Versorgungsengpässen zum Einsatz kommen. Die Forscherinnen und Forscher hoffen zudem, dass die Kombinationsimpfung ein weiterer Baustein ist, um die Wirksamkeit der COVID-19-Impfung generell zu verbessern. Allerdings sind dafür noch weitere Studien zur Bestätigung der Sicherheit und der klinischen Wirksamkeit dieser und anderer Kombinationsimpfungen erforderlich.
 
Die rasche Durchführung der Studie war dank mehrerer Unterstützer möglich: dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst im Rahmen des CoVaKo-2021-Projekts und des FOR-COVID-Konsortiums, dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und dem Impfnetzwerk „VACCELERATE“ (gefördert durch das EU-Programm „Horizon 2020“). Aufgabe von CoVaKo-2021 und FOR-COVID ist es, in Bayern die Einführung der COVID-19-Impfungen wissenschaftlich zu begleiten.
 
Bernd Sibler, Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, betont: „Die Ergebnisse dieser Studie haben direkte Auswirkungen auf unsere Impfstrategie. Sie helfen uns, die Impfstoffe möglichst effizient einzusetzen und dienen so als wichtige Grundlage für politische Entscheidungen über die zukünftige Impfstrategie. Die Arbeit unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an den medizinischen Fakultäten und den Universitätsklinika ist unverzichtbar, um einen Weg aus der COVID-19-Pandemie zu finden.“
 
Weitere Informationen:
 
TUM
Tel.: 089 289 22779
presse@tum.de
 
Helmholtz Zentrum München
Tel.: 089 3187 43902
presse@helmholtz-muenchen.de
 
Uni-Klinikum Erlangen
Tel.: 09131 85-36102
presse@uk-erlangen.de
 
Uniklinik Köln
Tel.: 0221 478-5548
presse@uk-koeln.de
 
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/
 

27. Juli 2021 Digital Health im Fokus
uni | mediendienst | aktuell Nr. 84/2021

Auf dem „Weltmarktführer Innovation Day” treffen sich am 21. September Wirtschaft, Industrie und Forschung in der Erlanger Heinrich-Lades-Halle
 
Wenn es um die Digitalisierung der Medizin geht, spielt die Metropolregion Nürnberg ganz vorne mit: Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) genießt im Bereich der Medizintechnik internationales Renommee genauso wie lokale Unternehmen – ob Branchenriese oder Start-up. Initiiert von FAU, Sparkasse Erlangen und Universitätsbund Erlangen-Nürnberg werden auf dem „Weltmarktführer Innovation Day” am Dienstag, 21. September 2021, Entscheidungsträgerinnen und -träger aus Wirtschaft, Industrie und Forschung über Digital Health austauschen.
 
Nach dem großen Erfolg des ersten „Weltmarktführer Innovation Days” im vergangenen Jahr, laden Wirtschaftswoche und Handelsblatt im September erneut Innovatorinnen und Innovatoren nach Franken ein – in diesem Jahr mit dem Fokus auf Digital Health. „Wenn es um Digital Health geht, sind die FAU und die Metropolregion Nürnberg der Place-to-be – gerade auch international“, sagt FAU-Präsident Joachim Hornegger: „Durch das Medical Valley, ein starkes Netzwerk zwischen Universität, Universitätsklinikum Erlangen sowie mehr als 500 Unternehmen aus der Medizintechnik- und Gesundheitsindustrie, werden hier in der Region Innovationen im Bereich Digital Health vorangetrieben. Völlig zurecht ging der KI-Gesundheitsknoten der Hightech Agenda Bayern aufgrund ihrer Kompetenzen an die FAU.“
 
„Wir freuen uns, dass der von uns angestoßene „Weltmarktführer Innovation Day” auch 2021 wieder in Erlangen stattfindet“, sagt Johannes von Hebel, Vorsitzender des Vorstands der Sparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach. „Gerade in den Bereichen Gesundheit und Medizintechnik sind Erlangen und die ganze Metropolregion ein international führender Cluster. Erlangen ist daher prädestiniert für diese Veranstaltung.  Durch die Unterstützung des „Weltmarktführer Innovation Days” fördern wir Wissenschaft und Wirtschaft in der Region und ergänzen damit unser gesellschaftliches Engagement vor Ort.“
 
Hochkarätiges Programm rund um die Digitalisierung der Medizin
Nach der Eröffnung durch Beat Balzli, Chefredakteur der WirtschaftsWoche, und Prof. Dr. Joachim Hornegger, Präsident der FAU, erwartet die Besucherinnen und Besucher ein hochkarätiges Programm, das die ganze Bandbreite von Digital Health abdeckt: Gesundheitsminister Jens Spahn ist als Keynote-Speaker ebenso dabei wie die CEOs von Datev und Siemens Healthineers, Dr. Robert Mayr und Bernd Montag, Dr. Michael Boehler von Biontech, FAU-Alumnus Dr. Jan Kautz von NVIDIA, das Unternehmen, das den Grafikprozessor erfunden hat, sowie Prof. Dr. Peter Dabrock, Leiter des Lehrstuhls für Systematische Theologie (Ethik) an der FAU und ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Ethikrats. Die Schirmherrschaft für die Veranstaltung hat Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder übernommen.
 
Erlangen als KI-Gesundheitsknoten
Um die Digitalisierung der Medizin weiter voranzutreiben und zu erforschen, hat die FAU im vergangenen Jahr das Department Artificial Intelligence in Biomedical Engineering (AIBE), das den Kern des KI-Gesundheitsknotens Erlangen bildet, gegründet. Dort arbeiten Forscherinnen und Forscher aus der den Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie der Medizin Hand in Hand, um den großen Herausforderungen im Umfeld digitaler Gesundheitsvorsorge mit kreativen Ideen zu begegnen. Passend dazu wird KI-Forscher Prof. Dr. Björn Eskofier auf dem Innovation Day erklären, wie künstliche Intelligenz das Gesundheitswesen verändern wird und welche Chance sie der Gesellschaft und jedem einzelnen von uns bietet. Katharina Jäger, wissenschaftliche Mitarbeiterin am AIBE, wird einen Einblick in das Projekt „Smart Start“ geben: Im Rahmen dieses Projekts erforscht ein interdisziplinäres Team vom AIBE und der Frauenklinik Erlangen digitale Lösungen, um die Schwangerenvorsorge zu verbessern und zu vereinfachen. Sensorische Anwendungen wie Fitness-Tracker und Smartwatches finden heute vielfach Einzug in den Alltag. Das Projekt untersucht, wie diese Techniken sowie daraus gewonnene Daten im Rahmen der regulären Schwangerschaftsvorsorge verwendet werden können. (Weitere Informationen finden Sie hier: https://www.fau.de/2020/02/news/wissenschaft/smart-durch-die-schwangerschaft/)
 
INNOVATOR OF TOMORROW-Award
Wie schon im vergangenen Jahr stehen aber vor allem auch die „Weltmarktführer von morgen“ im Mittelpunkt: Start-ups mit der Mission die Gesundheitsversorgung durch Digitalisierung zu innovieren, präsentieren dem Fachpublikum ihre Ideen. Im Rahmen des „Weltmarktführer Innovation Days” 2021 suchen die Sparkasse, EIT Health und die FAU gemeinsam die Innovatorinnen und Innovatoren von morgen: Der „INNOVATOR OF TOMORROW”-Award prämiert in diesem Jahr herausragende Start-ups aus dem Bereich Digital Health. Dafür loben die Sparkasse und EIT Health Preisgelder in Höhe von insgesamt 20.000 Euro aus.
 
Bewerben können sich Start-ups aus dem Bereich Digital Health, die eine einzigartige Idee, ein innovatives Produkt bzw. einen innovativen Service anbieten, weniger als 250 Mitarbeitende beschäftigen und weniger als 50 Millionen Euro Umsatz pro Jahr oder weniger als 43 Millionen Euro Bilanzsumme ausweisen, frühestens 2011 gegründet wurden und ihren Hauptsitz in der DACH-Region haben. Der Einsendeschluss ist der 3. September 2021. Unter den Einsendungen werden zehn Start-ups zu einem Pitch-Event am 20. September an die FAU nach Erlangen eingeladen, wo eine Jury die TOP 3 Start-ups auswählt. Diese stellen dann auf dem “Weltmarktführer Innovation Day” am 21. September ihre Ideen live auf der Bühne vor. Eine fachkundige Jury wählt das Gewinner-Team aus. Weitere Informationen zum Bewerbungsprozess und Prozedere gibt es unter https://www.fau.de/innovator-of-tommorow-award/
 
Weitere Informationen zum Weltmarktführer Innovation Day
Weitere Informationen sowie Anmeldung zur Veranstaltung gibt es auf der Webseite des „Weltmarktführer Innovation Day”: https://www.weltmarktfuehrer-innovationday.de
 
Weitere Informationen:
Pressestelle der FAU
Tel.: 09131/85-70229
presse@fau.de
 
Stadt- und Kreissparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach
Thomas Pickel
Tel.: 09131/824-1200
thomas.pickel@sparkasse-erlangen.de
 
 
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Stabsstelle Presse und Kommunikation
Schlossplatz 4
91054 Erlangen, Germany
 
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
presse@fau.de
http://www.fau.de/
 
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27. Juli 2021 Kleines Protein liegt Fresszellen schwer im Magen
uni | mediendienst | forschung Nr. 70/2021

FAU-Forschungsteam gewinnt neue Erkenntnisse über Knochenkrebs im Alter
 
Das Multiple Myelom ist eine Art des Knochenmarkkrebses, an dem vor allem Menschen über 60 Jahren erkranken und die in vielen Fällen nicht geheilt werden kann. Forscher am Universitätsklinikum der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben nun einen neuen Ansatz für eine mögliche Therapie dieses Krebses gefunden. Ihre Forschungsergebnisse haben sie in der Fachzeitschrift „Immunity“ (DOI: 10.1016/j.immuni.2021.07.002) veröffentlicht.
 
Das Multiple Myelom entsteht, wenn sich eine bestimmte Art von weißen Blutkörperchen, die sogenannten B-Zellen, unkontrolliert im Blut vermehrt. In der Folge werden die Knochen zerstört, die Patienten leiden außerdem unter Blutarmut, chronischen Infektionen und Nierenproblemen. Obwohl mehrere wirksame Chemotherapien zur Verfügung stehen, spricht etwa ein Drittel der Patienten nicht auf die verfügbaren Behandlungen an. Selbst wenn die Behandlung wirkt, wird der Tumor nicht geheilt, sondern kann irgendwann zurückkehren. Bereits bekannt war bisher, dass die Fresszellen des Immunsystems, die eigentlich wichtig für die Abwehr von Eindringlingen im Körper sind, beim Multiplen Myelom für den Tumor arbeiten. Sie unterstützen Entzündungen und fördern damit das Überleben des Tumors und dessen Wachstum.
 
Die Studie des FAU-Forschungsteams um PD Dr. Heiko Bruns (Medizinischen Klinik 5 - Hämatologie und Internistische Onkologie; Direktor: Prof. Dr. med. Andreas Mackensen) in Kooperation mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Mailand hat nun herausgefunden, was auf molekularer Ebene passiert, wenn die Fresszellen entzündliche Signale im Knochenmark ausschütten. Ein Blutbestandteil namens Beta-2-Mikroglobulin scheint dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Denn je stärker der Knochenkrebs den Körper befallen hat, desto mehr dieses Eiweißes ist im Blut der Patientinnen und Patienten nachweisbar. Das Erlanger Team entdeckte nun, dass dies nicht nur ein Nebeneffekt der Erkrankung ist, sondern dass dieses Eiweiß die Fresszellen dazu bringt, die Erkrankung zu verschlimmern. Das Eiweiß wird nämlich von den Fresszellen verschlungen – aber nicht verdaut und abgebaut. Es liegt den Fresszellen gewissermaßen schwer im Magen, was diese dazu bringt, entzündlichen Signale auszusenden, die wiederum den Tumor und seine schädlichen Wirkungen im Körper zugutekommen. Das Forschungsteam konnte nachweisen, dass die Krebserkrankung deutlich abgemildert werden kann, wenn es gelingt, diese Entzündungssignale zu blockieren.
 
Dr. Heiko Bruns fasst zusammen: „Fresszellen, Makrophagen, sind essenzielle Zellen, um unseren Organismus gegen Tumorentstehung zu verteidigen. Viele Tumore können diese Verteidigungslinie durchbrechen, weil es ihnen gelingt, der Makrophagen-Aktivität zu entgehen. Wir haben gesehen, dass das Multiple Myelom eine noch feinere Strategie anwendet: Es spielt die Makrophagen-Aktivität zu seinem eigenen Vorteil aus. Das Verständnis, wie das Multiple Myelom dies erreicht, ist äußerst relevant. Eine zielgerichtete Blockierung des Inflammasoms könnte zukünftig eine neue begleitende Therapiestrategie für Patientinnen und Patienten darstellen.“
 
Informationen für die Medien:
PD Dr. Heiko Bruns
Lehrstuhl für Hämatologie / Internistische Onkologie
heiko.bruns@uk-erlangen.de
 
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Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Presse und Kommunikation
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91054 Erlangen, Germany
Tel: +49 9131 85-70229
Fax: +49 9131 85-70220
 

26. Juli 2021 Substitutionsbehandlung im Team - Wie geht das?
Bayerische Landesärztekammer

81.300 Patientinnen und Patienten waren zum Stichtag 1. Juli 2020 beim deutschen Substitutionsregister gemeldet. Seit rund zehn Jahren lässt sich ein langsam, aber stetig steigender Trend in der Substitutionsbehandlung beobachten. Andererseits ist im gleichen Zeitraum die Anzahl der substituierenden Ärztinnen und Ärzte leicht auf 2.545 zurückgegangen. Außerdem gibt es in Deutschland und auch in Bayern zahlreiche Regionen, in denen es kein Substitutionsangebot für Patienten gibt. Damit die Behandlung gelingen kann, ist eine berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit unerlässlich. Nach der Einstellung auf eine stabile medikamentöse Substitutionsdosis gilt es, die weiteren Problemfelder der opioidabhängigen Menschen anzugehen. Psychologen, Psychotherapeuten und Sozialpädagogen helfen bei der Bewältigung psychischer und sozialer Schwierigkeiten, Apotheker stellen die Versorgung mit dem jeweiligen Substitutionsmittel sicher. Das 20. Suchtforum, das am 28. Juli 2021 als Web-Seminar angeboten wird, widmet sich dem Thema „Substitutionsbehandlung im Team – Wie geht das?“ und wirft einen Blick aus unterschiedlichen Perspektiven auf die aktuelle Lage der Substitutionsbehandlung.

„Die Substitutionstherapie Opioidabhängiger ist ein gutes Behandlungsangebot für Personen, die an einer Abhängigkeit von Opioiden – meist Heroin – leiden“, erklärt Dr. med. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK). Die BLÄK unterstützt Ärztinnen und Ärzte sich hierfür zu qualifizieren, zum Beispiel in der Weiterbildung mit der Möglichkeit, die Zusatzbezeichnung „Suchtmedizinische Grundversorgung“ zu erwerben. Dr. med. Heidemarie Lux, Suchtbeauftragte des Vorstandes der BLÄK, ergänzt: „Die Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) und die Richtlinien der Bundesärztekammer regeln unter anderem die Rechte und Pflichten der Ärzte bei der Substitution. Die Novellierung dieser Verordnung vor vier Jahren hat sicherlich zu mehr Rechtssicherheit für die Ärzte geführt, allerdings kommt es immer wieder vor, dass Staatsanwälte ermitteln und Praxisdurchsuchungen anordnen bei korrekt durchgeführten Substitutionsbehandlungen. Dadurch werden engagierte Substitutionsärzte fälschlicherweise kriminalisiert und demotiviert.“

Professor Dr. med Oliver Pogarell, 1. Vorsitzender der Bayerischen Akademie für Suchtfragen (BAS), berichtet, dass die SARS-CoV-2-Pandemie die Versorgungssituation sowohl für unbehandelte Opioidabhängige als auch für Personen in laufender Substitution verschärfe: „Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren hatten die Nutzung langfristiger therapeutischer Angebote beeinträchtigt, niedrigschwellige Harm-Reduction-Ansätze mussten vielerorts ausgesetzt werden. Mittlerweile konnte durch Anpassungen des Suchthilfesystems, Sonderregelungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und Ausnahmen von der BtMVV durch das Bundesgesundheitsministerium (SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung) die Versorgung stabilisiert werden. Unabhängig von der Pandemie gilt es, ein flächendeckendes Substitutionsangebot sicherzustellen, das allen Patienten möglichst barrierefrei und wohnortnah zugänglich ist, eine stabile medizinische und psychosoziale Versorgung gewährleistet und Teilhabemöglichkeiten am Gesellschafts- und Arbeitsleben bietet.“

Ulrich Koczian, Vizepräsident der Bayerischen Apothekerkammer (BLAK), betont, dass die Substitutionstherapie eines interdisziplinären Netzwerks bedürfe, in dessen Mittelpunkt der Patient stehe und „aufgefangen“ werde – nur so könne gemeinsam das individuelle Therapieziel erreicht werden: „Den Apotheken kommt dabei nicht nur die Rolle des Ausführenden von entsprechenden Verordnungen zu; aufgrund ihres flächendeckenden und dichten Netzes kann durch die Übernahme der Sichtvergabe im Auftrag des Arztes durch öffentliche Apotheken eine flexible, wohnortnahe und an den Bedürfnissen des Patienten ausgerichtete Versorgung vor allem auch in ländlichen Regionen gewährleistet werden. Die Bedeutung dieser individuellen, flexiblen und schnell verfügbaren Betreuungsmöglichkeit hat sich gerade in der Pandemie eindrucksvoll gezeigt. Darüber hinaus stehen die Arzneimittelexperten selbstverständlich als Ansprechpartner zu allen Fragen in dem sehr komplexen Bereich der medikamentösen Therapie bei dieser speziellen Patientengruppe zur Verfügung. Um eine optimale Versorgung der steigenden Zahl an Substitutionspatienten auch zukünftig im ambulanten Setting zu gewährleisten, dürfte es jedoch unabdingbar sein, an der ein oder anderen Stellschraube nachzujustieren, dies betrifft insbesondere die Vergütung der Sichtvergabe in Apotheken.“

Professor Dr. Heiner Vogel, Vorstandsmitglied der Bayerischen Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (PTK Bayern), erklärt: „Opioidabhängige Patientinnen und Patienten, die sich in einer Substitutionsbehandlung befinden, weisen neben den mit dem Konsum assoziierten gesundheitlichen Risiken auch viele weitere psychosoziale Probleme auf, wie Arbeitslosigkeit, Kriminalität, soziale Ausgrenzung oder Wohnungslosigkeit. Daneben konnten Studien[1] zeigen, dass mehr als die Hälfte dieser Patienten von weiteren psychischen Erkrankungen betroffen ist, hier vor allem Depressionen, Persönlichkeitsstörungen und Angststörungen. Psychosoziale Begleitung bzw. psychotherapeutische Hilfen sowie die damit verbundene berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit sind also bei dieser Personengruppe angezeigt. Ziele und Wege einer ergänzenden Psychotherapie können vielfältig sein und von der Reduktion des Beigebrauches, über die Linderung komorbider psychischer Störungen bis zur Erreichung von Abstinenz gehen. Die Substitutionsbehandlung schafft hierbei für sehr viele Betroffene nicht nur den nötigen Rahmen, um weitere psychosoziale Probleme anzugehen, sondern bildet durch die Entkriminalisierung des Konsums eine entscheidende Voraussetzung. Eine Behandlung schwer abhängigkeitserkrankter Personen kann nur gelingen, wenn eine qualifizierte Substitutionsbehandlung in Kombination mit psychosozialen und psychotherapeutischen Zielen im multidisziplinären Team umgesetzt wird.“

Das 20. Suchtforum wird gemeinsam von BAS, BLÄK, BLAK und PTK Bayern am 28. Juli 2021 online als Web-Seminar veranstaltet. Zielgruppe sind vor allem Ärzte, Apotheker, Psychologische Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Mitarbeiter von Suchthilfeeinrichtungen, Suchtberatungsstellen sowie weitere mit dem Thema Abhängigkeitserkrankungen befasste Berufsgruppen.

Anmeldung über die Webseite:
https://register.gotowebinar.com/register/5171357642952576780


20. Juli 2021 Spätfolgen einer SARS-CoV-2 Infektion bei Kindern und Jugendlichen – junge Probanden für Studie gesucht
uni | mediendienst | aktuell Nr. 83/2021

Junge Probanden für aktuelle Studie des Uni-Klinikums Erlangen gesucht
 
Welche körperlichen Auswirkungen kann eine Corona-Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen haben? Dieser Frage will eine klinische Studie der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle) des Universitätsklinikums Erlangen nachgehen, die die Spätfolgen einer SARS-CoV-2 Infektion bei jungen Menschen erforscht. Für die Studie werden jetzt Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen 5 und 18 Jahren gesucht, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben und einen positiven PCR-Test Verlauf des gesamten Infektionsgeschehens nachweisen können.
 
„Die Studienergebnisse sollen uns dabei helfen, mögliche Auswirkungen und Spätfolgen einer Corona-Infektion leichter zu erkennen und besser zu verstehen“, erklärt Dr. Ferdinand Knieling, der die Studie des Sozialpädiatrischen Zentrums in der Kinderklinik des Uni-Klinikums Erlangen leitet. Im Rahmen der klinischen Untersuchungen erfolgen eine Blutentnahme sowie eine Magnetresonanztomografie der Lunge. Der Zeitaufwand beläuft sich insgesamt auf ca. 70 Minuten.
 
Bitte um Voranmeldung per E-Mail
Interessierte Eltern werden um eine Voranmeldung per E-Mail an ki-forschung@uk-erlangen.de gebeten. Ausgewählte Teilnehmende werden dann von der Kinderklinik des Uni-Klinikums Erlangen für eine Terminvereinbarung kontaktiert. Weitere Informationen sind telefonisch dienstags bis freitags, jeweils zwischen 13.00 und 15.00 Uhr, über die Hotline 09131 85-33703 zu erhalten.
 
 
Weitere Informationen:
 
Dr. Ferdinand Knieling
Tel.: 09131 85-33703
ki-forschung@uk-erlangen.de
 
 
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23. Juli 2021 Familie? Freunde? Nachbarn? – Was braucht es für ein gutes Leben?
uni | mediendienst | aktuell Nr. 82/2021

FAU-Studie will klären, was Menschen über 75 zufrieden macht
 
Wie kann das eigene Leben noch verbessert werden? Kommt es nur darauf an, gesund zu sein? Welche Rolle spielen Familie, Freunde und andere Menschen? Ist es manchmal auch wichtig allein zu sein und Zeit für sich zu haben? Mit diesen Themen beschäftigt sich das neue Projekt „Gesundheit und soziale Teilhabe“ (GesTe) des Instituts für Psychogerontologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), das sich an Menschen über 75 Jahre wendet. In den kommenden Wochen werden dafür rund 10.000 Personen im Großraum Nürnberg befragt.
 
In dem von der Theo und Friedl Schöller-Stiftung geförderten Forschungsprojekt untersuchen die Forscherinnen und Forscher, wie wichtig soziale Teilhabe für die Zufriedenheit im Alter und für die Gesundheit ist und wie soziale Isolation und Ausgrenzung überwunden werden können. Dabei sollen auch neuartigen Ansätze zur Stärkung der sozialen Teilhabe im Alter entwickelt und wissenschaftlich überprüft sowie evaluiert werden.
 
Das Institut für Psychogerontologie der FAU forscht seit vielen Jahren zu Fragen der psychischen Gesundheit und Lebensqualität im Alter. Neue Befunde weisen auf die große Bedeutung des gesellschaftlichen und technischen Wandels im Alter hin. Viele ältere Menschen fühlen sich abgehängt und es fällt dabei einigen zunehmend schwer, mit den Neuerungen noch mitzuhalten. Solche und ähnliche Belastungen haben sich in der Pandemie zum Teil sogar noch verstärkt und führen zu neuen Ängsten. Allerdings gelingt es einigen älteren Menschen dabei auch trotz ihrer schwierigen Lebensumstände, gute Wege und Lösungen zu finden, die ihrem Leben einen Sinn geben und die es ihnen erlauben, Freude am Leben zu haben. Nicht selten geht es dabei um vermeintlich kleine Freuden und schöne Erlebnisse, die das Alltagsleben mit sich bringt und um die persönlichen Sichtweisen, an denen sich Menschen in ihrem Leben orientieren. Die besonderen Anforderungen und Bedingungen des guten Lebens im Alter sind bislang aber in der psychologischen Alternsforschung noch nicht umfassend untersucht und erfordern dabei auch völlig neue Herangehensweisen, wie sie in dem FAU-Projekt nun angegangen werden.
 
Wer kann wie teilnehmen?
Das Forschungsteam startet in den nächsten Wochen mit einer Befragung von Seniorinnen und Senioren über 75 Jahren in der Metropolregion Nürnberg. Dafür werden 10.000 zufällig ausgewählte Personen kontaktiert und eingeladen, einen Fragebogen auszufüllen. Für den Erfolg des Projekts ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen in verschiedenen Lebenssituationen diesen Fragebogen beantworten.
 
An die Befragung schließen sich, sofern dies erwünscht ist, ausführliche Einzelgespräche mit den Studienteilnehmerinnen und  teilnehmern an. Hierbei werden individuelle Erfahrungen, Lebenssituationen und Vorlieben erfasst und dokumentiert. Auf Grundlage der Ergebnisse dieser Gespräche werden dann in Zusammenarbeit mit den teilnehmenden Personen konkrete Vorschläge, Vorhaben und Übungen entwickelt, um deren eigenen Wünsche, Vorhaben und Ziele zu verwirklichen. Im Vordergrund stehen dabei zunächst drei Themenfelder: die Reaktivierung oder Vertiefung von Beziehungen, verbesserte positive Erfahrungen im Alltag, sowie Schulung und Information zu gesundheitsrelevanten Themen des täglichen Lebens.
 
Details zur Studie: http://www.geronto.fau.de/geste
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Frieder Lang
Institut für Psychogerontologie
Tel.: 0911 / 5302-96115
ipg-geste@fau.de
 
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20. Juli 2021 Schnell und individuell bei optimaler Bildgebung
uni | mediendienst | aktuell Nr. 81/2021

Strahlenklinik erhält neues hochmodernes Bestrahlungsgerät

Den Tumor so präzise wie möglich bestrahlen – dabei aber gesundes Gewebe schonen. Die Behandlung für die Patientin oder den Patienten so angenehm wie möglich gestalten – dabei aber gestochen scharfe Bilder für die Ärztinnen und Ärzte erzeugen. Die Dauer der einzelnen Therapiesitzung so kurz wie möglich halten – dabei aber ein optimales Ergebnis erzielen. Dank eines hochmodernen Linearbeschleunigers sind das keine Widersprüche mehr! Das System namens Halcyon wurde heute (20.07.2021) offiziell an die Strahlenklinik (Direktor: Prof. Dr. Rainer Fietkau) des Universitätsklinikums Erlangen übergeben. Das neue Bestrahlungsgerät der zu Siemens Healthineers gehörenden Firma Varian, das im Gebäude der Frauenklinik untergebracht ist, kommt jetzt in der Krankenversorgung zum Einsatz. Insbesondere Patientinnen und Patienten mit bestimmten Krebserkrankungen profitieren von der noch schnelleren Behandlung, die an jede Person und ihre Anatomie individuell angepasst werden kann.

„Da wir in den vergangenen Monaten einen Standort aufgeben mussten, freuen wir uns sehr, dass uns nun wieder fünf Linearbeschleuniger für die Behandlung unserer Patientinnen und Patienten zur Verfügung stehen“, sagte Prof. Dr. Rainer Fietkau, Direktor der Strahlenklinik des Uni-Klinikums Erlangen. „Dass es sich dabei um ein so innovatives System handelt, das unser bisheriges Beschleuniger-Portfolio optimal ergänzt, verdoppelt die Freude!“

„Wir freuen uns sehr, dass wir die traditionell sehr enge Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum unseres Heimatstandorts Erlangen nach dem Zusammenschluss von Siemens Healthineers mit Varian nun auch im Bereich der Onkologie weiter intensivieren können“, ergänzte Bernd Ohnesorge, Leiter Europe, Middle East & Africa bei Siemens Healthineers. „Gemeinsam mit unseren neuen Kollegen von Varian möchten wir dem Universitätsklinikum Erlangen während aller Phasen der onkologischen Diagnostik und Therapie ein starker und verlässlicher Partner sein, um zum Wohle seiner Patientinnen und Patienten bestmögliche Behandlungsergebnisse zu erzielen.“

Auch für Varian war die offizielle Übergabe ein besonderer Anlass, handelte es sich doch um das 300. Varian-System in Deutschland. „Die Strahlentherapie gehört zu den wichtigsten Verfahren der modernen Krebstherapie und kommt heute bei mehr als der Hälfte aller Krebsbehandlungen zum Einsatz. Bei Varian dreht sich alles um die Entwicklung intelligenter Lösungen für die Krebsbehandlung. In diesem Sinne sind wir sehr stolz auf zwei Dinge: Zum einen, dass das 300. Varian-System in Deutschland ein Halcyon-System ist. Zum anderen, dass dieses System in der Strahlenklinik des Universitätsklinikums Erlangen installiert wurde und somit die Klinik und vor allem ihre Patientinnen und Patienten davon profitieren können“, sagte Laurent Amiel, Leiter Radioonkologie Europe, Middle East, India & Africa bei Varian.

Technische Raffinessen
Das Halcyon-System vereint viele technische Raffinessen in einem Gerät. „Dazu gehört der neue iterativ rekonstruierende Algorithmus für das Kegelstrahl-Computertomografiesystem, kurz iCBCT: Er liefert den Ärztinnen und Ärzten bessere Bilder“, erläuterte Prof. Dr. Christoph Bert, Leiter der medizinischen Physik der Strahlenklinik. „Ein weiterer Pluspunkt ist das geschlossene Gehäuse. So kann sich die Bestrahlungsquelle, die sogenannte Gantry, schneller drehen, und das verkürzt die Behandlungsdauer für die Patientin bzw. den Patienten.“ Hinzu kommt die Technik „Flattening Filter Free“ – die ausgleichskörperfreie Bestrahlung, mit der eine höhere Dosis pro Minute verabreicht werden kann.

Umbaumaßnahmen nötig
Zwar handelt es sich bei Halcyon um ein kompaktes Gerät, dennoch musste vor der Installation am Uni-Klinikum Erlangen zunächst umgebaut werden. „Das ist ganz normal. Ein Linearbeschleuniger läuft etwa 10 bis 15 Jahre lang, dann tauschen wir ihn aus und passen die Räume an die neue Technik an“, erklärte Prof. Bert. Da Halcyon über eine integrierte Strahlabschirmung verfügt – eine weitere technische Raffinesse –, musste der Strahlenschutz diesmal nicht ertüchtigt werden. Allerdings entschieden sich die Fachleute für eine Runderneuerung der Klima- und Lüftungsanlage, verlegten neue Stromleitungen, brachten die IT auf den aktuellen Stand und richteten alle Zimmer – darunter auch der Wartebereich – neu ein. „Das Gerät selbst und der Bestrahlungstisch müssen durch ein Spezialfundament fest im Boden verankert sein“, ergänzte Christoph Bert. „Allein deshalb ist es nicht möglich, einfach das alte Gerät hinaus- und das neue hineinzuschieben.“

Vorteile für Patienten und Mitarbeiter
Die größten Vorteile für die Patientinnen und Patienten sind die Schnelligkeit und die exzellente Bildgebung, die sicherstellt, dass der Tumor bei jedem Termin richtig auf den Behandlungsstrahl ausgerichtet ist. „Außerdem verfügen wir zusätzlich über ein deutschlandweit einzigartiges Oberflächenkamerasystem“, sagte Prof. Fietkau. „Es vereinfacht die exakte Positionierung des Körpers, überwacht diese während der Bestrahlung und kann so sicherstellen, dass die Patientinnen bzw. Patienten den Atem-Anweisungen Folge leisten, damit der Tumor beispielsweise nur beim Ausatmen bestrahlt wird.“ Letzteres ist wichtig, da sich durch die Bewegungen der Lungenflügel auch die Lage des Tumors verändern kann. „Da wir ihn bei zahlreichen unterschiedlichen Indikationen einsetzen können, erweitert dieser fünfte Linearbeschleuniger unsere Möglichkeiten deutlich“, betonte der Klinikdirektor. „Die anderen vier Geräte haben ebenfalls spezielle Einsatzgebiete, zum Beispiel die bewegungsgesteuerte Bestrahlung oder die stereotaktische Radiotherapie von Hirntumoren. Daher können wir jede Patientin und jeden Patienten dem idealen Behandlungsgerät zuordnen sowie künftig mehr Spezialtherapien durchführen.“ Auch die Teams der Strahlenklinik profitieren von dem neuen System, das für sie einfach zu bedienen ist und einen praxisnahen Workflow aufweist. Dies unterstützt die Zielsetzung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Strahlenklinik an allen fünf Standorten: nämlich neben der technisch optimalen Bestrahlung der Patientinnen und Patienten, diese menschlich und warmherzig durch die für sie schwierige Zeit der Behandlung zu führen und sie mit allen notwendigen unterstützenden und medikamentösen Begleittherapien zu versorgen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Rainer Fietkau
Tel.: 09131/85-33405
sekretariat.strahlenklinik@uk-erlangen.de

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20. Juli 2021 Politik darf STIKO-Experten nicht in Frage stellen
Bayerische Landesärztekammer

Immer mehr Politiker fordern eine generelle Corona-Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche von 12 bis 17 Jahren und stellen die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) in Frage. Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) pochen auf die Unabhängigkeit der STIKO. Dr. Wolfgang Krombholz, Vorstandsvorsitzender der KVB, und Dr. Gerald Quitterer, Präsident der BLÄK, drängen darauf, den STIKO-Empfehlungen zu folgen. Dort säßen die Experten, die Nutzen und Risiken einer Corona-Impfung für Jugendliche objektiv aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse beschreiben könnten. Man müsse der fachlichen Expertise der STIKO vertrauen und dürfe keinen politischen Druck ausüben, so Quitterer und Krombholz.
Mit Impfanreizen und einfach zugänglichen Impfangeboten will Bayern jetzt das Corona-Impftempo erhöhen. Ein entsprechendes Konzept mit „Impfen to go“ und Impfungen an „ungewöhnlichen Orten“ in Bayern wurde in der Kabinettssitzung vom 13. Juli 2021 angekündigt.
Bayerns Ärztepräsident Dr. Quitterer mahnt bei diesem ungewöhnlichen Vorstoß jedoch die notwendigen Rahmenbedingungen an: „Wir sind im Wettlauf mit der Zeit, insbesondere angesichts der Delta-Variante.“ Dennoch dürfe die lässige Formulierung „Impfen to go“ nicht über die Ernsthaftigkeit dieser ärztlichen Leistung hinwegtäuschen. „Bei aller möglichen Werbewirksamkeit sind auch bei einem niederschwelligen Impfangebot die Sorgfaltspflicht in den Aufklärungsgesprächen zwischen Arzt und Patient, die nötigen Hygienestandards und Notfallkonzepte – falls nötig bei allergischen Reaktionen nach einer Impfung – einzuhalten“, so Quitterer.
Einzelimpfdosen würden dabei dieses neue Impfmanagement erleichtern, vor allem auch in den Arztpraxen.

16. Juli 2021 Antagonistische Neuronen und Schmerzsignale
uni | mediendienst | forschung Nr. 68/2021

FAU-Forschende untersuchen Einfluss von Neuronen in der Amygdala auf die Schmerzwahrnehmung
 
Der paarig angeordneten mandelförmigen Amygdala im Gehirn von Säugetieren wird eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung von Emotionen zugeschrieben. Sie „bewertet“ emotionale Erinnerungen, koordiniert das Phänomen Angst und entscheidet letztlich, ob wir etwa bei Gefahr weglaufen oder kämpfen. Neben der Angst beeinflusst sie auch Emotionen wie Wut und Freude, sowie den Sexualtrieb und die Fortpflanzung. Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Andreas Hess, Lehrstuhl für Pharmakologie und Toxikologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), untersuchte nun in Kooperation mit der Gruppe von Wulf Haubensak vom Forschungsinstitut für molekulare Pathologie (IMP) in Wien den Einfluss von bestimmten Neuronen in der Amygdala auf die Repräsentation von Schmerz in anderen Regionen des Gehirns. Die Studie ist vor kurzem online in der Fachzeitschrift Communications Biology veröffentlicht worden*.
 
Zwei Neuronentypen
„Wir haben nachgewiesen, dass die Amygdala nicht nur für die Koordination der Angst, sondern auch für die Schmerzverarbeitung zuständig ist“, sagt Prof. Andreas Hess. Die Botenstoffe von Neuronen im zentralen Kern der Amygdala führten zu systemweiten Veränderungen in verschiedenen Gehirnregionen und letztlich sogar zu einer messbaren Änderung des Verhaltens.
Anatomisch besteht die Amygdala aus verschiedenen Kernen. Im lateralen Bereich der zentralen Amygdala konnten unter anderem zwei Neuronentypen identifiziert werden. Der eine stellt das für die Zellkommunikation wichtige Enzym Proteinkinase C δ (PKC δ+) her, der andere den Neurotransmitter Somatostatin (SST+). „Beide Neuronenpopulationen wirken antagonistisch und beeinflussen viele andere Gehirnregionen“, erklärt Isabel Wank von der Arbeitsgruppe um Prof. Andreas Hess vom Lehrstuhl für Pharmakologie und Toxikologie der FAU. Um herauszufinden, ob die beiden Neuronentypen einen Einfluss auf andere Hirnregionen, wie zum Beispiel den Thalamus, nehmen können, muss man sie gezielt an- und abschalten. Dazu verwendeten die Forschenden das etablierte Verfahren der Optogenetik.  Die DNA von Mäusen wurde gentechnisch so verändert, dass sie in den oben genannten Zellen lichtempfindliche Proteine herstellen. Die Funktion dieser Zellen kann dann von außen durch Lichteinfluss verändert werden. Zunächst wurde den narkotisierten Mäusen ein Lichtleiter in die zentrale Amygdala implantiert. Über ihn konnten die Forschenden die Neuronen mit blauem Laserlicht „anschalten”. Nach kurzer Zeit schalteten sich die Neuronen wieder von selbst ab.
 
Entscheidender Einfluss auf die Schmerzverarbeitung
Um den Einfluss der aktivierten PKC- und SST-Neuronen auf andere Regionen des Gehirns bildlich darzustellen, verwendeten die Forschenden die nichtinvasive funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT). Mit ihrer Hilfe konnte gezeigt werden, welche Gehirnregionen durch die beiden Zellpopulationen moduliert werden, und inwiefern diese Modulation die Verarbeitung von kurzzeitigen, moderaten Hitzereizen, die an der Hinterpfote der Maus gesetzt werden, beeinflusst. „Mit solch hochsensiblen Methoden erhält man auch bei wenigen Versuchstieren eine klare Aussage”, sagt Prof. Hess.
Die Ergebnisse zeigen, dass die aktivierten PKC-Neuronen der Amygdala andere Gehirnregionen dazu veranlassen, den Schmerz weniger stark zu verarbeiten. Die Modulation erfolgt „bottom-up“ von unten nach oben, das heißt von den evolutiv alten Gehirnregionen zur Großhirnrinde. Im Gegensatz dazu führen die SST-Neuronen tendenziell zu einer stärkeren „Bewertung” des Schmerzes, „top-down“ ausgehend von der Großhirnrinde nach unten. Wie die Forschenden aus Wien zeigen konnten, führt das Anschalten der Neuronen auch zu einem veränderten Verhalten des Versuchstieres. Im Vergleich zu Wildtyp-Mäusen zieht die Maus bei angeschalteten SST-Neuronen ihre Pfote tendenziell schneller von der Heizplatte, während die Aktivierung von PKC-Neuronen zu einer verlangsamten Reaktion führt. Die Amygdala hat offenbar einen entscheidenden, modulierenden Einfluss auf die Verarbeitung eines Schmerzreizes im Gehirn.
 
Noch lassen sich die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung nicht direkt auf den Menschen übertragen. Die Anwendung der funktionellen Magnetresonanztomografie scheint jedoch vielversprechend. „Was man bei der Maus mittels fMRT zeigen kann, kann man direkt auf den Menschen übertragen”, sagt Prof. Hess. Die Rolle von Schädigungen der Amygdala könnten somit in Zukunft mit der fMRT am Patienten untersucht werden.
 
*Doi: https://doi.org/10.1038/s42003-021-02262-3
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Andreas Hess
Lehrstuhl für Pharmakologie und Toxikologie
Tel.: 09131/85-22003
andreas.hess@fau.de
 
 
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15. Juli 2021 Zehn Jahre Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin (KoStA)
Bayerische Landesärztekammer

Am heutigen Donnerstag, den 15. Juli 2021, kann die Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin (KoStA), die sich für die strukturelle und qualitative Verbesserung der allgemeinmedizinischen Weiterbildung engagiert, auf ihr zehnjähriges Bestehen zurückblicken. Ausgangspunkt für die Gründung war neben einem zunehmenden Hausarztmangel die Beobachtung, dass die Weiterbildung Allgemeinmedizin wenig strukturiert ablief und die Weiterbildungsdauer fünf Jahre weit überstieg. Junge Ärztinnen und Ärzte sollten durch die Koordinierungsstelle unterstützt werden, um weniger Unsicherheit bzgl. Stellensuche, Wohnort, Weiterbildungsqualität und Bezahlung bei in eigener Regie organisierter Weiterbildung zu erleben. Der Lösungsansatz: Verbundweiterbildung. Hierbei schließen sich niedergelassene Fachärztinnen und -ärzte für Allgemeinmedizin sowie andere zur Weiterbildung befugte Fachärztinnen und -ärzte zu einem regionalen Weiterbildungsverbund zusammen und bieten die komplette Weiterbildung aus einer Hand an.
„War es 2011 und den Folgejahren unser Hauptanliegen, Weiterbildungsverbünde in ganz Bayern zu etablieren, steht heute – neben den strukturellen Verbesserungen des Weiterbildungsablaufs durch die Verbundweiterbildung – die Optimierung der Weiterbildungsqualität im Vordergrund. Ein wichtiger Baustein dafür ist das die Weiterbildung begleitende Fortbildungs-Curriculum SemiWAM® (Seminartage Weiterbildung Allgemeinmedizin), das die KoStA seit 2014 durchführt.“, erläutert Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK).
„In Zeiten eines zunehmenden Ärztemangels ist es von großer Bedeutung, mehr Nachwuchs für die Praxen zu gewinnen. Die Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin hat dafür viele wichtige Inputs gegeben und Initiativen auf regionaler Ebene begleitet. Sie ist auch ein Beispiel dafür, wie mehrere ärztliche Standesorganisationen konstruktiv zusammenarbeiten können. Mein besonderer Dank gilt Frau Dr. Schneider, die die KoStA aufgebaut hat und erfolgreich leitet“, so Dr. Wolfgang Krombholz, Vorstandsvorsitzen-der der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB).
„Die Gründung der KoStA vor zehn Jahren war eine Herzensangelegenheit des damaligen Vorstands des Bayerischen Hausärzteverbandes (BHÄV) und ist es seitdem geblieben. Wir unterstützen daher die KoStA gerne wei-terhin – auch finanziell. Als Verband sehen wir unsere vordringliche Aufgabe darin, in den Weiterbildungsverbünden vor Ort mitzuwirken und so den Weg in die Hausarztmedizin und in die Niederlassung der Nachwuchsmedizinerinnen und -mediziner zu begleiten. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle auch an die Leiterin der KoStA-Geschäftsstelle und ihr Team!“, so Dr. Markus Beier, Landesvorsitzender BHÄV.
Träger der KoStA sind die KVB, der BHÄV sowie die BLÄK. Dort ist auch die KoStA-Geschäftsstelle, unter der Leitung von Dr. Dagmar Schneider, angesiedelt.

13. Juli 2021 Enzymatischer Ansatzpunkt für eine gezielte Behandlung von Darmentzündungen
uni | mediendienst | forschung Nr. 65/2021

FAU-Forschungsteam untersucht Blockade von entzündungsförderndem Stoff
 
Wenn sich das Immunsystem gegen den eigenen Darm richtet, kommt es zu chronischen Entzündungen, die mit einem großen Leidensdruck der betroffenen Patientinnen und Patienten einhergehen. Ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat, zusammen mit Forschern aus USA und Frankreich, einen neuen Behandlungsweg erforscht und dabei einen neuen Therapieansatz gefunden. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Gastroenterology“ veröffentlicht*.
 
Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die zu Durchfall, Darmblutungen und Krampfanfällen führt. Auslöser ist meist eine überschießende Immunantwort. Im Rahmen des Sonderforschungsbereichs (SFB) 1181 „Schaltstellen zur Auflösung von Entzündung“ haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der FAU um Prof. Dr. Markus Neurath, Lehrstuhl für Innere Medizin I und Direktor der Medizinische Klinik 1 - Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie, und PD Dr. Dr. Benno Weigmann herausgefunden, dass durch eine gezielte Blockade des Enzyms ITK bei Colitis ulcerosa die Produktion von entzündungsverursachenden Zytokinen bei T-Zellen verhindert und eine Entzündungsreaktion gestoppt werden kann. „Unsere experimentellen Analysen bezüglich des Enzyms ITK haben gezeigt, dass eine zielgerichtete Blockade dieses Enzyms mit Inhibitoren oder siRNA bei der Behandlung von murinen chronischen Darmentzündungen wirksam ist und damit zukünftig als attraktive Therapieform im Menschen denkbar wäre “, sagt Kristina Lechner, Doktorandin in der Arbeitsgruppe von Dr. Weigmann.
 
Im SFB 1181 „Schaltstellen zur Auflösung von Entzündung“ an der FAU gehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachbereichen der Medizin und der Biologie den grundlegenden Mechanismen der Auflösung der Entzündungsreaktion auf die Spur und testen diese auf ihre klinische Bedeutung.
 
Mehr Informationen zum SFB 1181: http://www.sfb1181.forschung.fau.de
 
*Originalpublikation: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34224738/
„Targeting of the Tec kinase ITK drives resolution of T cell-mediated colitis and emerges as potential therapeutic option in ulcerative colitis“
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Markus Neurath
Lehrstuhl für Innere Medizin I
Tel.: 09131/85-35204
markus.neurath@uk-erlangen.de
 
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Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Presse und Kommunikation
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8. Juli 2021 Ein Herzenswunsch für Fatimah
uni | mediendienst | aktuell Nr. 71/2021

Lebensrettende OP und Behandlung für schwer herzkrankes Mädchen aus dem Irak
 
Die siebenjährige Fatimah erholt sich in diesen Tagen in der Kinder- und Jugendklinik des Universitätsklinikums Erlangen von ihrer schweren Herzoperation. Seit April befindet sich das Mädchen, das mit einem komplizierten Herzfehler geboren wurde und in sehr ärmlichen Verhältnissen im Irak lebt, in Begleitung seiner Mutter in Erlangen. Dem großen Engagement eines Frankfurter Kinderarztes, des Erlangen hilft e. V., Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Universitätsklinikums Erlangen sowie Spenden von Bürgerinnen und Bürgern ist es zu verdanken, dass Fatimah nun im Rahmen der Aktion „Kinderherz-OP“ erfolgreich behandelt werden konnte. „Bis zur lebensrettenden Operation Ende Juni war es ein sehr langer Weg für alle Beteiligten“, sagt Prof. Dr. Sven Dittrich, Leiter der Kinderkardiologischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen. „Ich bewundere die Geduld der beteiligten Ehrenamtlichen und die Kraft der Familie. Ich freue mich, dass Fatimah sich aktuell so gut entwickelt und hoffe, dass wir sie bald gesund nach Hause entlassen können, wo ihr älterer Bruder und ihr Vater schon sehnsüchtig auf sie warten.“
 
Seit ihrer Geburt im Mai 2014 in der südirakischen Stadt Nasiriya litt Fatimah ständig unter schwerer Luftnot; der Säugling war erschöpft und seine Sauerstoffsättigung lag dauerhaft unter 60 Prozent. Auf ihrer Suche nach Hilfe stieß die verzweifelte Familie auf den Frankfurter Kinderarzt Dr. Jabbar Said-Falyh, der für die IPPNW-Kinderhilfe im Irak tätig war. Er stellte Anfang 2020 den Kontakt zum Erlangen hilft e. V. und zur Aktion „Kinderherz-OP“ des Uni-Klinikums Erlangen her. „Leider ist Dr. Said-Falyh im Oktober vergangenen Jahres an den Folgen einer vor Ort erworbenen COVID-19-Infektion verstorben“, sagt Dr. Hildegard Müller-Erhard, Vorsitzende des Vereins. „Es war sein Herzenswunsch, dass Fatimah medizinische Hilfe bekommt, zumal sich ihr Zustand zunehmend verschlechterte. Wir sind sehr froh, dass wir ihm diesen Herzenswunsch nun posthum erfüllen konnten.“
 
Viele Hürden wegen Corona-Pandemie
Zum großen Bedauern aller Beteiligten machten die Corona-Pandemie und die weltweiten Lockdowns alle Pläne zunichte. Obwohl Fatimahs Leben von der dringend notwendigen Herzoperation abhängig war, musste die Familie weiter warten und bangen. „Unser Verein hat viel Erfahrung mit Visaangelegenheiten“, erläutert Dr. Müller-Erhard, „aber in Zeiten einer Pandemie schien es zwischenzeitlich unmöglich, die Visa für Fatimah und ihre Mutter zu bekommen und die Reise nach Deutschland zu organisieren. Mit viel Geduld und Hartnäckigkeit ist es uns schließlich doch gelungen.“
 
Echte Herausforderung für Operateure
Im April war es endlich so weit: Die beiden stiegen ins Flugzeug und Fatimah wurde in der Kinderkardiologie des Uni-Klinikums Erlangen als Patientin aufgenommen. Nach einer Reihe von Voruntersuchungen ging es schließlich Ende Juni in den OP-Saal. „Der Eingriff war eine echte Herausforderung. Normalerweise werden derartige Herzfehler ja nicht erst im Alter von sieben Jahren operiert“, berichtet Dr. Ariawan Purbojo, Oberarzt der Kinderherzchirurgischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen. „Mit der Herz-OP allein war dann auch noch nicht alles vorbei“, fügt Prof. Dittrich hinzu. „Es folgten noch einige kritische Tage der intensivmedizinischen Behandlung und notwendige Herzkathetereingriffe, bis sich Fatimahs Zustand stabilisiert hatte.“ Insgesamt hat das Mädchen die Operation aber gut überstanden und ihre Sauerstoffsättigung liegt heute endlich wieder bei normalen 100 Prozent.
 
Behandlung im Irak unmöglich
„Was die Kollegen beschreiben, ist der Grund dafür, warum eine solche Operation im Irak nicht gelingen kann“, weiß Dr. Faidi Omar Mahmoud, stv. Vorsitzender des Erlangen hilft e. V., der selbst jahrelang als Herzchirurg am Uni-Klinikum Erlangen tätig war. „Bei derartig komplizierten Fällen ist das Zusammenspiel von Herzchirurgen, Intensivmedizinern und Kinderkardiologen entscheidend.“ Genauso wichtig sei die ambulante Nachsorge, für die Fatimah und ihre Mutter nach der Entlassung noch einige Zeit in Erlangen bleiben werden. „Die beiden freuen sich aber schon sehr auf den Tag, an dem sie ihre Rückreise nach Nasiriya antreten können“, sagt Dr. Mahmoud. „Mit Fatimahs Bruder und Vater stehen die beiden zwar per Smartphone in sehr engem Kontakt, aber das Wiedersehen in Gesundheit ist natürlich etwas ganz Besonderes.“
 
Bitte um Spenden
Der Erlangen hilft e. V. übernimmt für betroffene Familien die Kosten für die Reise, die Unterbringung außerhalb des Krankenhauses und die Verpflegung. Mit Spenden auf das Konto der Aktion „Kinderherz-OP“ des Uni-Klinikums Erlangen werden die hohen medizinischen Behandlungskosten beglichen. Im Fall von Fatimah übernehmen der Bild hilft e. V. „Ein Herz für Kinder“, die Stiftung Zuversicht für Kinder und die Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung e. V. (IPPNW) Teile der Behandlungskosten.
 
Bürgerinnen und Bürger, die schwer herzkranken Kindern aus dem Ausland – wie Fatimah – helfen möchten, können sehr gern für den Verein oder für die Aktion spenden.
 
Spendenkonto des Erlangen hilft e. V.
IBAN: DE05 7635 0000 0060 0509 59
BIC: BYLADEM1ERH
 
Spendenkonto der Aktion „Kinderherz-OP“ des Uni-Klinikums Erlangen
Stichwort: „Kinderherz-OP“
IBAN: DE11 7635 0000 0000 0007 70
BIC: BYLADEM1ERH
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Sven Dittrich
Tel.: 09131/85-33750
kinderkardiologie@uk-erlangen.de
 
 
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9. Juli 2021 Erneute Schulschließungen im Herbst unbedingt vermeiden!
BLÄK, PTK und der KVB

Fokus auf die psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen während der Corona-Pandemie: Erneute Schulschließungen im Herbst unbedingt vermeiden!
München, 9. Juli 2021: Psychische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen sind aufgrund der Corona-Pandemie gestiegen. Expert*innen der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), der Psychotherapeutenkammer Bayern (PTK Bayern) und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) fordern die politisch Verantwortlichen auf, alles Notwendige zu unternehmen, um erneute Schulschließungen im Herbst zu vermeiden und somit weiteren Belastungen entgegenzuwirken. Die Sommerferien müssen genutzt werden, um entsprechende Maßnahmen umzusetzen.
Eingeschränkte Kontaktmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche, erschwertes Lernen und so-ziales Erleben sind einige der Faktoren, die zu psychischen Belastungen führen und psychische Erkrankungen auslösen und fördern können. Für eine gesunde Entwicklung ist es wichtig, dass Kinder soziale Kontakte in ihrer Peer-Group (der sozialen Gruppe von gleichaltrigen, gleichartigen oder gleichgesinnten Personen) und einen geregelten Zugang zu Bildung in einem guten Lernumfeld haben können. Die Pandemie wirkt wie ein Brennglas und macht psychische Probleme, soziale Belastungen und Versorgungsdefizite deutlicher sichtbar.
Ein erneuter Lockdown mit Schulschließungen würde die bekannten Problem- und Brennpunkte weiter befeuern. Dr. Gerald Quitterer (BLÄK), Peter Lehndorfer (PTK Bayern) und Dr. Claudia Ritter-Rupp (KVB) appellieren daher an die politischen Verantwortlichen: „Eine erneute Schulschließung im Herbst muss vermieden werden, damit sich aus den aktuellen psychischen Belastungen und Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen keine psychischen Störungen bzw. Erkrankungen entwickeln. Die Weichen dafür müssen unbedingt jetzt gestellt und Gegenmaßnahmen in den Sommerferien umgesetzt werden!“
Die Expert*innen fordern, dass innovative Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle der SARS-CoV-2-Übertragung in Schulen konsequent umgesetzt werden und begrüßen vor diesem Hintergrund die Beschlüsse des Ministerrats zu Testkonzepten in Schulen und zur Anschaffung mobiler Luftfiltergeräte. Außerdem ist eine Impfkampagne für Jugendliche zwischen 12-18 Jahren für den Fall, dass die STIKO hier ebenfalls eine Impfempfehlung ausspricht, zu befürworten. Diese Maßnahmen können dazu beitragen erneute Schulschließungen im Herbst zu vermeiden.
Die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen müssen dem aktuellen Versorgungsbedarf angepasst werden, um psychische Belastungen und Erkrankungen frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Es werden passgenaue Hilfen für Betroffene benötigt, die die physische und psychische Gesundheit sowie die soziale Kompetenz der jungen Menschen fördern.
Ansprechpartner für die Medien:
Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstr. 16
81677 München
Tel. 089 / 4147 – 714
E-Mail: presse@blaek.de
Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Ju-gendlichenpsychotherapeuten
Pressestelle
Luisa Hiller
Birketweg 30
80639 München
Tel. 089 / 51 55 55 - 241
E-Mail: pressestelle@ptk-bayern.de
Kassenärztliche Vereinigung Bayerns
Pressestelle
Martin Eulitz
Elsenheimerstr. 39
80687 München
Tel. 089 / 5 70 93 – 2192
E-Mail: presse@kvb.de

12. Juli 2021 Besondere Ehrung vom Bayerischen Ministerpräsidenten
uni | mediendienst | aktuell Nr. 74/2021

Prof. Dr. Heinrich Iro und Prof. Dr. Yurdagül Zopf mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet
Gleich zwei führende Persönlichkeiten des Uni-Klinikums Erlangen wurden für ihr besonderes Wirken mit dem Bayerischen Verdienstorden geehrt: Prof. Dr. Heinrich Iro, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Erlangen sowie Direktor der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie, und Prof. Dr. Yurdagül Zopf, Leiterin des Hector-Centers für Ernährung, Bewegung und Sport des Uni-Klinikums Erlangen. Überreicht wurden die Auszeichnungen von Ministerpräsident Markus Söder im Antiquariat der Münchner Residenz. Der Bayerische Verdienstorden wurde durch das Gesetz über den Bayerischen Verdienstorden vom 11. Juni 1957 geschaffen. Er wird „als Zeichen ehrender und dankbarer Anerkennung für hervorragende Verdienste um den Freistaat Bayern und das bayerische Volk“ verliehen. Eine Besonderheit des Bayerischen Verdienstordens ist, dass die Zahl der lebenden Ordensträger auf 2.000 begrenzt ist.

Einsatz für die Medizin und die Gesundheit der Menschen
In der verlesenen Laudatio für Prof. Iro hieß es: „Prof. Dr. Heinrich Iro setzt sich als Arzt, Wissenschaftler und Hochschullehrer in herausragender Weise für die Medizin und die Gesundheit der Menschen ein. In seiner Amtszeit als Ärztlicher Direktor hat er das Universitätsklinikum Erlangen seit 2009 auf einen Spitzenplatz unter den deutschen Universitätsklinika geführt. Eine Leistung, die nicht nur aus Sicht der ihm anvertrauten Patienten Hochachtung verdient.“

Prof. Iro wurde 1956 in Saarbrücken geboren. Von 1975 bis 1981 studierte er Humanmedizin an der Universität des Saarlandes. 1981 folgte die Approbation als Arzt. Ein Jahr später legte Heinrich Iro das US-amerikanische Staatsexamen ab und wurde zum „Dr. med.“ promoviert. Im Anschluss an seinen Wehrdienst als Stabsarzt im Bundeswehrkrankenhaus Bad Zwischenahn arbeitete er zehn Jahre lang als Assistenzarzt der HNO-Klinik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). In dieser Zeit legte Prof. Iro seine Prüfung als Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde ab und erwarb die Zusatzbezeichnungen „Plastische Operationen“, „Spezielle HNO-Chirurgie“ sowie später „Umweltmedizin“ und „Allergologie“. 1995 wurde er zum Professor für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde an der Universität des Saarlandes ernannt und zum Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums des Saarlandes. Im Jahr 2000 folgte er dem Ruf auf eine C4-Professur für HNO-Heilkunde an die FAU Erlangen-Nürnberg und übernahm die Leitung der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie am Uni-Klinikum Erlangen. Im Oktober 2004 wurde Prof. Iro zum stellvertretenden Ärztlichen Direktor bestellt, im Februar 2009 zum Ärztlichen Direktor. Im Juni 2020 bestimmte der Aufsichtsrat des Uni-Klinikums Erlangen unter Vorsitz des Bayerischen Staatsministers für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler, Prof. Iro erneut ab 1. Januar 2021 für die Dauer von fünf Jahren zum Ärztlichen Direktor.

Exzellenzzentrum mit überregionaler Strahlkraft
„Prof. Dr. Yurdagül Zopf hat seit 2013 die Professur für Klinische und Experimentelle Ernährungsmedizin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg inne. Darüber hinaus leitet sie das Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport am Universitätsklinikum Erlangen, wo neue Diagnose- und Therapieverfahren entwickelt und in der Arbeit mit den Patienten unmittelbar umgesetzt werden. Unter ihrer Leitung ist in Erlangen ein Exzellenzzentrum für Ernährungsmedizin mit überregionaler Strahlkraft entstanden“, hieß es in der Laudatio für Prof. Zopf.

Prof. Zopf wurde 1974 in Nürnberg geboren. Sie studierte von 1996 bis 2002 Humanmedizin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. 2003 erhielt Yurdagül Zopf die Approbation als Ärztin, 2010 legte sie ihre Facharztprüfung im Bereich Innere Medizin ab, drei Jahre später auch im Bereich Gastroenterologie. 2011 habilitierte sich Yurdagül Zopf im Fach Innere Medizin, seit 2013 hat sie die Stiftungsprofessur für Klinische und Experimentelle Ernährungsmedizin an der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie des Uni-Klinikums Erlangen inne. Damit war Prof. Zopf die erste Professorin für Klinische und Experimentelle Ernährungsmedizin in Süddeutschland. Nachdem Yurdagül Zopf das Ernährungsteam der Medizin 1 von 2006 bis 2010 stellvertretend geführt hatte, übernahm sie im Anschluss die Leitung. Seit 2017 ist Prof. Zopf zudem Leiterin des Hector-Centers für Ernährung, Bewegung und Sport. Dort erforschen und erproben sie und ihr Team ernährungs- und sportmedizinische Therapien bei Krebs, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Adipositas und Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Weitere Informationen:
Johannes Eissing
Tel.: 09131/85-36102
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7. Juli 2021 One Health
Bayerische Landesärztekammer

Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), beginnt seinen Leitartikel der Juli/August-Ausgabe des Bayerischen Ärzteblatts mit dem Kneipp-Gedanken, traf sich doch der Vorstand der Bundesärztekammer in Bad Wörishofen, der Wirkungsstätte von Pfarrer Sebastian Kneipp, zu seiner jährlichen Klausursitzung. „An diesem Ort wurde nicht nur für mich der genius loci spürbar.“ Integrative Medizin könne dazu beitragen, auch das sogenannte Long-COVID-Syndrom güns-tig zu beeinflussen. Ein Zusammenspiel der fünf Kneippschen Prinzipien könne sowohl als präventive, wie auch als heilende Behandlung genutzt werden.
Viel hänge bei der Pandemiebekämpfung von ökonomischen Folgen, sozialer Akzeptanz, juristischen, ethischen und praktischen Machbarkeiten ab. „Wir müssen deutlich besser in der Prävention werden“, schreibt Quitterer. Die Pandemie sei auch eine Public-Health-Krise. Das deutsche Gesundheitswesen sei leistungsstark, doch der Fokus liege in erster Linie auf Patientinnen und Patienten; auf Menschen, die bereits erkrankt seien. „Gerade, wenn wir in der aktuellen Situation fürchten müssen, dass uns die sogenannte Delta-Variante eine neue Welle der Pandemie bescheren könnte.“ Ärztliche Expertise und nicht politische Agitation seien dann gefragt. Um künftig eine Überlastung des Gesundheitswesens zu vermeiden, brauche es auch eine vernünftige Steuerung der Patienten in der Notfallversorgung. Nicht jede Gesundheitsstörung benötige zu jeder Zeit überall sofort eine Behandlung und schon gar nicht in einer Notaufnahme.
Alles, was derzeit bewegt, von Corona bis Klimawandel und Gesundheit könne zusammengefasst werden unter dem Begriff „One Health“. Mensch, Tier und Ökosysteme stünden untrennbar miteinander in Verbindung, beeinflussten sich gegenseitig und seien aufeinander angewiesen. Gesundheit und Krankheit beträfen nicht nur das einzelne Individuum, sondern seien global zu betrachten. „Hierbei stehen wir Ärztinnen und Ärzte in der Verantwortung für die Gesundheit unserer Patientinnen und Patienten in der sich verändernden Umwelt“, formuliert Bayerns Ärztechef. Die Anpassung der Verhältnisse, zum Beispiel die Ausarbeitung von Hitzeaktionsplänen, das Vermeiden von Sportfesten in der Sommerhitze, die Verbesserung der Sanitärausstattung in den Schulen oder die Kennzeichnung von zugesetztem Zucker in Getränken: Das sei Aufgabe der Politik. Eine ge-meinsame Aufgabe von allen.
Mehr zu „One Health“ lesen Sie im Leitartikel der Juli/August-Ausgabe 2021 des Bayerischen Ärzteblatts unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.
Pressestelle

7. Juli 2021 Schwingende Kugeln bewegen sich fort
uni | mediendienst | forschung Nr. 62/2021

Physiker der FAU entdecken simples Antriebskonzept für Körper in zähen Flüssigkeiten
 
Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben gemeinsam mit Kollegen der Universität Lüttich und des Helmholtz-Instituts Erlangen-Nürnberg für Erneuerbare Energien einen Mikro-Schwimmer entwickelt, für den die Gesetze der Fluiddynamik nicht zu gelten scheinen: Ihre Konstruktion aus zwei Kugeln, die durch eine Feder miteinander verbunden sind, wird durch vollständig symmetrische Schwingungen angetrieben. Nach dem sogenannten Scallop-Theorem ist das in fluiden Mikrosystemen nicht möglich. Ihre Ergebnisse haben die Physiker im renommierten Wissenschaftsjournal „Physical Review Letters“ veröffentlicht.*
 
Eine Jakobsmuschel kann sich durch schnelles Zusammenklappen ihrer Schalen im Wasser fortbewegen. Sie ist groß genug, um durch das Trägheitsmoment auch dann noch voranzukommen, wenn sie die Schalen öffnet, um zum erneuten Stoß auszuholen. Je dickflüssiger die Substanz jedoch ist, umso eher gilt das Scallop-Theorem: Ein Schwimmer, der symmetrische oder reziproke Vorwärts- und Rückwärtbewegungen macht – ähnlich dem Auf- und Zuklappen der Muschelschalen –, kommt nicht vom Fleck. „Für mikroskopisch kleine Wesen ist selbst Wasser so zäh wie Teer für uns Menschen“, erklärt Dr. Maxime Hubert. „Deshalb haben beispielsweise Einzeller vergleichsweise komplizierte Antriebskonzepte, etwa vibrierende Härchen oder rotierende Geißeln.“
 
Schwingende Kugeln bewegen sich fort
Dr. Hubert ist Postdoc in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ana-Suncana Smith am Institut für Theoretische Physik der FAU. Gemeinsam mit Forschenden der Universität Lüttich und des Helmholtz-Instituts Erlangen-Nürnberg für Erneuerbare Energien hat das Erlanger Team nun einen Schwimmer entwickelt, für den die Scallop-Regel nicht zu gelten scheint: Die simple Konstruktion besteht aus einer Feder, die zwei unterschiedlich große Kugeln miteinander verbindet. Obwohl die Feder sich absolut zeitsymmetrisch ausdehnt und zusammenzieht, bewegt sich der Mikroschwimmer durch die Flüssigkeit.
 
„Wir haben das Prinzip zunächst in Computersimulationen getestet“, sagt Maxime Hubert. „Anschließend haben wir ein funktionsfähiges Modell gebaut.“ Für das praktische Experiment wurden zwei Stahlkügelchen, nur einige hundert Mikrometer im Durchmesser, auf die Wasseroberfläche einer Petrischale gelegt. Die Oberflächenspannung übernahm die Funktion des Zusammenziehens der Feder, die gegenläufige Expansion wurde durch ein Magnetfeld erreicht, das die Mikrokugeln periodisch dazu brachte, sich gegenseitig abzustoßen.
 
Vision: Schwimmroboter für Medikamententransport
Entscheidend für die Fortbewegung des Schwimmers ist, dass die Kugeln unterschiedlich groß sind. Maxime Hubert: „Die kleinere Kugel reagiert deutlich schneller auf die Federkraft als die größere. Dadurch entsteht eine Asymmetrie in der Bewegung, und die größere Kugel wird von der kleineren mitgezogen. Wir nutzen also auch hier das Prinzip der Trägheit, nur dass hier nicht die Interaktion zwischen Körper und Wasser entscheidend ist, sondern die der Körper untereinander.“
 
Von einem Turboantrieb zu sprechen wäre übertrieben – das System bewegt sich mit jedem Schwingungszyklus etwa ein Tausendstel seiner Körperlänge vorwärts. Doch nicht die Geschwindigkeit ist hier entscheidend, sondern der genial einfache Aufbau und Antriebsmechanismus. „Das von uns entdeckte Prinzip könnte dabei helfen, winzige Schwimmroboter zu entwickeln“, erklärt Maxime Hubert. „Sie könnten sich eines Tages durch die Blutbahn bewegen und beispielsweise Medikamente zielgenau zum Bestimmungsort transportieren.“
 
* DOI: 10.1103/PhysRevLett.126.224501
„Scallop Theorem and Swimming at the Mesoscale“
 
 
Weitere Informationen:
 
Dr. Maxime Hubert
Professur für Theoretische Physik (Prof. Dr. Smith)
Tel.: 09131 85-70562
maxime.hubert@fau.de
 
 
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7. Juli 2021 Sedativa sicher anwenden
uni | mediendienst | forschung Nr. 61/2021

Start eines neuen Forschungsprojekts unter Erlanger Federführung zum Gebrauch sedierender Medikamente in der spezialisierten Palliativversorgung
 
Nach dem erfolgreichen Abschluss ihres Forschungsprojekts SedPall ist es der Palliativmedizinischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Christoph Ostgathe) des Universitätsklinikums Erlangen und ihren Kooperationspartnern direkt gelungen, eine dreijährige Förderung für das Folgeprojekt iSedPall einzuwerben. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Erlangen, Halle und München erhalten vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) insgesamt über 1,7 Mio. Euro, um die im Rahmen von SedPall erarbeiteten Handlungsempfehlungen um praxistaugliche Dokumente zu ergänzen. „Ziel ist die Entwicklung einer multimodalen Intervention“, erläutert Prof. Ostgathe, der die Zusammenarbeit koordiniert. „Mitarbeiter der Palliativversorgung sollen dadurch mehr Handlungs- und Rechtssicherheit erhalten. Das kommt unmittelbar auch ihren schwer kranken Patienten zugute, denen mithilfe von Sedativa unerträgliches Leiden genommen werden soll, wenn andere Maßnahmen nicht helfen.“
 
Der Gebrauch von sedierenden Medikamenten stellt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Palliativversorgung gleich vor mehrere Herausforderungen: Wie handele ich richtig im Sinne der Betroffenen? Wie lassen sich Schmerzen möglichst gut lindern ohne die Autonomie unnötig zu gefährden oder gar die Lebenszeit zu verkürzen? In solchen und weiteren schwierigen Situationen auf Dokumente zugreifen zu können, die beispielsweise bei der Entscheidungsfindung helfen oder die Erledigung von nötigen Formalitäten erleichtern, ist ein Vorteil für beide Seiten. „Zum einen fühlen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicherer und können sich bei der Behandlung auf wissenschaftlich fundierte Unterlagen stützen“, sagt Dr. Dr. Maria Heckel, Leiterin des Forschungsteams der Palliativmedizin des Uni-Klinikums Erlangen. „Zum anderen haben sie dadurch auch mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten und können sich ihnen und ihren individuellen Bedürfnissen besser widmen.“
 
Neben der Entwicklung der konkreten Dokumente, Hilfsmittel und Fortbildungsinhalte sollen diese auch gleich auf ihre Machbarkeit, Praxistauglichkeit und Nutzerfreundlichkeit hin überprüft werden. Dabei binden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowohl ethische und rechtliche Aspekte als auch gesellschaftliche Perspektiven und die Sichtweisen der betroffenen Menschen intensiv mit ein.
 
Von SedPall zu iSedPall
An dem Projekt „Entwicklung und Machbarkeitsprüfung einer multimodalen Intervention für den Gebrauch sedierender Medikamente in der spezialisierten Palliativversorgung“ (iSedPall) sind neben den Expertinnen und Experten der Palliativmedizin des Uni-Klinikums Erlangen auch Kolleginnen und Kollegen aus der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin (Direktorin: Prof. Dr. Claudia Bausewein) am LMU Klinikum München, vom Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschafts- und Medizinstrafrecht (Lehrstuhlinhaber: Prof. Dr. Christian Jäger) der FAU Erlangen-Nürnberg und vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin (Direktor: Prof. Dr. Jan Schildmann) der Universitätsmedizin Halle beteiligt. iSedPall baut u. a. auf den Handlungsempfehlungen „Einsatz sedierender Medikamente in der spezialisierten Palliativversorgung“ auf, welche die Beteiligten im Rahmen des vorangegangenen Forschungsprojekts „SedPall – von der Anxiolyse bis zu tiefer kontinuierlicher Sedierung“ – das ebenfalls vom BMBF gefördert wurde – erarbeitet hatten. Ziel von SedPall war es, medizinischem Personal endlich wissenschaftlich fundierte, konkrete Ratschläge an die Hand zu geben, um todkranke Menschen von unerträglichem Leid zu befreien.
 
Handlungsempfehlung „Einsatz sedierender Medikamente in der spezialisierten Palliativversorgung“: http://www.dgpalliativmedizin.de/images/210422_Broschu%CC%88re_SedPall_Gesamt.pdf
 
Weitere Informationen:
 
Dr. Dr. Maria Heckel
Tel: 09131 85-34064
maria.heckel@uk-erlangen.de
 
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3. Juli 2021 66. Konsultativtagung der deutschsprachigen Ärzteorganisationen
Bundesärztekammer

Im Rahmen der 66. Konsultativtagung der deutschsprachigen Ärzteorganisationen, mit Vertretern aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Südtirol und Luxemburg, die gemeinsam mehr als 500.000 Ärztinnen und Ärzte repräsentieren, wurde folgendes Communiqué verabschiedet:

Pandemien werden in kürzeren Abständen auftreten und sich in einer globalisierten Welt schneller denn je ausbreiten. Die Politik ist deshalb aufgefordert, aus der Corona-Pandemie die Lehre zu ziehen, umfängliche Pandemiepläne zu entwicklen und auch regelmäßig zu testen. Grundlage sollte eine sachliche Fehleranalyse in allen Ländern sein: Welche Strukturen haben sich bewährt, welche Maßnahmen waren erfolgreich und welche Defizite sind offensichtlich geworden? Diese Leitfragen sollten Grundlage für die Entwicklung von Pandemieplänen sein, wie auch für notwendige Langzeitstudien. Zudem muss die Verknüpfung von Impfdaten mit den Daten zu den COVID-Erkrankungen erfolgen, um Impfdurchbrüche zeitnah zu erkennen und entsprechende Anpassungen bei Impfstoffen rasch umzusetzen. Die anonymisierte Verknüpfung von Medikamentendaten mit Daten zu Erkrankungen kann helfen, rasch Medikamente zu identifizieren, die eine Genesung unterstützen. Politisches Handeln in der Pandemie braucht anders als bisher eine breite, gesicherte wissenschaftliche Basis. Die Zusammenarbeit zwischen Vertretern der Ärzteschaft und politischen Entscheidungsträgern ist dabei zentral, denn nur so kann wissenschaftliche Expertise in den gesellschaftspolitischen Diskurs eingebracht werden.
Ebenso ist es essenziell, über Studien aufzuzeigen, welche Langzeitfolgen und Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung aufgetreten sind – auf physischer ebenso wie auf psychischer und sozialer Ebene. Die Ärzteorganisationen warnen vor langfristigen, gravierenden Kollateraleffekten infolge sozialer Isolation; diese Folgen gilt es insbesondere für Kinder wie für ältere Menschen genauestens zu analysieren.
Nur eine wissenschaftlich fundierte Bestandsaufnahme mit detaillierter Fehleranalyse kann als Basis für angemessene Schutzmaßnahmen zukünftiger Pandemien dienen, um nicht erneut mit undifferenzierten Lockdown-Maßnahmen medizinische wie gesellschaftliche Verwerfungen zu riskieren.
Weiters muss es Ziel sein, dass Europa künftig im Bereich wichtiger Medizinprodukte und Arzneimittel sowie in der medizinischen Forschung und Entwicklung möglichst unabhängig agieren kann. Dann erst kann Europa zügig auf Gesundheitskrisen reagieren und eine hohe Qualität in der Versorgung auch in Pandemiezeiten sicherstellen.

2. Juli 2021 Impfstoffgerechtigkeit - Impfskepsis
Bundesärztekammer

Weltärztebund, Bundesärztekammer und die Pontifikale Akademie für das Leben unterstützen gemeinsam Impfstoffgerechtigkeit und wollen Impfskepsis begegnen

Weltweit leiden Millionen Menschen an den Folgen der Covid-19 Pandemie. Impfungen gelten als eine schnelle und effektive Methode, die Ausbreitung des Virus aufzuhalten und Menschenleben zu retten. Die aktuelle Pandemie hat nicht nur die Bedeutung von Impfungen aufgezeigt, sondern auch Gefahren des Impfnationalismus sowie Ungerechtigkeiten offengelegt, die beim Zugang zu Impfstoffen bestehen. Während viele wohlhabende Länder über die Mittel verfügen, um schnell bilaterale Verträge mit Pharmaunternehmen über vielversprechende Covid-19 Impfstoffkandidaten zu schließen, sind zahlreiche Entwicklungsländer aufgrund finanzieller Beschränkungen und geringeren Produktionsfähigkeiten benachteiligt.
So stellt der Zugang zu Impfstoffen in vielen Teilen der Welt immer noch eine große Herausforderung dar. Hinzu kommt, dass auch in Ländern, in denen Impfstoffe verfügbar sind, Impfungen mitunter auf Skepsis und Misstrauen stoßen. Impfskepsis ist eine komplexe Thematik. Die Zurückhaltung in benachteiligten Gruppen beruht teilweise auf historischen Ungerechtigkeiten, Vertrauensbrüchen bei medizinischer Forschung, negativen Erfahrungen im Gesundheitswesen und Misstrauen gegenüber profitorientierten Pharmafirmen. Eine wesentlich schädlichere Art der Impfskepsis wird jedoch durch haltlose und irreführende Behauptungen und Mythen zum Beispiel über vermeintliche Nebenwirkungen in sozialen Netzwerken befördert. Erschwerend kommt hinzu, dass selbst in der Ärzteschaft und in einigen religiösen Gruppen Impfskepsis zu verzeichnen ist. Mangelnde Impfbereitschaft und Impfskepsis können schwierige ethische Fragen zur Abwägung zwischen individueller Wahlfreiheit und dem Gemeinwohl aufwerfen.
Impfstoffe gelten als eine der größten Errungenschaften moderner Medizin und nehmen eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung von übertragbaren Krankheiten ein. Nachweislich werden durch Impfungen jedes Jahr Millionen von Todesfällen verhindert und viele weitere Millionen Menschen vor einer Erkrankung geschützt. Um das volle innovative Potential von Impfstoffen zu nutzen, müssen Hindernisse, die einer weltweiten Impfgerechtigkeit im Wege stehen, überwunden und die Ursachen von Impfskepsis angegangen werden.
Angesichts der Dringlichkeit dieser Fragen und der zentralen Rolle, die eine internationale und sektorenübergreifende Zusammenarbeit beim Voranbringen dieser Anliegen einnehmen kann, fordern der Weltärztebund (WMA), die Pontifikale Akademie für das Leben (PAL) und die Bundesärztekammer (BÄK) alle relevanten Stakeholder auf, alle Anstrengungen zu unternehmen, um
• einen gerechten weltweiten Zugang zu Impfstoffen sicher zu stellen, der die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche globale Impfkampagne ist, und
• Impfskepsis mit einer klaren Botschaft zur Notwendigkeit und Sicherheit von Impfstoffen zu begegnen sowie Mythen und Desinformation über Impfstoffe entgegenzuwirken.
2. Juli 2021
Pressekontakt:
Bundesärztekammer: Mark Berger (Stellv. Pressesprecher): mark.berger@baek.de Weltärztebund: Dr. Otmar Kloiber (Generalsekretär): otmar.kloiber@wma.net Akademie für das Leben: Dr. Fabrizio Mastrofini (Media Manager): pressoffice@pav.va

2. Juli 2021 So geht Innovation an der FAU
Pressestelle FAU

Sendung über Menschen, die die FAU innovationsstark machen

Was haben der Nobelpreisträger Prof. Dr. Harald zur Hausen, der Schauspieler Bjarne Mädel und die Gründer von Smart City Systems gemeinsam? Sie alle haben die Grundlage für ihre Karrieren und Projekte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gelegt, sei es als Forscher, sei es als Studierender. Was sie auch heute noch mit der Universität verbindet, erfahren Zuschauerinnen und Zuschauer am Dienstag, 20. Juli 2021 um 20.15 Uhr, in der Sendung „Wir sind #FAU – Innovation leben“. Die Sendung wird sowohl von Franken Fernsehen ausgestrahlt als auch als Online-Stream über das Videoportal der FAU gezeigt.  Bereits um 17.00 Uhr ehrt die FAU die Promovierten der Jahre 2020 und 2021 in einer digitalen Promoviertenfeier, die ebenfalls über das FAU Videoportal gestreamt wird.

Bühne frei für …
Im Fokus von „Wir sind #FAU – Innovation leben“ – eine Sendung, die ganz besonders den Promotionsjubilarinnen und -jubilaren, mit denen bereits letztes und auch dieses Jahr leider nicht in Präsenz gefeiert werden konnte, gewidmet ist – stehen herausragende Persönlichkeiten und Alumni aus den Bereichen Forschung, Wirtschaft und Medien, deren außergewöhnliche Karrierewege und innovative Projekte ihre Wurzeln an der FAU haben. Prominente Studiogäste sind der Nobelpreisträger Prof. Dr. zur Hausen und die Wirtschaftsweise und FAU-Ökonomin Prof. Dr. Veronika Grimm. Zudem gibt es Beiträge und Interviews über die bereits mehrfach ausgezeichnete Nachwuchswissenschaftlerin Dr. Silvia Budday sowie den erfolgreichen Theaterregisseur Jan Bosse und den Schauspieler Bjarne Mädel. Außerdem werden neben Smart City Systems – Marktführer in Smart Parking– weitere junge, innovative Start-ups, die von Alumni der FAU gegründet wurden, vorgestellt. Das Besondere: Die Zuschauerinnen und Zuschauer dürfen abstimmen, welches Start-up beim diesjährigen Dies Academicus als FAU Innovator 2021 in der Kategorie Alumni geehrt werden soll.

Ausführliche Informationen zur Sendung, sowie den FAU-Stream, gibt es online unter www.fau.info/wirsindfau.  

Neben der TV-Ausstrahlung am 20. Juli gibt es die Sendung auch im Franken Fernsehen Livestream: https://www.frankenfernsehen.tv/livestream/  
 
Weitere Informationen:
Aline Looschen und Christina Dworak
S-OUTREACH
zuv-fauevents@fau.de  


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02. Juli 2021 Podiumsdiskussion: Eizellspende, Leihmutterschaft und Co – Chance oder Herausforderung?
uni | mediendienst | aktuell Nr. 66/2021

Donnerstag, 8. Juli, 16 bis 18 Uhr über Zoom
Die moderne Reproduktionsmedizin bietet immer mehr Möglichkeiten, Menschen ihren bis dahin unerfüllten Kinderwunsch zu erfüllen. Aber nicht alle sehen diese neuen Methoden als Chance, sondern warnen vor den Herausforderungen: Ist zum Beispiel Leihmutterschaft im Ausland eine Form der Ausbeutung? Oder hat das Kind, das durch eine Eizellspende geboren wurde, ein anderes Verhältnis zu seinen Eltern oder bekommt Probleme in der Identitätsbildung? Über die ethischen und politischen Aspekte moderner Reproduktionstechnologien diskutieren am Donnerstag, den 8. Juli, von 16 bis 18 Uhr Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen. Die öffentliche Podiumsdiskussion wird vom Institut für Philosophie und dem Institut für Politische Wissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) über Zoom veranstaltet.
Neben den ethischen Aspekten moderner Reproduktionsmedizin, spielen dabei auch die politischen Rahmenbedingungen eine Rolle. Denn derzeit sind Eizellspende und Leihmutterschaft in Deutschland verboten. Sollte das im internationalen Vergleich sehr restriktive Embryonenschutzgesetz reformiert werden, um Menschen mit Kinderwunsch noch besser zu helfen? Darüber diskutieren auf dem Podium die Philosophin Barbara Bleisch, der Theologe und ehemalige Ethikratsvorsitzende Prof. Dr. Peter Dabrock, der Reproduktionsmediziner Prof. Dr. Jan-Steffen Krüssel und der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit und Menschenrechtsexperte Prof. Dr. Heiner Bielefeldt.
Die Podiumsdiskussion ist der Abschluss eines interdisziplinären Seminars mit Studierenden der Philosophie und Politikwissenschaft der FAU. Eine Anmeldung zur Veranstaltung ist per Mail an Petra Schröder (petra.schroder@fau.de) möglich. Der Zoom-Link wird nach erfolgreicher Anmeldung zugeschickt.
Weitere Informationen:
Univ.-Prof. Dr. Eva Odzuck, Eva.Odzuck@fau.de
Prof. Dr. Béatrice Lienemann, Beatrice.Lienemann@fau.de

2. Juli 2021 Die Schuppenflechte im Gelenk?
uni | mediendienst | forschung Nr. 60/2021

Neues EU-Projekt soll Behandlungsmöglichkeiten verbessern
EU-Forschungsprojekt HIPPOCRATES entwickelt personalisierte Therapieansätze für Menschen mit Psoriasis-Arthritis
 
Diagnose- und Therapiemöglichkeiten der Psoriasis-Arthritis verbessern – das ist das Ziel des neuen Forschungsprojekts HIPPOCRATES, für das sich 26 europäische Partner zusammengeschlossen haben. Daran federführend beteiligt – die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Untersucht werden das komplexe Zusammenspiel von genetischen und umweltbedingten Faktoren, sowie die Fehlregulation von Entzündungsvorgängen. Durch ein besseres Verständnis der Gewichtung dieser Faktoren sollen eine frühere Diagnose und eine genauere Vorhersage des Krankheitsverlaufs ermöglicht werden. Mit den Erkenntnissen aus diesem Projekt soll die gezielte Therapie der Psoriasis-Arthritis verbessert werden. Die Innovative Medicines Initiative (IMI 2), ein gemeinsames Projekt der Europäischen Union und des Europäischen Verbandes der pharmazeutischen Industrie (EFPIA), fördert dieses HIPPOCRATES über eine Laufzeit von 5 Jahren.
 
Die Psoriasis-Arthritis ist eine chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung, bei der körpereigene Immunzellen neben der Haut auch Gelenke und Sehnenansätze angreifen. Schätzungsweise 5 Millionen Menschen in Europa leiden unter den Symptomen dieser Krankheit. Typische Beschwerden sind schmerzhafte und geschwollene Gelenke, aber auch Sehnenschmerzen wie „Tennisarm“ oder Achillessehnenreizungen, die vor allem am Beginn der Bewegung zu Schmerzen und Steifigkeit führen. Meist, aber nicht immer, ist die Erkrankung auch mit schuppigen Hautausschlägen (Schuppenflechte) verbunden. Die anhaltende Entzündung bei Psoriasis-Arthritis kann im Verlauf zahlreiche Begleiterkrankungen, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen. Das Ausmaß und die Auswirkung der Psoriasis-Arthritis auf die Lebensqualität sind allerdings von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich.
 
Früh erkennen und individuell behandeln
Bisher gibt es keine verlässlichen Verfahren oder Tests, die schnell, einfach und zuverlässig Hinweise auf die Entstehung einer Psoriasis-Arthritis und ihren späteren Verlauf geben. Die Folge sind häufig lange Leidenswege, verzögerte Behandlungen und damit schlechtere Therapieergebnisse. Um besser vorhersagen zu können, welche Patientinnen oder Patienten eine Psoriasis-Arthritis oder eine schwere Verlaufsform entwickeln werden, beteiligt sich die Medizinische Klinik 3 am Universitätsklinikum Erlangen der FAU am HIPPOCRATES-Konsortium. „Wir haben die Möglichkeit, gemeinsam innovative Bildgebungs- und Messmethoden zu entwickeln, die mit der Entwicklung der Psoriasis-Arthritis einhergehen“, erklärt PD Dr. David Simon von der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie. „Dadurch wird es möglich sein, Psoriasis-Arthritis frühzeitig zu identifizieren und den Ausbruch der Erkrankung durch eine individualisierte Therapiestrategie abzufedern und im Idealfall ganz zu verhindern.“
 
Das HIPPOCRATES-Projekt verbindet europäische Forschungszentren und Unternehmen aus der Wirtschaft, die unterschiedlichen Fachgebieten angehören und gemeinsam wissenschaftliche Erkenntnisse in den klinischen Alltag bringen sollen. Dabei werden neu entdeckte Marker und Verfahren, die in Zukunft der frühzeitigen Diagnose von PsA dienen sollen, in internationalen Patientenkohorten überprüft. Darüber hinaus werden in dem HIPPOCRATES-Projekt personalisierte Behandlungsstrategien entwickelt, die das Ansprechen auf die Behandlung verbessern und die Entwicklung einer schweren Psoriasis-Arthritis hemmen sollen.
 
Über das Konsortium
Das HIPPOCRATES-Konsortium besteht aus 26 Partnerinstitutionen aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Irland, Italien, Spanien, Schweden, der Schweiz, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich und den USA. Unter der Leitung des University College Dublin bringen die Partner ein breites Spektrum an Fachkenntnissen ein, darunter klinische, datenanalytische und ethische Kenntnisse, Erfahrung von Patienten sowie kleinen und mittleren Unternehmen sowie der pharmazeutischen Industrie.
 
Weitere Informationen:
PD Dr. David Simon
Lehrstuhl für Innere Medizin III
david.simon@uk-erlangen.de    
 
Prof. Dr.  Georg Schett
Lehrstuhl für Innere Medizin III
 
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2. Juli 2021 Medikament gegen Autoantikörper hilft bei Long COVID
uni | mediendienst | forschung Nr. 58/2021

Weltweit erster Heilversuch eines Patienten mit Long-COVID-Syndrom an Erlanger Augenklinik erfolgreich durchgeführt

Dank einem Medikament, das ursprünglich zur Bekämpfung von Herzerkrankungen entwickelt wurde, ist es einem Ärzteteam der Augenklinik (Direktor: Prof. Dr. Friedrich E. Kruse) des Universitätsklinikums Erlangen nun im Rahmen eines individuellen Heilversuchs erstmals gelungen, dass ein 59-jähriger Mann mit Long-COVID-Syndrom beschwerdefrei wurde. Ob der Wirkstoff BC 007 auch anderen Betroffenen hilft, soll bald in einer klinischen Studie überprüft werden. „Momentan können wir leider nicht mehr Menschen mit dem Medikament behandeln, da es noch nicht alle Zulassungsstudien durchlaufen hat“, sagt Prof. Dr. Christian Mardin, leitender Oberarzt der Augenklinik.

Die Ärztinnen und Ärzte der Augenklinik sowie der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) und der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie (Direktor: Prof. Dr. Georg Schett) des Uni-Klinikums Erlangen hatten im Rahmen der ReCOVer-Studie im Vorfeld bereits herausgefunden: Wer eine COVID-19-Infektion hinter sich hat, bei dem ist die Durchblutung der Augen auch viele Monate später noch deutlich eingeschränkt. Hintergrundgedanke zu dem vorgenommenen Heilversucht war es, dass die veränderte Durchblutung sicherlich nicht auf das Auge begrenzt ist, sondern beispielhaft für den gesamten Körper gesehen werden kann.

Im Blut von ehemaligen COVID-19-Patienten fand das Ärzteteam gemeinsam mit einem langjährigen Kooperationspartner und ehemaligen Mitarbeiter des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in Berlin, Dr. Gerd Wallukat, Monate nach der Infektion bestimmte Eiweißstoffe, mit denen sie sich im Zusammenhang mit der Glaukom-Erkrankung (grüner Star) bereits seit vielen Jahren beschäftigen: Autoantikörper gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren. „Darunter ist zu verstehen, dass sich die per se gute Immunabwehr gegen den eigenen Körper richtet und Stoffe bildet, die schädlich sein können. Das bringt teils schwerwiegende Folgen mit sich“, erklärt Dr. Dr. Bettina Hohberger, Fachärztin der Erlanger Augenklinik. Bildet der Körper vermehrt Autoantikörper, greifen diese möglicherweise unterschiedliche Körperstrukturen an. Das interdisziplinäre ärztliche und wissenschaftliche Team fand bei den Blutuntersuchungen heraus, dass Patienten nach einer Corona-Infektion mehrere dieser Eiweißstoffe aufweisen. „Wir kennen einen dieser Autoantikörper bereits von der Glaukom-Erkrankung und wissen von seiner schlechten Wirkung auf die Augendurchblutung“, erläutert Dr. Hohberger.

Durch die langjährige Kooperation mit Dr. Wallukat hatte die Ophthalmologin von einem Präparat erfahren, das diese schädlichen Autoantikörper bindet. Damit wäre es möglich, die Autoantikörper unschädlich zu machen und möglicherweise die Durchblutungsstörungen zu verbessern. Das Medikament wurde vor einigen Jahren speziell für Patienten mit einer schweren Herzerkrankung von Dr. Wallukat, seiner Kollegin Dr. Annekathrin Haberland und ehemaligen Herzchirurgen des Deutschen Herzzentrums Berlin in eine Zulassungsstudie gebracht. „Ursprünglich wollte ich damit meinen Glaukom-Patienten helfen“, erinnert sich Dr. Hohberger. „Als wir dann die Ergebnisse sahen, die aus Kooperationsprojekten zu Long COVID entstanden sind, waren es wie viele kleine Puzzlestücke, die für uns zusammenpassten. Es war durchaus denkbar, dass sich auch die Long-COVID-Symptomatik dadurch bessern könnte.“

Durchblutung deutlich verbessert
Als ein langjähriger, an Glaukom erkrankter Patient des Erlanger Glaukomregisters von seinen Beschwerden nach überstandener Corona-Infektion berichtete – Geschmacksverlust, starke Konzentrationsstörungen und Abgeschlagenheit, die ihn in seinem beruflichen und privaten Leben massiv einschränkten – wollte das Team der Augenklinik ihm Hilfe anbieten. Im Rahmen eines individuellen Heilversuchs mit dem Berliner Medikament, BC 007, erhielt der 59-Jährige das Präparat per Infusion und blieb drei Tage stationär am Uni-Klinikum Erlangen. „Bereits innerhalb weniger Stunden zeigte sich eine Besserung. Bei seiner Entlassung fühlte sich unser Patient schon deutlich erholter als vor der Verabreichung und seine Autoantikörperwerte bestätigten diesen Eindruck“, schildert das Ärzteteam den Verlauf. Auch die Konzentrationsschwierigkeiten verschwanden, die Leistungsfähigkeit des 59-Jährigen stieg wieder an und der Geschmackssinn kehrte zurück. „Insgesamt hat sich die Durchblutung der Kapillaren, die wir am Auge messen können, deutlich verbessert.“ Das Team der Erlanger Augenklinik geht deshalb davon aus, dass die Long-COVID-Beschwerden des Patienten dank der verbesserten Durchblutung verschwunden sind. Für den Ansatz, diese Autoantikörper mit einem Medikament bei Patienten mit Glaukom unschädlich zu machen, wurde Dr. Hohberger 2020 für den Galenus-von-Pergamon-Preis in der Kategorie Grundlagenforschung nominiert.

ReCOVer-Studie
In Zusammenarbeit mit der Intensivstation der Medizin 1, auf der seit dem Frühjahr 2020 auch Corona-Patienten behandelt werden, und der Medizin 3 untersuchte das Forschungsteam der Augenklinik die Durchblutung der kleinsten Gefäße, der Kapillaren, bei COVID-19-Patienten. Den Blutfluss machten sie mithilfe einer innovativen, schmerzfreien und nicht-invasiven Methode sichtbar: der OCT-Angiografie (optische Kohärenzangiografie). Nur im Auge und am Nagelfalz – dem Übergang zwischen Nagelbett und Finger – ist es möglich, den Blutfluss sichtbar zu machen, ohne beispielsweise Kontrastmittel zu injizieren. Im Rahmen der klinischen Studie können die Augenärztinnen und -ärzte des Uni-Klinikums Erlangen diese Untersuchungsmethode seit 2020 gezielt Patientinnen und Patienten nach ihrer COVID-19-Infektion anbieten. Erste Auswertungen zeigen: Noch Monate nach der Erkrankung ist die Durchblutung innerhalb der Netzhaut deutlich eingeschränkt, auch wenn Betroffene keine Sehbeschwerden haben. Die klinische Studie mit Patienten nach einer COVID-19-Infektion wird weiterhin fortgeführt. Gemeinsam mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Erlanger Max-Planck-Zentrums für Physik und Medizin und dem Team um Dr. Wallukat werden nun gezielt Mechanismen untersucht, die zu der eingeschränkten Durchblutung führen können und den Wirkmechanismus des erfolgreichen Heilversuches erklären können.

Link zum Abstract der Studie: https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fmed.2021.676554/abstract  

Weitere Informationen:
Dr. Dr. Bettina Hohberger
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02. Juli 2021 Podiumsdiskussion: Eizellspende, Leihmutterschaft und Co – Chance oder Herausforderung?
uni | mediendienst | aktuell Nr. 66/2021

Donnerstag, 8. Juli, 16 bis 18 Uhr über Zoom
Die moderne Reproduktionsmedizin bietet immer mehr Möglichkeiten, Menschen ihren bis dahin unerfüllten Kinderwunsch zu erfüllen. Aber nicht alle sehen diese neuen Methoden als Chance, sondern warnen vor den Herausforderungen: Ist zum Beispiel Leihmutterschaft im Ausland eine Form der Ausbeutung? Oder hat das Kind, das durch eine Eizellspende geboren wurde, ein anderes Verhältnis zu seinen Eltern oder bekommt Probleme in der Identitätsbildung? Über die ethischen und politischen Aspekte moderner Reproduktionstechnologien diskutieren am Donnerstag, den 8. Juli, von 16 bis 18 Uhr Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen. Die öffentliche Podiumsdiskussion wird vom Institut für Philosophie und dem Institut für Politische Wissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) über Zoom veranstaltet.
Neben den ethischen Aspekten moderner Reproduktionsmedizin, spielen dabei auch die politischen Rahmenbedingungen eine Rolle. Denn derzeit sind Eizellspende und Leihmutterschaft in Deutschland verboten. Sollte das im internationalen Vergleich sehr restriktive Embryonenschutzgesetz reformiert werden, um Menschen mit Kinderwunsch noch besser zu helfen? Darüber diskutieren auf dem Podium die Philosophin Barbara Bleisch, der Theologe und ehemalige Ethikratsvorsitzende Prof. Dr. Peter Dabrock, der Reproduktionsmediziner Prof. Dr. Jan-Steffen Krüssel und der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit und Menschenrechtsexperte Prof. Dr. Heiner Bielefeldt.
Die Podiumsdiskussion ist der Abschluss eines interdisziplinären Seminars mit Studierenden der Philosophie und Politikwissenschaft der FAU. Eine Anmeldung zur Veranstaltung ist per Mail an Petra Schröder (petra.schroder@fau.de) möglich. Der Zoom-Link wird nach erfolgreicher Anmeldung zugeschickt.
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29. Juni 2021 Bestens vorbereitet aufs Studium
uni | mediendienst | aktuell Nr. 64/2021

FAU-Projekt begleitet Schülerinnen und Schüler bei ihren wissenschaftlichen Abschlussarbeiten
Wie schreibt man eigentlich eine wissenschaftliche Arbeit? Als Vorbereitung auf das Studium sollen Schülerinnen und Schüler das bereits im Rahmen ihres W-Seminars in der Oberstufe lernen. Eine ganz besondere Unterstützung gibt es dafür an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU): das Schülerkontaktstudium (SKS), das den Jugendlichen und ihren Lehrkräften genau dabei wertvolle Hilfe bietet. Studentische Tutorinnen und Tutoren vermitteln die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens und betreuen die Schülerinnen und Schüler beim Verfassen ihrer Abschlussarbeiten. Nun sind die drei besten Arbeiten ausgezeichnet worden, die im SKS 2020 entstanden sind. Die Anmeldung für den SKS-Durchgang 2022 ist noch bis 23. Dezember 2021 möglich.
Lehrkräfte können sich mit ihren W-Seminaren, die im Rahmen der Q11 und Q12 im Gymnasium stattfinden, für das Schülerkontaktstudium der FAU anmelden. Entsprechend der fachlichen Ausrichtung des Seminars wird jeder Gruppe eine Studentin oder ein Student der passenden Studienrichtung als Tutorin beziehungsweise Tutor zugewiesen. Das SKS arbeitet dabei thematisch mit allen Fakultäten der FAU zusammen. In drei Terminen im Laufe des Schuljahres vermitteln die Studierenden die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens und helfen bei spezifischen Fragen zu den einzelnen W-Seminararbeiten.
In drei Lektionen zur W-Seminararbeit
In der ersten Sitzung geht es um grundsätzliche Fragen: Was zeichnet eine gute wissenschaftliche Arbeit aus? Wie finde ich Literatur? Was ist ein Exposé und wie organisiere ich meinen Zeitplan? Beim zweiten Termin wird der Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit vorgestellt und die Schülerinnen und Schüler üben die gelernten Arbeitstechniken, zum Beispiel richtig zu zitieren. In der letzten Sitzung geht es um die mündliche Präsentation der Arbeit, die zuerst theoretisch erklärt und dann in Kleingruppen geübt wird. In Einzelgesprächen können die Schülerinnen und Schüler außerdem Fragen zu ihren Abschlussarbeiten klären.
Preis für die beste wissenschaftliche Arbeit
Die drei besten Arbeiten des SKS sind am Dienstag, 22. Juni, ausgezeichnet worden. Zur Auswahl standen Arbeiten, die mit mindestens 13 Punkten bewertet, also mindestens der Note 1, und von den Lehrkräften eingereicht wurden. In diesem Jahr hat die Jury aus Tutorinnen und Tutoren sowie den Organisatoren des SKS Sarah Engelhardt mit dem ersten Platz ausgezeichnet. In ihrer Arbeit beschäftigte sie sich mit der photometrischen Bestimmung des Koffeingehalts bei Kaffee, Matcha-Tee und Energydrinks und dessen Wirkung auf den menschlichen Körper.
Die beiden zweiten Plätze belegten Sandra Gilch und Isabell Holl – sie beschäftigten sich mit der „Beeinflussung der politischen Meinungsbildung des Menschen durch die spezifische Kommunikation in sozialen Netzwerken“ und mit „Das Buch Ruth: eine Geschichte zum Lernen“. Als Preis gab es Überraschungen aus dem FAU-Shop und ein Fachbuch zum jeweiligen Thema. Sollten sich die Schülerinnen nach dem Abitur dazu entscheiden, an der FAU zu studieren, bekommen sie außerdem einen Buddy zur Seite gestellt – eine Studentin oder ein Student, der sie im ersten Semester an der Uni unterstützt.
„Schülerinnen und Schüler lernen im SKS nicht nur das wissenschaftliche Arbeiten, sie kommen auch schon früher als gewöhnlich mit Studierenden und der Universität als Ganzes in Kontakt und kriegen einen Einblick, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten. Vielleicht beeinflusst das die eine oder den anderen bei seinen Zukunftsplänen oder sogar seiner Berufswahl“, erklärt Prof. Dr. Boris Dreyer, Inhaber der Professur für Alte Geschichte und Projektleiter des SKS.
Detaillierte Informationen zum SKS sowie zur Anmeldung: https://meinstudium.fau.de/studium/schuelerkontaktstudium-sks/
Weitere Informationen:
Christina Sponsel-Schaffner
Tel.: 09131 8525762
christina.erika.sponsel@fau.de

18.06.2021 Delta Variante "Zweiten Impftermin unbedingt wahrnehmen"
Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Zur Diskussion über die Zunahme der sogenannten Delta-Variante des Corona-Virus in Deutschland erklärt Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt:
"Angesichts der auch in Deutschland zu beobachtenden Verbreitung der sogenannten Delta-Variante des Corona-Virus appelliere ich dringend an die erwachsene Bevölkerung, alle Impfangebote wahrzunehmen. Vor allem sollten alle Erstgeimpften auch die erforderlichen Zweitimpfungen fristgerecht vornehmen lassen. Aktuelle Studien zeigen, dass der Impfschutz gegen die Delta-Variante bei nur einmaliger Impfung um 17 Prozent geringer ausfallen könnte, als gegen die bisherige Alpha-Mutante. Eine möglichst hohe Impfquote verlangsamt die weitere Ausbreitung dieser Variante und reduziert auch das Ansteckungsrisiko für Kinder deutlich.
Noch ist der Anteil der Delta-Variante unter den Neuinfektionen in Deutschland gering. Er hat sich aber binnen einer Woche auf rund sechs Prozent verdoppelt. Um die Impfkampagne in Praxen und Impfzentren mit hoher Geschwindigkeit weiter zu führen, brauchen wir dringend mehr Impfstoff. Ebenso wichtig ist es, zum jetzigen Zeitpunkt den Bedarf für die Auffrischungsimpfungen zu kalkulieren und ihn bei der Impfstoffbeschaffung zu berücksichtigen. Wenn neben den laufenden Erst- und Zweitimpfungen schon relativ bald die ersten Auffrischungsimpfungen fällig werden, sollten wir auch Strukturen bereithalten, um die Praxen bei Bedarf zu entlasten. Möglichst viele Bundesländer sollten deshalb über den 30. September hinaus einen Grundbestand an Impfzentren im Stand-By-Modus halten.
Neben der Impfkampagne bleibt es trotz des aktuellen Rückgangs der Gesamtinzidenz vernünftig und geboten, in Innenräumen, im Öffentlichen Nahverkehr und vergleichbaren Orten medizinische Schutzmasken zu tragen. Wir sollten alles dafür tun, einen Wiederanstieg der Infektionszahlen, wie derzeit in Großbritannien, zu verhindern.“tte den Text der Pressmeldung reinkopieren

23. Juni 2021 Berlin zu Gast in Bayern: Klausurtagung der Bundesärztekammer in Bad Wörishofen
Presseinformation Bayerische Landesärztekammer

Berlin zu Gast in Bayern: Klausurtagung der Bundesärztekammer in Bad Wörishofen
Der Vorstand der Bundesärztekammer (BÄK) trifft sich vom 24. bis 26. Juni 2021 in Bad Wörishofen/Unterallgäu zu seiner diesjährigen Klausurtagung. Traditionell bestimmt dabei der vergangene Deutsche Ärztetag (DÄT) die Themen der Tagung, werden doch die an den Vorstand überwiesenen Anträge diskutiert. Darüber hinaus wird sich der BÄK-Vorstand, dem die Präsidenten der Landesärztekammern – so auch der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), Dr. Gerald Quitterer – angehören, mit einer Reihe von aktuellen berufspolitischen Themen befassen. „Zunächst wird es bei der ärztlichen Weiterbildung um den neu auf dem 124. DÄT beschlossenen ‚Facharzt Innere Medizin und Infektiologie‘ und um die Zusatz-Weiterbildung ‚Infektiologie‘ gehen“, erläutert Quitterer. Darüber hinaus stehen die Themen „Kooperation mit den Gesundheitsberufen“, „Kern-forderungen der deutschen Ärzteschaft zur Bundestagswahl“ oder das Ethik-Thema „Ärztlich assistierter Suizid“ auf der Agenda. Schließlich wird auch der 125. DÄT, der am 1. und 2. November 2021 in Berlin stattfinden wird, inhaltlich vorbereitet werden. „Dabei werden wir uns mit ‚Gesundheit und Klimawandel‘ befassen; ein zentraler Punkt für unser aller Zukunft“, berichtet Quitterer. Welche Themen bewegen derzeit darüber hinaus? „Da ist die Corona-Pandemie sicherlich an erster Stelle zu nennen; welche Lehren wir daraus ziehen und welche Chancen sich bieten? Welche Folgen hat die Pandemiebekämpfung medizinisch, sozial, ökonomisch, juristisch oder auch ethisch?“, so Quitterer.
Daraus muss sich für uns die Frage stellen: Wie wollen wir in Zukunft leben? Was muss das Gesundheitssystem leisten und was liegt in der Verantwortung eines jeden einzelnen von uns? Prävention und Gesundheitskompetenz müssen dabei einen hohen Stellenwert einnehmen, meint Quitterer abschließend.

21.06.2021 Expertinnen und Experten diskutieren die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesundheitsversorgung
Pressemeldung von der Bundesärztekammer

Wie verändert die Digitalisierung die gesundheitliche Versorgung von Patientinnen und Patienten?
Welche neuen Anforderungen stellt sie an die Gesundheitsfachberufe? Mit diesen und weiteren Fragen
beschäftigte sich die 33. Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen auf ihrer Jahrestagung am 18. Juni 2021 in Berlin.
„Die Digitalisierung des Gesundheitssystems bringt einschneidende Veränderungen mit sich. Das gilt auch mit Blick auf die Kooperation zwischen den Gesundheitsfachberufen“, sagte Dr. Ellen
Lundershausen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer und Vorsitzende der Fachberufekonferenz. „Im Sinne einer bestmöglichen Patientenversorgung und Patientensicherheit sind
alle Gesundheitsfachberufe aufgerufen, ihr Wissen und ihre Fertigkeiten beim Einsatz digitaler Instrumente weiter zu vertiefen“, forderte Lundershausen. Dies müsse unbedingt mit der gebotenen
Sorgfalt und ohne Druck von außen geschehen. In diesem Zusammenhang verwies sie auf den diesjährigen 124. Deutschen Ärztetag in Berlin, der vor einer in erster Linie politisch motivierten
Digitalisierung ohne Rücksicht auf Nutzen und Praxistauglichkeit gewarnt hatte.
„Wir stehen in den kommenden Monaten vor der Einführung mehrerer digitaler Anwendungen im Gesundheitswesen“, betonte Norbert Butz, Telematik-Experte der Bundesärztekammer. Die
Krankenkassen rief er zu einer Kommunikationsoffensive auf, um ihre Versicherten über die Neuerungen zu informieren. Gleichzeitig warnte er davor, dass gerade ältere Patientinnen und Patienten den Pressemitteilung der Bundesärztekammer Anschluss an die digitale Versorgungswelt verlieren könnten. So besäßen mehr als die Hälfte der über 65-jährigen kein für den Zugriff auf digitale Patientenakten und Rezepte taugliches Smartphone. „Damit besteht die Gefahr, dass die Transformation des Gesundheitswesens an einer wichtigen Zielgruppe vorbeigeht“, so Butz.
Wie kann die Digitalisierung bei der Versorgung älterer Menschen helfen? Und wie können allein-lebende, mehrfacherkrankte Menschen im Alter vor Vereinsamung geschützt werden und weiter selbstbestimmt leben? Diese Fragen beschäftigen Prof. Dr. Stefan Schmidt, Experte für Pflege- und Versorgungskonzepte an der Hochschule Neubrandenburg. „Moderierte Videokonferenzen können soziale Kontakte fördern“, stellte Schmidt mit Blick auf den aktuellen Stand der Forschung fest. Derzeit untersucht er im Rahmen eines Forschungsprojekts den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis. „IT-Technik wird gezielt eingesetzt, um Kommunikations- und Austauschmöglichkeiten zwischen zu Pflegenden und dem Versorgungsumfeld anzubieten“, so Schmidt. Das ermögliche unverzügliche Rückmeldungen und erhöhe damit die Sicherheit. Online-Konsultationen und Videoanrufe würden vermehrt in der Primär- und Sekundärversorgung eingesetzt.
Im weiteren Verlauf der Diskussion wurde deutlich, dass es bislang an einer Digitalisierungsstrategie in der Aus-, Weiter- und Fortbildung für die Gesundheitsfachberufe mangelt. Die in den Gesundheitsfachberufen Tätigen seien auf den digitalen Wandel des Gesundheitssystems nicht an-gemessen vorbereitet. Notwendig sei die Weiterentwicklung der bildungsrelevanten Rahmenbedingungen mit strategischen Programmen und zielgerichteten Fördermaßnahmen.
Die vom Vorstand der Bundesärztekammer im Jahr 1989 initiierte Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen traf sich zu ihrer 33. Sitzung. Ziel dieser ständigen Einrichtung von 42 Verbänden ist, den Dialog und die interprofessionelle sowie sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsfachberufen zu fördern und aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Berufsausübung zu beraten.

22. Juni 2021 Alles übers Studium an der FAU
uni | mediendienst | aktuell Nr. 61/2021

Veranstaltungen für Studieninteressierte vom 25. Juni bis 28. Juli
Jura oder Materialwissenschaften oder doch lieber Musikpädagogik? An der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gibt es viele Möglichkeiten zum Studieren. Über diese können sich Studieninteressierte bei verschiedenen Infoveranstaltungen, Vorbereitungskursen und im Schnupperstudium schlau machen.
Schülerinnen und Schüler, die an der FAU Musikpädagogik studieren möchten, können vor der Eignungsprüfung einen Vorbereitungskurs für den theoretischen Teil der Prüfung besuchen. Der Kurs findet an zwei aufeinander aufbauenden Terminen am 25. und 26. Juni ab 14.00 bzw. 10.00 Uhr statt. Inhaltlich werden theoretische Inhalte besprochen und Gehörbildungsaufgaben geübt. Detaillierte Infos gibt es online: https://www.musik.phil.fau.de/studium/eignungspruefungen/vorbereitungskurs/.
Für alle, die sich für ein Studium der Lehrämter Realschule und/oder Gymnasium interessieren, bietet das Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerbildung (ZfL) am 28. Juni ab 17.00 Uhr und am 13. Juli ab 14.00 Uhr Kleingruppenberatungen an. Studieninteressierte erhalten Informationen zum Aufbau des Studiums, den Kombinationsmöglichkeiten der Unterrichtsfächer und zu Zulassungsvoraussetzungen.
Mehr Informationen und Termine gibt es hier: https://zfl.fau.de/studium/termine/#kleingruppe-info  
Der Fachbereich Rechtswissenschaft lädt Studieninteressierte zu einer Schnupperwoche vom 5. bis 9. Juli ein. Dort gibt es Tipps rund um das Jurastudium, Informationen zu Berufsfeldern für Juristinnen und Juristen und Schnuppervorlesungen aus dem Öffentlichen Recht, dem Strafrecht und dem Zivilrecht.
Informationen zur Schnupperwoche gibt auf dieser Website: https://www.jura.rw.fau.de/lust-auf-jura-schnupperwoche-rechtswissenschaft/  
Die Informationsveranstaltung für das Masterstudium „Ethik der Textkulturen“ findet am 6. Juli ab 18.00 Uhr statt. Es geht um die Inhalte des Studiengangs, Bewerbung und Zulassung, Lehrformen und das Mentorenprogramm. Darüber hinaus werden berufliche Perspektiven thematisiert.
Über die Veranstaltung können Sie sich hier näher informieren: https://ethik-der-textkulturen.de/etk/informationsveranstaltung-3/  
Um allen interessierten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, die Studiengänge des Fachbereichs Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WiSo) der FAU kennenzulernen, findet am 7. Juli ab 10.00 Uhr der WiSo BachelorDay statt. In Online-Vorträgen werden alle Bachelor-Studiengänge vorgestellt. Die Studieninteressierten erhalten zudem Infos zu Zulassung und Bewerbung.
Alles zum WiSo BachelorDay finden Sie hier: https://www.wiso.rw.fau.de/studium/vor-dem-studium/wiso-bachelorday/  
Der Bachelorstudiengang „Digitale Geistes- und Sozialwissenschaften“ stellt sich ebenfalls am 7. Juli um 10.00 Uhr vor. Am Infotag werden zwei identische Informationsblöcke angeboten. Interessierte können sich über das Studienprogramm informieren und alle Fragen loswerden.
Mehr Informationen gibt es online: https://www.izdigital.fau.de/ba-infotag-07-07-2021/  
Am 20. Juli ab 15.00 Uhr lädt das Department Werkstoffwissenschaften zur virtuellen Schnupper-Uni ein: Die Studiengänge „Materialwissenschaft und Werkstofftechnik“ und „Nanotechnologie“ stellen sich dabei vor.
Alle Informationen finden Sie hier: https://www.mat.studium.fau.de/2021/06/07/schnupper-uni-sommer-2021/  
Am 28. Juli ab 16.00 Uhr findet ein Online-Meetup für Studieninteressierte der Wirtschaftsinformatik statt – die perfekte Gelegenheit, den Bachelorstudiengang kennenzulernen.
Online finden Sie mehr Informationen: https://www.wi.studium.fau.de/online-meetup/  
Alle Veranstaltungen für Studieninteressierte sind online zu finden – neben Infos zu Studiengängen gibt es auch Vorträge über die Bewerbung fürs Studium sowie zum Studienstart: www.infotage.fau.de.
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18. Juni 2021 Peinliche Vorfälle
uni | mediendienst | aktuell Nr. 60/2021

Welt-Kontinenz-Woche rückt tabuisierte Erkrankungen wie Inkontinenz und Prolaps in den Fokus
Noch immer überwiegt die Scham. Menschen, die unter Harn- oder Stuhlinkontinenz leiden, sprechen meist nicht über ihre Beschwerden; viele vertrauen sich nicht einmal ihrem Arzt an. Dabei muss sich aus ein paar Flecken in der Unterhose keine Krankheit entwickeln – wenn rechtzeitig die richtigen Schritte eingeleitet werden. Betroffene früh zu erreichen, ihnen Hilfe anzubieten und Mut zu machen: Das sind die Ziele der Welt-Kontinenz-Woche (21. – 27. Juni 2021), an der sich auch das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum des Universitätsklinikums Erlangen beteiligt. In diesem Jahr rücken die hiesigen Expertinnen den Prolaps in den Fokus: das (teilweise) Heraustreten eines inneren Organs aus einer natürlichen Körperöffnung, was auch als „Vorfall“ bezeichnet wird. Denn Menschen mit Beckenbodenschwäche leiden nicht nur unter Inkontinenz, bei einigen kommt es zu einem Vorfall der Blase, der Gebärmutter oder des Darms.
„Der Schock ist natürlich groß, wenn Sie auf der Toilette sitzen und plötzlich spüren, dass Sie beispielsweise ihren Darm außerhalb des Körpers tasten können“, sagt PD Dr. Birgit Bittorf, Fachärztin in der Chirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Robert Grützmann) des Uni-Klinikums Erlangen. „Meist lässt sich das Organ sanft in den Körper zurückschieben – damit verschwindet aber nicht das ursächliche Problem!“ Während sich der äußere Vorfall eines Organs recht eindrücklich zeigt, sind die Anzeichen für einen inneren Vorfall nicht ganz so eindeutig. „Bei einem Prolaps der Gebärmutter verspürt die Frau ein Fremdkörpergefühl in der Scheide oder sie ertastet eine ungewohnte Wölbung“, erläutert PD Dr. Stefanie Burghaus, Oberärztin der Frauenklinik (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) des Uni-Klinikums Erlangen. „Ein innerer Vorfall der Harnblase oder des Darms äußert sich wiederum als Entleerungsstörung, oder es zeigen sich braune Schlieren in der Unterwäsche“, ergänzt Dr. Verena Freier, Fachärztin der Urologischen und Kinderurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Bernd Wullich) des Uni-Klinikums Erlangen. Die Expertinnen empfehlen allen Betroffenen, sich an ihren Hausarzt zu wenden, der sie bei Bedarf an das Kontinenzzentrum des Uni-Klinikums Erlangen überweisen kann.
Der Beckenboden – keine reine Frauensache
Von Beckenbodenschwäche sind beide Geschlechter betroffen – obwohl viele Männer gar nicht wissen, dass auch sie einen Beckenboden besitzen. Er besteht aus Muskeln und Bindegewebe und hält die Bauch- und Beckenorgane an Ort und Stelle. „Eine Schwächung entsteht durch übermäßige Beanspruchung, zum Beispiel schwere körperliche Arbeit, Schwangerschaft und Geburt, Übergewicht oder chronischen Husten. Sie kann aber auch eine Alterserscheinung sein oder eine angeborene Bindegewebsschwäche als Ursache haben“, erklärt Dr. Burghaus. „Dementsprechend tritt ein Prolaps entweder bei jüngeren Menschen mit familiärer Vorbelastung auf oder bei Senioren. Manchmal leiden auch Frauen nach der Entbindung vorübergehend unter einem Vorfall dieser Organe.“
Prophylaxe – das A und O
Ganz verhindern lässt sich eine Beckenbodenschwäche zwar nicht, aber hinauszögern. „Die Vorbeugung ist kein Hexenwerk“, betont Dr. Freier. „Achten Sie einfach auf einen gesunden Lebensstil: normales Körpergewicht, nicht rauchen, ballaststoffreiche Ernährung zugunsten einer geregelten Darmtätigkeit, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, nicht schwer heben und körperliche Betätigung.“ Dabei sprechen die Expertinnen bewusst nicht von Sport, sondern verweisen auf alltagstaugliche Aktivitäten wie die Treppe statt den Aufzug zu nehmen, eine Station früher aus dem Bus zu steigen und nach Hause zu laufen oder zwei-/dreimal in der Woche einen 30-minütigen Spaziergang zu machen. „Sie müssen keine Höchstleistungen vollbringen!“, sagt Dr. Bittorf und warnt vor Extremen: „Trinken Sie gleichmäßig über den Tag verteilt und stürzen Sie nicht abends mit schlechtem Gewissen zwei Liter Wasser auf einmal hinunter. Gehen Sie aufs Klo, wenn Sie müssen – aber pressen Sie nicht und vermeiden Sie lange Sitzungen.“ Die Anzahl der täglichen Toilettengänge ist übrigens kein Indiz für eine Erkrankung des Beckenbodens. Eine geregelte Darmtätigkeit beispielsweise bedeutet für die eine zweimal pro Woche, für den anderen dreimal am Tag. „Entwickeln Sie ein Bewusstsein für Ihren Körper und seine Bedürfnisse“, empfiehlt Verena Freier. „Wenn Sie merken, dass sich etwas nach und nach verändert, sollten Sie handeln und bei zunehmendem Leidensdruck Ihren Hausarzt aufsuchen.“
Behandlung durch den richtigen Facharzt
Einen Facharzt müsse man nicht gleich konsultieren, und so stellt sich auch nicht die Frage: „Welcher Mediziner ist eigentlich für mich und meine Beschwerden zuständig?“ Wer mit einer Überweisung des Hausarztes ins Kontinenzzentrum des Uni-Klinikums Erlangen kommt, kann sich vertrauensvoll in die Hände des erfahrenen interdisziplinären Teams begeben. „Patientinnen mit einem Prolaps der Gebärmutter werden zwar höchstwahrscheinlich bei uns in der Frauenklinik behandelt“, sagt Stefanie Burghaus, „aber im Rahmen unserer regelmäßigen Konferenzen tauschen wir uns mit den Kolleginnen und Kollegen der anderen Fachdisziplinen aus, besprechen die Fälle und erarbeiten individuelle Behandlungspläne. Abhängig vom persönlichen Krankheitsbild kann es auch sein, dass eine Patientin die bestmögliche Therapie vom Urologen erhält – das ist nämlich kein ‚Männerarzt‘, sondern ein Spezialist für die Harnorgane beider Geschlechter.“
Minimalinvasive OP-Verfahren
Zunächst schöpfen die Erlanger Expertinnen und Experten die konservativen Behandlungsmöglichkeiten aus, verordnen zum Beispiel Beckenbodengymnastik oder Physiotherapie. „Eine Operation ist häufig erst der letzte Schritt“, betont Birgit Bittorf. „Welchen Eingriff wir unseren Patientinnen und Patienten schließlich empfehlen, ist abhängig von ihrem Alter, ihren Vorerkrankungen und ihrer Anatomie.“ Im Kontinenzzentrum des Uni-Klinikums Erlangen werden alle gängigen Verfahren angeboten; eine Stabilisierung des betroffenen Organs erfolgt entweder von der Scheide oder dem Darm aus oder laparoskopisch. Die Ärztinnen und Ärzte heben die vorgefallenen Organe beispielsweise durch die Rekonstruktion des Beckenbodens mit Eigengewebe oder Netzen, die dauerhaft im Bauchraum befestigt werden. In anderen Fällen ist ein Pessar das Mittel der Wahl: Es hat die Form eines Rings, einer Schale oder eines Würfels, besteht aus Gummi und kann z. B. in die Vagina eingesetzt werden, um das Scheidengewölbe zu spannen und so die Gebärmutter abzustützen. „Bei Frauen im gebärfähigen Alter gehen wir besonders behutsam vor und wägen genau ab“, sagt Dr. Burghaus. „Der Organerhalt und die damit verbundene Möglichkeit, dass sich ein späterer Kinderwunsch erfüllt, stehen an oberster Stelle.“
Kontinenzzentrum des Uni-Klinikums Erlangen
Das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum des Universitätsklinikums Erlangen wurde im Juli 2015 erstmals erfolgreich zertifiziert. Unter seinem Dach behandeln Expertinnen und Experten der Chirurgischen Klinik, der Frauenklinik und der Urologischen und Kinderurologischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen gemeinsam Patientinnen und Patienten und erarbeiten individuelle Therapieempfehlungen. Ziel ist die Bündelung von Fachwissen rund um das Krankheitsbild Harn- und Stuhlinkontinenz sowie verschiedene andere mit dem Beckenboden zusammenhängende Erkrankungen. Sprecher des interdisziplinären Zentrums sind Prof. Dr. Matthias W. Beckmann (Frauenklinik), Prof. Dr. Klaus Matzel (Chirurgie/Koloproktologie) und Prof. Dr. Bernd Wullich (Urologie).
Weitere Informationen:
Geschäftsstelle des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums
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17. Juni 2021 Interaktive Schulung für die Behandlung von Frakturen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 59/2021

Deutschlandweit einmalig am Uni-Klinikum Erlangen: Praxiskurs mit intraoperativer Bildgebung für Unfallchirurgen und Orthopäden
Komplett ausgebucht ist eine interaktive Praxisschulung am Universitätsklinikum Erlangen, bei der Ärzte und Fachärzte der Unfallchirurgie und Orthopädie ihre Fähigkeiten zur Behandlung von Frakturen erproben und weiterentwickeln können. Anhand simulierter Fallszenarien trainieren die internationalen Operateure ihre Entscheidungskompetenz für die Behandlung von häufig vorkommenden Brüchen an anatomischen Präparaten. Das Besondere: Nach dem erfolgreichen Pilotversuch im vergangenen Jahr bietet das Uni-Klinikum Erlangen jetzt regelmäßig einmal jährlich diese praxisorientierte Fortbildung zur intraoperativen Bildgebung an – bisher konnte diese nur in den USA oder in der Schweiz absolviert werden. „Voraussetzung für die Umsetzung dieses deutschlandweit einmaligen Kurskonzepts ist unsere enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Anatomie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg“, betont Prof. Dr. Mario Perl, Direktor der Unfallchirurgischen Klinik – Orthopädische Chirurgie des Uni-Klinikums Erlangen. Prof. Perl leitet den interaktiven Praxiskurs gemeinsam mit PD Dr. Jochen Franke von der BG Klinik Ludwigshafen, der den Kurs konzipiert hat.
Häufig zu behandelnde Brüche in der Orthopädie und Unfallchirurgie sind Frakturen des Handgelenks oder des oberen Sprunggelenks sowie Frakturen des Oberschenkelhalsknochens oder des Oberarmknochens nahe der Schulter, wie sie zum Beispiel ältere Menschen mit Osteoporose erleiden. Diese vier Knochenbrüche erfordern spezifische Kenntnisse und Fertigkeiten der intraoperativen 2D- oder 3D-Bildgebung, die Chirurgen während des zweitägigen Praxiskurses am 18. und 19. Juni 2021 in geschütztem Rahmen intensiv erproben können. „Jeder Übungsblock basiert auf einem simulierten Fallszenario, das an anatomischen Präparaten umgesetzt wird“, erklärt Dr. Holger Keil, Oberarzt in der Unfallchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen, der die Schulung fachlich begleitet. „Mithilfe der live eingesetzten intraoperativen Bildgebung analysieren die Teilnehmenden die jeweiligen Verletzungsstrukturen und beurteilen die erforderlichen Fixierungen sowie die Positionierungen der Implantate.“ Dank der hochmodernen Technik können die Operateure das OP-Ergebnis während des Eingriffs besser bewerten und sind in der Lage, Komplikationen frühzeitig zu erkennen oder sogar ganz zu vermeiden. „Diese Fertigkeiten praktisch zu erproben, ist Chirurgen weder während des Medizinstudiums noch in der fachärztlichen Weiterbildung möglich“, betont Prof. Perl. „Deshalb freuen wir uns sehr, dass das Uni-Klinikum Erlangen jetzt neben Basel, Melbourne und San Francisco dauerhafter Standort für dieses einmalige Kurskonzept zur Optimierung der Qualitätskontrolle während einer Operation ist.“
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Mario Perl
Tel.: 09131 85-33272
jeannine.rauch@uk-erlangen.de
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10. Juni 2021 Klimaschutz, Erhalt der Biodiversität und soziale Gerechtigkeit – diese Aufgaben lassen sich nur im Dreiklang lösen
uni | mediendienst | forschung Nr. 57/2021

Expertinnen und Experten von Weltklimarat und Weltbiodiversitätsrat legen erstmals gemeinsame Analyse vor
Der Kampf gegen die Erderwärmung und für eine nachhaltige Entwicklung kann nur gelingen, wenn die Menschheit die Themen Klimaschutz, Biodiversität und soziale Gerechtigkeit fortan gemeinsam denkt und bei allen politischen Entscheidungen – global, national und regional – in ihren Wechselwirkungen gleichrangig berücksichtigt. Diese Aussage ist nach Ansicht deutscher Ko-Autorinnen und -Autoren die wichtigste Kernbotschaft eines neuen wissenschaftlichen Workshop-Berichtes zu „Artenvielfalt, Ökosystemen und Klimawandel“, den Expertinnen und Experten des Weltbiodiversitätsrates IPBES und des Weltklimarates IPCC erstmals gemeinsam erarbeitet haben. Er wird heute der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Einer der Hauptautoren ist Paläobiologe Prof. Dr. Wolfgang Kießling von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler belegen, wie gesunde Ökosysteme langfristig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. „Ökosysteme mit hoher Biodiversität sind auch robuster gegenüber Klimawandel als andere – das zeigen vor allem paläontologische Daten,“ meint Wolfgang Kießling, Inhaber des Lehrstuhls für Paläoumwelt. Gleichzeitig legen ihre Ergebnisse aber auch offen, in welchem Ausmaß einseitig gedachte Klimaschutzkonzepte wie der großflächige Anbau von Energiepflanzen der Natur kurz- und langfristig schaden und ihre Fähigkeit mindern, das Klima zu regulieren und die Menschen mit ausreichend Nahrung, Trinkwasser und anderen überlebenswichtigen Dienstleistungen zu versorgen. Wolfgang Kießling hat sich vor allem mit der aktuellen Situation auseinandergesetzt – und diese ist wahrlich erschreckend. Bereits heute beträgt die durch Menschen versachte Klimaerwärmung mehr als ein Grad Celsius. Weniger als ein Viertel der Landfläche und nur mehr 13 Prozent der Ozeane gelten als vom Menschen weitgehend unangetastet. Insgesamt 96 Prozent der Biomasse aller Säugetiere sind Menschen und ihre Nutztiere. „Anthropogener Klimawandel und direkte menschliche Einwirkungen verstärken sich gegenseitig in ihren negativen Einflüssen auf Biodiversität und Klima“, fasst Kießling zusammen.
Klimaschutzpotenziale der Natur konsequent nutzen und gleichzeitig die Grenzen der Ökosysteme im Blick behalten
„Unsere Synthese verdeutlicht, auf welch vielfältige Weise sich das Klima und die Naturräume der Erde gegenseitig beeinflussen. Wir können sie deshalb nicht isoliert voneinander betrachten, denn für eine nachhaltige, sozial gerechte Entwicklung menschlicher Gemeinschaften ist beides essenziell: eine möglichst geringe globale Erwärmung und eine artenreiche, produktive und widerstandsfähige Natur“, sagt Prof. Dr. Hans-Otto Pörtner, Klimaforscher am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), der die Arbeiten an dem Workshop-Bericht gemeinsam mit dem südafrikanischen Naturschutzexperten Prof. Dr. Robert J. Scholes koordiniert hat. Diese engen Wechselwirkungen stellen die Politik vor enorme Herausforderungen.
Plakative Beispiele dafür sind die Abholzung tropischer Regenwälder für den Anbau von Energiepflanzen wie Soja und Ölpalmen. Aber auch in Mitteleuropa stellt sich angesichts zunehmender Flächenkonkurrenz die Frage, wie Land- und Forstwirtschaft oder Küstennutzung betrieben werden müssen, um einen nachhaltigen Interessenausgleich zwischen Klima, Natur und Mensch zu erzielen – das heißt: die Artenvielfalt zu sichern, ausreichend Nahrungsmittel zu produzieren, den Ausstoß von Treibhausgasen zu minimieren und gleichzeitig die Kohlenstoffspeicher der Wälder und Böden, auch des Meeresbodens, im maximalen Umfang zu erhalten.
Beim Thema Wald stehe die Politik zum Beispiel vor der Wahl, große Monokulturen für die Rohstoff- und Energiegewinnung anzubauen oder aber den Aufbau artenreicher Ökosysteme voranzutreiben. „Angesichts des rasant voranschreitenden Klimawandels dürfen wir jedoch nicht davon ausgehen, dass unsere einheimischen Baumarten für ein künftiges Klima geeignet sind“, sagt Hans-Otto Pörtner. Die Anzeichen mehren sich, dass die angestammten Arten nicht widerstandsfähig genug sind. Das gilt sowohl für Baumarten in den mittleren Breiten als auch für jene in den tropischen Regenwäldern.
Der falsche Ansatz: Emissionen dürfen nicht mit Biodiversitätsschutz verrechnet werden
Angesichts der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse erscheinen auch neue Strategien der Politik, Treibhausgasemissionen energieintensiver Branchen mit Renaturierungs- und Naturschutz-Maßnahmen zu verrechnen, als irreführend und kontraproduktiv. „Klimapolitisch macht es überhaupt keinen Sinn, den weiteren Ausstoß von Treibhausgasen dadurch zu legitimieren, dass ein existierender Wald nicht abgeholzt wird“, sagt Hans-Otto Pörtner. „Die Welt braucht kurzfristig drastische Emissionseinsparungen, um den Temperaturanstieg zu stoppen und gleichzeitig den Erhalt und Wiederaufbau großer, gesunder Ökosysteme, die uns langfristig in die Lage versetzen, der Atmosphäre mehr Kohlenstoff zu entziehen als durch menschliche Aktivitäten freigesetzt wird. Die Leistungen der Natur sollten wir als zusätzliches Gut betrachten, welches es langfristig zu stärken gilt.“
Besondere Erfolgsaussichten hätte eine solche Klima- und Naturschutzpolitik, wenn sie mit der Verbesserung sozialer Gerechtigkeit einhergingen: „Es gilt, die Armut weltweit zu bekämpfen und die Verteilungsgerechtigkeit zu erhöhen. Vielen Menschen bleibt aufgrund ihrer sozialen und wirtschaftlichen Not gar nichts anderes übrig, als ihren Lebensunterhalt durch Jagd, illegale Fischerei, Goldsuche oder aber durch andere Aktivitäten zu bestreiten, die zum flächendeckenden Raubbau an der Natur beitragen. Sie aus dieser Notlage zu befreien, wäre ein erster wichtiger Schritt für nachhaltigen Klima- und Naturschutz“, so Hans-Otto Pörtner.
Natur- und Klimaschutz als gemeinsames Leitbild allen politischen Handelns
Aus Sicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler liefert der neue Workshop-Bericht wichtige Grundlagen für künftige politische Entscheidungen: „Erstmals werden die drei großen Krisen unserer Zeit – die Klimakrise, die Biodiversitätskrise und die soziale Krise – in einem Bericht von Expertinnen und Experten unterschiedlichster Disziplinen gemeinsam beleuchtet. Ganz klar ist, dass sich diese Herausforderungen nur lösen lassen, wenn die Maßnahmen eng verzahnt und gut aufeinander abgestimmt sind. An dieser Stelle muss in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein Umdenken einsetzen“, fordert Wolfgang Kießling.
Denkbar wäre zum Beispiel, ein Biodiversitätsgesetz im Stil des Klimaschutzgesetzes einzuführen. Auf diese Weise könne man das Thema „Naturschutz“ aus seiner bisherigen politischen Nische befreien und einen zukunftsweisenden Biodiversitätsschutz über Ministeriumsgrenzen hinweg etablieren. Künftig, so lautet ein Fazit der Wissenschaftler, müssten sich alle politischen Entscheidungen daran messen lassen, inwiefern sie bestmögliche Resultate für das Klima, die Biodiversität und die Menschen vor Ort erzielen.
Über den Bericht
An dem IPBES-IPCC Workshop-Bericht zu Artenvielfalt, Ökosystemen und Klimawandel waren insgesamt 50 Autorinnen und Autoren – davon neun aus dem deutschsprachigen Raum – sowie ein 12-köpfiger wissenschaftlicher Lenkungsausschuss beteiligt. Der Bericht kann im englischen Original unter folgendem Link heruntergeladen werden: www.ipbes.net/BiodiversityClimateScience   
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8. Juni 2021 Zusätzliche Forschungsstelle dank großzügiger Spende
uni | mediendienst | aktuell Nr. 57/2021

Private Spenderin fördert Stiftungsprofessur für Experimentelle Ernährungs- und Sportmedizin
Eine großzügige Spende für die Forschung: Für insgesamt sechs Jahre finanziert die Schwabacherin Ursula Niehoff jetzt eine Stiftungsprofessur für Experimentelle Ernährungs- und Sportmedizin in der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen. Die neue Professur wird an der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) implementiert und soll das Forschungsspektrum des Hector-Centers für Ernährung, Bewegung und Sport am Uni-Klinikum Erlangen erweitern. „Wir sind froh und dankbar für diese Unterstützung unserer wissenschaftlichen und klinischen Arbeit und erhoffen uns durch die Einrichtung dieser Professur einen weiteren Ausbau dieses nach wie vor einmaligen Behandlungsansatzes“, betont Klinikdirektor Prof. Neurath, der auch die Funktion des Dekans der Medizinischen Fakultät der FAU innehat. Die Stelle für die neue Stiftungsprofessur soll noch in diesem Jahr eingerichtet und ausgeschrieben werden.  
„Der Bedarf an zusätzlichen, neuen Therapieoptionen bei chronischen Erkrankungen, insbesondere Tumoren, und bei Adipositas ist nach wie vor sehr hoch“, erklärt Prof. Dr. Yurdagül Zopf, die das Hector-Center am Uni-Klinikum Erlangen leitet. Bis heute gibt es keine vergleichbare Einrichtung an anderen deutschen Uni-Klinika, die mit klinischer und experimenteller Forschung auf höchstem Niveau die Effekte ernährungs- und sportmedizinischer Therapien bei Krebs, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Adipositas und Nahrungsmittelunverträglichkeiten untersucht.
Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport
Dank der finanziellen Förderung durch die Hector-Stiftung II entstand 2016 am Uni-Klinikum Erlangen das Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport. Prof. Zopf war die erste Professorin für Klinische und Experimentelle Ernährungsmedizin in Süddeutschland. „Wir entwickeln krankheitsbezogene individuelle Therapien für Patienten – das ist wirklich einzigartig“, erklärt die Ernährungsexpertin.
Stiftungsprofessuren unterstützen Forschung
Mit der Finanzierung einer Stiftungsprofessur können Unternehmen, Verbände oder auch Einzelpersonen die Arbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern fördern und so die Forschung in einem für sie relevanten Themengebiet vorantreiben und so die wissenschaftliche Forschung in Deutschland wesentlich unterstützen.

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7. Juni 2021 Personen mit Nackenbeschwerden für FAU-Studie gesucht
uni | mediendienst | aktuell Nr. 56/2021

FAU-Team untersucht, wie Zahnaufbisskissen die Wirkung von Gymnastikübungen bei Nackenschmerzen beeinflussen
Viele Menschen, die an einem Bildschirmarbeitsplatz arbeiten, leiden unter chronischen Nackenschmerzen. Gezielte Gymnastikübungen haben positive Effekte bei solchen Beschwerden gezeigt. Zudem wurden in der Vergangenheit direkte Zusammenhänge zwischen dem Kiefergelenk und Beschwerden der Schulter-Nacken-Region belegt. Im Rahmen einer Studie untersucht ein Team der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) die Effekte von speziellen Zahnaufbisskissen bei gymnastischen Übungen zur Linderung von chronisch unspezifischen Nackenschmerzen. Für die Studie suchen die Forschenden nun Probandinnen und Probanden.
In der Studie sollen berufstätige Frauen und Männer mit sitzender Tätigkeit an einem Bildschirmarbeitsplatz die Wirkung eines Gymnastikprogrammes und eines möglichen Zusatzeffektes von Zahnaufbisskissen testen. Die Testpersonen werden per Zufall in zwei Gruppen aufgeteilt. Beide Gruppen führen über einen Zeitraum von drei Monaten dreimal täglich für drei Minuten ein videobasiertes Übungsprogramm für die Schulter-Nacken-Region aus. Eine Gruppe positioniert während der Übungsausführung jeweils rechts und links im Backenzahnbereich ein Zahnaufbisskissen aus medizinischem Silikon.
Das Programm beinhaltet Übungen aus der Funktions- bzw. Krankengymnastik zur Aktivierung, Lockerung und Dehnung der Muskulatur. In bestimmten Intervallen werden per Fragebogen Schmerz und Funktion im Bereich des Nackens und des Kiefers ermittelt. Zudem erfolgt dreimal über eine Woche eine präzise Erfassung von Schmerzen über ein Schmerztagebuch. Vor Studienbeginn und nach Studienende werden zudem Messungen der Wirbelsäulen- sowie Schultergelenksbeweglichkeit und Kieferfunktion durchgeführt. Die Messungen finden im Institut für Medizinische Physik, Henkestraße 91, 91052 Erlangen statt. Die Gesamtdauer der Studie beträgt 14 Wochen.
Um an der Studie teilnehmen zu können, müssen die Probandinnen und Probanden folgende Voraussetzungen erfüllen: Alter zwischen 30 und 65 Jahre, chronische Nackenschmerzen (mindestens seit 3 Monaten), sitzende Tätigkeit, Bildschirmarbeitsplatz.

Interessierte melden sich bitte bei mailto:studieninfo@imp.uni-erlangen.de.
Weitere Informationen für die Medien:
PD Dr. Dr. Simon von Stengel
Studienleitung Institut für Medizinische Physik und Mikrogewebetechnik
studieninfo@imp.uni-erlangen.de
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01. Juni 2021 Blick auf Deutschlands Spezialistin für Ernährung und Bewegung
uni | mediendienst | aktuell Nr. 54/2021

Erlanger Medizinerin Prof. Dr. Yurdagül Zopf auf dem Titelbild von FOCUS Gesundheit – Ärzteliste 2021

Eine Übersicht zu Deutschlands wichtigsten Ärztinnen und Ärzten veröffentlicht das Magazin FOCUS Gesundheit jedes Jahr. Die diesjährige Ausgabe, die heute (1. Juni 2021) erscheint, dürfte in der Europäischen Metropolregion Nürnberg auf besonderes Interesse stoßen: Das Cover zeigt die Ernährungsexpertin Prof. Dr. Yurdagül Zopf, Leiterin des Hector-Centers für Ernährung, Bewegung und Sport des Universitätsklinikums Erlangen. Die Medizinerin gibt in einem mehrseitigen Beitrag zum Thema „Gesünder leben, länger leben“ vielfältige Hinweise für eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Welche Speisen unterstützen die Arbeit unseres Darms und damit auch unseren Stoffwechsel sowie die Immunabwehr? Warum sind zuckerhaltige Getränke nicht nur Kalorienbomben, sondern auch gefährlich für unsere Gesundheit? Diese und weitere Fragen beantwortet Prof. Zopf im aktuellen Magazinbeitrag, in dem sie auch die schädliche Wirkung von Zusatzstoffen in Fertiggerichten thematisiert.
Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport
Prof. Zopf war die erste Professorin für Klinische und Experimentelle Ernährungsmedizin in Süddeutschland und etablierte 2016 dank der Unterstützung durch die Hector-Stiftung II das Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport am Uni-Klinikum Erlangen. Bis heute gibt es keine vergleichbare Einrichtung an anderen deutschen Uni-Klinika, die mit klinischer und experimenteller Forschung auf höchstem Niveau die Effekte ernährungs- und sportmedizinischer Therapien bei Krebs, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Adipositas und Nahrungsmittelunverträglichkeiten untersucht. „Wir entwickeln krankheitsbezogene individuelle Therapien für Patienten – das ist wirklich einzigartig“, erklärt die Ernährungsexpertin.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Yurdagül Zopf
Tel.: 09131 85-45220
med1-hector-center@uk-erlangen.de
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27. Mai 2021 Können wir den Krebs besiegen?
uni | mediendienst | aktuell Nr. 53/2021

10. Juni, 18.00 Uhr, via Zoom

Dieses Jahr kommt der Beitrag zur Emmy-Noether-Vorlesung des Büros für Gender und Diversity der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) aus der Medizinischen Fakultät: Prof. Dr. Anja Boßerhoff vom Lehrstuhl für Biochemie und Molekulare Medizin setzt die Vorlesungsreihe 2021 am 10. Juni um 18.00 Uhr mit einem Vortrag zum Thema „Den Krebs besiegen – Ein erreichbares Ziel?“ fort. Die Vorlesung ist öffentlich zugänglich, eine Anmeldung per Mail an gender-und-diversity@fau.de ist aber erforderlich. Die Einwahldaten werden dann zugesendet. Während und nach dem Vortrag können Teilnehmerinnen und Teilnehmer per Chat-Funktion Fragen an die Referentin schicken.

Krebserkrankungen sind in Deutschland die zweithäufigste Todesursache. Am Beispiel des schwarzen Hautkrebses zeigt Prof. Dr. Boßerhoff, die ebenfalls Mitglied des Wissenschaftsrats und Vorstand der Wissenschaftlichen Kommission ist, auf, welche großen Fortschritte auf dem Gebiet der Krebsforschung im Lauf der letzten Jahre gemacht wurden. Gleichzeitig legt sie aber auch Herausforderungen, Rückschläge und Hürden dar, die in laufenden und zukünftigen Ansätzen vorangetrieben werden müssen.

Über die Vorlesung
Mit der Emmy-Noether-Vorlesung will das Büro für Gender und Diversity an der FAU die Erlanger Mathematikerin und Begründerin der modernen axiomatischen Algebra Emmy Noether (1882-1935) würdigen. Emmy Noether war eine der ersten Frauen, die an der FAU studierten und in Deutschland die Doktorwürde erhielten. Die Vorlesung erinnert an den Tag, an dem Emmy Noether ihre hart erkämpfte Zulassung als Dozentin an einer Hochschule erhielt – den 5.06.1919 – und stellt Frauen vor, die heute erfolgreich als Wissenschaftlerinnen arbeiten.

Weitere Informationen
Büro für Gender und Diversity, gender-und-diversity@fau.de


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25. Mai 2021 Hilfe im Klassenzimmer
uni | mediendienst | aktuell Nr. 51/2021

Schulen und Lehrkräfte stehen wie alle vor Herausforderungen in der Pandemie. Sie müssen Kinder und Jugendliche abhängig von den Infektionszahlen mal in Präsenz, mal online unterrichten. Besonders herausfordernd ist Wechselunterricht, wo ein Teil der Klasse vor Ort, ein Teil zu Hause vor dem Rechner sitzt. Um in diesem Fall die Unterrichtqualität zu erhöhen, haben Prof. Dr. Thorsten Pöschel, Inhaber des Lehrstuhls für Multiscale Simulation of Particulate System der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), und sein Team mit dem Lehromat 1000 eine technische Lösung entwickelt.
 
„Ein Problem am Wechselunterricht ist, dass die Lehrkraft ihren Unterricht quasi doppelt halten muss“, sagt Prof. Pöschel. „Einmal für die Klasse vor Ort, einmal für die zu Hause.“ Die Kinder an den Bildschirmen haben nicht das gleiche Sichtfeld wie die in den Klassenzimmern und die Tonqualität der Wiedergabe ist zudem häufig ungenügend. Außerdem ist es schwerer, am Unterricht aktiv teilzunehmen, da Meldungen häufig nicht gesehen werden.  
 
Der an der FAU entworfene Lehromat könnte hier Erleichterung verschaffen. Er erlaubt, dass mittels geschickt ausgerichteter Kamera zu Hause an den Rechnern das gleiche sehen ist, wie in den Klassenzimmern. Zudem können Schülerinnen und Schüler von der Lehrkraft für Wortmeldungen freigeschaltet werden. „Durch Videoprojektion und Tontechnik werden sie präsenter im Klassenraum, ganz so als ob sie vor Ort wären“, erklärt Prof. Pöschel. Das Besondere: Die Lehrhilfe besteht aus eine Reihe Soft- und Hardwarekomponenten, die alle leicht im nächstbesten Technikmarkt zu bekommen und geschickt von Prof. Pöschel und seinem Team zusammengestellt worden sind. Für die achte bis zehnte Jahrgangsstufe ist ein Nachbau nach Anleitung sehr einfach umzusetzen. Bestellt werden kann der Lehromat 1000 jedoch nicht bei Prof. Pöschel. „Wir stellen lediglich die Liste mit den benötigten Bauteilen, einer ungefähren Kostenkalkulation und einer Bauanleitung zur Verfügung“, sagt Prof. Pöschel. „Außerdem bieten wir Unterstützung beim Selbstbau.“ An der Idee verdienen er und sein Team nichts.
 
Mehrere solcher Geräte, die zum Teil von den Schülerinnen und Schülern selbst gebaut wurden, kommen schon in einigen Schulen der Region zum Einsatz. Der Lehromat wurde nicht nur im engen Austausch mit den Lehrerinnen und Lehrern vor Ort entworfen und getestet, sondern wird nun auch bei Bedarf weiterentwickelt. Genutzt werden sie dort auch für etwas, was Pöschels Team zunächst gar nicht im Auge hatte. „Es gibt Kinder und Jugendliche, die gesundheitsbedingt auch ohne Corona oft nicht am Präsenzunterricht teilnehmen können“, sagt Karlheinz Dölle, Direktor des Ostendorfer Gymnasiums. „Für diese wird der Lehromat 1000 nun ebenfalls eingesetzt.“
 
Webseite mit Liste und Bauanleitung: http://lehromat.de
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Thorsten Pöschel
Lehrstuhl für Multiscale Simulation of Particulate Systems
Tel.: 09131/85-70518
thorsten.poeschel@fau.de
 
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25. Mai 2021 Neuer Sonderforschungsbereich für die FAU
uni | mediendienst | forschung Nr. 53/2021

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat einen neuen Sonderforschungsbereich an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) bewilligt. Der SFB 1483 verfolgt das Ziel, Sensortechnologien und Bewegungsdaten des menschlichen Körpers zu schaffen.

Jede Bewegung eines Lebewesens resultiert aus unzähligen Vorgängen im Inneren des menschlichen Körpers und komplizierten Wechselwirkungen zwischen diesen Vorgängen. Diese inneren Abläufe können wir in den Bewegungen von Kopf und Rumpf und Gliedmaßen oder durch Bewegungen auf der Körperoberfläche, beispielsweise in der Mimik oder als feine Zuckung unter der Haut beobachten. Ziel der Forscherinnen und Forscher des SFB 1483 „EmpkinS“ (Empathokinästhetische Sensorik) um Prof. Dr. Martin Vossiek vom Lehrstuhl für Hochfrequenztechnik und Björn Eskofier vom Machine Learning and Data Analytics Lab ist es, die äußerlichen Beobachtungsebenen mit inneren Zuständen über Körperfunktionsmodelle miteinander zu verknüpfen.

Dafür werden sie über vier Jahre Methoden und Technologien erschaffen, die neues Grundlagenwissen über die Verknüpfung von inneren biomedizinischen Prozessen mit äußerlichen, per Sensorik erfassbaren Bewegungsinformationen bereitstellen werden. Der EmpkinS-Ansatz könnte es ermöglichen, mehrere Körper(dys)funktionen gleichzeitig mit einer zukünftig voraussichtlich leicht zugänglichen und breit verfügbaren Sensortechnik, die weder invasiv noch belastend ist, zu erfassen. Konkret fokussiert sich die Anwendung der empathokinästhetischen Sensortechniken auf medizinische Fragestellungen in der Immunologie, Neurologie und Palliativmedizin sowie psychologischen Erkrankungen wie Depression und Stress.

Der SFB wird über die nächsten vier Jahre mit 11 Millionen Euro gefördert. Neben der FAU ist die Technische Universität Hamburg, die Universität Bayreuth und das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen Erlangen beteiligt.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Martin Vossiek
Lehrstuhl für Hochfrequenztechnik
Tel.: 09131 85-20773
martin.vossiek@fau.de
www.empkins.de

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25. Mai 2021 Infos für Studieninteressierte: Alles rund ums Studieren an der FAU
uni | mediendienst | aktuell Nr. 50/2021

Allein an der FAU gibt es rund 260 verschiedene Studiengänge – sich zu orientieren ist schwer, sich zu entscheiden noch schwerer. Deshalb veranstaltet die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) noch bis Juli viele Informationsveranstaltungen für Studieninteressierte. Einzelne Fakultäten und Fachbereiche, aber auch die Allgemeine Studienberatung (IBZ), der Career Service und das Referat für internationale Angelegenheiten (RIA) stellen unterschiedliche Studiengänge vor, bieten Hilfe bei Bewerbungen und geben Tipps für einen erfolgreichen Studienstart. Alle Veranstaltungen finden über Zoom statt.
 
Infoveranstaltungen der Fakultäten und Fachbereiche
Für Bachelor-Interessierte starten die Infoveranstaltungen der Fachbereiche am Mittwoch, 26. Mai, mit einem Online-Meetup der Wirtschaftsinformatik. Einen weiteren Termin gibt es am Mittwoch, 28. Juli. Der Link zur Veranstaltung: https://www.wi.studium.fau.de/online-meetup  
 
Allen, die sich für ein Lehramtsstudium für Realschule und Gymnasium interessieren, bietet die FAU an drei Terminen Beratungen in Kleingruppen an. Am Donnerstag, 27. Mai, sowie am Montag, 28. Juni, und Dienstag, 13. Juli, können sich Interessierte zum Aufbau des Studiums, den Kombinationsmöglichkeiten der Unterrichtsfächer sowie zu Zulassungsvoraussetzungen und weiteren organisatorischen Punkten informieren. Der Link zur Veranstaltung: https://zfl.fau.de/studium/termine/  
 
Wer die Bachelor-Studiengänge des Fachbereichs Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Nürnberg (WiSo) kennenlernen möchte, hat dazu am Dienstag, 1. Juni, sowie am Mittwoch, 7. Juli, Gelegenheit. Im Rahmen der „Digitalen BachelorDays“ informiert die WiSo über ihre Studiengänge und liefert dabei alle Infos zum Wunschstudiengang kompakt zusammengefasst. Der Link zur Veranstaltung: https://www.wiso.rw.fau.de/studium/vor-dem-studium/wiso-bachelorday
 
Master-Interessierte finden natürlich umfangreiche Infos auf den jeweiligen Webseiten der Studiengänge. Darüber hinaus veranstaltet der Master „Digital Humanities“ am Mittwoch, 26. Mai, einen Informationstag, am Dienstag, 1. Juli, stellt sich der Master „Ethik der Textkulturen“ vor. Die Links zu den Veranstaltungen: https://www.izdigital.fau.de/ma-infotag-26-05-2021/ und https://ethik-der-textkulturen.de/etk/startseite/aktuelles/
 
Bei einzelnen Veranstaltungen ist eine vorherige Anmeldung notwendig. Mehr Informationen gibt es online: www.infotage.fau.de
 
Wöchentliche Vorträge des IBZ, Career Service und RIA
Ab dem 1. Juni finden außerdem wöchentlich dienstags um 17 Uhr Informationsveranstaltungen der Allgemeinen Studienberatung, des Career Service und des Referats für Internationale Angelegenheiten statt. Neben dem Austausch mit Studienbotschafterinnen und Studienbotschaftern zu Fragen des Studi-Lebens, gibt es eine „Last Minute“- Fragerunde zu Bewerbungen, sowie Informationen zum Auslandssemester und dem Bewerbungsportal campo. Außerdem werden medizinische Studiengänge und das Psychologiestudium vorgestellt. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig. Alle Informationen und Links zu den einzelnen Veranstaltungen sind zu finden unter: https://www.infotage.fau.de/vortraege-im-sommersemester-2021/.  
 
Weitere Informationen:
Pressestelle der FAU
Tel.: 09131/85-70229
presse@fau.de
 
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21.05.2021 Impfung gut vertragen? Teilnehmende für Umfrage gesucht
uni | mediendienst | aktuell Nr. 49/2021

Die Forschenden des Allgemeinmedizinischen Instituts (Direktor: Prof. Dr. Thomas Kühlein) und des Virologischen Instituts – Klinische und Molekulare Virologie (Direktor: Prof. Dr. Klaus Überla) des Universitätsklinikums Erlangen wollen im Rahmen der CoVaKo-Studie, die vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst unterstützt wird, Impfnebenwirkungen erfassen. Aktuell werden vor allem Geimpfte ab 18 Jahren gesucht, die die erste Immunisierung mit AstraZeneca und die zweite mit einem mRNA-Impfstoff (BioNTech Pfizer/Moderna) erhalten haben. Die Nebenwirkungen der COVID-19-Impfung sollen auch mit denen von anderen Impfungen verglichen werden.
 
Wie können Geimpfte mitwirken?
Interessierte registrieren sich nach der Impfung auf der Website http://www.covako.org mit ihrer E-Mail-Adresse und allgemeinen Angaben zu ihrer Person, zur Impfung und eventuellen Vorerkrankungen (Dauer ca. fünf Minuten). Zu mehreren Zeitpunkten nach der Impfung wird ihnen dann der Link zum Fragebogen per E-Mail zugesendet. Die Beantwortung dauert jeweils ca. sieben Minuten. Alle angegebenen Daten werden vertraulich behandelt und nach dem Beantworten des letzten Fragebogens anonymisiert.
 
Die CoVaKo-Studie ist eine groß angelegte Befragung, die sich an alle Geimpften in Bayern richtet. Wer sich gegen COVID-19, Influenza, Herpes Zoster, Pneumokokken,
FSME oder Tetanus/Diphterie (+ ggf. Poliomyelitis/Pertussis) hat immunisieren lassen, wird zusätzlich in den teilnehmenden hausärztlichen Praxen und Impfzentren über Flyer und Poster gebeten, diese wichtige Forschungsarbeit zu unterstützen.
 
„Unsere Studie hat zwischenzeitlich an Wichtigkeit und Dringlichkeit gewonnen, da die Ständige Impfkommission seit dem 1. April 2021 bei Personen unter 60 Jahren, die eine erste COVID-19-Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca bekommen haben, die zweite Dosis mit einem mRNA-Impfstoff empfiehlt“, erklärt Dr. Susann Hueber, Forschungskoordinatorin der Allgemeinmedizin des Uni-Klinikums Erlangen. „Bislang liegen aus Deutschland keine Daten zur Sicherheit eines solchen Impfregimes vor. Daher sollen nun im Rahmen unseres Projekts als Erstes die Häufigkeiten unerwünschter Ereignisse nach unterschiedlichen Impfregimen miteinander verglichen und diese später mit Nebenwirkungen bei anderen Impfungen abgeglichen werden.“
 
Weitere Informationen:
 
Dr. phil. Susann Hueber
susann.hueber@uk-erlangen.de
 
 
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20.05.2021 Unerträgliches Leiden lindern
uni | mediendienst | aktuell Nr. 48/2021

Auch die letzte Lebensphase in Würde verbringen, möglichst ohne Schmerzen. Das wünschen sich viele Menschen mit schwerer, unheilbarer Erkrankung. „In der Palliativversorgung erreichen wir hierfür mittlerweile ausgesprochen viel. Bei einigen wenigen Patienten kann das Leiden jedoch so schwer sein, dass sie es trotz aller therapeutischer Maßnahmen als unerträglich beschreiben. Als besondere Behandlungsoption besteht in solchen Fällen die Möglichkeit einer gezielten Sedierung“, erläutert Prof. Dr. Christoph Ostgathe, Leiter der Palliativmedizinischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen. Erhält ein Patient solche Medikamente, wird allerdings sein Bewusstsein eingeschränkt; er nimmt seine Umgebung nicht mehr richtig wahr, wird unselbstständig. Eine schwierige Situation, auch für das medizinische Personal: Wie handelt es richtig im Sinne des Betroffenen? Wie lassen sich seine Schmerzen möglichst gut lindern ohne seine Autonomie unnötig zu gefährden oder gar seine Lebenszeit zu verkürzen? „Mit den von uns entwickelten Handlungsempfehlungen ‚Einsatz sedierender Medikamente in der spezialisierten Palliativversorgung‘ können wir medizinischem Personal nun endlich wissenschaftlich fundierte, konkrete Ratschläge an die Hand geben“, betont Prof. Ostgathe. „Damit haben wir einen entscheidenden Meilenstein in der Versorgung schwer kranker Menschen erreicht.“

Die 42-seitige Broschüre wurde im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekts „SedPall – von der Anxiolyse bis zu tiefer kontinuierlicher Sedierung“ entwickelt und gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin e. V. herausgegeben. Zum Forschungsverbund, dessen Leitung Prof. Ostgathe innehat, gehören neben den Experten der Palliativmedizin des Uni-Klinikums Erlangen Kollegen vom Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschafts- und Medizinstrafrecht der FAU Erlangen-Nürnberg, der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin des Universitätsklinikums München sowie des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin des Universitätsklinikums Halle (Saale).

Hilfestellung für Kollegen
Viele schwer kranke Patienten werden aktuell auf einer Palliativstation, durch einen Palliativdienst oder ein Team der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) behandelt. „Doch die Mehrheit der Betroffenen wird von Hausärzten, niedergelassenen Fachärzten, Pflegediensten, Pflegefachkräften in Senioreneinrichtungen sowie Ärzten und Pflegefachkräften in Krankenhäusern betreut“, erläutert Prof. Ostgathe. „Auch ihnen möchten wir etwas an die Hand geben, damit sie wissen, dass und wann sie in einem konkreten Fall Kollegen aus der spezialisierten Palliativversorgung einbeziehen können; wenn beispielsweise eine Entscheidung zu gezieltem Sedieren getroffen werden muss oder sich ein Krankheitsverlauf andeutet, in dem eine gezielte Sedierung erforderlich wird.“

Übersichtlich und konkret
In der Broschüre sind alle Informationen zu dem komplexen Thema gebündelt und werden gut strukturiert sowie laienverständlich dargestellt. Auf die Vorbemerkungen, eine ethisch-rechtliche Einordnung und eine Übersicht über die Terminologie folgen die Kapitel „Indikation“, „Intention/Zweck“, „Entscheidungsprozess“, „Aufklärung/Einwilligung“, „Medikation und Formen der Sedierung“, „Monitoring/Überwachung“, „Umgang mit Flüssigkeit und Ernährung“, „Fortsetzung sonstiger Maßnahmen“, „Begleitung der Zugehörigen“ und „Unterstützung im Team“. Jedem Aspekt ist eine Doppelseite gewidmet.

Link zur Handlungsempfehlung „Einsatz sedierender Medikamente in der spezialisierten Palliativversorgung“: https://www.dgpalliativmedizin.de/images/210422_Broschu%CC%88re_SedPall_Gesamt.pdf

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Christoph Ostgathe
Tel.: 09131/85-34064
christoph.ostgathe@uk-erlangen.de

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19.05.2021 Weitere Risikogene für Brustkrebs identifiziert
uni | mediendienst | forschung Nr. 51/2021

Internationale Studien unter Erlanger Beteiligung liefern bedeutende Ergebnisse für die Diagnostik und die zielgerichtete Therapie von Brustkrebs.
Die Erforschung von Brustkrebs hat in den vergangenen Jahrzehnten essenzielle Erkenntnisse hervorgebracht. So ist heute bekannt, dass das Mammakarzinom ein Überbegriff für viele verschiedene Subtypen der Erkrankung ist und dass sich der Krebs im Rahmen des Metastasierungsprozesses ständig verändert. Weil es diese zahlreichen Arten und Stadien von Brustkrebs gibt, ist eine individuell auf jede Patientin zugeschnittene Behandlung erforderlich. Einen wichtigen Baustein für eine verbesserte Diagnostik und die zielgerichtete Therapie von Brustkrebs haben internationale Forschungsverbunde unter Beteiligung der Frauenklinik (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) des Universitätsklinikums Erlangen jetzt im Rahmen zweier Studien gefunden: Die Wissenschaftler konnten Gene identifizieren, die im Fall einer vorliegenden Mutation die Eigenschaften von Tumoren beeinflussen können und das Brustkrebsrisiko signifikant erhöhen.
Bereits in den 1990er-Jahren entdeckten Wissenschaftler, dass durch eine vorliegende Mutation in den Genen BRCA1 und BRCA2 das Brust- und Eierstockkrebsrisiko steigt. Denn die jeweils nach dem Vorbild der beiden gesunden Gene gebildeten Proteine sind maßgeblich daran beteiligt, Schäden an Zellen zu reparieren und damit auch die Entstehung von Krebs zu verhindern. Im Fall einer Mutation ist der Mechanismus zur Reparatur von Doppelstrangbrüchen gestört.
Nicht nur ob, sondern auch wie
Dass Genmutationen auch die Tumoreigenschaften beeinflussen können, zeigten Forscher jetzt im Rahmen der groß angelegten PRAEGNANT-Studie in Kooperation mit der Mayo Clinic in Rochester (Minnesota, USA). Dafür wurden die Daten von über 2.500 im PRAEGNANT-Register aufgenommenen Frauen mit metastasiertem Brustkrebs analysiert und mit Brustkrebspatientinnen der Mayo Clinic Breast Cancer Study (MCBCS) verglichen, bei denen der Krebs noch nicht gestreut hatte. „Die Auswertung der erhobenen Daten ergab, dass bei Frauen mit metastasiertem Brustkrebs häufiger eine Mutation in den Genen BRCA1 und BRCA2 vorlag als bei Patientinnen ohne Metastasen“, erklärt Prof. Dr. Peter A. Fasching, Professor für Translationale Forschung an der Frauenklinik des Uni-Klinikums Erlangen und Mitautor der Studienpublikation. PRAEGNANT zeigt außerdem, dass Frauen mit triple-negativem Brustkrebs und BRCA1-Mutation häufiger Hirnmetastasen bildeten als Patientinnen ohne die Genveränderung. Obwohl die Prognose von Mutationsträgerinnen und Nichtmutationsträgerinnen mit metastasiertem Brustkrebs ähnlich war, haben Unterschiede in den Tumoreigenschaften wesentliche Auswirkungen auf die Behandlung und auf zukünftige Studien zu zielgerichteten Therapien.
Diagnostik mithilfe von Panels verbessern
Vor einer Brustkrebstherapie muss ein Tumor erst einmal entdeckt werden und das möglichst in einem frühen Stadium. Auch hier kann die Analyse von Genen sinnvoll sein, vor allem dann, wenn Brustkrebs innerhalb einer Familie gehäuft vorkommt. In einer weiteren großen internationalen Studie, die im Netzwerk des Breast Cancer Association Consortium (BCAC) entstand, konnten Forscher unter Erlanger Beteiligung neben den bisher bekannten Hochrisikogenen BRCA1 und BRCA2 jetzt weitere Gene identifizieren, darunter ATM (Ataxia teleangiectasia mutated), CHEK2 (Checkpoint kinase 2) und PALB2 (Partner and localizer of BRCA2). Die Studie verdeutlicht darüber hinaus, welche Gene eine eher untergeordnete Rolle in der Risikobewertung spielen. Dadurch ist es möglich, Frauen und Männer aus vorbelasteten Familien künftig genauer und effizienter genetisch zu beraten. „Die Identifizierung von Risikogenen ermöglicht es uns, die bisher gängige, aber sehr zeit- und kostenintensive ‚Gen-für-Gen‘-Sequenzierung durch die sogenannte Panel-Diagnostik zu ergänzen“, so Prof. Fasching. „Dabei werden mehrere Gen-Sets gleichzeitig begutachtet. Die Studie verdeutlicht, welche Gene für die Aufnahme in diese Panels zur Vorhersage des Brustkrebsrisikos klinisch am nützlichsten sind.“ Wird bei einem Menschen eine Genmutation festgestellt, kann er im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen engmaschiger kontrolliert werden. So steigen die Chancen, Krebs oder dessen Vorstufen frühzeitig zu entdecken.
Über PRAEGNANT
PRAEGNANT ist ein prospektives, akademisches, translationales Forschungsnetzwerk mit dem Ziel, die onkologische Versorgungsqualität von Brustkrebspatientinnen zu verbessern und ihnen eine möglichst passgenaue, personalisierte, effektive und nebenwirkungsarme Therapie zu ermöglichen. Im Rahmen der Studie sollen in 80 Zentren insgesamt 3.500 Patientinnen mit der Diagnose eines metastasierten Mammakarzinoms unabhängig von Tumorbiologie, Metastasierungsmuster und der aktuellen bzw. bisher erfolgten Therapie eingeschlossen werden.
Die Ergebnisse der Studie zur Bewertung möglicher Panel-Gene bei metastasiertem Brustkrebs wurde im renommierten „Journal of Clinical Oncology“ der American Society of Clinical Oncology (ASCO) veröffentlicht. Der Beitrag ist auf der Website unter folgendem Link zu finden: https://ascopubs.org/doi/full/10.1200/JCO.20.01200.
Über BCAC
Das Breast Cancer Association Consortium (BCAC) unter der Leitung von Wissenschaftlern der University of Cambridge (Großbritannien) ist ein multidisziplinäres dynamisches Konsortium mit dem Ziel, das vererbte Risiko für Brustkrebs zu untersuchen. Dafür werden Daten aus vielen internationalen Studien kombiniert und analysiert. Derzeit schließt das Konsortium über 420.000 Frauen aus mehr als 100 Studien ein.
Der wissenschaftliche Beitrag zur Ermittlung von Risikogenen bei Brustkrebs wurde in der hoch angesehenen medizinischen Fachzeitschrift „The New England Journal of Medicine“ veröffentlicht und kann über folgenden Link abgerufen werden: https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1913948.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Peter A. Fasching
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ier bitte den Text der Pressmeldung reinkopieren

15.05.2021 Wissenschaftliche Evidenz ist nicht verhandelbar
Gemeinsame Pressemitteilung der BÄK und anderen

Gemeinsame Erklärung
von
Bundesärztekammer
Wissenschaftlicher Beirat der Bundesärztekammer
Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V.
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.
Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie e. V.
Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung e. V.
Arbeitsgemeinschaft der Ärzte staatlicher und kommunaler Bluttransfusionsdienste e. V.
Berufsverband Deutscher Anästhesisten e. V.
Berufsverband Deutscher Transfusionsmediziner e. V.

Wissenschaftliche Evidenz ist nicht verhandelbar

Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über Zulassungskriterien zur Blutspende bei sexuellem Risikoverhalten betonen die Bundesärztekammer (BÄK), renommierte medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaften, Blutspendedienste und weitere mit Fragen der Hämotherapie befasste Organisationen, dass allein evidenzbasierte, wissenschaftliche Erkenntnisse und Daten Grundlage von Richtlinien in der Medizin sein dürfen. Gewährleistet wird dies im konkreten Fall durch die im Transfusionsgesetz angelegte differenzierte Verantwortungs- und Aufgabenzuweisung bei der Richtlinienerstellung. Sie hat sich im Interesse einer sicheren Versorgung mit Blutprodukten in Deutschland seit mehreren Jahrzehnten bewährt. Bestrebungen der Politik, die Richtlinienkompetenz von der BÄK auf weisungsgebundene Bundesoberbehörden zu verlagern, werden von den Organisationen entschieden abgelehnt. Eine solche Aufgabenverlagerung birgt die Gefahr, dass politische Erwägungen in rein wissenschaftlich zu bewertende Fragestellungen einbezogen werden. „Wissenschaftliche Evidenz ist nicht verhandelbar. Wenn die politischen Entscheidungsträger bei den Spenderauswahlkriterien von diesem wissenschaftlichen Stand abweichen wollen, dann stehen sie auch in der unmittelbaren Verantwortung gegenüber den Menschen, wenn diese zu Schaden kommen“, stellen die Organisationen klar.
Zum Hintergrund: Im Rahmen der turnusgemäß mindestens alle zwei Jahre durchzuführenden Aktualitätsprüfung der Richtlinie Hämotherapie sichtet und bewertet derzeit eine gemeinsame Arbeitsgruppe aus Vertretern des Arbeitskreises Blut (AK Blut) gemäß § 24 Transfusionsgesetz (TFG), des Ständigen Arbeitskreises Richtlinien Hämotherapie des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer, des Robert Koch-
Instituts (RKI), des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) und des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) in einem gleichermaßen gründlichen, zügigen und ergebnisoffenen Verfahren die aktuelle medizinisch-wissenschaftliche und epidemiologische Datenlage bezüglich der Zulassungskriterien zur Blutspende bei sexuellem Risikoverhalten.
Nicht zuletzt im Lichte der Erfahrungen des „HIV-Skandals“ der 1980er Jahre war und ist die differenzierte Aufgabenzuweisung an Bundesoberbehörden, AK Blut und Richtliniengeber wesentlicher Leitgedanke des TFG. Der gesetzliche Auftrag zur Feststellung des Standes der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft durch die Bundesärztekammer ist im TFG eindeutig formuliert. Das TFG legt auch Eckpunkte für das Beratungsverfahren fest, die einen größtmöglichen fachlichen Konsens sicherstellen soll. Dem Grundgedanken des Gesetzgebers folgend sind in der gemeinsamen Arbeitsgruppe im Sinne eines kooperativen und untereinander abgestimmten Vorgehens alle Institutionen vertreten, denen das TFG Aufgaben im Bereich Hämotherapie zuweist. Mit großer Sorge nimmt die Bundesärztekammer eine zunehmende Politisierung der Beratungsprozesse wahr.
In aller Entschiedenheit verwahrt sich die Bundesärztekammer gegen die in der Öffentlichkeit ebenso wie in Teilen der Politik verbreitete Unterstellung einer Diskriminierung bei der Blutspende. Es ist ein unglückliches Missverständnis, wenn verhaltensassoziierte, epidemiologisch begründete Infektionsrisiken, die ab der Beendigung des Risikoverhaltens zu einer zeitlich begrenzten Rückstellung von der Blutspende führen, fälschlicherweise mit einem Verbot oder gar mit Diskriminierung verwechselt werden. Die Zulassungskriterien zur Blutspende können und dürfen nicht aus ihrem Regelungskontext gerissen und als Gradmesser für gesellschaftliche Akzeptanz oder Diskriminierung herangezogen werden.
Das Engagement für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung gehört zum grundlegenden ärztlichen Selbstverständnis. Die Deklaration von Genf des Weltärztebundes verpflichtet Ärztinnen und Ärzte, nicht zuzulassen, dass „[…] Erwägungen von Alter, Krankheit oder Behinderung, Glaube, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politischer Zugehörigkeit, Rasse, sexueller Orientierung, sozialer Stellung oder jeglicher anderer Faktoren zwischen meine Pflichten und meine Patientin oder meinen Patienten treten“.
Auch wenn das Thema Emotionen berührt und wohl auch immer wieder berühren wird, dürfen die sachlichen Argumente nicht aus den Augen verloren werden. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Qualität und die Sicherheit von Blutprodukten in Deutschland und den Schutz der Empfänger vor der Übertragung schwerwiegender Infektionskrankheiten.

14.05.2021 Mutanten helfen dem Virus, sich durchzusetzen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 50/2021

Erlanger Virologe über SARS-CoV-2-Mutanten: „Je ungehinderter das Virus sich verbreiten kann, desto besser überwindet es die menschliche Immunabwehr“

Gab es im April 2020 weltweit nur etwa zehn dominante Mutationen des Coronavirus SARS-CoV-2, ist ihre Zahl bis zum Frühjahr 2021 rasant angestiegen. Heute sind etwa 100 Mutationen bekannt. Eine umfassende Analyse dazu liefert nun ein Forschungsteam um Dr. Stefanie Weber und Gastprofessor Prof. Dr. Walter Doerfler vom Virologischen Institut – Klinische und Molekulare Virologie (Direktor: Prof. Dr. Klaus Überla) des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Die Wissenschaftler verfolgten das Auftreten von Virusmutationen und -varianten ab Beginn der Pandemie in definierten Zeitintervallen in zehn Ländern: Großbritannien, Südafrika, Indien, USA, Brasilien, Russland, Frankreich, Spanien, Deutschland und China. Dabei arbeiteten die Erlanger Experten mit Forschern in den USA zusammen: von der University of California in Davis/Sacramento und der UCLA Fielding School of Public Health in Los Angeles. Ihre Studie wurde jetzt in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift EMBO Molecular Medicine veröffentlicht.

Während der ungehemmten weltweiten Ausbreitung und rapiden Vermehrung von SARS-CoV-2 sind zahlreiche Mutanten und Varianten entstanden. „Dieser Vorgang dauert an und könnte sich trotz Impfung weiterentwickeln, falls es nicht schnell genug gelingt, die Ausbreitung einzudämmen“, sagt Prof. Walter Doerfler. „Es ist aber noch unbekannt, ob die Infektion mit bestimmten SARS-CoV-2-Mutanten mit der Art und der Schwere einer COVID-19-Erkrankung in spezifischer Weise zusammenhängt.“

Bis März 2021 ist die Zahl der Corona-Mutationen rasant angestiegen. Bereits bis Ende Januar 2021 wurden neben den bisher bekannten Virusvarianten (Variants of Concern) aus Großbritannien, Südafrika, Brasilien und Kalifornien/USA weltweit zwischen 70 und 100 neue Mutationen im SARS-CoV-2-Genom nachgewiesen. Mittlerweile kam eine neue Variant of Concern hinzu: „Ende April 2021 verfolgten wir mit Bestürzung die Explosion der SARS-CoV-2-Infektionen in Indien mit mehr als 353.000 Fällen und 2.812 Toten pro Tag – die höchsten weltweit je ermittelten Fallzahlen“, sagt Dr. Stefanie Weber. „Die bisher bekannten Virusvarianten könnten ansteckender und auch potenziell krankmachender sein als das ursprüngliche Virus aus Wuhan.“

Für ihre aktuelle Forschungsarbeit analysierten die Autoren weltweit über 380.500 SARS-CoV-2-RNA-Sequenzen von der Wissenschaftsplattform GISAID, die freien Zugang zu Genomen liefert, auf Mutanten und Varianten. Zusätzlich untersuchten die Wissenschaftler über 1.750 dieser RNA-Sequenzen detailliert auf Änderungen von Virusproteinen. Dabei betrachteten sie die Entwicklung in vier Zeitintervallen: Januar 2020 bis April/Mai 2020, April/Mai 2020 bis Juli/August 2020, Juli/August 2020 bis Dezember 2020 und Dezember 2020 bis März/April 2021. „Aus der Detailanalyse der Mutationen ergab sich ein interessanter Hinweis“, erklärt Stefanie Weber. „Mehr als 50 Prozent der weltweit registrierten Mutanten kamen durch einen Austausch der Basen Cytosin und Uracil im RNA-Genom von SARS-CoV-2 zustande. Dabei hat das Virus es offenbar geschafft, eine vermeintliche Schutzfunktion menschlicher Zellen – möglicherweise das sogenannte APOBEC-System – für seine Zwecke auszunutzen.“

Mutanten unterstützen die SARS-CoV-2-Vermehrung
Dass sich Mutanten rasant verbreiten, unterstützt die SARS-CoV-2-Vermehrung. „Es ist zu befürchten, dass die hohe Effizienz der Mutagenese langfristig erhebliche Probleme für die Therapie und die Impfprogramme gegen das Virus generieren könnte“, schätzt Prof. Doerfler die Lage ein. „Wahrscheinlich wird SARS-CoV-2 für längere Zeit ein gefährlicher Begleiter für uns bleiben.“ Doch auch ein zweites Szenario wäre unter Umständen denkbar: Im Laufe einer extremen Mutationsbildung kann sich das System erschöpfen und das Virus die Fähigkeit zur Vermehrung verlieren. Für SARS-CoV-2 gibt es dafür allerdings derzeit keine Hinweise.

Da SARS-CoV-2-RNA-Proben außer in Großbritannien nur in wenigen Ländern systematisch sequenziert, das heißt genetisch analysiert werden, kann die Rolle der vielen bereits identifizierten Mutanten im Infektionsgeschehen nicht adäquat beurteilt werden. „Sequenzierungstechnologien und schnelle PCR-Tests sollten sich also baldmöglichst in Deutschland etablieren, denn es ist für die COVID-19-Diagnose und -Therapie sowie für die Impfstoff(weiter)entwicklung essenziell, Virusmutanten und -varianten zu verstehen. Je länger wir die Impfung verzögern, umso schneller können sich neue Mutanten durchsetzen und den Impferfolg langfristig infrage stellen“, betont Walter Doerfler. In diesem Zusammenhang merkt er kritisch an: „Solange wir uns auf Antigen-Schnelltests verlassen, die in mindestens 35 Prozent der Fälle falsch negative Ergebnisse liefern, werden wir die COVID-19-Pandemie nicht beherrschen.“
 
Auch nach der jetzt in EMBO Molecular Medicine veröffentlichten Studie sind noch viele Fragen offen: Wie wirkt sich die Infektion mit einer neuen Mutante auf den Krankheitsverlauf aus? Welche Mutanten und Varianten setzen sich tatsächlich durch und weshalb? Wie lange wird SARS-CoV-2 seine „Strategie“ noch durchhalten? Wie erfolgreich sind die Impfstrategien? „Wir möchten keine Panik machen, aber das Problem klar benennen und aufzeigen, was da gerade passiert“, sagt Prof. Doerfler.

Link zur Original-Publikation: https://www.embopress.org/doi/abs/10.15252/emmm.202114062

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Walter Doerfler
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12.05.2021 „Das Becken bricht wie eine Salzbrezel“
uni | mediendienst | aktuell Nr. 45/2021

Die Unfallchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen behandelt komplexe Beckenbrüche – von der Unfallverletzung bis hin zur altersbedingten Fraktur
 
„Schmerzen kann ich an sich gut aushalten. Aber als sie mich da auf die Trage für den Krankenwagen gehoben haben, habe ich das ganze Dorf zusammengebrüllt, so weh hat es getan“, berichtet Heiner Berendt (Name geändert). Mitte April verletzte sich der 63-Jährige aus dem Landkreis Bamberg schwer, als er mit seinem Rennrad unterwegs war. In einer Kurve rutschte er auf einer Ölspur aus, stürzte und zog sich eine Hüftgelenks- und Beckenringfraktur und mehrere starke Prellungen zu. Das Rettungsteam brachte den Verletzten zur Akutversorgung ins Kreiskrankenhaus St. Anna in Höchstadt a. d. Aisch. Weil die Ärzte dort feststellten, dass der Bruch einen komplexen Eingriff erfordert, holten sie ihren Kooperationspartner – das Universitätsklinikum Erlangen – mit ins Boot. Hier wurde Heiner Berendt schließlich Ende April von den Spezialisten der Unfallchirurgischen Klinik – Orthopädische Chirurgie (Direktor: Prof. Dr. Mario Perl) operiert.
 
„Beim Beckenbruch gibt es zwei Altersgipfel“, erklärt der leitende Oberarzt und Leiter des Bereichs Beckenchirurgie am Uni-Klinikum Erlangen, Prof. Dr. Hans-Georg Palm. „Einen bei Männern zwischen 20 und 30 Jahren, die ein Hochrasanztrauma erleiden. Das heißt: Es wirkt eine hohe kinetische Energie auf den Körper ein – z. B. bei einem Verkehrsunfall oder einem Sturz aus großer Höhe. Der zweite Gipfel liegt bei älteren Frauen mit osteoporotisch veränderten Knochen, die leichter brechen – auch schon bei einem einfachen Sturz.“ Die Bruchmorphologie ist bei beiden Gruppen sehr unterschiedlich: Während bei großen Unfallverletzungen der Schaden sofort erklär- und sichtbar wird, sind Beckenbrüche bei alten Menschen oft nicht so schnell diagnostizierbar. „Manchmal klagt jemand schon längere Zeit über stark ausgeprägte Schmerzen in der Hüfte, im Rücken oder in der Leiste, aber erst bei einer Computertomografie (CT) oder einer Magnetresonanztomografie wird eine Fraktur erkennbar“, weiß Prof. Palm. In diesem Zusammenhang forscht der Beckenexperte schon seit mehreren Jahren zur Dual-Energy-CT, die Gewebe sehr differenziert darstellt und somit Altersbeckenbrüche noch besser sichtbar macht. Das Uni-Klinikum Erlangen nimmt zudem an der bundesweiten „AG Becken III“ der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e. V. teil, die unter anderem Daten zur Epidemiologie und zu neuen operativen Techniken sammelt.
 
Auch wenn Heiner Berendt zu keinem der beiden Altersgipfel passt, war bei ihm die Sache klar: Er hatte ein Hochrasanztrauma erlitten und einen schweren Bruch der linken Hüftgelenkspfanne und der linken Beckenschaufel davongetragen. „Mithilfe von speziellen Plattensystemen, die sich der Anatomie perfekt anpassen, konnten wir das Gelenk und das Becken insgesamt anatomisch rekonstruieren“, berichtet Klinikdirektor Prof. Dr. Mario Perl, der zudem die Unfallchirurgie und Orthopädie am Kreiskrankenhaus St. Anna leitet. Die gute Kooperation zwischen dem Grundversorger in Höchstadt und dem hoch spezialisierten Maximalversorger in Erlangen zahlte sich für den Patienten aus: „Ich bin unendlich dankbar, dass ich am Ende in Erlangen gelandet bin“, sagt Heiner Berendt. „Ich wollte gar nicht so genau wissen, was sie hier genau mit mir machen. Ich wollte einfach, dass alles wieder gut wird und fühlte mich am Uni-Klinikum gut aufgehoben.“
 
Beckenbrüche im Alter
Angesichts der demografischen Entwicklung werden Altersbeckenbrüche zunehmen – also die Zahl jener Patienten, die aufgrund spröder Knochen schon bei „normalen“ Stürzen sogenannte Fragilitätsfrakturen erleiden. „Beim Becken eines alten Menschen ist es so wie bei einer Salzbrezel: Es bricht in der Regel zweimal – weil es so unelastisch ist“, erklärt Prof. Palm. Zum knöchernen Becken gehören das Hüftbein mit Darm-, Sitz- und Schambein sowie das Steiß- und das Kreuzbein. Je mehr Teile brechen, umso instabiler wird die Körpermitte. Dann kommt die operative Schrauben- oder Platten-Osteosynthese zum Einsatz, die die Knochen wieder miteinander verbindet. Dank der minimalinvasiven Operationstechniken, die das Team der Unfallchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen dann anwendet, sinkt die Gefahr für Komplikationen, die Wundheilung wird beschleunigt und der Patient kann schneller wieder nach Hause beziehungsweise in eine Rehaklinik entlassen werden. Während vieler Eingriffe kontrolliert ein hochmodernes 3-D-Navigations- und Bildgebungssystem die Operateure: Ist das Instrument exakt angesetzt? Liegt die Platte oder die Schraube millimetergenau richtig am Hüftknochen? Und sind die großen Blutgefäße und die Nerven optimal geschützt? Das macht OPs noch sicherer und präziser. Hinzu kommt das universitäre Setting: Hockkomplexe Frakturen des Beckens bedürfen der interdisziplinären Zusammenarbeit. „So ist auch die internistische Betreuung von hochbetagten Menschen ein wichtiger Erfolgsfaktor. Interprofessionell abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Pflege, Physiotherapie und Ärzten ermöglicht eine schnellstmögliche Genesung“, so Prof. Perl.
 
Für Heiner Berendt beginnt nun die Rehabilitation – nach nur einer Woche auf Station im Uni-Klinikum Erlangen. Frühmobilisation ist bei Beckenbrüchen entscheidend: „Schon am ersten Tag nach der OP sollte ich mich aufsetzen und mich hinstellen, am vierten Tag ein paar Meter mit den Krücken gehen – aber ohne mein linkes Bein zu benutzen. Sechs Wochen lang darf ich das jetzt nicht belasten“, sagt Heiner Berendt. Dass er seit vielen Jahren täglich Rennrad fährt, joggt oder ins Fitnessstudio geht, kommt dem Heilungsprozess nun zugute. Sogar im Krankenhausbett liegend „sportelte“ er, bewegte Oberkörper und Arme, bis seine Fitnessuhr täglich 20.000 Schritte zeigte. „Ich habe keine Entzündungen, die Genesung schreitet hervorragend voran. Sie haben mir gesagt, dass ich wohl nächstes Jahr wieder Rennrad fahren kann“, so der 63-Jährige. Etwas Geduld braucht Heiner Berendt nun also noch.
 
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Jeannine Rauch
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10.05.2021 Weg mit der Impfpriorisierung und Dosisintervall beibehalten
Pressemitteilung der Bayerischen Landesärztekammer

„Impfpriorisierung sofort und für alle Impfstoffe aufheben und Jugendliche in die Impfstrategie schnellstmöglich miteinbeziehen“, das fordert Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK).

Was für einen Impfstoff gelte, müsse auch für alle anderen angewendet werden. Gleichwohl bat Bayerns Ärztechef die Patientinnen und Patienten weiter um Geduld, da die Aufhebung der Impfpriorisierung nicht dazu führe, „dass jetzt alle sofort und kurzfristig geimpft werden können. Dadurch stehen nicht mehr Impfstoff und auch nicht mehr Termine zur Verfügung.“ Quitterer forderte die Politik generell auf, mehr Impfdosen zur Verfügung zu stellen.

Gleichzeitig warnte der Präsident davor, zugunsten von Erleichterungen den Impfabstand zwischen Erst- und Zweitdosis zu verkürzen. „Die Dosisintervalle zu verringern, nur um schneller in den Genuss von mehr Freiheiten zu gelangen, anstatt auf die größere Impfsicherheit zu setzen, ist nicht zielführend“, so Quitterer. Die Studienlage zeige, dass ein größerer Abstand zwischen der ersten und der zweiten Impfdosis zu einer höheren Wirksamkeit des Vakzins führe.

Pressestelle

10.05.2021 Bioproben und Patientendaten für die Forschung nutzbar machen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 43/2021

Projekt ABIDE_MI verknüpft zentrale Forschungsdateninfrastrukturen
Bioproben und Patientendaten aus der Routineversorgung aufbereiten, zusammenführen und gemeinsam für die Forschung nutzbar machen: Das ist das Ziel des im Mai 2021 im Rahmen der Medizininformatik-Initiative (MII) gestarteten Projekts „Aligning Biobank and DIC efficiently“ (ABIDE_MI). Für die gemeinsame Forschungsdateninfrastruktur sollen Daten von 24 Universitätsklinika, darunter das Universitätsklinikum der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), mit den Informationen zu Bioproben aus den Biobanken der Kliniken verknüpft werden. Das Projekt wird eng mit der Deutschen Biobanken Allianz (GBA) und deren Geschäftsstelle (dem German Biobank Node - GBN) kooperieren.
„Unser Ziel ist, dass Informationen und Daten der Biobanken mit weiteren Daten aus der Patientenversorgung der Universitätsklinika verknüpft werden können. Damit schaffen wir eine Datenbasis für umfassende medizinische Forschungsfragen, um Krankheiten und deren Therapien besser erforschen und Patienten gezielter behandeln zu können“, erklärt Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch, Leiter des Lehrstuhls für Medizinische Informatik an der FAU und Projektleiter von ABIDE_MI. Das Projekt wird bis Oktober 2022 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund fünf Millionen Euro gefördert.  
Zusammenlegung der Doppelstrukturen
Seit 2018 wurden bundesweit an 29 Universitätsklinika Datenintegrationszentren (DIZ) aufgebaut. Ihre Aufgabe ist es, Patientendaten aus der Routineversorgung und der Forschung klinikübergreifend und datenschutzgerecht für Forschungszwecke aufzubereiten und bereitzustellen. Diese Daten sollen im Rahmen von ABIDE_MI mit den Bioproben der jeweiligen Universitätsklinika zusammengefügt werden. In den Biobanken sind Gewebeproben oder Körperflüssigkeiten wie Blut oder Speichel, die zur Diagnosestellung oder Therapie eines Patienten entnommen wurden, gelagert. Diese Bioproben helfen, die Ursachen einer Erkrankung früher zu erkennen oder Erkrankungen gezielt zu therapieren.
Vorteil für Medizin, Forschung und Patienten
„Mit der Zusammenarbeit der DIZ und der Biobanken schaffen wir die Voraussetzungen für die gemeinsame Nutzung verschiedener Datenbestände und können langfristige Doppelstrukturen vermeiden. Dies ist eine enorme Erleichterung für Forscherinnen und Forscher und etabliert gleichzeitig eine nachhaltige Daten- und Probenutzung“, erklärt Prof. Prokosch. “Wir freuen uns sehr, dass wir mit der neuen zentralen Biobank der Erlanger Medizinfakultät (Central Biobank Erlangen - CeBE) Partner in diesem innovativen Projekt sind und damit von Anfang an eine enge Kooperation mit dem DIZ am Erlanger Universitätsklinikum sowie mit allen anderen deutschen Biobanken aufbauen können“ ergänzt Prof. Dr. Bernd Wullich, der Sprecher der Erlanger Biobank.
„Wir verfolgen mit ABIDE_MI einen interdisziplinären Ansatz, bei dem die Errungenschaften und Erfahrungen der Medizininformatik-Initiative und der Biobanken der German Biobank Alliance (GBA) in einer nachhaltigen Gesundheits-IT-Infrastruktur zusammengeführt werden“, erklärt Prof. Dr. Michael Hummel, Charité - Universitätsmedizin Berlin, ebenfalls Projektleiter von ABIDE_MI und Leiter des German Biobank Node (GBN), der Dachorganisation akademischer Biobanken in Deutschland.
Um die Beantragung von Forschungsprojekten für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu erleichtern, soll im Rahmen von ABIDE_MI bis 2022 das zentral organisierte Deutsche Forschungsportal für Gesundheit in Betrieb gehen. Forschende können dort Anträge für Projekte einreichen und Daten und Bioproben für medizinische Forschungszwecke über eine zentrale Stelle beantragen. Außerdem können Forscherinnen und Forscher dort abfragen können, welche Daten an den universitätsmedizinischen Standorten der MII für die Forschung zur Verfügung stehen.
„Für die Zukunft streben wir an, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Kliniken einen einzigen Anlaufpunkt in Form eines Abfrage- und Analyseportals haben, das Patientenkohorten und entsprechende Bioproben identifiziert, die für ein bestimmtes Forschungsprojekt geeignet sind. Es sollen nicht nur die Daten eines Klinikums, sondern die Datenbestände über alle an der MII beteiligten Universitätskliniken hinweg in Echtzeit abfragbar werden“, erläutert Sebastian C. Semler, TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V., Leiter der MII-Koordinationsstelle.
Zudem sorgt die gemeinsame Plattform für mehr Transparenz. Auch Patientinnen und Patienten können sich jederzeit über beantragte und laufende Forschungsvorhaben informieren, die im Rahmen der MII durchgeführt werden
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch
hans-ulrich.prokosch@fau.de

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10.05.2021 Möglicherweise kein ausreichender Schutz anderer Organe durch Immunantwort des Darmes gegen Corona
uni | mediendienst | forschung Nr. 49/2021

FAU-Team findet heraus, dass der Darm allein nicht gegen COVID-19 ankommt

Der Darm spielt eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Infektionen – und neben der Lunge ist er das wichtigste Einfallstor des SARS-CoV-2-Virus in den menschlichen Körper. Doch bei COVID-19-Infektionen scheint die Abwehrkraft das Darms allein nicht auszureichen, um eine Ganzkörperimmunität gegen COVID-19 zu schaffen. Das haben Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) jetzt herausgefunden. Obwohl noch mehr Forschung von Nöten ist, deuten die Erkenntnisse darauf hin, dass Schluckimpfungen möglicherweise nicht für ausreichend Immunität gegen COVID-19 sorgen.

In der neuen Studie, die im Fachmagazin „Frontiers in Immunology“ veröffentlicht wurde, untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Blutproben von COVID-19-Patienten. Das Ergebnis: „Die Anzahl bestimmter Abwehrzellen, die durch die Reaktion des Darms auf die Infektion gebildet werden, war im Vergleich zu den Immunzellen, die an anderen Stellen im Körper gebildet werden, deutlich geringer“, sagt Dr. Sebastian Zundler, der das Team an der Medizinischen Klinik 1 (Gastroenterologie, Pneumologie, Endokrinologie; Direktor Prof. Dr. Markus F. Neurath) am Universitätsklinikum Erlangen leitet.

Die Immunantwort des Darms
Weil das SARS-CoV-2-Virus den Körper über Lunge und Darm infizieren kann, wird Abstandhalten und häufiges Händewaschen empfohlen. Zunders Team wollte die Rolle des Darms in Hinblick auf dessen Fähigkeit, systemische Immunität gegen das Virus zu schaffen, verstehen.

„Mein Labor forscht normalerweise an der Immunantwort und Zellwanderungsbewegungen im Rahmen von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Da eine Infektion mit COVID-19 aber auch über den Darm möglich ist, entschlossen wir uns, unsere Methoden auch auf das Virus zu übertragen“, sagt Zundler.

Das Team verwendete eine Technik namens Durchflusszytometrie, um die verschiedenen Arten von Immunzellen zu erkennen und zu messen, die sich in den Blutproben von an COVID-19 erkrankten Patientinnen und Patienten, solchen, die sich von COVID-19 wieder erholt haben, und Menschen, die nie infiziert waren, fanden.

„Es gibt einen speziellen Mechanismus im lymphoiden Gewebe des Darms, der die Produktion eines Markers namens ‚a4b7 integrin‘ auslöst. Dieser Marker veranlasst T-Zellen, sich in Richtung Darm zu bewegen, um eine Infektion zu bekämpfen. Anhand dieses Markers können wir erkennen, ob im Blut Lymphozyten zirkulieren, die durch die Immunantwort des Darms entstanden sind“, erklärt die Erstautorin der Studie, Dr. Tanja Müller. Sie forscht ebenfalls am Universitätsklinikum Erlangen.

Sie sagt weiter: „Unabhängig davon, ob die Patienten im Rahmen ihrer Erkrankung gastrointestinale Symptome hatten oder nicht, fanden wir relativ wenige Immunzellen mit diesem Marker im Blut von COVID-19 Patienten. Das könnte an der „Verdünnung“ durch Zellen liegen, die an anderen Infektionsorten – zum Beispiel die Lunge – gebildet werden. Alternativ könnte es sein, dass diese Zellen selektiv in andere Organe einwandern.“

Auswirkung auf eine orale Impfung
Die Forscherinnen und Forscher vermuten, dass ihre Erkenntnisse von Bedeutung für potentielle Schluckimpfungen sein können, die gerade entwickelt werden.

„Sollten nur relativ wenige Immunzellen durch das Virus im Darm geprägt werden, könnte es ähnlich sein, wenn man das Darmimmunsystem einer SARS-CoV-2-Impfung aussetzt, sodass diese möglicherweise nicht zu systemischer Immunität führt“, sagt Müller.

Zundler betont, dass mehr Forschung notwendig ist, um die Bedeutung der Ergebnisse zu verstehen. „Unsere Studie trägt zu unserem Verständnis der menschlichen Immunantwort auf die SARS-CoV-2-Infektion bei, aber wir können manche Fragen über die im Darm eingeprägten Immunzellen noch nicht endgültig beantworten. Die Auswertung von Proben aus Darm und Lunge wird uns helfen, diese wichtige Frage zu beantworten.“

Link zur Veröffentlichung in „Frontiers in Immunology“: https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fimmu.2021.639329/full

Weitere Informationen:
Dr. Sebastian Zundler
Medizinische Klinik 1
09131-85-35000
sebastian.zundler@uk-erlangen.de

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10.05.2021 ärzte-markt.de mit allen Stellenangeboten in Süddeutschland
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Im Mai des Jahres startet das neue Stellenportal „ärzte-markt.de“ im medi-zinischen Bereich in Süddeutschland als originäres und eigenständiges Portal. „ärzte-markt.de ist ein neues, zusätzliches Angebot in Kooperation mit dem Bayerischen Ärzteblatt und beinhaltet medizinische Stellenange-bote aus der Region“, sagt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) und damit Verleger und Herausgeber des Bayerischen Ärzteblatts. Auch zukünftig werde es selbstverständlich Anzei-gen im Bayerischen Ärzteblatt, in gewohnter Form (print only) geben. Neu sind jedoch ab Mai Kombinationsvarianten aus Print- und Online-Anzeigen. Interessierte verbrächten in der Regel sehr viel Zeit mit der Suche nach ei-nem passenden Job und hätten dabei stets das Risiko, aktuelle Angebote zu verpassen. Arbeitgeberinnen und -geber könnten nur schwer abschät-zen, über welchen Kanal sie Jobsuchende am besten erreichten. Hier soll ab Mai ärzte-markt.de Abhilfe schaffen, denn das zentrale Stellenportal bündelt für die Jobsuche die medizinischen Stellenangebote aller Quellen an nur einem Ort und bietet Inserierenden die Möglichkeit, über die Schal-tung von Online-Anzeigen alle Interessierten zu erreichen. ärzte-markt.de nutzt eine individuell entwickelte „Spidertechnologie“ zum Auffinden von passenden Stellenangeboten. Es werden laufend über 100.000 Einzelquellen nach Stellenangeboten durchsucht und mehr als 6.000 Ergebnisse bereitgestellt. Auf einen Blick werden nach Eingabe des gewünschten Berufs die Ergebnisse nach Aktualität ausgewiesen. Mit dem Stern-Symbol und der Merkliste verwalten Jobsuchende praktisch die Job-ausschreibungen, die für sie besonders interessant klingen. Zudem können sie sich mit dem kostenlosen Jobradar immer die neuesten Suchergeb-nisse schicken lassen. Das süddeutsche Operationsgebiet des Portals wird durch die Darstellung einer Karte auf der Startseite auch graphisch umge-setzt. „Die digitale Transformation hat auch die Stellenmärkte im medizini-schen Bereich erreicht. Dafür wollen auch wir gut aufgestellt sein mit ärzte-markt.de“, so Quitterer abschließend.

Das neue Stellenportal wird von der „Verlagsgemeinschaft Atlas Gentner GbR“ („VAG“) betrieben.

Pressestelle

Bayerische Landesärztekammer Pressestelle Dagmar Nedbal Mühlbaurstraße 16 81677 München Telefon: 089 4147-268 Fax: 089 4147-202 E-Mail: presse@blaek.de www.blaek.de

07.05.2021 Gute Impfwirkung trotz Immunerkrankung
uni | mediendienst | forschung Nr. 48/2021

Neue Erkenntnisse über die Corona-Schutzimpfung bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen

Rheuma, Darmentzündung und Schuppenflechte sind Beispiele für Erkrankungen, bei denen das Immunsystem falsch und überschießend reagiert und Betroffene einer intensiven Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten bedürfen. Wie gut solche Patientinnen und Patienten auf eine Corona-Impfung ansprechen, wurde nun von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums Immuntherapie (DZI; Sprecher: Prof. Dr. Markus F. Neurath und Prof. Dr. med. univ. Georg Schett) am Universitätsklinikum Erlangen untersucht. Ihre Studie zählt zu den weltweit ersten Forschungsarbeiten, die sich mit dieser Thematik befassen und Ergebnisse erbracht haben. Die Studie wurde nun in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Annals of the Rheumatic Diseases“ veröffentlicht.

Die gute Nachricht zuerst: Die Corona-Impfung ist für Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen sogar verträglicher als für Gesunde. So kamen Reaktionen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Schüttelfrost oder Gelenkschmerzen bei Patienten mit Immuntherapien deutlich seltener vor als bei Gesunden. Mit diesem Studienergebnis können die Erlanger Experten das Gerücht entkräften, dass Patienten mit Rheuma, Darmentzündung und Schuppenflechte aufgrund ihres veränderten Immunsystems vielleicht eine überschießende Reaktion auf die Corona-Impfung erleiden. Fazit: Bei Menschen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen spricht nichts gegen eine Corona-Impfung.

Die weniger gute Nachricht ist, dass nicht alle Patienten mit entzündlichen Erkrankungen auch ausreichend auf die Corona-Impfung mit einem m-RNA-Impfstoff ansprechen und einen Immunschutz gegen SARS-CoV-2 entwickeln. Während von knapp 270 Probanden nur einer von hundert Gesunden (1:100) keine neutralisierenden Antikörper gegen das Coronavirus entwickelt, ist es bei Patienten mit einer Immuntherapie hingegen einer von zehn (1:10). Im Umkehrschluss bedeutet dies allerdings auch, dass die allermeisten Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen gut auf die Impfung ansprechen. Interessanterweise sind die entzündungshemmenden Therapien offensichtlich gar nicht die Ursache für das verminderte Ansprechen mancher Patienten, sondern die Erkrankung an sich. Somit gibt es auch keinen Grund dafür, mit der Einnahme dieser Medikamente zum Impftermin zu pausieren, sagen die Leiter der Erlanger Studie.

„Nicht alle reagieren gleich!“, meint PD Dr. David Simon, Assistenzarzt der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie (Direktor: Prof. Dr. med. univ. Georg Schett) des Uni-Klinikums Erlangen, der die Studie betreut. „Deshalb ist es bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen ratsam, die Impfantwort zwei Wochen nach der zweiten Impfung zu bestimmen.“ Im Falle eines Nicht-Ansprechens sind grundsätzlich verschiedene Wege denkbar, wobei der wohl beste eine neuerliche Impfung ist – idealerweise dann auch mit einem anderen Impfpräparat. Während aktuell ein starres Impfregime für die Eindämmung der Corona-Pandemie von zentraler Bedeutung ist, wird es in Zukunft in gewissen Fällen sicherlich notwendig sein, die Impfstrategie individuell anzupassen, eine neuerliche (dritte) Impfung durchzuführen bzw. auch das Impfpräparat zu wechseln.

Die Studie wurde am Deutschen Zentrum Immuntherapie am Universitätsklinikum Erlangen unter der Leitung von Prof. Dr. med. univ. Georg Schett (Direktor der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie), Prof. Dr. Markus F. Neurath (Direktor der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie), Prof. Dr. Carola Berking und Prof. Dr. Michael Sticherling (Direktorin und stv. Direktor der Hautklinik) durchgeführt. Unterstützt wurden die Forscher durch Mittel des Freistaats Bayern, der Schreiber Stiftung sowie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Sonderforschungsbereich 1181).

Link zum Original-Artikel:
http://dx.doi.org/10.1136/annrheumdis-2021-220461

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06.05.2021 Ambulante medizinische Versorgung in Zeiten von Corona
uni | mediendienst | forschung Nr. 47/2021

FAU unterstützt Planung mit mathematischer Optimierung
 
Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und weiterer wissenschaftlicher Einrichtungen aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz untersuchen in einem vom BMBF geförderten Modellprojekt, wie sich die medizinische Versorgung im ländlichen Raum während der Corona-Pandemie sicherstellen und verbessern lässt. Mathematisch basierte Optimierungs- und Entscheidungssysteme sollen Krankentransporte, Apothekennotdienste und den Aufbau von Impfzentren unterstützen.
 
Eine alternde Gesellschaft, die Zentralisierung medizinischer Einrichtungen und knapper werdende Ressourcen – die ambulante medizinische Versorgung vor allem im ländlichen Raum steht vor großen Herausforderungen. Seit 2017 untersucht ein Konsortium von Forschenden der FAU, der RWTH Aachen, der TU Kaiserlautern und des Fraunhofer Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) im BMBF-geförderten Projekt „Health: Facility Location, Covering, and Transport“ (HealthFaCT), wie Apothekennotdienste, Notarztstandorte und Krankentransporte sich besser planen lassen. Entwickelt werden dafür algorithmenbasierte Entscheidungssysteme, mit denen Leitstellen, Gesundheitsämter und Apothekerkammern unterstützt werden. „Die Optimierungsmodelle müssen praxisnah sein und einen fairen Zugang der Bürgerinnen und Bürger zu medizinischer Versorgung sicherstellen“, sagt Prof. Dr. Frauke Liers vom Department of Data Science der FAU, die das Verbundprojekt koordiniert. Ein gemeinsames wissenschaftliches Manuskript wurde vor Kurzem eingereicht*.
 
Versorgung unter Pandemiebedingungen
Wie wichtig eine sorgfältig geplante medizinische Versorgung ist, hat die Coronakrise in den vergangenen Monaten gezeigt. „Gestiegene Patientenzahlen, besondere Hygiene- und Schutzmaßnahmen und die Kompensation von krankheitsbedingten Ausfällen in den Versorgungseinrichtungen haben die Situation nochmals verschärft“, erklärt Liers. Um hilfreiche Tools auch für diese erschwerten Bedingungen zu entwickeln, wurde vom BMBF  dem Projekt vor wenigen Monaten eine Aufstockung bewilligt : Auf HealthFaCT folgte HealthFaCT-Cor – wobei der Zusatz für „Corona“ steht.
 
Einer der Forschungsschwerpunkte ist die flächendeckende Versorgung der Menschen mit Arzneimitteln, die sich bereits vor Corona als Herausforderung erwies: Die Arzneimittelnachfrage der alternden Gesellschaft steigt, während die ohnehin niedrige Apothekendichte weiter abzunehmen droht. Um Versorgungslücken zu verhindern, wurden Optimierungsmodelle zur fairen Notdienstplanung und zur Standortplanung entwickelt. In der Pandemie gilt es nun, zusätzliche Einschränkungen – von quarantänebedingten Personalausfällen bis hin zur unvorhersehbaren Schließung von Apotheken – zu bewältigen.
 
HealthFaCT-Cor zielt darauf, die 24-Stunden-Versorgung mit Arzneimitteln sicherzustellen und eine Überlastung der Apothekerinnen und Apotheker zu vermeiden.  Gelingen soll dies unter anderem durch eine Zuweisung der Apothekennotdienste auf die Apotheken, so dass der Wegfall einzelner Apotheken weder die engmaschige Versorgung der Bevölkerung gefährdet noch zu einer grundlegenden Überarbeitung der Apotheker führt. Die Aachener Forschenden wurden von der Apothekerkammer Nordrhein unterstützt.
 
Eine völlig neue Herausforderung in der Corona-Krise ist die Planung von Impfzentren, mit der die Kaiserslauterner Forschenden im Herbst 2020 – also bereits vor der Zulassung bestimmter Impfstoffe – begonnen haben. Gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut wurde die Modellierung der strategischen Planung von Notarztstandorten aus dem Vorgängerprojekt adaptiert. Im Ergebnis entstand eine mathematisch fundierte Entscheidungsunterstützung für die Impfstoffverteilung, die gute Kompromisse bezüglich der Anreisedauer der Impflinge und der benötigten Standorte aufzeigt.
 
Krankentransport von infizierten und nicht infizierten Patienten
Der Beitrag der FAU am Verbundprojekt ist die Optimierung des Krankentransportwesens. „Die besondere Schwierigkeit in diesem Bereich liegt darin, dass dringende und kurzfristig bekannt werdende Ad-hoc-Transporte zu Verspätungen bei den planbaren Transporten führen“, erklärt Frauke Liers. „Solche Verspätungen können jedoch problematisch sein, etwa wenn Termine für Operationen oder die Dialyse angesetzt sind.“ In Zusammenarbeit mit der Integrierten Leitstelle Nürnberg und unter Verwendung historischer Einsatzdaten haben die Erlanger Forschenden planungsstabile Algorithmen entwickelt, durch die im Vergleich mit historischen Daten  die Wartezeiten der Patienten deutlich verringert werden können.
 
Für die Transportlogistik unter Pandemiebedingungen wurden die Ergebnisse von Infektionsmodellen zugrunde gelegt und beispielsweise die Krankenwagen in Pools aufgeteilt: in solche, die ausschließlich für Patienten mit bekannter Covid-19-Infektion vorgesehen sind, und solche, die alle anderen Patienten transportieren. Ein paar Wagen „springen“ flexibel zwischen den Pools. Der Vorteil dieser Strategie ist unter anderem, dass nicht alle Wagen mit vielen Sets an  Schutzausrüstung ausgestattet sein müssen. In die Modellierung werden darüber hinaus typische Szenarien einbezogen – etwa der erhöhte Bedarf an Krankentransportwagen nach der Krankenhausvisite.
 
Die Ergebnisse von HealthFaCT und HealthFaCT-Cor sollen künftig einen wertvollen Beitrag sowohl zur alltäglichen Planung im Gesundheitswesen als auch zur Bewältigung von Krisen leisten.
 
*https://www.researchsquare.com/article/rs-237619/v1
 
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Prof. Dr. Frauke Liers
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frauke.liers@fau.de
 
 
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06.05.2021 Berufspolitische Beschlüsse Deutscher Ärztetag
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

06.05.2021 Zuwendung am Lebensende
uni | mediendienst | forschung Nr. 46/2021

Forschungsprojekt „PALLADiUM“ entwickelt digitales System zur Unterstützung interprofessioneller Palliative-Care-Teams
Todkranke Patientinnen und Patienten in ihrer letzten Lebensphase intensiv zu begleiten und ihnen ihre Schmerzen zu nehmen, ist das oberste Ziel von Palliative-Care-Teams. Im Mittelpunkt steht der Mensch: sein Wohlergehen, seine Wünsche, seine Würde. So beruht die Arbeit dieser Teams auf persönlicher zwischenmenschlicher Zuwendung – eine eher technik- und digitalisierungsferne Tätigkeit. Gerade deshalb rückt das Forschungsprojekt PALLADiUM, an dem die Palliativmedizinische Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Christoph Ostgathe) des Universitätsklinikums Erlangen maßgeblich beteiligt ist, genau diesen Aspekt in den Fokus seiner Untersuchung. Die Forschenden aus unterschiedlichen Fachbereichen analysieren den Status quo der interdisziplinären Kommunikation in der stationären Palliative Care und möchten ein digital-basiertes Arbeitssystem entwickeln, das multiprofessionelle Teams bei ihrer Zusammenarbeit unterstützt.
Palliative Care, also die ganzheitliche Versorgung von Palliativpatientinnen und -patienten, ist geprägt von einem professionellen Selbstverständnis, das auf Zwischenmenschlichkeit beruht. Im Fokus stehen nicht Prävention oder Heilung, sondern die Minimierung von Leid in all seinen Facetten – physisch, psychisch, sozial und spirituell. Palliative Care ist dementsprechend durch intensive multiprofessionelle Zusammenarbeit gekennzeichnet. Dass es sich traditionell um eine eher technik- und digitalisierungsferne Tätigkeit handelt, ist für PALLADiUM allerdings kein Hindernis. „Im Gegenteil. Der vergleichsweise geringe Digitalisierungsgrad von Palliative Care stellt dabei eine herausragende Chance dar“, erläutert Sandra Grimminger, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Palliativmedizin des Uni-Klinikums Erlangen. „Er bietet uns die beste Voraussetzung, um prototypisch zu erforschen, wie Informations- und Kommunikationstechnologie und Digitalisierungsprozesse in einem frühen Stadium gestaltet werden können und welche Arbeitsbedingungen sowie Kompetenzen geschaffen werden müssen, um Akzeptanz und souveränen Umgang mit digitalen Technologien zu ermöglichen.“ Hierbei wollen die Forschenden vor allem klären, welche KI-gestützten Ansätze geeignet sind, strukturierte und unstrukturierte Daten in Palliative Care für Kommunikations- und Kollaborationsprozesse besser nutzbar zu machen.
PALLADiUM vereint drei disziplinäre Perspektiven: Die Medizin steuert insbesondere das Domänenwissen bei, die Soziologie das Verständnis sozialer Prozesse bei der Herstellung und Vermittlung von Wissen im Zusammenspiel von medizinischem, pflegerischem sowie therapeutischem Personal und die Wirtschaftsinformatik die Technologiekompetenz gepaart mit Mensch-Maschine-Interaktion und kollaborativer IT-basierter Arbeit. Im interdisziplinären Zusammenspiel entstehen versorgungsrelevantes Wissen und Artefakte (Work System Design, Funktionsdemonstrator eines KI-basierten Assistenzsystems) für die Arbeitswelt Palliative Care aber auch für andere Arbeitswelten in Gesundheitsversorgung und Pflege, die ähnlichen Logiken und Herausforderungen folgen (Personenzentrierung, multiprofessionelle Zusammenarbeit, heterogene Informations- und Wissens- sowie Kompetenzlagen etc.).
Über PALLADiUM
PALLADiUM ist am 1. April 2021 gestartet und wird – mit Zwischenevaluation – für die Dauer von drei Jahren durch das Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation gefördert. Das Akronym steht für den Projekttitel „Palliative Care als digitale Arbeitswelt – Perspektiven und Gestaltungsmöglichkeiten der digitalen Transformation von Kommunikations- und Kollaborationsprozessen in der multiprofessionellen Versorgung der letzten Lebensphase“. Geleitet wird das Projekt gemeinsam von drei Experten: für den Bereich Palliativmedizin von Prof. Dr. Christoph Ostgathe, Leiter der Palliativmedizinischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen, für den Bereich Soziologie von Prof. Dr. Werner Schneider, Inhaber der Professur für Soziologie mit Berücksichtigung der Sozialkunde der Universität Augsburg, und für den Bereich Wirtschaftsinformatik von Prof. Dr. Henner Gimpel, Inhaber des Lehrstuhls für Digitales Management der Universität Hohenheim. Da in das Forschungsprojekt zahlreiche assoziierte Partner und internationale Experten eingebunden sind, sind die Generalisierbarkeit und die Praxisrelevanz der wissenschaftlichen Erkenntnisse gewährleistet.
Weitere Informationen:
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05.05.2021 Corona-Impfstrategie für Kinder und Jugendliche entwickeln
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt hat vor negativen Kollateraleffekten der Corona-Eindämmungsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche gewarnt. „Es geht dabei nicht nur um entstandene schulische Bildungsdefizite, sondern mehr noch darum, dass viele Kinder wichtige Entwicklungsphasen in sozialer Isolation erlebt haben“, sagte Reinhardt auf dem 124. Deutschen Ärztetag, der in diesem Jahr coronabedingt als reine Online-Veranstaltung abgehalten wird.

In ihrer Generalaussprache auf dem Ärztetag haben die Abgeordneten eine medizinisch-wissenschaftliche Evaluation aller Kollateraleffekte von Eindämmungs- und Schutzmaßnahmen im Hinblick auf den Zugang zur medizinischen Akutversorgung und zu notwendigen Vorsorgeleistungen sowie mögliche psycho-soziale Auswirkungen des Lockdowns gefordert. Für die weitere Krisenbewältigung und zur Vorbereitung auf zukünftige pandemische Lagen sei die Entwicklung von Handlungsstrategien zur Vermeidung derartiger Kollateraleffekte unerlässlich.

In einem weiteren Beschluss hat der Ärztetag die Bundesregierung aufgefordert, unverzüglich eine Covid-19-Impfstrategie für Kinder und Jugendliche zu entwickeln. Das Recht auf Bildung könne im Winter 2021/2022 nur mit einer rechtzeitigen Corona-Impfung gesichert werden. Ohne rechtzeitige Impfung, insbesondere auch für jüngere Kinder, führe ein erneuter Lockdown für diese Altersgruppe zu weiteren gravierenden negativen Folgen für die psychische Entwicklung.

Um diese zu verhindern, sollten die Forschung zu Impfstoffen für diese Altersgruppe gezielt gefördert und die ausreichende Versorgung mit adäquaten Impfstoffen sichergestellt werden. Eine zentrale Rolle in der Impfstrategie spielen nach Auffassung des Ärzteparlaments neben den Hausärzten die Kinder- und Jugendärzte in Praxis, Klinik und Gesundheitsämtern. Sie benötigten Unterstützung bei der kurzfristigen Impfdurchführung.

Pressemitteilung

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Pressestelle der deutschen Ärzteschaft Herbert-Lewin-Platz 1 10623 Berlin

Ansprechpartner: Alexander Dückers Tel. (030) 40 04 56-700 Fax (030) 40 04 56-707 www.baek.de presse@baek.de


05.05.2021 Pressinformationen zum Deutschen Ärztetag
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

05.05.2021 Ärzteparlament macht Druck bei Novellierung der Approbationsordnung
Pressemedlung der Bayerischen Landesärztekammer

Hierer 124. Deutsche Ärztetag hat die
Bundesregierung und den Bundesrat aufgefordert, die
Novellierung der Ärztlichen Approbationsordnung
schnellstmöglich zu beschließen. An dem seit November 2020
vorliegende Referentenentwurf bestehe zwar
Nachbesserungsbedarf. Die Novelle sei dennoch ein
„wegweisender Entwicklungsschritt“ für die ärztliche Ausbildung,
so der Ärztetag. Bund und Länder müssten nun zügig ein
Finanzierungskonzept für die Reform vorlegen. Sparmaßnahmen
dürften nicht zu Lasten der medizinischen Ausbildung
beziehungsweise des ärztlichen Nachwuchses gehen.
Für die Studierenden im Praktischen Jahr (PJ) forderte der 124.
Deutsche Ärztetag eine obligatorische existenzsichernde
Aufwandsentschädigung. Ihnen müsse die Möglichkeit gegeben
werden, sich während des PJ voll auf die Ausbildung zu
konzentrieren. „In Ausbildungsberufen ist das bereits die Regel,
ebenso bei Rechtsreferendaren im juristischen
Vorbereitungsdienst“, heißt es in dem Beschluss des Ärztetages.
Die Aufwandsentschädigung dürfe nicht auf BAFöG-Leistungen
angerechnet oder mit Sachleistungen abgegolten werden.
Darüber hinaus forderte der 124. Deutsche Ärztetag alle noch
nicht am bundesweiten PJ-Portal teilnehmenden medizinischen
Fakultäten dazu auf, sich diesem Online-Vergabe-Tool
anzuschließen. Es sei Medizinstudierenden nicht vermittelbar,
weshalb die PJ-Bewerbung für die Lehrkrankenhäuser vonneunzehn Universitäten unkompliziert digital möglich sei, aber bei vielen anderen Fakultäten noch Formulare ausgefüllt werden müssten. „Dieser Flickenteppich muss durch die einheitliche Lösung des PJ-Portals ersetzt werden“, so der Ärztetag.
Pressemitteilung
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05.05.2021 Ärzteparlament fordert Nachbesserung beim Pandemiemanagement
Pressemitteilung der Bayerischen Landesärztekammer

 Der 124. Deutsche Ärztetag hat konkrete Konsequenzen aus dem Umgang mit der Corona-Pandemie in den letzten 15 Monaten gefordert. Das Pandemiemanagement und die Krisenreaktionsfähigkeit in Deutschland müssten dringend optimiert werden, konstatierten die Abgeordneten des Ärztetages in einem mit großer Mehrheit gefassten Beschluss zur gesundheits- und sozialpolitischen Generalaussprache.
Unter anderem sollten im Infektionsschutzgesetz feste Krisenstäbe der Bundesländer unter Einbezug der Landesärztekammern angelegt und die Pandemiepläne von Bund, Ländern, Kommunen und Gesundheitseinrichtungen ständig auf dem aktuellen Stand gehalten werden. Außerdem sollten Reserven für wichtige Medizinprodukte, Arzneimittel und Impfstoffe angelegt sowie die innereuropäischen Produktionsstandorte für Medizinprodukte und wichtige Arzneimittel ausgebaut werden, forderten die Abgeordneten nach einer gut dreistündigen Debatte über die Auswirkungen der Corona-Pandemie in Deutschland.
Der Deutsche Ärztetag, der in diesem Jahr coronabedingt als reine Online-Veranstaltung ausgetragen wird, ist das erste große Zusammentreffen der verfassten Ärzteschaft nach der Ausrufung des Pandemiefalls im März letzten Jahres durch die WHO.
Neben dem konkreten Pandemiemanagement hat sich der Ärztetag in seinem Grundsatzbeschluss mit dem strukturellen Reformbedarf im Gesundheitswesen befasst. Dazu zählen die Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, die Neuregelung der Krankenhausplanung und -finanzierung, die Sicherung ambulanter Versorgungsstrukturen, der Ausbau der Digitalisierung sowie weitere Anstrengungen zur Fachkräftegewinnung im Gesundheitswesen.
Darüber hinaus sprach sich das Ärzteparlament für die Stärkung der interprofessionellen Zusammenarbeit der Beschäftigten im Gesundheitswesen unter Berücksichtigung der spezifischen ärztlichen Fachkenntnisse und Erfahrungen aus. Vernetzung und Kooperationen innerhalb und zwischen den jeweiligen Versorgungsbereichen sollten nach dem Willen des Ärzteparlaments stärker gefördert werden.
Der Beschluss im Wortlaut:
Für ein zukunfts- und krisenfestes Gesundheitswesen
Das deutsche Gesundheitswesen ist durch die Coronapandemie vor die größte Herausforderung der letzten Jahrzehnte gestellt worden. Die leistungsstarken ambulanten und stationären Strukturen des Gesundheitswesens sowie der beispiellose Einsatz von Ärztinnen und Ärzten aus allen Versorgungsbereichen haben eine Überlastung des Gesundheitswesens verhindert.
Die vergangenen Monate haben aber auch Defizite offengelegt, unter anderem bei der personellen und technischen Ausstattung in den Einrichtungen des Gesundheitswesens, insbesondere in den Gesundheitsämtern, bei der Vernetzung der Meldestrukturen und beim digitalen Ausbau. Bund und Länder sind aufgefordert, diese Schwachstellen gemeinsam mit der ärztlichen Selbstverwaltung zu analysieren und das Gesundheitswesen in Deutschland zukunfts- und krisenfest aufzustellen.
Öffentlichen Gesundheitsdienst stärken
Die Amtsärztinnen und Amtsärzte sowie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben im Verlauf der Coronapandemie Herausragendes geleistet. In ihren Aufgabenbereich fallen unter anderem die Kontaktpersonennachverfolgung, das Quarantänemanagement von Infizierten und Verdachtsfällen, Testungen auf SARS-CoV-2, Prüfung und Kontrolle von Hygienekonzepten sowie die Organisation des Meldewesens. Es ist dem großen persönlichen Engagement der Beschäftigten im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) zu verdanken, dass die Gesundheitsämter trotz unzureichender personeller und technischer Ausstattung diesen Aufgaben weitgehend nachgekommen sind.
Um die bestehenden Defizite im ÖGD zu beheben, ist die schnelle und umfassende Umsetzung des von Bund und Ländern geschlossenen Paktes für den Öffentlichen Gesundheitsdienst unerlässlich. Erforderlich ist darüber hinaus eine grundsätzliche Strukturreform des ÖGD. Sie muss unter anderem eine zentrale Stelle zur Koordination der Aktivitäten der einzelnen Gesundheitsämter und zur Entwicklung von technischen sowie inhaltlich-fachlichen Standards beinhalten. Flächendeckend sind alle Gesundheitsämter mit digitalen Kontaktnachverfolgungssystemen sowie einheitlichen Schnittstellen für eine Anbindung an das Robert Koch-Institut (RKI) auszustatten. Die ärztliche Leitung aller Gesundheitsämter in Deutschland ist zu gewährleisten. Zur personellen Aufstockung müssen Anreize für Ärztinnen und Ärzte geschaffen werden, im Öffentlichen Gesundheitsdienst tätig zu werden. Dafür ist eine tariflich gesicherte, arztspezifische Vergütung der Amtsärztinnen und Amtsärzte unabdingbar. Zur ärztlichen Nachwuchsförderung müssen die angedachten Maßnahmen der Novelle der Ärztlichen Approbationsordnung (ÄApprO) zur Stärkung des ÖGD bereits in der ärztlichen Ausbildung zeitnah und uneingeschränkt umgesetzt werden.
Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung zum Facharzt/Fachärztin für Öffentliches Gesundheitswesen sollten durch Einrichtung regionaler Weiterbildungsverbünde stärker unterstützt werden. Die Aufnahme des Öffentlichen Gesundheitswesens als Gebiet der "unmittelbaren Patientenversorgung" in die (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 bietet hierbei zusätzliche Kooperationsmöglichkeiten.
Patientengerechte Krankenhausplanung, -finanzierung und -vergütung sichern
Die Erfahrungen aus der Pandemie zeigen, dass Personalressourcen und Reservekapazitäten in der Krankenhausplanung sachgerechter definiert und finanziert werden müssen, als dies heute der Fall ist. Insbesondere sind der demografie- und morbiditätsbedingte Versorgungsbedarf sowie die dafür erforderlichen Personalressourcen prospektiv zu ermitteln und in der Krankenhausplanung zu berücksichtigen. Grundlegend ist ebenfalls eine stärkere Orientierung der Krankenhausplanung an der ärztlichen Weiterbildungsordnung, die den Stand des medizinischen Fortschritts und die Versorgungserfordernisse widerspiegelt. Eine moderne Krankenhausplanung muss zudem mehr kooperative Versorgungskonzepte, die Möglichkeiten der belegärztlichen Versorgung sowie sogenannte Mitversorgereffekte berücksichtigen.
Eine moderne Krankenhausplanung muss außerdem durch eine Neustrukturierung der Krankenhausinvestitionsfinanzierung und der Krankenhausvergütung flankiert werden. Bei der Krankenhausinvestitionsfinanzierung ist neben einem stärkeren Engagement der Bundesländer zur Auflösung des Investitionsstaus von derzeit mindestens sieben Milliarden Euro pro Jahr eine dauerhafte additive Kofinanzierung durch den Bund notwendig, allerdings unter Wahrung der grundgesetzlich verbrieften Krankenhausplanungshoheit der Länder.
Um dem zukünftigen Versorgungsbedarf gerecht zu werden und die Fehlanreize des G-DRG-Fallpauschalensystems zu beheben, ist eine grundlegende Reform der bisherigen erlösorientierten Krankenhausbetriebsmittelfinanzierung erforderlich. Diese muss sich gemäß dem krankenhausindividuellen Auftrag prioritär an den Kriterien tatsächlicher Personalbedarf, Personalentwicklung, Flächendeckung und Vorhalteleistungen ausrichten. Ein neues Krankenhausvergütungssystem muss - auch als Lehre aus der Coronapandemie - die Unterschiede der Kostenstrukturen der Krankenhäuser stärker abbilden und eine Kombination aus erlösunabhängigen pauschalierten Vergütungskomponenten zur Deckung von fallzahlunabhängigen Vorhaltekosten sowie einem fallzahlabhängigen Vergütungsanteil bilden. Die überfällige Reform des G-DRG-Systems sollte direkt nach der Bundestagswahl unter Einbindung der Expertise der maßgeblichen ärztlichen Verbände und Institutionen eingeleitet werden. Der 124. Deutsche Ärztetag 2021 schlägt hierzu die Einrichtung eines nationalen Krankenhausgipfels mit Vertretern der verfassten Ärzteschaft vor.
Zusätzlich sind kurzfristig gezielte und sachgerechte Lösungen zur ausreichenden Finanzierung stationärer Leistungen in der Coronapandemie erforderlich. Um Liquiditätsengpässe der Krankenhäuser zu vermeiden, muss gesetzlich sichergestellt werden, dass der Ganzjahreserlösausgleich für die Jahre 2021 und 2022 mindestens das Volumen des Jahres 2019 umfasst.
Arztpraxen bei Krisenbewältigung unterstützen
Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte und insbesondere auch die Medizinischen Fachangestellten tragen maßgeblich dazu bei, die Coronapandemie zu bewältigen und das Gesundheitssystem als Ganzes vor Überlastung zu schützen. Mehr als 90 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Covid-19 werden von den niedergelassenen Haus- und Fachärzten betreut. Zudem übernehmen die Arztpraxen in Deutschland nach der Coronavirus-Testverordnung (TestV) eine Schlüsselfunktion bei der symptomatischen und asymptomatischen Testung auf das Virus. Im Sinne einer qualitativ hochwertigen Patientenversorgung, nicht nur in Krisenzeiten, sondern auch darüber hinaus, fordert der 124. Deutsche Ärztetag 2021 Bund und Länder dazu auf, diese leistungsstarken ambulanten Strukturen zu sichern und zukunftsfähig zu machen.
Die Coronapandemie hat die Abläufe in Haus- und Facharztpraxen oft einschneidend verändert. Der in der Coronapandemie eingeführte Schutzschirm für die Vertragsärztinnen und Vertragsärzte mit finanziellen Ausgleichszahlungen durch die Krankenkassen muss als Schutzinstrument für den Bedarfsfall dauerhaft im SGB V verankert werden. Um die Arztpraxen bei dem (auch für die Pandemiebewältigung notwendigen) Ausbau der Digitalisierung einschließlich der IT-Sicherheit zu unterstützen, sind analog dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) finanzielle Ausgleichsmechanismen für die weitere Digitalisierung des ambulanten Versorgungsbereichs zu schaffen. Zur Würdigung des herausragenden Einsatzes der Medizinischen Fachangestellten in der Pandemiebewältigung unterstützt der 124. Deutsche Ärztetag mit Nachdruck die Forderung des Verbandes medizinischer Fachberufe e. V., die Leistungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Praxen nach dem Vorbild der Pflege mit einem steuerfinanzierten Bonus zu würdigen.
Ärztlichen Nachwuchs fördern, attraktive Studienbedingungen schaffen
Die Coronapandemie zeigt deutlich auf, wie wichtig ein funktionierendes Gesundheitswesen für das gesamte gesellschaftliche Wohlergehen ist. Vor diesem Hintergrund sieht der 124. Deutsche Ärztetag 2021 den wachsenden Fachkräftemangel im deutschen Gesundheitswesen mit Sorge. So fiel der Zuwachs der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte im Statistikjahr 2020 mit einem Plus von 1,7 Prozent deutlich geringer aus als in den Vorjahren. Bei den jungen Ärztinnen und Ärzten aus dem Inland, die sich erstmalig bei einer (Landes-)Ärztekammer anmeldeten, verzeichnet die Statistik sogar einen Rückgang um 1,1 Prozent. Dem gegenüber steigt der Anteil der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte, die das 60. Lebensjahr bereits vollendet haben, kontinuierlich an. Jeder fünfte berufstätige Arzt wird bald aus dem Berufsleben ausscheiden. Diese Abgänge können mit dem gebremsten Zuwachs junger Ärztinnen und Ärzte nicht mehr kompensiert werden, zumal mit zunehmender Teilzeitquote unter Ärztinnen und Ärzten die zur Verfügung stehende Arztzeit sinkt.
In einer der ältesten Gesellschaften der Welt mit steigendem medizinischen Versorgungsbedarf ist deshalb die ärztliche Nachwuchsförderung mit guten Ausbildungsbedingungen unerlässlich.
Die Bundesländer sind gefordert, ausreichende Studienplatzkapazitäten im Fach Humanmedizin zu schaffen und diese auch nachhaltig zu finanzieren. Daneben ist eine moderne und qualitativ hochwertige Ausbildung Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche ärztliche Nachwuchsförderung. Der 124. Deutsche Ärztetag unterstützt die Zielsetzung der Bundesregierung, das Medizinstudium mit einer Reform der Ärztlichen Approbationsordnung an die sich ständig verändernden Versorgungsstrukturen, die demografische Entwicklung und die Dynamik der digitalen Möglichkeiten anzupassen. Der 124. Deutsche Ärztetag warnt aber vor einer kontraproduktiven Ausbildungsverdichtung im Medizinstudium. Die Ausbildung darf inhaltlich nicht überfrachtet werden, gegebenenfalls müssen Inhalte herausgenommen oder gekürzt werden. Im Zuge der Reform des Medizinstudiums und einer attraktiveren Ausgestaltung der Ausbildungsbedingungen ist außerdem die Verankerung einer Aufwandsentschädigung für die von den Studierenden geleistete Arbeit im Praktischen Jahr dringend erforderlich.
Um junge Ärztinnen und Ärzte nach absolvierter Facharztweiterbildung in der kurativen Medizin zu halten, sind attraktive berufliche Rahmenbedingungen in Kliniken und Praxen unerlässlich. Für den stationären Bereich fordert der 124. Deutsche Ärztetag deshalb eine patienten- und aufgabengerechte Personalausstattung sowie die Refinanzierung von Tariflohnsteigerungen nicht nur für die Pflege, sondern auch für den ärztlichen Dienst.
Um Ärzten den Schritt in die Niederlassung zu erleichtern bzw. Praxen in die Lage zu versetzen, junge Ärztinnen und Ärzte in Anstellung zu beschäftigen, sind stabile Rahmenbedingungen und deren nachhaltige Finanzierung notwendig. In einem ersten Schritt ist deshalb die extrabudgetäre Vergütung ärztlicher Grundleistungen im ambulanten Bereich zu realisieren. Ziel ist ein entbudgetiertes System mit festen sowie kostendeckenden Preisen für ärztliche Leistungen.
Interprofessionelle Zusammenarbeit stärken
Eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung erfordert ein differenziertes und abgestimmtes Zusammenwirken aller Berufsgruppen im Gesundheitswesen. Die Ärzteschaft war und ist offen für eine an den aktuellen wie zukünftigen Versorgungserfordernissen orientierte Entwicklung neuer Berufsbilder beziehungsweise eine Anpassung bestehender Gesundheitsfachberufe an die sich ändernden Anforderungen.
Ärztinnen und Ärzte wünschen verstärkt kooperative Formen der Zusammenarbeit mit anderen im Gesundheitswesen tätigen Berufsgruppen sowie das Arbeiten im Team. Innerhalb dieser Teams müssen Qualifikationen, Aufgaben- und Verantwortungsbereiche unter Berücksichtigung ärztlicher Kernkompetenzen und Vorbehaltsaufgaben klar zugewiesen und definiert sein. Unter diesen Voraussetzungen können und sollten Konzepte für einen interdisziplinären, multiprofessionellen und ganzheitlichen Behandlungs- und Betreuungsansatz entwickelt werden. Ein wesentlicher Garant für die Arbeit im Team und eine gute Patientenversorgung ist dabei die Kommunikation zwischen den Mitgliedern der beteiligten Gesundheitsberufe. Kommunikation mit Patientinnen und Patienten sowie anderen Berufsgruppen allerdings erfordert Zeit - und diese Zeit muss auch zur Verfügung stehen. Die Ärzteschaft erwartet, dass die dafür notwendigen Voraussetzungen in allen Vergütungssystemen und für alle beteiligten Berufsgruppen geschaffen werden. Ferner ist eine konsequente Nachwuchsgewinnung bei Gesundheitsfachberufen, insbesondere bei Medizinischen Fachangestellten und im Bereich der Pflege, unerlässlich.
Menschen statt Margen in der Medizin
In der Coronapandemie hat es sich als großer Vorteil erwiesen, dass Deutschland in den vergangenen Jahren - vielen anderslautenden Forderungen zum Trotz - an einer flächendeckenden Krankenhausversorgung und einer starken ambulanten hausärztlichen und fachärztlichen Versorgung festgehalten hat. Eine der wichtigsten Lehren aus der Pandemie muss es deshalb sein, diese leistungsstarken Strukturen zu erhalten und auszubauen, statt sie auszudünnen und auf reine Kosteneffizienz zu trimmen, wie es in der Vergangenheit von verschiedenen Seiten gefordert und auch betrieben worden ist.
Trotz schwieriger Rahmenbedingungen ist die Richtschnur ärztlichen Handelns immer die ärztliche Ethik auf der Grundlage des Genfer Gelöbnisses. Wenn aber Ärztinnen und Ärzte von Klinik- und Kostenträgern sowie zunehmend auch von kapitalgetriebenen Fremdinvestoren im ambulanten Bereich angehalten werden, in rein betriebswirtschaftlichen Dimensionen zu denken und nach kommerziellen Vorgaben zu handeln, geraten sie in einen für sie schwer lösbaren Zielkonflikt.
Der 124. Deutsche Ärztetag 2021 fordert deshalb von der Politik ein klares Bekenntnis gegen zunehmende Kommerzialisierung im Gesundheitswesen. Diesem Bekenntnis müssen konkrete gesetzgeberische Maßnahmen folgen. Krankenhäuser sind Einrichtungen der Daseinsvorsorge und keine Industriebetriebe, die sich ausschließlich an Rentabilitätszahlen ausrichten. Dies muss sich in einer an den tatsächlichen Bedürfnissen der Patienten orientierten Krankenhausvergütung und Planung widerspiegeln. Im ambulanten Bereich häufen sich Übernahmen von Arztpraxen und anderen Gesundheitseinrichtungen durch Fremdinvestoren, z. B. durch sogenannte Private-Equity-Gesellschaften. Aufgrund der vorwiegend renditeorientierten Motivation dieser Fremdinvestoren besteht die Gefahr, dass medizinische Entscheidungen zugunsten einer kommerziell motivierten Leistungserbringung beeinflusst werden. Zu befürchten ist ferner eine Konzentration von investorenbetriebenen medizinischen Einrichtungen vor allem in Ballungsräumen. Der 124. Deutsche Ärztetag fordert deshalb eine Begrenzung der Beteiligungsmöglichkeiten von Finanzinvestoren in der ambulanten Versorgung. Insbesondere sind die Größe und der Versorgungsumfang von medizinischen Versorgungszentren (MVZ) zu begrenzen. MVZ-Gründungen durch Krankenhäuser sind an einen fachlichen und räumlichen Bezug zum Versorgungsauftrag zu koppeln. Anträge auf Zulassung sowie auf Anstellung eines Arztes sind dann abzulehnen, wenn das MVZ eine marktbeherrschende Stellung erlangt. Gewinnabführungs- und Beherrschungsverträge mit externen Kapitalgebern sind zu unterbinden. Darüber hinaus sollten in einem Register alle MVZ aufgeführt werden, damit mehr Transparenz für Patientinnen und Patienten sowie Ärztinnen und Ärzte über die im Bereich des im SGB V agierenden Finanzinvestoren geschaffen wird.
Krise als Treiber für Digitalisierung nutzen
Ein Effekt der Pandemie betrifft die Auswirkungen auf die Fortentwicklung der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen. Während auf der einen Seite die Akzeptanz vieler digitaler Anwendungen, wie z. B. Videosprechstunden oder Telekonsile, deutlich gestiegen ist und es hier eine erfreuliche Dynamik gibt, legt die Pandemie auch die Defizite und Mängel der vergangenen Bemühungen um eine Digitalisierung im Gesundheitswesen offen.
Die Krise zeigt, wie weit einzelne Bereiche des Gesundheitswesens von einem sinnvollen, bedarfsgerechten und standardisierten Informationsfluss in den medizinischen Versorgungsprozessen entfernt sind. Die Ärzteschaft hat früh auf diese Defizite hingewiesen und sich konzeptionell für den weiteren Ausbau der digitalen Infrastruktur sowie digitaler Anwendungen in der Patientenversorgung eingesetzt. Bereits erprobte Anwendungen der Telematikinfrastruktur, wie der Notfalldatensatz und der Medikationsplan, sollten zügig in den Versorgungsalltag eingeführt werden, um den konkreten Nutzen der Telematik erfahrbar zu machen. Mit Sorge sieht der 124. Deutsche Ärztetag 2021 allerdings eine überhastete und vor allem politisch motivierte, viel zu enge Taktung weiterer Digitalisierungsschritte. Eine digitale Medizin wird nur dann auf Akzeptanz stoßen, wenn sie ihren Nutzen belegen kann, sie erprobt und praxistauglich ist und kein Qualitätsrisiko birgt. Digitalisierung muss auch einen Beitrag zur Entlastung von Ärztinnen und Ärzten von bürokratischen Tätigkeiten (z. B. Vermeidung von Mehrfacherhebung von Daten) leisten, damit die eingesparte Zeit direkt der Patientenversorgung zugutekommen kann. Um das zu gewährleisten, ist es zwingend erforderlich, neue digitale Anwendungen mit der dafür notwendigen Zeit und Genauigkeit auf ihre Praxistauglichkeit hin zu erproben. Die Ärzteschaft in Deutschland ist bereit, sich dabei weiterhin aktiv einzubringen.
Duales Krankenversicherungssystem fortentwickeln Das Gesundheitswesen hat in der Coronapandemie einmal mehr unter Beweis gestellt, dass es trotz regulatorischer Defizite allen Patientinnen und Patienten unabhängig von ihrem sozialen Status ein hohes Versorgungsniveau bietet und hochwertige Gesundheitsleistungen flächendeckend und wohnortnah erbringt. Abgesichert wird diese hohe Leistungsfähigkeit durch das duale Versicherungssystem mit den beiden Säulen gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und private Krankenversicherung (PKV). Der 124. Deutsche Ärztetag 2021 begrüßt deshalb ausdrücklich das klare Bekenntnis der von der Bundesregierung eingesetzten Wissenschaftlichen Kommission für ein modernes Vergütungssystem (KOMV) zu dem Erhalt der Vergütungssystematiken in der vertragsärztlichen Versorgung und der privatärztlichen Versorgung und damit zu dem Erhalt des dualen Krankenversicherungssystems in Deutschland. Die Preisgabe dieser bewährten Strukturen zugunsten einer von Teilen der Politik geforderten Vereinheitlichung der Versicherungssysteme löst keine Probleme, sondern schafft nur neue. Mit der Einführung der Bürgerversicherung drohen Rationierung, Wartezeiten und Begrenzungen des Leistungskataloges.
Statt das duale Krankenversicherungssystem abzuwickeln, ist eine kontinuierliche Fortentwicklung und Anpassung an die Herausforderungen der Zukunft erforderlich. Diesem Ziel dient auch eine neue, rechtssichere und an die moderne wissenschaftliche Entwicklung angepasste Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Der 124. Deutsche Ärztetag fordert, dass die Modernisierung der GOÄ auf Grundlage der dafür geleisteten Vorarbeiten von Bundesärztekammer, PKV-Verband und Beihilfe in der nächsten Legislaturperiode prioritär umgesetzt wird.
Sektorendenken und Sektorengrenzen überwinden
Die enge Zusammenarbeit von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, Kliniken, Rehazentren und anderen Gesundheitseinrichtungen in der Corona-Pandemie trägt maßgeblich zu gut abgestimmten medizinisch-pflegerischen Behandlungsabläufen
bei und beugt einer Überlastung einzelner Versorgungsbereiche vor. Häufig gehen Kooperationsprojekte und Vernetzungen zwischen Einrichtungen innerhalb und zwischen den Sektoren auf das persönliche Engagement und die Eigeninitiative der in den Einrichtungen Tätigen zurück.
Strukturell erschweren jedoch nach wie vor die sektorale Gestaltung und die zunehmende Komplexität unseres Gesundheitswesens die Koordination und Kooperation zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, Rehabilitation und Pflege. Gerade Patientinnen und Patienten mit komplexen Versorgungsbedarfen fühlen sich häufig überfordert.
Ein Gesundheitswesen, das die Bedarfe der Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt stellt, erfordert Konzepte für eine moderne sektorenverbindende Versorgungsplanung unter Berücksichtigung regionaler Strukturen sowie eine personelle und digitale Verknüpfung der Sektoren und neue interprofessionelle und intersektorale Kooperationsmodelle.
Angesichts der Herausforderungen unseres Gesundheitssystems, wie dem wachsenden Behandlungsbedarf in einer älter werdenden Gesellschaft mit einer zunehmenden Zahl multimorbider Patientinnen und Patienten, haben sich aus der Versorgung heraus, angepasst an die regionalen Erfordernisse vor Ort, bereits wegweisende Versorgungsmodelle entwickelt. Das Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V) ermöglicht schon heute unterschiedliche Formen der Berufsausübung und Zusammenarbeit. Hierzu gehört neben der integrierten Versorgung nach den §§ 140a-d SGB V insbesondere die hausarztzentrierte Versorgung gemäß § 73b SGB V, die die Koordinations- und Integrationsfunktion der Hausärztinnen und Hausärzte in enger Zusammenarbeit mit anderen Fachärztinnen und Fachärzten fördert. Darüber hinaus gibt es in Deutschland bereits über 100 Praxisnetze, in denen eine intensive fachliche Zusammenarbeit zwischen Haus- und Fachärztinnen und -ärzten sowie dem stationären Sektor erfolgt. In ländlichen und strukturschwachen Regionen wurden regionale Gesundheitszentren und überörtliche Berufsausübungsgemeinschaften gegründet, in denen die
sektorenübergreifende und interprofessionelle Versorgung für eine definierte Region gebündelt wird. Gleichzeitig gilt es, das bewährte und rechtssichere Belegarztsystem zu fördern und weiterzuentwickeln. Alle Modelle gilt es, unter ärztlicher Leitung auszubauen, weiterzuentwickeln und nachhaltig zu finanzieren.
Sowohl die von der Regierung eingesetzte Bund-Länder-AG "Sektorenübergreifende Versorgung" als auch die angekündigte Reform der Notfallversorgung wurden in der laufenden Wahlperiode nicht weitergeführt. Insbesondere eine Reform der Notfallversorgung bietet allerdings die große Chance als Blaupause und Wegbereiter für die Gestaltung und Finanzierung einer engen sektorenverbindenden Zusammenarbeit.
Pandemiemanagement optimieren
Die Erfahrungen der letzten 14 Monate haben gezeigt, dass das Pandemiemanagement sowie die Krisenreaktionsfähigkeit im Falle einer pandemischen Lage dringend optimiert werden müssen. Im Infektionsschutzgesetz sollten feste Krisenstäbe der Bundesländer unter Einbezug der Landesärztekammern mit klar definierten Aufgaben und Handlungsmöglichkeiten angelegt werden. Notwendig sind gesetzlich vorgegebene regelmäßige Übungen für alle an der Umsetzung der Pläne Beteiligten, insbesondere für die Krankenhäuser vor Ort. Ferner sind die Pandemiepläne von Bund, Ländern, Kommunen und Gesundheitseinrichtungen zu aktualisieren. Für den Ernstfall müssen Reserven für relevante Medizinprodukte, wichtige Arzneimittel und Impfstoffe angelegt werden. Notwendig sind außerdem mehr innereuropäische Produktionsstandorte für Medizinprodukte und wichtige Arzneimittel, um sich von den Weltmärkten unabhängiger zu machen. Erforderlich sind europaweit vernetzte Meldestrukturen und der effiziente Aufbau einer zentralen europäischen Koordinierungsstelle, die kurzfristig Auftragsvergabeverfahren für dringend benötigte Arzneimittel oder Schutzausrüstung durchführen und die Verteilung organisieren kann.
Für ein besseres Verständnis des Infektionsgeschehens ist eine Steigerung der Obduktionsrate unerlässlich. Darüber hinaus bedarf es mindestens einer Verbesserung der Surveillance, um zu einer genaueren Beurteilung des Pandemiegeschehens zu kommen sowie eine flexibel ausgestaltete Impfpriorisierung, die jederzeit an das Infektionsgeschehen und die Impfmöglichkeiten angepasst werden kann. Neben der Impfstoffentwicklung und -produktion ist die Förderung der Forschung an Medikamenten zur Behandlung einer Covid-19-Erkrankung durch den Bund zu intensivieren.
Der 124. Deutsche Ärztetag 2021 stellt fest, dass es im Verlauf der Pandemie nicht in ausreichendem Maße gelungen ist, besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen, insbesondere in Alten- und Pflegeheimen, vor Ansteckung zu schützen. Aus dieser Erfahrung heraus sind geeignete Konzepte zum Schutz vulnerabler Gruppen in pandemischen Lagen zu erarbeiten. Einrichtungsbezogene Pandemiepläne müssen regelmäßig an möglicherweise neue organisatorische Gegebenheiten der Einrichtungen und medizinisch-wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst werden. Neben der Fachkräftesicherung und der Nachwuchsförderung in der Altenpflege müssen die finanziellen, organisatorischen und strukturellen Voraussetzungen geschaffen werden, um Alten- und Pflegeheime im Hygiene- und Infektionskontrollmanagement zu unterstützen.
Der 124. Deutsche Ärztetag spricht sich außerdem für eine medizinisch-wissenschaftliche Evaluation aller Kollateraleffekte von Eindämmungs- und Schutzmaßnahmen im Hinblick auf den Zugang zur medizinischen Akutversorgung und zu notwendigen Vorsorgeleistungen sowie mögliche psycho-soziale Auswirkungen des Lockdowns aus. Für die weitere Krisenbewältigung und zur Vorbereitung auf zukünftige pandemische Lagen ist die Entwicklung von Handlungsstrategien zur Vermeidung derartiger Kollateraleffekte unerlässlich.
Der 124. Deutsche Ärztetag fordert die Etablierung eines ständigen multiprofessionellen Pandemierates mit medizinischer Expertise, der in die Beratungen von Bund und Ländern einzubinden ist.
Pressemitteilung
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05.05.2021 Digitaler grüner Pass?
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Ich denke, wir sind an einem Zeitpunkt angelangt, an dem Impfwillige geimpft und nicht nach Hause geschickt werden sollten, weil die Priorisierungs-gruppe vorher noch nicht völlig durchgeimpft worden ist. Und was für einen Impfstoff gilt, muss auch für alle anderen gelten. Zudem sollten auch Kinder und Jugendliche bei den Impfungen berücksichtigt werden, weil sich durch eine rasche Durchimpfung auch dieser Altersgruppen ein Sistieren der Pan-demie erreichen lässt“, so Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), in der Mai-Ausgabe des Bayerischen Ärzte-blatts.
Ziel müsse sein, eine zuverlässige, kontinuierliche, ausreichende und plan-bare Belieferung der Fach- und Hausarztpraxen mit allen zugelassenen Corona-Impfstoffen zu gewährleisten. Korrekturbedürftig sei die Regelung, dass der Impfstoff bis zur Kapazitätsgrenze an die Impfzentren ausgeliefert werde und lediglich der darüberhinausgehende Rest an die Arztpraxen.
Auch nach über einem Jahr Pandemie und nach mehr als hundert Tagen Impfkampagne habe uns Corona noch fest im Griff. Und viele fragten sich in diesem Frühjahr, wann Reisen endlich wieder möglich seien. Das Thema rief auch die EU-Kommission auf den Plan. Daher wurde ein Vorschlag über eine „Verordnung über einen Rahmen für die Ausstellung, Überprüfung und Anerkennung interoperabler Zertifikate zur Bescheinigung von Impfungen, Tests und der Genesung mit der Zielsetzung der Erleichterung der Freizügig-keit während der COVID-19-Pandemie (digitaler grüner Pass)“, herausgegeben.
Es erfüllt Quitterer jedoch mit Sorge, dass bis heute keine konkreten Ausfüh-rungen bezüglich der Ausstellung dieses digitalen grünen Passes existieren. Die Ausstellung des digitalen Impfnachweises soll in den Arztpraxen und Impfzentren auf Wunsch der Patienten erfolgen. „Es ist zu befürchten, dass hier etwas auf uns Ärztinnen und Ärzte zurollt, wenn wir mit dem digitalen Impfpass zu ‚Reisedokument-Ausstellern‘ werden.“ Dieser digitale europäi-sche Immunitätsausweis müsse für alle barrierefrei ausgestaltet sein. Seine Einführung dürfe keinesfalls mit zusätzlichem bürokratischen Aufwand für die Fach- und Hausarztpraxen verbunden sein und müsse unabhängig von der ambulanten Versorgung über die Praxissoftware ausgestaltet werden.
Mehr zu „Digitaler grüner Pass? “ lesen Sie im Leitartikel der Mai-Ausgabe 2021 des Bayerischen Ärzteblatts unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.
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04.05.2021 Magnesium-Chemie auf den Kopf gestellt
uni | mediendienst | forschung Nr. 45/2021

FAU-Forschungsteam entdeckt vollkommen neuartige Magnesium-Komplexe
Die internationale Wissenschaftsgemeinschaft ist sich einig: Die neuesten Ergebnisse eines Forschungsteams der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) stellen die komplette Magnesium-Chemie auf den Kopf. Die Forscherinnen und Forscher haben Magnesium, das in chemischen Verbindungen normalerweise zweifach positiv geladen ist, in der elementaren Oxidationsstufe Null entdeckt. Ihre bahnbrechenden Erkenntnisse veröffentlichten sie in der renommierten Fachzeitschrift Nature.
Magnesium (Mg) ist im Periodensystem der Elemente ein Metall mit niedriger Elektronegativität: Das heißt, es zieht Elektronen kaum an und verliert bei chemischen Reaktionen beide in der äußeren Schale vorhandenen Elektronen leicht. In Verbindung mit anderen Elementen kommt es in der Natur daher nur als positiv geladenes Mg2+-Kation vor. In dieser stabilsten Form findet man Mg2+ auch in verschiedenen Mineralien oder in Chlorophyll, dem Farbstoff, der Pflanzen grün macht.
Das FAU-Team um Prof. Dr. Sjoerd Harder, Lehrstuhl für Anorganische und Metallorganische Chemie, entdeckte nun erste Mg Komplexe, in denen das Metall die Oxidationsstufe Null hat. Oxidationszahlen in chemischen Verbindungen geben die Ionenladung der Atome an, das heißt hier, dass es den Forschenden sozusagen gelungen ist, elementares Mg in Komplexverbindungen zu isolieren.
Wie so oft in der Wissenschaft handelte es sich auch hierbei um eine zufällige Entdeckung: Das Forschungsteam hatte vor, Magnesium-Magnesium-Bindungen zu spalten, um Magnesium-Radikale herzustellen. Bei dieser Synthese wurde Natriummetall eingesetzt. Der Versuchsaufbau sah vor, dass Natrium ein Elektron an Magnesium abgeben sollte. Doch erstaunlicherweise gaben zwei Natrium-Atome Elektronen an Magnesium ab und es bildete sich ein zuvor noch nie beobachteter Mg(0)-Komplex. Die Mg-Zentren in diesen Komplexen tragen aufgrund von einer einzigartigen Magnesium-Natrium-Bindung formal sogar eine negative Ladung und reagieren dadurch völlig anders als gewöhnliche Mg2+-Verbindungen. Während die elektronenarmen Mg2+-Kationen Elektronen aufnehmen können, reagiert das elektronenreiche Mg(0) wie ein negativ geladenes Anion durch Elektronenabgabe.
Dieser Komplex ist in organischen Lösungsmitteln wie Toluol oder Benzol löslich und ein extrem starkes Reduktionsmittel, also ein Stoff, der Elektronen an einen anderen Stoff abgibt. Bereits leichtes Erhitzen führte in den Experimenten dazu, dass Mg(0) seine Elektronen teilweise an das positiv geladene Natrium-Kation (Na+) abgab, welches hierdurch zu elementarem Natriummetall (Na0) wurde. Dabei ist Natrium ein Metall, das normalerweise selbst eine starke Tendenz zur Abgabe von Elektronen hat. Bei dieser Reaktion entstand ein neuartiger Komplex: drei Magnesium-Atome, die sich wie Perlen auf einer Kette hintereinander aufreihen. Dieser dreikernige Magnesium-Cluster reagiert wie atomares Mg(0) und kann als das kleinste Stück Magnesiummetall angesehen werden – ein Stück Metall, das in dieser Form in organischen Lösungsmitteln löslich ist. Diese neue Klasse der Magnesium-Komplexe stellt die Magnesium-Chemie komplett auf den Kopf. Die FAU-Forschenden um Prof. Harder erwarten eine weitere ungewöhnliche Reaktivität dieses löslichen, extrem starken Reduktionsmittels.
Zur Originalpublikation:
https://dx.doi.org/10.1038/s41586-021-03401-w  
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Sjoerd Harder
Lehrstuhl für Anorganische und Metallorganische Chemie
Tel.: 09131/85-27350
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04.05.2021 Jetzt die richtigen Lehren aus der Pandemie ziehen
Pressemedlung der Bayerischen Landesärztekammer

„Das Gesundheitswesen in Deutschland ist in der Corona-Pandemie enorm belastet. Es war aber zu keinem Zeitpunkt überlastet. Eine der wichtigsten Lehren aus der Pandemie muss deshalb sein, leistungsstarke Strukturen unseres Gesundheitswesens zu sichern, statt sie auszudünnen und auf reine Kosteneffizienz zu trimmen.“ Das forderte Bundesärztekammerpräsident Dr. Klaus Reinhardt zum Auftakt des 124. Deutschen Ärztetages, der heute und morgen coronabedingt als reine Onlineveranstaltung stattfindet.
Die vergangenen Monate hätten aber auch Defizite in der Organisation des Gesundheitswesens gezeigt. Der Bundesärztekammerpräsident forderte eine strukturell und personell bessere Ausstattung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. „Es ist dem großen persönlichen Engagement der Mitarbeiter zu verdanken, dass die Gesundheitsämter trotz unzureichender personeller und technischer Ausstattung ihren vielfältigen Aufgaben in dieser Krise weitgehend nachkommen konnten“, so Reinhardt. Neben einer modernen technischen Ausstattung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, etwa zur effizienteren Kontaktnachverfolgung und zur besseren Koordination der Ämter untereinander sowie mit Praxen und Kliniken, werde dringend mehr Personal gebraucht. „Dafür ist eine tariflich gesicherte, arztspezifische Vergütung für die Ärztinnen und Ärzte in den Gesundheitsämtern grundlegend.“
Notwendig seien darüber hinaus eine bundesweit abgestimmte Klinikplanung und mehr länderübergreifende Kooperationen. „Wir müssen den steigenden Personalbedarf sowie Reservekapazitäten für Notfälle viel stärker als bisher in der Krankenhausplanung und bei der Krankenhausfinanzierung berücksichtigen“, erklärte der BÄK-Präsident.

Nachholbedarf diagnostizierte Reinhardt auch bei der Digitalisierung. So sei in den letzten Monaten das Potenzial von Telemedizin und Videosprechstunden als Ergänzung zu herkömmlichen Versorgungsformen deutlich geworden. „Die Pandemie hat aber auch gezeigt, wie weit einzelne Bereiche des Gesundheitswesens von einem sinnvollen, bedarfsgerechten und standardisierten Informationsfluss in den medizinischen Versorgungsprozessen entfernt sind“, so Reinhardt. Er warnte gleichzeitig vor einer Digitalisierung als reinem Selbstzweck. Sie müsse sich in erster Linie an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten orientieren.
Nachdem das Bundesverfassungsgericht im vergangenen Jahr das gesetzliche Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe in Deutschland für verfassungswidrig erklärt hatte, wird sich der Deutsche Ärztetag außerdem intensiv mit der Suizidbeihilfe in Deutschland befassen. „Auf diesem Ärztetag werden wir die berufsrechtlichen Implikationen des Urteils eingehend erörtern und darüber diskutieren, ob und wenn ja wie wir unsere Berufsordnung an dieser Stelle anpassen müssen.“ Vor dem Hintergrund der aktuellen parlamentarischen Beratungen über ein Sterbehilfegesetz wies Reinhardt darauf hin, dass das Bundesverfassungsgericht zwar das Verbot der geschäftsmäßigen Suizidbeihilfe gekippt, gleichzeitig aber auf Schutzkonzepte und Sicherungsmechanismen hingewiesen habe. „Wir müssen selbsternannten Sterbehelfern und Sterbehilfeorganisationen Grenzen setzen. Deshalb ist es gut, dass der Bundestag in die Debatte über dieses wichtige Thema eingestiegen ist.“

29.04.2021 Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
uni | mediendienst | forschung Nr. 43/2021

Zusammenhang von FAU-Forschungsteam entdeckt

Das Forschungsteam der Molekularen Neurologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Schädigung des Kleinhirns und Gleichgewichts- sowie Gangstörungen beim atypischen Parkinson-Syndrom aufgezeigt. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachjournal Acta Neuopathologica Communications veröffentlicht.

Wer am atypischen Parkinson erkrankt ist, leidet neben den klassischen Symptomen wie Muskelsteifheit und Zittern noch an weiteren Symptomen, die bisher unheilbar und nur begrenzt symptomatisch behandelbar sind. Betroffene leiden vor allem unter schweren Gleichgewichts- und Gangstörungen sowie niedrigem Blutdruck, Inkontinenz und Verstopfung.

Ein FAU-Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Jürgen Winkler, Molekular-Neurologische Abteilung in der Neurologischen Klinik, und Prof. Dr. Stephan von Hörsten, Professur für Experimentelle Biomedizin, haben zusammen mit einem Team der Universität Regensburg einen wichtigen Zusammenhang aufgezeigt: Sie stellten fest, dass beim atypischen Parkinson ein instabiler Gang mit speziellen Nervenzellverlusten im Kleinhirn assoziiert ist. Außerdem entdeckten sie, dass bestimmte Gangmuster mit der Schwere der Erkrankung einhergehen und somit zur Vorhersage des Krankheitsverlaufs geeignet sind. Das Wissen könnte zukünftig eingesetzt werden, um neue Therapieansätze zu testen.

Zur Originalpublikation:
DOI: 10.1186/s40478-021-01166-x
Human alpha-synuclein overexpressing MBP29 mice mimic functional and structural hallmarks of the cerebellar subtype of multiple system atrophy.

Weitere Informationen:
Lisa Mészáros, 09131/85-35881, lisa.meszaros@uk-erlangen.de
Dr. Alana Hoffmann, 09131/85-35881, alana.hoffmann@uk-erlangen.de
Prof. Dr. Jürgen Winkler, 09131/85-39323, juergen.winkler@uk-erlangen.de


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28.04.2021 Mithilfe von künstlicher Intelligenz Antigene entwickeln
uni | mediendienst | forschung Nr. 41/2021

270.000 Euro Förderung für Forschungsprojekt über verbesserte Immunabwehr

Als Immunzellen schützen T-Zellen den menschlichen Organismus vor Infektionen und Krebserkrankungen. Ein Proteinkomplex, der auf ihrer Zelloberfläche verankert ist, der sogenannte T-Zell-Rezeptor, sorgt dafür, dass die T-Zelle vor allem körperfremden Antigenen zugewiesen wird und so in der Regel Autoimmunreaktionen verhindert werden. Da der menschliche Körper Milliarden unterschiedlicher TZRs beherbergt, ist die Zuordnung des richtigen T-Zell-Rezeptors und seines spezifischen Antigens für Wissenschaftler eine große Herausforderung. Unter der Leitung von Dr. Kilian Schober will eine Forschergruppe am Mikrobiologischen Institut – Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene (Direktor: Prof. Dr. Christian Bogdan) des Universitätsklinikums Erlangen jetzt die Heterogenität der T-Zell-Rezeptoren entschlüsseln. Dazu kartografieren die Mikrobiologen mithilfe von künstlicher Intelligenz T-Zell-Populationen, die nach einer Impfung gegen das Gelbfiebervirus entstehen. Die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung wird das Forschungsprojekt mit einer Fördersumme in Höhe von 270.000 Euro über einen Zeitraum von drei Jahren unterstützen.

Dr. Schober: „Wir wollen verstehen, wie mithilfe des TZRs über die jeweilige Bestimmung der T-Zellen entschieden wird und auf Basis dieser Ergebnisse genetisch entwickelte therapeutische T-Zellen mit ausgewählten T-Zell-Rezeptoren herstellen.“ Dazu kombinieren der Wissenschaftler und sein Team die Untersuchungsergebnisse einer Studie von Gelbfieberimpflingen mit künstlicher Intelligenz, um zu prognostizieren, welches Ziel ein T-Zell-Rezeptor erkennen wird. „Mithilfe von künstlicher Intelligenz wollen wir die therapeutisch attraktiven T-Zell-Rezeptoren und ihre Ziele identifizieren. Ziel ist es, Impfungen sowie die Therapie von Erkrankungen, bei denen T-Zellen eine maßgebliche Rolle spielen, durch die neuen Erkenntnisse nachhaltig zu verbessern“, erläutert der Mikrobiologe.

Gelbfieber als Modell für T-Zell-Immunität
Gelbfieber ist eine tropische Viruserkrankung, die durch Stechmücken übertragen wird. Die Gelbfieberimpfung löst eine hochwirksame und sehr langlebige Immunität aus, die maßgeblich von T-Zellen getragen wird. Die Impfung bietet sich deshalb als aussagekräftiges Modell für die systematische Untersuchung einer entstehenden T-Zell-Immunität des Menschen an, weil die Impflinge in Deutschland zuvor so gut wie gar keinen Kontakt mit dem Gelbfiebervirus hatten.

Bedeutung der T-Zellen
T-Zellen entstehen zunächst als Blutzellen im Knochenmark und entwickeln sich erst in der Thymusdrüse zu Immunzellen. Die Drüse befindet sich in der Mitte des Brustbeins und stellt einen wichtigen Teil des menschlichen Immunsystems dar. Mithilfe des T-Zell-Rezeptors erkennen T-Zellen körperfremde Strukturen, wenn diese auf einer körpereigenen Zelle präsentiert werden und werden dadurch zur Immunabwehr aktiviert. Damit sie keine körpereigenen Antigene erkennen und so Autoimmunkrankheiten auslösen, durchlaufen T-Zellen eine negative Selektion, in der die fehlgesteuerten Zellen vernichtet werden.

Else Kröner-Fresenius-Stiftung
Unter der Leitlinie „Forschung fördern. Menschen helfen“ wurde die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung im Jahr 1983 von der Unternehmerin Else Kröner, geborene Fernau, gegründet und zu ihrer Alleinerbin eingesetzt. Die gemeinnützige Stiftung widmet sich der Förderung medizinischer Forschung und unterstützt medizinisch-humanitäre Projekte. Nähere Informationen zur Stiftung auf der Website unter www.ekfs.de

Weitere Informationen:
Dr. Kilian Schober
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27.04.2021 Neuer Therapieansatz bei Colitis ulcerosa erstmals angewendet
uni | mediendienst | forschung Nr. 40/2021

Weltweit erster Patient im Uni-Klinikum Erlangen behandelt
Der gesamte Darm ist mit einer Oberfläche von knapp 400 Quadratmetern und acht Metern Länge unser größtes Immunorgan. Hier befindet sich ein Gleichgewicht zwischen entzündungsfördernden und -hemmenden Faktoren. Reagiert die körpereigene Abwehr allerdings über, führt das zu Entzündungen, die nicht mehr abklingen – so wie bei Colitis ulcerosa. Die chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED), die hauptsächlich den Dickdarm betrifft, kommt weltweit immer häufiger vor. Betroffene leiden an anhaltenden blutigen Durchfällen und krampfartigen Bauchschmerzen, die die Lebensqualität oft stark beeinträchtigen. Einer von ihnen ist Tim Klaenfoth. Die Beschwerden des heute 22-Jährigen begannen schon 2015, doch auch unzählige Behandlungsversuche mit verschiedenen Therapeutika brachten keine anhaltende Besserung. Tim Klaenfoth setzte deshalb seine ganze Hoffnung in eine neuartige Therapie, die er jetzt als weltweit erster Colitis-ulcerosa-Patient im Deutschen Zentrum Immuntherapie (DZI) am Universitätsklinikum Erlangen im Rahmen einer durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderten Studie verabreicht bekam: Körpereigene regulatorische T-Helferzellen (Treg) sollen das Gleichgewicht in seinem Darm wiederherstellen und so die chronische Entzündung abklingen lassen.

Bei Tim Klaenfoth fing es mit Magen-Darm-Beschwerden und Durchfällen an. Nach einer Darmspiegelung stellte ein Gastroenterologe bei dem damals 16-Jährigen die Diagnose Colitis ulcerosa. Tim Klaenfoth ging es nach und nach immer schlechter, bei 1,80 Meter Körpergröße wog der Jugendliche bald nur noch 57 Kilogramm. „Ich war schwach und konnte kaum aufstehen. Irgendwann bin ich dann in die Notaufnahme gegangen“, erinnert sich Tim Klaenfoth. Er wurde stationär behandelt und bekam Medikamente zur Eindämmung der Symptome. „Ich dachte damals, mein Leben wäre vorbei. Im ersten Jahr konnte ich meine Erkrankung nur schwer akzeptieren“, schildert der junge Mann seine damalige Situation. Verschiedenste Behandlungsmethoden brachten nicht den gewünschten Erfolg. Die Symptome besserten sich nicht oder kamen bald vollständig zurück. „2016 hatte ich dann genug von den vielen Behandlungen und ich brach die Therapie ab. Daraufhin war ich sogar ein Jahr lang symptomfrei. Aber danach kamen die Beschwerden wieder und ich ließ mich an der Charité behandeln“, sagt Tim Klaenfoth. Die Berliner Ärzte machten den jungen Mann dann auf ein Verbundprojekt zwischen der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Uni-Klinikum Erlangen aufmerksam, da er alle bislang zur Verfügung stehenden Therapieoptionen ausgeschöpft hatte. Für die vielversprechende experimentelle Therapie nahm Tim Klaenfoth die über 400 Kilometer lange Anreise in die Hugenottenstadt gern in Kauf.

Balanceakt der T-Zellen
„Im gesunden menschlichen Körper besteht ein Gleichgewicht zwischen entzündungsfördernden T-Zellen, den sogenannten Effektor-T-Zellen, und entzündungshemmenden regulatorischen T-Zellen, den Treg“, erklärt Prof. Dr. Raja Atreya, Leiter des Schwerpunkts CED sowie Oberarzt der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof Dr. Markus F. Neurath) und des DZI am Uni-Klinikum Erlangen. Treg sind eine spezialisierte Untergruppe von T-Zellen mit stark entzündungshemmenden Eigenschaften. Sie haben die Funktion, die Aktivierung des Immunsystems in bestimmten Situationen zu unterdrücken, und verhindern dadurch eine Entzündungsreaktion. „Es konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass bei Patienten mit Colitis ulcerosa das Gleichgewicht zwischen Effektor-T-Zellen und regulatorischen T-Zellen gestört ist“, so Prof. Atreya. „Die Treg sind dabei nicht in ausreichender Konzentration vorhanden und die entzündungsfördernden T-Zellen somit in der Überzahl.“

Körpereigene T-Zellen gewinnen und zurückführen
Der Ansatz der Erlanger Wissenschaftler: Aus dem Blut des Patienten werden mittels Leukapherese, also der Blutzelltrennung, zuerst körpereigene regulatorische T-Zellen gewonnen und diese anschließend im Reinraumlabor vermehrt. Die körpereigenen Treg werden dem Patienten anschließend als einmalige Infusion wieder zurückgegeben. PD Dr. Bosch-Voskens, Oberärztin der Hautklinik (Direktorin: Prof. Dr. Carola Berking) des Uni-Klinikums Erlangen, erklärt: „So wollen wir das natürliche Gleichgewicht der verschiedenen T-Zellen im Darm wiederherstellen und die entzündlichen Veränderungen der Darmschleimhaut damit zum Abheilen bringen. Im Tiermodell hat sich bereits gezeigt, dass der therapeutische Einsatz von Treg einen heilenden Effekt hat. Wir sind deshalb äußerst zuversichtlich, dass dieser Ansatz auch bei Herrn Klaenfoth ein positives Ergebnis bringen wird.“ Im DZI besteht für Patienten wie Tim Klaenfoth die besondere Möglichkeit, im Rahmen von Studien eine neue Behandlungsoption wahrzunehmen, die andernorts noch nicht zur Verfügung steht. Die Treg-Studie im Sonderforschungsbereich Transregio 241 wurde in Kooperation mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin konzipiert und wird von Dr. Bosch-Voskens und Prof. Atreya unter der Leitung von Prof. Dr. Markus F. Neurath durchgeführt.

Weltweit erster behandelter Colitis-ulcerosa-Patient
Tim Klaenfoth ist der weltweit erste Patient mit Colitis ulcerosa, der die Treg-Therapie erhalten hat. Nach nur etwa 30 Minuten hatte der 22-Jährige die Infusion der aufbereiteten Zellen hinter sich. Im Anschluss wurden Tim Klaenfoths Temperatur und Blutdruck regelmäßig kontrolliert: zuerst jede Viertelstunde, danach jede Stunde und später alle drei Stunden – auch nachts. „Die Infusion an sich habe ich vertragen. Durch die ständige Überwachung bin ich etwas müde“, berichtet Tim Klaenfoth. Ansonsten gehe es ihm gut. Hinter dem Präparat steckt jedoch jahrelange Forschung. Seit 2012 arbeiteten die Erlanger Wissenschaftler der Medizin 1 und der Hautklinik daran, ein Produkt aus körpereigenen regulatorischen T-Zellen in der benötigten Qualität und Menge herzustellen, das die Entzündungsreaktion bei Colitis ulcerosa zurückgehen lässt. Das Ziel der aktuell laufenden Phase-I-Studie ist es, die Verträglichkeit und Sicherheit der Infusion von körpereigenen regulatorischen T-Zellen für Patienten mit Colitis ulcerosa nachzuweisen. Die Erlanger Forscher erwarten sich außerdem eine Aussage darüber, ob die Tregs tatsächlich in den Darm einwandern und dort die aktive Entzündung der Darmschleimhaut hemmen. So wollen sie es künftig ermöglichen, mehr Colitis-ulcerosa-Patienten eine wirksame Therapie anbieten zu können.

„Weltweit wurden bisher ca. 160 Patientenfälle veröffentlicht, die eine ähnliche Infusion mit regulatorischen T-Zellen erhalten haben. Der Einsatz bei Colitis ulcerosa wurde bislang noch nicht erprobt. Wir sind daher sehr stolz, diesen Therapieansatz nun bei uns in Erlagen weltweit zum ersten Mal durchzuführen“, freut sich Prof. Neurath. Bei Tim Klaenfoths nächstem Besuch am Uni-Klinikum Erlangen wird sich nach der geplanten Darmspiegelung dann zeigen, ob die Entzündung zurückgegangen ist und die Therapie erfolgreich war. „Meine Lebensqualität würde sich dadurch mindestens verdoppeln. Ich möchte mich endlich wieder frei bewegen können“, sagt Tim Klaenfoth. Damit stünde seinem erfolgreichen Studienabschluss in Schweden nichts mehr im Weg und sein Traum von einem Auslandsaufenthalt in Japan käme ein ganzes Stück näher.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Raja Atreya
Tel.: 09131/85-35194
raja.atreya@uk-erlangen.de

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22.04.2021 Auch gemäßigte Bewegung hält gesund
uni | mediendienst | forschung Nr. 38/2021

Erlanger Sportwissenschaftler belegt mit aktueller Studie die hohe Wirksamkeit von moderatintensivem Intervalltraining (MIIT)
Körperliche Aktivität tut mehr als gut: Wer sich regelmäßig bewegt, unterstützt seine Gesundheit und minimiert nachweislich das Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen. Weil viele Menschen im Alltag nicht genügend Zeit für Ausdauersport haben, gewinnen effiziente Sportprogramme, wie zum Beispiel das hochintensive Intervalltraining – kurz HIIT – zunehmend an Bedeutung. „Das HIIT ist eine spezielle Form des Ausdauertrainings, bei der sich kurze, intensive Belastungsphasen und Erholungsphasen abwechseln“, erläutert Dr. Dejan Reljic, Leiter des Bereichs Sportwissenschaft und Leistungsphysiologie am Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport des Universitätsklinikums Erlangen. „Studien mit stark adipösen Patienten zeigen, dass sich dank eines HIITs zum Beispiel die Herz-Kreislauf-Leistung, der Blutdruck oder der Körperfettanteil verbessern“, berichtet Dr. Reljic. Der Sportwissenschaftler entwickelte deshalb ein extrem effizientes HIIT-Programm mit einer Dauer von zweimal 14 Minuten pro Woche, das am Hector-Center des Uni-Klinikums Erlangen erfolgreich bei verschiedenen Patientengruppen eingesetzt wird. Mit einer aktuellen Vergleichsstudie belegt Dr. Reljic jetzt erstmals, dass nicht nur ein HIIT, sondern auch ein moderatintensives Intervalltraining (MIIT), die Gesundheitswerte von adipösen Patienten signifikant verbessert: „Das bedeutet, dass das Intervalltraining selbst dann einen gesundheitlichen Nutzen hat, wenn es lediglich mit moderater Intensität durchgeführt wird“, sagt der Sportwissenschaftler.
„Intervalltrainings sind deshalb attraktiv, weil dabei mit einem überschaubaren Zeitaufwand gesundheitsprotektive Effekte zu erzielen sind“, betont Dejan Reljic. „Bereits nach wenigen Wochen konnten wir bei adipösen Patienten dank des HIIT-Trainings in Kombination mit angepasster Ernährung neben einer Gewichtsreduktion auch klinisch signifikante Verbesserungen des kardiometabolischen Risikoprofils beobachten“, berichtet Prof. Dr. Yurdagül Zopf, Leiterin des Hector-Centers und Sprecherin des Adipositaszentrums des Uni-Klinikums Erlangen. „Diese Verbesserungen sind teilweise sogar vergleichbar mit solchen einer medikamentösen Therapie.“
MIIT – Vergleichsstudie mit moderater Belastungsfrequenz
„Die in einem HIIT enthaltenen kurzen, hochintensiven Belastungsphasen mit mehr als 80 Prozent der maximalen Herzfrequenz sind auch von untrainierten Patienten grundsätzlich gut zu bewältigen“, erklärt Dr. Reljic. „Es gibt insgesamt nur wenige Kontraindikationen, bei denen ein solches Training nicht möglich ist.“ Dennoch untersuchte der Sportwissenschaftler jetzt in einer aktuellen Vergleichsstudie, ob das extrem zeiteffiziente HIIT-Programm auch bei einer geringeren Belastungsintensität immer noch gesundheitsförderliche Effekte erzeugen kann. Hierfür wurden insgesamt 117 adipöse Patienten mit metabolischem Syndrom entweder dem HIIT (Intervalle mit einer Belastung von mehr als 80 Prozent der maximalen Herzfrequenz) oder einem MIIT (Intervalle mit einer Belastung von weniger als 80 Prozent der maximalen Herzfrequenz) oder aber einer Kontrollgruppe ohne jegliches Training zugeteilt. Alle Studienteilnehmer erhielten zudem eine Ernährungsberatung zur Unterstützung der Gewichtsreduktion. Nach der zwölfwöchigen Trainingsphase verbesserten die Teilnehmer der HIIT-Gruppe ihre Herz-Kreislauf-Leistung und kardiometabolischen Risikomarker erwartungsgemäß am stärksten. Allerdings zeigte sich auch bei der MIIT-Gruppe eine signifikante Verbesserung der Leistungsfähigkeit und des kardiometabolischen Risikoprofils. Die Teilnehmer der Kontrollgruppe ohne jegliches Intervalltraining konnten hingegen lediglich ihr Gewicht reduzieren.
MIIT als Vorbereitung für HIIT
„Wenn keine Kontraindikationen bestehen, empfehlen wir unseren Patienten die intensivere Variante HIIT, da diese effektiver ist. In jedem Fall sollte neben einer Ernährungsumstellung mit Reduktion der Kalorienzufuhr auch eine verstärkte körperliche Aktivität angestrebt werden, um das kardiometabolische Risikoprofil optimal zu verbessern“, betont Dr. Reljic. „Für Personen, die ein HIIT noch nicht umsetzen oder sich nicht für ein intensiveres Training motivieren können, kann MIIT eine gute Alternative oder eine vorbereitende Trainingsmodalität darstellen“, resümiert der Sportwissenschaftler.
Link zur Studie: https://www.nature.com/articles/s41598-021-82372-4  
Weitere Informationen:
Dr. Dejan Reljic
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21.04.2021 Nasenspray gegen COVID-19
uni | mediendienst | forschung Nr. 36/202

Erste Studienergebnisse zu einem Wirkstoff aus der Rotalge sind laut Erlanger Virologen vielversprechend
Nasenspray mit Iota-Carragelose – einem natürlichen Wirkstoff aus der Rotalge – könnte vor SARS-CoV-2-Infektionen schützen. Darauf weisen erste Ergebnisse aus Studien mit Krankenhauspersonal hin. Mehrere Laboruntersuchungen belegten in Zellversuchen bereits die Wirkung von Carragelose gegen das Coronavirus. Vor diesem Hintergrund könnte das spezielle Nasenspray die allgemeinen Schutzmaßnahmen gegen SARS-CoV-2 unterstützen und Infektionen vorbeugen.
Risikoreduktion um 80 Prozent
Carragelose wird aus Rotalgen gewonnen. Der natürliche Wirkstoff bildet einen Schutzfilm als physikalische Barriere und verhindert so, dass Viren die Schleimhaut infizieren, ihre Erbinformation in die Schleimhautzellen einschleusen und sich dort vermehren und ausbreiten. Dieser Mechanismus funktioniert bei vielen Erkältungsviren und – neuesten Erkenntnissen zufolge – auch beim Coronavirus SARS-CoV-2. „Ein Carragelose-haltiges Nasenspray bewirkt eine 80-prozentige relative Risikoreduktion für eine Infektion mit SARS-CoV-2“, sagt Prof. Dr. Ulrich Schubert, Forscher am Virologischen Institut – Klinische und Molekulare Virologie (Direktor: Prof. Dr. Klaus Überla) des Universitätsklinikums Erlangen.
Diese Erkenntnis stammt aus einer argentinischen Studie mit fast 400 Teilnehmern, die täglich direkten Kontakt zu COVID-19-Erkrankten hatten. Die gleichmäßig auf zwei Gruppen aufgeteilten Probanden verwendeten drei Wochen lang entweder viermal täglich das Carragelose-Nasenspray oder ein Placebo. Das Nasenspray erwies sich, wie in allen bisherigen klinischen Studien mit Erkältungsviren, als sicher und gut verträglich. Untersuchungen im Labor belegten die antivirale Wirkung von Carragelose gegen SARS-CoV-2 in verschiedenen humanen Zellsystemen. Prof. Schubert erklärt: „Zusammen mit der klinischen Untersuchung bilden die Laborbefunde die Basis für eine solide wissenschaftliche Begründung, dass Carragelose eine deutliche Wirkung gegen SARS-CoV-2 hat.“
Drei weitere klinische Studien zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Carragelose-Nasenspray, -Inhalationslösung und -Lutschpastillen in Bezug auf die Vorbeugung und Therapie von SARS-CoV-2-Infektionen sind bereits angelaufen. An diesen ist die Virologie des Uni-Klinikums Erlangen direkt beteiligt. Prof. Schubert und seine Forschungsgruppe kooperieren dabei mit der österreichischen Marinomed Biotech AG. „Im Rahmen der Studien untersuchen wir Proben von Probanden, die Carragelose-Produkte angewendet haben, auf antivirale Effekte der Carragelose gegen SARS-CoV-2. Ziel ist es, die klinische Forschung am Patienten mit unserem Wissen und unseren Möglichkeiten zu unterstützen“, erklärt Prof. Schubert.  
Möglichkeiten zur Prävention ausschöpfen
Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene empfiehlt dem Klinikpersonal auf COVID-19-Stationen schon seit Dezember 2020 die Verwendung von Carragelose-Nasensprays. „Aber auch die Allgemeinbevölkerung kann damit ihre persönlichen Schutzmaßnahmen zur Vorbeugung erweitern“, sagt Ulrich Schubert. „Angesichts der In-vitro-Daten bin ich davon überzeugt, dass der breite Einsatz von Carragelose-Sprays gerechtfertigt ist und einen Nutzen haben kann. Zum einen wirkt Carragelose praktisch nebenwirkungsfrei gegen SARS-CoV-2, zum anderen schützt sie auch gegen verschiedene Erkältungsviren, wofür es umfangreiche Belege aus dem Labor und aus klinischen Studien gibt. Jede verhinderte oder verkürzte Erkältung reduziert insgesamt die Belastung unseres Gesundheitssystems, das jede Entlastung gebrauchen kann“, erklärt der Virologe.
Carragelose gegen SARS-CoV-2-Virusvarianten
Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO und dem European Centre for Disease Prevention and Control ECDC breiten sich mutierte Virusvarianten weltweit mit großer Dynamik aus. Die sogenannte britische Mutante B.1.1.7, die südafrikanische Variante B.1.351 und die brasilianische Variante P.1(20J/501Y.V3) stehen dabei unter besonderer Beobachtung. „Carragelose ist ein Polymer, das das Virus durch eine elektrostatische Wechselwirkung umhüllt und es dabei neutralisiert. Deshalb sollte es für die Wirksamkeit auch keinen Unterschied machen, welche Virusvariante vorliegt“, erklärt Ulrich Schubert. „Gerade angesichts der Mutationen, die sich aktuell immer rasanter ausbreiten, halten wir die Carragelose für eine echte Option in der Bekämpfung der Pandemie.“
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Ulrich Schubert
Tel.: 09131 85-26478/-43666
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20.04.2021 Save the Date - Deutscher Ärztetag online am 04. und 05. Mai 2021
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

20.04.2021 Wie sich die Pandemie auf Integration und Migration auswirkt
uni | mediendienst | forschung Nr. 35/2021

FAU-Forschungsteam entwickelt Szenarien für 2030 

Welche Folgen könnte die Pandemie bis 2030 auf das Einwanderungsland Deutschland haben? Ein Forschungsprojekt der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat das untersucht und Szenarien für die Zukunft mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen entwickelt.

Das COVID-19-Virus hat Auswirkungen auf nahezu alle Lebensbereiche gezeitigt. Kaum jedoch wurde beleuchtet, welche Folgen die Pandemie auf Migration und Integration hat. Wie wirkt sich Corona derzeit auf die Integration von Zugewanderten in den Bereichen Gesundheit, Wohnen, Bildung und Arbeit aus? Was wissen wir über seine Auswirkungen auf Diskriminierung und Rassismus? Wie können Gesellschaft und Politik im Einwanderungsland Deutschland bis 2030 von der Pandemie und ihren Folgen beeinflusst werden?
Die von der Stiftung Mercator geförderte Studie „Auswirkungen und Szenarien für Migration und Integration während und nach der Covid-19 Pandemie“ der FAU ist diesen Fragen nachgegangen. Mittels einer umfassenden Desktop-Recherche und der Technik des Scenario-Buildings, eines probaten Mittels in Fällen großer Unsicherheit und mangelhafter Datenlage, wurden kurz- und mittelfristige Auswirkungen der Pandemie von einem interdisziplinären Forschungsteam aus ganz Deutschland analysiert. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen vor allem drei mögliche Szenarien, auf die sich Gesellschaft, Wirtschaft und Politik einstellen sollten:

Die Exklusionsgesellschaft: „Germans First“
Nach diesem Szenario führt Covid-19 zu einer Gesellschaft, in der Menschenrechte hintangestellt werden und rassistisch-nationalistische Haltungen hingegen die Politik dominieren. Für die Migrationspolitik spielt Solidarität kaum noch eine Rolle, sie wäre vor allem sicherheitsfixiert und würde Minderheiten ausschließen. Diversität würde unterdrückt, Assimilation statt Integration und Inklusion einseitig von den Eingewanderten erwartet. Die Politik würde eine rassistische Ungleichbehandlung, also eine Segregation, in den Bereichen Gesundheit, Wohnen und Arbeit billigend in Kauf nehmen.

Die utilitaristische Gesellschaft: Deutschlands „neue Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter“
Auch in diesem Szenario spielen Menschenrechte eine untergeordnete Rolle. Da allerdings die Wirtschaft weiterhin auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen ist, würde an einer selektiven Migrationspolitik mit überwiegend kurzfristig angeworbenen Arbeitsmigrantinnen und -migranten festgehalten. Selbst bei Geflüchteten würde nach erwünschten Arbeitskräften sortiert. Kurzum: Deutschland hätte wieder „Gastarbeiterinnen und -arbeiter“. Integration würde höchstens für berufsspezifische Zwecke gefördert.

Die teilhabeorientierte Gesellschaft: „Stärker als Viren“
In diesem Fall erhöht die COVID-19-Pandemie bis 2030 das Bewusstsein dafür, dass Migrantinnen und Migranten in vielen Bereichen systemrelevant sind. Die Corona-Krise hätte ihre Benachteiligungen stärker sichtbar gemacht, mit dem Ziel, diese von nun an abzubauen. Eine progressive Mehrheit würde die Bundespolitik bestimmen. Migrationspolitik wäre zwar weiterhin selektiv, aber nicht nur nach ökonomischen Überlegungen reguliert. Anstelle von Integration der Eingewanderten wäre gesellschaftlicher Zusammenhalt aller in der Diversitätsgesellschaft Deutschland das Ziel.

„Gerade in der Pandemie hat sich gezeigt, wie wichtig Zuwanderung für den Gesundheitsbereich ist. Deutschland und Europa hätten ohne den Beitrag von Migrantinnen und Migranten die Krise bei Weitem schlechter geschultert“, kommentiert die Projektleiterin, Prof. Dr. Petra Bendel, Leiterin des Forschungsbereichs Migration, Flucht und Integration am Institut für Politische Wissenschaft der FAU. „Bisher errungene Fortschritte in der Integrationspolitik stehen auf dem Spiel, wenn wir Kenntnisse und Ressourcen aus der Integration abziehen.“

„Die Coronakrise verstärkt bestehende Trends in Wirtschaft und Gesellschaft und legt soziale und gesellschaftliche Defizite offen. Es ist wichtig, dass wir durch Covid-19 in der Integration nicht hinter bereits erreichte Meilensteine zurückfallen,“ sagt Christiane von Websky, Leiterin des Bereichs Teilhabe und Zusammenhalt der Stiftung Mercator. „Ziel unserer Stiftung ist es, den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu stärken und diese Studie leistet einen Beitrag dazu, indem sie politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger mögliche Entwicklungen aufzeigt und Handlungsempfehlungen mit auf den Weg gibt.“

Ausführliche Informationen zur Studie sowie zum Projekt:
www.covid-integration.fau.de

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Petra Bendel
Forschungsbereich Migration, Flucht und Integration
Tel.: 09131/85-22368
petra.bendel@fau.de

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12.04.2021Krebsmedikamente besser anwenden
uni | mediendienst | forschung Nr. 30/2021

AMBORA-Studie zeigt, dass Krebspatienten bei der Behandlung mit oralen Antitumor-Wirkstoffen von engmaschiger Therapiebegleitung profitieren
Bei der modernen Tumortherapie kommen immer häufiger orale Krebsmedikamente zum Einsatz – also Wirkstoffe, die der Patient als Tablette oder Kapsel selbstständig einnimmt. Bei dieser Behandlungsform hängt der Erfolg u. a. stark von der Einnahmetreue des Patienten und seinem Wissen über die Therapie ab. Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, Nahrungsmitteln oder rezeptfreien Arzneimitteln können den Therapieerfolg gefährden. Eine Arbeitsgruppe aus Medizinern und Pharmazeuten des Universitätsklinikums Erlangen sowie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) konnte nun zeigen: Die Sicherheit von Krebspatienten, ihr Befinden und ihr Wissen über die Behandlung verbessern sich dank der intensiven Begleitung und Beratung durch Klinische Pharmakologen/Pharmazeuten erheblich. Das Forschungsteam veröffentlichte die Ergebnisse ihres Forschungsprojekts AMBORA (Arzneimitteltherapiesicherheit bei der Behandlung mit neuen oralen Antitumor-Wirkstoffen) jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Journal of Clinical Oncology“.
Beratung ist das A und O
Um Nebenwirkungen, die bei der Einnahme von oralen Antitumor-Medikamenten auftreten können, zu erkennen, zu vermeiden und zu behandeln, und damit die Einnahmehinweise vom Patienten umgesetzt werden können, ist eine umfassende Beratung besonders wichtig. Die in enger Zusammenarbeit mit dem Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN durchgeführte AMBORA-Studie hat in den vergangenen drei Jahren untersucht, wie sich eine strukturierte, intensive klinisch-pharmazeutische/pharmakologische Therapiebegleitung auf die Patientensicherheit, das Patientenwissen und das Patientenbefinden auswirkt. Dazu erhielten die Forscher finanzielle Unterstützung von der Stiftung Deutsche Krebshilfe in Höhe von 353.000 Euro.
Verbessertes Patientenbefinden und weniger Nebenwirkungen
Die 202 untersuchten Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip in eine engmaschig betreute Gruppe (Interventionsgruppe) und eine Kontrollgruppe eingeteilt. In der Interventionsgruppe wurde durch einen Klinischen Pharmazeuten/Pharmakologen zunächst eine umfassende Analyse der Gesamtmedikation inklusive rezeptfreier Präparate und Nahrungsergänzungsmittel durchgeführt; außerdem wurde dem Patienten ein Medikationsplan ausgehändigt. Auffälligkeiten wurden daraufhin gemeinsam mit dem behandelnden Onkologen besprochen. Die Patienten erhielten zudem im Rahmen strukturierter Patientenschulungen Informationen über ihre orale Tumortherapie. Dazu gehörten beispielsweise Hinweise zur Einnahme, Handhabung und Aufbewahrung der Medikamente sowie zu möglichen Wechsel- und Nebenwirkungen.
„Erfreulicherweise wirkte sich die engmaschige Betreuung äußerst positiv auf die Patienten aus: Sie hatten deutlich weniger (schwerwiegende) Nebenwirkungen, außerdem verbesserten sich ihr Befinden und ihr Wissen über die Therapie erheblich“, sagt Prof. Dr. Martin F. Fromm vom Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie der FAU. Prof. Dr. Frank Dörje, Chefapotheker des Uni-Klinikums Erlangen, ergänzt: „Die Ergebnisse unserer AMBORA-Studie zeigen, dass eine engmaschige Therapiebegleitung durch ein Team aus Ärzten und Pharmazeuten die Arzneimitteltherapiesicherheit bei der Behandlung mit neuen oralen Tumortherapien deutlich erhöhen kann.“ Prof. Fromm und Prof. Dörje leiteten die AMBORA-Studie gemeinsam federführend.
Maßnahme wird in die klinische Praxis übernommen
Aufgrund der positiven Studienergebnisse wird seit Februar 2021 die intensive klinisch-pharmazeutische/pharmakologische Therapiebegleitung bei oraler Tumortherapie am Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN als Versorgungsmodell in die Routine-Patientenversorgung integriert. Die regelhafte Implementierung im Rahmen des Folgeprojekts (https://www.fau.de/2020/10/news/wissenschaft/fuer-mehr-sicherheit-in-der-arzneimitteltherapie-bei-krebspatienten/) , das ebenfalls von der Stiftung Deutsche Krebshilfe gefördert wird, wird dabei wissenschaftlich begleitet.
Originalpublikation im Journal of Clinical Oncology: https://ascopubs.org/doi/full/10.1200/JCO.20.03088
Förderkennzeichen Deutsche Krebshilfe: 70112447/70112457 und 70114066/70114067
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Martin F. Fromm
Tel.: 09131 85-22772
martin.fromm@fau.de
Prof. Dr. Frank Dörje
Tel.: 09131 85-33591
frank.doerje@uk-erlangen.de
Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/
 
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09.04.2021 Keine Kürzung von Biontech-Lieferungen an Haus- und Facharztpraxen!
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Jetzt wird bei den nieder­ge­las­se­nen Haus- und Fachärz­ten gegen Covid-19 geimpft. Das soll Vertrauen bei den Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten schaf­fen und Schwung in die Impf­kam­pa­gne brin­gen. Mit Unver­ständ­nis hat daher Dr. Gerald Quit­te­rer, Präsi­dent der Baye­ri­schen Landes­ärz­te­kam­mer (BLÄK), auf Medien­be­richte reagiert, wonach der Bund offen­bar seine zuge­sag­ten Impf­stofflie­fe­run­gen an die Praxen von Haus- und Fachärz­ten um die Hälfte gekürzt habe: „Das würde ein Ausbrem­sen der Impf­kam­pa­gne in den Arzt­pra­xen und einen großen Vertrau­ens­ver­lust bedeu­ten“.

So sollen offen­bar den Praxen in der Woche ab dem 19. April statt wie bisher rund eine Million Impf­stoff­do­sen von Bion­tech nur noch 463.000 Dosen zur Verfü­gung stehen. Das Bion­tech-Kontin­gent soll statt­des­sen an die Impf­zen­tren der Länder gehen.

„Diese Kürzung der Bion­tech-Impf­do­sen – mehr als die Hälfte weni­ger von dem, was der Bund an die Praxen auslie­fern wollte – wäre ein Unding“, so Quit­te­rer. Bayerns Ärzte­chef forderte zudem mehr Trans­pa­renz darüber, wer diese Grund­satzent­schei­dung über die Impf­stoff­ver­tei­lung zwischen den Bundes­län­dern und dem Phar­ma­groß­han­del trifft.

Pressemedlung der Bayerischen Landesärztekammer München

08.04.2021 Ärztestatistik 2020 -Ärztlicher Nachwuchsförderung höchste Priorität beimessen

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft                                                                                                Berlin, 08.04.2021 – „Die Corona-Pandemie zeigt, wie wichtig Ärztinnen und
Ärzte für ein funktionierendes Gesundheitswesen und damit für unser
gesamtes gesellschaftliches Wohlergehen sind. Die konsequente ärztliche
Nachwuchsförderung und bessere Ausbildungsbedingungen gehören
deshalb dringend auf die politischen Agenden von Bund und Ländern.“ Das
sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt anlässlich der
Vorstellung der aktuellen Ärztestatistik. Nach den Daten der
Bundesärztekammer stieg zwar die Zahl der berufstätigen Ärztinnen und
Ärzte (+1,7%) sowie die der Facharztanerkennungen (+0,6%), jedoch fiel der
Zuwachs deutlich geringer aus als in den Vorjahren. Bei den jungen
Ärztinnen und Ärzte aus dem Inland, die sich erstmalig bei einer (Landes-
)Ärztekammer anmeldeten, verzeichnet die Statistik sogar einen Rückgang
um 1,1 Prozent.

„Wir betrachten diese Entwicklung mit Sorge. Denn wir brauchen dringend
eine ausreichende Anzahl von Ärztinnen und Ärzten, um die Folgen des
anhaltenden Trends zur Teilzeitarbeit, des steigenden Durchschnittsalters
der Ärzteschaft und des demografischen Wandels zu bewältigen. Sinkt die
Zahl der zur Verfügung stehenden Arztstunden, wird das nicht gelingen“,
warnte Reinhardt mit Blick auf den hohen Behandlungsbedarf in einer älter
werdenden Gesellschaft. Unabhängig von Corona kommt es in den Praxen
zu rund einer Milliarde Arzt-Patienten-Kontakten pro Jahr. Für den
stationären Bereich meldet das Statistische Bundesamt für das letzte
Erhebungsjahr 2019 rund 19,4 Millionen Behandlungsfälle. Deutschland ist
eine der ältesten Gesellschaften der Welt. Und in den kommenden Jahren ist
mit einem weiteren Anstieg des Behandlungsbedarfs zu rechnen. Derzeit


prognostiziert das Statistische Bundesamt bis zum Jahr 2040 eine
Steigerung des Bevölkerungsanteils der über 67-jährigen um bis zu 42
Prozent.

Ein Lichtblick ist immerhin die Anzahl von Ärztinnen und Ärzten bei den
Gesundheitsämtern, die im Jahr 2020 um 14 Prozent auf knapp 3.000
anstieg.

Das gebremste Wachstum betrifft fast alle Bereiche der
Gesundheitsversorgung: Bei den im Krankenhaus tätigen Ärztinnen und
Ärzte gab es ein Plus von 2,3 Prozent (Vorjahr: +2,7%). Die Zahl der
ambulant tätigen Ärzte stieg um 1,0 Prozent (Vorjahr: +1,6%). Am stärksten
war der Einbruch des Wachstums in sonstigen Tätigkeitsbereichen (+1,3%;
Vorjahr: +6,2%).

Auch bei den Facharztanerkennungen fiel der Zuwachs im Jahr 2020
geringer aus. Er stieg lediglich um 0,6 Prozent (Vorjahr: +3,3%) auf knapp
14.000 an.

Für etwas Entlastung konnte die Zuwanderung aus dem Ausland sorgen. So
ist die Zahl der in Deutschland gemeldeten ausländischen Ärztinnen und
Ärzte im Jahr 2020 um 6,8 Prozent (Vorjahr: +7,9%) auf rund 56.000
Personen gestiegen. Treibende Kraft waren dabei Ärzte aus Ländern
außerhalb der EU (+11,1 Prozent; Vorjahr: 11,9%). Bei den Ärzten aus EU-
Ländern war ein Plus von lediglich 1,5 Prozent zu verzeichnen (Vorjahr:
+3,3%).

Ebenfalls vorteilhaft wirkt sich der deutliche Rückgang der ins Ausland
abwandernden Ärztinnen und Ärzte aus. Im Jahr 2020 wanderten mit knapp
1.700 Personen rund zehn Prozent weniger Ärzte ab als noch im Vorjahr.
Insbesondere die Abwanderung von Ärzten mit deutscher
Staatsangehörigkeit ging um rund 17 Prozent auf rund 900 Personen zurück.


Die beliebtesten Zielländer waren, wie in den Vorjahren, die Schweiz und
Österreich.

Sorge bereitet weiterhin die Entwicklung des Altersdurchschnitts der
deutschen Ärzteschaft. So bestätigen die aktuell erfassten Zahlen die
Tendenz zur Stagnation des Anteils der Ärztinnen und Ärzte unter 35 Jahre
(19,1%; Vorjahr: 18,9%). Der Anteil der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte,
die das 60. Lebensjahr bereits vollendet haben, steigt kontinuierlich an.
Knapp 34.000 Ärzte (8,2% aller berufstätigen Ärzte; Vorjahr: 8,0%)
erreichten bereits das 66. Lebensjahr und somit das Renteneintrittsalter.
Weitere knapp 52.000 berufstätige Ärzte (12,6% aller berufstätigen Ärzte;
Vorjahr: 12,2%) sind zwischen 60 und 65 Jahre alt. Der Anteil der Ärzte, die
sich mittlerweile im Ruhestand befinden, stieg im Vergleich zum Vorjahr um
vier Prozent an.

Weitere Informationen zur Ärztestatistik des Jahres 2020 finden Sie unter:
https://www.bundesaerztekammer.de/ueber-uns/aerztestatistik/aerztestatistik-2020/



08.04.2021MRNA-Impfstoffe und vektorbasierte Impfstoffe in die Praxen!
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Das flächendeckende Impfen gegen Covid-19 durch die Hausärztinnen und Hausärzte wird entscheidend sein zur Verhinderung von schweren Covid-19-Verläufen, die eine Krankenhausbehandlung erforderlich machen, sowie von Todesfällen. „Gut gelingen kann die Impfkampagne jedoch nur, wenn den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, insbesondere den Hausärztinnen und Hausärzten, auch alle zugelassenen Impfstoffe zur Verfügung stehen“, sagt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK). Bayerns Ärztechef fordert, dass sowohl mRNA-Impfstoffe (bspw. von Biontech/Pfizer), als auch vektorbasierte Vaxine (bspw. von AstraZeneca) dauerhaft in die Praxen kommen. „Je nach Indikation können wir unsere Patientinnen und Patienten mit dem für sie geeigneten Impfstoff versorgen“. Durch die große Erfahrung und Expertise der Hausärztinnen und Hausärzte, könne der Bevölkerung ein breiteres und adäquates Angebot gemacht werden. Die Entscheidung, welcher Impfstoff verabreicht werde, sei eine medizinische. Alle bisher zugelassenen Impfstoffe gegen COVID-19 hätten eine gute Wirksamkeit.

Quitterer warnt in diesem Zusammenhang davor, die Mitwirkungsbereitschaft der niedergelassenen Ärzte durch ein Hin und Her bei den Impfstoffen zu gefährden, die den Praxen zur Verfügung gestellt werden.

Pressestelle Bayerische Landesärztekammer München

06.04.2021 Chronische Entzündungen besser verstehen
uni | mediendienst | forschung Nr. 29/2021

Obwohl Entzündungen normalerweise von selbst wieder abklingen, können sie unter bestimmten Umständen immer wieder auftreten und sich in der Folge zu chronisch entzündlichen Erkrankungen auswachsen. Ein Team der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat herausgefunden, warum das so ist.  
Der Begriff „Gewebspriming“ beschreibt die Veränderung des Gewebes dahingehend, dass eine Entzündung bevorzugt an gleicher Stelle verstärkt wiederauftaucht. Anhand des Beispiels entzündlicher Gelenkserkrankungen zeigt das internationale Forschungsteam aus Erlangen, Birmingham, Zürich, Wien, Cardiff, Belgrad, Lübeck und Münster, dass im Gewebe angesiedelte Zellen, sogenannte Fibroblasten, für das entzündliche Gewebspriming verantwortlich sind. Durch wiederholte entzündliche Reize werden die Fibroblasten nach und nach in einen aggressiven Zustand versetzt. Diese umprogrammierten Fibroblasten bewirken, dass weitere entzündliche Reize eine erhöhte und verlängerte Entzündungsreaktion auslösen.
Die Studie schafft eine Basis für neue Therapieformen für chronisch entzündliche Erkrankungen wie Arthritis. Medikamente unterdrücken zwar effektiv akute Entzündungen, diese treten aber üblicherweise wieder auf werden die Medikamente abgesetzt. Das Forschungsteam vermutet nun, dass das entzündliche Gewebspriming die Ursache dafür ist. Da die dauerhafte Weitereinnahme von entzündungshemmenden Medikamenten aber mit Nebenwirkungen einhergeht, suchen das Team nach alternativen Therapiemethoden. Ein Ansatz ist der Versuch, den nach erster Entzündung veränderten Firoblastenstoffwechsel auf den Normalzustand zurückzusetzen und damit die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Entzündung zu minimieren.
Link zur Veröffentlichung im Fachmagazin Immunity: https://doi.org/10.1016/j.immuni.2021.03.003  
Weitere Informationen:
Dr. Markus Hoffmann
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01.04.2021 Mit Sicherheit High End
uni | mediendienst | aktuell Nr. 27/2021

Unfallchirurgie und Orthopädie des Uni-Klinikums Erlangen bieten High-End-Versorgung auf wissenschaftlicher Grundlage.
Ob Sportverletzung oder Unfall, langwierige Rückenschmerzen, der Austausch einer Hüftprothese oder Gelenkprobleme: Die Unfallchirurgische Klinik – Orthopädische Chirurgie des Universitätsklinikums Erlangen unter der Leitung von Prof. Dr. Mario Perl ist die erste Anlaufstelle für alle Anliegen rund um den Stütz- und Bewegungsapparat – von A wie Arthrose bis Z wie Zervikalsyndrom. Oft lassen sich Beschwerden auch ohne eine Operation behandeln. Wird ein Eingriff doch nötig, setzt das Team um Prof. Perl auf die neuesten Hightechgeräte und wissenschaftliche Studien. Die enge Zusammenarbeit mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ermöglicht hier Wissenschaft auf höchstem internationalen Niveau – zur Sicherheit der Patientinnen und Patienten.
Interdisziplinarität: „Wir treffen uns an der Wirbelsäule“
Im interdisziplinären Wirbelsäulenzentrum (Sprecher: Prof. Dr. Mario Perl und Prof. Dr. Michael Buchfelder) des Uni-Klinikums Erlangen sind Menschen mit allen Arten von Rückenschmerzen – ob akut oder chronisch – bestens aufgehoben. Probleme mit der Wirbelsäule können oft konservativ behandelt werden, z. B. mit Medikamenten, manueller Therapie, Bewegungsübungen, einer speziellen Schmerztherapie oder einer Rehabilitation. „Vielen Patienten können wir so zunächst auch ohne eine Operation helfen“, erklärt Prof. Perl. Doch manchmal braucht es den chirurgischen Eingriff eben doch, z. B. wenn selbst intensivste nicht-operative Therapien erfolglos bleiben. „Dann profitieren die Patienten von unserem universitären Setting“, betont Prof. Perl. „An der Wirbelsäule treffen sich unterschiedliche Disziplinen. Unfallchirurgen, Orthopäden und Neurochirurgen operieren gemeinsam und jeder bringt seine Expertise optimal ein. Der Unfallchirurg stabilisiert mit Stäben und Schrauben, der Neurochirurg legt z. B. die sensiblen Nerven frei.“ Hier braucht es viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Der Vorteil des Uni-Klinikums Erlangen: Auch Spezialisten aus Neurologie, Neuroradiologie, Anästhesie, Schmerztherapie und Psychosomatik werden zum Wohle des Patienten in die Behandlung integriert.
OP-Navigation: „Das System schaut uns auf die Finger“
Im OP-Saal mit dabei ist fast immer auch ein 3-D-Navigations- und Bildgebungssystem der neuesten Generation. Mario Perl erläutert: „Das System schaut uns genau auf die Finger und kontrolliert uns Operateure: Ist das Instrument exakt angesetzt? Liegt das Implantat millimetergenau richtig am Knochen? Das macht OPs noch sicherer und präziser.“ Während des Eingriffs liefert das „3-D-Navi“ virtuelle animierte Bilder aus der operierten Körperregion: Knochen, Gewebe, OP-Instrumente, Implantate und Schrauben. „Wir sehen sozusagen mit drei Augenpaaren“, erklärt Prof. Perl: „Zum einen haben wir unsere eigenen Augen, dazu die herkömmliche Röntgenkontrolle während der OP und die virtuelle Animation als zusätzliche Sicherheit und Qualitätskontrolle.“ Mario Perl und sein Team können so insbesondere komplexe Eingriffe an teilweise schwer zugänglichen Bereichen wie der Hals- oder Brustwirbelsäule oder dem hinteren Beckenring noch präziser durchführen. Dank des neuen Navis muss während einer Prozedur insgesamt viel weniger geröntgt werden – das senkt die Strahlenbelastung für den Patienten und das OP-Team ganz erheblich.
Robotik: Forschung gibt Sicherheit
High-End-Versorgung mit modernsten Geräten ist der Anspruch einer universitären Orthopädie und Unfallchirurgie. Doch Prof. Perl schränkt ein: „Einen OP-Roboter setzen wir aktuell in der alltäglichen klinischen Wirbelsäulenchirurgie noch nicht ein, weil für uns wissenschaftlich noch nicht ausreichend bewiesen ist, dass wir mit einem Roboter für den Patienten tatsächlich bessere Ergebnisse erzielen als ohne.“ In einigen Krankenhäusern wird in der Wirbelsäulenchirurgie bereits mit OP-Robotern gearbeitet. „Wir wollen da aber noch einmal genauer hinschauen und die Datenlage gründlich prüfen“, so Mario Perl. „Der Benefit für unsere Patientinnen und Patienten und ihre Sicherheit sind für uns immer das Wichtigste.“ So startet die Unfallchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen im Rahmen der Hightech Agenda Bayern gemeinsam mit dem Institut für Anatomie der FAU und der Industrie jetzt eine eigene Studie. Die Untersuchung wird klären, was tatsächlich für die robotergestützte Wirbelsäulenchirurgie spricht.
Von der Anbindung an die FAU profitiert die Unfallchirurgie und Orthopädische Chirurgie in größerem Maße: Im neu eingerichteten Department Artificial Intelligence in Biomedical Engineering (AIBE) wird die FAU den Brückenschlag zwischen Medizin und Technik, für den die Universität schon lange steht, weiter stärken: Zurzeit laufen die Berufungsverfahren für drei Lehrstühle für Medizinrobotik. „Wir werden diese mit international anerkannten Expertinnen und Experten besetzen“, sagt FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger. An den Medizinrobotik-Lehrstühlen forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von den Grundlagen bis zur Anwendung, zum Beispiel an der Verarbeitung von biomedizinischen Daten oder der Entwicklung von Prothesen und Chirurgierobotern. „Damit werden wir die Forschung im Bereich Medizinrobotik sehr kliniknah vorantreiben“, erklärt Prof. Hornegger.
Weitere Informationen für Patienten:
Wirbelsäulenzentrum des Uni-Klinikums Erlangen:
Tel.: 09131 85-40927
www.wirbelsaeulen-zentrum.uk-erlangen.de
Andere Beschwerden am Stütz- und Bewegungsapparat:
Tel.: 09131 85-33272
E-Mail: unfallchirurgie@uk-erlangen.de
www.unfallchirurgie.uk-erlangen.de
Weitere Informationen für Medien:
Prof. Dr. Mario Perl
Tel.: 09131 85-33272
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30.03.2021 Für die Immunmedizin von morgen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 24/2021


BMBF empfiehlt Förderung des Erlanger Advanced-Clinician-Scientist-Programms am Deutschen Zentrum Immuntherapie
In der Immunmedizin sind in den letzten Jahren bahnbrechende Fortschritte erzielt worden, etwa im Bereich der Immuntherapien bei Krebs und Entzündungen oder der Impfungen bei Infektionen. Um die neuesten Erkenntnisse aus der Wissenschaft in der Immunmedizin schnell zum Patienten zu bringen, müssen Forschung, Lehre und Krankenversorgung eng miteinander verbunden sein. Das gelingt besonders in der Erlanger Universitätsmedizin. Eine entscheidende Rolle spielen dabei exzellente wissenschaftlich tätige Ärztinnen und Ärzte, die sowohl in der Krankenversorgung als auch in der Forschung tätig sind. Bisher gibt es jedoch nur wenige Förderangebote für forschende Ärzte, die bereits die Facharztweiterbildung abgeschlossen haben – sogenannte Advanced Clinician Scientists. Dies wird sich nun ändern: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Programm „iIMMUNE – Interfaces in Immunomedicine“ unter der Leitung von Prof. Dr. Beate Winner, Leiterin der Stammzellbiologischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen, über einen Zeitraum von fünf Jahren. Damit bekommen zehn forschende Fachärztinnen und -ärzte die Möglichkeit, neben ihrer Tätigkeit in der Patientenversorgung auch über längere Zeiträume hinweg zu forschen und im Bereich moderner patientenzentrierter Immunmedizin am Deutschen Zentrum Immuntherapie (DZI) ausgebildet zu werden. Die Förderung umfasst pro Advanced Clinician Scientist 130.000 Euro pro Jahr.
Die Advanced Clinician Scientists sollen am DZI zur Entwicklung innovativer diagnostischer und therapeutischer Strategien in der Immunmedizin bei autoimmunen, entzündlichen, infektiösen, degenerativen und onkologischen Erkrankungen beitragen. „Das BMBF fördert die Implementierung von Ausbildungskonzepten mit Modellcharakter für Advanced-Clinician-Scientist-Programme in der Universitätsmedizin. Wir sind stolz darauf, dass wir mit unserem Konzept in der Immunmedizin überzeugen konnten und Erlangen eine Förderempfehlung erhalten hat“, freut sich Prof. Winner. Sie hatte den Forschungsantrag zusammen mit ihren Kollegen Prof. Dr. Dimitrios Mougiakakos, geschäftsführender Oberarzt der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie, und Prof. Dr. Maximilian Waldner, Oberarzt der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie, gestellt. Zusätzlich werden Prof. Dr. Miriam Kalbitz, Oberärztin der Unfallchirurgischen Klinik – Orthopädische Chirurgie, und Prof. Dr. Veit Rothhammer, leitender Oberarzt der Neurologischen Klinik, im Vorstand von „iIMMUNE“ mitwirken.
„Beim Ausbildungsprogramm sollen der fachliche Austausch zwischen klinischen Fachgebieten in der Immunmedizin sowie Schnittstellen der Immunmedizin zu Biophysik, künstlicher Intelligenz und digitaler Medizin im Fokus stehen“, so Prof. Mougiakakos. Das Uni-Klinikum Erlangen und die Medizinische Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg bieten den forschenden Fachärztinnen und -ärzten optimale Voraussetzungen für ihre wissenschaftliche Tätigkeit: Im DZI, einer deutschlandweit einzigartigen Einrichtung, wird die Kompetenz von Kliniken und Forschungsinstituten am Standort Erlangen gebündelt. Ziel der Einrichtung ist es, Immunmedizin mit modernsten wissenschaftlichen Methoden der Biophysik und der künstlichen Intelligenz mit digitaler Gesundheitstechnologie zu verknüpfen. Dank der interdisziplinären Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen können Immuntherapien für Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen und Krebs hier angewendet und weiterentwickelt werden. „Die Mediziner können ihr klinisches Wissen unmittelbar in die Forschung einbringen und Erfolg versprechende Forschungsergebnisse in Form von neuen Therapien direkt an die Patientinnen und Patienten in der Klinik weitergeben“, sagt Prof. Waldner. Das „iIMMUNE“-Programm am DZI wird Anfang 2022 starten.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Beate Winner
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29.03.2021 FAU-Vizepräsidenten und -präsidentinnen gewählt
uni | mediendienst | aktuell Nr. 23/2021

Prof. Dr. Georg Schett folgt Prof. Dr. Günter Leugering im Leitungsgremium nach

Der Universitätsrat der FAU hat ein neues Mitglied für die Universitätsleitung gewählt und drei weitere im Amt bestätigt. Der Mediziner Prof. Dr. Georg Schett übernimmt ab 1. April das Amt des Vizepräsidenten Research von Mathematiker Prof. Dr. Günter Leugering, der in Ruhestand tritt. Die bisherigen Leitungsmitglieder Prof. Dr. Friedrich Paulsen, Vizepräsident People, Prof. Dr. Bärbel Kopp, Vizepräsidentin Education, und Prof. Dr. Kathrin M. Möslein, Vizepräsidentin Outreach, wurden per Briefwahl wiedergewählt. Die neuen Amtszeiten der vier Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten laufen bis zum 31. März 2024.

Prof. Dr. Georg Schett ist seit 2006 Lehrstuhlinhaber für Innere Medizin an der FAU und seitdem auch Direktor der Medizinischen Klinik 3 am Universitätsklinikum Erlangen. Schett studierte Medizin an der Universität Innsbruck, wo er 1994 auch seine Promotion abschloss. Bis 1996 war er Assistent am Institut für Biomedizinische Alternsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Seine Facharztausbildung für Innere Medizin erfolgte bis 2001 an der Universität Wien, wo er im Anschluss als Facharzt tätig war, ab 2004 als Oberarzt. Bereits 2003 habilitierte er sich dort im Fach Innere Medizin. 2004 absolvierte er einen Forschungsaufenthalt bei Amgen, in Thousand Oaks, Kalifornien, USA. Im gleichen Jahr wurde er als Facharzt für Rheumatologie anerkannt.

Professor Schett hat eine Vielzahl von Preisen und Ehrungen erhalten, zuletzt 2019 die Dr. Franciscus Blondel-Medaille für besondere Verdienste auf dem Gebiet der Rheumatologie der Stadt Aachen. Er hat in acht großen Drittmittelprojekten mitgewirkt. So ist er zum Beispiel Sprecher des 2015 eingerichteten Sonderforschungsbereichs 1181 (Checkpoints for Resolution of Inflammation) sowie Principal Investigator des ERC Synergy Grant (4D+ NanoSCOPE) (Beginn 2018) und der BMBF-Förderung MASCARA (Molecular Assessment of Signatures Characterizing the Remission of Arthritis; Beginn 2020).

Prof. Schetts wissenschaftliche Expertise ist international gefragt. Er war 2009 Visiting Professor an der University of California San Diego, USA; 2012 an der University of Xian und University of Guangzhou, beide China; 2014 am Hospital of Special Surgery in New York und 2018 an der New York University, USA. Er ist Mitglied im DFG-Fachkollegium, Gutachter für zahlreiche wissenschaftliche Fachgesellschaften und Journale und wirkte an der Organisation einer Vielzahl von internationalen Kongressen mit. Er pflegt seit seiner Berufung an die FAU eine stetig wachsende Anzahl nationaler und internationaler Kooperationen zu gemeinsamen Projekten, wie beispielsweise mit dem Flämischen Institut für Biotechnologie (Vlaams Instituut voor Biotechnologie, VIB) in Gent, Belgien, dem Karolinska-Institut in Stockholm, Schweden und dem Kennedy Institute of Rheumatology in Oxford, UK.

Schetts Amtsvorgänger Prof. Dr. Günter Leugering tritt zum 1. April in Ruhestand und stand daher nicht mehr zur Wahl. Er bleibt der FAU aber weiterhin als Senior Fellow sowie als Sonderbeauftragter des Präsidenten für die Lange Nacht der Wissenschaften verbunden. Leugering war seit 2015 als Vizepräsident tätig, zunächst für Internationales, seit 2018 dann für den Bereich Research.

Informationen zu den übrigen Mitgliedern der Universitätsleitung: www.fau.de/universitaet/leitung-und-gremien/leitung

Bild zum Download von Prof. Schett: https://www.fau.de/files/2015/05/Schett-Georg-Prof-Dr_Erich-Malter.jpg

Bildunterschrift: Prof. Dr. Georg Schett, Lehrstuhl für Innere Medizin III der FAU. (Bild: FAU/Erich Malter)


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29.03.2021 Installation eines Hightech-Schwergewichts
uni | mediendienst | aktuell Nr. 22/2021

Konsequente Fortsetzung der Spitzenforschung zur Magnetresonanzbildgebung am Uni-Klinikum Erlangen

Die Installation des 7-Tesla-Magnetresonanztomografen (MRT) Magnetom Terra am heutigen Montag (29.3.2021) direkt in den Kopfkliniken des Universitätsklinikums Erlangen während des laufenden Klinikbetriebs ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur klinischen Anwendung des Ultrahochfeldscanners. Mit seiner hohen Feldstärke – 140.000-mal stärker als das Magnetfeld der Erde – verbessert der Scanner nicht nur die konventionelle MR-Bildgebung, sondern erlaubt vor allem deutlich tiefere Einblicke in vielfältige Organfunktionen und Stoffwechselvorgänge.

Bereits heute ist erkennbar, wie sehr Patientinnen und Patienten von der verbesserten Ultrahochfeld-Bildgebung profitieren, wenn diese zur klinischen Anwendung kommt. Insbesondere neurologische Erkrankungen, wie Epilepsie, Multiple Sklerose und Morbus Parkinson sowie Hirntumoren oder kleinste Verletzungsfolgen nach Schädel-Hirn-Traumata, können mit dem Ultrahochfeld-MRT besser und früher erkannt und damit effektiver behandelt werden. Bei Erkrankungen der Gelenke und des Bewegungsapparates lassen sich dank der sehr hohen Bildauflösung Verletzungen kleinster Bandstrukturen ebenso deutlich darstellen wie die Substanz und der Zustand von Gelenkknorpeln. Ein weiterer Fokus liegt auf der onkologischen Bildgebung zur Diagnostik von Prostata- und Brustkrebs. „Die Installation des 7-Tesla-MR-Scanners in den Kopfkliniken ist ein Musterbeispiel für die gelungene Verknüpfung von universitärer Spitzenmedizin und innovativer Technik zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten“, erklärt der Ärztliche Direktor des Uni-Klinikums Erlangen, Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro.

Tiefere Einblicke dank funktioneller und metabolischer Bildgebung

Darüber hinaus bietet der 7-Tesla-Scanner dank seiner funktionellen und metabolischen MR-Bildgebungsmethoden deutlich tiefere Einblicke in Organfunktionen und Stoffwechselvorgänge. Diese verschaffen dem Radiologischen Institut (Direktor: Prof. Dr. Michael Uder) und der Neuroradiologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Arnd Dörfler) des Uni-Klinikums Erlangen völlig neue klinische und wissenschaftliche Möglichkeiten. Dazu gehören zum Beispiel die frühzeitige Diagnose von rheumatischen, entzündlichen oder neurodegenerativen Erkrankungen, eine verbesserte Differentialdiagnostik und ein patientenindividuelles Therapiemonitoring.

Internationale Referenz für Forschung und Medizin

Dank der klinischen Installation des 7-Tesla-MRT werden Wissenschaftler aus dem In- und Ausland das Uni-Klinikum Erlangen als internationale Anlaufstelle nutzen, um einen intensiven Wissensaustausch zu pflegen und Forschungskooperationen weiterzuentwickeln. „Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen Siemens Healthineers und dem Uni-Klinikum Erlangen stärkt den Forschungsschwerpunkt Medizintechnik und ist gleichzeitig Kondensationspunkt vieler interdisziplinärer klinischer Forschungsprojekte“, bekräftigt Prof. Dr. Markus F. Neurath, Dekan der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).

So schwer wie vier Elefanten


Trotz der immensen Gewichtseinsparung um 50 Prozent, verglichen mit den üblichen 7-Tesla-MRTs, bedeutete die Integration des fast 25 Tonnen schweren Hightechgeräts in ein 50 Jahre altes Gebäude für die KlinikMedBau GmbH Erlangen bei laufendem Klinikbetrieb einen planerischen und technischen Kraftakt. Diesen meisterte die Tochtergesellschaft des Uni-Klinikums Erlangen unter der Leitung von Geschäftsführer Robert Stark mit Bravour: Allein der Ganzkörpermagnet des 7-Tesla-MRTs hat ein Eigengewicht von fast 20 Tonnen – und wiegt damit so viel wie vier ausgewachsene Elefanten.

Klinischer 7-Tesla-MRT als Weltpremiere in Erlangen bereits 2015


Rückblick: Im Jahr 2015 erfolgte die weltweite Erstinstallation eines klinischen 7-Tesla-MRT in einem separaten Forschungsgebäude am Uni-Klinikum Erlangen. Bereits im Herbst 2017 konnte das Erlanger Expertenteam aus Ärzten, Physikern und Ingenieuren dann als weiteres Novum die klinische Zulassung des Ultrahochfeldscanners für die Neuro- und muskuloskelettale Bildgebung für Europa und die USA vermelden. Dr. Arthur Kaindl, Leiter des Geschäftsgebiets MRT bei Siemens Healthineers, sagt: „Mit der Installation des neuen Magnetom Terra wird die Erfolgsgeschichte unserer langjährigen Entwicklungspartnerschaft und Forschungskooperation mit dem Universitätsklinikum Erlangen fortgeschrieben.“ Eine Anerkennung von höchster Stelle erfuhr diese erfolgreiche Entwicklungspartnerschaft von FAU, Siemens Healthineers und Uni-Klinikum Erlangen durch die Nominierung für den Endausscheid des Deutschen Zukunftspreises 2019.

Bild und Videomaterial kann auf Wunsch angefordert werden.

Weitere Informationen:
Franziska Männel
Tel.: 09131 85-46670
presse@uk-erlangen.de
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29.03.2021 Hoffnung für Menschen mit überempfindlichen Zähnen
uni | mediendienst | forschung Nr. 26/2021

Internationales Forschungsteam der FAU entschlüsselt Mechanismus der Kälteempfindlichkeit von Zähnen.
Der Kältesensor TRPC5 ist für die Kälteempfindlichkeit von Zähnen verantwortlich. Das hat ein internationales Forschungsteam um Prof. Dr. Katharina Zimmermann von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) entdeckt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben ihre Erkenntnisse im renommierten Wissenschaftsjournal „Science Advances“ publiziert.*
„Zahnschmerzen sind für viele Menschen der Horror, und überempfindliche Zähne sind nicht weniger belastend“, weiß Prof. Dr. Katharina Zimmermann von der Anästhesiologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen der FAU. „Wer gerne Eis isst und empfindliche Zähne hat, kennt das Problem: Kaum berührt das Eis den Zahn, schlägt der Blitz ein.“
Kältesensor liegt direkt auf den Odontoblasten
Dafür verantwortlich ist ein körpereigener Mechanismus, der die menschlichen Zähne vor Überlastung schützt. „Die Natur hat in den Zähnen den stärksten Schutzreflex im Körper installiert“, erklärt die FAU-Schmerzforscherin. „Denn Zähne heilen nicht, wenn sie einmal brechen.“ Der Reflex schützt deshalb das Zahnmark und die empfindlichen Zellen des Zahngewebes, die sogenannten Odontoblasten. Diese bilden die Hartsubstanz des Zahns, also das Zahnbein und den Zahnschmelz.
Die Odontoblasten funktionieren aber auch als Kältesensoren, das hat das Forschungsteam nun erstmals nachgewiesen. Denn direkt auf den Fortsätzen der Odontoblasten liegt der Ionenkanal TRPC5, der als Kaltrezeptor fungiert. Ionenkanäle sind Poren in Zellmembranen, die wie molekulare Schließmuskeln wirken. Nach dem Erkennen eines Signals, wie beispielsweise einer Temperaturänderung, öffnen sich die Kanäle und lassen Ionen in die Zelle fließen. Dies erzeugt einen elektrischen Impuls, der zur Informationsübermittlung weitergeleitet wird.
„Der Zellkörper der Odontoblasten und ihre Nervenendigungen liegen am äußeren Rand des Zahnmarks“, erklärt Professorin Zimmermann. „Sie besitzen einen Fortsatz, der in einem feinen Kanälchen im Zahnbein verläuft, wo er die Temperaturänderungen misst und sie elektrisch an das Gehirn weitergibt und so die schmerzhafte Reaktion auslöst.“
Ansatzpunkt für Mittel gegen Zahnschmerz
Bereits früher war die FAU-Forscherin an der Entdeckung der Kaltsensitivität des Ionenkanals TRPC5 beteiligt. „Jetzt haben wir herausgefunden, dass der gleiche Ionenkanal für das Kälteempfinden in Zähnen verantwortlich ist. Das ist ein hervorragender Ansatzpunkt für künftige Mittel gegen Zahnschmerz und kälteüberempfindliche Zähne.“ Da der Rezeptor im Zahn auf den spezialisierten Sinneszellen und weniger auf Nerven vorkommt, vermutet das Team der Anästhesiologischen Klinik, dass die üblichen Nebenwirkungen einer Leitungsanästhesie, wie Taubheit und Lähmung im Kieferbereich, ausbleiben werden. Darüber hinaus fanden die Forscherinnen und Forscher auch gleich eine Erklärung für den Wirkmechanismus eines uralten Hausmittels gegen Zahnschmerzen: Der Hauptbestandteil von Nelkenöl ist Eugenol – und das blockiert den TRPC5-Rezeptor.
Mechanismus der Kälteempfindlichkeit entschlüsselt
Entschlüsselt haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen Mechanismus der Kälteempfindlichkeit durch Experimente an Mäusezähnen. Das Forschungsteam entwickelte eine neue Methode, elektrische Impulse von Zahnnerven intakter Mäusezähne zu registrieren. „Durch eine spezielle Technik mit Glaselektroden konnte ich normale Mäuse mit Mäusen vergleichen, denen das Molekül TRPC5 fehlte“, erklärt die Elektrophysiologin Dr. Laura Bernal (jetzt Universidad Alcalá in Spanien). „Es zeigte sich, dass TRPC5 für einen Großteil der Kaltantworten im Zahn entscheidend ist und dass TRPC5-Antagonisten die Kaltantworten blockieren.“ In Verhaltensversuchen an Mäusen stellte FAU-Forscherin Dr. Christine König schließlich fest, dass die Mäuse, denen der TRPC5-Rezeptor fehlt, auch keine Zahnschmerzen mehr nach einer Zahnentzündung entwickeln. Darauf dürfen nun auch Menschen mit kälteempfindlichen Zähnen hoffen, denn in entzündeten Zähnen mit Karies fand das Team besonders viele TRPC5- Rezeptoren.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Katharina Zimmermann
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23.03.2021Bund-Länder-Beschlüsse -Reinhardt: „Wir brauchen Alternativen zum Dauerlockdown in Deutschland“
Pressenachricht der Bundesärztekammer

Berlin, 23.03.2021 – Zu den aktuellen Beschlüssen der
Bundeskanzlerin und der Regierungschefs der Länder erklärt
Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt:


„Wir müssen die beginnende dritte Welle schon jetzt abflachen, um eine Überforderung des Gesundheitswesens zu verhindern.
Die von Bund und Ländern beschlossenen Maßnahmen können dabei helfen. Letztlich aber kommt es auf das verantwortliche Handeln eines jeden Einzelnen an. Untersuchungen zeigen, dass
es fast ausschließlich in Innenräumen und bei längeren ungeschützten Kontakten ohne medizinische Maske zu Ansteckungen kommt, im privaten Rahmen oder auf der Arbeitsstelle. Hier kann der breite Einsatz von Corona-Schnelltests für echte Entlastung sorgen.

Sogar Teil-Öffnungen des gesellschaftlichen Lebens sind möglich, wenn ausreichend Schnelltests zur Verfügung stehen. Dies zeigen beispielsweise die kombinierten Test- und Öffnungsstrategien aus
Tübingen und Rostock. Bund und Länder sollten solche Projekte zur schrittweisen Öffnung des gesellschaftlichen Lebens fördern, evaluieren und für andere Regionen anpassen. Sie wären eine
echte Alternative zu den zermürbenden Jo-Jo-Dauerlockdowns in Deutschland.

Um möglichst viele Menschen vor einer Infektion zu schützen, sollten die verfügbaren Impfdosen schnell verabreicht und - wenn überhaupt - allenfalls deutlich reduzierte Reserven für die
Zweitimpfung zurückgehalten werden. Angesichts der vom Bund in Aussicht gestellten Liefermengen ab dem zweiten Quartal 2021 sollten für die Zweitimpfung ausreichend Kapazitäten zur
Verfügung zu stehen. Zudem zeigen Studien, dass der zeitliche Abstand für die Zweitimpfung ohne Nachteile ausgeschöpft werden kann und bereits nach der ersten Dosis eine gute
Schutzwirkung vorhanden ist. Davon sollten jetzt möglichst viele Menschen profitieren, vor allem aus den Risikogruppen.

Wir sollten außerdem diskutieren, ob eine stärkere Nutzung digitaler Bewegungsdaten zur Kontaktnachverfolgung in Kauf genommen werden sollte, um die Pandemie effektiver bekämpfen
zu können. Der Schutz persönlicher Daten hat in Deutschland aus nachvollziehbaren Gründen einen hohen Stellenwert. Angesichts der aktuellen Infektionslage und der seit Monaten andauernden
Einschränkungen von Grundrechten ist aber jetzt der Zeitpunkt gekommen, Nutzen und Risiken einer natürlich zweckgebundenen Auswertung persönlicher Daten zur Unterbrechung von
Infektionsketten gegenüber anderen persönlichen Freiheitsrechten abzuwägen.“                                                                                                                                  Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
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23.03.2021Mit Prodrugs gegen Krebszellen
uni | mediendienst | forschung Nr. 25/2021

FAU-Forschungsteam entwickelt neuartige Substanzen
Krebs bekämpfen, ohne gesunde Zellen zu beeinträchtigen – das ist das Ziel bei der Suche nach neuen Therapien gegen Krebs. Ein internationales Forschungsteam von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat nun Prodrugs entwickelt, die eine krebshemmende Wirkung zeigen, dabei jedoch normale Zellen kaum beeinträchtigen.
Prodrugs sind Substanzen, die erst bei der Verstoffwechselung im Körper eine Wirkung entfalten. Die Prodrugs des FAU-Forschungsteams um Prof. Dr. Andriy Mokhir von der Professur für Organische Chemie werden im Organismus über eine chemische Reaktion mit bestimmten Sauerstoff enthaltenden Molekülen, sogenannten reaktiven Sauerstoffspezies, aktiviert. Diese Moleküle kommen in Krebszellen in großen Mengen vor. Die Forschenden zeigten, dass ihre Prodrugs unter anderem sowohl in Zelllinien als auch im Nemeth-Kellner-Lymphom-Mausmodell wirksam waren, das als Modell für eine Blutkrebserkrankung beim Menschen dient. Der Wirkmechanismus: Prodrugs rufen Stress im endoplasmatischen Retikulum (ER) von Krebszellen hervor, dem Ort in Zellen, der für den Organismus wichtige Proteine herstellt. Dieser ER-Stress hemmt die Vermehrung der Krebszellen. Andere Medikamente wie Bortezomib und Carilzomib, die diesen Effekt ebenfalls verstärken, führen bislang zu unterwünschten Nebenwirkungen. Die Prodrugs beeinträchtigen normale Zellen jedoch kaum.
Link zur Veröffentlichung im Fachmagazin Angewandte Chemie:
https://doi.org/10.1002/anie.202100054
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Andriy Mokhir, Professur für Organische Chemie, Tel.: 09131/85-65582, andriy.mokhir@fau.de

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23.03.2021 Blutspender nach Infektion mit Corona-Mutante gesucht
uni | mediendienst | aktuell Nr. 21/2021

Erlanger Transfusionsmedizin sucht ehemalige Corona-Patienten mit nachgewiesener Virusvariante – Plasmaspenden sollen Leben retten
Ein Jahr Corona-Pandemie: ein Jahr, in dem die Menschheit viel über SARS-CoV-2 gelernt hat – und das Virus viel über die Menschen. Denn mittlerweile dominiert die sogenannte britische Variante B1.1.7 das Infektionsgeschehen in Deutschland. „Wir beobachten diese Entwicklung sehr genau, da diese Variante deutlich ansteckender ist als andere Mutanten“, sagt Prof. Dr. Holger Hackstein, Leiter der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen. „Aber auch wir haben dazugelernt und können nun auf unseren Erfahrungen und Erkenntnissen aufbauen. Hier in Erlangen arbeiten wir seit einem Jahr intensiv an einer Immunplasmatherapie.“ Die Ärzte und Wissenschaftler rufen deshalb ehemalige Corona-Patientinnen und -Patienten, denen ein schriftlicher Nachweis vorliegt, dass sie mit einer Virusvariante infiziert waren, dazu auf, sich unter der E-Mail-Adresse tr-covid19@uk-erlangen.de zu melden.
„Wir waren überwältigt von der immensen Zahl der ehemaligen Corona-Patienten, die sich uns nach unserem ersten Aufrufen als Spender angeboten haben“, berichtet Prof. Hackstein. „Da erste Anwendungen des Immunplasmas bereits positiv verliefen und wir aktuell eine klinische Prüfung dieser Therapie durchführen, reaktivieren wir den Aufruf und bitten ausdrücklich darum, dass sich ehemalige Corona-Patienten mit nachgewiesener Virusvariante bei uns melden.“ Prof. Hackstein und sein Team gehen davon aus, dass die inzwischen genesenen Menschen mit ihrer Blutplasmaspende den Krankheitsverlauf von schwer kranken COVID-19-Patientinnen und -Patienten verbessern können.
Hintergrund ist, dass der Körper nach einer COVID-19-Erkrankung spezifische Antikörper gegen das Virus gebildet hat. Die Transfusionsmedizin des Uni-Klinikums Erlangen möchte diese Antikörper aus dem Blut der ehemaligen Erkrankten gewinnen und das Blutplasma schwer erkrankten COVID-19-Patientinnen und -Patienten geben. So kann sich deren Immunsystem besser gegen das Virus wehren.
Voraussetzungen und Ablauf
Wichtig ist der schriftliche Nachweis einer Infektion mit einer Virusmutation oder Virusvariante (z. B. B1.1.7 oder andere). Interessierte müssen zudem seit mindestens zwei Wochen von ihrer COVID-19-Erkrankung genesen sein und einen negativen SARS-CoV-2-PCR-Befund erhalten haben. Außerdem benötigen die Mitarbeitenden der Transfusionsmedizin einen Hinweis, ob noch eine häusliche Quarantäne angeordnet ist und eine Telefonnummer für die erste Kontaktaufnahme. Im Rahmen dieses Telefonats wird geklärt, ob und wann eine spezielle Plasmaspende infrage kommt.
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19.03.2021 Impfkampagne: Einbeziehung von Arztpraxen wird Impf-Akzeptanz steigern
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Berlin, 19.03.2021 – „Mit den heutigen Beschlüssen von Bund und Ländern wurden die administrativen Voraussetzungen für den Impfstart in den Arztpraxen geschaffen. Das ist gut und richtig. Die Beschlüsse bleiben aber Makulatur, wenn nicht ausreichend Impfstoff sowohl für die Impfzentren als auch für die Arztpraxen zur Verfügung gestellt werden kann. Bund und EU müssen deshalb auf die Einhaltung der ursprünglich zugesagten Impfstoff-Liefermengen drängen. Sie müssen außerdem sicherstellen, dass ausreichend Verbrauchsmaterialien wie Spritzen und Kanülen zur Verfügung stehen.“ Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt nach dem heutigen Impfgipfel der Bundeskanzlerin und der Regierungschefs der Länder in Berlin. Er betonte: „Wenn alle Impfzentren unter Volllast laufen, vor allem aber 50.000 Arztpraxen mit ihrem Knowhow aus den jährlichen Grippeschutzimpfungen in die Impfkampagne eingebunden werden, haben wir eine echte Chance, bis zum Sommer allen Erwachsenen ein Impfangebot zu machen.“

Nicht nachvollziehbar ist für Reinhardt die in dem heutigen Beschluss enthaltene Opt-out-Regelung für Bundesländer, die sich im April noch nicht an den Impfungen in den Praxen beteiligen wollen. „Auch wenn die Impfstoffmengen im Moment noch begrenzt sind, sollten alle Arztpraxen schnellstmöglich in die Lage versetzt werden, zumindest für besonders gefährdete Patientengruppen separate Impfsprechstunden anbieten zu können. Gerade für ältere Patienten wäre ein Impfangebot bei ihrem vertrauten Hausarzt und in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld eine echte Alternative zu dem Besuch eines möglicherweise weit entfernten Impfzentrums.“

Großflächige Impfungen in den Arztpraxen könnten nach Meinung Reinhardts auch dazu beitragen, dem durch den vorrübergehenden Impfstopp des AstraZeneca-Vakzins ausgelösten Vertrauensverlust in die Impfkampagne entgegenzuwirken. „Viele Menschen sind verunsichert und können die tatsächlichen Impfrisiken nicht richtig einordnen. Sie wünschen sich Impfberatung, Anamneseerhebung, Impfung und wenn nötig auch Nachbetreuung durch ihnen vertraute Ärztinnen und Ärzte. Das können die Impfzentren beim besten Willen nicht leisten“, so der BÄK-Präsident.

Dass zunächst vor allem immobile Patientinnen und Patienten in der eigenen Häuslichkeit sowie Personen mit Vorerkrankungen geimpft werden sollen, sei aufgrund der begrenzten Impfstoffkapazitäten angemessen. Gut ist auch, dass Ärzten darüber hinaus die Möglichkeit eingeräumt wird, in Einzelfällen von diesem Impfschema abweichen zu können, wenn dies aus ihrer fachlichen Sicht medizinisch geboten ist. Schließlich wissen sie am besten, welche Patienten besonders gefährdet sind“, so Reinhardt.

18.03.2021 Mehr Appetit durch Pflanzenproteine
uni | mediendienst | forschung Nr. 24/2021

Internationales Forschungsprojekt untersucht neue Ansätze gegen Mangelernährung älterer Menschen.

Können innovative Pflanzenprotein-Ballaststoff-Produkte und körperliche Aktivität zur Vorbeugung von Mangelernährung bei Seniorinnen und Senioren mit schlechtem Appetit beitragen? Das untersucht das Projekt „Innovative Ansätze mit Pflanzenproteinen, Ballaststoffen und körperlicher Aktivität zur Steigerung des Appetits und Vorbeugung von Mangelernährung bei Senioren“ (APPETITE). Die Ernährungswissenschaftlerin Prof. Dr. Dorothee Volkert vom Institut für Biomedizin des Alterns (IBA) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) leitet als Koordinatorin das multidisziplinäre Konsortium von acht Institutionen aus sechs europäischen Staaten.

Im Mittelpunkt des Projekts APPETITE stehen Seniorinnen und Senioren, die zuhause leben und sich selbstständig um ihre Ernährung kümmern – aber verringerten Appetit und damit ein erhöhtes Risiko für Mangelernährung haben. Mit ihnen zusammen entwickelt das Forschungsteam Pflanzenprotein-Ballaststoff-Produkte, die leicht anzuwenden sind und deshalb für einen breiten Einsatz geeignet sind.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen, wie der menschliche Körper die pflanzlichen Proteine und Ballaststoffe im Vergleich zu tierischen Proteinquellen verwertet. Anschließend prüfen sie die Effekte ausgewählter Produktvarianten und körperlicher Aktivität auf den Appetit und das Auftreten von Mangelernährung bei älteren Menschen mit reduziertem Appetit.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert das internationale Projekt, das im April startet, mit 125.000 Euro im Rahmen der Joint-Programming-Initiative „A healthy diet for a healthy life“ (JPI-HDHL).

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15.03.2021 Aussetzung der AstraZeneca-Impfungen - „Wir brauchen völlige Transparenz“
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft

Berlin, 15.03. 2021 – Zu der heute bekannt gewordenen vorübergehenden Aussetzung der Impfungen mit dem Covid-19-Impfstoff des Herstellers AstraZeneca erklärt Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt:

„Dass das Paul-Ehrlich-Institut die Notbremse gezogen und die Impfung mit AstraZeneca vorübergehend ausgesetzt hat, ist richtig und wichtig. Denn es gibt Bedenken zu möglichen
Nebenwirkungen nach AstraZeneca-Impfungen, wie nicht-eindeutig erklärbare schwerwiegende thrombotische Ereignisse. Wir dürfen kein Risiko eingehen, aber wir müssen jetzt schnell und
umfassend die Datenlage analysieren und die möglichen Nebenwirkungen auf das Risikopotential hin überprüfen. Es muss geklärt werden, ob die aufgetretenen Fälle statistisch relevant sind
und es sich um kausal durch die Impfung ausgelöste Ereignisse oder um eine zufällige Koinzidenz handelt. Entscheidend sind und bleiben die völlige Transparenz bei jedem Prozessschritt und die
unmittelbare Information dazu, ansonsten geht Vertrauen verloren.“

Diese Pressemitteilung finden Sie auch im Internet unter www.bundesaerztekammer.de
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12.03.21 Bunt macht gesund!
uni | mediendienst | aktuell Nr. 20/2021

Nachsorgeprogramm Bunter Kreis Erlangen betreut frühgeborene und kranke Kinder

Bei schwer kranken Kindern kommt es nicht nur auf die medizinische Behandlung im Krankenhaus an – auch danach brauchen betroffene Familien oft noch Unterstützung. Diese bietet der „Bunte Kreis Erlangen“: Bis zu drei Monate nach der Krankenhausentlassung ist das Nachsorgeteam für die Kinder und ihre Eltern da. Der Bunte Kreis ist in der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle) des Universitätsklinikums Erlangen untergebracht. Eine vorherige Behandlung am Uni-Klinikum ist aber keine Voraussetzung dafür, die sozialmedizinische Nachsorge in Anspruch nehmen zu können. Im Schnitt betreut der Bunte Kreis parallel 50 bis 60 Familien in Erlangen und in den Landkreisen Erlangen-Höchstadt und Forchheim. Nicole und Thomas Heid aus Gräfenberg sind bis heute dankbar für dieses Angebot und hätten es für sich und ihre Kinder am liebsten noch viel länger genutzt.

Nicole Heid brachte Emma und Lucas im Oktober 2019 in der Frauenklinik (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) des Uni-Klinikums Erlangen zur Welt – viel zu früh, in der 27. Schwangerschaftswoche. Jeder der beiden Zwillinge wog nur etwas über 900 Gramm. Zehn Wochen lang mussten Bruder und Schwester in der Neonatologie des Uni-Klinikums Erlangen überwacht und aufgepäppelt werden, bis sie endlich nach Hause durften. „Wir wussten ja, dass es Frühchen werden“, sagt Nicole Heid. „Aber dass sie dann so früh kamen – das war schon ein Schock und sehr belastend.“ Zu Hause in Gräfenberg ging es für Nicole Heid und ihren Mann Thomas dann „so richtig los“, wie er sagt. „Wir waren erst mal ganz auf uns allein gestellt, hatten viele Fragen und waren einfach unsicher im Umgang mit den Kindern“, erklärt der Vater der Zwillinge.

Notfall oder falscher Alarm?

„Beim ersten Kind ist für Eltern sowieso alles neu“, weiß Ingrun Löwe, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin im Bunten Kreis. „Und dann waren es bei der ersten Schwangerschaft von Nicole Heid gleich Zwillinge, die auch noch zu früh kamen.“ Drei Monate lang besuchte Ingrun Löwe Familie Heid zu Hause – jede Woche einmal. „Es geht uns immer darum, den Eltern bei der Versorgung ihrer Kinder Sicherheit zu vermitteln“, sagt sie. Denn der reine Mutter- oder Vaterinstinkt reiche bei Frühchen anfangs manchmal nicht aus. „Diese Kinder neigen wegen ihrer Unreife oft zu Unruhezuständen und es fällt ihnen schwerer, sich selbst zu regulieren“, erklärt Ingrun Löwe. „Man braucht viel Feingefühl, um ihre Signale richtig zu deuten und auf ihre Bedürfnisse einzugehen.“ Bei Lucas sahen die Ärzte in den ersten Monaten immer wieder die Gefahr, dass er Krampfanfälle erleiden könnte. Er bekam deshalb einen Überwachungsmonitor mit nach Hause, der seine Vitalzeichen maß – Herzfrequenz, Atmung, Sauerstoffsättigung im Blut. „Es war wichtig, den Eltern zu erklären, wie sich Neugeborenenkrämpfe äußern, wie sie auf einen Alarm der Überwachungseinheit reagieren sollen und wann der Kleine welche Medikamente bekommt“, zählt Ingrun Löwe auf. Lucas’ Zwillingsschwester Emma erlitt parallel einen Nabelbruch und brauchte ebenfalls besondere Aufmerksamkeit.

Bezugspersonen für Kinder – und Eltern

Wie bei Nicole und Thomas Heid agiert der Bunte Kreis immer direkt vor Ort, bei den Familien zu Hause. So schafft er einen sanften Übergang von der Klinik in die gewohnte Umgebung. Das Team aus Pflegefachkräften, Ärzten, Psychologen, Sozialpädagogen und Therapeuten unterstützt bei der Pflege, der Medikamentengabe, der Ernährungsplanung und der Organisation des Alltags. Dabei beurteilen erfahrene Betreuerinnen wie Ingrun Löwe auch, ob sich die Kinder altersgerecht entwickeln. „Wir haben einen ganzheitlichen Blick auf das gesamte Familiensystem und arbeiten mit den Eltern vertrauensvoll zusammen“, sagt sie. Vater Thomas Heid bestätigt das: „Wir konnten Frau Löwe wirklich immer anrufen – selbst bei Kleinigkeiten. Wenn sich die Haut der Kinder kalt anfühlte und wir Angst hatten, dass ihre Körpertemperatur zu niedrig ist; wenn sie auf einmal unerklärlichen Ausschlag bekamen oder viel weinten. Frau Löwe kam immer, so schnell es ging, vorbei.“ Mutter Nicole Heid erinnert sich: „Einmal bin ich sehr erschrocken, als der Inhalt von Lucas’ Windel dunkelgrün war. Frau Löwe hat mich beruhigt und mir erklärt, dass das mit den Eisentabletten zusammenhängen kann, die er bekommt.“ Nicht nur dieses medizinische Wissen, auch der emotionale Beistand durch den Bunten Kreis bedeutete Nicole und Thomas Heid sehr viel. „Frau Löwe war für uns mehr als nur eine fachliche Ansprechpartnerin für die Kinder“, berichtet Thomas Heid. „Sie hat immer auch gefragt, wie es uns Eltern geht, hat sich viel Zeit genommen und uns alle dadurch entspannt.“ Ingrun Löwe ergänzt: „Bei Frühgeburten erleben wir es oft, dass in der Nachsorge die ganzen schwierigen Erfahrungen und Ängste aus der Schwangerschaft und aus dem Krankenhaus wieder hochkommen. Das ist ja alles bis dahin noch gar nicht verarbeitet worden. Hier hören wir zu und vernetzen die Mütter und Väter gegebenenfalls mit Therapeuten.“

Neben Frühchen begleitet der Bunte Kreis auch schwer und chronisch kranke Kinder bis 14 Jahre. Unter bestimmten Voraussetzungen haben sie nach einem längeren Krankenhausaufenthalt Anspruch auf eine Nachsorge. Diese wird entweder noch in der Klinik veranlasst oder später von einem niedergelassenen Kinderarzt verschrieben. Die Krankenkassen tragen weitestgehend die Kosten. „Es gibt aber auch Nachsorgemaßnahmen, die die Kassen nicht übernehmen – solche Dinge sind dann spendenfinanziert“, erklärt Dagmar Kußberger, Fallmanagerin und Koordinatorin im Bunten Kreis. „Dazu zählt unter anderem Material, um die Eltern besser anleiten zu können, zum Beispiel eine therapeutische Puppe oder ein Tragetuch.“ Der Bunte Kreis hilft, unterschiedliche Akteure miteinander zu vernetzen und weitere Hilfen anzubahnen – etwa bei sozialrechtlichen Fragen und weiterführenden Therapien. „Wohnt eine Familie weiter weg, kümmern wir uns darum, dass sie stattdessen an eine andere wohnortnahe Nachsorge angebunden wird“, so Dagmar Kußberger.

Lucas und Emma geht es heute sehr gut – sie sind inzwischen anderthalb Jahre alt. „Wir hätten die Nachsorge gern länger als drei Monate in Anspruch genommen“, gesteht Nicole Heid. „Als uns Frau Löwe nicht mehr regelmäßig besucht hat, war das eine ganz schöne Umstellung für uns und wir mussten erst mal allein klarkommen. Mittlerweile haben wir aber mehr Routine. Bei Fragen rufen wir unseren Kinderarzt an, der wirklich sehr gut ist – oder die Oma.“

Spenden an den Bunten Kreis Erlangen:

Universitätsklinikum Erlangen

Stadt- und Kreissparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach

IBAN: DE84 7635 0000 0000 0464 04

BIC: BYLADEM1ERH

Verwendungszweck: 34012344 Bunter Kreis Erlangen

Weitere Informationen:

Dagmar Kußberger

Tel.: 09131 85-41172

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09.03.2021 Impfen in Arztpraxen
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Wir sind an einem gewissen Wendepunkt angekommen, an dem das staatliche Impfstoff-Monopol nicht mehr weiter aufrechterhalten werden kann“, sagt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK). Ärztinnen und Ärzte sollten jetzt unkompliziert und unbürokratisch in die Impfungen gegen das SARS-CoV-2-Virus eingebunden werden. Wenn selbst der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO) konstatiere, dass die Vorgaben der Bundesimpfverordnung, die grundsätzlich sinnvoll seien, großflächig durchbrochen würden, sei es an der Zeit, das strenge Priorisierungsschema lediglich als „Handlungsempfehlung“ für die Ärztinnen und Ärzte zu interpretieren. Ein Modellierungskonzept für die Nationale Impfstrategie sei zudem laut Gesundheitsministerkonferenz (GMK) in Planung.

Daher äußert Bayerns Ärztechef drei Kernbotschaften:

•    Geeigneter Impfstoff für die Praxen steht zur Verfügung, also können Ärzte mit der Impfung gegen das SARS-CoV-2-Virus starten.
•    Ärzte sollten selbst anhand dieser „Empfehlungen“ die Entscheidungen über die Priorisierung ihrer eigenen Patientinnen und Patienten treffen und die Dokumentation in Impfpass und Praxissoftware vornehmen.
•    Es sollte weder eine ausufernde Dokumentation noch eine Registrierung über das Online-Terminvereinbarungs-Portal BayIMCO nötig sein.

Quitterer will das Impfen der Patienten in den Arztpraxen, insbesondere in den Hausarztpraxen, ermöglichen. Praxen sollten keine „Außenstellen der Impfzentren“ darstellen, sondern unkompliziert ihre Patienten impfen.

Pressestelle      Bayerische Landesärztekammer

Dagmar Nedbal
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05.03.2021 Experten fordern neue Kennzahl zur Steuerung der Pandemie- Maßnahmen
Ärztlicher Pandemierat der Bundesärztekammer

Berlin, 05.03.2021 – Die Zahl neuer beatmungspflichtiger COVID-19-
Intensivpatienten sollte als zusätzlicher Faktor zur Steuerung der Pandemie-
Maßnahmen herangezogen werden. Das fordert eine Expertengruppe des
Ärztlichen Pandemierats der Bundesärztekammer (BÄK). Dieser Wert sei
aufgrund der Meldepflicht an das DIVI-Intensivregister ein sehr
zuverlässiger Parameter zur Beurteilung des Pandemiegeschehens, heißt es
in dem Positionspapier "Weiteres Vorgehen zum Umgang mit dem
epidemischen Geschehen - Empfehlungen aus ärztlicher Sicht". Nach dem
Thesenpapier zu Teststrategien und dem Schutzkonzept für Alten- und
Pflegeheime ist es das dritte Papier, dass das fächerübergreifend besetzte
Expertengremium nun vorlegt.

"Die aktuell verwendeten Parameter bergen zahlreiche Schwächen", kritisiert
Prof. Dr. Manfred Dietel, Leiter der Arbeitsgruppe und Mitglied im
Wissenschaftlichen Beirat der BÄK. Kennzahlen wie der Inzidenzwert oder
der R-Wert seien ein zu grobes Maß, um als Basis für politische
Entscheidungen mit erheblichen Konsequenzen für alle Bürger
herangezogen zu werden. So sage auch die Anzahl der Neuinfektionen
nichts über die Krankheitslast in der Bevölkerung aus. Problematisch sei
ebenso die erhebliche Dunkelziffer, die aufgrund der vielen
asymptomatischen Verläufe und je nach Zahl und Art der Tests, der
Teststrategie und der Fähigkeit zur Kontaktnachverfolgung stark variiere.

Aus Sicht des Expertengremiums stellt eine erweiterte Teststrategie in
Ergänzung zur Impfstrategie einen weiteren wichtigen Baustein in der
Pandemie-Bekämpfung dar. Der Einsatz von Schnelltests und Selbsttests
durch Laien solle weiter forciert werden. Dazu seien klare Verhaltensweisen
zu definieren. So sollten positive Ergebnisse unbedingt durch einen PCR-


Test, der weiterhin der Goldstandard sei, bestätigt werden. Anzustreben sei
auch, möglichst viele Ergebnisse im Sinne eines bevölkerungsbezogenen
Monitorings an eine zentrale Stelle zu melden, um eine bessere Übersicht
über das wirkliche Geschehen zu erhalten. Um die Entwicklung von SARS-
CoV-2-Mutationen besser zu überwachen, sei außerdem die anlassbezogene
Genomsequenzierung PCR-positiver Fälle von großer Bedeutung.

Zur Ausweitung der Impfkapazitäten und zur Erhöhung der Akzeptanz der
Impfung wird die Beteiligung von niedergelassenen Ärzten und
Betriebsärzte gefordert „Die von Bund und Ländern beschlossene
Einbindung muss jetzt schnellstmöglich umgesetzt werden“, so Dietel.

Eine Senkung der Infektionszahlen auf null halten die Experten in der
aktuellen Situation für nicht realistisch. "Wir werden lernen müssen, mit der
COVID-19-Erkrankung auch in den nächsten Jahren zu leben", schreiben sie
in ihrem Papier. Vor diesem Hintergrund plädieren sie dafür, einen
interdisziplinär besetzten nationalen Pandemierat zu gründen. Dieser könne
"Entscheidungen der Politik transparent und unabhängig vorbereiten und so
die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Anti-Corona-Maßnahmen
verbessern."

Das Papier "Weiteres Vorgehen zum Umgang mit dem epidemischen
Geschehen – Empfehlungen aus ärztlicher Sicht" der Arbeitsgruppe 5 des
Ärztlichen Pandemierats kann im Internet heruntergeladen werden unter:
https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-
Ordner/Corona/BAEKAErztlPandemieratAG5AusstiegsszenarioPositionspapier20210304final.pdf

Der Ärztliche Pandemierat der Bundesärztekammer ist ein
Zusammenschluss von Ärztinnen und Ärzten unterschiedlicher
Fachdisziplinen zum Austausch über die aktuelle pandemische Situation

und den sich daraus ergebenden Handlungsnotwendigkeiten. Der
Pandemierat setzt sich zusammen aus Vertretern der Bundesärztekammer,
des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer sowie
nachfolgenden Organisationen: Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin
und Familienmedizin e.V. (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für
Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS),
Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e.V. (DGG), Deutsche Gesellschaft für
Hygiene und Mikrobiologie e.V. (DGHM), Deutsche Gesellschaft für
Infektiologie e.V. (DGI), Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V.
(DGIM), Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und
Notfallmedizin (DGIIN), Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall-
und Akutmedizin e.V. (DGINA), Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für
Intensiv- und Notfallmedizin e.V. (DIVI), Deutsche Gesellschaft für
Anästhesiologie und lntensivmedizin e.V. (DGAI), Akkreditierte Labore in
der Medizin e.V. (ALM), Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und
Laboratoriumsmedizin e. V. (DGKL), Deutsche Gesellschaft für Neurologie
e.V. (DGN), Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie,
Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN), Deutsche Gesellschaft
für Kinder und Jugendmedizin e.V. (DGKJ), Deutsche Gesellschaft für
Palliativmedizin e.V. (DGP), Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.
(DGP), Deutsche Gesellschaft für Pharmakologie e.V. (DGP), Deutsche
Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP),
Gesellschaft für Virologie e.V. (GfV), Deutsche Gesellschaft für
Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) e.V.,
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften e.V. (AWMF), Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte
des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V., Ständige Impfkommission des
RKI

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04.03.2021 Unsichtbare Entzündungen der Darmschleimhaut erklären Nahrungsmittelunverträglichkeiten
uni | mediendienst | forschung Nr. 18/2021

Erlanger Forscherteam untersucht neue diagnostische Verfahren, um Nahrungsmittelunverträglichkeiten besser feststellen zu können
 
Nahrungsmittelunverträglichkeiten haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Die Basisdiagnostik für Nahrungsmittelallergien – eine spezielle Form von Unverträglichkeiten – stellen weiterhin sogenannte Prick-Tests auf der Haut und laborchemische Untersuchungen von spezifischen Antikörpern im Blut dar. Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Kohlenhydraten können mithilfe von Atemtests diagnostiziert werden, und die Beschwerden bessern sich durch eine einfache Ernährungsumstellung. Viele Patienten mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten haben jedoch ein komplexeres Beschwerdebild mit vorwiegend gastrointestinalen, aber auch allgemeinen Beschwerden, die die Lebensqualität beeinträchtigen. Oft bleibt bei diesen Patienten die oben beschriebene Diagnostik weitgehend ohne Ergebnis. Auch endoskopische Untersuchungen zeigen häufig eine unauffällige Darmschleimhautoberfläche. Diese Patienten haben meist einen langen Leidensweg hinter sich und ihr Speiseplan ist aufgrund von selbstauferlegten Diäten oft sehr eingeschränkt, was zu Mangelernährung und körperlicher Schwäche führen kann.
 
Eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Yurdagül Zopf von der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen untersuchte deshalb Darmgewebeproben von Patienten mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Dabei verglichen die Wissenschaftler die Ergebnisse derjenigen Patienten mit bekannten und nachgewiesenen Nahrungsmittelallergien mit den Darmgewebeproben von Patienten mit unklaren Nahrungsmittelunverträglichkeiten.
 
Entzündung gibt Hinweis auf Unverträglichkeit
Die Forscher konnten zeigen, dass eine differenzierte Analyse von Darmgewebe – im Vergleich zu anderen Verfahren – die sensitivste und zuverlässigste Methode ist, um eine Nahrungsmittelunverträglichkeit nachzuweisen. Gewebeassoziierte Immunglobuline E (IgE) – also spezielle Antikörper, die zum Abwehrsystem des Körpers gehören, und ein erhöhter Tumor-Nekrose-Faktor-α (TNF-α) – ein Signalstoff des Immunsystems, der an Entzündungsprozessen beteiligt ist, stehen im direkten Zusammenhang mit einer Nahrungsmittelallergie. Patienten mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit unklaren Ursprungs zeigen jedoch nur sehr geringe gewebeassoziierte IgE- und TNF-α-Werte, dafür aber ein sehr hohes Level an Interferon-f. Dabei handelt es sich um ein Eiweiß, das bei Entzündungen gebildet wird.
 
„Das weist auf eine geringgradige Entzündung der Darmschleimhaut hin“, erklärt Prof. Zopf. „Wir konnten damit erstmals nachweisen, dass bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit unklaren Ursprungs eine entzündliche Reaktion der Darmschleimhaut vorliegt“, so die Ernährungsmedizinerin. „Wenn die Endoskopie des Darms unauffällig ist, der Patient aber Beschwerden hat, sollten die Darmgewebeproben deshalb weiter aufbereitet werden, um eine Entzündung abzuklären und damit eine Unverträglichkeit nachzuweisen.“
 
Diese spezielle Untersuchung wird im Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport in der Medizin 1 des Uni-Klinikums Erlangen im Rahmen von Studien durchgeführt. Die Erlanger Wissenschaftler um Prof. Zopf vermuten, dass eine Veränderung der Darmflora mitverantwortlich für die Entzündung der Schleimhaut sein könnte. Der Einfluss des Darmmikrobioms und die weitere Charakterisierung der Schleimhautentzündung sollen in Folgestudien untersucht werden.
 
Link zur Studie: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33600102/
 
Weitere Informationen:
 
Prof. Dr. Yurdagül Zopf
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03.03.2021 Zwischen Hoffnung und Gefahr
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Der positive Trend der vergangenen Wochen setzt sich Ende Februar offenbar nicht mehr fort. Doch dank der verschiedenen zugelassenen Corona-Impfstoffe verfügen wir nun über die Mittel, SARS-CoV-2 mittelfristig in Schach zu halten“, schreibt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), im Leitartikel der März-Ausgabe 2021 des Bayerischen Ärzteblatts. In der aktuellen Mangelsituation gehe es darum, mit allen zugelassenen Impfstoffen schwere Krankheitsverläufe zu verhindern bzw. eine Covid-19-Erkrankung zu vermeiden. Daher gelte: die Impfstoffe nicht schlechtreden, sondern insgesamt das Potenzial anerkennen, das in der Impfung stecke. Dies gebe Anlass zur Hoffnung auf eine Normalisierung des Lebens in der zweiten Jahreshälfte 2021.

Zu starke Lockerungen des Lockdowns sowie der Kontaktbeschränkungen könnten leicht wieder zu einem erheblichen Anstieg der Neuinfektionen führen und die Erfolge der ersten Monate des Jahres zunichtemachen. Vorsicht und das weitere Beachten der Hygiene- und Abstandsregeln seien die Gebote der Stunde. Gleichzeitig dürften auch die Kehrseiten des Lockdowns sowie der Kontaktbeschränkungen nicht aus dem Blickfeld geraten. Denn fehlende soziale Kontakte, Stress, Langeweile und vermeintliche Bewältigungsstrategien können auch zu ungesunden Verhaltensweisen führen. Die Gefahr bestehe, dass bei einigen Personen aus dem vermehrten Alkoholkonsum eine Gewohnheit werde, was ein höheres Risiko für eine Abhängigkeit nach sich ziehen könnte. Außerdem sei ein Anstieg des Tabakkonsums, von Übergewicht in Folge von Bewegungsmangel sowie von psychischen Auffälligkeiten zu beobachten. Gerade in der derzeitigen Situation sollten Ärztinnen und Ärzte der Prävention sowie den psychischen Problemen der Patienten besondere Aufmerksamkeit widmen.
Der Präsident plädiert auch für eine Überarbeitung der Impfpriorisierung. Es könne nicht abgewartet werden, bis alle Anspruchsberechtigten einer Gruppe durchgeimpft seien, ehe mit der nächsten begonnen werde. Dabei müsse die Ärzteschaft Teil der ersten Gruppe sein. Es bestehe ein hoher Bedarf an der Ressource Arzt. „Diese brauchen wir derzeit in Praxen und Kliniken zur Versorgung der Patienten mit Gesundheitsproblemen jenseits von COVID-19. Impfzentren auszubauen und dafür noch mehr Ärzte aus der Versorgung abzuziehen ist angesichts der Tatsache, dass die Hausärzte ihre eigenen Patienten jetzt in ihren Praxen impfen wollen und könnten, nicht nachvollziehbar“, so Quitterer abschließend.

Mehr zu „Zwischen Hoffnung und Gefahr“ lesen Sie im Leitartikel der März-Ausgabe 2021 des Bayerischen Ärzteblatts unter MailScanner hat einen möglichen Täuschungsversuch durch "www.bayerisches-aerzteblatt.de" festgestellt. www.bayerisches-aerzte¬blatt.de.
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23.02.2021Erweiterte Gesundheitskompetenz dank Künstlicher Intelligenz
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FAU leitet Verbundprojekt über gesundheitsfördernde Interaktion von Mensch und Künstlicher Intelligenz
Wie muss ein intelligentes Assistenzsystem gestaltet sein, damit möglichst viele Menschen es für die alltägliche Verbesserung ihrer Gesundheit nutzen? Diese Frage steht im Mittelpunkt des Verbundprojekts „Erweiterte Gesundheitsintelligenz für persönliche Verhaltensstrategien im Alltag“ (Eghi), das jetzt unter Leitung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gestartet ist. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt im Rahmen des Förderschwerpunkts „Adaptive Technologien für die Gesellschaft – Intelligentes Zusammenwirken von Mensch und Künstlicher Intelligenz“ mit rund 1,8 Millionen Euro für eine Laufzeit von drei Jahren.
„Obwohl das Interesse und Engagement für die eigene Gesundheit in der Bevölkerung insgesamt steigt, ist es für die Einzelnen oft schwer, entsprechende Maßnahmen im Alltag umzusetzen“, beschreibt der Koordinator des Verbundprojekts Prof. Dr. Oliver Amft. Er ist Lehrstuhlinhaber für Digital Health an der FAU und betont: „Bestehende Angebote werden oft nur von Personen genutzt, die ohnehin ein gutes Gesundheitsverhalten zeigen. Bei dieser Gruppe sind sogenannte Wearables wie Fitness-Armbänder und Smartwatches schon sehr beliebt.“
Lernendes Assistenzsystem
In dem neuen Projekt will die FAU – zusammen mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, der Universität Duisburg-Essen, BODYMED und der Interactive Wear AG – ein lernendes Assistenzsystem entwickeln, das auf Künstlicher Intelligenz (KI) basiert und Menschen bei einem gesunden Alltagsverhalten unterstützt. „Wir setzen auf personalisierte, situative Verhaltensempfehlungen, die einen direkten Bezug zu relevanten Erlebnissen der Menschen haben und leicht umzusetzen sind“, erklärt Professor Amft. „Ganz egal ob es um die individuelle Reduktion von Gesundheitsrisiken geht oder um mehr Bewegung im Alltag allgemein.“
Als Beispiel skizziert der Forscher folgendes Szenario: „Eine Nutzerin fährt mit der Straßenbahn zu einem Termin. Das intelligente Assistenzsystem Eghi merkt während der Fahrt, dass das Wetter schön ist und noch ausreichend Zeit bis zum Termin verbleibt. Es hat auch häufiger beobachtet, dass die Nutzerin bei schönem Wetter einen Spaziergang macht. Also fragt Eghi die Nutzerin, ob sie eine Station früher aussteigen und laufen möchte, um ein wenig in Bewegung zu bekommen.“ Während eine solche Empfehlung in dieser Situation für einen Menschen ganz selbstverständlich ist, muss eine Künstliche Intelligenz das erst modellieren. „Das ist ein anspruchsvolles Problem, das wir in diesem Projekt angehen wollen“, sagt der Projektkoordinator. „Die Verfahren, um personalisierte, situative Interaktion und Handlungsanstöße zu erzeugen, existieren heute noch nicht.“ Darüber hinaus fehlen bisher auch KI-Methoden, die Nutzerinnen und Nutzer aktiv und verständlich in Entscheidungsprozesse einbinden und – als erweiterte Intelligenz – die Ausbildung von persönlichen Verhaltensstrategien unterstützen.
Multidisziplinärer Forschungsansatz
Ziel des Eghi-Projekts ist es, das Konzept der erweiterten Intelligenz auf die Unterstützung von gesundem Alltagsverhalten zu übertragen und insbesondere die Ausbildung von persönlichen Verhaltensstrategien zu unterstützen. Dafür setzt das Projektteam auf einen multidisziplinären Forschungsansatz und verknüpft Methoden der Künstlichen Intelligenz mit Methoden der Verhaltensmodellierung und Konzepten zur Mensch-Technik-Interaktion. Im ersten Schritt schaffen die Forschenden durch die sensorgestützte Beobachtung der Aktivitäten der Nutzerinnen und Nutzer und ihrer Verhaltensmuster eine Art gemeinsamen Erfahrungsschatz und eine gemeinsame Kommunikationsebene zwischen Mensch und KI. Danach verdichten sie mit Hilfe von KI die Nutzerdaten so, dass personalisierte Handlungsempfehlungen abgeleitet und ausgesprochen werden können. „Weil diese Empfehlungen einen Bezug zu relevanten Erlebnissen haben, sind sie für den Menschen leicht umsetzbar und verständlich“, ist sich der Projektleiter sicher. In einer eingespielten Mensch-KI-Beziehung kann eine kurze Vibration des Smartphones oder ein optisches Symbol auf einem Armband zum Beispiel an die Vorbereitung eines gesunden Abendessens erinnern. „Die Hinweise sollen den Menschen neue Möglichkeiten eröffnen, um gesundheitsbewusst zu handeln. Wir entwickeln eine intelligente Assistenz für gesunde Ernährung, Bewegung im Alltag oder Unterstützung im Alter – keine Kontrolle“, betont Prof. Dr. Oliver Amft.
Zum Projekt Eghi: https://www.eghi-projekt.de/
Link zum Lehrstuhl: https://www.cdh.med.fau.de
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Oliver Amft
Lehrstuhl für Digital Health
Tel.: 09131/85-23601
oliver.amft@fau.de

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18.02.2021 Was beeinflusst den Krankheitsverlauf von Covid-19?
uni | mediendienst | forschung Nr. 14/2021

Neue Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung zu SARS-Cov-2

Manche Menschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren, merken kaum etwas davon. Andere wiederum erkranken schwer und müssen stationär behandelt werden. Als einen wichtigen Frühindikator dafür, ob die Virusinfektion mild oder schwer verlaufen wird, hat die Arbeitsgruppe „Cellular immunity in inflammation and cancer“ am Universitätsklinikum Erlangen den Immunbotenstoff Interleukin-3 identifiziert. Die Ergebnisse der Untersuchung erscheinen in der Zeitschrift „Nature Communications“*.

Die Forschenden um PD Dr. med. Georg Weber, stellvertretender Klinikdirektor und Leitender Oberarzt an der Chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen, und Dr. Alan Bénard, Mitarbeiter an der Chirurgischen Klinik, beschäftigen sich auf zellulärer Ebene mit immunologischen Mechanismen bei entzündlichen und bösartigen Erkrankungen. Nun haben sie in einer Studie nachgewiesen, dass ein niedriger Interleukin-3-Spiegel im Blutplasma häufig mit einem schweren Covid-19-Krankheitsverlauf einhergeht.

Das Zytokin Interleukin-3 spielt für die Organisation der Immunantwort des Körpers nämlich eine große Rolle. Es regt am Ort des Geschehens einer Entzündung – zum Beispiel einer Lungenentzündung ausgelöst durch SARS-Cov-2 – die dortigen Zellen dazu an, das Protein CXCL12 zu bilden. „Dieses Protein kommuniziert mit den plasmazytoiden dendritischen Zellen – unspezifischen Immunzellen, die normalerweise in der Blutbahn zirkulieren. CXCL12 ‚lockt‘ sie gewissermaßen in die entzündete Lunge, wo sie die Vermehrung der auslösenden Viren eindämmen“, erklärt Dr. Weber.

Exaktere Evaluation des Risikos

Dafür, ob für eine Person, die sich mit dem Coronavirus infiziert hat, das Risiko eines schweren Verlaufs besteht, liefert der Interleukin-3-Spiegel also einen wichtigen Anhaltspunkt. Bisher konnte man diese Einschätzung nur an weitaus gröberen Kriterien festmachen – etwa am Alter oder bestimmten Vorerkrankungen. „Es können aber auch Menschen, die keinerlei Risikogruppe angehören, wenig Interleukin-3 im Blut haben. Bei diesen kam bislang ein schwerer Verlauf eher überraschend und eine adäquate medizinische Versorgung möglicherweise zu spät“, gibt Dr. Weber zu bedenken.

 Nun könnten auf Grundlage der Studienergebnisse zu einem früheren Zeitpunkt wichtige Entscheidungen über die Behandlung von Covid-19-Patienten getroffen werden. Perspektivisch sei auch denkbar, eine Immuntherapie zu entwickeln, bei der Interleukin-3 in Form eines Inhalats zum Einsatz komme, um zielgenau die Lunge vor dem Befall durch Viren zu schützen.

 *Doi: https://www.nature.com/articles/s41467-021-21310-4

Website: https://www.chirurgie.uk-erlangen.de/en/research-teaching/cellular-immunity-in-inflammation-and-cancer/

 Weitere Informationen:

PD Dr. Georg Weber

Chirurgische Klinik des Universitätsklinikums Erlangen

Tel. 09131/85-33296

E-Mail: georg.weber@uk-erlangen.de

 Dr. Alan Bénard

Chirurgische Klinik des Universitätsklinikums Erlangen

Tel. 09131/85-42055

E-Mail: alan.benard@uk-erlangen.de

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18.02.2021 Aus dem Takt
uni | mediendienst | forschung Nr. 13/2021

Von FAU-Team entwickeltes Radar misst Herzratenvariabilität

Ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat ein Verfahren entwickelt, mit dem Vitalfunktionen per Radar zuverlässig detektiert und diagnostiziert werden können. In einer neuen Studie* zeigen die Forschenden nun, dass das Radar auch die Herzratenvariabilität (HRV) zuverlässig messen kann. Das Radar könnte zukünftig durch Langzeitbeobachtungen der HRV pathologische Veränderungen frühzeitig erkennen und so schweren Krankheitsverläufen vorbeugen.

Das menschliche Herz schlägt nicht gleichmäßig wie ein Metronom, sondern variiert je nach Gefühlslage der zugehörigen Person: Stress, Schmerzen und Depressionen können die Herzratenvariabilität (HRV) verändern. Aber auch chronische Krankheiten wie Diabetes und Herzerkrankungen wirken sich auf die HRV aus. Um die HRV mit dem Radar zu erfassen, hat das Team  der FAU und der Technischen Universität Hamburg die Radartechnik mit Methoden des maschinellen Lernens kombiniert. Im Rahmen eines klinischen Experiments am Universitätsklinikum Erlangen konnte das Team die Zuverlässigkeit des Verfahrens bestätigen. Beim sogenannten Eiswasser-Test halten die Testpersonen ihre Hand für eine bestimmte Zeit in Eiswasser, so dass eine Schmerzreaktion ausgelöst wird, die zu einer abrupten Änderung der HRV führt. Diese Änderung zeichnete das Team sowohl mit dem Radar als auch mit einem EKG als Referenz auf. Beim Vergleich zeigte sich eine sehr hohe Übereinstimmung zwischen den Methoden. Neben dem potenziellen Einsatz zur Beobachtung von Patientinnen und Patienten im Krankenhaus, etwa um eine Sepsis oder einen plötzlichen Herzstillstand frühzeitig erkennen zu können, könnte das Verfahren auch im heimischen Bereich eingesetzt werden, um eine Langzeitbeobachtung der HRV durchzuführen.

 *https://www.nature.com/articles/s41598-021-81101-1     

 Weitere Informationen:

Technischer Ansprechpartner: Kilin Shi, Lehrstuhl für Technische Elektronik, kilin.shi@fau.de 

Medizinischer Ansprechpartner: Prof. Dr. Christoph Ostgathe, Professur für Palliativmedizin, christoph.ostgathe@fau.de 

Zwei Proteine sind mitverantwortlich für Parkinson

FAU-Forschende untersuchen Protein-Struktur und deren Einfluss auf die Krankheit

 Zwei Proteine sind maßgeblich an der Entstehung der Parkinson-Krankheit beteiligt. Welche Struktur sie haben, wie sie miteinander interagieren und welchen Einfluss sie auf die Krankheit haben, untersuchen Prof. Dr. Friederike Zunke und PD Dr. Philipp Arnold von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Das Forschungsprojekt* wird von der Michael J. Fox Foundation for Parkinson's Research (MJFF) mit 149.500 US-Dollar für ein Jahr gefördert.

Parkinson ist eine der häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems und gilt bislang als unheilbar. Aktuell leiden mehr als 300.000 Deutsche an Parkinson, die Ursache der Erkrankung ist bei vielen Patientinnen und Patienten unbekannt. Allerdings können bestimmte Risikogene mit einer Parkinsonerkrankung verknüpft werden. Von zwei dieser Risikogene untersucht Prof. Dr. Friederike Zunke, Juniorprofessorin für translationale Neurowissenschaften an der FAU, zusammen mit PD Dr. Philipp Arnold vom Institut für Anatomie der FAU die Proteinstruktur.

 Zwei Proteine – Beta-Gluccocerebrosidase (GCase) und LIMP-2 – arbeiten in der Zelle zusammen: Sie treffen sich, gehen eine Verbindung ein und wandern zum Lysosom, das sich um die Entfernung von Zellabfällen kümmert. Ein teilweiser Ausfall von GCase ist bei rund fünf bis 15 Prozent der Parkinson-Erkrankten für den Ausbruch der Krankheit mitverantwortlich. Wie die beiden Proteine interagieren, will das Forschungsteam bestimmen, indem es den Komplex der beiden Proteine künstlich herstellt. Die Ergebnisse können möglicherweise pharmakologisch genutzt werden.

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Friederike Zunke, Tel.: 09131/85-34492, friederike.zunke@fau.de

PD Dr. Philipp Arnold, Institut für Anatomie, Tel.: 09131/85-22830, philipp.arnold@fau.de

https://www.michaeljfox.org/grant/limp-2-scaffolding-protein-characterize-pd-associated-gcase-variants  

 

18.02.2021 Sprachmuster in Zeiten der Corona-Pandemie
uni | mediendienst | forschung Nr. 13/2021

Sprachmuster in Zeiten der Corona-Pandemie

FAU-Forscher analysieren Sprache bei Verschwörungstheorien und Rechtspopulismus

 Welche Sprachmuster häufen sich in Verschwörungstheorien über Corona? Das untersuchen zwei Sprachwissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Ihr Projekt „Tracking the infodemic: Conspiracy theories in the corona crisis“ wird von der Volkswagen Stiftung im Rahmen der Initiative „Corona Crisis and Beyond“ für eineinhalb Jahre mit 120.000 Euro gefördert.

Die anhaltende Corona-Pandemie führt bei vielen Menschen zu großer Unsicherheit und ist ein fruchtbarer Boden für die Verbreitung von Fehlinformationen und Verschwörungstheorien. Viele dieser Erzählungen sind zwar absurd und widersprüchlich, finden aber immer mehr Anhängerinnen und Anhänger. Prof. Dr. Fabian Schäfer, Inhaber des Lehrstuhls für Japanologie, und Prof. Dr. Stefan Evert, Inhaber des Lehrstuhls für Korpus- und Computerlinguistik, untersuchen nun, welche Sprachmuster bei Corona-Lügen verwendet werden und was diese mit rechtspopulistischer Sprache verbindet. Dafür setzen die beiden FAU-Sprachwissenschaftler auf innovative korpuslinguistische Methoden. Sie verwenden also authentische Sprachdaten der Verschwörungstheoretiker/-innen, analysieren deren Äußerungen und vergleichen sie mit der von Rechtspopulist/-innen verwendeten Sprache – vor allem in Sozialen Medien wie Twitter. Ziel der beiden Forscher ist es, die Methoden so zu operationalisieren und zu automatisieren, dass in Zukunft Hinweise auf Verschwörungstheorien bereits im Ansatz erkannt werden können.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Fabian Schäfer, Tel.: 09131/85-29145, fabian.schaefer@fau.de

Prof. Dr. Stefan Evert, Tel.: 09131/85-22426, stefan.evert@fau.de

 

Wie Sprache, Visualisierungen und Konzepte Corona erklären

FAU-Institut untersucht Wandel der Wissenschaftskommunikation im Lauf der Pandemie

Wie wurden wissenschaftliche Erkenntnisse über Corona vermittelt und wie änderte sich dies im Zeitverlauf? Das erforscht das Zentralinstitut für Wissenschaftsreflexion und Schlüsselqualifikationen (ZiWiS) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) im Projekt „Language, Visualizations and Concepts – On the Evolution of the Corona Discourse“ (LaViCo). Die VolkswagenStiftung fördert das Vorhaben im Rahmen der Initiative „Corona Crisis and Beyond“ eineinhalb Jahre lang mit 120.000 Euro.

War das Wissen über das neue Virus zu Beginn der Pandemie noch auf eine kleine Gruppe von Expertinnen und Experten beschränkt, können heute fast alle mitreden. Aber wie erfolgte diese Wissensvermittlung, wie hat sie sich im Pandemieverlauf verändert und welches Wissen setzte sich schließlich warum durch? Die Linguistin Dr. Katrin Götz-Votteler, die Kunsthistorikerin Dr. Simone Hespers und der Philosoph Dr. Sebastian Schuol analysieren gemeinsam die Veränderung von Sprache, Visualisierungen und Konzepten im Lauf der Pandemie. Die Ergebnisse dieses interdisziplinären Forschungsprojekts sollen eine Grundlage für die Wissenschaftskommunikation zu ähnlichen Themen in der Zukunft bilden.

 Ausführliche Informationen zu LaViCo und dem wissenschaftlichen Ansatz: https://www.ziwis.fau.de/forschung/forschungsprojekte/lavico/ 

 Weitere Informationen:

Dr. Sebastian Schuol, Tel.: 09131/85-22503, sebastian.schuol@fau.de

18.02.2021 Ärztliche Verbände und Organisationen: Alle zugelassenen Impfstoffe wirksam und deshalb nutzen
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Die in der Impfverordnung vorgesehene Priorisierung hat das Ziel, möglichst rasch diejenigen vor schwerer Covid-19-Erkrankung zu schützen, die aufgrund ihres Alters oder ihrer beruflichen Tätigkeit in der Altenpflege und in Krankenhäusern besonders gefährdet sind. Wir unterstützen diese Strategie, weil dadurch die hohe Anzahl schwerer Krankheitsverläufe und Sterbefälle schneller gesenkt werden kann und gleichzeitig medizinischem und pflegerischem Personal auf Intensivstationen, in Notaufnahmen und Rettungsdiensten frühzeitig eine Impfung gegen SARS-CoV-2 ermöglicht werden kann.

In der aktuellen Mangelsituation geht es darum, mit den verfügbaren Impfstoffdosen möglichst viel gesundheitlichen Schaden durch die COVID-19-Pandemie abzuwenden, Erkrankungen zu vermeiden und Übertragungen von SARS-CoV-2 zu vermindern, soweit die verfügbaren Impfstoffe eine Unterbrechung oder Reduktion von Transmissionen wirksam leisten können.

Für jeden COVID-19-Impfstoff, für den eine Zulassung erteilt wird, müssen Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit in klinischen Prüfungen nachgewiesen und ein günstiges Nutzen/Risiko-Profil bescheinigt werden. Die derzeit in Deutschland verfügbaren Impfstoffe von Astrazeneca, Biontech/Pfizer und Moderna haben diese Prüfung durchlaufen und werden für die bislang in Deutschland dominierenden Virusvarianten als geeignet zum Individualschutz und zur Bekämpfung der Pandemie angesehen. Sie helfen, schwere Krankheitsverläufe und Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.

Wir werben deshalb mit Nachdruck dafür, dass alle prioritär impfberechtigten Beschäftigten in der ambulanten und stationären Versorgung jetzt die Chance der Impfung gegen SARS-CoV-2 ergreifen. Jede Impfung ist auch ein Beitrag zur Erhaltung der Funktionsfähigkeit des Gesundheitswesens, das gerade in den vergangenen Wochen durch COVID-19 besonders belastet war.

 Angesichts der Zunahme von Virusmutanten auch in Deutschland drängt die Zeit, so dass alle Impfstoffe, die die Prüfung durch die europäische Zulassungsbehörde bestanden haben, zügig entsprechend der vorliegenden Priorisierung verimpft werden sollten.

Wer nicht geimpft ist, hat ein deutlich höheres Risiko, an COVID-19 zu erkranken. Wer sich impfen lässt, kann sich bestmöglich davor schützen und gleichzeitig einen Beitrag zum Aufbau einer Grundimmunisierung in der Bevölkerung leisten.

17.02.21 Experten fordern mehr Fachpersonal zum Schutz vulnerabler Gruppen
Ärztlicher Pandemierat der Bundesärztekammer

Berlin, 17.02.2021 – Wie können alte und pflegebedürftige Menschen
besser vor einer Infektion mit dem Coronavirus geschützt werden?
Diese Frage beantwortet eine Expertengruppe des Ärztlichen
Pandemierats der Bundesärztekammer in einem aktuellen
Positionspapier. Nach den Thesen zum verantwortungsvollen Umgang
mit Corona-Schnelltests vom Dezember vergangenen Jahres ist es das
zweite Papier, dass das fächerübergreifend besetzte Expertengremium
nun vorlegt.
„Bewohner in Senioren- und Pflegeheimen tragen ein besonderes hohes
Risiko, schwer an einer Corona-Infektion zu erkranken oder sogar daran
zu sterben. Es ist eine zentrale Aufgabe des Krisenmanagements in der
Pandemie, diese Menschen besser zu schützen“, sagt Dr. Klaus
Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, anlässlich der
Vorstellung des Positionspapiers. Heime müssten noch stärker als
bisher bei der Umsetzung von Hygieneplänen unterstützt werden. „Wir
brauchen pragmatische Lösungen, um schnell und unbürokratisch
zusätzliche Mitarbeiter zur Infektionsprävention und zur Kompensation
von infizierten und erkrankten Mitarbeitern zu qualifizieren“, so
Reinhardt. Der Schutz vulnerabler Gruppen sei Grundvoraussetzung für
die Lockerung der Corona-Maßnahmen und die schrittweise Rückkehr
zur gesellschaftlichen Normalität.

„Die Corona-Pandemie hat deutlich aufgezeigt, welche strukturellen
Defizite während der Pandemie bei einem relevanten Teil der Heime
vorlagen“, betont Prof. Dr. Jürgen Bauer, Mitautor des Positionspapiers
und Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie. Eine
Pandemie sei nicht aus der Versorgungsroutine heraus zu bewältigen.

„Wir werden in bessere Strukturen investieren müssen, wenn wir
zukünftig besser vorbereitet sein wollen“, so Bauer.


Die Expertengruppe des Pandemierats weist in diesem Zusammenhang
auf den schon lange bekannten Fachkräftemangel in den Heimen hin.
Es sei nun geboten, „eine bedarfsgerechte qualitative und quantitative
Personalausstattung der Pflegeeinrichtungen zu definieren, die am
tatsächlichen Versorgungsbedarf der Bewohner orientiert ist“, fordern
die Experten. Um die Attraktivität des Pflegeberufs zu steigern, reiche
eine höhere Vergütung allein nicht aus. Notwendig seien auch bessere
Arbeitsbedingungen, Ausbildungsanreize und
Personalentwicklungskonzepte.

Zudem weist der Rat auf die Bedeutung einer adäquaten Information
und Kommunikation zur Vorbeugung von Infektionen hin. Es bedürfe
hochwertiger Beratungen und Schulungen durch erfahrenes
Hygienefachpersonal vor Ort. Notwendig seien zudem Informations-
materialien, die die Heterogenität der Mitarbeiter bezüglich ihrer
Vorkenntnisse und ihrer Sprachniveaus berücksichtigen, heißt es in dem
Positionspapier. Darüber sollten die Alten- und Pflegeheime bei der
Entwicklung und Umsetzung von Schutzkonzepten von
interdisziplinären und interprofessionellen Teams fachlich beraten
werden.

Das Papier „Schutzkonzept für Alten- und Pflegeheime: Lessons
Learned“ der Arbeitsgruppe II des Ärztlichen Pandemierats kann im
Internet unter www.baek.de/pandemierat-schutzkonzept
heruntergeladen werden.

Mit der Frage effizienter und nachhaltiger Testkonzepte in Wohn- und
Pflegeeinrichtungen für Senioren wird sich auch die Arbeitsgruppe
Teststrategie des Ärztlichen Pandemierats befassen.

Der Ärztliche Pandemierat der Bundesärztekammer ist ein
Zusammenschluss von Ärztinnen und Ärzten unterschiedlicher
Fachdisziplinen zum Austausch über die aktuelle pandemische
Situation und den sich daraus ergebenden Handlungsnotwendigkeiten.
Der Pandemierat setzt sich zusammen aus Vertretern der
Bundesärztekammer, des Wissenschaftlichen Beirats der
Bundesärztekammer sowie nachfolgenden Organisationen: Deutsche
Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. (DEGAM),
Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und
Epidemiologie e.V. (GMDS), Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e.V.
(DGG), Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie e.V.
(DGHM), Deutsche Gesellschaft für Infektiologie e.V. (DGI), Deutsche
Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM), Deutsche Gesellschaft für
Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), Deutsche
Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin e.V.
(DGINA), Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und
Notfallmedizin e.V. (DIVI), Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie
und lntensivmedizin e.V. (DGAI), Akkreditierte Labore in der Medizin
e.V. (ALM), Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und
Laboratoriumsmedizin e. V. (DGKL), Deutsche Gesellschaft für
Neurologie e.V. (DGN), Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und
Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN),
Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin e.V. (DGKJ),
Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP), Deutsche
Gesellschaft für Pathologie e.V. (DGP), Deutsche Gesellschaft für
Pharmakologie e.V. (DGP), Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und
Beatmungsmedizin e.V. (DGP), Gesellschaft für Virologie e.V. (GfV),
Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale
Gesundheit (DTG) e.V., Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen
Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), Bundesverband der
Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V.,
Ständige Impfkommission des RKI

Pressestelle der
deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
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Alexander Dückers
Samir Rabbata
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15.02.2021 Mehr Sicherheit bei der Medikation von Kindern
uni | mediendienst | aktuell Nr. 14/2021

Neue evidenzbasierte Datenbank unter Erlanger Federführung unterstützt Ärzte und Apothekerinnen – Informationen jetzt online

Nur ein kleiner Teil der Arzneimittelpräparate in Deutschland ist speziell für Kinder und Jugendliche zugelassen. Oft fehlen Angaben zur genauen Dosierung und zu kindgerechten Darreichungsformen. Dieser Umstand zwingt Ärzte regelmäßig zum sogenannten Off-Label-Use, also zur Verschreibung eines Medikaments ohne die für diesen Zweck explizite Zulassung durch die Arzneimittelbehörden. „Das ist kein Idealzustand – keine Frage. Kein Arzt und kein Apotheker macht so etwas gerne oder leichtfertig“, bestätigt Prof. Dr. Antje Neubert, Apothekerin und Wissenschaftlerin in der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle) des Universitätsklinikums Erlangen. „Um allen Beteiligten mehr Sicherheit zu bieten, haben wir eine evidenzbasierte Datenbank entwickelt. Darauf können deutschlandweit Ärzte, Apotheker, Therapeuten und Pflegefachkräfte kostenlos zugreifen und nachlesen, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse es zur Verordnung der gelisteten Medikamente bei Kindern und Jugendlichen gibt.“ Das Projekt „Kinderformularium.DE“ wird von Prof. Neubert gemeinsam mit Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Rascher, ehemaliger Direktor der Kinderklinik des Uni-Klinikums Erlangen, geleitet und vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert.

 „Vereinfacht gesagt, können wir eine Tablette für ein Kind nicht einfach halbieren – die Sache ist komplizierter“, erläutert Prof. Neubert. „Die Gabe eines Medikaments ist von zahlreichen Faktoren abhängig, beispielsweise vom Körpergewicht oder vom Entwicklungsstatus.“ Viele Arzneimittel sind nur für Erwachsene zugelassen, da es keine ausreichende Studienlage für die Verabreichung bei Kindern und Jugendlichen gibt. „Das muss aber nicht bedeuten, dass ein Medikament für Heranwachsende gefährlich ist“, betont Antje Neubert. „Wir können das Nutzen-Risiko-Verhältnis in sehr vielen Fällen mithilfe von wissenschaftlicher Literatur beurteilen.“ Auf dieser Grundlage bewerten Experten die wissenschaftliche Basis für Empfehlungen, ob und in welcher Dosierung das Arzneimittel Kindern und Jugendlichen gegeben werden kann. „Diese aufwendige Abwägung kann natürlich nicht jeder niedergelassene Kinderarzt im Praxisalltag selbst übernehmen“, ergänzt die Naturwissenschaftlerin. „Deswegen haben wir das Kinderformularium entwickelt. Dort erhalten unsere Kollegen mit einem Klick Dosierungsempfehlungen sowie weitere Pädiatrie-spezifische Arzneimittelinformationen. So ist ein sachgerechter und ungefährlicher Off-Label-Use möglich.“ Ziele der Erlanger Experten sind zum einen die bessere und sicherere Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Arzneimitteln. Zum anderen wollen sie die entsprechenden Informationen für Ärzte und Apotheker in Deutschland einfach und kostenfrei zugänglich machen.

Initiative aus Erlangen

Prof. Neubert, die auch die Zentrale für klinische Studien in der Pädiatrie in der Kinderklinik des Uni-Klinikums Erlangen leitet, und ihr Team arbeiten schon seit vielen Jahren intensiv zur Arzneimitteltherapiesicherheit bei Kindern und Jugendlichen. Mit ihrer Idee wandten sie sich an das Bundesministerium für Gesundheit, das sie im Rahmen des Aktionsplans Arzneimitteltherapiesicherheit förderte. „Wir mussten das Rad glücklicherweise nicht ganz neu erfinden“, erläutert Prof. Neubert. „Um ein nachhaltiges Arzneimittelinformationssystem für Kinder und Jugendliche zu etablieren und vorhandene Kenntnisse zu nutzen, haben wir einen Lizenzvertrag mit dem niederländischen Kinderformularium geschlossen.“ Das NKFK – Nederlands Kenniscentrum Farmacotherapie bij Kinderen bot sich als Projektpartner an, da sich das Zentrum auf nationaler Ebene bereits etabliert hat und seine Dosierungsempfehlungen größtenteils auf systematischen Recherchen der Primärliteratur, den sogenannten Nutzen-Risiko-Analysen, basieren. „Damit war das niederländische Kinderformularium für uns der ideale Ausgangspunkt, um das Kinderformularium.DE zu entwickeln“, sagt Antje Neubert.

Ausführliche und sorgfältig geprüfte Informationen

Die bestehenden Inhalte wurden von den Erlanger Experten für Kinderarzneimittel sorgfältig geprüft, durch eigene Recherchen erweitert und auf Deutschland angepasst. Darüber hinaus haben sie Informationen zum Zulassungsstatus, zu kinderspezifischen Nebenwirkungen, zu Kontraindikationen sowie Warnhinweise ergänzt. Anschließend wurde die Datenbank bundesweit im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie geprüft. Unter dem Dach des Projekts „KiDSafe“, das durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert wird, durften Kollegen in zwölf Kliniken und über 150 Arztpraxen das deutsche Kinderformularium exklusiv nutzen und kritisch unter die Lupe nehmen. „Mit Kinderformularium.DE ist es uns gelungen, ein umfangreiches Arzneimittelinformationssystem zur evidenzbasierten Anwendung von Medikamenten bei Kindern und Jugendlichen online sowie kostenlos zur Verfügung zu stellen“, freut sich Prof. Neubert. „Es ist gleichzeitig ein wichtiger Schritt in Richtung eines international harmonisierten Werkes.“

 Website Kinderformularium.DE: www.kinderformularium.de

 Publikation über die Entwicklung und Evaluation der Datenbank: https://www.mdpi.com/2226-4787/9/1/8

 Weitere Informationen:

 Prof. Dr. Antje Neubert

Tel.: 09131 85-36874

formularium.kinder@uk-erlangen.de

 

12.02.2021 Höhere Priorität für Krebspatienten
uni | mediendienst | aktuell Nr. 13/2021

Neue Coronavirus-Impfverordnung ermöglicht Menschen mit Krebserkrankung frühere COVID-19-Schutzimpfung

Die Angst vor der Ansteckung ist weiterhin groß: Niemand weiß, ob eine Infektion mit SARS-CoV-2 im eigenen Körper nur leichte Symptome verursacht oder fulminant verläuft und bis auf die Intensivstation, wenn nicht sogar bis zum Tod führt. Vor allem Menschen, die bereits unter einer anderen Erkrankung leiden, fürchten das Coronavirus und würden sich größtenteils gerne so schnell wie möglich impfen lassen. „Krebspatientinnen und Krebspatienten haben – insbesondere unter medikamentöser Therapie – ein deutlich höheres Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf als ihre gesunden Mitmenschen“, erläutert Prof. Dr. Matthias W. Beckmann, Direktor des Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN am Universitätsklinikum Erlangen. „Leider standen sie bisher auf der Prioritätenliste nicht weit genug oben. Glücklicherweise hat sich das nun geändert.“ Am 8. Februar 2021 veröffentlichte das Bundesministerium für Gesundheit nämlich eine aktualisierte Fassung der „Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2“, die sogenannte Coronavirus-Impfverordnung. Eine der Änderungen: Personen mit Krebserkrankungen wurden jetzt eine Stufe höher eingruppiert und sollen ab sofort „mit hoher Priorität“ geimpft werden.

 „Ich begrüße es sehr, dass Menschen mit Krebserkrankungen nun schneller Anspruch auf eine COVID-19-Schutzimpfung haben“, betont Prof. Beckmann. „Wir stehen mit unseren Patientinnen und Patienten in engem Kontakt und wissen, wie groß deren Sorgen sind. Mussten sie bisher ‚nur‘ ihre Krebserkrankung bewältigen, kommt nun zur Zeit der Pandemie auch noch die Angst vor dem Coronavirus hinzu. Die Betroffenen wissen, dass eine Ansteckung für sie lebensgefährlich sein kann. Der Anspruch auf baldige Impfung ist für diese Menschen entscheidend und reduziert ihre Sorgen!“

 Unter § 3 der Corona-Impfverordnung sind alle Personengruppe gelistet, die „mit hoher Priorität Anspruch auf Schutzimpfung“ haben. Hier stehen seit dem 08.02.2021 nun auch „Personen mit malignen hämatologischen Erkrankungen oder behandlungsbedürftigen soliden Tumorerkrankungen, die nicht in Remission sind oder deren Remissionsdauer weniger als fünf Jahre beträgt“ – also Menschen mit bösartigen Krebserkrankungen oder soliden Tumoren, die akut behandelt werden oder deren Erkrankung noch nicht länger als fünf Jahre zurückliegt. Ehemalige Krebspatienten, die seit mehr als fünf Jahren beschwerdefrei sind, haben laut § 4 der Corona-Impfverordnung „mit erhöhter Priorität Anspruch auf Schutzimpfung“.

 Sofort zur COVID-19-Schutzimpfung anmelden

Falls noch nicht geschehen, empfiehlt Prof. Beckmann allen Menschen mit Krebserkrankungen, sich möglichst zeitnah zur COVID-19-Schutzimpfung anzumelden und explizit auf ihre Krebserkrankung hinzuweisen. Dies ist beispielsweise über die Website des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege sowie das beigefügte Formular möglich.

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Matthias W. Beckmann

Tel.: 09131 85-47029

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Schlossplatz 4

11.02.2021 Drei Millionen Euro für Bayerns Ultrafeinstaub-Forschung
uni | mediendienst | forschung Nr. 11/2021

FAU leitet den neuen bayerischen Projektverbund

Bayern startet neue Forschungsprojekte zu Ultrafeinstaub. Ein Projektverbund unter Leitung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) untersucht dabei Eigenschaften und die Wirkung von ultrafeinen Partikeln. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber hat zusammen mit Prof. Dr. Joachim Hornegger, Präsident der FAU, und dem Leiter des Projektverbunds Prof. Dr. Hans Drexler in Erlangen den Startschuss zu dem Projektverbund gegeben. Mit rund drei Millionen Euro unterstützt das Bayerische Umweltministerium den Projektverbund in den kommenden drei Jahren.

„Ultrafeine Partikel sind ein wissenschaftlich junges Forschungsfeld. Bayern ist Vorreiter und treibt die Forschung zum Ultrafeinstaub weiter voran. Wir wollen wissen, wie viel ultrafeine Partikel tatsächlich in der Luft enthalten sind und wie sie wirken. Gesunde Luft ist eines der wichtigsten Themen. Mit dem neuen Projektverbund stärken wir die Wirkungsforschung zu ultrafeinen Partikeln in Bayern massiv und bauen die Kompetenzen an bayerischen Hochschulen deutlich aus. Die bayerische Ultrafeinstaub-Strategie steht damit auf einem starken Fundament“, erklärt Thorsten Glauber. Im Rahmen des Projektverbunds arbeitet das Umweltministerium Hand in Hand mit der Wissenschaft an ehrgeizigen Forschungsvorhaben für eine gute Luftqualität. Leiter des Projektverbunds ist Prof. Hans Drexler, Direktor des Instituts und der Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin an der FAU. „Unsere Projekte verfolgen nicht primär akademische Interessen, sondern haben einen praktischen Nutzen für alle Bürgerinnen und Bürger“, betont Prof. Drexler. Unter seiner Leitung laufen insgesamt sechs Teilprojekte an der FAU, der Universität Bayreuth, der Ludwig-Maximilians-Universität in München und dem Universitätsklinikum Würzburg. An einigen Teilprojekten ist auch das Helmholtz Zentrum München beteiligt. Die Projekte erforschen die Wirkung von Ultrafeinstaub auf Mensch und Umwelt, widmen sich der Methodenoptimierung zur chemischen Analyse von ultrafeinen Partikeln und erweitern die bisherige Datenbasis. Ultrafeinstaub ist noch feiner als Feinstaub. Die Partikel dieses Staubs sind kleiner als 0,1 Mikrometer und damit ist ihre Größe geringer als beispielsweise Tabakrauch.

Neben der Koordination des Gesamtprojekts unter der Leitung von Prof. Drexler wird sich an der FAU Prof. Dr. Simone Schmitz-Spanke, Professur für Biomarker in der Arbeitsmedizin, mit der „Biologischen Antwort auf Partikel im Lungenmodell“ beschäftigen. Ultrafeine Partikel dringen tief in die Lunge ein und stehen im Verdacht, die Gesundheit zu beeinträchtigen. Möglich wird dies durch ihre besonderen physikalisch-chemische Eigenschaften. Sie dringen nicht nur in die Lungenzellen ein, sondern werden auch über das Blut in alle Organe verteilt. Die Partikel verursachen in allen Zellen über die Bildung reaktiver oxidativer Spezies entzündliche Vorgänge. In dem Teilprojekt wird die Wissenschaftlerin mit ihrem Team untersuchen, wie sich die Zusammensetzung der ultrafeinen Partikel auswirkt, wie hoch sie konzentriert sein und wie lange sie auf die Lunge einwirken müssen, damit sie gesundheitsschädlich sind. Bisher ist über diese Zusammenhänge nur sehr wenig bekannt.

 Die anderen vier Projekte untersuchen, wie sich die Methoden zur chemischen Analyse von Ultrafeinstaub optimieren lassen, wie die Partikel toxikologisch bewertet werden können, welche akuten gesundheitlichen Effekte sie haben und wie sich Ultrafeinstaub über lange Zeit hinweg auf den Menschen auswirkt.

 Ausführliche Informationen zum Projektverbund BayUFP (verfügbar ab 15.2.): www.ultrafeinepartikel.de

Link zum Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin: www.ipasum.med.fau.de 

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Hans Drexler

Lehrstuhl für Arbeits- und Sozialmedizin

Tel.: 09131/85-22312

hans.drexler@fau.de 

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11.02.2021 Subtyp entwickelt sich in frühen Vorläuferstadien von Blasenkrebs
uni | mediendienst | forschung Nr. 10/2021

FAU-Forschungsteam veröffentlicht erste Studie zur Entstehung molekularer Subtypen von muskelinvasivem Harnblasenkrebs

Wie entstehen die unterschiedlichen molekularen Subtypen von Blasenkrebs? Eine Antwort darauf gibt die erste Studie zur Entstehung molekularer Subtypen des urothelialen Harnblasenkarzinoms, die ein interdisziplinäres Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in der Fachzeitschrift „Cancer Research“ veröffentlicht hat.*

Urotheliale Blasenkarzinome sind eine der häufigsten bösartigen Krebserkrankungen weltweit. Allein in Deutschland erkranken pro Jahr rund 16.000 Menschen an Blasenkrebs, Männer sind dreimal häufiger betroffen als Frauen. Rund ein Drittel der Erkrankungen sind muskelinvasive Blasenkarzinome (MIBC) und werden in der Regel mit einer Zystektomie, einer radikalen Entfernung der Harnblase, in Kombination mit einer Chemotherapie behandelt. Wie frühere Studien zeigten, ist besonders das Ansprechen auf die Chemotherapie vom molekularen Subtyp – es werden luminale und basale Subtypen unterschieden – abhängig.

Wie diese basalen und luminalen Subtypen während der Entwicklung von muskelinvasivem Blasenkrebs entstehen, untersuchte ein Forschungsteam unter Leitung von Dr. Markus Eckstein vom Pathologischen Institut der FAU in Zusammenarbeit mit dem Labor für molekulare Medizin der Frauenklinik des Uni-Klinikums Erlangen (Prof. Dr. Reiner Strick) und den Kliniken für Urologie am Universitätsklinikum Erlangen (Prof. Dr. Bernd Wullich) und Regensburg (Prof. Dr. Maximilian Burger). Im Rahmen der Studie analysierte das Team multiple Gewebeproben von 22 Patientinnen und Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs. Unter Verwendung einer besonderen Technik – dem sogenannten Harnblasenmapping, bei dem die komplette Harnblase systematisch aufgearbeitet wird und so die komplette Entstehung von Blasenkrebs widerspiegelt – zeigte sich, dass sich die molekularen Subtypen des Tumors bereits im frühen Vorläuferstadien, vor allem im Carcinoma in situ, ausprägen. Diese Ergebnisse können dazu beitragen, dass therapeutische Möglichkeiten in Zukunft bereits in früheren Stadien optimal untersucht und ausgewählt werden können.

 *https://cancerres.aacrjournals.org/content/early/2021/01/19/0008-5472.CAN-20-2336.short?rss=1      

 Weitere Informationen:

Dr. Markus Eckstein

Tel.: 09131/85-47792

markus.eckstein@uk.erlangen.de  

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01.02.2021 Hoffnung auf neue Therapie gegen Herpesviren
uni | mediendienst | forschung Nr. 8/2021

BMBF fördert aussichtsreichen Ansatz von Erlanger Forschungsgruppe mit über zwei Millionen Euro
Herpesviren sind allgegenwärtig. Rund 90 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind mit Herpesviren infiziert – oft ohne es zu wissen und meist ohne Folgen. Für Babys oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann eine Infektion allerdings lebensgefährlich sein. Um diese Patientinnen und Patienten schnell und bestmöglich zu behandeln, fehlen bisher jedoch geeignete Medikamente. Eine Forschungsgruppe unter der Leitung von Dr. Florian Full vom Virologischen Institut – Klinische und Molekulare Virologie (Direktor: Prof. Dr. Klaus Überla) des Universitätsklinikums Erlangen an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) möchte dies ändern und verfolgt einen vielversprechenden neuen Ansatz. Die Arbeit des Forschungsteams, die hoffentlich zur Entwicklung eines neuen Medikaments gegen Herpesviren führt, wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in den kommenden fünf Jahren mit bis zu 2,34 Millionen Euro gefördert.
Die meisten Menschen erwerben Herpesviren bereits in der frühen Kindheit. Nach einer einmaligen Infektion verbleiben die Viren lebenslang im Körper. Zu den neun menschlichen Herpesviren zählt unter anderem das Herpes-simplex-Virus, das die bekannten Bläschen im Mundbereich verursacht. Auch das Varizella-Zoster-Virus, das Windpocken und Gürtelrose hervorruft, und das Epstein-Barr-Virus, das das Pfeiffersche Drüsenfieber verursacht und zudem an der Entstehung zahlreicher Krebserkrankungen beteiligt ist, sind Herpesviren. Obwohl Infektionen mit Herpesviren bei den meisten Menschen die Gesundheit nicht nachhaltig beeinträchtigen, haben Patientinnen und Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem – beispielsweise nach Transplantationen – Schwierigkeiten, die Viren unter Kontrolle zu halten. Das kann zu schwersten Schädigungen unterschiedlicher Organe bis hin zum Tod führen. Außerdem ist es möglich, dass Herpesviren bei Neugeborenen schwere Infektionen auslösen. Bei einer Ansteckung während der Geburt kommt das Neugeborene mit seinem unreifen Immunsystem direkt mit dem aggressiven Virus in Kontakt. Für den Säugling ist das lebensgefährlich.
Scheinbar funktionsloses Protein könnte entscheidende Rolle einnehmen
Das Ziel der Erlanger Forschungsgruppe „Duxdrugs“ ist die Entwicklung neuartiger Medikamente für herpesvirale Infektionen. Der Fokus liegt dabei auf dem zellulären Protein DUX4. Das Team konnte bereits zeigen, dass die Herpesviren DUX4 anschalten und für ihre Vermehrung nutzen. DUX4 spielt in der frühen Embryonalentwicklung des Menschen eine Rolle, im Erwachsenen hat es aber keine Funktion mehr. Deshalb stellt das Protein ein attraktives Ziel für antivirale Medikamente dar. „Zur Behandlung von herpesviralen Infektionen gibt es im Moment nur wenige antivirale Medikamente, die jeweils lediglich gegen einzelne Herpesviren wirksam sind“, erklärt Dr. Full. „Das Besondere an unserer Strategie ist der Versuch, ein breit wirksames Medikament zu entwickeln, das theoretisch gegen alle menschlichen Herpesviren wirksam ist.“
Hervorragendes Forschungsumfeld
„Unser Projekt profitiert sehr vom hervorragenden wissenschaftlichen Umfeld hier am Uni-Klinikum Erlangen und an der FAU Erlangen-Nürnberg“, betont Dr. Full. Insbesondere die Unterstützung durch das Interdisziplinäre Zentrum für Klinische Forschung (IZKF) sei hier hervorzuheben. „Die Förderung durch das IZKF in den vergangenen drei Jahren hat es uns ermöglicht, genügend Forschungsergebnisse zu generieren, um uns im kompetitiven Wettbewerb um eine BMBF-Nachwuchsgruppe durchzusetzen“, berichtet Florian Full. Für die Arbeit mit seinem Team erhält er in den kommenden fünf Jahren insgesamt bis zu 2,34 Millionen Euro. Das Geld stammt aus der BMBF-Fördermaßnahme „Nachwuchsgruppen in der Infektionsforschung“.
Weitere Informationen:
Dr. Florian Full
Tel.: 09131 85-26783
florian.full@uk-erlangen.de
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29.01.2021 Höchste Präzision dank navigierter Chirurgie
uni | mediendienst | aktuell Nr. 7/2021

Erlanger Unfallchirurgie kombiniert neueste Navigationstechnik mit intraoperativer dreidimensionaler Bildgebung für ein genaueres und schonenderes Operieren
Ein ‚Navi‘, das nicht beim Autofahren, sondern bei Operationen unterstützt: Seit einigen Monaten operieren Prof. Dr. Mario Perl, Direktor der Unfallchirurgischen Klinik – Orthopädische Chirurgie des Universitätsklinikums Erlangen, und sein Chirurgenteam mit einem neuen, über Infrarot gesteuerten Navigationssystem. Die Besonderheit: „Wir speisen in die Navigation dreidimensionale Datensätze ein, die das mobile Röntgengerät während der Operation erzeugt.“ Für die Operateure bietet diese Kombination den Vorteil, Eingriffe an schwer zugänglichen Bereichen, wie z. B. am hinteren Beckenring, mit höchster Präzision durchführen zu können. Vor allem Patientinnen und Patienten mit Wirbelsäulenverletzungen, Beckenbrüchen oder komplexen Gelenkeingriffen profitieren von dieser innovativen Technik. Diese ermöglicht nicht nur kleinere OP-Schnitte, sondern auch eine Qualitätskontrolle bereits während der Operation, sodass im Fall von notwendigen Korrekturen kein zusätzlicher Eingriff vorgenommen werden muss.
Zum Navigationsgerät gehören spezielle chirurgische Instrumente, an deren Spitze sich sogenannte Markerkugeln befinden. Die in den Markerkugeln integrierten Reflektoren kommunizieren über Infrarot mit dem Gerät. Klinikdirektor Mario Perl: „Der 3D-Scanner ermöglicht uns aktuelle Aufnahmen während des Eingriffs. So erhalten wir Bilder des Operationsbereichs und können damit navigieren. Das Navigationsgerät blendet zusätzlich die eingesetzten Instrumente ein, sodass der Chirurg zum Beispiel genau sehen kann, wo er gerade mit dem Bohrer ansetzt.“ Gerade, wenn bei komplexen Eingriffen im Hals- und Brustwirbelbereich oder am hinteren Beckenring Implantate gesetzt werden müssen, sei die Präzision des neuen Systems Gold wert, erläutert Dr. Holger Keil, Oberarzt der Unfallchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen: „Es ist ein hervorragendes Hilfsmittel und eine massive Arbeitserleichterung. Vor allem, wenn zum Beispiel eine durch Morbus Bechterew ausgelöste massive Verknöcherung an der Wirbelsäule vorliegt und diese die konventionelle Bildgebung erschwert.“
System bringt Vorteile für die Patientinnen und Patienten
Aufgrund des neu gegründeten Wirbelsäulenzentrums des Uni-Klinikums Erlangen operieren Prof. Perl und sein Chirurgenteam zunehmend rückenschmerzgeplagte Patientinnen und Patienten aus der Metropolregion, wenn andere Therapiemaßnahmen zuvor keine Linderung bewirkt haben. „Wir führen jeden Monat etwa 20 bis 30 komplexe Eingriffe an der Wirbelsäule durch und nutzen dafür das neue Navigationssystem, sofern das möglich ist“, erläutert Prof. Perl, der als einer von zwei Sprechern auch das neue Wirbelsäulenzentrum leitet. Der Vorteil für die Patientinnen und Patieten liegt – neben kleineren Schnitten und einer schnelleren Rekonvaleszenz – auch in einer deutlich kürzeren OP-Dauer, wie Dr. Keil berichtet: „Dank der Navigation können wir sehr zielgerichtet operieren und die Implantate präzise positionieren. Mehrere Studien belegen zudem, dass bei navigierten Eingriffen die Strahlung für den Patienten geringer ist und die Präzision der Schraubenplatzierung deutlich genauer erfolgen kann als bei Operationen ohne Navigationssystem. Zudem ist die Strahlenexposition für das Personal erheblich reduziert, da der Kontrollbereich während der 3D-Scans verlassen werden kann und während der Navigation keine Röntgenstrahlung benötigt wird.“
Navigation unterstützt auch bei Krebsoperationen
Darüber hinaus unterstützt das navigierte Operationssystem die Chirurgen auch beim Entfernen von Tumoren – etwa, wenn sich diese im Kniegelenk oder am Schienbeinkopf befinden, erklärt Holger Keil, der in der Unfallchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen die Akuttraumatologie leitet. „Die intraoperativen 3D-Aufnahmen bestimmen dank der genauen Navigationskoordinaten die Tumorgrenzen und die notwendigen Schnittlinien absolut präzise.“ Dennoch gibt der Chirurg – genau wie die Fahrzeuglenkerin beim Autofahren mit ‚Navi‘ – beim navigierten Operieren den Ablauf jedes Eingriffs selbst vor und führt auch die Instrumente mit seinen eigenen Händen, betont Klinikdirektor Mario Perl: „Die neue Navigationstechnik bietet uns eine wertvolle Verlässlichkeit, die Operation und das Platzieren von Implantaten so präzise und sicher wie möglich durchführen zu können.“
Über das interdisziplinäre Wirbelsäulenzentrum
In dem am 1. Juli 2020 neu gegründeten Wirbelsäulenzentrum des Universitätsklinikums Erlangen arbeiten Spezialisten aus Neurochirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie zusammen, um Patientinnen und Patienten die bestmögliche Therapie auf höchstem universitären Niveau anbieten zu können. Das Zentrum bindet zusätzlich die fachliche Kompetenz von Expertinnen und Experten aus Neurologie, Neuroradiologie, Anästhesie, Schmerztherapie und Psychosomatik ein. Das Wirbelsäulenzentrum ist unter der Telefonnummer 09131 85-40927 zur Sprechstundenkoordination und für Rückfragen erreichbar. Weitere Informationen sind unter http://www.wirbelsaeulen-zentrum.uk-erlangen.de zu finden.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Mario Perl
Tel.: 09131 85-33272
jeannine.rauch@uk-erlangen.de

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27.01.2021 Hoffnung für schwerst kranke COVID-19-Patienten
uni | mediendienst | forschung Nr. 4/2021

IPCO-Studie unter Federführung des Uni-Klinikums Erlangen untersucht Wirksamkeit und Sicherheit von Therapie mit Rekonvaleszentenplasma
Auch ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie existiert immer noch keine zugelassene, spezifische antivirale Therapie zur Behandlung schwerst kranker COVID-19-Patienten. Das möchten die Experten des Universitätsklinikums Erlangen endlich ändern. Unter Federführung von Prof. Dr. Holger Hackstein, Leiter der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung, und Prof. Dr. Mario Schiffer, Direktor der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie, bündeln zahlreiche Spezialisten unterschiedlicher Fachdisziplinen ihr Wissen. Im Rahmen der IPCO-Studie untersuchen die Wissenschaftler die Wirksamkeit und die Sicherheit von Rekonvaleszentenplasma bei der Behandlung von schwer an COVID-19 erkrankten beatmeten Patienten.

Menschen, die infolge einer SARS-CoV-2-Infektion schwer erkranken, müssen intensivmedizinisch behandelt und in den meisten Fällen künstlich beatmet werden. Mit 40 bis 50 Prozent weisen diese Betroffenen die höchste Sterblichkeitsrate aller COVID-19-Patientengruppen auf. Ein Erfolg versprechender Ansatz ist die Therapie mit Blutplasma von genesenen COVID-19-Patienten. Dieses bereits unter Studienbedingungen praktizierte Vorgehen wird von den Erlanger Forschern nun im Rahmen der IPCO-Studie klinisch überprüft. Falls sich die Annahme bestätigt und sich das Verfahren als sicher erweist, kann die Therapie offiziell zugelassen werden und die Sterblichkeitsrate dieser Patientengruppe hoffentlich senken.

IPCO – neues Studiendesign

Die IPCO-Studie unterscheidet sich wesentlich von den bisherigen Studien und Fallserien mit Rekonvaleszentenplasma, bei denen zumeist ein bis zwei Präparate eingesetzt wurden. Im Rahmen von IPCO erhalten die Patienten randomisiert – also nach dem Zufallsprinzip – mindestens drei Plasmen. Die Zahl der mittels Infusion übertragenen Präparate lässt sich auf bis zu sechs Plasmen pro Patient erhöhen. Die Daten aus der IPCO-Studie werden gemeinsam mit den Partnern im COPERIMOplus-Forschungsverbund (COPERIMO: COronavirus PErsonalisierte RIsiko MOdelle), das von den Fraunhofer-Instituten für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen (SCAI) und für Translationale Medizin und Pharmakologie (ITMP) geleitet wird, mithilfe von KI-Algorithmen in besonderer Tiefenschärfe analysiert. Obwohl schon einige Studien mit Rekonvaleszentenplasma durchgeführt wurden, erwarten die Erlanger Forscher durch das Studiendesign und die Analytik einen deutlichen Erkenntnisgewinn zum Stellenwert dieser Therapie bei schwer erkrankten Patienten.

Beteiligung von Spezialisten aus Erlangen und Nürnberg

Außer der Transfusionsmedizin und der Medizinischen Klinik 4 unterstützen zahlreiche weitere Einrichtungen des Uni-Klinikums Erlangen die IPCO-Studie: die Medizinische Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath), die Anästhesiologische Klinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Jürgen Schüttler), das Virologische Institut – Klinische und Molekulare Virologie (Direktor: Prof. Dr. Klaus Überla) und das Center for Clinical Studies (Leiter: Dr. Bernd Gebhardt). Außerdem sind der Lehrstuhl für Medizinische Informatik (Inhaber: Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch) der FAU Erlangen-Nürnberg und die Klinik für Innere Medizin 8, Schwerpunkt Kardiologie (Leiter des Funktionsbereichs Intensivmedizin: Prof. Dr. Stefan John) des Klinikums Nürnberg beteiligt.

Die Genehmigung der IPCO-Studie durch das Paul-Ehrlich-Institut – Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel liegt bereits vor und die Ethikkommission des Uni-Klinikums Erlangen hat eine positive Stellungnahme abgegeben. Die klinische Studie wird finanziell unterstützt vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, von der Manfred-Roth-Stiftung und im Rahmen von COPERIMOplus von der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Holger Hackstein

Tel.: 09131/85-36972
trans-sekretariat@uk-erlangen.de

Prof. Dr. Mario Schiffer
Tel.: 09131/85-39002

med4@uk-erlangen.de
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22.01.2020 Maskenekzem durch richtige Pflege vorbeugen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 5/2021

Mit pH-neutraler Reinigung und Pflege sowie viel frischer Luft die Haut vor Unreinheiten schützen


Seit Montag, 18. Januar 2021, ist das Tragen einer hochwertigen Schutzmaske (FFP2 bzw. deren Alternativen mit der Kennung KN95 oder N95) beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr bayernweit Pflicht. Die hochwertigen Vliesmasken schützen ihre Träger u. a. deshalb, weil sie eng am Gesicht anliegen. Doch wie reagiert die Gesichtshaut auf das andauernde Maskentragen? Dr. Nicola Wagner, Leiterin der Allergieambulanz der Hautklinik (Direktorin: Prof. Dr. Carola Berking) des Universitätsklinikums Erlangen und Sprecherin des Allergiezentrums, erläutert, was jetzt bei der Hautpflege besonders zu beachten ist. 

Nicht nur das Atmen fühlt sich durch eine FFP2-Maske ein bisschen anstrengender an, auch an die Haut dringt durch das schützende Vlies und dessen hohe Filterwirkung weniger Luft als z. B. durch eine Alltagsmaske, eine sogenannte Community-Maske, z. B. aus einlagiger Baumwolle. Das wirke sich auch auf das Hautmilieu aus, erklärt Dr. Wagner: „Unter der Maske nimmt die Feuchtigkeit auf der Haut zu. Es gibt aktuelle Studien, die belegen, dass nicht nur der pH-Wert ansteigt, sondern auch die Talgsekretion. Zusätzlich werden auch die Innenseiten der Masken im Verlauf der Benutzung bakteriell besiedelt. Dadurch können sich Hautrötungen oder auch kleine Pickel bilden.“ Um hier gegenzusteuern, sollte die Gesichtshaut mit pH-neutralen Reinigungsmitteln ohne Alkohol gereinigt werden, empfiehlt die Dermatologin. „Wichtig ist, der Haut so oft wie möglich eine Maskenpause an der frischen Luft zu verschaffen.“ Zwar verändere sich das Hautmilieu unter den FFP2-Masken etwas stärker als unter einem einfachen medizinischen Mund-Nasen-Schutz, jedoch: „In den meisten Fällen entstehen für die Gesichtshaut durch die unterschiedlichen Maskenvarianten keine wesentlichen Unterschiede.“

Masken lösen eher selten Allergien aus

Allergische Reaktionen der Gesichtshaut auf die eng anliegende Maske träten eher selten auf, berichtet Nicola Wagner. „Kommt es zu Kontaktallergien, werden diese vor allem durch die Gummibänder im Bereich der Kontaktstellen an Wangen und Ohren ausgelöst. Wenn sich deshalb an den Kontaktflächen der Masken oder Haltebänder anhaltende, juckende Ekzeme bilden oder diese aufgrund von anhaltendem Druck oder Scheuern entstehen, z. B. weil die Maske zu straff sitzt, ist eine medizinische Behandlung erforderlich“, betont die Allergologin. Um die schützende Filterleistung der hochwertigen Schutzmasken zu erhalten, sollten diese möglichst nur über die Gummischlaufen berührt und nicht geknickt werden.

Vorbeugen durch intensive Gesichtspflege

Dermatologisch vorbelastete Menschen können ihre Gesichtshaut durch die entsprechende Pflege ebenfalls vor zusätzlichen Reizungen schützen, die das vermehrte Maskentragen auslöst. Dr. Wagner: „Neurodermitiker sollten ihrem Hautbefund angepasst auf eine ausreichende Pflege mit Feuchtigkeit und gegebenenfalls – bei zu großer Trockenheit – auch auf eine leichte Rückfettung achten. Menschen mit einer Neigung zu Akne oder Rosacea sollten hingegen ihre Haut weiterhin ausreichend mit ‚nicht-komedogener‘ Feuchtigkeitscreme versorgen.“

Allergieambulanz des Uni-Klinikums Erlangen

Die Allergieambulanz der Hautklinik des Uni-Klinikums Erlangen bietet unter der Leitung von Dr. Nicola Wagner Betroffenen die Diagnostik und Behandlung von allergisch bedingten Krankheiten wie Heuschnupfen, Insektengiftallergie, Nahrungsmittelallergie, Arzneimittelallergie, allergischem Asthma, chronischer Nesselsucht (Urticaria), atopischem Ekzem (Neurodermitis) sowie Kontaktallergien. Mitzubringen sind der Überweisungsschein und die Versicherungskarte.

Zu erreichen ist die allgemeine Sprechstunde der Allergieambulanz von Montag bis Freitag, jeweils 8.00 – 13.00 Uhr, im Internistischen Zentrum, Ulmenweg 18, 91054 Erlangen, Raum: C 1 im 1. OG. Eine vorherige telefonische Terminvereinbarung ist erforderlich unter Tel. 09131 85-33836 (8.00 – 13.00 Uhr).

Weitere Informationen:   Dr. Nicola Wagner

Allergieambulanz der Hautklinik Tel.: 09131 85-33836     nicola.wagner@uk-erlangen.de

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22.01.2020 Studie beleuchtet Anforderungen von Hausärztinnen und -ärzten an digitale Informationen
uni | mediendienst | forschung Nr. 2/2021


Übersichtlich, zuverlässig und aktuell

Hausärztinnen und Hausärzte sind bei fast allen Fragen zu Gesundheit und Krankheit die erste Anlaufstelle. Dementsprechend brauchen sie Informationsquellen, die möglichst breit die verschiedenen Felder der Medizin abdecken, zugleich aber spezifisch genug sind, um auf den konkreten individuellen Fall angewendet werden zu können. Ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat zusammen mit der Cochrane Collaboration und der Universität Freiburg untersucht, wie Hausärztinnen und -ärzte an medizinische Informationen kommen und welche Anforderungen sie an digitale Angebote haben. Die Überblicksstudie, die vom Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesausschusses im Rahmen des Projekts „Gut informierte Kommunikation zwischen Arzt und Patient“ (GAP) gefördert wurde, ist nun im international renommierten „Journal of Medical Internet Research“ erschienen.*

Wie diese Anforderungen aussehen, wurde bisher im wissenschaftlichen Diskurs wenig behandelt. Die Forscherinnen und Forscher um Dr. Piet van der Keylen und Dr. Luca Frank vom Allgemeinmedizinischen Institut der FAU konzentrierten sich dabei auf das Internet, das eine Fülle an Wissen bietet. Aber wie  kommen Ärztinnen und Ärzte an die für sie relevanten Informationen?

Aus 41 wissenschaftlichen Arbeiten analysierte das Team die Anforderungen der Hausärzteschaft. Hauptproblem bei der Beschaffung digitaler Inhalte ist der beruflich bedingte, notorische Zeitmangel – Informationen müssen schnell abrufbar sowie präzise und knapp formuliert sein. Trotz der nötigen Kürze muss dennoch deren Qualität stimmen. Sie sollen übersichtlich, zuverlässig und aktuell sein.

Ein weiteres Bedürfnis von Hausärztinnen und Hausärzten ist, dass die Informationen für den Alltag relevant sein und nicht nur rein wissenschaftlich-theoretische Bedürfnisse bedienen sollen. Wichtige Anforderungen an die Ergebnisse von Onlinerecherchen sind einerseits die Unterstützung der ärztlichen Entscheidungsfindung und andererseits die Nützlichkeit der Information für die Patientinnen und Patienten.

Es existieren Anforderungen an die Fähigkeiten der Ärztinnen und Ärzte selbst. Nachdrückliche Hürden sind fehlende Kompetenz im Umgang mit Onlinemedien und deren kritischer Bewertung im Sinne evidenzbasierter Medizin. Mitunter wird auch der fachlich-kollegiale Erfahrungsaustausch untereinander einer Onlinerecherche vorgezogen. Als weitere Barrieren für den Zugang zu digitalen Informationsangeboten werden deren Kosten, technische Voraussetzungen und Bedienbarkeit aufgeführt.

Das Fazit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Die Art der Vermittlung von relevanten Informationen für das hausärztliche Arbeiten hat bis jetzt nicht mit den Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung Schritt halten können. Neben weiterer Forschung dazu ist es aus ihrer Sicht notwendig, dass bereits während des Studiums entsprechende wissenschaftliche und digitale Kompetenzen stärker vermittelt werden. An der FAU bietet hierzu das Allgemeinmedizinische Institut seit einiger Zeit ein eigenes Wahlfach für den Umgang mit evidenz-basierter Medizin und digitalen Informationen an, um später im Praxisalltag fundierte Entscheidungen treffen zu können.

* https://doi.org/10.2196/18816

Weitere Informationen:   Dr. Piet van der Keylen    Lehrstuhl für Allgemeinmedizin

Tel.: 09131/85-44953   piet.keylen@uk-erlangen.de

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21.01.2020 Spenderherz rettet das Leben von Andrada in letzter Minute
uni | mediendienst | aktuell Nr. 4/2021

16-Jährige litt unter lebensbedrohlicher Herzmuskelschwäche – sie ist „unendlich dankbar“ für Transplantation

Das Spenderherz kam per Hubschrauber mitten in der Nacht im Universitätsklinikum Erlangen an. In einer mehrstündigen Operation transplantierte Prof. Dr. Michael Weyand, Direktor der Herzchirurgischen Klinik, gemeinsam mit einem sechsköpfigen Team das neue Herz erfolgreich in den Brustkorb der 16-jährigen Andrada aus Regensburg. Heute steht fest: Die Schülerin überstand die schwere Operation Ende der vergangenen Woche ohne Komplikationen und hat damit jetzt die Chance auf ein neues Leben mit einem gesunden Herzen. Das Mädchen litt aufgrund einer angeborenen Herzmuskelerkrankung unter einer schweren Herzmuskelschwäche und lag seit Anfang Dezember 2020 in lebensbedrohlichem Zustand auf der Kinderkardiologischen Intensivstation des Uni-Klinikums Erlangen.

Ende März 2020 wurde die bis zu diesem Zeitpunkt vollkommen gesunde Realschülerin mit einem Schlaganfall zunächst in die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Uni-Klinikums Regensburg eingewiesen. „Als sich herausstellte, dass der Schlaganfall durch eine massiv verminderte Herzfunktion ausgelöst worden war, ließen die Regensburger Kollegen sie in unsere Abteilung verlegen“, berichtet Dr. Martin Schöber, Oberarzt der Kinderkardiologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Sven Dittrich) des Uni-Klinikums Erlangen, der das Mädchen seither in der Herzinsuffizienzsprechstunde für Kinder und Jugendliche behandelt.

Genetisch bedingte schwere Herzschwäche

„Die bei Andrada diagnostizierte Non-Compaction-Kardiomyopathie ist eine seltene Form einer Herzmuskelerkrankung. Bei dieser kann sich das Herzmuskelgewebe nicht weiter zur endgültigen Herzgewebestruktur entwickeln, sondern verbleibt in seinem embryonalen Zustand. Die Folge ist eine zunehmende Herzschwäche. Die Prognose für Betroffene mit dieser vermutlich genetisch bedingten Erkrankung ist leider sehr schlecht.“ Trotz herzstärkender Medikamente und engmaschiger Betreuung verschlechterte sich das Befinden des Teenagers innerhalb weniger Monate rapide. Dr. Schöber: „Bereits im September 2020 war Andrada nicht mehr in der Lage, eine Treppe hinaufzusteigen. Im Oktober musste ich dann mit der Familie über die Notwendigkeit einer Herztransplantation sprechen.“

Innerer Zwiespalt der schwer kranken Jugendlichen 

Doch trotz der aussichtslosen Situation und der Bitte seiner Eltern lehnte das Mädchen die lebensrettende Transplantation zunächst ab. „Andrada wollte auf gar keinen Fall aus dem Tod eines anderen Menschen einen persönlichen Vorteil ziehen“, erklärt Martin Schöber den inneren Konflikt seiner jungen Patientin. Erst durch weitere Gespräche mit Prof. Weyand und Dr. Schöber sowie durch Andradas Kontakt mit einer früheren Transplantationspatientin des Uni-Klinikums Erlangen, den der Kinderkardiologe vermittelte, ließ sich die Jugendliche überzeugen. Keinen Augenblick zu früh: Mitte Dezember 2020 – nur vier Wochen nach ihrer Aufnahme auf die Eutransplant-Warteliste – verschlechterte sich der Zustand der jungen Patientin massiv und sie musste auf die kinderkardiologische Intensivstation des Uni-Klinikums Erlangen verlegt werden, wo sie intravenös mit lebenserhaltenden Herzmedikamenten versorgt wurde. Ihre Listung wurde auf den Status „High Urgency“, also lebensbedrohlich, hochgestuft. „Andradas Werte zeigten die schlechteste Herzfunktion, die ich bisher in meiner medizinischen Laufbahn echokardiografisch gesehen hatte“, erklärt Dr. Schöber, der das Kinderherz-Ultraschall-Labor des Uni-Klinikums Erlangen leitet.

Kaum Spenderorgane für Kinder vorhanden

Dass für das schwer kranke Mädchen bereits am 14. Januar 2021 ein geeignetes Spenderherz zur Verfügung stehen konnte, bezeichnete der Kinderkardiologe als großes Glück: „Gerade bei Kindern und Jugendlichen müssen die gespendeten Organe nicht nur die passenden Blutgruppenwerte aufweisen, sondern auch die richtige Größe haben, um in den noch nicht ausgewachsenen Brustkorb transplantiert werden zu können.“

Glücklich und dankbar über die Rettung

Klinikdirektor Prof. Weyand hat seit Beginn seiner herzchirurgischen Laufbahn mehrere hundert Herzen transplantiert. Den mehrstündigen schweren Eingriff hat seine junge Patientin sehr gut überstanden: „Ich bin allen, die mir hier geholfen haben, so unendlich dankbar“, sagt die 16-Jährige, die sich jetzt vor allem darauf freut, wieder zurück nach Hause zu dürfen und ihre beiden Geschwister wiederzusehen. Doch ein bisschen Geduld muss die Schülerin noch haben, bevor sie das Uni-Klinikum Erlangen verlassen kann. „In den nächsten vier Wochen kontrollieren wir mit regelmäßigen Tests, ob Andradas Körper das fremde Organ nicht wieder abstößt und stellen die Patientin auf die dafür nötigen immunsuppressiven Medikamente ein. Diese muss sie ab jetzt für den Rest ihres Lebens regelmäßig einnehmen“, erklärt Prof. Weyand, der auch Sprecher des interdisziplinären Transplantationszentrums des Uni-Klinikums Erlangen ist. „In den folgenden Monaten geht es dann vor allem darum, ihr geschwächtes Immunsystem vor gefährlichen Infektionen zu schützen.“ Auch mit dem Team der Erlanger Kinderkardiologie wird Andrada in den kommenden Jahren weiterhin in engem Kontakt bleiben, weiß Dr. Schöber: „Jede Herztransplantation erfordert eine engmaschige Nachsorge, um den Erfolg dauerhaft zu gewährleisten.“

Aktion „Ich lauf um Dein Leben“ wirbt um Organspenden für herzkranke Kinder

Andrada hat großes Glück: Weniger als 30 Spenderherzen können jährlich deutschlandweit bei Kindern und Jugendlichen transplantiert werden, weil es für sie noch weniger geeignete Spender gibt als für Erwachsene. Mit dem am 11. Januar 2021 gestarteten digitalen https://www.dgthg-jahrestagung.de/spendenlauf zugunsten des Aktionsbündnisses Angeborene Herzfehler e. V. wollen die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e. V. (DGTHG) und die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler e. V. (DGPK) Kinder und Jugendliche unterstützen, die dringend eine Herztransplantation brauchen. Präsident der interdisziplinären Tagung „Herzmedizin 2021“, bei dem Ende Februar das erste Etappenziel des Spendenlaufs präsentiert wird, ist Prof. Dr. Robert Cesnjevar, der Leiter der Kinderherzchirurgischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Michael Weyand

Tel.: 09131 85-33319

herz-sekretariat@uk-erlangen.de

Bilder zum Download:

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Freuen sich, dass ihre tapfere Patientin diese lebensrettende Chance bekam: die beiden Kinderkardiologen Dr. Martin Schöber und Dr. Ulrike Doll beim täglichen Besuch von Andrada nach der Herztransplantation. Foto: Kerstin Bönisch/Uni-Klinikum Erlangen

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21.01.2020 „OP-Masken sind ein standardisierter, wirksamer und einfach anwendbarer Schutz in der Öffentlichkeit“
uni | mediendienst | aktuell Nr. 3/2021

Krankenhaushygieniker begrüßen Bund-Länder-Beschluss zum Tragen eines definierten Mund-Nasen-Schutzes im öffentlichen Raum

Die Krankenhaushygieniker der bayerischen Universitätsklinika begrüßen den aktuellen Bund-Länder-Beschluss, dass in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Geschäften anstelle von undefinierbaren Alltagsmasken neben FFP2-Masken auch ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz (sogenannte OP-Maske) getragen werden darf: „Der zertifizierte medizinische Mund-Nasen-Schutz ist für die Bürgerinnen und Bürger einfach und sicher anzuwenden, ohne Behinderung der Atmung zu tragen und entfaltet eine völlig ausreichende Schutzwirkung im öffentlichen Raum. Hinzu kommt, dass er deutlich preiswerter ist als eine FFP2-Maske. Gleichzeitig werden die Ressourcen an FFP2-Masken geschont und stehen dort dauerhaft zur Verfügung, wo sie wirklich notwendig sind: als Bestandteil des Arbeitsschutzes in Kliniken und anderen Versorgungseinrichtungen.“ Wären die FFP2-Masken nun in allen Bundesländern verpflichtend eingeführt worden, hätte dies unweigerlich zu einem massiven Versorgungsproblem der Kliniken und anderer Versorgungseinrichtungen geführt.

Eine generelle Verpflichtung zum Tragen einer Atemschutzmaske vom Typ FFP2 im öffentlichen Raum halten die Krankenhaushygieniker aus folgenden Gründen für problematisch:

1. FFP2-Masken sind keine selbsterklärenden Alltagsartikel. Der korrekte Gebrauch muss trainiert und überprüft werden. Bei falscher Anwendung (z. B. nicht korrekter Sitz über Mund und Nase mit Dichtschluss an der glatten Gesichtshaut) bieten FFP2-Masken keinen zusätzlichen Schutzvorteil gegenüber einem zertifizierten Mund-Nasen-Schutz oder einer Alltagsmaske; im Gegenteil, die Schutzwirkung liegt dann unter der Schutzwirkung eines korrekt getragenen medizinischen Mund-Nasen-Schutzes.

2. Das Tragen von FFP2-Masken wird ein falsches Gefühl von Sicherheit erzeugen, das zur Vernachlässigung anderer Schutzvorgaben (z. B. Abstandsregeln) führt. Diese Form von Sorglosigkeit ist mitunter sogar beim ärztlichen und pflegerischen Fachpersonal zu beobachten. Insofern kann von der Allgemeinbevölkerung nicht erwartet werden, hier bewusster und professioneller zu handeln.

3. FFP2-Masken führen, wenn sie denn wirklich die normgerechte Filtrationsleistung erbringen und richtig sitzen, zu einer deutlichen Erhöhung des Atemwiderstands. Um dies zu umgehen, erzeugen die Menschen beim Tragen von FFP2-Masken bewusst Leckagen (z.B. durch fehlendes Anmodellieren des Nasenstegs) oder wählen Maskentypen, die sehr locker sitzen oder gar ein Ausatemventil aufweisen. All dies führt faktisch zu einem Verlust der Schutzwirkung, und zwar sowohl der Schutzwirkung für den Träger als auch für sein Gegenüber.

4. FFP2-Masken müssen regelmäßig gewechselt werden, üblicherweise spätestens nach 8 Stunden Tragezeit. Eine Aufbereitung von FFP2-Masken ist technisch aufwendig und daher im häuslichen Bereich nicht praktikabel. Die derzeit zirkulierenden „Aufbereitungsanleitungen“ sind allesamt nicht validiert und führen dazu, dass die Masken ihre Schutzwirkung nicht mehr erfüllen. Dies führt zur Verwendung von nicht mehr geeigneten FFP2-Masken in der Öffentlichkeit, die insofern nicht die erwartete Schutzwirkung haben.

5. Übertragungswege und Alltagsmaskenpflicht bei allen anderen Situationen außerhalb ÖPNV und Einzelhandel bleiben unverändert bestehen. Dies betrifft besonders Veranstaltungen im Sinne des Art. 8 des Grundgesetzes (vgl. §7 11. BayIfSMV), aber natürlich auch die Zuwiderhandlungen gegen die Regelungen der 11. BayIfSMV (z. B. im Rahmen privater Treffen ohne Masken über die erlaubte Personenzahl hinaus). Nach unserem Kenntnisstand sind diese Übertragungswege für die Entwicklung der Pandemie wesentlich relevanter als die Situation im Einzelhandel oder im ÖPNV.

Die bayerischen Krankenhaushygieniker belegen ihre Einschätzungen zur Schutzwirkung des medizinischen Mund-Nasen-Schutzes mit ihren Erfahrungen während der COVID19-Pandemie in den Kliniken: „Wir haben in den bayerischen Universitätskliniken in den vergangenen Monaten auf der Grundlage der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts wirksame und auf breiter Basis vom Personal akzeptierte und umgesetzte Hygienekonzepte entwickelt, die in entsprechenden Situationen selbstverständlich den Einsatz von FFP2-Masken vorsehen, insbesondere bei Risikoexpositionen und der Versorgung von COVID-19-Patient*innen. Wir sind aber davon überzeugt und können dies anhand der Fallzahlen beim medizinischen Personal auch gut belegen, dass in vielen Situationen im medizinischen Bereich bei der Regelversorgung von Patient*innen ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz, der korrekt getragen wird, eine völlig ausreichende Schutzwirkung entfaltet.“

Prof. Dr. med. Christian Bogdan     Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie

Direktor des Mikrobiologischen Instituts – Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene

Universitätsklinikum Erlangen

Dr. med. Bernd Kunz

Oberarzt und Leiter der Sektion Krankenhaushygiene

Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin

Universitätsklinikum Erlangen

Dr. med. Markus Werner

Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin

Krankenhaushygieniker

Universitätsklinikum Erlangen

Dr. med. Béatrice Grabein

Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie

Leitende Ärztin

Stabsstelle Klinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene

LMU Klinikum München

 

Dr. med. Nina Wantia

Oberärztin

Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie

Krankenhaushygienikerin

Technische Universität München

Dr. med. Friedemann Gebhardt

Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie

Stabstelle Krankenhaushygiene

Klinikum rechts der Isar der TU München

Prof. Dr. med. Dirk Busch

Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie

Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene

Technische Universität München

Prof. Dr. med. Jörg Steinmann

Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie

Leiter des Instituts für Klinikhygiene, Medizinische Mikrobiologie und Klinische Infektiologie

Universitätsinstitut der Paracelsus Medizinisches Privatuniversität

Klinikum Nürnberg

Prof. Dr. med. Wulf Schneider

Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie

Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin

Leiter der Abteilung Krankenhaushygiene und Infektiologie

Universitätsklinikum Regensburg

Prof. Dr. med. Ulrich Vogel

Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie

Professur für Krankenhaushygiene und Medizinische Mikrobiologie – Stabsstelle Krankenhaushygiene

Universitätsklinikum Würzburg

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18.01.2021 „Impfen polarisiert – in Politik, Gesellschaft und Ärzteschaft.
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

COVID-19 – da capo

Befürworter einer allgemeinen Impfpflicht stehen Impfgegnern gegenüber. Wir müssen kritische Fragen ernst nehmen“, schreibt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), im Leitartikel der Januar/Februar-Ausgabe 2021 des Bayerischen Ärzteblatts.

Die Ärztinnen und Ärzte in Kliniken und Praxen seien mit einer Vielzahl von verunsicherten Patientinnen und Patienten konfrontiert. Gleichzeitig seien die Ärzte ein entscheidender Faktor für die Entscheidungen ihrer Patienten im Hinblick auf die Sars-CoV-2-Impfung.

„Was ist bislang über die komplexen Immunantworten, die das neuartige Coronavirus im menschlichen Körper induziert, bekannt? Was lässt sich über Wirkweise und Sicherheit der einzelnen COVID-Vakzine-Kandidaten ableiten? Wie ist der Forschungsstand?“ Dies seien laut Quitterer Fragen, mit welchen die Ärzteschaft von Patienten konfrontiert werde.

Es sei deshalb auch eine Aufgabe der Ärzte, vorliegende wissenschaftliche Ergebnisse zu interpretieren, Nutzen und Risiken abzuwägen und - wie bei anderen neuen Therapien - ihre Erfahrung einzubringen. „Wir können nach derzeitigem Wissensstand unsere Patienten darüber aufklären, dass eine Impfung Sinn macht. Jeder weitere Impfstoff ist eine Chance mehr, sich gegen die Erkrankung zu schützen“, erläutert Quitterer.

Gleichzeitig sei wichtig, dass die Möglichkeit geschaffen werde, die Imp-fung nicht nur in Impfzentren, sondern auch in den Praxen durchzuführen, sobald ein Impfstoff zur Verfügung stehe, der geringere logistische Heraus-forderungen mit sich bringe. „Dort finden sich gewachsene Strukturen, auf die man zurückgreifen kann“, so Quitterer.

Eine Impfpflicht oder eine Ausgrenzung nicht Geimpfter lehnt der Präsident ab.

Mehr zu „COVID-19 – da capo“ lesen Sie im Leitartikel der Januar/Februar-Ausgabe 2021 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-aerz-teblatt.de.

08.01.2020 Bayerische Landesärztekammer dankt Staatsministerin Huml für die gute Zusammenarbeit
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) dankt der Bayerischen Staats-ministerin für Gesundheit und Pflege, Melanie Huml, für die gute und konstruktive Zusammenarbeit.

„Ministerin Melanie Huml war für uns eine offene und präsente Gesundheitsministerin. Mit ihr kam es zu richtungsweisenden Entscheidungen zum Wohle der Ärzteschaft und der medizinischen Versorgung in Bayern“, äußert sich Dr. Gerald Quitterer, Präsident der BLÄK. „Sie hat als dienstäl-teste Gesundheitsministerin in Deutschland seit 2013 die Anliegen der bay-erischen Ärztinnen und Ärzte wahrgenommen und sich für deren Interessen eingesetzt. Sie stand dazu stets in engem Kontakt mit der verfassten Ärzteschaft und hat sich in bundesweiten Gesetzgebungsverfahren vehe-ment für die bayerischen Belange eingebracht. Während ihrer Amtszeit wurde eine Landarztquote beim Studienzugang eingeführt. Des Weiteren hat sie die Niederlassungsförderung für Landärzte zur Landarztprämie weiterentwickelt. Beides sehe ich als wichtige Meilensteine, um eine flächen-deckende ärztliche Versorgung im ländlichen Raum voranzubringen. Es konnten so mehr als 500 Neuniederlassungen gefördert werden“.

„Die bestmögliche medizinische Versorgung der Bevölkerung stand für sie immer im Vordergrund“, so Dr. Andreas Botzlar, Vizepräsident der BLÄK. „Für die neue Aufgabe in der Staatskanzlei als Ministerin für Europa und Internationales wünschen wir ihr alles Gute und Erfolg.“

Mit dem neuen Gesundheitsminister Klaus Holetschek setzt das Präsidium der BLÄK auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit und wünscht ihm für seine neue Aufgabe, gerade in dieser herausfordernden Pandemiezeit, Kraft und gute Entscheidungen.

08.01.2020 Ich lauf um Dein Leben!
uni | mediendienst | aktuell Nr. 1/2021

Digitaler Spendenlauf für Kinder, die ein Spenderherz benötigen – Start am 11. Januar 2021

Mit der Aktion „Ich lauf um Dein Leben“, die am 11. Januar 2021 startet, rufen die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e. V. (DGTHG) und die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler e. V. (DGPK) zu einem digitalen Spendenlauf auf. Er soll Kinder und Jugendliche unterstützen, die dringend eine Herztransplantation brauchen. Ab 11. Januar 2021 kann jeder mitlaufen und unter anderem durch den Kauf eines Aktions-T-Shirts spenden. Bei der interdisziplinären Jahrestagung „Herzmedizin 2021“ der DGTHG und der DGPK Ende Februar wird das erste Etappenziel des Spendenlaufs präsentiert.

Schwerst herzkranke Kinder warten in Deutschland oft ein Jahr oder länger auf ein geeignetes, lebensrettendes Spenderherz. Die Fachgesellschaften DGTHG und DGPK wollen deshalb die Aufmerksamkeit auf Herztransplantationen bei Kindern lenken. „Der Organspendemangel trifft vor allem herzkranke Kinder“, berichtet PD Dr. Christian Heim, stellvertretender Klinikdirektor der Herzchirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Michael Weyand) des Universitätsklinikums Erlangen und Tagungssekretär des Kongresses „Herzmedizin 2021“. „Denn für Kinder gibt es noch mal weniger geeignete Spender als für Erwachsene. Deshalb können bei den jungen Patienten jährlich nur sehr wenige Herzen transplantiert werden“, so Dr. Heim weiter.

Bei Erwachsenen konnten die Transplanteure der Herzchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen 2019 und 2020 jeweils nur knapp zehn Herzen verpflanzen. Kinderherzen hingegen werden selbst an spezialisierten Einrichtungen wie dem Uni-Klinikum Erlangen nur ein- bis zweimal pro Jahr transplantiert; in ganz Deutschland sind es jährlich weniger als 30. Auf der Warteliste für ein neues Herz stehen in Deutschland aktuell ca. 60 Kinder und Jugendliche.

Spendenaktion: Jeder kann immer und überall mitmachen

An der Aktion „Ich lauf um Dein Leben“ kann jeder jederzeit und überall teilnehmen – ob auf dem Hometrainer, als Profiläufer, Gelegenheitsjogger oder Nordic Walker. Im Rahmen ihrer digitalen Jahrestagung „Herzmedizin 2021“ Ende Februar 2021 verkünden die Fachgesellschaften DGTHG und DGPK dann den vorläufigen Spendenerlös. Er kommt dem Aktionsbündnis Angeborene Herzfehler e. V. zugute und unterstützt so Kinder, die auf ein Spenderherz warten, und deren Angehörige. „Das Gute: Der Spendenlauf, den wir 2021 erstmals organisieren, hilft nicht nur herzkranken Kindern, sondern stärkt auch das eigene Herz-Kreislauf-System. Also runter mit dem Corona-Speck und ab zum Sport! Nutzen Sie beispielsweise Ihre Mittagspause im Homeoffice für eine Laufrunde für den guten Zweck“, rät Prof. Dr. Robert Cesnjevar, Leiter der Kinderherzchirurgischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen und Tagungspräsident des Kongresses „Herzmedizin 2021“.

Weitere Informationen zum Spendenlauf: http://www.ichlaufumdeinleben.de

Weitere Informationen:

PD Dr. Christian Heim

Tel.: 09131 85-33319

christian.heim@uk-erlangen.de

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21.12.2020 Dem Alter entsprechend
uni | mediendienst | forschung Nr. 93/2020

Neue Referenzwerte für modernes Messverfahren zur Ermittlung der Körperzusammensetzung bei älteren Menschen

Die Körperzusammensetzung des Menschen unterliegt im Laufe seines Lebens unterschiedlichen Veränderungen. Muskelmasse und Körperwasseranteil nehmen mit der Zeit ab, während das Körperfettgewebe üblicherweise zunimmt. Neben diesen altersbedingten Prozessen lassen sich auch bei bestimmten Erkrankungen gravierende Veränderungen der Körperzusammensetzung beobachten. Dies gilt zum Beispiel für Krebs und Adipositas. „Bei uns im Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport erhalten Patienten eine individuell auf sie angepasste Ernährungs- und Sporttherapie“, erläutert Prof. Dr. Yurdagül Zopf, Leiterin des Hector-Centers in der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen. Um den Behandlungsverlauf beurteilen und die Maßnahmen gegebenenfalls anpassen zu können, muss die Körperzusammensetzung der Patienten regelmäßig neu bestimmt werden. Die Erlanger Expertinnen und Experten verwenden dafür die segmentale multifrequente Bioelektrische Impedanzanalyse (SMF-BIA).

„Allerdings haben wir festgestellt, dass es bisher nur Referenzwerte für die Altersgruppe 18 bis 65 Jahre gibt. Dadurch hatte die Bioelektrische Impedanzanalyse für einen Teil unserer Patienten nur wenig Aussagekraft“, bedauert Dr. Dejan Reljic, der den Bereich Sportwissenschaft des Hector-Centers leitet. „Das hat uns motiviert, eine Studie durchzuführen, mit deren Hilfe wir nun Referenzwerte für die Altersgruppe ab 65 Jahren festlegen konnten.“ Dank dieses neuen Maßstabs ist es Fachkollegen weltweit nun möglich, Therapien individuell für ihre älteren Patienten zu planen beziehungsweise auf sie anzupassen.

Gerade Krebserkrankungen sind aufgrund unterschiedlicher Faktoren häufig mit einem beschleunigten Muskelabbau verbunden, während Adipositas durch eine übermäßige Ansammlung von Fettgewebe charakterisiert ist. „Ein wichtiges Ziel unserer Ernährungs- und Sporttherapie ist es daher, die Muskelmasse unserer Patienten zu erhalten beziehungsweise aufzubauen und insbesondere bei stark Übergewichtigen auch die Körperfettmasse zu reduzieren“, erläutert Dr. Reljic. „Wir kontrollieren den Therapieverlauf kontinuierlich und passen die Maßnahmen entsprechend an. Dafür ist eine regelmäßige Bestimmung der Körperzusammensetzung von zentraler Bedeutung.“ Solche Messungen lassen sich mithilfe der BIA schnell und unkompliziert durchführen. Im Hector-Center wird sogar die SMF-BIA eingesetzt: „Dabei handelt es sich um die fortschrittlichste und präziseste unter den vorhandenen BIA-Methoden“, erklärt Dr. Hans Joachim Herrmann, Leiter des Bereichs Ernährungswissenschaft des Hector-Centers, der die Bioelektrische Impedanzanalyse bereits seit vielen Jahren in der ernährungstherapeutischen Betreuung von Patienten einsetzt.

Vermessung von über 500 Freiwilligen
Wer etwas misst, der beurteilt seine Zahlen mithilfe eines Maßstabs. Mediziner sprechen vom Referenzbereich: Werten, die an einer gesunden Referenzgruppe ermittelt wurden und deren Über- oder Unterschreiten auf eine Erkrankung hinweisen kann. „Als wir die Körperzusammensetzung unserer älteren Patienten erstmals mithilfe der SMF-BIA bestimmten, mussten wir leider feststellen, dass wir auf keine passenden Referenzwerte zugreifen konnten“, berichtet Dr. Reljic. „Referenzwerte waren bisher nur für 18- bis 65-Jährige definiert worden – nicht aber für Ältere.“ Das Team des Hector-Centers entschied kurzerhand, diese Lücke selbst zu schließen. Im Rahmen einer Studie vermaßen die Wissenschaftler insgesamt 567 Frauen und Männer im Alter von 65 bis 97 Jahren aus Erlangen und Umgebung und generierten so entsprechende Referenzwerte. „Im Vergleich mit den Referenzwerten für die Altersgruppe 18 bis 65 Jahre zeigte sich in der Gruppe der über 65-Jährigen eine deutliche altersbedingte Abnahme unterschiedlicher Parameter der Körperzusammensetzung, was die Wichtigkeit einer Etablierung von neuen, altersspezifischeren Referenzwerten verdeutlicht“, so Prof. Zopf im Namen der drei Studienleiter. „Es ist fachlich nicht vertretbar, einen 70-Jährigen nach dem gleichen Maßstab ernährungs- und sporttherapeutisch zu behandeln wie einen 30-Jährigen.“ Laut den Wissenschaftlern des Erlanger Hector-Centers werden sich dank der neuen Referenzwerte SMF-BIA-Messungen bei älteren Menschen nun besser interpretieren und krankhafte Veränderungen der Körperzusammensetzung präziser feststellen lassen können.

Link zur Studie: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33214337/

Weitere Informationen:
Dr. Dejan Reljic
Tel.: 09131/85-45220
med1-hector-center@uk-erlangen.de

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21.12.2020 Coronaviren per Hitze beikommen VolkswagenStiftung fördert FAU-Projekt zu Schmierinfektionen
uni | mediendienst | forschung Nr. 94/2020

Gleich über 100 Forschungsprojekte zu Corona fördert die VolkswagenStiftung mit ihrer Initiative „Corona Crisis and Beyond“. Mit dabei in der Auswahl aus den insgesamt mehr als 1100 Anträgen: Prof. Dr. Karl Mandel und sein Team von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Die Chemikerinnen und Chemiker beschäftigen sich mit der Frage, wie sich Schmierinfektionen mit dem SARS-CoV-2-Virus über Oberflächen vermeiden lassen. Dafür erhalten sie in den kommenden eineinhalb Jahren 120.000 Euro.

Im öffentlichen Raum werden Kontaktflächen normalerweise mithilfe von Desinfektionsmitteln behandelt. Kritische Punkte sind hier das ordentliche Aufbringen der Mittel, der Schutz der Reinigungskräfte sowie die fachgerechte Entsorgung der verwendeten Materialien.
Viren können aber auch durch Hitze unschädlich gemacht werden. Deshalb prüfen die Forscherinnen und Forscher um Prof. Mandel ein alternatives Verfahren, das sich der Induktion bedient. Dazu wollen sie eine Silikonschicht mit synthetischen Magnetpartikeln entwickeln, die ohne großen Aufwand auf Oberflächen wie etwa Türklinken aufgebracht werden kann. In dem nun zu prüfenden Verfahren wird ein mobiler Induktor über diese entsprechend präparierte Oberfläche geführt, um die enthaltenen Magnetpartikel für den Bruchteil einer Sekunde lokal zu erhitzen und so die Viren auf der Oberfläche abzutöten, während das darunterliegende Material unbeschädigt bleibt.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Karl Mandel, Tel.: 09131/85-27396, karl.mandel@fau.de

Chance auf körpereigene Waffe gegen COVID-19
DFG fördert FAU-Projekt mit Fokus-Förderung COVID-19

Die Fokus-Förderung COVID-19 der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) fördert 33 Forschungsvorhaben zu „Immunität, Wirtssuszeptibilität und Pathomechanismen der Infektion mit SARS-CoV-2“ mit insgesamt 3,6 Millionen Euro. Mit 99.600 Euro wird ein Projekt der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gefördert: Prof. Dr. Armin Ensser, Forschungsgruppenleiter am Lehrstuhl für Klinische und Molekulare Virologie der FAU, untersucht welche Rolle TRIM-Proteine und andere Wirtszellfaktoren bei der Eindämmung von SARS-CoV-2 spielen. Die DFG hat die Fokus-Förderung COVID-19 eingerichtet, um besonders drängende und kurzfristige Fragen zur Corona-Pandemie zu beantworten.
Körpereigene und geschlechtsspezifische Faktoren haben eine Auswirkung auf die Virusanfälligkeit. Männer und Frauen erkranken bekanntermaßen unterschiedlich stark und häufig an COVID-19. Inzwischen ist wissenschaftlich anerkannt, dass körpereigene Tripartite Motif (TRIM)-Proteine, von denen es mehr als 70 gibt, die Vermehrung von RNA- und DNA-Viren beeinflussen. „TRIM-Proteine können die virale Replikation hemmen. Beispielsweise sorgen sie für den Abbau von viralen Komponenten oder sie verstärken die angeborene Immunantwort“, erklärt Prof. Dr. Ensser.  Seine Annahme: Auch bei SARS-CoV-2 haben bisher nicht identifizierte TRIM-Proteine Einfluss auf die Anfälligkeit von Wirtszellen und auf die Virenreplikation. Bestätigt sich die Annahme, hätte man eine neue Möglichkeit bei der Behandlung von COVID-19. Prof. Dr. Ensser möchte die bei SARS-CoV-2 relevanten TRIM-Proteine identifizieren, ihren Mechanismus aufklären und so Ausgangspunkte für weitere Forschung liefern. Hierzu nutzt das Forschungsteam selbst entwickelte rekombinante Viren und ein Replikon-Marker-System.
Die Förderung steht in engem Zusammenhang mit der Kommission für Pandemieforschung der DFG. Diese wählt Themenfelder mit besonderem Forschungsbedarf in Bezug auf die Corona-Pandemie. Besonders an der Fokus-Förderung ist das vereinfachte Bewerbungsverfahren. Forschende beschreiben ihr wissenschaftliches Vorhaben im Förderungsantrag auf maximal fünf Seiten. Außerdem sollten sie fachlich besonders ausgewiesen sein und über etablierte Forschungsinfrastruktur, Methodenrepertoire und Untersuchungsmaterial verfügen. Die Förderung richtet sich sowohl an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaft, als auch an außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Einrichtungen des Gesundheitswesens.
Weitere Informationen zu den geförderten Projekten:
Förderprojekte im Rahmen der ersten Ausschreibung „Immunität, Wirtssuszeptibilität und Pathomechanismen der Infektion mit SARS-CoV-2“:
www.dfg.de/foerderung/corona_informationen/dfg_forschung_zu_corona/index.html#anker105638505
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Armin Ensser, Tel.: 09131/85-22104, armin.ensser@fau.de

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17.12.2020 „Je jünger man ist, desto besser steht man das durch“
uni | mediendienst | aktuell Nr. 144/2020

Bei der „Ein Herz für Kinder“-Gala 2020 traf die zwölfjährige Sontje Helene Fischer wieder. Das einst leukämiekranke Mädchen ist heute ein gesunder Teenager.


„Der Kontakt zwischen Sontje und Helene Fischer ist nie abgerissen“, sagt Sontjes Mutter Rebecca. Die Sängerin habe in den vergangenen Jahren mehrfach Geburtstagsgeschenke für das Mädchen geschickt; Sontje habe im Gegenzug Grußvideos gesendet und erzählt, wie es ihr geht. „Der Umgang zwischen den beiden war immer ganz natürlich und liebevoll“, so Sontjes Mutter. Kennengelernt hatten sich das Mädchen und der Schlagerstar Ende 2015 in der Kinderonkologie des Universitätsklinikums Erlangen. Damals war Sontje sieben Jahre alt und litt an Leukämie. Im Rahmen der TV-Gala ein „Ein Herz für Kinder“ erzählte Helene Fischer Sontjes Geschichte und bat um Spenden für krebskranke Kinder. Dank dieser Unterstützung konnten die Erlanger Kinderonkologen ein neues Gerät zur Identifikation von Tumor-DNA in Blutproben anschaffen und kleinen Patienten wie Sontje eine bessere Diagnostik und Therapie ermöglichen. Sontjes Krebsbehandlung in der Erlanger Kinderonkologie begann 2015 und dauerte zwei Jahre. Immer wieder wurde sie in dieser Zeit stationär aufgenommen. Bis heute kommt die Zwölfjährige, die mit ihrer Mutter und ihrem elfjährigen Bruder Tizian im Landkreis Bamberg lebt, ins Uni-Klinikum Erlangen – allerdings nur noch einmal pro Jahr zur Nachsorge.

Die Krankheit immer im Hinterkopf

Prof. Dr. Markus Metzler, Leiter der Kinderonkologie in der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle) des Uni-Klinikums Erlangen, und sein Team behandelten Sontje mit mehreren Chemotherapien. „Zum Glück schlugen die Medikamente an und wir brauchten keine weiteren Behandlungsoptionen auszuschöpfen. Heute ist Sontje sehr leistungsfähig und hat keinerlei Folgeerkrankungen“, sagt Prof. Metzler. „Äußerlich hat sie von ihrer Erkrankung ein paar Narben davongetragen und bestimmt auch ein paar kleinere seelische. Aber es geht ihr sehr gut“, versichert Sontjes Mutter. Am Hals und an der Brust ihrer Tochter sind noch die Spuren des Hickman-Katheters zu sehen: Dieser zentrale Venenkatheter wurde ihr für die Chemotherapie implantiert. Über ihn bekam Sontje lange Zeit immer wieder Medikamente und Infusionen. Auf ihre „Mutperlenkette“ fädelte das Mädchen für jedes Ereignis, das sie im Krankenhaus durchstand, eine andere farbige Kugel auf – eine weiße für eine Operation, eine grüne für einen „scheiß Tag“, eine kleine Obstperle für einen „Nüchterntag“ und viele andere. Die Anschaffung einer „Nüchternperle“ hatte Sontje selbst initiiert. „Weil nichts essen und nichts trinken zu dürfen für mich immer schlimmer war als die Knochenmarkpunktion an sich“, erklärt sie und ergänzt: „Wenn ich ans Uni-Klinikum denke, dann eigentlich nur positiv.“ Dieser Satz, der ein bisschen vorformuliert klingt, stammt tatsächlich von der Zwölfjährigen selbst und sie begründet ihn so: „Je jünger man ist, desto besser kann man die Leukämie durchstehen. Es war damals immer in meinem Hinterkopf, dass ich krank bin. Aber dass das alles tödlich ist, daran habe ich nicht wirklich gedacht.“ Irgendwann möchte Sontje, die zurzeit die sechste Klasse einer Realschule besucht, vielleicht ein Buch schreiben – einen Ratgeber für krebskranke Kinder. Er soll junge Patienten während der Zeit im Krankenhaus begleiten. „Ich hatte damals selbst auch so ein Mutmachbuch, das mir geholfen hat“, erinnert sie sich.

„Sie hat ein wirklich großes Herz und irgendwie immer alles im Griff. Sontje war und ist sehr selbstbestimmt“, charakterisiert Mutter Rebecca ihre Tochter. „Schon damals, auf Station, hat sie gefühlt alle ihre Zimmernachbarn adoptiert, ihre Essensbestellungen mit ausgefüllt und auch sonst einiges gemanagt.“ Sontje erklärt das so: „Ich dachte einfach: ‚Ich habe jetzt schon 140 Bilder gemalt, ich kann alle Lieder auswendig und habe auch schon genug Fernsehen geguckt. Was gibt es sonst noch zu tun?‘“ Im Alter von nur acht Jahren verabreichte sich Sontje ihre Thrombosespritzen selbst. „Sie wollte das, weil sie so unabhängig war und zum Beispiel auch mal bei Freundinnen übernachten konnte“, erklärt ihre Mutter.

Wiedersehen mit Helene Fischer

Bei der diesjährigen TV-Spenden-Gala „Ein Herz für Kinder“ gab es schließlich ein Wiedersehen für Sontje und Helene Fischer – das Mädchen tauchte plötzlich als Überraschungsgast auf. Getrennt durch eine Glasscheibe saßen sich beide fünf Jahre nach ihrer ersten Begegnung am Uni-Klinikum Erlangen wieder gegenüber. „Ich habe mich gefreut, Helene wiederzusehen. Sie wusste wirklich nicht, dass ich komme“, berichtet Sontje. Nach der Show habe sich die Sängerin in ihrer Garderobe eine Stunde Zeit für das Mädchen genommen. „Wir haben uns ein bisschen unterhalten – über damals im Krankenhaus und über meine jetzigen Hobbys: Showtanz, Reiten und Gitarre spielen. Helene tanzt ja auch und sie ist eine starke, selbstbewusste Frau. Da kann ich mir vielleicht ein bisschen was abgucken.“

Ende Dezember 2020 feiert Sontje ihren 13. Geburtstag – ohne Leukämie, aber wegen der Corona-Pandemie diesmal auch ohne ihre beiden besten Freundinnen. „Ich wollte sie zum Übernachten einladen. Aber wir holen das besser mal im Sommer nach. Dieses Jahr sind zumindest meine Patin, meine Mama und mein Bruder bei mir“, sagt das Mädchen. Insgeheim rechnet Sontje auch mit einem Geburtstagsgruß von Helene Fischer. Sie lässt sich überraschen …

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Markus Metzler

Tel.: 09131 85-33731

markus.metzler@uk-erlangen.de

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16.12.2020 Rhinoviren effektiv bekämpfen - Neue Wege für die Immunantwort bei Asthma bronchiale
uni | mediendienst | forschung Nr. 90/2020

Mit dem Herbst beginnt in unseren Breitengraden die Hochsaison für Rhinoviren, denn diese fühlen sich bei nasskaltem Wetter am wohlsten. Sie verursachen Erkältungssymptome, die für die meisten Menschen nicht weiter gefährlich sind. Anders jedoch etwa bei Kindern, die unter Asthma bronchiale leiden. Kommt es zu einer Infektion mit Rhinoviren, kann sich deren Gesundheitszustand erheblich verschlechtern. Wie sich das verhindern lässt, erforschte unlängst ein Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern am Universitätsklinikum Erlangen (UKER) in Zusammenarbeit mit internationalen Kolleginnen und Kollegen. Die Ergebnisse sind im „European Respiratory Journal“ erschienen.*


Untersucht wurden Vorgänge auf molekularer Ebene, denn für eine erfolgreiche Bekämpfung der Viren durch das körpereigene Immunsystem spielen bestimmte Rezeptoren auf der Zelloberfläche eine große Rolle. Prof. Susetta Neurath-Finotto, Professorin für Molekulare Pneumologie und Leiterin der Abteilung für Molekulare Pneumologie am UKER, erklärt: „Normalerweise eliminiert das Immunsystem die Rhinoviren. Jedoch muss es zunächst zu einer Immunantwort angeregt werden.“ Dies geschieht vor allem mittels des Botenstoffs Interferon-alpha, der wiederum über entsprechend Rezeptoren in die vom Virus befallenen Zellen gelangt. Bei den asthmatischen Kindern funktioniert das jedoch nicht optimal. Das Interferon-alpha gelangt nicht ausreichend in die Zellen und das Virus breitet sich weiter aus.

Mithilfe des am UKE untersuchten Moleküls R848 können allerdings die Rezeptoren für Interferon-lambda aktiviert werden. Dies hat die Forschungsgruppe anhand von In-Vitro-Tests mit Blutzellen von Kindern mit und ohne Asthma nachgewiesen. „Die Behandlung mit R848 ebnet dem Interferon-lambda den Weg in die Zellen, so dass eine antivirale Immunantwort ermöglicht wird“, sagt Prof. Neurath-Finotto  

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Susetta Finotto, Abteilung für Molekulare Pneumologie (UKER), Tel. 09131/85-42454, susetta.neurath-finotto@uk-erlangen.de

Astrozyten beeinflussen das Verhalten Internationales Forschendenteam entdeckt die wichtige Rolle von Gliazellen bei der Entscheidungsfindung

Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben gemeinsam mit spanischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern herausgefunden, dass Astrozyten im präfrontalen Kortex (PFC) eine wesentliche Rolle spielen, wenn das Gehirn bei zielgerichteten Verhaltensweisen Vor- und Nachteile einer Entscheidung gegeneinander abwägt. Ihre Forschungsergebnisse haben sie in der Zeitschrift Nature Neuroscience veröffentlicht*.

Häufig wird bisher davon ausgegangen, dass bei der Entscheidungsfindung ausschließlich Neuronen eine Rolle spielen, also die Zellen, die dafür sorgen, dass Erregungen im Gehirn weitergeleitet werden. Eine Zusammenarbeit des Labors von Prof. Dr. Alexey Ponomarenko, Professur für Physiologie der FAU, und Dr. Gertrudis Perea von spanischen Cajal Institute in Kooperation mit dem New York University Langone Medical Center hat jedoch die zentrale Rolle der Astrozyten bei der Entscheidungsfindung nachgewiesen. Astrozyten gehören zu den Gliazellen, die das Stützgerüst für die Nervenzellen bilden. Die Experimente von Dr. Sara Mederos, der ersten Autorin der Studie, konnten nachweisen, dass die sternförmigen Zellen im PFC das nötige Gleichgewicht zwischen Neuronen, die Signale senden, und inaktiven Neuronen herstellen. Damit machen sie gelingende und schnelle Entscheidungsfindungen erst möglich.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden außerdem heraus, dass auch die Astrozyten auf die Signale der Botenstoffe im Gehirn reagieren, ohne die neuronalen Netzwerke untereinander keine Signale übertragen können. So sind Astrozyten empfindlich für den hemmenden Neurotransmitter GABA. Die Experimente im Labor mit Mäusen zeigten, dass diese besseren Entscheidungen treffen, wenn der Neurotransmitter in den Astrozyten die schnelle Gamma-Oszillation positiv beeinflusst. Die Hirn-Oszillation ist eine Art interner Zeitgeber für die Aktivität der Neuronen, sie sind gleichsam der Rhythmus, in dem die Zellen arbeiten. Als das Forschendenteam die Astrozyten mit Hilfe von Lichtimpulsen zusätzlich aktivierte, verbesserte dies die Gamma-Oszillation und damit die gesamte kognitive Leistung. Die Optogenetik, also die Lichtstimulation der Zellen, ist ein bewährtes Verfahren, für das Zellen durch genetische Veränderung lichtempfindlich gemacht werden.

Das Forschungsprojekt hat gezeigt, dass Gehirnfunktionen, die von den Astrozyten abhängen, durch Optogenetik verbessert werden können und dies zu schnelleren und richtigeren Entscheidungen führt. Wie effektiv die Modulation von Hirn-Oszillationen durch Lichtimpulse ist, wird derzeit in vielen Bereichen erforscht, so etwa bei der Behandlung der Alzheimer-Krankheit. Die Forschungen über die Funktionsweise der Astrozyten liefern nun für die Praxis weitere wertvolle Impuls

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Alexey Ponomarenko, Professur für Physiologie, Tel.: 09131/85-29302, alexey.ponomarenko@fau.de

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16.12.2020 Neue Handreichung zu Gesundheits-Apps gibt Ärztinnen und Ärzten Antworten auf drängende Fragen
Gemeinsame Pressemitteilung der BÄK, der KBV und des ÄZQ

Neue Handreichung zu Gesundheits - Apps gibt Ärztinnen und Ärzten Antworten auf drängende Fragen

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Gemeinsame Pressemitteilung der BÄK, der KBV und des ÄZQ

16.12.2020 Uhrentest digital- Eine App soll den Uhrentest durchführen und künftig Demenzen erkennen
uni | mediendienst | forschung Nr. 91/2020

Der Uhrentest ist seit Jahrzehnten ein einfaches und effektives Verfahren, um räumliche Orientierungsstörungen und Demenzen zu diagnostizieren. Am Lehrstuhl für Mustererkennung im Department Informatik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler künstliche neuronale Netze mit 2500 solcher Tests „gefüttert“, um ihnen beizubringen, diese selbständig auszuwerten. Die Ergebnisse erscheinen in der Fachzeitschrift Scientific Reports*. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler planen zudem, eine Open Source Software auf den Markt zu bringen, die medizinischen und neuropsychologischen Fachleuten weltweit die Diagnose von Demenz erleichtern kann.

Uhrentest schafft mehr Gewissheit

Immer mehr Menschen erkranken an Demenz, sichere und einfache Diagnosemethoden sind entscheidend, um die Betroffenen möglichst früh medizinisch begleiten zu können. Weltweit wenden Ärztinnen und Ärzte hierfür den Uhrentest an. Das Verfahren ist standardisiert und einfach: Der Patient bekommt ein Blatt Papier mit einem vorgezeichneten Kreis vorgelegt und soll die Ziffern einer Uhr einzeichnen, um anschließend zum Beispiel die Uhrzeit 11.10 Uhr einzutragen.

Je nachdem, wie stark die Zeichnung von der richtigen Lösung abweicht, lassen sich Rückschlüsse auf das Ausmaß der Hirnfunktionsstörung ziehen. Die behandelnde medizinische Fachperson vergibt in der Bewertung des Tests üblicherweise Punkte, ähnlich wie Schulnoten zwischen eins und sechs. Ein Punkt bedeutet eine perfekte Lösung, bei drei ist die Uhr schon fehlerhaft, so ist vielleicht nur ein Zeiger eingezeichnet, aber die visuell-räumliche Darstellung ist noch in Ordnung. Mit steigender Punktzahl werden die gezeichneten Uhren immer unklarer: Die Zwischenräume zwischen den Ziffern sind ungleichmäßig, die Reihenfolge stimmt nicht, nur wenige Ziffern sind eingetragen, sie stehen außerhalb des Kreises, sind nur noch Kritzeleien. Ab drei Punkten gehen Medizinerinnen und Mediziner von einer relevanten kognitiven Störung, oft im Rahmen einer Demenz aus.


Der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie Prof. Dr. med. Markus Weih war früher Leiter der Gedächtnisambulanz an der psychiatrischen Klinik, ist Buchautor und Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen.  Aktuell ist er im Medic Center in Nürnberg tätig und externes Mitglied des Lehrstuhls für Neurologie der FAU, wo er in der Lehre tätig ist. Er sammelte drei bis vier Jahre lang in seiner Praxis 2500 Uhrentest von 1315 Patientinnen und Patienten.

Das Ziel von Prof. Andreas Maier vom Lehrstuhl für Mustererkennung der FAU war es, die Auswertung künstlichen neuronalen Netzen beizubringen, um medizinische und psychologische Fachleute in der Praxis zu unterstützen. Prof. Weih scannte Uhren und Testergebnisse ein und schickte die Daten an den Lehrstuhl.

Neuronale Netze füttern

Dort begann ein Team unter der Leitung von Prof. Maier damit, die Daten zu digitalisieren. Im Rahmen seiner Masterarbeit übernahm Harb Alnasser Alabdalrahim die Aufgabe, die tiefen neuronalen Netze der Hochleistungsrechner mit den Uhren zu „füttern“. In kurzer Zeit lernten diese, den Zeichnungen die richtige Diagnose zuzuordnen. „In über 96 Prozent der Fälle ordnen die neuronalen Netzwerke richtig zu, ob es sich um einen nicht-pathologischen oder einen pathologischen Befund handelt“, erklärt Prof. Maier. Und in über 98 Prozent der Fälle sei die zugeordnete Erkrankungsstufe korrekt. „Das sind sehr gute Ergebnisse.“ Neu sind dabei nicht die Prozesse, es ist bekannt, wie in den tiefen Netzen die Verschaltungen gelernt werden, wobei sich der Lernalgorithmus deutlich von dem im menschlichen Gehirn unterscheidet.

Im Lehrstuhl für Mustererkennung speisen Forscherinnen und Forschere häufig Röntgenbilder oder Aufnahmen von Computertomographien und Magnetresonanztomographien in die künstlichen Netze ein, um diese für die Diagnostik einsetzbar zu machen. „Beim Uhrentest haben wir im Unterschied dazu mit Zeichnungen gearbeitet“, sagt Prof. Maier. Die große Datenmenge, die Prof. Weih aus seiner Praxis liefern konnte, sei ein Glücksfall gewesen. Nach über 1000 Trainingsiterationen konnten die künstlichen neuronalen Netze sehr genaue Ergebnisse liefern.

Ein einfacher aber guter Test

Die Hoffnung der Forschenden ist es, dass künftig eine einfach zu handhabende App medizinisches Personal in der Diagnose von Demenz weltweit unterstützen kann. „Das Personal muss natürlich auch künftig den Uhrentest kennen und standardisiert anwenden“, macht Prof. Maier deutlich, „doch anschließend kann es die App nutzen, um damit den Test abzufotografieren und sofort eine Auswertung zu bekommen.“  Wer sich in der Bewertung eines Tests unsicher sei, erhalte über die App eine Art Zweitmeinung. Dies bringe mehr Zuverlässigkeit in den Diagnosen sowie eine bessere Graduierung und Abgrenzung von Demenzfällen. Letzteres sei in der klinischen Forschung von großem Interesse.

*https://www.nature.com/articles/s41598-020-74710-9

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Andreas Maier

Lehrstuhl für Mustererkennung

Tel.: 09131/8527775

andreas.maier@fau.de

Prof. Dr. Markus Weih

Medic Center Nürnberg

Tel.: 0911/667085

m.weih@mediccenter.net

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15.12.2020 Neue Therapien für erbliche Muskelerkrankungen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 143/2020

Neue Bessel-Preisträgerin Dr. Ana Ferreiro Sieiro forscht an der FAU

Kongenitale Myopathien sind eine Gruppe genetisch bedingter Muskelerkrankungen, die sich bereits in der Kindheit manifestieren. Sie führen zu Muskelschwäche und Muskelschwund sowie häufig zu Herz- oder Atemversagen. Bis heute gibt es keine spezifische Behandlung für diese Krankheiten, die die Patientinnen und Patienten stark einschränken und oft tödlich verlaufen. Dr. Ana Ferreiro Sieiro, eine international anerkannte Expertin auf diesem Gebiet, erhält den Friedrich-Wilhelm-Bessel-Forschungspreis 2021 der Alexander von Humboldt-Stiftung. Dank der mit 45.000 Euro dotierten Auszeichnung kann sie einen längeren Forschungsaufenthalt am Institut für Neuropathologie des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) verbringen.

Die Arbeit von Dr. Ana Ferreiro Sieiro spielte in den vergangenen zwanzig Jahren eine zentrale Rolle bei der Identifizierung mehrerer Gendefekte, die kongenitale Myopathien verursachen. So hat ihre klinische und genetische Forschung bereits dazu beigetragen, die Diagnostik bei erkrankten Kindern zu verbessern und bestimmte Folgeerkrankungen zu verhindern. Auch eine krankheitsspezifische Beratung der betroffenen Familien ist nun möglich. Dr. Ferreiro forscht aktuell zur Entwicklung und den Mechanismen, die von einem bestimmten Gendefekt zu einer fortschreitenden Schädigung der Skelettmuskulatur führen. Dieses Wissen bildet die Grundlage für neue therapeutische Ansätze. Ihre Arbeit hat bereits zur Identifizierung der ersten Medikamente geführt, die im Zell- und Tiermodell bei angeborenen Myopathien wirksam sind. Daran schließen sich nun die ersten therapeutischen Studien an.

Paris und Erlangen bündeln ihre Kräfte in der Myopathieforschung
Im Jahr 2019 begannen die Gruppen von Dr. Ferreiro in Paris und Prof. Dr. Rolf Schröder vom Neuropathologischen Institut in Erlangen eine wissenschaftliche Zusammenarbeit zur Untersuchung der Pathophysiologie seltener Muskelerkrankungen. Erste Ergebnisse ihrer gemeinsamen Forschung konnten sie bereits in der international renommierten Fachzeitschrift Circulation publizieren. Die Verleihung des Bessel-Forschungspreis ermöglicht ihnen nun eine weitere Intensivierung ihrer gemeinsamen Forschungsarbeit. In einer Reihe von Projekten werden sie neue pharmakologische Therapieansätze in Tier- und Zellmodellen für seltene menschliche Myopathien in ihrer Wirksamkeit testen.

Dr. Ferreiro ist Fachärztin für Neurologie am Institut für Myologie des Pitié-Salpêtrière-Hospital in Paris, einem international anerkannten Zentrum für Kinder und Erwachsene mit seltenen neuromuskulären Erkrankungen. Darüber hinaus ist sie Forschungsdirektorin am INSERM, dem französischen Nationalen Institut für Gesundheit und medizinische Forschung, und Leiterin des Labors „Grundlegende und translationale Myologie“ an der Université de Paris, Frankreich. Seit 2019 steht sie außerdem dem European Neuro Muscular Center (ENMC) in Baarn, Niederlande, als Forschungsdirektorin vor.

Der Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis
Die Alexander von Humboldt-Stiftung verleiht jährlich etwa 20 Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreise an international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, von denen erwartet wird, dass sie auch zukünftig ihr Fachgebiet durch herausragende Forschungsleistungen prägen werden. Der Preis ist mit 45.000 Euro dotiert und ermöglicht die Durchführung selbst gewählter Forschungsvorhaben in Deutschland in Kooperation mit Fachkollegeninnen und -kollegen für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Rolf Schröder
Tel.: 09131/85-34782
rolf.schroeder@uk-erlangen.de

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10.12.2020 „Mobile Miniapotheken“ im Praxistest: Forscher untersuchen den Einsatz einer neuartigen Zelltherapie gegen Krebs
uni | mediendienst | forschung Nr. 88/2020

Forscherteams der Universitäten in Erlangen, Hannover, Münster und Regensburg erhalten sechs Millionen Euro Bundesmittel für die Entwicklung einer neuen CAR-T-Zell-Therapie

Wenn Chemotherapie oder Medikamente nicht jede einzelne bösartige Zelle zerstören können und so die Krankheit wiederkehrt, ist sie die Hoffnung vieler Krebspatienten: die CAR-T-Zell-Therapie. Bei dieser Behandlung sollen gentechnisch veränderte Immunzellen – sogenannte T-Lymphozyten – die Krebszellen aufspüren und vernichten. Um die Einsatzmöglichkeiten dieses Ansatzes zu untersuchen, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) jetzt ein nationales Verbundprojekt, an dem Wissenschaftler aus vier deutschen Uni-Klinika gemeinsam mit einem Biotechnologieunternehmen arbeiten, mit sechs Millionen Euro. „Ziel ist es, hochwirksame CAR-T-Zellen zu entwickeln, die nicht nur bestimmte Formen der Leukämie erfolgreich behandeln können, sondern auch andere bösartige Tumoren mit bislang ungünstiger Prognose“, erklärt Prof. Dr. Andreas Mackensen, Direktor der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie des Universitätsklinikums Erlangen, der das Forschungsprojekt am Standort Erlangen koordiniert.

Bei einigen Leukämien und Lymphomen ist es bereits gelungen, die wirksamsten Abwehrzellen des körpereigenen Immunsystems – die T-Zellen – so zu verändern, dass sie die Krebszellen als fremd erkennen und abstoßen. Dazu werden den Patienten T-Zellen aus dem Blut entnommen und mit speziellen „Fühlern“ für die Krebszellen ausgestattet – sogenannten chimären Antigen-Rezeptoren, kurz CAR. Nach einer milden und kurzen Chemotherapie werden dem Patienten die Zellen zurückgegeben. Im Körper vermehren sie sich, spüren Krebszellen auf und vernichten diese. „Anschließend schützen die CAR-T-Zellen den Patienten oft noch über viele Monate und sogar Jahre gegen eine Rückkehr der Erkrankung“, betont Prof. Mackensen. Bisher wurde die Behandlung mit CAR-T-Zellen nur bei sehr wenigen Krebserkrankungen erfolgreich angewendet. Gegen die meisten Tumoren reicht die Wirksamkeit verfügbarer CAR-T-Zell-Therapeutika nicht aus, denn: Solide Tumoren können sich sehr gut gegen das Abwehrsystem schützen.

Deshalb erarbeitet eine Forschergruppe aus Erlangen, Hannover, Münster und Regensburg gemeinsam mit dem Biotechnologieunternehmen Miltenyi Biotec ein neues Wirkprinzip, das die Aktivität von CAR-T-Zellen gegen solche widerstandsfähigen Tumoren gezielt verstärkt. Dafür tragen die Therapiezellen einen Wirkstoff in sich, den sie erst nach der Bindung an die Tumorzellen freigeben. Dabei handelt es sich um einen starken Botenstoff des Abwehrsystems, der die Wirkung der T-Zellen gegen den Tumor vervielfacht und es ihnen ermöglicht, sich im Tumor zu vermehren und optimal zu funktionieren. „CAR-T-Zellen werden also wie mobile Miniapotheken benutzt, die den Wirkstoff dahin tragen, wo er gebraucht wird. Das soll Nebenwirkungen an gesunden Geweben vermeiden“, erläutert Andreas Mackensen. Das im Verbund entwickelte Zellprodukt erkennt ein Merkmal, das auf Neuroblastomen – bösartigen Tumoren des Kindesalters – vorkommt. Zudem findet sich dieses Merkmal auch bei einigen Fällen von Knochensarkomen und Brustkrebs.

Die Förderung durch das BMBF in Höhe von sechs Millionen Euro ermöglicht die klinische Prüfung dieser neuen, vielversprechenden Strategie. In einer Vorbereitungszeit von zwei Jahren werden die Wissenschaftler in ihren Laboren die neuen CAR-T-Zellen weiterentwickeln. Gleichzeitig wird an den zwei akademischen Standorten Münster und Erlangen die Herstellung des Zellprodukts nach pharmazeutischen Sicherheitsstandards etabliert. Schließlich werden in einer klinischen Studie an allen vier beteiligten Standorten die Sicherheit und die Wirksamkeit der klinischen Anwendung des neuen CAR-T-Zell-Produkts bei Kindern und Erwachsenen mit bislang unheilbaren Krebserkrankungen geprüft.

Weitere Informationen: 

Prof. Dr. Andreas Mackensen

Tel.: 09131 85-35954

andreas.mackensen@uk-erlangen.de

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09.12.2020 Wenn Parkinsonpatienten online gehen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 139/2020

Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2020 geht an Molekulare Neurologie

Flüssige Bewegungen sind für Menschen mit Parkinson schwer. Doch Betroffene, die ihren Körper regelmäßig bewegen, kommen im Alltag besser zurecht. Sportwissenschaftler Dr. Heiko Gaßner und sein Team von der Molekular-Neurologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Jürgen Winkler) des Universitätsklinikums Erlangen haben deshalb zusammen mit Christine Enders und Wolf-Jürgen Aßmus, den Leitern der Erlanger Selbsthilfegruppe der Deutschen Parkinsonvereinigung e. V., ein Trainingsprogramm für Parkinsonpatientinnen- und -patienten entwickelt. Doch weil die ambulante Rehasportgruppe am Uni-Klinikum Erlangen momentan nicht regelmäßig stattfinden kann, wechselt das Training vom Offline- in den Online-Modus: Zum einen demonstrieren die Erlanger Therapeuten Übungen in verschiedenen Videos. Zusätzlich testet das Team um Dr. Gaßner derzeit die App „Parkinson-Rehasport@Home“, mit der Betroffene individuell zu Hause üben können. Jetzt wurde das Projekt von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung mit dem Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2020 ausgezeichnet und erhält eine Förderung in Höhe von 10.000 Euro.


Mit einem Nordic-Walking-Stock zeichnet Rehasporttherapeut Heiko Gaßner große Kreise vor dem Körper, streckt den rechten Arm und das rechte Bein gleichzeitig zur Seite aus, macht Schwimmbewegungen mit den Armen, Ausfallschritte nach links und rechts. In bisher fünf Videos, zu finden unter www.uker.de/mn-rehasport, demonstrieren Dr. Gaßner und Physiotherapeutin Kathrin Kinscher verschiedene Übungen für drinnen und draußen. Vor allem in der Corona-Krise, in der Gruppenangebote und Physiotherapietermine nicht immer wahrgenommen werden können, hilft das Heimtraining Patientinnen und Patienten, in Bewegung zu bleiben – ortsunabhängig und kostenfrei. „Beim Parkinson-Syndrom geht es vor allem darum, das Gleichgewicht und den Gang zu schulen, Stürzen vorzubeugen, Kraft und Beweglichkeit zu verbessern“, erklärt Heiko Gaßner. Während des Lockdowns können Betroffene zu Hause oder in der Natur trainieren und so den motorischen Symptomen entgegenwirken. „Von 10.000 Videoaufrufen im Mai 2020 sind die Klicks bis Ende November auf 43.000 geklettert. Die Beiträge wurden in der Corona-Zeit deutlich häufiger aufgerufen“, berichtet Heiko Gaßner.

App für individuelles Üben mit Therapeutenunterstützung

Ergänzt werden die Videos durch die App „Parkinson-Rehasport@Home“, die von der Ulmer Firma NeuroSys konfiguriert wurde. Dr. Gaßner erklärt: „Wir testen die Anwendung gerade im Rahmen einer Pilotstudie mit unseren Patienten. Jeder Betroffene wurde zuerst ambulant von uns befragt und untersucht. Daraufhin haben wir ein individuelles Trainingsprogramm zusammengestellt und in der App hinterlegt. Es kann sein, dass bei jemandem hauptsächlich die Gangsicherheit verbessert werden soll. Bei jemand anderem liegt der Fokus vielleicht auf der Verbesserung der Muskelsteifigkeit oder der Feinmotorik.“ Entsprechend dieser Analyse bekommt jeder Betroffene über die App seine persönlichen Übungen angezeigt. „Bei Fragen und wenn Hilfestellung nötig ist, können die Nutzer über die App auch einen Therapeuten kontaktieren – das ist ein großer Mehrwert für die Patienten“, sagt Heiko Gaßner. Videos und App sollen in Corona-Zeiten zum einen digital unterstützen und zum anderen Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Diese zwei Kriterien bewogen vermutlich auch die Jury der Hertie-Stiftung dazu, das Erlanger Team als einen von drei Preisträgern auszuzeichnen.

 Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe

Mit ihrem Engagement-Preis würdigt die Hertie-Stiftung Aktionen von Einzelpersonen oder Selbsthilfegruppen zugunsten von Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen oder Multipler Sklerose. In Zeiten von Corona rief die Hertie-Stiftung zusätzlich Menschen zur Bewerbung auf, deren Projekt erst im Rahmen der Krise entstanden ist oder das wegen der aktuellen Umstände noch mehr an Bedeutung gewinnt.

Erlanger Regionalgruppe der Deutschen Parkinsonvereinigung e. V.: https://erlangen.parkinson-vereinigung.de/Hertie-Preis.html


Weitere Informationen:
Dr. Heiko Gaßner                                                          

Tel.: 09131/85-39324

heiko.gassner@uk-erlangen.de

 

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09.12.2020 EU-Förderungen in Millionenhöhe- Drei FAU-Forschende erhalten ERC Consolidator Grants
uni | mediendienst | forschung Nr. 87/2020

Ein erneuter Erfolg für die Forschenden an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU): Gleich drei ERC Consolidator Grants haben sich FAU-Forschende sichern können. Prof. Dr. Gerhard Krönke und Prof. Dr. Aline Bozec, beide Lehrstuhl für Innere Medizin 3, sowie Henry Dube, Lehrstuhl für Organische Chemie I, erhalten für ihre neuesten Projekte jeweils einen der begehrten ERC Consolidator Grants des Europäischen Forschungsrates (ERC).

Rheumatoide Arthritis in ihrer Entstehungsphase erforschen

Projektleiter Prof. Dr. Gerhard Krönke möchte mit seinem Grant Rheumatoide Arthritis in der Frühphase untersuchen, um so die Entwicklung neuer Therapien zu ermöglichen. Rheumatoide Arthritis zählt zu den häufigsten entzündlichen Autoimmunerkrankungen weltweit. Die Ursache hierfür ist eine Fehlfunktion des eigenen Immunsystems, durch die es zu chronischen und schmerzhaften Gelenksentzündungen sowie Gelenksdestruktion kommt. Die Krankheit ist (noch) nicht heilbar, allerdings lassen sich die schmerzhaften Symptome mittels Therapie lindern und das Voranschreiten der Krankheit verlangsamen. „Um zukünftig bessere und innovativere Therapien zu entwickeln, müssen wir Rheumatoide Arthritis in ihrer Frühphase besser verstehen“, sagt Prof. Krönke.  Mit Hilfe des ERC Consolidator Grants plant er deshalb, unterschiedliche neue molekulare Analyseverfahren wie Einzelzellsequenzierung und 3D-Bildgebungsverfahren weiterzuentwickeln und zu kombinieren. Dafür stellt der Europäische Forschungsrat für die nächsten fünf Jahre zwei Millionen Euro zur Verfügung.

Prof. Dr. Gerhard Krönke konnte sich im Rennen um EU-Fördermittel schon einmal durchsetzen. Der ERC bewilligte 2014 einen ERC Starting Grant in Höhe von 1,5 Millionen Euro für ein Projekt, um neue Methoden zur Untersuchung der koordinierten Phagozytose, also die Aufnahme von Partikel in eine Zelle, und der Weiterverarbeitung von Krankheitserregern und toten körpereigenen Zellen zu entwickeln. Der gebürtige Wiener Krönke hat 2002 seinen Doktor an der Medizinischen Universität Wien erworben. Als Postdoc forschte und arbeitete Dr. Gerhard Krönke dort im Anschluss am Institut für Gefäßbiologie. Nach einem zweijährigen Forschungsaufenthalt an der University of Virginia, Charlottesville, USA, kam Krönke an das Universitätsklinikum Erlangen (UKER). Dort war er zunächst als Assistenzarzt in der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie –  tätig. Seit 2009 ist er zusätzlich als Forschungsgruppenleiter im Nikolaus-Fiebiger-Zentrum für Molekulare Medizin aktiv. Seit 2013 ist er Oberarzt an der Medizinischen Klinik 3 und hat zudem seit 2016 die Professur für Translationale Immunologie an der FAU inne und leitet die Arbeitsgruppe Translationale Immunologie an der Medizinischen Klinik 3.

 Langlebige Zellen in Knochen und lokale Knochenerkrankungen

Projektleiterin Prof. Dr. Aline Bozec möchte mit ihrem Projekt neue Einblicke in den lokalen Knochenstoffwechsel ermöglichen, insbesondere wie das Osteozytensterben auf molekularer Ebene reguliert wird. Osteozyten sind langlebige Zellen innerhalb der Knochenmatrix und mit Abstand die häufigsten Zellen im Knochen. Sie steuern die mechanisch belastungsinduzierten Knochenerneuerung auf systemischer Ebene. „Wie Osteozyten absterben und wie sich dieser Vorgang auf den lokalen Knochenstoffwechsel auswirkt, ist wenig erforscht“, sagt Prof. Bozec. „Dabei sind mehrere lokale Knochenerkrankungen wie Frakturen, Osteonekrose – also das Absterben von Knochengewebe – und Arthritis durch ein verstärktes Absterben von Osteozyten und lokalem Knochenabbau gekennzeichnet.“ Mit ihrem Projekt zielt sie darauf ab, das Osteozytensterben und den molekularen Zusammenhang zwischen Osteozytensterben und der Stimulation von knochenabbauenden Zellen im Zusammenhang mit lokalen Knochenerkrankungen wie Frakturen, Osteonekrose und Arthritis zu charakterisieren. Dafür stellt der Europäische Forschungsrat für die nächsten fünf Jahre mehr als zwei Millionen Euro zur Verfügung.

Aline Bozecs wissenschaftliche Laufbahn begann 2001 mit dem Abschluss ihres Masterstudiums in Biochemie in Lyon, Frankreich. Die Promotion erfolgte 2004, ebenfalls an der Universität Lyon, und wurde vom französischen Ministerium für Bildung und Forschung ausgezeichnet. Nach weiteren Forschungsstationen in Wien und Madrid, kam sie 2011 als Emmy-Noether-Nachwuchsgruppenleiterin an die FAU und wurde auf die eigens eingerichtete Professur für Osteoimmunologie berufen. Hier war sie maßgeblich an der Einrichtung des Sonderforschungsbereichs 1181 „Schaltstellen zur Auflösung von Entzündung“ beteiligt und leitete ein Teilprojekt im DFG-Schwerpunktprogramm „Osteoimmunology“. 2016 wurde ihr der mit 20.000 Euro dotierten Heinz Maier-Leibnitz-Preis verliehen. Im Jahr 2018 habilitierte sie an der FAU und hat seit 2019 die Professur für Experimentelle Immuntherapie inne.

Schalter für molekulare Maschinen

Prof. Dr. Henry Dube, Lehrstuhl für Organische Chemie I, ist ein Ingenieur der besonderen Art: Er baut molekulare Maschinen. Die Herausforderung: Miniaturisiert man Technologie auf Molekülgröße, stellt sich die Frage, wie sich auf molekularer Ebene überhaupt noch Informationen verarbeiten lassen und die Technologie sich letztlich bedienen lässt. Dabei hat sich ein Ansatz aus der Photochemie bewährt: Bescheint man ein Molekül mit Licht, bewegt es sich von einem Zustand A in einen Zustand B – und dient auf diese Weise als „Photoschalter“. Prof. Dube arbeitet daran, Photoschalter zu bauen, die nicht nur in zwei, sondern in eine Vielzahl von Schaltzuständen versetzt werden können, also eine höhere Informationsdichte haben. Molekulare Maschinen könnten damit für viel komplexere Aufgaben eingesetzt werden und viel präziser arbeiten als bisher. Materialien etwa könnten auf diese Weise verschiedene Eigenschaften annehmen oder Robotiksysteme feinste Greifbewegungen ausführen.

Wie genau aber kommt ein Molekül von einem Zustand in den anderen? In den von Prof. Dube untersuchten Systemen finden winzige Bewegungen innerhalb des Moleküls statt, es rotieren beispielsweise Molekülteile gegeneinander. Sein Ziel: diese Bewegungen kontrollieren zu lernen. Auf diese Weise erhielte er winzige Einheiten, die sich gerichtet bewegen lassen, und er könnte so molekulare Maschinen konstruieren, die – wie eine kleine Nanofabrik – ihrerseits bestimmte neue Moleküle zusammenbauen. Erstmals ließen sich damit Stoffe mechanisch herstellen – ein Vorgang, für den in anderen Zusammenhängen etwa katalytische Reaktionen eingesetzt werden. Das Anwendungsspektrum wäre immens – von neuartigen Polymeren bis Energiespeicher. Dafür stellt der Europäische Forschungsrat für die nächsten fünf Jahre fast zwei Millionen Euro zur Verfügung.

Prof. Dr. Henry Dube studierte an der Philipps-Universität Marburg und an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München Chemie. 2008 promovierte er an der ETH Zürich in der Schweiz über das Thema „Synthetische Modelle für Hämproteine“. Nach einem dreieinhalb-jährigen Forschungsaufenthalt am Scripps Research Institute in La Jolla, USA kehrte er an die LMU zurück, wo er zuletzt Leiter einer Emmy-Noether-Forschungsgruppe war. 2019 erhielt er einen Ruf an die Universität zu Köln, entschied sich dann jedoch, den Ruf auf die W3-Professur für Organische Chemie an der FAU anzunehmen.

Weitere Informationen:   Prof. Dr. Gerhard Krönke     Lehrstuhl für Innere Medizin 3

Tel.: 09131/85-39379      gerhard.kroenke@uk-erlangen.de

Prof. Dr. Aline Bozec    Lehrstuhl für Innere Medizin 3

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Prof. Dr. Henry Dube     Lehrstuhl für Organische Chemie I        Tel.: 09131/85-65571      henry.dube@fau.de

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09.12.2020 Künstliche Intelligenz und Lasertechnik
Pressemeldung der FAU

DFG-Förderung für die nächste Generation der Stimmdiagnostik an der FAU
 
Forschende an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) erhalten insgesamt 1,32 Millionen Euro an Fördermittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für die Entwicklung neuartiger Verfahren zur Stimmdiagnostik, mit denen Stimmstörungen, Heiserkeit und ihre Ursachen untersucht und ermittelt werden.
 
Die DFG stellt 800.000 Euro für die Entwicklung eines endoskopischen laserbasierten Messsystems zur Echtzeitanalyse der sichtbaren 3D-Kehlkopfoberfläche zur Verfügung, mit dem sich die Kehlkopfoberfläche schonend für von Stimmstörungen Betroffenen darstellen lässt. Beteiligt an der Umsetzung sind der Lehrstuhl für Photonische Technologien unter Leitung von Prof. Michael Schmidt, der Lehrstuhl für Graphische Datenverarbeitung unter der Leitung von Prof. Marc Stamminger und die Phoniatrie und Pädaudiologie an der Hals-, Nasen- und Ohrenklinik, Kopf- und Halschirurgie (Direktor: Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Iro) unter der Leitung von Prof. Michael Döllinger.
 
Mit 508.000 Euro fördert die DFG ein Projekt zu Studien zur Heiserkeit unter der Leitung von Dr. Anne Schützenberger, Abteilung Phoniatrie/Pädaudiologie des Lehrstuhls für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, und Prof. Michael Döllinger, Professur für Computational Medicine. Sie und ihr Team entwickeln Methoden und Software zur Diagnose und Therapiestatus bei Stimmstörungen, die auf dem zur Künstlichen Intelligenz gehörenden Maschinellen Lernen basieren. 12.607 Euro von der Forschungsstiftung Medizin am Universitätsklinikum Erlangen (UKER) gehen zudem an Dr. Andreas Kist, Phoniatrie und Pädaudiologie der HNO-Klinik, der sich mit der Anwendung von Deep-Learning-Verfahren bei der Beurteilung der Stimmbandfunktion beschäftigt.
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Michael Döllinger, Professur für Computational Medicine, Tel.: 09131/85-33814, michael.doellinger@uk-erlangen.de
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03.12.2020 Die Klimakrise macht krank – vier Vorschläge für eine gesunde Zukunft
Gemeinsame Presseinformation

Die Klimakrise macht krank – vier Vorschläge für eine gesunde Zukunft

Morgen erscheint mit dem Lancet Countdown der neue Bericht zum weltweiten Zusammenhang zwischen Klimawandel und Gesundheit. Er zeigt, dass die Gesundheitsrisiken durch ein sich veränderndes Klima weltweit zunehmen, auch in Deutschland - und dass Gegenmaßnahmen möglich sind.

Die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels betreffen bereits heute viele Menschen weltweit. Immer häufiger kommt es zu Hitzewellen in Deutschland, die vor allem für ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen tödlich verlaufen können. Hinzu kommen weitere Gesundheitsgefahren durch Extremwetter oder neuartige Krankheitserreger. Expertinnen und Experten verschiedener Fachdisziplinen fordern deshalb im „Lancet Countdown 2020“ von den politisch Verantwortlichen entschiedene Maßnahmen zur Erreichung der UN-Klimaschutzziele sowie zum Abwenden klimabedingter Gesundheitsschäden.

Der Lancet Countdown 2020 wird am 03.12.2020 veröffentlicht. Der jährliche Bericht zu Klima und Gesundheit wird von der international renommierten medizinischen Fachzeitschrift „Lancet“ herausgegeben. Erstellt wurde er von weltweit 38 führenden akademischen Institutionen und UN-Organisationen. Flankiert wird der internationale Bericht von einem wissenschaftlichen Politikpapier (Policy Brief) für Deutschland. Projektpartner sind die Bundesärztekammer, das Institut für Epidemiologie des Helmholtz Zentrums München, die medizinische Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, die Charité – Universitätsmedizin Berlin und das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Die Organisationen betonen, dass die Corona-Pandemie die medizinischen, die gesellschaftlichen und auch die wirtschaftlichen Folgen einer globalen gesundheitlichen Krise deutlich vor Augen geführt habe. Die Krise zeige aber auch, wie wichtig weltweite wissenschaftliche Zusammenarbeit und entschlossenes politisches Handeln bei der Krisen-Bewältigung sind. Nach Überzeugung der Projektpartner lässt sich daraus viel für die Bekämpfung des Klimawandels lernen.

„Aufgabe von Ärztinnen und Ärzten ist es, die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels darzulegen und Gegenmaßnahmen zum Schutz der Gesundheit nicht nur zu fordern, sondern aktiv zu unterstützen. Dafür leistet der Deutschland-Bericht des Lancet-Countdown mit zahlreichen Empfehlungen für die Politik einen wichtigen Beitrag“, sagt Dr. Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer.

Das Politikpapier für Deutschland stellt mehrere Punkte heraus, für die dringender Handlungsbedarf gesehen wird:

1. Erfolgreicher Klima- und Gesundheitsschutz sowie eine aktive Wirtschaftspolitik hängen voneinander ab und können sich gegenseitig verstärken. Deshalb sollten bei Initiativen zur Stärkung und zum Wiederaufbau der Wirtschaft nach der Corona-Pandemie Synergieeffekte für den Klimaschutz genutzt werden. Andernfalls drohten drastische Folgen für Leben und Gesundheit sowie eine Negativ-Entwicklung, die auch das Schicksal künftiger Generationen prägen wird. „Gesunde Menschen auf einem gesunden Planeten, darum geht es. Wir sollten die Milliarden an kurzfristigen Coronahilfen für die Wirtschaft nutzen, um gleichzeitig auch etwas gegen die langfristige Klimakrise zu tun“, sagt Prof. Dr. Dr. Sabine Gabrysch, die die erste Universitätsprofessur für Klimawandel und Gesundheit an der Charité innehat und am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung die Abteilung „Klimaresilienz“ leitet.

 2. Die Ernährung ist ein wichtiger Faktor, mit dem jede Bürgerin und jeder Bürger Einfluss auf das Klima nehmen kann. Die Nahrungsmittelproduktion ist für etwa ein Viertel der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich – wichtigster Faktor ist hierbei die Tierhaltung. Gleichzeitig hat unsere Art der Ernährung, mit einem großen Anteil tierischer und hoch verarbeiteter Lebensmittel, großen Anteil an chronischen und lebensbedrohenden Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden, Rheuma und Krebs. „Die Umsteuerung auf eine gesunde und nachhaltige Ernährungsweise ist gleichzeitig klimafreundlich“, so Prof. Dr. Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München. „Gemeinsam mit mehr aktiver Bewegung kann das den hohen Anteil nicht-infektiöser Krankheiten (NCDs) deutlich reduzieren.“

 3. In Europa ist der Verkehrssektor für etwa ein Viertel der Treibhausgas- Emissionen verantwortlich. Immer deutlicher wird, dass Luftverschmutzung auch ein erheblicher Risikofaktor für viele Krankheiten ist, vermutlich auch für Covid-19. Nicht-motorisierte Bewegung hingegen wirkt dem Klimawandel entgegen, senkt die Luftverschmutzung und fördert gleichzeitig die Gesundheit. Eine konsequent auf Emissionsverringerung ausgerichtete Verkehrspolitik mit fußgängerfreundlichen Straßen, Radwegen und einem nutzerfreundlichen öffentlichen Personennahverkehr ist deshalb zentral für Gesundheit und Klima. Hier zeigt sich erneut die wichtige Rolle, welche die Kommunen in der nötigen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft einnehmen.

 4. Urbane Räume heizen nicht nur das Klima auf, sie haben gleichzeitig das Potenzial, den notwendigen transformativen Wandel zur Nachhaltigkeit massiv voranzutreiben. Das städtische Umfeld nimmt entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit der Bewohner. Lokale und kommunale Maßnahmen können diese Räume so transformieren, dass sie die Gesundheit fördern, während sie gleichzeitig die soziale, ökonomische und ökologische Entwicklung vorantreiben. Umwelt- und Gesundheitseffekte müssen deshalb in die Stadt- und Regionalplanung integriert werden.

 „Ziele zu formulieren, reicht nicht aus – wir müssen handeln, jetzt!“, sagt Dr. Martin Herrmann, Vorsitzender der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) und Mitautor des Berichts. „Bei den Gesundheitsberufen ist die Dringlichkeit des Themas angekommen. Auch Politik und Gesellschaft haben durch die Pandemie erkannt, wie dramatisch sich die Welt verändern kann.“

Weitere Informationen und Einschätzungen erhalten Sie auf der Online-Launch- Veranstaltung am 3. Dezember 2020, ab 10 Uhr. Informationen dazu unter https://klimagesund.de/

An der Veranstaltung nehmen teil:

• Prof. Dr. Dr. Sabine Gabrysch, Lehrstuhl für Klimawandel und Gesundheit an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Leiterin der Forschungsabteilung Klimaresilienz am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)

• Prof. Dr. Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie, Helmholtz Zentrum München

• Dr. Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer

• Prof. Dr. Dr. Anja Bosy-Westphal, Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten – DANK, Präsidentin Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin

• Prof. Dr. Tadj Oreszczyn, Energy Institute, University College London, Representative Lancet Countdown

• Dr. Martin Herrmann, Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit - KLUG

 Den Policy Brief für Deutschland 2020 können Sie am 03.12. ab 0.30 Uhr hier abrufen: http://www.lancetcountdown.org/resources/

sowie den globalen Report hier:

http://www.lancetcountdown.org/2020-report/

Medienkontakte:

Bundesärztekammer Pressestelle der deutschen Ärzteschaft Tel.: +49 30 400 456 - 700 presse@baek.de

Charité – Universitätsmedizin Berlin Geschäftsbereich Unternehmenskommunikation Tel.: +49 30 450 570 400 presse@charite.de

Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) Tel.: +49 177 2847467 martin.wilmen@klimawandel-gesundheit.de

Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt Abteilung Kommunikation Tel.: +49 89 3187-2711 presse@helmholtz-muenchen.de

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Tel: +49 331 288 2507 presse@pik-potsdam.de

03.12.2020 FAU: Hightech Agenda Bayern in voller Fahrt
uni | mediendienst | aktuell Nr. 137/2020

KI-Department gegründet, Spitzenleute berufen

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) kann auf ein erstes erfolgreiches Jahr der Hightech Agenda Bayern (HTA) zurückblicken: Im jüngst gegründeten Department Artificial Intelligence in Biomedical Engineering (AIBE) forschen bereits die ersten Professorinnen und Professoren an Projekten rund um Künstliche Intelligenz (KI) in der Medizin. Auch die Leitung des Departments ist inzwischen mit Prof. Dr. Björn Eskofier besetzt. Die ihr zugewiesenen 54 Professuren aus der HTA hat die Universität in einem internen Wettbewerb dort platziert, wo geplante Forschungsvorhaben den besten Beitrag zu den Zielen der Hightech Agenda leisten können.

Mit Prof. Dr. Björn Eskofier hat FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger einem seiner ausgewiesenen KI-Experten den Auftrag erteilt, das Department weiter auf- und auszubauen. Eskofier leitet derzeit den Lehrstuhl für Informatik 14 (Maschinelles Lernen und Datenanalytik) und ist Zweitmitglied in der Medizinischen Fakultät. Nun wird er organisatorisch mit seinem ganzen Team aus dem Department Informatik in das neue Department umziehen. Dort sind vor allem die KI-Professuren aus der HTA verortet, darüber hinaus aber auch weitere Professuren, die das Thema KI in der Medizin inhaltlich voranbringen. Das Besondere: Alle Professorinnen und Professoren im Department AIBE sind Mitglied sowohl in der Medizinischen als auch in der Technischen Fakultät und arbeiten interdisziplinär und fachübergreifend an der Schnittstelle zwischen Medizin und Ingenieurwissenschaften.

Der Bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler verfolgt die Geschwindigkeit der HTA-Berufungen an der FAU mit Spannung: „Mit der Hightech Agenda Bayern und dem Beschleunigungsprogramm Hightech Agenda Plus haben wir für unsere bayerischen Hochschulen ein einmaliges und deutschlandweit beispielhaftes Investitionsprogramm aufgelegt. Die FAU ist als Gesundheitsknoten in unserem bayernweiten KI-Netzwerk eine tragende Säule in der KI-Entwicklung. Sie ist ein erstklassiger Innovationsstandort für Künstliche Intelligenz in der Medizin. Ich freue mich sehr, dass die Universität ihre Gestaltungsspielräume so hervorragend nutzt, um neue Technologien zu entwickeln und damit unser Leben Tag für Tag besser zu machen. Dank des großen Engagements unserer Hochschulen kann sich die große Kraft dieses Forschungsturbos hervorragend entfalten.“

„Nachdem Ministerpräsident Dr. Markus Söder die HTA ins Leben gerufen hatte, haben wir mit der zügigen Gründung des Departments AIBE ohne viel Federlesens dafür gesorgt, dass die HTA an der FAU schnell Fahrt aufnehmen kann. Wir konnten Spitzentalente damit gleich strategisch berufen und ihnen auch klare Perspektiven in Aussicht stellen“, sagt Präsident Joachim Hornegger. „Die HTA ist aus meiner Sicht nach wie vor der große Wurf: So viel Spielraum, inhaltliche Schwerpunkte zu setzen und die Weichen in Richtung Exzellenz zu stellen, gab es an der FAU kaum je – und vermutlich auch an den anderen bayerischen Universitäten nicht.“

Doch wie lassen sich ebendiese Weichen am besten stellen? Mit dem Department AIBE hat die FAU einen ersten Akzent gesetzt; weitere Professuren aber sollen innerhalb der FAU dort angedockt werden, wo die Profilbildung der Universität besonders profitiert: „Klar war von Anfang an: Eine solche Chance bekommen wir nur einmal – und mit dem Gießkannenprinzip wäre es eine vertane Chance. Und ich selbst bin immer schon der Meinung, dass Exzellenz nur durch Wettbewerb entsteht. Wir haben deshalb ein internes Ausschreibungsverfahren mit harten Kriterien. Und auf Basis der Anträge entschieden, wo wir als FAU am sinnvollsten strategisch investieren. Diejenigen Fakultäten oder Departments, die mit ihren Forschungsvorhaben – von Digital Humanities bis hin zu den Naturwissenschaften – das Profil der FAU am besten schärfen, haben damit die einmalige Möglichkeit, internationale Spitzenkandidatinnen und -kandidaten mit attraktiven Paketen an die FAU – und damit an den Hightech-Standort Bayern – locken.“

 Weitere Informationen:
Pressestelle der FAU
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03.12.2020 Bioaktive Gläser als neuer Ansatz in der Knochenkrebstherapie
uni | mediendienst | forschung Nr. 85/2020

FAU entwickelt bioaktive Gläser für Knochenkrebsforschung

Ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) unter Leitung von Prof. Dr. Aldo R. Boccaccini, Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Biomaterialien), produziert bioaktive Gläser, die im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit dem Universitätsklinikum Heidelberg dort auf ihre Eignung in der Therapie von Riesenzelltumoren des Knochens überprüft werden. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit rund 212.000 Euro.

Die winzigen Glaspartikel, die biologisch aktive Ionen wie Zink, Magnesium oder Bor enthalten, werden auf die Bildung von kohlensäurehaltigem Hydroxylapatit (CHA) bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten untersucht. Die Ausbildung einer solchen CHA-Schicht ermöglicht den Glaspartikeln, Wechselwirkungen mit dem Knochengewebe einzugehen. Das Forschungsteam der FAU unter Leitung von Prof. Dr. Aldo R. Boccaccini gehört zu den weltweit führenden Gruppen, die sich mit der Entwicklung, Herstellung und Charakterisierung von bioaktiven Gläsern beschäftigen.

In der Therapie von Knochenbrüchen profitieren heute schon Patientinnen und Patienten von bioaktiven Gläsern, die das Knochenwachstum anregen. Doch darüber hinaus können diese Gläser auch einen zellschädigenden Effekt haben. Und genau diesen wollen sich die Forscherinnen und Forscher am Universitätsklinikum Heidelberg zunutze machen. Denn anscheinend reagieren Krebszellen des Riesenzelltumors des Knochens empfindlicher als gesunde Knochenzellen. Das Ziel ist dabei, dass so Krebszellen gezielt abgetötet und Lokalrezidive, also wiederkehrende Tumore, verhindert werden können. Rezidive treten bei Riesenzelltumoren verhältnismäßig häufig auf und können zu einem schwerwiegenden Verlauf der Erkrankung führen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hoffen, die Versorgung der Krebspatientinnen und -patienten mit den Gläsern verbessern zu können.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Aldo R. Boccaccini, Tel.: 09131/85-28601, aldo.boccaccini@fau.de

 

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02.12.2020 Rekordauflösung in der Röntgenmikroskopie
uni | mediendienst | aktuell Nr. 135/2020

Chemiker der FAU erreichen neue Dimension der direkten Bildgebung

Forschenden der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), des Schweizer Paul-Scherrer-Instituts und weiterer Einrichtungen aus Paris, Hamburg und Basel ist ein neuer Rekord in der Röntgenmikroskopie gelungen: Mit verbesserten Beugungslinsen und exakterer Positionierung der Proben erreichten sie eine räumliche Auflösung im einstelligen Nanometerbereich. Diese neue Dimension der direkten Bildgebung könnte wichtige Impulse für die Erforschung von Nanostrukturen geben und beispielsweise die Entwicklung von Solarzellen und neuartigen magnetischen Datenspeichern vorantreiben. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal „Optica“ unter dem Titel „Soft x-ray microscopy with 7 nm resolution“ veröffentlicht.*

Die Mikroskopie mit weicher Röntgenstrahlung, also mit Röntgenstrahlen niedriger Energie, wird zur Untersuchung von Materialeigenschaften im Nanobereich eingesetzt. Mit der Technologie kann beispielsweise die Struktur organischer Filme bestimmt werden, die in der Solarzellen- und Batterieentwicklung eine wichtige Rolle spielen. Ebenso können chemische Prozesse oder katalytische Reaktionen von Partikeln beobachtet werden. Darüber hinaus lassen sich sogenannte Spin-Dynamiken untersuchen: Elektronen können nicht nur elektrische Ladung transportieren, sie haben auch einen inneren Drehsinn, der für neuartige magnetische Datenspeicher genutzt werden könnte.

Um diese Prozesse künftig besser erforschen zu können, ist ein „Zoom“ in den einstelligen Nanometerbereich erforderlich. Theoretisch ist das mit weicher Röntgenstrahlung möglich, praktisch konnte eine räumliche Auflösung von unter 10 Nanometern jedoch bislang nur mit indirekt bildgebenden Methoden erreicht werden, die eine nachträgliche Rekonstruktion erfordern. „Für dynamische Prozesse, etwa chemische Reaktionen oder magnetische Interaktionen von Partikeln, benötigen wir jedoch einen direkten Blick auf die Strukturen“, erklärt Prof. Dr. Rainer Fink vom Lehrstuhl für Physikalische Chemie II der FAU. „Die Röntgenmikroskopie ist dafür besonders geeignet, weil sie deutlich flexibler in magnetischen Umgebungen genutzt werden kann als etwa die Elektronenmikroskopie.“

Bessere Fokussierung und Kalibrierung

Gemeinsam mit dem Paul-Scherrer-Institut und weiteren Einrichtungen aus Paris, Hamburg sowie Basel haben die Forschenden der FAU nun eine „Schallmauer“ der Röntgenmikroskopie durchbrochen: Ihnen gelang eine Rekordauflösung von 7 Nanometern in gleich mehreren verschiedenen Experimenten. Dieser Erfolg basiert nicht primär auf leistungsstärkeren Röntgenquellen, sondern auf einer besseren Fokussierung der Strahlen durch Beugungslinsen und einer exakteren Kalibrierung der untersuchten Proben. „Wir haben die Strukturgrößen sogenannter Fresnel-Zonenplatten optimiert, mit denen die Röntgenstrahlen gebündelt werden“, erklärt Rainer Fink. „Zusätzlich konnten wir die Proben mit einer sehr viel höheren Genauigkeit im Gerät positionieren, und zwar reproduzierbar.“ Gerade die eingeschränkte Positionierung und die Stabilität des Gesamtsystems haben eine bessere Auflösung bei der direkten Bildgebung bislang verhindert.

Bemerkenswert ist, dass die Rekordauflösung nicht nur mit speziell designten Teststrukturen, sondern auch in praktischen Anwendungen erreicht wurde: Mit ihren neuen Optiken haben die Wissenschaftler beispielsweise die magnetische Orientierung von Eisenpartikeln in Größen von 5 bis 20 Nanometern untersucht. Fink: „Wir gehen davon aus, dass unsere Ergebnisse die Erforschung insbesondere von Energiematerialien und Nanomagnetismus voranbringen wird. In diesen Bereichen liegen die relevanten Strukturgrößen häufig unterhalb des bisherigen Auflösungslimits.“

Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und vom Forschungs- und Innovationsprogramm EU-H2020 gefördert.

 DOI: 10.1364/OPTICA.399885

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Rainer Fink

Lehrstuhl für Physikalische Chemie II

Tel.: 09131 85-27322

rainer.fink@fau.de

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02.12.2020 Corona-Jahr 2020
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Am Ende dieses schwierigen Jahres 2020, das wohl unter dem Titel „Corona-Jahr“ in die Geschichte eingehen wird, mit seinen für uns alle harten wirtschaftlichen und sozialen Maßnahmen, mit Lockdowns, Kontaktreduzierung, Homeoffice und Homeschooling, Video- und Telefonkonferenzen uvm.  steht mehr denn je für die Gesundheitspolitik fest: Der Staat setzt die Rahmenbedingungen – die Ausgestaltung der Vorgaben obliegt den Ärztinnen und Ärzten“, schreibt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) im Leitartikel der Dezemberausgabe des Bayerischen Ärzteblatts. Weder könnten in dieser pandemischen Krise Verweigerungshaltung oder Populismus weiterhelfen noch gut gemeinte aber eben nicht zu Ende gedachte Ideen, wie Impfen durch Apotheker oder Zahnärzte, staatliche Impf-aufrufe oder „Jedermanns-PCR-Tests“.

Gesetze sind Rechtsnormen, welche menschliches Verhalten regeln, definieren, was in einer Gemeinschaft erlaubt oder verboten ist oder welche Verpflichtungen oder Ansprüche der Einzelne hat. „Eine Vielzahl von Gesetzen und Rechtsverordnungen in einem Jahr, sodass sich die Frage stellt, ob hier tatsächlich der Bedarf für neue Rechtsnormen in diesem Ausmaß gegeben ist, oder es sich um Aktionismus handelt, der teilweise dazu führt, dass man Gesetze benötigt, um vorangegangene Gesetze zu korrigieren“, schreibt Quitterer weiter. Mitte November beschloss der Deutsche Bundestag ein „Drittes Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“. Im Kern steht eine Konkretisierung der Regelungen im Infektionsschutzgesetz, mit denen die Bundesregierung die weitgehenden Alltagsbeschränkungen in der Pandemie auf ein festeres rechtliches Fundament stellt. „Das ist hart, aber erforderlich, um in der Situation der Pandemie die not-wendigen Maßnahmen ergreifen und sie auf eine rechtliche Grundlage stellen zu können“, so Bayerns Ärzte-Chef.

Dennoch blickt Quitterer hoffnungsvoll nach vorne! Bis Ostern 2021 könnten nicht nur ein, zwei Handvoll Corona-Impfstoffe zur Verfügung stehen, sondern zudem hochwirksame und noch dazu in großer Menge. Das sei Grund genug, schon jetzt darüber nachzudenken, welche Impfstrategie die beste ist. Ein friedvolles und harmonisches Weihnachtsfest und ein glückliches, erfolgreiches und gesundes neues Jahr 2021!

Mehr zu „Corona-Jahr 2020“ lesen Sie im Leitartikel der Dezemberausgabe 2020 des Bayerischen Ärzteblatts unter www.bayerisches-aerzteblatt.de. Pressestelle

01.12.2020 Psychotherapie am Arbeitsplatz
uni | mediendienst | forschung Nr. 83/2020

Forschungsprojekt hilft Menschen mit psychischen Belastungen direkt im Betrieb – Unternehmen als Kooperationspartner gesucht

Psychische Erkrankungen waren laut Auswertungen der Krankenkassen bereits vor COVID-19 eine der häufigsten Ursachen für Krankheitstage in Deutschland. Durch die Pandemie ergaben sich nun zusätzlich massive Veränderungen für Beschäftigte unterschiedlicher Branchen. Wesentliche Probleme im Zusammenhang mit psychischen Beschwerden am Arbeitsplatz sind die oft erst spät gestellten Diagnosen und die langen Wartezeiten für eine Behandlung. Außerdem trauen sich die Betroffenen häufig nicht, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen bzw. zur Psychotherapie zu gehen oder sie finden nicht sofort den richtigen Therapeuten. Genau an diesem Punkt setzt nun das Verbundprojekt „Frühe Intervention am Arbeitsplatz“ (FRIAA) der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Ulm sowie weiteren Verbundpartnern an.

Im Rahmen des Forschungsprojekts verlassen die Wissenschaftler ihre Klinik und kommen in das Lebensumfeld ihrer Patienten – wenn erwünscht, direkt an den Arbeitsplatz. „Die psychosomatische Sprechstunde unserer Fachärzte und Psychotherapeuten findet in mehreren Zentren in der Region statt“, erläutert Prof. Dr. (TR) Yesim Erim, Leiterin der Psychosomatik des Uni-Klinikums Erlangen. „Unser Ziel ist es, psychisch belastete Beschäftigte schnell zu erkennen und zu behandeln und damit ihren Verbleib am Arbeitsplatz zu fördern.“ Mit ihrem alltagsnahen Angebot erhoffen sich die Verbundpartner, einerseits das Wohlbefinden und die Gesundheit der Mitarbeiter zu erhöhen und andererseits die kooperierenden Unternehmen zu unterstützen.

„Die frühe Intervention vor Ort ermöglicht es den Betroffenen, rechtzeitig geeignete Hilfe in Anspruch zu nehmen. Aber auch dem jeweiligen Unternehmen ist geholfen, da Arbeitsausfälle reduziert und die Sozialkassen entlastet werden“, sagen die Initiatoren der Studie Prof. Dr. Harald Gündel und Dr. Eva Rothermund vom Uni-Klinikum Ulm. Die Co-Studienleitung hat Prof. Dr. Peter Angerer vom Universitätsklinikum Düsseldorf inne. Weitere Beteiligte sind Prof. Dr. Christoph Kröger von der Stiftung Universität Hildesheim und Prof. Dr. Volker Köllner vom Reha-Zentrum Seehof. Die qualitativen Untersuchungen werden von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin übernommen. Die Universität Heidelberg und das Bezirkskrankenhaus Günzburg unterstützen bei der Datenauswertung.

 Vertrauliche Beratung

Innerhalb der psychosomatischen Sprechstunde erhalten alle interessierten Mitarbeiter eine Diagnostik und Beratung zu möglichen Behandlungsoptionen. Falls notwendig können anschließend Therapiesitzungen wahrgenommen werden. Alle Termine finden anonym statt: Der Arbeitgeber weiß nicht, wer zu den Beratungen und zur Therapie kommt und erhält keinerlei Informationen darüber. Der Betriebsarzt wird mit Einverständnis des Beschäftigten hinzugezogen, unterliegt aber der Schweigepflicht.

Probanden gesucht

Dieses Angebot hat in Vorstudien bereits vielversprechende Ergebnisse geliefert. Die Wirksamkeit soll jetzt in einer deutschlandweiten randomisierten und kontrollierten Untersuchung überprüft werden. Die Studie, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Deutschen Rentenversicherung mit 2,3 Mio. Euro gefördert wird, soll bis zu 600 Teilnehmer an fünf Standorten einschließen. Die Probanden – psychisch belastete Beschäftigte der kooperierenden Unternehmen – werden zufällig einer von zwei Gruppen zugeteilt. Die eine Gruppe erhält eine umfangreiche Diagnostik und eine Erstberatung durch die Therapeuten des Uni-Klinikums Erlangen und wird im Anschluss an ambulante Anbieter verwiesen. Bei der anderen Gruppe folgt auf die Diagnostik und die Erstberatung noch eine Kurzzeittherapie mit Arbeitsplatzbezug durch die Studientherapeuten. Ein wesentlicher Bestandteil der Psychotherapie ist die Unterstützung bei der anschließenden Reintegration an den Arbeitsplatz; hierbei werden auch die Betriebsärzte in den Kreis der Helfenden aufgenommen. An der Studie teilnehmen können psychisch erkrankte Arbeitnehmer, die z. B. an Angststörungen, Schlafstörungen oder unter somatoformen Störungen wie Müdigkeit, Erschöpfung oder Schmerzsymptomen leiden. Die Aufnahme in die Studie erfolgt durch die Betriebsärzte, ist aber auch auf eigenen Wunsch der Betroffenen möglich.

 Zoom-Meetings für interessierte Unternehmen am 13. und 28. Januar 2021

Mit den Beratungen und den Therapien soll im September 2021 begonnen werden. Dafür suchen die Wissenschaftler aktuell kleine und mittelständische, aber auch große Unternehmen aus der Region als Kooperationspartner. Im Rahmen von vier Zoom-Meetings am Mittwoch, 13. Januar 2021, und am Donnerstag, 28. Januar 2021, stellen die Wissenschaftler das Projekt vor und beantworten Fragen. Die Videokonferenzen finden an beiden Tagen jeweils um 16.00 Uhr und um 19.00 Uhr statt. Auf Wunsch ist außerdem ein persönlicher Kontakt mit dem Forscherteam möglich.

Link zu den Zoom-Meetings am 13.01.2020:

https://fau.zoom.us/j/91398217639?pwd=elJSK1VibVVUT255QUhnZmt4S2F5dz09

 Link zu den Zoom-Meetings am 28.01.2020:

https://fau.zoom.us/j/96334678928?pwd=VlV3QXZqNFhoR1BqcEVxTmJkeHZkUT09

 Hohe Leistungsbereitschaft – Gefahr für psychische Gesundheit

„In Franken leben wir in einer Region mit Menschen, die von sich selbst höchste Leistungen abverlangen“, so Prof. Erim. „Die hohe Arbeitsmoral hat diese Region einerseits zu einer Wiege von Wissenschaft und Innovationen gemacht. Andererseits hat die anhaltend hohe Verausgabungsbereitschaft – manchmal gepaart mit doppelten Belastungen durch Lohnarbeit und familiäre Notwendigkeiten – Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit zur Folge. Unsere Studie will ausloten, ob frühe Interventionen, die in den Betrieben beginnen, die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten deutlich erhöhen können.“ Ziel der Studie sei letztlich die dauerhafte Etablierung der psychosomatischen Sprechstunde am Arbeitsplatz im Katalog der gesetzlichen Krankenversicherungen. „Das Projekt wird auch einen Beitrag dazu leisten, dass die Erschöpfungszustände, die durch hohe Arbeitsanforderungen zustande kommen, von Betroffenen und behandelnden Ärzten früher erkannt werden“, sagt Prof. Erim. „Schließlich sollen Menschen mit psychischen Störungen nicht diskriminiert, sondern diagnostiziert und zeitnah behandelt werden.“

 Weitere Informationen:

Sinja Hondong

Tel.: 09131 85-44652

sinja.hondong@uk-erlangen.de

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30.11.2020 „Wenn Not am Mann ist, bin ich da“
uni | mediendienst | aktuell Nr. 132/2020

Medizinstudent Tim Tartler unterstützt das Uni-Klinikum Erlangen in der Corona-Krise – weitere Helfer werden dringend gesucht.

Seit März 2020 ist Medizinstudent Tim Tartler im Einsatz am Universitätsklinikum Erlangen: als studentische Hilfskraft in der Corona-Pandemie. Bis heute unterstützt er das Team der Intensivstation der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie (Direktor: Prof. Dr. Mario Schiffer) bei der Versorgung von intensivpflichtigen COVID-19-Patienten. „Ich fand es damals direkt sinnvoll, mich auf den Aufruf des Uni-Klinikums hin zu melden“, sagt der 24-Jährige. „Ich bin Medizinstudent. Mein Ziel ist es, Menschen zu helfen. Außerdem habe ich Vorerfahrungen: Ich habe schon im Rettungsdienst gearbeitet und mein Freiwilliges Soziales Jahr auf einer Intensivstation gemacht. Für mich war es selbstverständlich, meine Unterstützung anzubieten, und auch irgendwie eine Art gesellschaftliche Verpflichtung.“

Am Uni-Klinikum Erlangen werden derzeit 61 Corona-Patienten versorgt – 19 davon auf Intensivstationen. Auf Tim Tartlers Station werden derzeit sechs Patienten mit COVID-19 behandelt. Bevor er das Zimmer eines Corona-Patienten betritt, muss sich der Student „einschleusen“ – Handschuhe, Kittel, Schutzbrille und FFP2-Maske anlegen. „Alle geben sehr darauf Acht, dass die Hygieneregeln im Dienst eingehalten werden. Aber wir machen zum Beispiel auch getrennt Pause, sodass nicht zu viele Leute zusammenkommen“, sagt er. Der Student sieht es als seine Aufgabe, den examinierten Pflegefachkräften auf Station „den Rücken freizuhalten“. Das tut er unter anderem, indem er den Kollegen Materialien ins Isolationszimmer reicht, Notfallwägen anhand einer Checkliste überprüft, Zimmer für neue Patienten herrichtet und Material auffüllt. Er werde aber auch zur Unterstützung bei der Pflege von COVID-19 Patienten gebraucht. „Schwer erkrankte beatmete Corona-Patienten drehen wir zum Beispiel für 16 Stunden täglich auf den Bauch – dann ist die Lungenbelüftung besser. Um einen Patienten zu bewegen, braucht es zwei Pflegekräfte und einen Arzt“, erläutert Tim Tartler. „Wenn es viele Neuaufnahmen auf Station gibt oder wenn sich COVID-19-Patienten kritisch verschlechtern, geht es auch mal stressiger zu“, berichtet er. „Aber die Stimmung bei uns ist gut. Wir halten zusammen.“

Der 24-jährige ist im zehnten Semester seines Medizinstudiums, steht kurz vor dem zweiten Staatsexamen. „Im Frühjahr habe ich in den Semesterferien Vollzeit als Hilfskraft gearbeitet, aktuell übernehme ich einen Dienst pro Woche – also Früh-, Spät- oder Nachtschicht. Was die Dienstplanung angeht, kommt man uns Studenten da sehr entgegen, finde ich.“ Stationsleiter Andreas Goldhardt ist dankbar, Mitarbeiter wie Tim Tartler zu haben, die sein Stammteam unterstützen. Drei Studierende sind dem Stationsleiter und seinem Team aus der ersten Corona-Welle Anfang des Jahres geblieben. Von ihrem Wissen können jetzt neue Hilfskräfte profitieren. „Niemand muss bei uns Aufgaben übernehmen, bei denen er sich noch nicht sicher fühlt“, betont Andreas Goldhardt. „Wer sich als studentische Hilfskraft bewirbt, wird früher oder später auch an Corona-Patienten arbeiten – aber erst, wenn alle fachlichen Abläufe und alle Hygieneregeln sicher sitzen.“

 So selbstverständlich es für Tim Tartler ist, in der Krise mitanzupacken, so selbstverständlich ist das für den Stationsleiter keineswegs: „Ich finde diese Hilfe für unser Team extrem anerkennenswert“, sagt Andreas Goldhardt. „Tim ist seit der ersten Stunde dabei. Vor allem damals wusste noch niemand, wie das alles weitergeht. Dementsprechend hatten die Unterstützungsangebote auch einen sehr hohen moralischen Wert für mich – und haben es auch weiterhin.“ Doch wenn jeder Studierende im Drei-Schicht-System nur einen Dienst pro Woche übernimmt, braucht das Team der Intensivstation für sieben Wochentage 20 bis 25 Hilfskräfte – die es im Moment nicht hat.

 Weitere Unterstützung dringend gesucht

Am gesamten Uni-Klinikum Erlangen gibt es zur Bewältigung der Corona-Krise weiterhin Bedarf an studentischen Hilfskräften – unter anderem auf den COVID-19-Infektstationen, auf den Intensivstationen und in der Notaufnahme. Interessenten können sich telefonisch unter 09131 85-46886 bewerben und werden dann im Schnellverfahren eingestellt. Studentische Hilfskräfte sollten eine pflegerische oder medizinische Ausbildung oder ein FSJ absolviert haben

einschlägige Erfahrungen als Pflegehilfskraft haben oder ein mindestens dreimonatiges Pflegepraktikum absolviert haben und mindestens sieben bis acht Stunden pro Woche einsatzfähig sein.

 Bislang konnten am Uni-Klinikum Erlangen 85 Studierende mit Pflegeerfahrung als Hilfskräfte zur Bewältigung der aktuellen Corona-Welle gefunden werden. Weitere werden nun dringend gesucht. Bei der Dienstplanung wird auf das parallel laufende Medizinstudium Rücksicht genommen. Tim Tartler will weitermachen, solange ihn das Uni-Klinikum Erlangen braucht. „Wenn Not am Mann ist, bin ich da“, sagt er.

 Weitere Informationen:

Katharina Diemer

katharina.diemer@uk-erlangen.de

Tel.: 09131 85-46886


 

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27.11.2020 Wo das Coronavirus im Darm andockt
uni | mediendienst | forschung Nr. 81/2020

Erlanger Wissenschaftler untersuchen die Auswirkungen von Sars-CoV-2 auf den Darm.

Weltweit haben sich bereits mehr als 55 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert, das bislang 1,3 Millionen Todesopfer gefordert hat. Bei den meisten an COVID-19 erkrankten Patienten stehen zwar respiratorische Symptome im Vordergrund, das Virus breitet sich allerdings nicht nur in den Atemwegen aus, sondern kann auch andere Organe in Mitleidenschaft ziehen. Häufig handelt es sich dabei um den Magen-Darm-Trakt. Ein Team um Prof. Dr. Christoph Becker von der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen hat nun gemeinsam mit Kollegen der Charité – Universitätsmedizin Berlin herausgefunden, dass sich die Andockstellen des Coronavirus in besonders hoher Dichte auf der Darmoberfläche befinden. Die Ergebnisse der Studie wurden in der renommierten Fachzeitschrift „Gastroenterology“ veröffentlicht. *

Bei einer Infektion mit Sars-CoV-2 heften sich die Viren an die Oberfläche der Wirtszellen an. Dies geschieht über bestimmte Oberflächenmerkmale, sogenannte Rezeptoren. Nach der Bindung der Virushülle an den ACE2-Rezeptor spaltet das körpereigenes Enzym TMPRSS2 ein virales Protein, wodurch der Eintritt in die Wirtszelle erfolgen kann. Diese wird daraufhin vom Virus dazu verwendet, die Bestandteile für weitere Viren zu produzieren. Sind sie in ausreichender Menge hergestellt worden, können die Viren aus der Wirtszelle ausbrechen und wiederum andere Zellen infizieren. Aufgrund der Bedeutung von ACE2 und TMPRSS2 für das Eindringen von Sars-CoV-2 in die Zelle stellen die beiden Moleküle potenzielle Ansatzpunkte für ein wirksames Medikament gegen das Coronavirus dar.

 Darmschleimhaut als Zielscheibe

Die Erlanger und Berliner Forscher haben nun entdeckt, dass bestimmte Zellen der Darmschleimhaut, sogenannte Enterozyten, bei gesunden Menschen hohe Konzentrationen von ACE2 und TMPRSS2 aufweisen und somit Zielzellen des Coronavirus sein können. Die Wissenschaftler fanden außerdem heraus, dass Patienten mit Darmentzündungen weniger ACE2-Rezeptoren besitzen und dass sowohl ACE2 als auch TMPRSS2 ihre Lokalisation in den Enterozyten verändern. Das könnte bedeuten, dass der Darm von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn resistenter gegenüber Sars-CoV-2 ist als der Darm gesunder Menschen. „Allerdings stehen groß angelegte Studien zur Bedeutung der Infektion des Darms mit dem Coronavirus noch aus“, sagt Prof. Becker.

Die Forschungen ergaben zudem, dass die Bildung von ACE2 und TMPRSS2 auf der Zelloberfläche von außen beeinflusst werden kann. So führt etwa eine Stimulation der Zellen über bestimmte mikrobielle Signale und Botenstoffe des Immunsystems zu einer geringeren Ausschüttung von ACE2 im Darmepithel. „Unsere Erkenntnisse zeigen, dass die für eine Infektion mit Sars-CoV-2 notwendigen Moleküle auf der Zelloberfläche möglicherweise therapeutisch beeinflussbar sind“, so Dr. Jay Patankar, Erlanger Mitautor der Studie. Als Nächstes planen die Forscher Infektionsexperimente an Zellen, um diese These zu überprüfen.

Möglich wurde die Studie durch ein Forschungsnetzwerk zwischen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Beide Standorte sind deutschlandweit führend auf dem Gebiet der Darmforschung. In einem Sonderforschungsbereich untersuchen Wissenschaftler beider Städte gemeinsam entzündliche Erkrankungen des Darms. Herzstück des Sonderforschungsbereichs ist die gemeinsame Gewebebank „IBDome“, in der Proben des Darms von gesunden Probanden und Patienten mit Darmentzündungen gesammelt und analysiert werden. „Dank IBDome konnten wir in kürzester Zeit auf eine sehr große Zahl biologischer Proben zugreifen“, freut sich Prof. Becker. Die Forscher wollen nun gemeinsam herausfinden, welchen Einfluss das Coronavirus konkret auf den Darm und die Funktionen der dort vorhandenen Zellen hat.

 *https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0016508520352781?

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Christoph Becker

Tel.: 09131 85-35886

christoph.becker@uk-erlangen.de

 

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27.11.2020 Kooperation der Quanten, Erforschung von Metastasen-Bildung und neuartige Katalysatoren
uni | mediendienst | forschung Nr. 80/2020

Drei neue Sonderforschungsbereiche für die FAU

 Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat drei neue Sonderforschungsbereiche/Transregios (SFB/TRR) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) bewilligt. Ziel des SFB/TRR 305 ist es, die molekulare Mechanismen der Metastasenentstehung zu verstehen und auf dieser Basis neue Therapieansätze gegen Krebs-Metastasen zu schaffen. Im SFB/TRR 306 möchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das kollektive Verhalten von Quantensystemen erforschen. Im SFB CLINT wird ein grundlegend neuer Ansatz in der chemischen Reaktionstechnik verfolgt, um technische Katalysatoren mit neuartigen Eigenschaften zu erzeugen.

 Neue Therapien bei Krebs 

Der Forschungsverbund TRR 305 "Striking a moving target: From mechanisms of metastatic organ colonisation to novel systemic therapies" wird vier Jahre lang mit fast 12 Mio. Euro gefördert. Tumormetastasen sind auch heute noch für etwa 90% aller Krebs-assoziierten Todesfälle verantwortlich. Die Forschenden möchten untersuchen, welche molekularen Mechanismen für die oft nach einer zunächst erfolgreichen Therapie auftretenden Metastasen wirksam sind. Prof. Dr. Thomas Brabletz, Lehrstuhl für Experimentelle Medizin I mit dem Schwerpunkt Pathogeneseforschung der FAU und einer der beiden Sprecher des DFG-Projektes, erläutert: „Wir wollen herausfinden, welche Faktoren ausschlaggeben dafür sind, ob die gestreuten Krebszellen unter Kontrolle bleiben oder beginnen, Metastasen zu bilden. Wir gehen auch der Frage nach, was für die Bildung von Metastasen verantwortlich ist.“

 Ziel sei es auch, den Weg für eine neue Generation von Therapien zu bereiten, sagt der zweite Sprecher des Forschungsprojektes, Prof. Dr. Christoph Klein, Lehrstuhl für Experimentelle Medizin und Therapieverfahren an der Universität Regensburg. „Diese Therapien könnten es schaffen, die spätere Bildung von Metastasen im Körper von Krebspatienten zu verhindern.“ Dank der Expertise der Fraunhofer-Gesellschaft, die an dem Forschungsprojekt mitwirkt, und ihrer anwendungsorientierten Forschung, erhofft sich das Team um die Professoren Klein und Brabletz die erwarteten Forschungsergebnisse rasch in der medizinischen Praxis anwenden zu können.

 Wie kooperieren Quanten?

Die Forscherinnen und Forscher des TRR 306 "QuCoLiMa" (Quantenkooperativität von Licht und Materie) werden sich ab 2021 für vier Jahre dem quantenkollektiven Verhalten von physikalischen Systemen an der Schnittstelle von Quantenoptik und kondensierter Materie widmen. Das Forschungsprojekt soll mit insgesamt rund 11 Millionen Euro gefördert werden. „Mit diesem Forschungsprogramm soll das neue Forschungsfeld der Vielteilchenphysik quantenkooperativer Licht-Materie etabliert werden“, betonen der Sprecher des TRR 306 „QuCoLiMa“, Prof. Dr. Joachim von Zanthier, Professur für Experimentalphysik, und der Vizesprecher, Prof. Dr. Kai Phillip Schmidt, Professur für Theoretische Physik der FAU.

Die insgesamt 29 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des TRR 306 wollen verstehen, wie kooperatives Verhalten in der Quantenwelt entsteht und wie es kontrolliert werden kann. Dies soll für quantentechnologische Anwendungen wie verbesserte Sensoren, abhörsichere Kommunikation oder Quantencomputer genutzt werden können. Neben der FAU als Sprecherhochschule sind hier noch die Universität Saarbrücken, die Universität Mainz sowie die Universität Linz, die Universität Jena, die TU Kaiserslautern, das Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts und das Deutsche Elektronen-Synchrotron an dem Forschungsprojekt beteiligt, während das Forschungszentrum Jülich seine Quantencomputer-Ressourcen für das Vorhaben zur Verfügung stellt.

Technische Katalysatoren mit neuartigen Eigenschaften

Mit "CLINT" (Katalyse an flüssigen Grenzflächen) hat die FAU ein einen dritten Sonderforschungsbereich bewilligt bekommen, dessen Sprecher Prof. Dr. Peter Wasserscheid, Lehrstuhl für Chemische Reaktionstechnik, ist. Der SFB verfolgt einen grundlegend neuen Ansatz in der chemischen Reaktionstechnik: Er will die hochdynamische, anisotrope Umgebung gasförmig-flüssiger beziehungsweise flüssig-fester Grenzflächen nutzen, um technische Katalysatoren mit neuartigen Eigenschaften und einer bisher unerreichten Produktivität, Stabilität und Handhabbarkeit zu erzeugen. Dabei soll das Verständnis katalytischer Vorgänge mit einer gezielten Materialentwicklung verbunden werden, weshalb die Untersuchungen von Modellsystemen bis zu Realkatalysatoren reichen und unter anderem auch In-situ-Methoden einschließen.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Thomas Brabletz

Lehrstuhl für Experimentelle Medizin I mit dem Schwerpunkt Pathogeneseforschung

Tel.: 09131/85-29104

thomas.brabletz@fau.de

 Prof. Dr. Joachim von Zanthier

Professur für Experimentalphysik

Tel.: 09131/85-27603

joachim.vonzanthier@physik.uni-erlangen.de

 Prof. Dr. Peter Wasserscheid

Lehrstuhl für Chemische Reaktionstechnik

Tel.: 09131/85-27420

peter.wasserscheid@fau.de

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25.11.2020 Wie lebt es sich im Lockdown light?
uni | mediendienst | forschung Nr. 79/2020

Langzeitstudie über Arbeit und Gesundheit – Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesuch.

Bisher konnten die meisten Menschen ganz gut mit Social Distancing und Homeoffice in Zeiten der Corona-Pandemie umgehen, äußern jedoch auch Kritikpunkte an der Arbeit von zu Hause. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Doch wie wirkt sich der aktuelle Lockdown light auf die gesundheitliche Situation von Erwerbstätigen aus? Um diese Frage in einer Langzeitstudie beantworten zu können, werden Teilnehmerinnen und Teilnehmer für eine zweite Befragungswelle gesucht.

 Die erste Erhebungswelle der „Langzeitstudie Gesundheit und Arbeit infolge der Corona-Krise“ (LaGACo) des Instituts und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der FAU fand von Juni bis August statt. Fast 600 Beschäftigte verschiedener Berufsgruppen und unterschiedlichen Alters nahmen im Sommer an der Online-Befragung teil. Anonym beantworteten sie Fragen rund um ihre Arbeitsbelastung und ihren Gesundheitszustand ebenso wie Fragen nach Einstellungen, Werten, Geschlechterrollen und ihren Möglichkeiten zur Nutzung von Homeoffice und digitaler Gesundheitsversorgung.

 Zufrieden mit dem Homeoffice

„Der überwiegende Teil der Befragten arbeitet teilweise im Homeoffice“, fasst Regina Lösch, eine der Wissenschaftlerinnen, die Ergebnisse der ersten Befragungswelle zusammen. „In den letzten drei Monaten waren 17,5 Prozent der Befragten vollständig im Homeoffice tätig und 45,7 Prozent teilweise – nur 36,8 Prozent der Befragten arbeiteten nicht im Homeoffice.“ Die Mehrzahl der Befragten ist – laut der Studie – sowohl mit den Lichtverhältnissen als auch mit der Luftqualität im Homeoffice zufrieden. Im Vergleich schätzen die Befragten die Luftqualität im Homeoffice sogar besser ein als im Betrieb.

Anders sieht es mit der ergonomischen und technischen Ausstattung des Arbeitsplatzes aus. Beides wird von den Befragten für den Arbeitsplatz im Betrieb besser als für das Homeoffice eingeschätzt. So verfügen 36,8 Prozent der Befragten an ihrem Arbeitsplatz über eine ergonomische Ausstattung, aber nur 16,7 Prozent im Homeoffice. Die technische Ausstattung ihres Arbeitsplatzes halten 47,5 Prozent der Befragten im Betrieb für angemessen und 40,5 Prozent im Homeoffice. Klar im Vorteil ist das Homeoffice dann wieder bei den Konferenzsystemen. Diese können 34,7 Prozent der Befragten im Homeoffice problemlos und störungsfrei nutzen. Am Arbeitsplatz im Betrieb sind das nur 27,4 Prozent.

Erste Zwischenergebnisse liegen auch zum Umgang mit Social Distancing, zu den größten Sorgen der Menschen in Bezug auf die aktuelle Situation mit Covid-19 und zum Thema „Einsamkeit und Freunde“ vor. „Der Kontakt zu nahestehenden Menschen fehlt den Befragten besonders. Dennoch fühlt sich der größte Teil der Befragten selten ausgeschlossen oder einsam. Die größte Sorge unter den Befragten ist, dass nahestehende Menschen sich mit dem Virus infizieren“, fasst Elisabeth Wischlitzki, eine weitere Wissenschaftlerin des Forschungsteams zusammen.

 Freiwillig und anonym

 Doch wie sieht das jetzt – im Herbst und Winter und dem Lockdown light aus? Auch das wollen die Forscherinnen wissen und suchen für ihre Online-Studie deshalb möglichst viele erwerbstätige Teilnehmerinnen und Teilnehmer jeden Alters. „Je mehr Beschäftigte an unserer Befragung teilnehmen, desto genauer wird das Bild, wie Erwerbstätige die Corona-Krise und den Lockdown light erleben“, sagt Lösch. „Indem wir die bisherigen Entwicklungen dokumentieren, können wir künftig auftretende Veränderungen und Anforderungen besser einschätzen und darauf reagieren.“

Die neu dazugekommenen Fragen drehen sich um die Arbeitsgestaltungskompetenz und um Präsentismus – also um die Anwesenheit am Arbeitsplatz, obwohl der Arbeitnehmer bzw. die Arbeitsnehmerin krank ist. Darüber hinaus interessieren sich die Forscherinnen für einige Aspekte der Pausen- und Ruhezeiten noch intensiver und befassen sich auch mit dem Thema Corona-Impfung. Eine Frage dazu lautet zum Beispiel: Würden sie sich am Arbeitsplatz sicherer fühlen, wenn die Mehrheit der Bevölkerung geimpft ist?

Die anonyme Befragung ist freiwillig, dauert rund 30 Minuten und wird über die Plattform LimeSurvey durchgeführt. Die dritte Befragungswelle im Rahmen der Langzeitstudie soll im Frühjahr 2021 stattfinden.

 Link zur Online-Befragung: https://bmq-evaluation.limequery.com/895758?lang=de

 Link zu den ersten Zwischenergebnissen: https://www.ipasum.med.fau.de/2020/11/25/langzeitstudie-zu-arbeit-und-gesundheit-infolge-der-corona-krise/

 Weitere Informationen:

Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin
Tel.: 09131/85-23105
ipasum-lagaco@fau.de

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25.11.2020 Ausweitung der Krankschreibung per Videosprechstunde nur bei „Bestandspatienten“
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

 

Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), spricht sich gegen die Pläne des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) aus, die Arbeitsunfähigkeits-bescheinigung (AU) per Videosprechstunde auch im Rahmen der ausschließlichen Fernbehandlung zu ermöglichen. „Damit wären auch Fälle erfasst, in denen der Patient der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt nicht persönlich bekannt ist oder bei denen er in der Vergangenheit nicht bereits persönlich in der Sprechstunde vorstellig wurde“, erklärt BLÄK-Präsident Quitterer. Ein entsprechender Referentenentwurf sehe vor, die AU-Richtlinie diesbezüglich anzupassen.
 
Ausgeschlossen blieb bislang eine Krankschreibung per Videosprechstunde bei Patienten, die in der betreffenden Arztpraxis bislang noch nie persönlich vorstellig geworden sind, sowie die Feststellung einer AU ausschließlich auf Basis z. B. eines Online-Fragebogens, einer Chat-Befragung oder eines Telefonates. „Die persönliche Anamnese ist und bleibt der Goldstandard. Kennt der Arzt den Patienten nicht, ist zu befürchten, dass sich Angebote am Markt etablieren, die sich gezielt auf die elektronische AU konzentrieren und damit werben. Das lehne ich ab, da damit die Versorgungsqualität und die Patientensicherheit beeinträchtigt werden“, so Quitterer.
Ärztinnen und Ärzte können ihnen bekannte Patienten künftig auch nach einer Videosprechstunde krankschreiben. Dafür hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im Juli die AU-Richtlinie entsprechend geändert.
Voraussetzungen: Der Patient ist in der Praxis bekannt, die Krankheit kann in einer Videosprechstunde untersucht werden.
 
 
Dagmar Nedbal
Leiterin der Pressestelle, Bayerisches Ärzteblatt, Internet
Bayerische Landesärztekammer
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: +49 89 4147-714
Fax: + 49 89 4147-202
E-Mail: d.nedbal@blaek.de

24.11.2020 „Wir werden nicht einfach etwas durchwinken“
uni | mediendienst | aktuell Nr. 129/2020

Zwei Mitglieder der Ständigen Impfkommission kommen aus Erlangen und entscheiden mit über die bundesweite COVID-19-Impfstrategie – Impfstart „wahrscheinlich Anfang 2021“

In der Berufungsperiode von 2020 bis 2023 hat die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut 18 Mitglieder – zwei von ihnen kommen aus dem Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU): Prof. Dr. Christian Bogdan, Direktor des Mikrobiologischen Instituts – Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene, und Prof. Dr. Klaus Überla, Direktor des Virologischen Instituts – Klinische und Molekulare Virologie. In der STIKO arbeiten die beiden Erlanger Wissenschaftler mit an einer COVID-19-Impfstrategie für Deutschland. Diese könnte noch in diesem Jahr feststehen.

Die STIKO entwickelt Impfempfehlungen für ganz Deutschland. Sie ist ein unabhängiges Expertengremium, das von der Ge¬schäfts¬stelle im Fach¬gebiet Impf¬prävention des Robert-Koch-Instituts koordiniert und unterstützt wird. Erst wenn die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und das deutsche Paul-Ehrlich-Institut (PEI) einen Impfstoff zugelassen haben – wenn er also aufgrund klinischer Phase-III-Studien als wirksam, sicher und qualitativ hochwertig gilt –, kann die STIKO eine Impfempfehlung aussprechen. Die Kommission berücksichtigt dabei nicht nur gesundheitliche Nutzen-Risiko-Aspekte für den Einzelnen, sondern bewertet Impfungen auch hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die gesamte Bevölkerung.

Arbeitsgruppe „COVID-19-Impfung“
In der STIKO-Arbeitsgruppe „COVID-19-Impfung“ leisten Prof. Bogdan und Prof. Überla
die Vorarbeit für eine bundesweite Impfstrategie. Neben Virologen und Mikrobiologen gehören auch Kinderärzte, niedergelassene Allgemeinmediziner, Vertreter des Öffentlichen Gesundheitsdiensts, Ethiker, Statistiker und andere Fachleute zur AG. „In der Arbeitsgruppe analysieren wir die umfangreiche Literatur zu COVID-19. Es geht vor allem um die Frage, was man mit der COVID-19-Impfung erreichen will und wer geimpft werden soll“, erklärt Prof. Bogdan – seit 2011 STIKO-Mitglied. Die Arbeitsgruppe entwirft eine Empfehlung, über die dann wiederum die gesamte STIKO abstimmt. Dabei können jederzeit Korrekturen vorgenommen werden – die AG bekommt also ein neutrales Feedback. Dann geht die Beschlussvorlage an den Gemeinsamen Bundesausschuss der Krankenkassen (G-BA). Der befindet darüber, ob die Impfung in die Schutzimpfungs-Richtlinie aufgenommen wird und damit von den Krankenkassen erstattet werden muss.

„Wir sind angenehm überrascht“ – erste Impfstoffzulassung im Dezember 2020 wahrscheinlich
Derzeit trifft sich die COVID-19-AG der STIKO alle zwei Wochen online. Arbeitsgruppenmeetings finden damit viel häufiger statt als vor der Corona-Pandemie. „Ich gehe davon aus, dass die Zulassung eines oder mehrerer COVID-19-Impfstoffe noch im Dezember 2020 erfolgen wird und dass wir auch zeitnah unsere Strategie veröffentlichen. Verabreicht werden könnte der Impfstoff wahrscheinlich schon Anfang 2021“, schätzt Prof. Bogdan. Das Besondere: Normalerweise beurteilt die STIKO einen Impfstoff erst dann, wenn dieser bereits zugelassen ist. „Eine Impfstoffentwicklung hat in der Vergangenheit manchmal 10 bis 15 Jahre gedauert“, erklärt Prof. Überla, der seit 2017 Mitglied der STIKO ist. Bei der Corona-Impfung ist es anders: Die STIKO evaluiert die Impfstoffe parallel zum Zulassungsverfahren von EMA und PEI. Viele Verwaltungs- und Entscheidungsprozesse wurden extrem beschleunigt. „Wir wollen keine Zeit verlieren. Trotzdem werden wir nicht einfach irgendetwas durchwinken“, versichert Prof. Bogdan. Die Zahlen zur Wirksamkeit seien momentan aber „sehr vielversprechend“. „Von drei verschiedenen Impfstoffherstellern wurden jetzt Schutzraten von 90 Prozent und höher berichtet, was uns angenehm überrascht hat.“ Bei der Grippeimpfung gebe es zum Beispiel einen deutlich niedrigeren Schutz von nur 50 bis 60 Prozent, je nach Saison. „Trotzdem müssen wir auch für die Corona-Impfung eine detaillierte Nutzen-Risiko-Bewertung vornehmen. An den Regeln und Sicherheitsanforderungen hat sich trotz des rasanten Tempos nichts geändert“, so Prof. Bogdan weiter.

Zulassung mehrerer Impfstoffe für unterschiedliche Personengruppen möglich
Die Daten aus klinischen Phase-I- und Phase-II-Studien mit ersten Impfstoffkandidaten liegen bereits vor und auch die Ergebnisse aus den Phase-III-Studien soll die STIKO in Kürze erhalten. In den derzeit laufenden Phase-III-Studien wird überprüft, ob Geimpfte neutralisierende Antikörper gegen das Virus SARS-CoV-2 bilden und ob bei den Probanden zudem eine spezifische Immunantwort aufgebaut wird, die durch T-Lymphozyten – also bestimmte weiße Blutzellen – vermittelt wird. „In den Studien wird erfasst, wie viele COVID-19-Infektionen bei den Geimpften im Vergleich zu einer ungeimpften Kontrollgruppe auftreten. So kann die Wirksamkeit eines Impfstoffs abschließend beurteilt werden“, erklärt Prof. Überla. „Wenn die Studienunterlagen dann zur STIKO kommen, prüfen wir, ob Wirksamkeit und Sicherheit ausreichend nachgewiesen wurden und ob der Nutzen der Impfung für die Bevölkerung so groß ist, dass wir eine Empfehlung aussprechen können. Wir müssen auch darüber entscheiden, welche Personengruppen den Impfstoff überhaupt erhalten sollen bzw. wer ihn zuerst bekommt. Oberste Ziele sind, Risikogruppen wie Ältere und Menschen mit Grunderkrankungen bestmöglich zu schützen und eine Weiterverbreitung des Virus zu verhindern.“

Dabei kann es auch passieren, dass die STIKO über verschiedene zugelassene Impfstoffe befinden muss und dass diese eventuell für unterschiedliche Personengruppen infrage kommen. Da es noch viele Monate dauern wird, bis größere Bevölkerungsgruppen geimpft sind, sollten sich die Menschen nach Ansicht der Erlanger Experten nicht vorschnell in Sicherheit wiegen. „Ein Impfstoff wird uns nicht erlauben, alle Hygienemaßnahmen schlagartig über Bord zu werfen“, betont Prof. Bogdan. „Wir werden zunächst nur einen Teil der Gesellschaft durch eine Impfung schützen können und müssen dann sehen, wie gut es mit der Produktion und Verteilung der Impfstoffe und mit der Durchführung der Impfungen vorangeht.“

„Persönlich hoffe ich dennoch, dass es uns als Gesellschaft gelingt, innerhalb von 90 Tagen nach Zulassung 90 Prozent der Hochrisikogruppen mit einem Impfstoff zu schützen, der mindestens eine Wirksamkeit von 90 Prozent aufweist. Für mich sind das die 90-90-90-Ziele der COVID-19-Impfung“, so Prof. Überla. „Damit könnten wir einen großen Teil der COVID-19-Todesfälle vermeiden und das Risiko der Überlastung des Gesundheitssystems bannen. Wenn wir das erreichen, kann eine Neubewertung der Kontaktreduktionsmaßnahmen erfolgen, die natürlich auch die vielen negativen Folgen für jeden Einzelnen, die Wirtschaft und die Gesellschaft berücksichtigt.“

Nebenwirkungen umfassend dokumentieren – „Langzeitfolgen sind sehr selten“
Das Gute: Die Phase-III-Studien für den Corona-Impfstoff sind deutlich größer angelegt als bei vielen früher zugelassenen Impfstoffen. „Wir sprechen schon jetzt von über 43.000 Personen, die einen der sogenannten COVID-19-mRNA-Impfstoffe im Rahmen einer Phase-III-Studie erhalten haben. Im Rahmen der laufenden Phase-III-Studie zu einem der Adenovirus-basierten COVID-19-Impfstoffe ist der Einschluss von bis zu 60.000 Probanden vorgesehen. Bei so großen Gruppen können wir auch seltene Nebenwirkungen erkennen, die zum Beispiel bei weniger als einem von 1.000 Geimpften auftreten. Dabei ist immer auch zu prüfen, ob Nebenwirkungen kausal auf die Impfung zurückzuführen sind oder ob sie einfach zufällig mit einer Impfung zusammentrafen. Deshalb muss es eine langfristige gründliche Dokumentation von unerwünschten Ereignissen geben, die möglicherweise mit der Impfung in Verbindung stehen“, erklärt Prof. Bogdan. „Es geht letztlich immer um eine Nutzen-Risiko-Abwägung. Sehr seltene Nebenwirkungen werden wir erst beobachten können, wenn der Impfstoff längerfristig genutzt wird und wenn wir Anwendungsstudien machen können. Langzeitfolgen sind aber sehr selten. Die meisten unerwünschten Ereignisse treten schon zwei, drei Wochen nach einer Impfung auf“, ergänzt Prof. Überla.

STIKO: strenge Regularien und Unabhängigkeit
Alle STIKO-Mitglieder arbeiten komplett ehrenamtlich als unabhängige Experten. Für die Aufnahme in die Kommission gelten strenge Befangenheitsregeln. Bei STIKO-Mitgliedern dürfen keine Interessenkonflikte in Bezug auf eine Impfstoffentwicklung bestehen – etwa, weil jemand ein Pharmaunternehmen berät, entsprechende Aktien besitzt oder an einer Universität Industrieforschung betreibt. Alles muss offengelegt werden. „Wenn es da irgendeinen Anschein der Befangenheit gibt, wird man für Jahre für STIKO-Abstimmungen über Impfstoffe des entsprechenden Unternehmens gesperrt“, betont Klaus Überla. „Als Mitglieder der STIKO sind wir nur unserem Gewissen und der unparteiischen Erfüllung unserer Aufgaben verpflichtet.“

Weitere Informationen:
Franziska Männel
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23.11.2020 Den digitalen Wandel verantwortungsvoll gestalten
Pressemitteilung der Bayerischen Landesärztekammer

Doctors going digital. How to future-proof skills“: Gemeinsame Konferenz von BÄK und CPME

Digitale Anwendungen werden in der Zukunft genauso selbstverständlich zur gesundheitlichen Versorgung gehören, wie heute Medikamente oder medizinische Instrumente. Damit Ärztinnen und Ärzte ein Grundverständnis für die neuen digitalen Technologien entwickeln können, sollte E-Health künftig noch stärker im Medizinstudium sowie in der ärztlichen Weiter- und Fortbildung verankert werden. So lautete eine der Kernaussagen der Konferenz „Doctors going digital. How to future-proof skills“ der Bundesärztekammer (BÄK) und des europäischen Dachverbands nationaler Ärzteorganisationen (CPME) am 20. November 2020. Auf der virtuellen Konferenz diskutierten nationale und internationale Experten im Beisein von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn über den digitalen Wandel in der Medizin und die sich daraus ergebenden Handlungsnotwendigkeiten.

„Leider wird die Diskussion über die digitale Medizin viel zu oft auf die rein technischen Aspekte verkürzt. Dabei ist es mindestens genauso wichtig, über die ethischen Grenzen und die zukünftige Rolle der Ärztinnen und Ärzte in der digitalen Gesundheitsversorgung zu sprechen“, sagte Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, in seiner Eröffnungsansprache. Die Konferenz stelle einmal mehr die Bereitschaft der Ärztinnen und Ärzte unter Beweis, sich den Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung zu stellen. Sie seien dabei aber auf die Unterstützung durch die Politik angewiesen. „Es ist die Aufgabe des Gesetzgebers, klare rechtliche Rahmenbedingungen für die digitale Medizin zu schaffen“, forderte Reinhardt. Die Ärzteschaft werde sich dabei mit ihrer Expertise einbringen.

Für den CPME ergänzte dessen Präsident, Prof. Frank Ulrich Montgomery, aus europäischer Perspektive: „Die Digitalisierung ist zunehmend Realität in den Gesundheitssystemen in ganz Europa. Wir möchten sicherstellen, dass sich der digitale Wandel verantwortungsvoll, positiv und durchdacht vollzieht. Aus diesem Grund haben wir die heutige Konferenz zu digitalen Kompetenzen von Ärztinnen und Ärzten organisiert.“

„Die Botschaft des Tages ist Vertrauen. Wenn wir die nächsten Schritte in der digitalen Medizin gehen und diese erfolgreich weiterentwickeln wollen, brauchen wir Vertrauen in die neuen Technologien“, sagte Dr. Peter Bobbert, Co-Vorsitzender des BÄK-Ausschusses „Digitalisierung der Gesundheitsversorgung“. Vertrauen sei die Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung der digitalen Medizin. Ähnlich sieht es auch Prof. Dr. Claudia Schmidtke. Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung betonte, dass die Nutzung digitaler Anwendungen stets freiwillig bleiben müsse. Patienten, die die digitale Medizin ablehnten, dürften nicht benachteiligt werden.

Lina Mosch von der europäischen Vereinigung der Medizinstudierenden wies darauf hin, dass Ärztinnen und Ärzte keine Fachleute für Programmierung und Algorithmen sein müssten. Sie sollten aber ein Grundverständnis für den Mechanismus der Algorithmen und die Technologien haben, um sie in der Patientenversorgung einsetzen zu können. Die Vermittlung digitaler Kompetenzen sollte deshalb stärker in die ärztliche Ausbildung integriert werden.

Die virtuell ausgetragene Konferenz mit Teilnehmern aus mehr als 30 europäischen Ländern war Teil des assoziierten Rahmenprogramms der deutschen EU-Ratspräsidentschaft.

23.11.2020 Schnelle Babys
uni | mediendienst | forschung Nr. 76/2020

Wie Nervenzellen überlebenswichtige Bewegungen bei Neugeborenen steuern

Babys sind in der Lage, äußerst schnelle Bewegungen durchzuführen. Dies ist ein wesentlicher Baustein in der Entwicklung des menschlichen Nervensystems. Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat nun eine Methode entwickelt, mit der sich diese Bewegungen auf der Ebene einzelner Nervenzellen quantitativ auswerten lassen. Später könnte diese Methode einmal verwendet werden, um Entwicklungsstörungen in der Steuerung des Bewegungsapparats frühzeitig zu erkennen.

Wer schon einmal ein Baby gewickelt weiß: Auch wenn sie noch winzig sind, die Neugeborenen können ihre Gliedmaßen sehr schnell bewegen. Die schnellen Bewegungen sind wichtig, um in dieser sehr frühen Phase robuste Verknüpfungen im Nervensystem zu ermöglichen und eine einwandfreie Funktion des Bewegungsapparats zu gewährleisten. Ein internationales Team um Prof. Dr. Alessandro Del Vecchio, Juniorprofessor für Neuromuscular Physiology and Neural Interfacing an der FAU, untersuchte, wie diese Bewegungen entstehen. Hierzu haben sie eine nicht-invasive Methode entwickelt, die zeigt, wie die menschlichen Nervenzellen die Bewegungen von Gliedmaßen steuern.

Schnelle Bewegungen sind wichtig für die Entwicklung des Nervensystems

Für die Steuerung der Muskelbewegungen sind besondere Zellen verantwortlich, die sogenannten Motoneuronen. Sie verknüpfen das Gehirn mit den Muskeln. Bei Neugeborenen sind viele dieser Motoneuronen extrem synchronisiert, im Bereich von Millisekunden. Sie geben gleichzeitig dieselben Signale ab und tragen damit zu einer erfolgreichen Verknüpfung des Nervensystems in dieser sehr frühen Phase bei. Denn Nervenzellen, die gleichzeitig Signale abgeben, verknüpfen sich bevorzugt. Mit ihrer neuen Methode sind Del Vecchio und sein Team in der Lage, die Aktivität einzelner Motoneuronen in den Bewegungen von Babys zu identifizieren.

Synchronisierte Bewegungen ersetzen mangelnde Muskelkraft

Die Wissenschaftler fanden nun heraus, dass die starke Synchronisierung der Nervenzellen bei Babys noch einen anderen Zweck hat. Durch die schwach ausgeprägte Muskulatur mangelt es Babys an Kraft. Dies gleichen sie durch sehr hohe Synchronisierung, sprich die gleichzeitige Kontraktion der einzelnen Muskelfasern, teilweise aus. Somit sind Babys schon sehr früh – wenige Stunden nach der Geburt – zu überlebenswichtigen Bewegungen, wie beispielsweise Reflexen, in der Lage.

Früherkennung von Bewegungsstörungen

Das bessere Verständnis des Zusammenspiels zwischen Motoneuronen und Bewegungen bei Babys kann möglicherweise dazu beitragen, Entwicklungsstörungen im Bewegungsapparat zukünftig besser zu erkennen und zu therapieren. Die von Del Vecchio entwickelte, nicht-invasive Methode lässt sich bei Neugeborenen einfach und schmerzfrei anwenden.

Prof. Dr. Alessandro Del Vecchio forscht als Juniorprofessor für Neuromuscular Physiology and Neural Interfacing am neu eingerichteten Department Artificial Intelligence in Biomedical Engineering. Die Professur von Alessandro del Vechhio ist eine von insgesamt vier Juniorprofessuren im Rahmen des Nachwuchsförderungsprogramms d.hip Campus-bavarian.aim der FAU und der Siemens Healthcare GmbH.

Ihre Erkenntnisse haben Del Vecchio und sein Team in der renommierten Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht, der englischsprachige Artikel ist im Internet frei zugänglich:

Del Vecchio A, Sylos-Labini F, Mondì V, Paolillo P, Ivanenko Y, Lacquaniti F, Farina D (2020) Spinal motoneurons of the human newborn are highly synchronized during leg movements. Science Advances,  20 Nov 2020: Vol. 6, no. 47, eabc3916, DOI: 10.1126/sciadv.abc3916

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Alessandro Del Vecchio

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23.11.2020 Ärztlicher Pandemierat startet Beratungen in Arbeitsgruppen
Pressemitteilung der Bayerischen Landesärztekammer

Ärztlicher Pandemierat startet Beratungen in Arbeitsgruppen

Der ärztliche Pandemierat der Bundesärztekammer hat seine Arbeit aufgenommen und befasst sich in separaten Arbeitsgruppen mit prioritären Handlungsfeldern der Corona-Bekämpfung. Konkret widmen sich die Vertreter von Bundesärztekammer, wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften und Öffentlichem Gesundheitsdienst der Entwicklung von Schutzkonzepten für vulnerable Gruppen, der Forschungsförderung, der Weiterentwicklung der Teststrategie sowie Konzepten zur Vermeidung von „Kollateraleffekten“ der Corona-Bekämpfung. „Wir wollen den Handlungsbedarf in diesen Bereichen analysieren und auf dieser Grundlage in komprimierter Form möglichst konkrete Empfehlungen für die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern entwickeln“, sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt zum Start der Beratungen in den Arbeitsgruppen. Die Ergebnisse sollen möglichst noch im Dezember mit allen Teilnehmern des Pandemierats erörtert werden.

Unter anderem werden sich die Experten mit der Frage befassen, wie sich die unterschiedlichen Risikogruppen spezifizieren lassen und welche speziell auf sie zugeschnitten Schutzmaßnahmen erforderlich sind. Der Pandemierat wird auch einen Fokus auf die Forschungsförderung zur Corona-Bekämpfung legen und den Forschungsbedarf im Bereich der Diagnostik, Therapie und Prävention erörtern. Beraten werden außerdem Notwendigkeiten Pressemitteilung der Bundesärztekammer zum besseren Verständnis des Infektionsgeschehens, zum Beispiel durch eine Steigerung der Obduktionsrate.

Ferner wird sich der Pandemierat mit der aktuellen Anpassung der Nationalen Teststrategie für symptomatische Patienten und der Frage der Nachverfolgung von Kontaktpersonen befassen. Ebenfalls erörtert werden die Verfügbarkeit von Tests, die Testung von medizinischem Personal sowie Antigen-Schnelltestkonzepte zur Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens.

Zur Vermeidung sogenannter Kollateraleffekte wird der Pandemierat auch die psycho-sozialen Auswirkungen der Pandemie analysieren. Darüber hinaus werden Möglichkeiten zur Sicherstellung des Zugangs zur medizinischen Akutversorgung und zu notwendigen Vorsorgeleistungen diskutiert.

Der ärztliche Pandemierat der Bundesärztekammer ist ein Zusammenschluss von Ärztinnen und Ärzten unterschiedlicher Fachdisziplinen zum Austausch über die aktuelle pandemische Situation und den sich daraus ergebenden Handlungsnotwendigkeiten. Der Pandemierat setzt sich zusammen aus Vertretern der Bundesärztekammer, des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer sowie nachfolgenden Organisationen: Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS), Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e.V. (DGG), Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie e.V. (DGHM), Deutsche Gesellschaft für Infektiologie e.V. (DGI), Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM), Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Pressemitteilung der Bundesärztekammer Notfallmedizin (DGIIN), Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin e.V. (DGINA), Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V. (DIVI), Akkreditierte Labore in der Medizin e.V. (ALM), Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN), Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN), Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin e.V. (DGKJ), Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP), Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V. (DGP), Deutsche Gesellschaft für Pharmakologie e.V. (DGP), Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP), Gesellschaft für Virologie e.V. (GfV), Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit e.V. (DTG), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V.

20.11.2020 Stoppt das Pilotprojekt Impfen in Apotheken!
Gemeinsame Presseinformation von "Bayerischer Hausärzteverband", "Kassenärztliche Vereinigung Bayern" und "Bayerische Landesärztekammer"

In einer gemeinsamen Erklärung fordern Bayerischer Hausärzteverband, Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) und Bayerische Landesärztekammer (BLÄK), das Pilotprojekt Impfen in Apotheken umgehend einzustellen.
 
München, 20.11.2020 - „Der Impfstoff gegen saisonale Grippe ist weiterhin knapp. Umso mehr muss darauf geachtet werden, dass die noch verfügbaren Impf-Dosen zuallererst bei den Risikogruppen ankommen“, erklärt Dr. Markus Beier, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes. „Den besten Überblick, wer priorisiert geimpft werden sollte, hat immer noch der Hausarzt, der seine Patienten in der Regel über viele Jahre kennt und betreut. Es ist doch absurd, wenn sich junge und gesunde Bürger in der Apotheke impfen lassen können, während Hausärzte zum Teil keinen Impfstoff für chronisch Kranke, Ältere und andere vulnerable Gruppen haben!“

Auch Dr. Wolfgang Krombholz, Vorstandsvorsitzender der KVB, hält das Pilotprojekt Impfen in der Apotheke, an dem in Bayern einige Apotheken in der Oberpfalz beteiligt sind, gerade in der jetzigen Situation für kontraproduktiv: „Wenn in Apotheken potentiell Patienten ohne Risikokonstellation geimpft werden und die Apotheker auch noch eine höhere Vergütung als Ärzte für die Impfleistung erhalten, kommt das einer strukturellen Förderung von medizinischer Fehlversorgung gleich“, kritisiert er.

Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, sieht in dem Pilotprojekt einen Griff nach ärztlicher Kompetenz, der die Patientensicherheit gefährdet. „Schutzimpfungen müssen als eine komplexe spezifische Präventionsleistung in ärztlicher Hand bleiben“, fordert er. „Zum Impfen gehört ja nicht nur die bloße Verabreichung des Impfstoffs, sondern auch eine Beratung, die Erhebung des Impfstatus, der Ausschluss von Kontraindikationen und die Kompetenz, bei – wenn auch seltenen – Impfkomplikationen unverzüglich ärztliche Notfallmaßnahmen einleiten zu können.“

„Aus den genannten Gründen fordern wir alle Beteiligten auf, dieses Projekt umgehend zu stoppen“, sind sich Dr. Markus Beier, Dr. Wolfgang Krombholz und Dr. Gerald Quitterer einig.  

Ansprechpartner Presse:

Bayerischer Hausärzteverband e. V.       
Ruth Sharp                                                                             
Tel  089 / 127 39 27 61                           
presse@bhaev.de                                        
www.hausaerzte-bayern.de          

Dagmar Nedbal
Leiterin der Pressestelle, Bayerisches Ärzteblatt, Internet
Bayerische Landesärztekammer
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: +49 89 4147-714
Fax: + 49 89 4147-202
E-Mail: d.nedbal@blaek.de

20.11.2020 32. Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen
Pressemitteilung der Bayerischen Landesärztekammer

Experten diskutieren Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen.

Welche Auswirkungen hat die derzeitige Corona- Pandemie auf die Versorgung der Patientinnen und Patienten? Wie verändert sich die Berufsausübung unter diesen Bedingungen? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich die 32. Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen auf ihrer Jahrestagung am 19. November 2020 in Berlin.

„Die Corona-Pandemie stellt den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf eine enorme Bewährungsprobe. Die Folgen der Pandemie begleiten uns in unserem Alltag auf Schritt und Tritt“, sagte Dr. Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer und Vorsitzende der Fachberufekonferenz. „Der permanente Ausnahmezustand, die Kontaktbeschkränkungen und die Sorge um Angehörige zehren an unser aller Nerven.“ Leider werde dieser Stress aber mitunter an die im Gesundheitswesen Tätigen als primäre Ansprechpartner weitergeben. „Die Anspannung ist in Anbetracht der Umstände verständlich. Trotzdem sollten wir uns mit Rücksicht und Geduld begegnen. Dann kommen wir gemeinsam besser durch die Krise.“

„Medizinische Fachangestellte in der ambulanten Versorgung stellen sich Tag für Tag mit großem Engagement den Herausforderungen der Pandemie. Es ist ausgesprochen demotivierend, dass weder die Politik noch die Öffentlichkeit diesen Einsatz wahrnehmen, während die Medizinischen Fachangestellten am Limit sind“, erklärte Hannelore König, Präsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V.

Aus Sicht von Gertrud Stöcker, Gründungsmitglied und Ehrenpräsidentin des Deutschen Pflegerates, ist die Pandemie ein Stresstest für das Gesundheitssystem. „Gerade mit Blick auf die Pflegeberufe wird deutlich, welche Auswirkungen der lange bekannte Mangel an Personalressourcen hat“, so Stöcker.

Viele Fragen sieht der Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Eckhard Nagel von der Universität Bayreuth durch die Erfahrungen der zurückliegenden Monate aufgeworfen: „Gibt es eine nationale und internationale Solidarität im Umgang mit der Pandemie? Steht die Solidargemeinschaft für alle notwendigen medizinischen Aufwendungen ein? Und wie lassen sich Konflikte zwischen wirtschaftlichen Interessen und der Gefährdung der leiblichen Existenz lösen?“ Die zukünftige Struktur des Gesundheitswesens müsse auf den in der Pandemie gewonnenen Erkenntnissen aufbauen, so Nagel. Dafür sei eine gezielte Verlaufsbeobachtung unerlässlich. Nur sie könne Aufschluss geben über nachteilige Folgen von Veränderungen der Versorgungssituation auf Gesundheit und Wohlbefinden der Patienten.

Die vom Vorstand der Bundesärztekammer im Jahr 1989 initiierte Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen traf sich zu ihrer 32. Sitzung. Ziel dieser ständigen Einrichtung von 42 Verbänden ist, den Dialog und die interprofessionelle sowie sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsfachberufen zu fördern und aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Berufsausübung zu beraten.

18.11.2020 30 Minuten Bewegung pro Woche – so bleiben Adipöse arbeitsfähig
uni | mediendienst | forschung Nr. 74/2020

Erlanger Studie zeigt: Intervallausdauertraining wirkt positiv auf Herz-Kreislauf-System, Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität

 Eine aktuelle Studie des Hector-Centers für Ernährung, Bewegung und Sport an der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen zeigt: Knapp 30 Minuten körperliche Aktivität pro Woche in Form eines neuartigen Intervallausdauertrainings können bei stark adipösen Arbeitnehmern das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken und die Arbeitsfähigkeit sowie die Lebensqualität verbessern.

Adipositas, die ausgeprägteste Form von Übergewicht, geht mit einem erhöhten Risiko für zahlreiche Folgeerkrankungen einher – zum Beispiel Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Formen von Krebs. Adipositas kann nachweislich auch zu häufigeren Fehlzeiten am Arbeitsplatz sowie zu einer geringeren Arbeitsleistung führen. Eine gesunde, an den Bedarf angepasste Ernährung und ein ausreichendes Maß an regelmäßiger körperlicher Aktivität sind wichtige Eckpfeiler in der Prävention und Therapie der Adipositas. „In einer von zunehmender Technisierung geprägten Umwelt schaffen es mittlerweile jedoch nur noch die wenigsten Berufstätigen, sich die allgemein empfohlenen 150 Minuten pro Woche zu bewegen“, erläutert Dr. Dejan Reljic, der die neue Studie am Erlanger Hector-Center geleitet hat. „Stark Übergewichtige sind aufgrund von körperlichen Einschränkungen auch häufig nicht mehr in der Lage, ein solches Pensum an Aktivität durchzuführen“, ergänzt Prof. Dr. Yurdagül Zopf, Leiterin des Hector-Centers und Sprecherin des Adipositaszentrums des Uni-Klinikums Erlangen. „Einer unser Forschungsschwerpunkte liegt daher darin, innovative Bewegungskonzepte zu entwickeln, die einerseits effektiv sind und einen gesundheitlichen Nutzen mit sich bringen, die gleichzeitig aber auch von Patienten mit chronischen Erkrankungen realisiert werden können“, so Dr. Reljic.

 Zweimal 14 Minuten verbessern die Gesundheit

In der aktuellen Studie des Hector-Centers absolvierten 36 stark adipöse Arbeitnehmer mit einem durchschnittlichen Body-Mass-Index von 40 kg/m2 zweimal wöchentlich ein von Dr. Reljic entwickeltes neuartiges, extrem effizientes Intervallausdauertraining, das pro Trainingseinheit lediglich 14 Minuten dauert. Begleitend dazu erhielten die Studienteilnehmer eine Ernährungsberatung zur Unterstützung der Gewichtsreduktion. Nach der 12-wöchigen Trainingsphase konnten die Studienteilnehmer nicht nur ihr Körpergewicht signifikant reduzieren, sondern unter anderem auch erstaunliche Verbesserungen von kardiometabolischen Risikofaktoren erzielen, zum Beispiel eine Reduktion des systolischen Blutdrucks um im Mittel 12 mmHg, sowie eine klinisch relevante Steigerung der Herz-Kreislauf-Leistung. Zudem berichteten die Teilnehmer am Ende des Programms über eine deutlich verbesserte subjektive Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität. „Bereits zweimal 14 Minuten – also knapp 30 Minuten gezielte Bewegung pro Woche –, gepaart mit gesünderer, kalorienreduzierter Ernährung, können entscheidend zu besserer Gesundheit, höherem Wohlbefinden und mehr Leistungsfähigkeit beitragen“, so das Resümee des Studienleiters.

 Dr. Reljic und Prof. Zopf hoffen nun, dass diese Ergebnisse auch dazu beitragen, Arbeitgeber zu motivieren, künftig mehr in Programme zur Gesundheitsförderung durch Bewegung und ausgewogene Ernährung zu investieren – insbesondere für die Risikogruppen unter den Beschäftigten. Solche Maßnahmen müssen nicht mit einem großen Zeitaufwand verbunden sein, wie die aktuelle Studie zeigt.

 Originalpublikation: https://dx.doi.org/10.1186%2Fs12967-020-02592-6.

 Weitere Informationen:

 Dr. Dejan Reljic

Tel.: 09131 85-40116

dejan.reljic@uk-erlangen.de

 

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16.11.2020 Erste „Video-Taufe“ in der Kinderklinik

Dank Webcam und Co. konnte die Familie des kleinen Ludwig trotz Corona zusammenkommen

Neue Zeiten erfordern neue Wege: Trotz der gebotenen sozialen Distanz gelang es jetzt in der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle) des Universitätsklinikums Erlangen auf ganz besondere Weise, Nähe und Verbundenheit herzustellen: bei der ersten „Video-Taufe“ eines Babys. Mit knapp zwei Monaten wurde der kleine Ludwig Ende Oktober von der evangelischen Pfarrerin und Seelsorgerin der Kinderklinik Kathrin Kaffenberger getauft. Schwester, Großeltern, Cousine, Tante, Onkel und Patin des kleinen Jungen waren zu Hause an den Bildschirmen mit dabei.

Erst kürzlich hatte die Kinderklinik zwei neue Laptops erhalten. Warum also nicht diese Technik nutzen, um Ludwigs Angehörige per Video-Konferenz an seiner Taufe teilhaben zu lassen? „Der Impuls kam von den Pflegekräften der Kinderintensivstation, auf der Ludwig seit seiner dritten Lebenswoche liegt. Ludwigs Eltern und ich fanden die Idee super“, berichtet Kathrin Kaffenberger. Wie immer bereitete die Pfarrerin einen schön dekorierten Tauftisch vor und taufte Ludwig schließlich im Beisein seiner Eltern und seines Paten auf der Intensivstation der Kinderklinik. Der Junge wird dort unter anderem wegen einer Krebserkrankung behandelt.

„Die Möglichkeit, eine Video-Konferenz mit den Daheimgebliebenen zu starten, hat der ganzen Corona-Situation ihre Schwere genommen“, findet Kathrin Kaffenberger. „Die Angehörigen konnten dabei sein. Sie konnten über ihre Mikros ihre Segenswünsche sprechen. Ich habe alles erklärt, die Taufkerze in die Kamera gehalten und auch Ludwigs große Schwester zu Hause immer wieder mit einbezogen. Das hat allen sehr gutgetan.“

Ludwigs Eltern sind dankbar, dass die Taufe unter den gegebenen Umständen so liebevoll gestaltet wurde. „Wir fanden es sehr schön und haben auch nur Positives von allen gehört, die daheim dabei waren“, so der Vater. „Wir wollten Ludwig mit der Taufe Kraft geben und Frau Kaffenberger hat das wirklich sehr einfühlsam gemacht. Ein großes Lob auch an alle Pflegekräfte, die das Bestmögliche aus der aktuellen Situation machen!“

Eingeschränkte Besuchsmöglichkeiten

Derzeit gelten am Uni-Klinikum Erlangen coronabedingt wieder strengere Besuchsregeln. In der Kinderklinik darf aktuell je Patient nur eine erziehungsberechtigte, symptomfreie Person mit aufgenommen werden. Der zweite Elternteil kann für eine Stunde täglich zu Besuch kommen. „Virtuelle Taufen wie bei Ludwig oder Ähnliches möchte ich in Zukunft auch anderen Eltern anbieten“, erklärt Kathrin Kaffenberger. „Die Pflegekräfte und Ärzte der Kinderklinik machen hier jeden Tag so viel möglich – trotz Corona! Ich kann immer wieder so viel Einfühlsamkeit, Engagement und Improvisationstalent beobachten – das ist wirklich toll!“

 Weitere Informationen zu den Besuchsregeln am Uni-Klinikum Erlangen: http://www.uk-erlangen.de → „Hinweise zum Coronavirus“

 Weitere Informationen:

Kathrin Kaffenberger

Tel.: 09131 85-46846

kathrin.kaffenberger@uk-erlangen.de

16.11.2020 Kritik an Bayern-Reserve
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer